Manager Magazin 07/2013

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manager magazin vom 21.06.2013 Zweite Heimat

MANAGER PRIVAT

BERUFSPROMIS: AWD-GrĂźn-

der Carsten Maschmeyer und seine Braut Veronica Ferres laden gern Gäste in ihre Villa „Paradise Castle“ (unten)

ZWEITE HEIMAT

HOBBYWINZER: BionoricaGrĂźnder Michael Popp betreibt am TramuntanaGebirge Weinbau – und heimst Preise fĂźr seinen „Stairway to Heaven“ ein

MALLORCA Immer mehr deutsche

Manager und Unternehmer kaufen sich Traumhäuser auf der Balearen-Insel. Was zieht sie in den Sßden?

ie GlĂśckchen der Schafe bimmeln, ein Muli schreit. Langsam senkt sich die Dämmerung Ăźber die Weinterrassen am FuĂ&#x; der Serra de Tramuntana. Eine Eule schwebt heran und lässt sich auf der BrĂźstung vor der Finca nieder, die einst der Familie von Spaniens Diktator Francisco Franco gehĂśrte. An solch lauen Abenden, mit Landbrot, dem eigenen OlivenĂśl und einem Glas selbst angebauten Weines, genieĂ&#x;t Michael Popp seinen zweiten Lebensmittelpunkt Mallorca am meisten: „Die Natur, die Ruhe hier sind mir wichtig“, sagt der Inhaber des auf pflanzliche Arzneimittel spezialisierten Unternehmens Bionorica. Die strahlenden Augen verraten den Pharmazeuten aus Neumarkt in der Oberpfalz. Sie leuchten, wenn der zurĂźckhaltende Mann in verwaschenen Jeans von seinem Weingut Castell Miquel erzählt. Davon, wie er gemeinsam mit zehn Mitarbeitern die Reben auf dem 16 Hektar groĂ&#x;en Anwesen mit den steinummauerten Weinterrassen erntet und wie gut seine Weine unter dem Namen „Stairway to Heaven“ in internationalen Verkostungen abschneiden. Von der unglaublich leckeren Lammschulter fĂźr zehn Euro in einem nahe gelegenen Berggasthof. Und von den 67 Arten Mandelbäumen, die auf dem Versuchsgut wachsen, das der Teilzeitwinzer gerade einer klammen Bank abgekauft hat.

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FOTO: GETTY IMAGES

FOTO: STUART PEARCE FĂœR MANAGER MAGAZIN

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EINE FĂœR ALLE Doch so unterschiedlich ihre Vorlieben auch sein mĂśgen – alle investieren in Scharen auf Mallorca. Gourmets und Golfer, kulturbeflissene Stadtbewohner und Ăśko-orientierte Landeier, Wasserratten und Bergfexe erfĂźllen sich auf der Balearen-Insel ihre Vision von einem freieren, entspannteren Leben in der Sonne – wenigstens fĂźr ein paar Wochen im Jahr plus regelmäĂ&#x;ig ein langes Wochenende. Ex-Eon-Vorstandschef Wulf Bernotat Ăźberschaut von seiner rechteckigen weiĂ&#x;en Villa im Bauhausstil die drei Golfplätze in der Nobelsiedlung Son Vida oberhalb der Hauptstadt Palma. Peter Eisenmann, der mit Lackierkabinen fĂźr die Autoindustrie sein VermĂśgen gemacht hat, zĂźchtet auf „Es Fangar“ Hannoveraner-Pferde. Auf dem mit knapp 1000 Hektar Fläche grĂśĂ&#x;ten Landsitz der Insel betreibt der Unternehmer Ăśkologischen Anbau, sein Ă–l aus wilden Oliven verkauft er fĂźr 85 Euro pro Flasche. Werberveteran Konstantin Jacoby hat sein stilvoll renoviertes Stadtpalais hinter der Kathedrale von Palma mit zeitgenĂśssischer Kunst dekoriert. Durch die Altstadtgassen radelt er zum Hafen, um mit seinem Sportsegelboot zu trainieren. TV-Produzentin Sabine Christiansen genieĂ&#x;t von ihrer Terrasse bei Port d’Andratx den Anblick von Schafen und Hafen. Textilunternehmer Gerhard Weber, Kettendrogist Erwin MĂźller, Chefkosmetiker Hans-Peter Schwarzkopf, Schuhfabrikant Ludwig GĂśrtz, die Bertelsmänner Liz Mohn, Mark WĂśssner und Hartmut Ostrowski, die Modeleute Willy und Sonia Bogner, Deutschbanker Paul Achleitner mit Professorengattin

HAFENBLICK: HermesAufsichtsrätin Sabine Christiansen residiert mit Blick auf die Jachten in Port d’Andratx

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FOTO: WOLFGANG WILDE / ROBA PRESS

Fluchtpunkt Mallorca: Hier, auf dem Eiland im Mittelmeer, hat ein viel beschäftigter Spitzenmanager seinen persÜnlichen Traum von Stille und Abgeschiedenheit verwirklicht. Nun wßnschen sich Menschen, zumal wenn sie reich und erfolgreich sind, die verschiedensten Dinge. Der eine will beeindrucken mit Hubschrauberflßgen von der Jacht zur Megaparty auf der Dachterrasse. Der Nächste mÜchte ungestÜrt Regatta segeln, rennradeln, wandern oder klettern. Der Dritte sehnt sich nach einem Refugium, wo er lässig in Shorts und Schlappen mit seinen Lieben grillen und Boot fahren kann.

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FLIEGERGLĂœCK: Air-Berlin-

FOTO: KAY KIRCHWITZ / STAR PRESS

GrĂźnder Joachim Hunold mit Gattin Michaela in der Arena von Palma; die Stadt ist Drehkreuz seiner Airline

FILETSTĂœCK: Ein Traum-

FOTO: SABINE BRAUER / BRAUERPHOTOS

grundstĂźck am Meer bewohnen Deutsche-BankAufseher Paul Achleitner und seine Frau Ann-Kristin

„MALLORCA IST SCHON SEIT EINIGEN JAHREN IN DIE LUXUSKLASSE AUFGESTIEGEN – BEI PREIS UND LEBENSSTIL.“ Christian VĂślkers, Vorstandschef der Luxusimmobilienvermittlung Engel & VĂślkers

durchaus verständlich. Denn in der vergangenen Dekade haben sich zahlreiche Topkräfte und Firmenbesitzer dank Megabonus oder Gewinnsprung eine Immobilie auf der Insel zugelegt. Oder ihr vorhandenes Anwesen gegen etwas Besseres, GrĂśĂ&#x;eres, Moderneres ausgetauscht. Vor zehn Jahren galten auf der Insel noch 300 Quadratmeter Wohnfläche im klassisch-terrakottafarbenen Villenstil, mit gefliestem Schwimmbecken, BĂśgen, Bougainvillea und Bruchsteinmauern, als standesgemäĂ&#x;. Heute sollten es schon mindestens 500 cool designte Quadratmeter sein, besser noch 1000. Gigantische helle Marmorplatten oder teurer lokaler Binissalem-Stein zu FĂźĂ&#x;en, raumhohe Fensterflächen, InfinityPool plus Spa mit Sauna, Dampfbad, Whirlpool und Fitnesscenter, ein perfekt

Ann-Kristin, Allianz-Grande Michael Diekmann, UBS-Deutschland-Chef Stefan Winter, Lufthansa-Vorstand Stefan Lauer, Lindt & SprĂźngli-Verkaufsleiter Uwe Sommer, AWD-Verkäufer Carsten Maschmeyer samt Immer-noch-nichtEhefrau Veronica Ferres oder Utz Claassen, 20-Prozent-Eigner des immer noch erfolglosen FuĂ&#x;ballklubs Real Mallorca – die Liste der deutschen Wirtschaftskapitäne, denen die Insel als zweite Heimat dient, lieĂ&#x;e sich noch lange fortsetzen. So kann hier auch getrost auf die Namen jener verzichtet werden, die inständig auf Geheimhaltung ihrer Mallorca-Liebe dringen. Die Angst vor Neid, Missgunst und Klassenkampf scheint aus Sicht der Hyperdiskreten – Investmentbanker, Verleger, hĂśchstbezahlte Spitzenmanager –

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temperierter Weinkeller und automatisierte Steuerung der Haustechnik vom Smartphone aus zählen gewissermaĂ&#x;en zur Grundausstattung. „Mallorca ist seit einigen Jahren in die Luxusklasse aufgestiegen“, konstatiert Christian VĂślkers. Mehr muss der Vorstandschef der Edelimmobilienvermittlung Engel & VĂślkers – er kommt mit noch feuchtem Haar vom morgendlichen Polotraining – nicht sagen. Zum Beweis genĂźgt der Rundgang Ăźber seine Finca Son Coll. Das barock anmutende Anwesen, ländlich-gemĂźtlich mit ausgewählten Antiquitäten, alter und moderner Kunst als Sitz eines Gutsherrn dekoriert, dominiert eine kleine Bucht an der WestkĂźste. Von der Gartenebene hinter dem eindrucksvollen Haupthaus Ăźberblickt der Ferienlandwirt seine Olivenplantagen und Weingärten auf den selbst angelegten Terrassen. Dahinter grasen die Sportpferde, dann folgt der Wald, der bis zum Wasser reicht. Die Anzahl der Gästezimmer gibt VĂślkers mit „viele“ an. Mit solch exklusiven Objekten in bester Lage – Blick auf tĂźrkisfarbenes Meer und SteilkĂźste, im Hintergrund wildes Gebirge – tastet sich der einst als „Putzfraueninsel“ geschmähte Ort Ăźber zweistellige Millionenpreise schon an die privilegiertesten Destinationen des Globus heran. In VĂślkers’ hauseigenem Ranking der teuersten StraĂ&#x;en der Welt liegt das Mallorca jenseits von Ballermann und 300-Euro-all-inclusive-Wochen auf Platz 12. Mit Quadratmeterpreisen von bis zu 22 500 Euro rangiert die Carrer Castanyetes oberhalb der Bucht von Cala Marmassen in Port d’Andratx schon fast auf dem Niveau von Kampen auf Sylt. INSEL DER UNGEDULDIGEN Seit dem Ende der globalen Finanzkrise – wohl auch befeuert durch den Wunsch nach wertbeständigen Sachanlagen – boomt der Ferienhausmarkt auf Mallorca. 2012 verdoppelte sich die Zahl der deutschen Immobilienkäufer auf der Beraterinsel. Deren Angst vor dem EuroZusammenbruch hat sich gelegt. Sie haben erkannt: Selbst nach sechs Jahren Daueralarm funktioniert Mallorca noch und investiert sogar in Luxusinfrastruktur. Auf den MillionärshĂźgeln um Port d’Andratx jedenfalls werden die berĂźchtigten Schlaglochstrecken picobello saniert. Ferrari, Bentley und Co. erreichen manager magazin 7 / 2013

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demnächst ganz komfortabel die Toplagen hoch oben am Berg. Angesichts der rasch fortschreitenden Gentrifizierung der Insel rechnen die auf Nobelkundschaft spezialisierten Makler auch fĂźr dieses Jahr mit zweistelligen Wachstumsraten bei der zumeist nordeuropäischen Klientel. Auch die Preise werden – wenn auch moderat – wieder steigen, gibt sich Immobilienunternehmer Matthias KĂźhn Ăźberzeugt, einer der Pioniere des Reichengeschäfts auf Mallorca: „Wirklich exzellente Objekte haben ohnehin kaum an Wert verloren.“ Aktuell will er ein bombastisches Anwesen in der Nobel-Urbanisation Las Brisas fĂźr mehr als 20 Millionen Euro losschlagen. Deutlich teurer ist der Glaspalast, den Engel & VĂślkers in Son Vida offeriert. In den zwei Pools auf dem Freisitz lässt sich der Boden hydraulisch hochfahren, um eine Tanzfläche fĂźr 300 Personen zu schaffen. Dazu leuchten die in die raumgreifenden Fensterflächen integrierten LEDs der Megavilla namens „Chamäleon“ in der Wunschfarbe. Eine teutonische Prinzessin, die derzeit im Zuckerbäckerstil residiert, soll bereits Interesse an dem hypermodernen Anwesen angemeldet haben. Das klingt prima. Doch warum geben die Reichen ausgerechnet auf Mallorca solche Summen fĂźr einen Zweitwohnsitz aus? Die Antwort haben Inselliebhaber wie Achim Berg aus dem Effeff parat. Die perfekte Verkehrsanbindung mit täglich mehreren FlĂźgen von jeder grĂśĂ&#x;eren deutschen Stadt aus nennt der neue Arvato-Chef als wichtigstes Argument: „In einem 2,5-Stunden-Radius um Palma erreiche ich alle wichtigen Orte Europas.“ So kann der Vielflieger Ăźbers Wochenende in sein Haus an der Costa de la Calma zu Frau und Sohn jetten, die dort gern den GroĂ&#x;teil der Ferien verbringen. „Die Insel der Ungeduldigen“ prägt Konstantin Jacoby deshalb gleich den passenden Slogan fĂźr seine Wahlheimat: „Hier kann ich mir jeden Wunsch innerhalb von 15 Minuten erfĂźllen – im glasklaren Wasser schwimmen, im Hochgebirge wandern, im Club tanzen oder im Museum Kunst bewundern.“ Dass alle denkbaren Aktivitäten ohne groĂ&#x;en Organisationsaufwand spontan mĂśglich sind, das schätze die viel beschäftigte Wirtschaftselite. Und die hohe Sicherheit natĂźrlich. Im Gegensatz zur mondänen CĂ´te d’Azur komme es auf Mallorca nicht zu bewaffneten Ăœberfällen vor der eigenen Villa.

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„In 20 Jahren hier wurde ich ein einziges Mal bestohlen – eine Bohrmaschine und ein paar Flaschen Wein waren weg“, fĂźhrt der Hamburger den Einbruch in sein Landhaus bei Santanyi als Beweis fĂźr die geringe Kriminalität an. NatĂźrlich schlägt auch die perfekte Infrastruktur zu Buche: alles wie in Deutschland, nur mit mehr Sonne. Und Spanisch muss hier wirklich niemand lernen. Es gibt deutsche Handwerker, Bäcker, Metzger, Ă„rzte, Anwälte, Yogalehrer, Gastronomen, Friseure und Boutiquebesitzer. Die Dienstleister der Reichen agieren auf gewohntem Niveau. Die hohe Qualität soll – so loben etliche Teilzeitinsulaner – langsam sogar auf mallorquinische Geschäftsleute abfärben. Selbst ein Nachtleben jenseits der Massenbesäufnisse beim BierkĂśnig existiert heute: In schicken Beachclubs wie „Nassau“, „Puro“ oder „Nikki“ steigen Events, die selbst ausgebuffte Party-VIPs anerkennend nicken lassen. Nicht zuletzt aber gefällt den Besitzern der Millionenvillen – da denken auch sehr gut Betuchte sparsam – die ganzjährige Nutzbarkeit ihrer Immobilie. Während an Hip-Destinationen wie Ibiza oder der Costa Smeralda auf Sardinien die Models nur zwischen Juni und September tanzen, hat Mallorca 365 Tage Saison. Weil die Insel mit 876 000 Einwohnern ein eigenständiges Wirtschafts- und Kulturleben besitzt, sind Läden und Restaurants zwĂślf Monate geĂśffnet, finden ganzjährig Konzerte und Ausstellungen statt. Zwar fliegt das Gros der Hausbesitzer erstmals zu Ostern ein. Aber auch von November bis März genieĂ&#x;en viele ihre Latifundien. Dann spielen die WohlmĂśgenden eben Golf auf den mehr als 20 Plätzen, segeln bei Starkwind oder

„AUF MALLORCA KANN ICH MIR IN 15 MINUTEN JEDEN WUNSCH ERFĂœLLEN – PERFEKT FĂœR UNGEDULDIGE.“ Konstantin Jacoby, Werberlegende

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FOTO: GUNNAR KNECHTEL / LAIF

FOTO: EUROLUFTBILD.DE / F1ONLINE

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SCHĂ–NE RUNDE: Der Golf-

mit Tagestemperaturen bis 18 Grad. Hans Albrecht, GrĂźnder von Nordwind Capital und EigentĂźmer einer 400 Jahre alten Finca nahe Pollença im Norden, verbringt jedes Jahr im Februar mit Freunden eine Wellness-Woche auf der SICHERER HAFEN: In Port Insel. Dazu fliegt Yogalehrer Geo Takoma d’Andratx steigen die aus Kalifornien ein und instruiert die Immobilienpreise weiter Männer um 7 Uhr frĂźh zu Power-Asanas. Danach entdeckt die Truppe mit dem mallorquinischen WanderfĂźhrer Pere Llobera die schĂśnsten Pfade – den atemLECKERE SPEISEN: Im beraubenden Camino del Archiduque Gourmettempel „Es Fum“ entlang der SteilkĂźste bei Valldemossa im Hotel „St. Regis oder den Aufstieg zum Puig de MassaMardavall“ erkochte sich nella, der aus 1365 Meter HĂśhe einen Thomas Kahl einen Stern groĂ&#x;artigen Blick Ăźber die ganze Insel erĂśffnet. „Die Natur hier ist wild und undĂźsen mit dem Rennrad Ăźber die idylli- heimlich schĂśn“, preist Investor Albrecht schen, von Steinmauern eingefassten SträĂ&#x;chen. Die erste Januarwoche etwa gilt Balearen-Fans als „kleiner Sommer“,

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club Son Gual von Unternehmer Adam Pamer gilt unter Kennern als der beste der 23 Insel-Plätze

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Angaben der Edel-Liga wie gewĂźnscht: Wer an der richtigen Stelle wohnt, gehĂśrt zur Insel-Society. Denn auf dem mediterranen Flecken, auf dem jede Entfernung in maximal einer Stunde Fahrzeit zu bewältigen ist, kennt in den besseren Kreisen jeder jeden und seine BesitztĂźmer, inklusive Kaufpreis. Der Villeneigner in Son Vida zeigt nicht nur stolz seine Aussicht auf die Lichter von Palma, ein „Blick wie in Beverly Hills“. Fast wichtiger scheint der Fingerzeig auf die Nachbarn: Da unten, ganz bescheiden am Golfplatz, wohnt AuĂ&#x;enminister Guido Westerwelle. Das Haus hat seinen Partner Michael Mronz wohl weniger als 2 Millionen Euro gekostet. Und da drĂźben MĂśbelfabrikant Hans-Joachim Tessner, mindestens 4 Millionen. Mit wohligem Grusel wird die Protzvilla der S&KAnlagebetrĂźger (7 Millionen) vorgefĂźhrt und das Anwesen von Pleitier Helmut Spikker aus Ahlen (20 Millionen). Das Spiel wiederholt sich im „DĂźsseldorfer Loch“ an der SĂźdwest-KĂźste: Dort der Neubau von Fressnapf-GrĂźnder Torsten Toeller, da die Häuser von Christian Goldschagg, Ex-Teileigner des SĂźddeutschen Verlags. Und selbst am vornehmen „Hamburger HĂźgel“ in der ländlichen SĂźdostecke weist der dezente Norddeutsche gern auf die Anwesen von P&CNord-Inhaber Dirk SchrĂśder, Ex-Thyssen-Chef Dieter Vogel, Artnet-GroĂ&#x;aktionär Hans Neuendorf oder Tom-TailorGrĂźnder Hans-Heinrich PĂźnjer. Die familiäre Nähe innerhalb der Business-Community schätzt Dorothee Ritz hoch. „Hier kann ich entspannt und leger Freunde und Bekannte aus meinem Geschäftsumfeld treffen“, beschreibt die Strategiechefin von Microsoft International die FĂźhlungsvorteile der Insel. Umständlich verabreden mĂźsse sie sich nicht: „Im Sommer sind eh alle da.“ Die einschlägigen Treffpunkte sind bekannt. In Bonaire bei AlcĂşdia etwa, wo Ritz im Haus ihrer Familie neben Mohn und WĂśssner wohnt, treffen sich Manager und Unternehmer in der Hafenkneipe „Cocodrilo“. In solch unprätentiĂśsen Buden pflegen dann Chefs in Chinos und Polohemd Kontakte. Manchmal entstehen in heiterer Stimmung bei frischem Fisch und kĂźhlem Bier Ăźberraschende Geschäftsideen. Professor Johann Tomforde, Erfinder des Smarts bei Daimler, etwa erzählt gern von einem Ausflug in die Cala Torta. Mit dem Daycruiser war der Mobilitätsdesigner von Cala Ratjada aus, wo sein Haus mit Blick auf gleich zwei Buchten

WILD FEIERN: Im „Nikki Beach Club“ machen die Reichen und SchĂśnen die Nacht mit Champagner durch

TEUER CHILLEN: Das Re-

FOTO: DDP IMAGES

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laxen danach ist auf der Jacht in Porto Portals aber noch kostspieliger

die Insel als Abenteuerspielplatz zum Wandern, Surfen, Kiten oder Tauchen. Praktisch, sicher, vielseitig – diese drei Pluspunkte ordnen die gestressten UnternehmensfĂźhrer ihrer Trauminsel spontan zu. Weshalb sofort nach der Landung in Palma tiefe Entspannung und ein GefĂźhl „wie zu Hause“ eintrete. Ein viertes und womĂśglich entscheidendes Argument fĂźr eine Immobilie auf Mallorca klingt in den Lobgesängen auf den beliebtesten Zweitwohnsitz der Wirtschaftselite indes nur unterschwellig mit: Die Balearen-SchĂśne ist sozialverträglich – nach auĂ&#x;en wie nach innen. Mitarbeiter und Konsumenten finden die Insel als Domizil vollkommen in manager magazin 7 / 2013

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Ordnung. Ein Häuschen auf Malle mit Schlauchboot – so beschreiben etliche Topleute gegenĂźber weniger Betuchten ihr Ferienziel –, das klingt bescheiden, bodenständig, akzeptabel eben. Sieht ja kein AuĂ&#x;enstehender, dass sie es hier abgelegen auf dem Lande oder in einer nur Ăźber eine gesicherte Zufahrt zu erreichenden Community richtig krachen lassen. Häufig verbirgt sich hinter dem „Häuschen“ ein millionenteures Konglomerat aus Villa, Gästehaus, Spa sowie AngestelltenunterkĂźnften. Und das „Schlauchboot“ ist in Wahrheit aus Hightechmaterial, mindestens zwĂślf Meter lang, und am Heck heulen AuĂ&#x;enborder mit 350 PS. JEDER KENNT JEDEN Umgekehrt interpretieren Insider die

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einsam am Berg über dem rummeligen Ferienort liegt, an den Traumstrand geschippert. Am wackeligen Bartresen des „Chiringuito“ saß in Badehose ein ihm bekannt scheinender Mann: Personalberater Gerhard Kienbaum, wie sich nach kurzer Plauderei herausstellte. Noch am gleichen Nachmittag tüftelten die beiden gemeinsam an neuartigen Geschäftsprozessen. Natürlich hilft die Mallorca-Sippe solchen Zufällen gern auf die Sprünge. Deshalb lädt sich die A-Gesellschaft regelmäßig gegenseitig zum entspannten Networking ein. Ex-Bertelsmann-Grande Wössner etwa freut sich über den jährlichen Empfang bei Schuhmillionär Horst Wortmann aus Detmold: „Mit 50 Freunden aus der Ostwestfalen-Clique auf der Terrasse über Palma quatschen, das ist herrlich.“ Filmproduzentin Regina Ziegler bittet die Berliner Clique gern in den Golfclub von Capdepera. Und eine erlesene Gesellschaft von Kunstfreunden trifft sich regelmäßig zum Brunch im Atelier von Maler Gustavo nahe der Cala Mesquida. Inmitten der skurrilen Figuren des Künstlers, die etwa die Residenz von Ex-Tui-Chef Michael Frenzel schmücken, plaudern die wohlhabenden Sammler der fröhlich-bunten Werke bei Gourmet-Tapas und lokalen Weinen bis in den Abend. Damit sich die Gäste bei solchen privaten Events heimisch fühlen, sorgen professionelle Gastgeber wie die Münchenerin Dorothea Waydsch für köstliche Speisen und ein persönliches Ambiente, das die Hausherren im besten Licht erscheinen lässt. Die rasante Entwicklung der wertigen Infrastruktur fördert die deutsche Nobelgemeinde nach Kräften. Weil es energiestrotzende Topleute ohnehin schnell langweilt, immer nur Immobilien zu kaufen oder zu feiern, steigen sie oft selbst in das Geschäft mit ihren Klassen-Kameraden ein. Das Sternerestaurant „Es Fum“, dessen Chefkoch Thomas Kahl auf einer Terrasse am Meer Wagyu-Rind auf geräucherten Tomaten und Bohnenmus oder Jakobsmuschel-Ravioli serviert, etwa residiert im von der Starwood-Gruppe betriebenen „St. Regis Mardavall“-Hotel, das zur Unternehmensgruppe der SonVida-Anrainerin Alexandra Schörghuber zählt. Logistikunternehmer KlausMichael Kühne eröffnete im Mai sein schlossartiges Fünf-Sterne-Hotel „Casmanager magazin 7 / 2013

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„HIER KANN ICH ENTSPANNT BEKANNTE AUS MEINEM GESCHÄFTSUMFELD TREFFEN. IM SOMMER SIND EH ALLE DA.“

DIE HOTSPOTS DER INSEL

— RIALTO LIVING Stilvoller Laden für edle Einrichtung und Kleidung in einem Stadtpalais. Carrer Sant Feliu 3c in Palma. www.rialtoliving.com — NIKKI BEACH CLUB Die derzeit heißeste Partyzone der Insel inklusive Champagnerdusche für 2000 Euro. Avenida Notario Alemany 1, Magaluf. www.nikkibeach.com/mallorca/

Dorothee Ritz, Strategiechefin Microsoft International

— TALISE SPA Entspannung und Beautyprogramme auf 5-Sterne-Niveau im „Jumeirah“-Hotel. Carrer de Bèlgica, Puerto de Sóller. www.jumeirah.com

wandelte, wiesen in die richtige Richtung, sagt die Medienfrau: „Solche Neuentwicklungen nehmen die wohlhabenden Gäste schnell an – und die sind schließlich ein wichtiger Wirtschaftsfaktor.“ Jetzt fehle der Insel nur noch ein neues Profil, sagt die Expertin: „Im Gegensatz zu Ibiza als Partyinsel der Reichen und Schönen hat Mallorca kein modernes Image.“ Die Mallorquiner sollten deshalb die Nachhaltigkeit als Kernthema entdecken. Ihr Mitstreiter Kühn hat sogar schon einen griffigen Slogan für die Marke Mallorca parat: „Insel der Träume“. Schließlich könne hier jeder seine Wünsche verwirklichen – der Eitle in den schnieken Häfen, der Sportler in den Bergen, der Familienmensch im Haus am Meer, der Naturliebhaber auf der Finca im Landesinneren. Heilpflanzenforscher Popp jedenfalls hat sein Paradies gefunden. Er baut auf Mallorca nicht nur Wein an, sondern auch die speziell gezüchteten Heilpflanzen für die Bionorica-Produkte. Auf seinem Gut tagen Wissenschaftler aus aller Welt und tauschen sich mit dem Unternehmer über die Forschung in der Pflanzenmedizin aus. Vielleicht birgt diese Kombination das ultimative Geheimnis der Balearen-Insel: Sie ermöglicht die perfekte Synthese von Arbeit und Vergnügen. Work-Life-Balance im Sonnenschein: Das liebt Deutschlands Wirtschaftselite. Eva Müller

— FUNDACIÓN JAKOBER Das Künstlerpaar Yannick und Ben Jakober zeigt in sensationeller Architektur seine Sammlung. Es Mal Pas, Alcúdia. www.fundacionjakober.org — LIFESTYLE CYCLING Touren mit Ex-Radprofi Guido Eickelbeck. Carretera Arenal 15, Palma. www.lifestyle-cycling.net

tell Son Claret“ an der Südwestküste. Der fränkische Fensterfabrikant Adam Pamer betreibt seinen eigenen Golfplatz Son Gual in der Landesmitte. Und die Bauunternehmer-Familie Graf renovierte das halb verfallene 15-Häuser-Dörfchen Biniagual zu einem Schmuckstück mallorquinischer Kultur und produziert auf den umgebenden 170 Hektar Land viel beachteten Wein. FEHLT NUR NOCH EIN NEUES IMAGE Wer so viel Gutes für sein liebstes Urlaubsdomizil tut, der will natürlich auch mitreden dürfen in der lokalen Politik. Deshalb engagiert sich Sabine Christiansen jetzt gemeinsam mit Unternehmer Matthias Kühn in einem Beirat, in dem Verlagsmanager, Tourismusunternehmer und Politiker die Inselregierung bei der Entwicklung weg vom Massen- hin zum Qualitätstourismus unterstützen wollen. Das schick gewordene Hafenviertel Portixol in Palma oder das neue „Jumeirah“Hotel, das eine Bauruine auf dem Hügel über Port de Sóller in eine In-Location

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