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HOMES IN MUM – BAY


My Story

Travelling Clothes On Valentine’s Day, February 14th 2010, I was living in Mumbai in India. The day dedicated to making declarations of love, which is of Catholic origin, is not celebrated in Mumbai. I remembered that there were advertisements for Valentine’s Day at stores in Germany and lots of last minute sales of chocolates at department stores in Japan. In Germany I had been rejected by my boyfriend and I had only recently left Berlin in a temperature of minus 15 to arrive into 35 degrees of tropical heat. I couldn’t feel that Valentine’s Day existed here.

In India, I always had to wait for everything for a long time. It was especially difficult for me to find a silkscreen printing shop where I could make my work. It was normal that I would research information on the Internet and travel to the places, but the shops didn’t exist. After Mumbai had stopped being a Portuguese or English colony, many of the streets and street names had been changed. So in Mumbai a map was only half believable and only showed the approximate place. There were often gaps. I used to constantly ask the people I met if they could tell me the way. It was so hard to reach a destination in Mumbai. I felt that I was losing my way and that I would be swallowed by chaos under mysterious circumstances as soon as I stopped trying to use my five senses to understand things by myself.


Eventually I found a silkscreen printer where I could work. It was an hour away from where I was living. The shop was in the corner of a market. In a small room of about 12 square meters there were four computers, three worktables and two drying stands. Five employees including a ten-year-old boy and the owner worked there. On the ground at the back of the shop was the place to clean the screens. This was also where the employees and the owner would go to the toilet. Mice would sometimes run over my screen prints. There was a strong smell of ink and toilets and in the monsoon period the hygiene got worse. The Indian employees became ill with diarrhoea and eventually they couldn’t come to work any more. The shop had to be closed. I was impatient. The owner of the shop said to me, “This is India. I’m proud of India. It’s normal that everything’s isn’t going well. It’s the rules of this place.” In the end I also got ill with diarrhoea and fever. I’d been in bed. Before I was properly well, I tried to come to the shop to work. Surprisingly, the owner opened the shop. It was the first time that I had worked without a toilet and I was ill with diarrhoea. I was again surprised that after my illness the Indian people in the shop became very friendly towards me. I had stopped travelling. I could take off my travelling clothes and be naked as myself, which had been impossible before.

Maki Umehara


Meine Geschichte

Reisekleidung Am Valentinstag, am 14. Februar 2010, war ich in Mumbai. Ein feierlicher, vielversprechender Tag für die Liebe, der einen katholischen Ursprung hat, allerdings in Mumbai nicht gefeiert wird. Ich erinnere mich, dass es in deutschen Geschäften Anzeigen für den Valentinstag gab und in japanischen Kaufhäusern einen Ausverkauf von Schokolade. In Deutschland hat mein Freund unsere Beziehung beendet. Ich wurde kurz vor Berlin verlassen, wo es minus 15 Grad kalt war. Bei meiner Ankunft in Mumbai herrschte eine tropische Hitze von 35 Grad. Hier konnte ich keine Präsenz des Valentinstags spüren. In Indien musste ich immer sehr lange auf alles warten. Es war besonders schwierig für mich, eine Siebdruckwerkstatt zu finden, wo ich arbeiten konnte. Es war normal, dass ich Informationen im Internet recherchiert habe und dann in die Orte gefahren bin, wo die Läden, die ich gesucht habe, nicht existierten. Nachdem Mumbai keine portugiesische oder englische Kolonie mehr war, wurden viele Straßen und Straßennamen geändert. Deshalb war dem Stadtplan von Mumbai nur mit Vorsicht zu vertrauen. Er zeigte lediglich die ungefähre Position. Es gab viele Lücken. Ich war es gewohnt, permanent Leute zu fragen, die ich getroffen habe, ob sie mir den Weg zeigen könnten. Es war sehr schwierig, ein Ziel in Mumbai zu erreichen. Ich hatte das Gefühl, dass ich die Orientierung verlieren würde und dass ich vom Chaos in diesen mysteriösen Räumen verschluckt werde, sobald ich aufhöre, meine fünf Sinne zu benutzen, um die Dinge selber zu verstehen. Schließlich habe ich einen Laden gefunden, wo ich arbeiten konnte. Er war eine Stunde von meiner Wohnung entfernt. Der Laden war an der Ecke des Marktes. In einem kleinen Raum von ca. 12 Quadratmetern, in dem sich vier Computer, drei Arbeitstische und zwei Trockenständer befanden. Fünf Mitarbeiter inklusive eines zehnjährigen Jungen sowie der Eigentümer haben dort gearbeitet. Auf der Erde hinter dem Laden konnte man das Sieb auswaschen. Dort war allerdings auch die Toilette der Mitarbeiter und der Eigentümer. Mäuse sind manchmal über meine Siebdrucke gelaufen. Es herrschte ein strenger Geruch nach Tinte und Toiletten und während der Monsunzeit verschlimmerte sich die Hygienesituation noch. Die Mitarbeiter erkrankten an Durchfall und schließlich konnten sie nicht mehr zur Arbeit kommen. Der Laden wurde geschlossen. Ich war ungeduldig. Der Eigentümer sagte zu mir: „Hier ist Indien. Ich bin stolz auf Indien. Es ist normal, dass nicht alles gut läuft. Das sind die Regeln dieses Ortes.“ Am Ende erkrankte ich auch an Durchfall und Fieber. Ich lag im Bett. Noch bevor ich richtig gesund war, versuchte ich, wieder im Laden zu arbeiten. Überraschenderweise hatte der Eigentümer den Laden geöffnet. Es war das erste Mal, dass ich mit einer Magen-Darm-Erkrankung gearbeitet habe. Ich war überrascht, dass die Inder im Laden nach der Krankheit plötzlich sehr nett zu mir waren. Ich hörte auf zu verreisen. Ich konnte meine Reisekleidung ausziehen und ich selbst sein. Das war vorher unmöglich. Maki Umehara


Impressum

© Landeshauptstadt Düsseldorf, Kunstraum Düsseldorf und die Künstlerin, 2010 Förderpreis für Bildende Kunst der Landeshauptstadt Düsseldorf 2010 Ausstellung im Kunstraum Düsseldorf Maki Umehara – René Zeh 10.12.2010 – 23.01.2011 Katalog / Fotos: Maki Umehara Leiterin Kunstraum Düsseldorf: Ulla Lux Kurator: Michael Voets Auflage: 300 Herstellung: Jan van der Most, Düsseldorf Dank: alle, die bei der Entstehung der Arbeit mitgewirkt haben. Martina Klein, Lucy Harvey, Elmar Hermann, Kunststiftung NRW, Goethe Institut Mumbai / Max Mueller Bhaven, Kunstverein Germersheim e.V.

CLAY


Homes in Mum-Bay/excerpt  

Maki Umehara, 2010

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Maki Umehara, 2010

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