SELBSTBESTIMMT ALT WERDEN Abt. 13 – Gesellschaft und Integration
4. Gewählte Erwachsenenvertretung Ich bestimme meinen Vertreter erst im Bedarfsfall selbst. Dieser wird vom Gericht überwacht. BEISPIEL ZUR GEWÄHLTEN ERWACHSENENVERTRETUNG
Annas beste Freundin Brigitte ist 74 Jahre alt. Bei ihren Treffen bemerkt Anna, dass Brigitte in letzter Zeit des Öfteren sehr zerstreut wirkt und Dinge vergisst. Ein Arzt stellt fest, dass Brigitte an Altersdemenz leidet. Kurz nach der Diagnose verschlechtert sich ihr Zustand rapide, so dass sie ihre Angelegenheiten nicht mehr selbst besorgen kann.
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Anna möchte Brigitte helfen. Kann Anna ihre beste Freundin vertreten?
Solange jemand entscheidungsfähig ist, kann er eine Vorsorgevollmacht errichten und so seinen Vertreter festlegen. Im gesunden Zustand machen sich jedoch nur wenige Menschen Gedanken über eine Vertretung. Zwar wird die Frage der Vertretung erst aktuell, wenn man (z. B. aufgrund einer psychischen Krankheit) seine Angelegenheiten nicht mehr selbst besorgen kann, für die Errichtung einer Vorsorgevollmacht ist es dann aber schon zu spät! Seit 01.07.2018 gibt es deshalb die gewählte Erwachsenenvertretung. Die betroffene Person kann einen oder mehrere gewählte Erwachsenenvertreter bestimmen, wenn sie sich bereits nicht mehr selbst um ihre Angelegenheiten kümmern kann und keinen Vertreter (z. B. Bevollmächtigten siehe Kapitel 2. Seite 15; Vorsorgebevollmächtigten siehe Kapitel 3. Seite 17) dafür hat. Voraussetzung ist aber, dass die betroffene Person gemindert entscheidungsfähig ist. Sie muss in Grundzügen verstehen können, welche Bedeutung und Folgen die Bevollmächtigung des gewählten Erwachsenenvertreters hat. 33