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Penguin Books The Histories


»Das Buch ist tot, es lebe das Buch.« Bücher sind für mich unentbehrlich. Mindestens eines begleitet mich jeden Tag zur Arbeit oder in die Schule. Ich lese an Bahnhöfen, in Zügen, Cafés, Kinos, Restau­ rants, auf Parkbänken, Reisen, zu Hause. Meine Bücher haben Eselsohren und Noti­ zen. Manchmal versteckt sich ein lange ver­ gessenes Foto zwischen den Seiten, ein Blatt, eine flachgepresste Blume. Bücher sind für mich die Geschichte darin und die Ereignisse währen des Lesens um mich her­ um. Ein anderes Universum. Eines der schönsten Bücher in meinem Regal ist die Penguin Classics Deluxe Edit­ ion von Mary Shelleys Frankenstein. Man muss das Buch wahrscheinlich in den Händen gehalten haben, um meine Begeis­ terung zu verstehen. Nicht nur finde ich den vom amerikanischen Künstler Daniel Clowes gestaltet Umschlag überzeugend, das Buch weist noch einige andere, ver­ steckte Besonderheiten auf. Grund genug einen genaueren Blick hinter die Kulissen von Penguin Books zu werfen. Eine schriftliche Anfrage bei Penguin blieb bisher unbeantwortet. So stütze ich mich nun auf die Informationsflut des World Wide Webs und vertraue auf deren Richtig­ keit. Auch konnte ich nicht alle Themen beleuch­ ten, die mich interessiert hätten. Viele Fra­ gen sind noch offen und die Zeit zum Be­ antworten leider zu knapp. Was mich am Unternehmen Penguin Books besonders beeindruckt hat, ist dass sich sowohl Gründer Allen Lane, wie auch seine Nachfolger, Veränderungen zu Nutzen ge­ macht haben und immer mit der Zeit gegangen sind. So war Penguin 1995 der erste Publikums­ verlag mit eigener Internetseite und eBook-Store. Und schlussendlich, trotz allen Todsag­ ungen; es gibt es noch.

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Inhalt 5 The Unfortunate Traveller 1935 erkor in Grossbritannien die »Paper­ back-Revolution« den Begriff »Penguin« zum Synonym für das Taschenbuch.

38 Blood, Toil, Tears and Sweat Penguin Werbung 2007-2011.

7 Persuasion Die für den Verkauf notwendigen Werk­ zeuge eines Unternehmens werden als Mar­ keting-Mix bezeichnet.

44 The Wealth of Nations Vier Produkt- und Marktstrategien werden unterschieden.

11 What is Art? Allen Lanes Buchschöpfung war sowohl schlicht wie auch ansprechend. Bis heute ist dabei das prägnante Pinguin Logo das Herz der Marken-Strategie. 18 Letters from a Stoic Als sich in Deutschland der Zwanziger­jahre die Schriftart Futura zu einem Best­ seller entwickelte, machte sich Stanley Morison für seinen Arbeitgeber Monotype auf die Suche nach einem britischen Äqui­ valent. 22 Personal Memoirs Zusätzlich zu den 4Ps des externen Marke­ tings ergänzen 3Ps die internen Abläufe. 24 Work: A Story of Experience Eine Unternehmung steht unter dem Ein­ fluss einer sich ständig verändernden Um­ welt.

41 Kleines Promotions-Lexikon

46 Brand Imprint ist ein Begriff aus dem Verlagswe­ sen und beinhaltet die Aufteilung von Pub­ likationen in mehrere Segmente (oder eben Imprints). 54 Youth Mit Spinebreakers gründete Penguin Books eine Internetplattform, auf der Teenager über Bücher sprechen und diese mitgestal­ ten können. 57 Looking Backward Penguin-Marketing 1937. 60 Elective Affinities Was Bücher für uns bedeuten. 68 Buchverzeichnis

28 The Way we live now Britische Umweltsphären 1935 und 2012. 34 The Gospel of Wealth Jede erfolgreiche Strategie baut auf Wett­ bewerbsvorteile bzw. strategischen Erfolgs­ faktoren auf. 36 Steal This Book Ich muss gestehen, dass ich Buchwerbung bisher nicht besonders bewusst wahr­ genommen habe. Vielleicht liegt das daran, dass – zumindest hier in der Schweiz – nicht mit flächendeckenden Plakaten für Bücher geworben wird.

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1935

1936

Geburt des Penguin Logos und Publikation der ersten Taschenbücher.

Penguin wird selbständig. Einzug des Unternehmens in die Krypta der Holy Trinity Church in London.

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Das Unternehmen beginn »Penguin Shakespeare« B Imprints für Sachlitera The


Exeter  50° 43' N, 3° 32' W

The Unfortunate Traveller

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nt zu expandieren. Start der Buchserie und des »Pelican« atur über zeitgenössische emen.

1939

1941

Penguin errichtet eine Verkaufsstelle in New York.

Geburt des »Puffin« Imprints für Kinderbücher.

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Bilder  Roger Griffith (31 July 1969) Quellen  Zeit Online, www.penguinbooks75. com

1935 erkor in Grossbritannien die »Paper­ back-Revolution« den Begriff »Penguin« zum Synonym für das Taschenbuch. Sein Initiant, der damals 32-jährige Allen Lane, hatte das Taschenbuch zwar nicht neu erfunden, war allerdings zur rechten Zeit am rechten Ort. »Zeit: 1934, Ort: Bahnhof von Exeter.« Die Legende besagt, dass sich Lane auf dem Nachhauseweg von Agatha Christies Haus nach London befunden habe, als er auf dem Bahnhof von Exeter vergeblich nach einer passenden Reiselektüre suchte. So kam es, dass er statt zu lesen, während der Zugreise eine revolutionäre Geschäfts­ idee entwickelte.

Ein Glücksfall war es zudem dass der junge Verleger die günstige Kaufhauskette Wool­ worth’s als Partner gewinnen konnte. »Bücher so preiswert und zugänglich wie eine Packung Zigaretten.« Innerhalb des ersten Jahres verkaufte Pen­ guin drei Millionen Taschenbücher. Bis im April 1938 hatte Allen Lanes Unter­ nehmen hundertvierzig Titel veröffentlicht und mit Pelican den ersten verlagseigenen Imprint ins Leben ge­r ufen. Skeptiker, die Allen Lane für verrückt abge­ tan hatten, mussten kleinbeigeben.

Allen Lane war bereits Besitzer des eher schlecht als recht laufenden Verlages »The Bodley Head«, der ihm sein Onkel über­ schrieben hatte. Am 30. Juli 1935 startete er damit zahl­bare und gleichzeitig qualitativ hochwert­ige Ta­ schenbücher über den traditionellen Weg der Buchläden, aber auch durch Zugstatio­ nen und Zeitungskioske zum Verkauf an­ zubieten. Lane hatte richtig erkannt, dass Bücher, wenn sie billig angeboten wurden, ein ganz neues Kaufpublikum erreichen konnten. Die ersten zehn Ausgaben gingen mit iden­ tischem Schutzumschlag ins Rennen und schrieben damit auch gleich noch Design­ geschichte.

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1942

1946

Erste Penguin Ausgabe von Walt Whitmans »Leaves of Grass«.

Mit Emil Victor Rieus Übersetzung von Homers »Odyssee« wird das erste Buch der »Penguin Classics« Reihe auf den Markt gebracht. Klassische Texte sollen so für jederman zugänglich gemacht werden. »Penguin Australia« wird gegründet. Penguin Books  11 / 2013

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Der Vertrieb br Bücher in Amerika »Penguin Books Maryland üb


Persuasion Der Marketing Mix

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ritischer Penguin a wird neu von der Inc.« in Baltimore, bernommen.

1960

1961

Penguin wird wegen der Publikation von D. H. Lawrences »Lady Chatterley‘s Lover« vor britischem Gericht angeklagt. Nach Einstellung der Klage verkauft der Verlag innerhalb von sechs Wochen zwei Millionen Kopien.

Penguin geht an die Börse. Das Aktienangebot wurde 150 mal überzeichnet und erreichte einen Rekord an der Londoner Börse.

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»Die für den Verkauf notwendigen Werkzeuge eines Unternehmens werden als M gruppen unterteilt: #Product #Price #Promotion #Place Quelle  Samatra

1. Product (Produktgestaltung) »Als Produkt bezeichnet man die Leistung, welche ein Unternehmen anzubieten hat. Eine andere Bezeichnung für das Produkt ist auch Marktleistung.« Es wird zwischen einem engen, einem erweiterten und einem weiten Produktbe­ griff unterschieden: a) Enger Produktbegriff »Beinhaltet die Eigenschaften, Qualität und Gestaltung des Produkts.« #Design #Styling #Farbe #Name #Verpa­ ckung #Bedienungsanleitung #Markierung b) Erweiterter Produktbegriff »Beinhaltet Dienstleistungen im Zusammenhang mit dem Produkt.« #Information #Beratung #Schulung #Reparatur #Serviceleistungen #Garantie­ leistungen #Rückgabemöglichkeiten #Kundendienst c) Weiter Produktbegriff »Beinhaltet materielle Sachleistungen und immaterielle Dienstleistungen« #Produktinnovation #Namensgebung #Serviceleistungen #Sortimentsplanung #Verpackung

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Fragen zur Definition des Produktbegriffes eines Unternehmens: 1. Wie gestaltet sich die Sortiments­ politik? #Sortimentsbreite (Anzahl Produktlinien) #Sortimentstiefe (Anzahl Produkte pro Produktlinie) 2. Wie sieht Produktpolitik aus? #Produktgestaltung #Qualität #Stil #Form #Markenpolitik #No-Name-Produkt #Markenprodukt #Verpackungsgestaltung #Service als Zusatzleistung zum Produkt #Service als eigenständiges Produkt

2. Price (Preisgestaltung) »Der Preis ist das Entgelt für den Erwerb eines Produkts.« Fragen zur Definiton der Preisgestaltung eines Unternehmens: 1. Wie gestaltet sich die Preispolitik? #Preisstrategie #Marktdurchdringungsstra­ tegie #Abschöpfungsstrategie #Andere Preisstrategien 2. Welche Faktoren beeinflussen die Höhe des Preises? #Kunden #Nachfragen #Kosten #Konkur­ renz 3. Welche Konditionen werden gewährleistet? #Zahlungsbedingungen #Kreditbedingun­ gen #Rabatte #Preisnachlässe #Aktionen 4. Art der Preisangabe?

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Marketing-Mix bezeichnet.« Der Marketing-Mix wiederum wird in vier Unter-

3. Place (Distribution)

4. Promotion (Kommunikation)

Diese Aufgabe übernehmen in der Regel Handel oder Absatzmittler. Man unter­ scheidet drei Bereiche: #Vertriebssystem #Verkaufsorgan #Logis­ tiksystem

Ziel ist es die Aufmerksamkeit des Kunden zu bekommen, ihr Interesse für das Produkt zu wecken und damit den Kaufwunsch zu fördern.

»Sämtliche Massnahmen, damit der Verkauf des Produkts an den Kunden tatsächlich zustande kommen kann.«

Fragen zur Definition der Distribution eines Unternehmens: 1. Wie sieht die Vertriebspolitik aus? #Potentieller Kundenkreis #Logistik #Absatzkanäle #Lagerbestände #Lieferbe­ reitschaft #Transportträger 2. Welche Vorgaben müssen beachtet werden? #Rechtliche Bedingungen #Budget des Unternehmens 3. Welche Bezugs- oder Verkaufspunkte sind dem Käufer bekannt? #Wettbewerbsstrategie #Vertriebsprozess im Markt #Käuferverhalten 4. Welche Distributionsintensität wird angestrebt? #Intensive Distribution (weite Produktver­ breitung) #Exklusive Distribution (Beschrän­ kung auf einen oder wenige Händler) #Selek­ tive Distribution (Mittelweg aus intensiver und exklusiver Distribution) #Belief­ erungsrhythmus

»Sämtliche Massnahmen, die der Kommunikation zwischen Unternehmen, Kunden, Mitarbeiter und Bezugsgruppen dienen.«

Fragen zur Definition der Kommunikation eines Unternehmens: 1. Welche Werbeinstrumente werden verwendet? #Produkte PR #Direkt-Marketing #Pro­ duct-Placement #Merchandising #Print #Funk #Fernsehen #Aussenwerbung #Internet #PPR #Messen 2. Welches sind die Verkaufsinstrumente? #Persönlicher Verkauf #Versandhandel #Internet 3. Durch was wird eine Verkaufsförderung angestrebt? #Wettbewerbe #Zugaben #Preisreduktio­ nen #Verkaufsförderungshilfsmittel 4. Welche flankierende Instrumente werden ergriffen? #Messen #Sponsoring #Events

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London Zoo, 51° 32‘ 5“ N, 0° 9‘ 15“ W

What is Art?

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Bilder  designmuseum.org, flickr, After You've Gone, Beautiful Book Covers Quelle  Zeit Online Übrigens  Das Pinguinbecken im London Zoo war einer der ersten Aufträge des Büros Tecton, bei dem Berthold Lubetkin Mitbegründer war. Lubetkin (1901-1990) galt in den Dreissigerjahren als einer der Pionere des Modernismus.

Allen Lanes Buchschöpfung war sowohl schlicht wie auch ansprechend. Bis heute ist dabei das prägnante Pinguin Logo das Herz der Marken-Strategie. Die Idee kam von Allen Lanes Sekretärin. Aus­ geführt wurde sie durch die damals 21-jährige Bürokraft, Edward Young, der mit Stiften, Malpapier und dem Auftrag einen schönen Pinguin zu zeichnen in den London Zoo geschickt wurde. Das Resultat schien gefallen zu haben. Danach durfte er gleich noch das berühmte dreiteilige Cover entwerfen: »Kopf und Fuss in leuchtendem Orange für Romane, Grün für Krimis oder Dunkel­blau für Biografien, dazwischen Schwarz auf Weiss den Titel des Buches und Name des Autors in moderner Gill-Sans-Schrift.« Die Bücher schrieben Design-Geschichte, Ed­ ward Young wurde Penguin-Produktionsma­ nager. Der letzte Schliff wurde vom Zweiten Welt­ krieg herausgezögert und dann durch Jan Tschichold ausgeführt. Der Typograph und Designer war von 1947 bis 1949 für das Ver­ lagsdesign verantwortlich und seine Ver­sion des Pinguins zierte die Bücher bis 2003.

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Nach 1949 übernahm Hans Schmoller aus Berlin das Ruder bzw. das Zeichenbrett. Schmoller wurde nachgesagt, dass er die kleinste Grössenabweichung im Druckbild noch aus 200 Fuss zu erkennen vermochte. In den Sechzigerjahren brachten immer mehr konkurrierende Taschenbuchverlage illust­ rierte Buchumschläge auf den Markt. Eine Entwicklung, die Allen Lane gar nicht gefiel. In seinen Augen wurden diese Bücher vor allem durch Fotos von Frauen mit Dekol­ leté verkauft – nicht aber durch guten Inhalt. Er sprach in diesem Zusammenhang jeweils von »breast-sellern«. Nichtsdestotrotz sah er sich gezwungen dem Trend Folge zu leisten. Der Italiener Germano Facetti half ihm dabei anstelle von tiefen Dekolletés die Bücher durch eleganten Mon­ tagen ins Rampenlicht zu rücken. Nach den unaufgeregten Siebziger- und Acht­ zigerjahre landete Penguin zu seinem sieb­ zigsten Geburtstag im Jahr 2004 den nächs­ ten Coup. Die »Great Ideas-Serie« Covers glänzten mit auffallender Typographie und jedes einzelne der siebzig Extrabände war von einem ande­ ren Designer eingekleidet worden.

1962

1967

Allen Lane wird zum Ritter geschlagen.

Gründung von »Allen Lane the Penguin Press«, ein neues Unternehmen, welches sowohl Taschenbücher wie auch gebunde Bücher publiziert.

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1970

Sir Allen Lane stirbt a Jahren. Im selben Mon von der S. Pearso aufgekauft (heute P


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am 07. Juli mit 67 nat wird Penguin on & Son Ltd. Pearson PLC).

Penguin Nr. 1, 1935

1973

1974

»Penguin New Zealand« wird gegründet.

»Penguin Canada« ist die nächste Erneuerung.

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Jan Tschichold, 1946

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Hans Schmoller, 1963

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Germano Facetti, 1961

David Pearson, 2010

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Capel-y-ffin, 51° 58‘ 37“ N, 3° 5‘ 11“

Letters from a Stoic

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Bilder  Chris Geary, Howard Coster, whatkidsenjoy.com Quelle  www.100besteschriften.de

Als sich in Deutschland der Zwanziger­jahre die Schriftart Futura zu einem Bestseller entwickelte, machte sich Stanley Morison für seinen Arbeitgeber Monotype auf die Suche nach einem britischen Äquivalent. Ende 1928 kommt ihm Eric Gills Name in den Sinn, der sieben Jahre zuvor zusam­ men mit Edward Johnston eine serifenlose Schrift für die Londoner U-Bahn entworfen hatte. Eric Gill betrachtete jeden Buchstaben als eine Skulptur und ging das Schriftenmachen als ein Handwerk an. Morison machte sich auf den Weg ins ent­ legene Capel-y-ffin. Dorthin hatte sich Eric Gill zurückgezogen um seine Schrift Perpe­ tua fertigzustellen. Zwei Wochen später liegen in London die ersten Entwürfe auf dem Tisch. Von 19291932 entstehen über 36 Garnituren der Gill Sans für den Bleisatz. Die Zeichen der Schrift basieren auf der An­ tiqua, welcher Eric Gill erst in einem zwei­ ten Schritt geometrische Formen zuwies. Eine ihrer Besonderheiten sind die ver­ schiedenen Schriftschnitte. Die Gill Sans Fett, Gill Sans Kursiv, Gill Sans Italic usw. haben jede ihr eigenes Aussehen. Auffällig ist zudem die geringe Mittellänge.

British Rail und der BBC. In der DDR wies sie so manchem Auto den richtigen Weg. In einer Neubewertung der Schrift im Jahr 2007 urteilte der Schriftexperte Ben Archer, dass die meisten Buchstabenkonturen der Gill Sans schlechter sind als deren Vorlage, die Johnston. Alleine durch das Marketing der Monotype Corporation und Eric Gills, wurde nicht die Johnston sondern Gill Sans zur britischen Nationalikone des letzten Jahrhunderts. Der bildhauerische und typographische Bei­ trag Gills zur britischen Kulturgeschichte ist nichtsdestotrotz unbestritten. Eine 1989 veröffentlichte Biografie wirft allerdings einen weiteren Schatten auf das Erbe des Künstlers; obwohl streng katho­ lisch, hinderte ihn das weder an einem inzestuösen Verhältnis mit seiner Schwes­ ter noch am sexuellen Missbrauch seiner Kinder. Zudem schildert Gill in seinem Tagebuch detailliert von seinem sexuellen Experiment mit dem Familienhund.

Verwendung fand die Gill Sans neben dem Einsatz in den Penguin Büchern bei der London and North Eastern Railway,

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Penguin Stellenanzeige von 2012

Personal Memoirs

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Zusätzlich zu den 4Ps des externen Marketings ergänzen 3Ps die internen Abläufe. Man spircht dabei von: #Personnel #Process #Physical Facilities. Quelle  Samatra Bilder  Recruiting Blogs

1. Personnel (Personalpolitik)

3. Physical Facilities (Ausstattungspolitik)

Aufgaben: a) Mittarbeiterschulungen #fachliches Wissen #Verhaltenstechniken #Persönlichkeitsschulungen b) Personalauswahl #Beurteilung der beruflichen Eigenschaften #Beurteilung der persönlichen Eigenschaften #Beurteilung der fachlichen Eigenschaften c) Personalführung #Motivationssysteme #Mitarbeiterbeurtei­ lung #Entwicklungsmöglichkeiten

Fragen zur Beurteilung der Ausstattungs­ politik: 1. Wie kann der Kunde das Unterneh men visuell und körperlich wahr nehmen? 2. Beobachtungen des Kunden? 3. Sichtbare Faktoren? 4. Aussehen der Innenausstattung? 5. Übersicht der Infrastruktur?

»Alle Instrumente zur direkten Beeinflussung des Personals.«

»Durch gezielte Gestaltung des Umfeldes die Qualität der Dienstleistung unter Beweis stellen.«

2. Process (Prozess-Management)

»Organisation der Betrieblichen Prozesse damit Informationen den richtigen Personen zum richtigen Zeitpunkt vorliegen.«

Aufgaben: a) Schaffung einer optimalen Arbeits organisation mit entsprechender Aufgabenverteilung. b) Zuständigkeiten definieren. c) Abläufe aller betrieblichen Prozesse optimieren. d) Kontrollmassnahmen der Arbeits abläufe aufbauen. e) Organisation der Kommunikation.

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Work: A Story of Experience Die Umweltsphären

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1975

1981

Penguin erwirbt »Viking«, ein führendes Unternehmen für gebundene Bücher in Amerika.

Mit »Two Years Befor the Mast« von Richard Henry Dana Jr. kommt die erste amerikanische Ausgabe eines »Penguin Classics« auf den Markt.

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Penguin erwirbt » Co.«. Der Verlag is Beatrix Potter u


983

»Frederik Warne & st bekannt für seine und »Spot«Titel.

Quelle  marketing.managertool.ch

»Eine Unternehmung steht unter dem Einfluss einer sich ständig verändernden Umwelt.« Die Umwelt formt das Unternehmen. Umgekehrt kann das Unternehmen die Um­ welt aber kaum zu seinem Vorteil verän­ dern. Die Umweltsphären werden in fünf Grup­ pen unterteilt: #die ökonomische Umweltsphäre #die technologische Umweltsphäre #die soziokulturelle Umweltsphäre #die ökologi­ sche Umweltsphäre #die Anspruchsgrup­ pen

1. Die ökonomisch Umweltsphäre

»Beinhaltet die Veränderungen der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen.«

Stichworte: #Währungsschwankungen #Verschiebung der globalen Arbeitsteilung #internationale Konkurrenz #anhaltende Konzentrations­ prozesse #Verschuldung von Entwicklungs­ länder #Verlagerung der Wachstumsmär­ kte #Sättigung der Märkte #Wandel im Kaufverhalten #unüberschaubare Produk­ tevielfalt #Deregulierung von Märkten #Verknappung der Rohstoffe #Grenzen im quantitativen Wirtschaftswachstum

2. Die technologische Umweltsphäre

»Beinhaltet die Veränderungen in der Technik und der Naturwissenschaften.«

Stichworte: #Mikroelektronik #Wandel der Informa­ tions- und Kommunikationstechnologie #Gentechnologie #Robotik #Automation #zunehmende Miniaturisierungen #Wan­ del der Zahlungsmöglichkeiten #kürzere Produktlebenszyklen

3. Die sozio-kulturelle Umweltsphäre

»Veränderungen der sozio-kulturellen Rahmenbedingungen betreffen den Menschen mit seinen Wünschen und Wertvorstellungen.«

Stichworte: #Gesundheit #Bildung #Politik #Religion #Arbeitslosigkeit #steigende Bedeutung von Weiterbildung #neue Arbeits(zeit)modelle #Individualität #zunehmende Einsamkeit #Zeitmangel #gesundheitsbe­ wusstes Leben #genuss- und lustbetontes Leben #Informationsüberlastung #Kaufer­ lebnis #Trend zur männlichen Frau und zum weiblichen Mann #junggebliebene Senioren

1984

1985

Start des Viking Imprints in Grossbritannien.

Die Buchabteilungen von »Michael Joseph« und »Hamish Hamilton« werden von Penguin aufgekauft.

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4. Die ökologische Umweltsphäre

»Beinhaltet Probleme betreffen der Rohstoffe, Energie, Wasser, Luft sowie der Abfallbeseitigung.« Stichworte: #verstärktes Ökologiebewusstsein #spar­ samer Umgang mit Ressourcen #Beschrän­ kung von schädlichen Stoffen #ökologische Produktion #strengere Produktzulassung #Entsorgungsvorschriften #Luftreinhalte­ verordnungen

5. Die Anspruchsgruppen

»Beinhaltet die Befriedigung der Ansprüche verschiedener Interessensgruppen.« Die Anspruchsgruppen werden nochmals unterteilt in: #interne Anspruchsgruppen #Mitarbeiter #Fremdkapitalgeber #Lieferanten #Kunden #Konkurrenz #Staat und Gesellschaft a. Interne Anspruchsgruppen »Umfasst die Kapitaleigentümer und das Management.« Interessen: #Einkommen/ Gewinn #Wertsteigerung des investierten Kapitals #Selbständigkeit #Entscheidungsautonomie #Macht #Ein­ fluss #Prestige #Selbstverwirklichung #Entfaltung der eigenen Ideen und Fähig­ keiten b. Mitarbeiter Interessen: #Einkommen #soziale Sicherheit #flexible Arbeitszeiten #sinnvolle Betätigung #Entfaltung der eigenen Fähigkeiten #zwischenmenschliche Kontakte #Status #Anerkennung #Prestige

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c. Fremdkapitalgeber Interessen: #sichere Kapitalanlage #befriedigende Verzinsung #Vermögenswachstum d. Lieferanten Interessen: #dauerhafte Liefermöglichkeiten #pünkt­ liche Begleichung der Rechnungen e. Kunde Interessen: #Qualität #günstige Preise #Service #Beratung #Betreuung f. Konkurrenz Interessen: #fairer und konstruktiver Wettbewerb #branchenpolitische Zusammenarbeit g. Staat und Gesellschaft »Beinhaltet Behörden, internationale Organisationen, Verbände und Interessenlobbies, politische Parteien, Bürger­ initiativen, allgemeine Öffentlichkeit.« Interessen: #Steuern #Sicherung von Arbeitsplätzen #Sozialleistungen #Einhalten von Gesetzen #politische Willensbildung #Beiträge an kulturelle, wissenschaftliche und bildende Institutionen #Umweltschutz

1986

1987

Nach dem Erwerb von »New American Library/ Dutton« profiliert sich Penguin zum ersten Mal in der amerikanischen Masse.

Gründung von »Penguin India«.

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Gründung von »Pen


989

nguin South Africa«.

1993

1995

Penguin veröffentlicht unter dem Imprint »Penguin Audiobooks« klassische und zeitgenössische Hörbücher, gelesen von renovierten Schauspielern.

Penguin ist der erste Publikumsverlag mit eigener Internetseite und eBook-Store. Zum 60-Jahre-Jubiläum des Verlages erscheint die »Penguin 60s series«.

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The Way we live now Britische Umweltsphären

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Ort: Grossbritannien Zeit: 1935 #Robert Watson-Watt demonstriert zum ersten Mal den Gebrauch eines Radars #Geschwindig­ keitsbegrenzung in dicht besiedelten Gebieten wird auf 30 mph reduziert #Grossbritannien protestiert gegen Deutschlands Bekanntmachung der Wehrpflicht #reflektierende Katzen­ augen kommen erstmals auf Strassen in Anwendung # King George V. feiert sein Silberjubi­ läum #die Grösse der Royal Air Force soll innerhalb der nächsten zwei Jahren verdreifacht werden #Tod von Prinzessin Victoria (Tochter von King Edward VII) #Fahrprüfung wird obligatorisch #Christopher Isherwoods »Mr Norris Changes Trains« erscheint #der konser­ vative Stanley Baldwin wird Prime Minister #Wirtschaftspolitik nach Prinzipien des Öko­ nomen John Maynard Keynes #Weltwirtschaftskrise #Deutsch-britisches Flottenabkom­ men #Alfred Hitchcocks »Die 39 Stufen« kommt in die Kinos #Aufstände zwischen Protestanten und Katholiken in Belfast # Publikation von T.E. Lawrences »Die sieben Säu­ len der Weisheit«, Tod des Autors im selben Jahr #letzter Gottesdienst in der Mardale Kirche bevor das Dorf zur Errichtung des Manchester Corporation’s Haweswater Reservoir geflutet wird #George Orwells »A Clergyman’s Daughter« erscheint #Malcolm Campbell stellt auf dem Grossen Salzsee in Utah mit 484.620 km/h einen neuen Geschwindigkeitsrekord auf #unterirdische Explosion im Bergwerk von North Gawber tötet neunzehn Personen #Geburt von Norman Foster, Prince Edward und Julie Andrews #Clement Attlee wird zum Führer der Labour Partei gewählt #Tod von William Kennedy Laurie Dickson (Erfinder des Kine­ tographen und Kinetoskop) #Eröffnung der Hornsey Town Hall (erstes englisches Gebäude im Internationalen Stil) #Jungfernflug des britischen Jagdflugzeugs »Hawker Hurricane« #letzte Wahlen vor dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs #Erstverfilmung von Charles Dickens »A Christmas Carol« #James Chadwick gewinnt für seine Entdeckung des Neutrons den Nobel Preis für Physik #Eröffnung des »De La Warr Pavilion« im Internationalen Stil #nach dem Rücktritt von Samuel Hoare übernimmt Anthony Eden das Amt als britischer Aussen­ minister #Rowntree’s produziert die ersten Kit Kats #Heiligsprechung von Beda Venerabilis #Veröffentlichung von Agatha Christies »Nikotin« und »Tod in den Wolken«

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Ort: Grossbritannien Zeit: 2012 #O2 verkündet Pläne für die grösste gratis WI-FI-Zone in Zentral-London #Bradley Wiggins gewinnt als erster Brite die Tour de France #Pläne des Schottische Parlaments im Jahr 2014 ein Referendum über die Unabhängigkeit Schottlands abhalten zu lassen #Anklage von fünf muslimische Männer nachdem sie zum Mord an homosexuellen Männer aufgerufen hatten #Kliniken die Abtreibungen durchführen dürfen neu Werbung im Radio und TV ausstrahlen #Staatsverschuldung bertägt rund 1,39 Billionen #das Rennpferd Frankel tritt nach seinem vierzehnten Rennen unbesiegt zurück #Fred Goodwin, ehemaliger CEO der Royal Bank of Scotland, verliert als Resultat des beinahe Kollaps der Bank im Jahre 2008 seinen Ritter­ stand #Gary Dobson und David Norris werden wegen Mordes mit rassistischen Motiven an einem dunkelhäutigen Teenager im Jahre 1993 schuldig gesprochen #Arbeitslosenquote bei rund 8 Prozent #Football Association entfernt John Terry als Kapitän des englischen National­ teams nachdem er beschuldigt wurde seinen Gegner Anton Ferdinand rassistisch beleidigt zu haben #schwere Schneefälle im Februar, Überschwemmungen im Juni #Queen Elizabeth II. feiert ihr Diamantenes Jubiläum #Beschluss der Bank of England zu einer erneuten Auswei­ tung der Staatsanleihekäufe um 50 Milliarden Pfund auf insgesamt 325 Milliarden Pfund #Fortsetzung des News-International-Skandals #Kosten für A-Post steigen von 46p auf 60p #Ruderregatta zwischen Oxford und Cambridge wird von einem Schwimmer gestört #Lokale Wahlen in England, Schottland und Wales #Olympische Sommerspiele in London #Italien besiegt England im Viertelfinale der Fussball-Europameisterschaft #Barclays Skandal #The Shard (höchstes Gebäude Europas von Juli bis Oktober 2012) wird eröffnet #Andy Murray erreicht in Wimbledon als erster Brite seit vierundsiebzig Jahren den Final #Lancashire Police entschuldigt den Einsatz eines Teasers an einem bilden Mann, dessen Blindenstock führ ein Samurai Schwert gehalten wurde #Wissenschaftler warnen von den Gefahren von Flüssigstickstoff in Getränken #Leutnant General Sir John Kiszely tritt als Präsident der Royal British Legion zurück #erste offene Herzoperation durch einen Roboter #letzte Schreibmaschine wird in England produziert #Veröffentlichung von Jamie Olivers »Jamie’s 15 Minute Meals«

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Bilder Importance of Electronics, La boite verte Quelle  Wikipedia, Statista

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The Gospel of Wealth Wettbewerbsstrategien

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Quelle  marketing.managertool.ch

»Jede erfolgreiche Strategie baut auf Wettbewerbsvorteile bzw. strategischen Erfolgsfaktoren auf.« Es werden drei Wettbewerbsstrategien unterschieden: #Kostenführerstrategie #Differenzierungs­ strategie #Fokussierungsstrategie

1. Kostenführerstrategie

Ziel: Schaffung von niedrigeren Kosten als die Konkurrenz. Vorgehen: #Kostenverursacher werden gesucht und eliminiert #Produkte werden gegenüber der Konkurrenz billiger hergestellt, aber zu nur unwesentlich tieferen Preisen verkauft Resultat: Höhere Marge. Voraussetzung: #Grössenvorteile #hohe Marktanteile #Erfahrungsvorteile #Kostenminimierung Risiken: #Technologische Veränderungen (Erfah­ rungsvorteile oder Investitionen werden unwichtig) #Imitation durch die Konkur­ renz #zu einseitige Konzentration auf die Kosten und Vernachlässigung von Produktoder Marktveränderungen Eignet sich für: Unternehmen, die Standart- oder Massen­ produkte herstellen. Beispiele: #Media-Markt #Ikea.

2. Differenzierungsstrategie

Ziel: Erreichen einer Einzigartigkeit in der Bran­ che.

Vorgehen: #Bindung der Konsumenten an die Marke. Resultat: Kunden sind bereit einen höheren Preis zu zahlen (Verringerung der Preisempfindlich­ keit). Risiken: #Differenzierungsmerkmal kann imitiert werden #steigernde Preissensibilität der Zielgruppe #Nutzenvorteil rechtfertigt Preisunterschied nicht mehr Beispiele: #Rolex #Porsche

3. Fokussierungsstrategie

Ziel: Profilierung in einer Marktnische. Vorgehen: #Konzentration auf eine bestimmte Abneh­ mergruppe, einen bestimmter Teil des Produktionsprogrammes oder einer geografischen Ausrichtung #das Unterneh­ men kann auf Masse oder Klasse innerhalb der Nische setzen. Voraussetzung: #Kenntnisse der Kundenbedürfnisse #Fähigkeit die potentiellen Kunden in dieser Marktnische zu erreichen #ausrei­ chende Grösse der Marktnische oder ausreichendes Wachstumspotential Risiken: #zu grosse Kostenunterschiede #zu geringe Unterschiede gegenüber Massenmarkt #Eindringen der Konkurrenz Beispiel: #Reisebüro, das nur Kreuzfahrten anbietet.

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Steal This Book

P wie Promotion

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»Sämtliche Massnahmen, die der Kommunikation zwischen Unternehmen, Kunden, Mitarbeiter und Bezugsgruppen dienen.« Ich muss gestehen, dass ich Buchwerbung bisher nicht besonders bewusst wahrge­ nommen habe. Vielleicht liegt das daran, dass – zumindest hier in der Schweiz – nicht mit flächendeckenden Plakaten für Bücher geworben wird. Ein Buch war die Ausnahme. Von David Ni­ cholls Buch »Zwei an einem Tag« sind mir sowohl hier in den Trams kleine Aufhänger sowie grosse Plakate in der Pariser Metro aufgefallen.

Format muss stimmen, die Schrift sollte nicht zu gross und nicht zu klein sein und noch immer ziehe ich den kalten Oberflä­ chen von eBook-Readern wohlriechendes Papier vor. So wären in meinem Fall eine gute Bezie­ hung zwischen Buchverlag und Buchhand­ lung ausschlaggebend. Zu was für Massnahmen Penguin Books greift, wenn sich das Zielpublikum in Buch­ handlungen unwohl fühlt, ist im Artikel über »Youth« zu erfahren.

Ich war noch nie an einer Buchmesse. Inter­ essieren würde es mich schon, meist erfahre ich aber von ihnen, wenn sie bereits vorbei sind. Genauso geht es mir mit Lesungen. Leider wurde ich bisher von keinem Buch­ verlag als Testleserin aufgeboten. Ich habe mir noch nie eine Ausgabe des Litera­ turclubs angeschaut. Erstens sollte ich zur Sendezeit bereits ans Zubettgehen denken und zweitens eilt dem Ganzen schon ein etwas trockner Ruf voraus. Von Zeit zu Zeit flattert eine Orell Füssli Werbebroschüre ins Haus. Diese wird meist direkt dem Altpapier weitergereicht und nur im Notfall und wenn alles andere Lese­ material ausgegangen ist durchgeblättert. Selten habe ich ein Buch gekauft, nachdem in einer Zeitung oder Zeitschrift eine gute Rezension erschienen ist und es hat sich in so manchen Fällen als eine Enttäuschung erwiesen, einen Roman zu lesen, nachdem ich zuvor den Film gesehen hatte. In den meisten Fällen wurde ich durch die Auslage in den Geschäften auf ein bestimm­ tes Werk aufmerksam. Ich mag gut gestaltete Buchumschläge. Das

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Blood, Toil, Tears and Sweat Werbung 2007-2011

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Quelle  Flavorwire, yatzer, marketing.managertool.ch

1. There’s Life in a Book Agentur: Y&R Kuala Lumpur (Malaysia) Jahr: 2007 Sexuell anzügliche Klammern und flirtende »I«s. Die wohl unterhaltsamsten Satzzeichen seit der Erfindung des Buchdrucks. Seite 52 2. The Whole Story Agentur: Saatchi & Saatchi (Malaysia) Jahr: 2008 Ein Bild sagt mehr als tausend Worte. Jede der Fotografien erzählt eine Geschichte. Wie zum Beispiel die des verdrehte Frauen­ körper, der am Ende einer Treppe liegt. Im Bild integrierte Seitenzahlen leiten das Auge durch die Tathergänge. Seite 32 3. Escape Into a Book... Agentur: Saatchi & Saatchi (Singapur) Jahr: 2009 In unserer schnellfortschreitenden Gesell­ schaft behauptet mancher, dass Lesen ein Luxus sei. Es ist einfach nicht genug Zeit zur Verfügung sich mit einem Buch zurück­ zuziehen. Saatchi & Saatchi zeigt das Buch in diesen Anzeige als Wundermittel um War­ tezeiten in etwas gewinnbringendes umzu­ wandeln. Seite 36 4. Unputdownable Agentur: Saatchi & Saatchi (Malaysia) Jahr: 2009 Die »Unputdownable« Kampagne widmet sich der süchtig machenden Wirkung von klassischer Literatur. Die Hände der Leser

verwandeln sich Klassiker wie etwa »The Hounds of Baskervilles« von Sir Arthur Co­ nan Doyle. Nichts passt so gut in unsere Hände wie ein richtiges Buch. Seite 16 5. Your Own World Agentur: DDB Hong Kong/ Tribal DDB Hong Kong (China) Jahr: 2010 Die Fotografien zeigen einsame Leser an sonst menschenüberfüllten Plätzen dieser Erde. Die Anzeige symbolisiert das Buch als Rückzugsmöglichkeit in eine eigene und persönliche Welt. Ganz ohne Worte. Seite 42

6. Coin Landscapes

Agentur: DDB Singapore (Singapur) Jahr: 2010 Für die Werbung der Penguin Rough Guides Budget Reisebücher verwandeln sich Münzen in Landschaften. Seite 58 7. Travel with Words Agentur: IESP João Pessoa (Brasilien) Jahr: 2010 Die auf Typografie basierende Anzeige ver­ wandelt Worte in Bilder. Das »A« wird zum Eiffelturm, das »I« zum Schiefen Turm von Pisa und auch Londons Doppeldeckerbus braust durch das Bild. Seite 67

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8. Meet the Classics Agentur: : EC Comunicação (Brasilien) Jahr: 2011 Im 2011 liess Penguin Papier und Illustratio­ nen hinter sich und griff zu härteren Werbe­ massnahmen. Guerilla Marketing stand auf dem Plan. Um für die Penguin Classics zu werben, platzierten die Reklamemacher farbige Schreibmaschinen zwischen moder­ nen Laptops in brasilianischen Buchhand­ lungen. Während Technologie sich ständig verän­ dert, verblasst die Aktualität mancher Bücher nie. Seite 38 9. Penguin kids’ classic audio Agentur: Y&R (Malaysia) Jahr: 2011 Y&R kombiniert monochromatische, Detail orientierte Illustrationen im Stil von anato­ mischen Zeichnungen mit den pastelligen Farben von Kinderbuchfantasien. Seite 20

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1996

1998

Mit der »Putnam Berkley Group« erwirbt Penguin eines der ältesten, grössten und renommiertesten Unternehmen im amerikanischen Verlagsland.

Penguin unterzeichnet mit Rocket eBook einen Handel für die Entwicklung und den Verkauf von eBooks.

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Weltweiter Inte »www.penguin


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ernetstart von nclassis.com«.

Kleines Promotions-Lexikon PR: Public Relations. Gesamtheit der Bemühungen eines Unternehmens in der Öffentlichkeit Ver­ ständnis und Vertrauen aufzubauen und zu för­ dern. Die Public Relations versucht die Meinung bestimmter Zielgruppen zu beeinflussen und damit bestimmte Ziele erreichen. Produkte PR: Alle PR-Massnahmen, die bei einer Produkteein­ führung und der laufenden Vermarktung eines Produktes angewendet werden. Das Ziel aller Massnahmnen ist die Absatzförderung. Direkt-Marketing: Umfasst sämtliche Kommunikationsmassnah­ men, die mit gezielter Einzelansprache einen direkten Kontakt zur Zielperson herstellen und einen Dialog initiieren bzw. Massnahmen die durch eine indirekte Ansprache die Grundlage für einen Dialog legen. Product-Placement: Kann allgemein als den Einsatz eines Marken­ produkts in der Handlung eines Spielfilmes oder einer TV-Serie definiert werden. Fachleute unter­ scheiden vier weitere Untergruppen: Generic Placement, Image Placement, Product Place­ ment und Music Placement. Generic Placement kommt in den Situationen zum Zuge, wenn Produce Placement eigentlich verboten ist. Es bezeichnet den Einsatz eines Markenartikels ohne sein Logo und kann für Produkte ange­ wendet werden, die bereits einen sehr hohen Erkennungswert haben (z.B. die typische Fla­ schenform von Coca Cola). Merchandising: Der Begriff umfasst unterschiedlichste Marke­ tingmassnahmen, ohne dass eine einheitliche Definition vorherrscht. Der Ursprung des Wor­ tes »Merchandising« liegt im amerikanischen Sprachgebrauch und bedeutet allgemein »Handel mit Waren zu treiben«. Dem entsprechend um­ fasst Merchandising sämtliche unternehmeri­

schen Massnahmen eines Gewerbes. Der Begriff wird darauf aufbauend weitgehend auf die Mar­ ketingaktivitäten des Handels eingegrenzt. Im deutschen Sprachraum wird Merchandising als Element der Verkaufsförderung des Handels ver­ standen. Oft wird Merchandising auch lediglich mit der Lizenzvermarktung gleichgesetzt. Dabei geht es um den Verkauf von Produkten, die nicht unmittelbar mit dem Kerngeschäft zusammen­ hängen (z.B. Disney-Figuren). Printmedien: Bezeichnet alle Informationsträger, die mittels drucktechnischen Verfahren auf Papier herge­ stellt werden. Aufgrund ihrer weiten Verbreitung gehören Printmedien zu den wichtigsten Werbe­ trägern. Aussenwerbung: Aussenwerbung umfasst Plakatanschläge, Super­ poster-Flächen, Plakataushänge in Vitrinen, spe­ zielle Plakatständer in und an Einkaufszentren, Verkehrsmittelwerbung, Werbung an Gebäuden, Telefonhäuschen, Tankstellen, Kränen, Uhren­ säulen, Bandenwerbung, Lichtwerbung und Luft­ werbung. Messe: Eine Messe im wirtschaftlichen Sinne ist eine zeitlich begrenzte, sich wiederholende Veranstal­ tung, die der Präsentation von Produkten und Dienstleistungen dient. Per Definition sollte sich die Veranstaltung besonders an das Fachpubli­ kum wenden. Verkaufsförderung: Die Verkaufsförderung umfasst kurzfristige Anreize zum Kauf bzw. Verkauf eines Produk­ tes oder einer Dienstleistung. Sie richtet sich sowohl an den Endverbraucher wie auch an den Aussendienst und den Handel.

2000

2001

Penguin gewinnt eine Verleumdungsklage die David Irving 1996 gegen Penguin Books und die Autorin Deborah Lipstad erhoben hatte. Irving hatte behauptet, dass Lipstadt in ihrem Buch »Denying the Holocaust« Unwahrheiten über ihn verbreitet hätte.

Penguin Books zieht an seine heutige Adresse an der 80 Strand in London. Der Imprint Portfolio wird gegründet.

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The Wealth of Nations Produkt/Markt-Strategien

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Vier Strategien werden unterschieden: #Marktdurchdringungsstrategie #Marktentwicklungsstrategie #Produktentwicklungsstrategie #Diversifikationsstrategie Quelle  marketing.managertool.ch

1. Marktdurchdringungsstrategie

»Marktintensivierung, Marktausschöpfung.« Vergrösserung von Umsatz- bzw. Marktan­ teilen mit bestehenden Produkten auf beste­ henden Märkten. Stichworte: #Relaunch #neue Kunden #Bedürfnisse besser erfüllen #Bedürfnisse schaffen #verbesserte Effizienz #Kosten senken #Preise senken

2. Marktentwicklungsstrategie

»Markterweiterung.« Erschliessung neuer Märkte mit bestehen­ den Produkten. Stichworte: #neue Zielgruppen #neue Verwendungs­ zwecke in anderen Märkten

3. Produktentwicklungsstrategie

»Produktentwicklung.« Vergrösserung des Umsatzes bzw. der Markt­ anteile durch neue Produkte auf bestehen­ den Märkten. Stichworte: #zusätzliche Kundenbedürfnisse erfüllen #Weiterentwicklung von Produkten #Produkte durch Mehrwert ergänzen

4. Diversifikationsstrategie

»Neuorientierung.« Entwicklung neuer Produkte für neue Märkte. Es werden drei Formen unterschieden: #horizontale Diversifikation #vertikale Di­ versifikation #laterale Diversifikation a. Horizontale Diversifikation »Erweiterung des Absatzprogrammes.« Stichworte: #Material #Herstellungsprozesse #Ver­ triebssystem #Produkteverwandtschaft Beispiel: Skihersteller produziert neu Wasserskis. b. Vertikale Diversifikation »Integration von vor- oder nachgelagerten Marktstufen.« Beispiel: Buchverlag druckt die Bücher neu auch selbst (vorgelagert) bzw. eröffnet eine Buchhandlung zum Verkauf der Ware (vor­ gelagert). c. Laterale Diversifikation »Vorstoss mit völlig neuen Produkten in völlig neue Märkte.« Beispiel: Kaugummiproduzent steigt ins Waffengeschäft ein.

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Buchentwurf von Jan Tschichold

Brand Imprints

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Bilder  Penguin.com, Penguin Books UK, Design is History Quelle  Wikipedia, Penguin.com (usa), Penguin Books UK, DK Books, Penguin Random House

»Imprint ist ein Begriff aus dem Verlagswesen und beinhaltet die Aufteilung von Publikationen in mehrere Segmente (oder eben Imprints).« Imprints werden eingesetzt um Publikatio­ nen eines Verlages in verschiedene Themen­ bereiche aufzuteilen. Auf diese Weise lassen sich Bücher besser vermarkten und die Unterteilung hilft gleichzeitig der Imageer­ haltung eines Verlages. Der Imprint wird im Buchhandel wie ein eigner Verlag behandelt. Dahinter steckt jedoch immer ein Verlagsunternehmen. Der Name des tatsächlichen Verlages wird im Impressum aufgelistet. Oft führen Grosskonzerne aufgekaufte Ver­ lage als Imprint weiter um so Kontinuität zu demonstrieren.

Beispiel Dorling Kindersley Der Imprint erlaubt es zudem die Preispoli­ tik des Verlages flexibler zu gestalten. Unter dem Namen Dorling Kindersley wer­ den überwiegend teurer Bücher verkauft. Um dem Imprint trotzdem ein Standbein im Markt für billige Publikationen zu ver­ schaffen und dabei seinem Ruf für qualita­ tiv hochstehende Bücher nicht zu schaden, wurde eine weitere Untergruppe namens Conventgarden ins Leben gerufen. Der Begriff Imprint wird zudem für die Platzierung eines fremden Firmenlogos auf einer Publikation verwendet. Eine Drucke­ rei kann beispielsweise ihre Dienstleistung für einen günstigeren Preis anbieten, wenn als Gegenleistung ihr Logo auf dem Endpro­ dukt zu sehen ist.

Beispiel Rough Guides Über den Imprint Rough Guides publiziert Penguin vorwiegend Reiseliteratur und Wörterbücher. Das ganze Marketing kann auf diese Weise und über den Imprintname gezielt auf reisebegeisterte Menschen abge­ stimmt werden. Beispiel Dutton Der einst eigenständige Verlag Dutton wurde im Jahr 1986 von Penguin aufgekauft und wird heute als Imprint der Penguin Group USA aufgeführt. Der Leser wird diesen Besitzwechsel wohl kaum bemerkt haben. Weder der Inhalt noch das Erscheinungsbild der Bücher haben sich wesentlich verändert.

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Penguin Group UK

on s divisi ‘ n e r d l Chi

ress nguin P

The Pe

Puffin

Allen Lane

Ladybird

Penguin Classics & Penguin Modern Classics

oseph chael J

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Highly Commercial

Popular Fiction

n Pengui t ti ladult Genera ng imp i publish

Penguin

Hamish Hamilt

Viking

Warne Particular Books BBC Children‘s Books

Fig Tree

Reference

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tles & prints

n Pengui s ook Audiob

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Penguin Group USA

Adult D

C.A. Press

Current

Dutton

Gotham Books

G.P. Putnam‘s Sons

HPBooks

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Ace Books

ivision

Tarcher

Perigee Books

The Penguin Press

Jove Books

Plume

Hudson Street Press

Amy Einhorn Books/Putnam

Nal

Portfolio

The Viking Press

Avery

Pamela Dorman Books

Prentice Hall Press

Sentinel

Penguin

Riverhead Books

Alpha Books

Berkley Books

Blue Rider Press

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Yo

aders ung Re

n

Divisio

Dial Books for Young Readers

Philomel Books

Nancy Paulsen Books

Dutton Children‘s Books

Price Stern Sloan

Grosset & Dunlap

Firebird

Puffin Books

Viking Children‘s Books

Frederick Warne Razorbill

G.P. Putnam‘s Sons Books for Young Readers Speak

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2002

2003

Nachdem Penguin 1996 »Rough Guides« bereits zu 51% übernommen hatte, geht der Reisebuchverlag nun vollständig in den Besitz von Penguin Books über. »Penguin Ireland« wird gegründet. Trotz Verhinderungsversuchen von amerikanischer Seite veröffentlicht Penguin Michael Moores Taschenbuch »Stupid White Men«.

Penguin veröffentlicht Sue Monk Kidds‘ »The Secret Life of Bees«, welche zum grössten Erfolg in der Geschichte des Verlages werden sollte. Redesign der »Penguin Classics«. Der Imprint für Sachliteratur und auserwählte Erzählungen, The Penguin Press, kommt auf den Markt.

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2004

2005

2006

Als erster grosser Verlag verkauft Penguin Bücher direkt über seine Internetseite.

Die Great Ideas Serie wird in Amerika veröffentlicht. Steve Colls »Ghost Wars« gewinnt den Pulitzer Preis (von The Penguin Press veröffentlicht).

Gründung von »Penguin China«. »The Memory Keeper‘s Daughter« von Kim Edward wird mit mehr als vier Millionen verkauften Kopien zu einem phenomänalen Erfolg.

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Spinebreaker (n)

Any story-surfing, web-exploring, word-loving, day-dreaming, reader/ writer/ artist/ thinker aged 13-18 [sp‘ahyn br‘eyker]

1937

eginnt zu expandieren. Start der e« Buchserie und des »Pelican« teratur über zeitgenössische Themen.

1939

1941

Penguin errichtet eine Verkaufsstelle in New York.

Geburt des »Puffin« Imprints für Kinderbücher.

Youth

2007

2008

2009

Erstmals werden »Penguin Classics« in Korea publizert. Der in Zusammenarbeit geschriebene Roman »Amillionpenguins.com« wird veröffentlicht. Elizabeth Gilberts Roman »Eat, Pray, Love« wird in den USA acht Millionen Mal verkauft.

Mit eSpecial publizert Penguin die ersten zweihundert eBooks in kurzform.

Veröffentlichung der ersten persischen und jiddischen Titel.

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Quelle  Anna Raffertys Vortrag anlässlich des Redesigning Business Summit 2010, über Design Counsil Übrigens  http://www.spinebreakers.co.uk

»What I really love about it is that we’ve got this ongoing relationship with our target market.« Anna Rafferty, Digital Marketing Director Penguin Books

Grundsätzlich ist der Buchmarkt für junge Erwachsene sehr gesund. Besser noch, dank Büchern wie Harry Potter oder Twilight lesen Jugendliche mehr als jemals zuvor. Penguin Books hatte diesen Trend erkannt und wollte reagieren. Zudem hatte der Verlag bereits eine Liste von Büchern und Autoren, die sie gerne auf den Markt bringen wollten. Als die Marketingverantwortlichen genauer überlegten, wie sie die Zielgruppe erreichen könnten, realisierten sie, dass sie über kei­ nen direkten Draht zu den Jugendlichen verfügten. Von den Magazinen, Fernsehsendungen und dem Social Network, die grossen Ein­ fluss auf die Jugendlichen verüben, wurde Penguin abgeblitzt. Bücher sind weder interessant noch sexy. 1942 Lieber konzentriert man sich auf die Ver­ marktung von Musik und Videospielen.

sätzlich unwohl fühlen. Auch Amazon oder andere online Verkaufsstellen war für die Befragten keine Alternative zum Erwerb von Büchern. Dazu bräuchte es eine Kredit­ karte. Überaschendes Resultat war: viele der Ju­ gendlichen lesen online. Überhaupt findet ein grosser Teil ihrer Freizeit im World Wide Web statt. »Ein eigenes soziales Netzwerk.« Penguin Books startete mit der Konstrukt­ ion einer Internetplattform, auf der Teen­ ager um über Bücher sprechen und diese mitzugestalten können. Ein eigenes soziales Netzwerk zu kreieren ist ein risikoreiches Business und vor allem nicht die gewohnte Tätigkeit eins Verlages. Der Verlag holte sich Unterstützung durch eine Agentur die auf Youth Marketing spe­ zialisiert ist und mit derer Hilfe sie die rich­ tigen Kontakte mit buchinteressierten Jugendlichen schaffen konnten. 1952

1946

Eine zweite Umfrage wurde initiiert. Was für Sachen würdest du gerne lesen? Bist du interessiert an Schriftstellern? Weißt Du Erste PenguinDer Ausgabe von Walt Der Vertrieb britischer Pe MitUmfrage Emil Victor Rieus von Homers geschrieben hat? Verlag startete eine grosse werÜbersetzung deine Lieblingsbücher Whitmans »Leaves of Grass«. Bücher »Odyssee« wird Würdest das erste Buch der »Penguin unter Jugendlichen. du die Autoren wiedererkennen, in Amerika wird neu »Penguin Books Inc.« in Bal Classics« Reihe auf den Markt gebracht. Klassische Die Teenager wurden über ihre Lesege­ wenn du ein Foto von ihnen sehen würdest? Maryland übernomme Texte sollen so für jederman zugänglich gemacht wohnheiten befragt, woher sie die Bücher Hast du ihre Namen zuvor schon gehört? werden. beziehen und welche Themen sie interessie­ Würdest du gerne mehr über die Schriftsteller »Penguin Australia« wird gegründet. ren. erfahren? Möchtest du mit anderen Leuten Heraus kam dabei, dass sich die jungen über Bücher sprechen? Erwachsenen in Buchhandlungen grund-

2010

2011

Appel veröffentlicht das iPad welches als einziges Buch die Penguin-Ausgabe von A. A. Milnes »Winnie-the-Poo« a vorinstalliertes hat. »Jamie‘s 30-Minute Meals« von Jamie Oliver (und vom Penguin Verlag publiziert) wird in Grossbritannien zum schnellst verkauften Sachbuch aller Zeiten. Penguin bringt das erste britische Buch-App für Babies auf den Markt. Die »Penguin Classics« erscheinen zum ersten Mal in Portugiesisch. Mit »Lords of Finance« von Liaquat Ahamet gewinnt eine weitere The Penguin Press-Publikation den Pulitzer Preis.

Penguin bringt das erste EBook mit integrierten Videos auf den Markt. 50-Jahre-Jubiläum der Penguin Modern Classics. Ron Chernows »Washington« gewinnt den Pulitzer Preis (The Penguin Press).

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Zuerst nannte Penguin Books die Internet­ plattform »I Am Not A Fish« entschied sich später aber auf »Spinebreakers« um. Der Inhalt der Seite wird hauptsächlich von­ der »Crew« bestimmt – einer Gruppe von zwanzig jungen Leuten, die sich alle zwei bis drei Wochen in den Büroräumen des Penguin Verlags trifft. Die Teenager haben editorische Kontrolle und erhalten ein Budget um ihre Ideen zu verwirklichen. Neben dem harten Kern gibt es eine weitere Gruppe von rund achtzig Leuten, welche die Artikel auf der Seite verfassen. Natürlich kann aber auch jeder andere Internetbenut­ zer zur Seite beitragen. Diese fortlaufende Beziehung mit der jugendlichen Zielgruppe ist dem Verlag in vielen Weisen von Nutzen. So werden vor vielen Entscheidungen zuerst die Teenager nach ihrer Meinung gefragt.

1960

guin wird wegen der Publikation von D. H. awrences »Lady Chatterley‘s Lover« vor schem Gericht angeklagt. Nach Einstellung r Klage verkauft der Verlag innerhalb von sechs Wochen zwei Millionen Kopien.

1961

1962

Penguin geht an die Börse. Das Aktienangebot wurde 150 mal überzeichnet und erreichte einen Rekord an der Londoner Börse.

Allen Lane wird zum Ritter geschlagen.

2012

Durch den Ankauf von »Author Solutions, Inc.« übernimmt Penguin eine führende Position im Self-Publishing-Markt. Zum dritten Mal in Folge gewinnt eine The Penguin Press-Veröffentlichung den Pulitzer Preis. Dieses Mal John Lewis Gaddis‘ »George F. Kennan«. Puffin publiziert die 30-Jahre-Jubiläums-Ausgabe von Rohland Dahls »The BFG«. Die neu eingerichtete Penguin Media Suit ermöglicht es Penguin Audiobücher und audiovisuelle Produkte selbst herzustellen. Penguin Ventures zur Findung von neuen Netzwerken im Bereich der Kinderliteratur wird ins Leben gerufen. Bertelsmann und Pearson verkünden die zukünftige Fusion von Random House und Penguin. 56

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Die abges zu Berte Pearso Impr


Looking Backward 1967

1970

Penguin-Marketing 1937

Gründung von »Allen Lane the Penguin Press«, neues UnternehQuelle   Theein Atlantic men, welches sowohl Taschenbücher Bild  PublishingPerspectives wie auch gebunde Bücher publiziert.

Sir Allen Lane stirbt am 07. Juli mit 67 Jahren. Im selben Monat wird Penguin von der S. Pearson & Son Ltd. aufgekauft (heute Pearson PLC).

»Penguin N g

Der erste Penguincubator wurde ausserhalb »Henderson’s« in der 66 Charing Cross Road installiert. Der Buchautomat brachte, ganz im Sinne von Allen Lanes Grundidee, Literatur von den Bibliotheken und Fachhändler in die Bahnhöfe, Kaufhäuser und auf die Strasse.

2013

e Fusion von Random House und Penguin ist schlossen. „Penguin Random House“ gehört neu u 53 Prozent dem deutschen Medienkonzern elsmann und zu 47 Prozent der Mediengruppe on. Unter dem neuen Namen werden sämtliche rints von Penguin und Random House vereinigt. Penguin Books  11 / 2013

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Elective Affinities Was Bücher für uns bedeuten

Petra, Schweiz Walter Farley, Blitz der schwarze Hengst

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Text  Misha Willemars, Nina Rodrigues, Alejandro Correa, Caroline Berger, Boram Park, Jenny Ahn, Esther Keller, Rocco Palmitessa, Yunshin Jung und Ana Maria Agudelo, Petra Hauser Bilder  Karin Hause

Misha, 23 Jahre Lehrer Almere-Stad, Niederlande I am not much of a reader. So when I read a book it has to mean something to me very fast else I can‘t be bothered to keep reading. For me one of the best books I‘ve ever read is: Angels and Demons. (Het Bernini mys­ terie in Dutch) I like how Dan Brown uses history in his books. Without making it boring he gives you a whole lot of information about things in the past. They made a movie about this book and it is one of my favorite movies aswell. I loaned the book from my mother so I nev­ er bought it. My mother bought it at a book­ store in the Netherlands. Dan Brown, Illuminati

Rocco, 22 Jahre Studiert Umweltingenieur­ wissenschaften Potenza, Italien »Teaser cover« Providing a hint of the novel‘s plot, it‘s able to convey even the general »feel« of the events. Darkness, contrast and connection. Moreover, the bold capital letters of the ti­ tle make it durable and proud.

Nina, 48 Jahre Journalistin Brasília, Brasilien I don‘t think I have a favorite book since there are too many masterpeices in litera­ ture, but I‘d like to give you »Demian«, by Herman Hesse. You probably know it. The history is about a man who struggles between two worlds - the world of illusion and the real world, the world of spiritual truth - and find his way to self realization. The book is so powerfull. If you haven‘t read it, you have to. I‘m sure you will love it. Hermann Hesse, Demian. Die Geschichte einer Jugend (1919 unter seinem Pseudonym »Emil Sinclair« erschienen)

Alex, 32 Jahre Medellín, Kolumbien The best book I have read is call »No Lost Causes« by Alvaro Uribe Velez (Ex-president of Colombia 2002-2010). Is the history of the last fifty years of our country and how one person changed a complete nation by giving them hope that the things can be done better. I bought it at the iTunes store and I decide to buy it because after living the turnover of our Country from being one of the most vi­ olent place in the world to one of the most growing and prosperous economies in Latin America I had to know what was the secret behind this. Alvaro Uribe Velez, No Lost Causes

Jeffrey Eugenides, Middlesex

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Rocco, Italien Jeffrey Eugenides, Middlesex

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Caroline, 30 Jahre Lehrerin Paris, Frankreich I bought Umberto Eco‘s best seller »The Name of the Rose« at the book­store Gibert Jo­ seph in Paris. I had seen Annaud‘s film before but I was told that it was only ten percent of the book - which was true. This book mixes several genres and can be read on many levels without being boring. Even if the reader isn‘t really interested in His­ tory, medieval religion or Aristotle‘s philoso­ phy, he will surely enjoy the mystery (two monks investigating about murders in an ab­ bey) and the parts about universal values. There is a good sens of humor too. Umberto Eco, Der Name der Rose

Boram, 22 Jahre Industriedesignerin Gangneung, Korea The first one is »The Present«. It was written by Spencer Johnson, and it was a best seller for a long time in Korea. When I was a middle school student, I hesi­ tated to be an artist or not. I studied very hard but didn‘t have any spe­ cific dream (like other normal Korean stu­ dents...). And I was very vague about my plans for the future. Meanwhile, my friend recommended me this book, and I borrowed it at the library. As you know, the word »present« has two meanings. One is »now«, the other is »gift«. After reading this book, I thought that I have to spend my „»time(now)« that »was given« to me.

And I realized that just borrowing this book is something lacking. So I bought this book to keep that feeling forever. And the another reason why I bought this book is the cover of this book. The Korean version of »The Present« is a simple rose col­ or and made of high quality paper. The second book is »Book of Bunny Sui­ cides«. It‘s a little bit strange title...right? It‘s painted by Andy Riley. It‘s a kind of car­ toon or illustration book. As you can catch the contents from this title, It‘s all about the suicide of a bunny. It‘s not terrible or grotesque, but rather neat and cute. So we can‘t feel the fear of suicide. At first, I saw this book while searching some illustrations, and then I bought it be­ cause it looked helpful for studying illustra­ tions, and looked can be a shock treatment about suicide (like art therapy). It‘s not a very pleasure thing to see the sui­ cide of bunny, but in contrast, if a reader read this book when he or she is sad, it evokes various feelings in the reader. I sometimes read this book when I feel de­ pressed. Spencer Jonson, Das Geschenk: Wie Sie von heute an glücklicher und erfolgreicher sind Andy Riley, Das grosse Häschen-Harakiri. Ratgeber für lebensmüde Kaninchen

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Jenny, 31 Jahre Lehrerin Seoul, Korea

Esther Theologin Uttwil, Schweiz

I bought this book at Good Will in San Francisco. I had visited Good Will al­ most everyday to find some books that I‘ve never tried. I read this book on the airplane from SF to the Philippines which means I was getting close to my real life. I was really sad and worried about where and how my life is going at that time. I cried a lot while I was reading this book. It is simple and easy to read but has a spe­ cial messge for me. I‘m sure nobody hasn‘t thought about the living funeral while they are alive. The book brought me a lot of ideas and changed me. I forgot many things from the book but I still remember how beautiful the energy was.

Ein Super-Fachbuch finde ich die CSS -(Cascading Style Sheets) Bücher von Flo­ rence Maurice. Das ältere Buch ist bei Markt+Technik er­ schienen. Dieses Buch habe ich zweimal ge­ kauft, weil es einmal revidiert wurde. Dann war ich im Sommer 2012 in einem Kurs HTML5 CSS3 bei Wolfbach, Zürich. Der war ziemlich versnobt. Da habe ich mir CSS3 von Florence Maurice gekauft! - Und ich habe alles verstanden - kein Problem. Ich habe dann nach diesem Buch geübt. Gekauft habe ich die Bücher wohl alle bei Ex Libris. Dr. Florence Maurice, Das Website Handbuch Dr. Florence Maurice, CSS3 - Leitfaden für Webdesigner (DPI Grafik)

Mitch Albom, Dienstags bei Morrie

Yunshin Korea Ana, 29 Jahre Medellín, Kolumbien My favorite book is called »amor en los tiem­ pos del colera«. It was written by the Colombian literature nobel Gabriel Garcia Marquez. It was a gift from my mother, so I didn‘t buy it. This book is amazing because the author describes extremely well how the love is, between an old couple. Also, I recommend this author because he has created the »Magical Realism« genre/style. Gabriel García Márquez, Die Liebe in den Zeiten der Cholera

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My favorites are so many, but let me tell you of one of my favorites, that is »What is Life?«, written by Tolstoy. I love many other fictions and philosophical works. The reason I choose this book is that the au­ thor wrote about life. I have thought about my life, „how should I live in this world“ »What should do to be the person I want to be«... While I was reading this book, »What is life?«, I came to think over of myself and re­ alized many things. Since what people realize by reading books

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Yunshin, Korea Leo Tolstoy, What is Life?

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depends on people, I don‘t think I can tell specifically. However, this book definitely makes people think of their lives. Leo Tolstoy, What is Life?

Petra, 30 Jahre Floristin Altendorf, Schweiz Mein erstes absolutes Lieblingsbuch war »Blitz der schwarze Hengst« von Walter Farley. Das Buch handelt von einem Jungen und einem schwarzen Hengst, die als einzige Überlebende auf einer einsamen Insel stranden. Zwischen den beiden entsteht eine tiefe Freundschaft und der Junge beginnt den Hengst zu reiten. Nach der Rettung werden die beiden von einem ehemaligen Jockey entdeckt und gefördert. Dank der Bekanntschaft mit einem Zeitungsreporter kriegen sie die Chance an einem nationalen Rennen zu starten. Ich habe dieses Buch mit ca. 8 Jahren gelesen, obwohl meine Lehrerin meinte es sei viel zu dick und ich könne das noch nicht lesen... Ich war aber so gefesselt davon, dass es innert kürzester Zeit gelesen war und meine Leidenschaft fürs Lesen und im speziellen alle Bücher von Blitz entgültig erwacht waren. Blitz der schwarze Hengst, Walter Farley

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Buchliste Sämtliche Artikel dieser Arbeit tragen den Namen einer Penguin Publikation. Hier eine Liste der verwendeten Buchtitel.

1 The Histories Herodotus, ca. 440 v.Chr.

34 The Gospel of Wealth Andrew Carnegie, 1889

5 The Unfortunate Traveller (The Unfortunate Traveller: or, the Life of Jack Wilton) Thomas Nashe, 1594

36 Steal This Book Abbie Hoffman, 1971

7 Persuasion Jane Austen, 1817

38 Blood, Toil, Tears and Sweat Winston Churchill, 2007 44 The Wealth of Nations Adam Smith, 1776

11 What is Art? Leo Tolstoy, 1897

46 Brand Henrik Ibsen, 1865

18 Letters from a Stoic Lucius Annaeus Seneca, 1887

54 Youth Joseph Conrad, 1902

22 Personal Memoirs Ulysses S. Grant, 1885

57 Looking Backward Edward Bellamy, 1888

24 Work: A Story of Experience Louisa May Alcott, 1873

60 Elective Affinities Was Bücher für uns bedeuten.

28 The Way we live now Anthony Trollope, 1875

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Penguin Books  11 / 2013


Penguin Books  11 / 2013

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Penguin  

Marketinggeschichte des britischen Buchverlags.

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