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Ausgabe 4/2014


INHALTSVERZEICHNIS …...………………………………………………………………….

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Steinhoftor: Qualität im Irrgarten zwischen Sinn und Unsinn!

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Mit Leib und Seele: Die Krippe als Versammlungsort

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Wir als Gastgeber

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Ein Stadtthema: Seit Januar 2013 gibt es den neuen Kinder- und Erwachsenenschutz Comic Steinhart nachgefragt: Beat Marti, Pflegedienstleiter im Steinhof

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Das Steinhofpersonal

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Gratulationen

Anlässe: Matinée Seite 14 - 15

33 - 41

Anlässe

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Vor 50 Jahren: Verkehrsfragen in Luzern Urnengang über die Anschaffung von GelenkTrolleys

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Gedanken des Steinhofgärtners: Die Ersten Blüten im Jahr - Christrose

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Gedicht

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Dies und Das: Weihnachten ohne Geschenke

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Reben und Wein

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Rezept: Süsskartoffeln-Cranberry Creation

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In eigener Sache

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Unser Wunsch

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Agenda

STEINHOF Pflegeheim Eine Institution der Barmherzigen Brüder von Maria-Hilf

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Steinhoftor: Qualität im Irrgarten zwischen Sinn und Unsinn! Seite 3-4

Pflegeheim Steinhof - Steinhofblatt Dezember 2014

Ein Stadtthema: Seit Januar 2013 gibt es den neuen KinderUnd Erwachsenenschutz, Seite 19 - 23

Vor 50 Jahren: Verkehrsfragen in Luzern - Urnengang über die Anschaffung von Gelenk-Trolleys, Seite 42 - 43

Steinhofstrasse 10 6005 Luzern

Tel. 041 319 60 00 Fax 041 319 61 00

www.steinhof-pflegeheim.ch info@steinhof-pflegeheim.ch


AM STEINHOFTOR …………………………………………………………………………...

Qualität im Irrgarten zwischen Sinn und Unsinn! Alle vier Jahre ist es wieder soweit – die Qualitätsüberprüfung durch den Kanton Luzern steht an. Mit dem Krankenversicherungs-Gesetz (KVG), Art. 39, Abs. 1 und 3 sind die Kantone verpflichtet worden, die Qualität der Pflege und Betreuung in den Heimen zu überprüfen. Eigentlich eine sinnvolle Arbeit, denn es ist wichtig und richtig, dass Pflegeheime regelmässig auf Ihre Qualität hin überprüft werden. Auf die Frage an Sie, wie wohl diese Qualitätsüberprüfung in der Praxis erfolgt, würden Sie wohl spontan antworten, dass dies durch Fachleute vor Ort im Heim selber erfolgt. Weit gefehlt!

nem Verständnis von Qualitätsüberprüfung die Aufgabe nicht allzu leicht? Müsste nicht gerade in Heimen, wo es um wehrlose, kranke, pflegebedürftige Menschen geht, ein Besuch durch Fachpersonen zwingend sein. Die Überprüfung müsste durch unangekündigte Besuche erfolgen und der Fokus auf die Betreuungs- und Lebensqualität gesetzt werden. Grosser Wert müsste auf die Würde, die Selbstbestimmung und die Wahrnehmung von Rechten gelegt werden. Die Prüfung der Pflegedokumentationen gehörte dazu, aber noch viel mehr das Gespräch mit Bewohnerinnen und Bewohnern, wie auch mit

Eine gute Qualitätsüberprüfung ist im Gleichgewicht zwischen dem finanziellen und personellen Aufwand einerseits und dem Nutzen für die Institution andererseits Qualitätsüberprüfung im Blindflug Dies erfolgt weit weg von jeder Institution in einem Büro der Dienststelle Soziales und Gesellschaft (DISG) des Kantons Luzern, fernab vom Pflegealltag, im Aktenstudium. Eines muss man dem Kanton zugestehen, er hat einen überaus pragmatischen Weg gewählt, die vom KVG an ihn gestellten Anforderungen zu erfüllen. So überlässt er es grundsätzlich den Heimen, wie diese die Qualitätsentwicklung, Qualitätssicherung und Qualitätskontrolle organisieren. Soweit so gut. Aber macht sich der Kanton mit sei-

dem Personal. Damit würde man die Qualität, die Haltung und die Werte einer Institution sehr schnell erkennen und der Kanton käme so zu wertvollen Erkenntnissen. So würde man bei einem Besuch vor Ort hautnah erfahren, dass ein enger Zusammenhang zwischen Personalkosten und Qualität besteht. Je weniger Kosten, desto weniger Qualität. Die Verwaltung käme zum längst nötigen, grösseren Praxisbezug, was wiederum zu praxiskonformeren Gesetzen und Verordnungen führen müsste.

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AM STEINHOFTOR …………………………………………………………………………….

Nur eine Qualitätsüberprüfung, die auf der Basis von gemeinsamem Lernern erfolgt, verdient auch wirklich ihren Namen. Echte Qualitätsüberprüfung mit allen Sinnen Sind meine Ideen so weltfremd? Wie bitte handhabt man Überprüfungen von Hotels, Restaurants, Airlines usw.? Werden etwa die Gault Millaut-Punkte der Restaurants über eingeschickte Rezepte oder Menuekarten verteilt? Sicher nicht, werden Sie antworten. Das Essen wird getestet von renommierten Fachleuten aus der Gastroszene. Und wie bitte schön würde die Überprüfung beispielsweise in einem Pflegeheim wie der Steinhof passieren? Es müsste ein Fachteam gebildet werden. Zum Team gehörten zwingend ein Arzt, eine Pflegefachfrau und ein Heimleiter, Menschen aus der Praxis, die für diese Aufgabe auch speziell geschult sind. Nicht so kompliziert, oder? Eine solche Qualitätsüberprüfung verdiente es auch so benannt zu werden und liefe nicht Gefahr zur Alibi-

Übung zu verkommen. Wir schreiben heute das Jahr 2014. Mal sehen ob die Übung im 2018 unverändert verlaufen wird wie schon im 2014 oder man von der Alibi-Übung zur Qualitätsüberprüfung auf der Basis von gemeinsamem Lernen gewechselt hat. Wie heisst doch eine bekannte in der Absetzung begriffene Fernsehsendung? - „Wetten dass……!“ Paul Otte, Heimleiter

Qualität in Zusammenhang mit Menschen hat einen ganz andern Stellenwert als bei Produkten. Sind wir uns dessen auch immer bis zur letzten Konsequenz bewusst?

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MIT LEIB UND SEELE ……...………………………………………………………………….

Die Krippe als Versammlungsort Die Geburt von Jesus führte einst Hirten und Könige an der Krippe zusammen. Menschen, die in verschiedenen sozialen Welten leben, treffen sich vor GOTT. Sie spüren: So unterschiedlich sind wir gar nicht, denn letztlich ist jede und jeder Mitglied der grossen Menschheitsfamilie. Diesen Gedanken versuchen wir im Steinhof zu leben. Wir freuen uns, wenn unsere Holzkrippe mit den Figuren auch hier

in der Advents- und Weihnachtszeit viele Menschen zusammen führt. Teil der Menschheitsfamilie Brüder und Schwestern! – so lautet die Anrede in den Briefen des Neuen Testaments in der Bibel. Paulus und die anderen Verfasser dieser Briefe sprechen die christlichen Gemeinden nicht mit einem höfli-

Die Krippe ist in der Kapelle ab dem 3. Adventssonntag bis am 11. Januar 2015 aufgestellt. Die schlichten, schönen Figuren stammen aus Holzwerkstätten in Oberammergau (Bayern) und im Grödnertal (Südtirol).

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MIT LEIB UND SEELE ...……………………………………………………………………….

chen aber auch distanzierten "Damen und Herren" an, sondern bringen mit der Bezeichnung "Brüder und Schwestern" eine Vertrautheit und Nähe zum Ausdruck. Diese geschwisterliche Rede hat sich bis heute im Sprachgebrauch der Kirche eingebürgert. So heisst es bspw. in den offiziellen Texten der deutschsprachigen Bistümer für die Begräbnisfeier: "Gütiger Vater, in deine Hände empfehlen wir unsere Schwester / unseren Bruder…" Daraus wird deutlich: Keine Geschwister ohne gemeinsame Eltern. Wenn also Christen sich als Geschwister bezeichnen, soll dies bewusst machen, dass es etwas gibt, was sie trotz aller Unterschiede und Individualität verbindet: GOTT, der sich für alle Menschen in der Schöpfung sichtbar und in Jesus fassbar gemacht hat. Damit wird der enge Rahmen des traditionellen Familienbegriffs, der nur Eltern und Kind(er) umfasst, ausgeweitet auf GOTT und die gesamte Menschheit. Ein spezielles Familientreffen Dieser weite Familienbegriff zeigt sich auch in den Krippendarstellungen. Eine Krippe ist mehr als die Darstellung einer harmonischen Kleinfamilie in einer heilen Welt, auch wenn dies auf den ersten Blick oft so erscheinen mag. Natürlich fehlen bei keiner Krippe Maria und Josef mit dem Jesuskind. Sie bilden sozusagen den Kern. Aber was wäre eine Krippe ohne Besucher und das „Drumherum“? Hirten, Könige und Tiere, dazu die karge Umgebung eines Stalls – das macht eine Krippe aus! Ihre ganze Atmosphäre lässt erahnen, dass hier etwas Spezielles geschehen sein muss. Im Stall treffen Welten aufeinander. Maria und Josef, die Hirten und die Könige, aber auch die Tiere, leben in verschiedenen Welten. An der Krippe aber erfahren sie: In erster Linie bin ich Teil der Schöpfung und insofern Teil der Menschheitsfamilie Gottes. Sie macht an kulturellen und nationalen Grenzen keinen Halt und definiert sich nicht über Blutsverwandtschaft. Darum passt eine Krippe so gut in den Steinhof. Hier haben ganz unterschiedliche Menschen einen Platz gefunden ungeachtet ihrer familiären Situation und Herkunft.

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Hirtenbegegnungen Ein Leben als Hirt bedeutete in biblischer Zeit Armut und dementsprechend einen niedrigen sozialen Status. Aber ohne Hirten keine komplette Krippe! Das heisst, auch die Schwächsten der Gesellschaft gehören in aller Selbstverständlichkeit und sogar vorrangig zur Menschheitsfamilie. Vielleicht sind die Bewohnerinnen und Bewohner des Steinhofs die Hirten der heutigen Zeit: Menschen, die aufgrund von Krankheit oder Alter geschwächt und gebrechlich sind. Sie entsprechen nicht dem hohen Leistungsideal unserer Gesellschaft und können den Puls der Zeit nicht mehr mitbestimmen. Vielleicht lassen Sie sich von den Hirten bzw. den Bewohnerinnen und Bewohnern zur Krippe führen mit Figuren aus Holzwerkstätten in Oberammergau (Bayern) und im Grödnertal (Südtirol). Diese Menschen, die jeden Tag neu ihren Weg mit grosser Mühsal und abseits des gesellschaftlichen Zentrums gehen, finden als Erste zur Krippe und zu GOTT: Einer, der von jeder und jedem gefunden werden will und sich allen zeigt, ohne Vorbehalte, ohne Übermacht, aber mit ganz viel Liebe. Edith Birbaumer, Seelsorgerin

"Mit Leib und Seele" heisst die neue Rubrik im Steinhofblatt, die von unserer Seelsorgerin, Edith Birbaumer betreut wird. Die Barmherzigen Brüder haben ihr die Leitung der Seelsorge mit einem 60%-Pensum seit August 2013 anvertraut. Die katholische Theologin ist Ansprechperson für die Bewohnerinnen und Bewohner, die Angehörigen und das Personal bei Anliegen, die den Menschen in seiner Ganzheit – eben mit Leib und Seele – betreffen.


WIR ALS GASTGEBER ………………………………………………………………………...

Aus Böhmen kommt die Musik scheint von Mal zu Mal grösser zu werden. So weilten Ueli Weber und Marianne Soland-Weber bereits zum zweiten Mal im Steinhof und wohl nicht zum letzten Mal. Felix Wicki betreute die grosse Delegation vom Brändi-Stöckli und vom Blindenheim war ebenfalls eine Delegation anwesend.

Frantas Dixiländler in voller Aktion Noch vor Beginn des Konzertes spielte sich eine ganz spezielle Szene ab. Fred Isler am Tisch als ihn eine Frau fragte: "Darf ich einen Stuhl mitnehmen?" Darauf antworte er: "Ich weiss es nicht, von mir aus schon. Doch warum fragen Sie ausgerechnet mich danach?" Darauf antwortete sie: "Ja, weil Sie so dasitzen, nichts zu tun haben!" Darauf sagte Fred Isler: " Aha, so sieht offenbar ein Chef aus!" Wie der Titel angekündigt, so heisst ein bekanntes Musikstück. Doch aus Böhmen stammt auch Franta Chvojka, der sich als Banjo-Spieler in der Jazz Szene über viele Jahre einen Namen gemacht hat. Mit seiner Formation "Frantas Dixiländler" spielt er jedoch nicht nur Jazz, sondern auch Volksmusik und Schlager. Begleitet wurde er an der Tuba von Billy Brösel, am Piano von Romeo Borba und an der Handorgel von Lieni Buholzer. Handorgel oder Akkordeon? Beides sei richtig, sagte Lieni Buholzer, doch Akkordeon erinnere mehr an Musette und darum soll man ihn als Musiker an der Handorgel vorstellen. Mit dem Stück "Just little way to stay here" wurde der unterhaltsame Steinhof-Musikplausch eröffnet. Und das nächste Stück hiess "Glory Land". Das Stammpublikum

Grosser „Bahnhof“ in Canjamel Im Wintergarten der Gastwirtschaft zum Steinhof genoss man nicht nur die Musik, sondern man feierte das Wiedersehen mit Marta Rogers-Locher aus Melbourne in Australien. Sie besuchte die Familie Wildisen, bei der sie 1969 in Horw ein Zimmer gemietet hatte. Seit dann brach der Kontakt nie mehr ab. Man besuchte sich gegenseitig. Josef und Berti Wildisen suchten sie in Melbourne auf, wie auch ihr Sohn Daniel Wildisen, der gleich zweimal nach Australien reiste. Dieses Wiedersehen musste mit einem guten Essen gefeiert werden, an dem auch René und Margot Elmiger mit ihren Kindern Stéphanie und Matthias teilnahmen. Daniel Wildisen erzählte mit sichtlichem Stolz, dass er Götti von Letzterem sei und dieser nun in Horw Architektur studiere. Ein spezielles Jubiläum feierten kürzlich Martha und Günther Schöllkopf. Sie wurden im Dorf Canjamel in Mallorca von der dortigen Dorfmusik und vom Gemeindepräsidenten empfangen. Grund war, dass sie seit 20 Jahren im Hotel "Castel Rojal" ununterbrochen Ferien machten. Während der schmissigen Musik hatten auch Elsa Baumgartner und Erika Lüthi Gründe genug, sich aus vergangenen Zeiten auszutauschen. Die beiden lernten sich einst in der Lehre als Verkäuferinnen bei Nordmann kennen. Schön war es damals, wenn sich zur Adventszeit buchstäblich Trauben von Kindern vor dem Schaufenster mit den ausgestellten Spielsachen bildeten. Brigitte Marruccelli bekam Besuch von ihrer Tochter Daniela Grisiger-Marruccelli. Auf die Frage, wie ihr die Musik gefalle, schwärmte sie: "Schön, einfach schön!" Paul Otte, Heimleiter

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WIR ALS GASTGEBER ………………………………………………………………………...

Italien, das Ferienland schlechthin

Esthi Huwyler und Manuela Handermann, von links nach rechts, als Italienerinnen auf der Suche nach Arbeit im Steinhof Mit Italien verbinden wir Ferien, sei es heute oder zu Zeiten, als wir noch Kind waren. Am Sonntag, 7. September 2014 fühlte man sich im Steinhof fast wie in den Ferien in Italien. Erinnerungen und Fernweh wurden geweckt. Verantwortlich dafür waren "I tre Santi". Und die Geschichte ist grundsätzlich schnell erzählt. Es handelte sich um zwei Frauen und einem Mann, die aus Italien kommend in Luzern Halt machten und im Steinhof Arbeit suchten, Gespielt wurden die drei Rollen von E sthi Huwyler und Manuela Handermann sowie Andy Huwyler am Klavier. Gesungen und gesprochen wurde in bestem Italienisch. Esthi Huwyler, geborene Magnani, hat das Italienische von Geburt an im Blut. Dass Andy es ebenso hat, ist darauf zurückzuführen, dass beide über viele Jahre im Piemont ein Hotel führten. Und für Manuela Handermann ist das Italienische die

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schönste Fremdsprache, die sie solange perfektionierte, bis sie heute sogar als Stadtführerin italienischen Gruppen die Stadt Luzern zeigt. Unter den Gästen weilte auch die 95-jährige Hanna Brudermann, zusammen mit ihrer Tochter Christine Brudermann. Erstere arbeitete mit 19 Jahren während acht Monaten in Mailand und hat von da an die Liebe zu Italien nie mehr gekündigt. Sie hat Freunde gefunden und kehrte Jahr für Jahr mit ihrer Familie für Ferien nach Italien zurück. In Ischia passierte es dann auch, dass sie im Spital fälschlicherweise am Blinddarm statt an den Gallensteinen operiert wurde. Und beim Theater fragte sie die "Tre Santi" in perfektem Italienisch: "Da dove venite?" Um darauf geantwortet zu bekommen: "Da Casserate!" In Tat und Wahrheit kamen die drei Schauspieler von Adligenswil..


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Wenn das Herz wie Gelati schmilzt Anna und G ottfried Schaffhuser bekamen Besuch von ihrem Grosskind Kathrin Schaffhuser. Bekanntlich wirkte Anna Schaffhuser über viele Jahre als begnadete Laienschauspielerin. Sie verfolgte das Theater besonders aufmerksam und mit viel Freude und war denn auch voll des Lobes. „Es zieht mich halt immer noch auf die Bühne“, sagte sie mit viel Wehmut in der Stimme. Unter den Gästen weilten auch Emmy und Karl Handermann sowie Beatrice Huwyler. Ihre ungeteilte Aufmerksamkeit galt natürlich ihren Kindern. Canzone und Canzonette wie "Oh sole mio", "Azzurro" ertönten und "Con te partirò", welches gleichzeitig den Schlusspunkt bildete. Unisono gefiel es allen sehr, sich während 90 Minuten wie 14 Tage lang in Italien in den Ferien zu wähnen. So auch Francesca Melas und Karin Bahs, ganz besonders aber Cristina Tschuppert-Melas, die selber italienisches Blut in sich hat und das Ereignis sowohl filmte als auch fotografierte, und zusammen mit Manuela Handermann ebenfalls Stadtführungen in italienischer Sprache in der Stadt Luzern macht.

Cristina Tschuppert-Melas mit ihrer Mutter Francesca Melas. Beide zum ersten Mal im Steinhof

Zum tollen Erfolg trug wesentlich auch A nnalena Handermann bei, die für die unzähligen Requisiten verantwortlich zeichnete. Jemand anders war zuständig für den Zündschlüssel des Cinque Cento. Dieser wurde vor Beginn der Show fieberhaft gesucht und schliesslich von Andy Huwyler gleich selber gefunden, denn er hatte ihn auch verlegt. Paul Otte, Heimleiter

Christine Brudermann mit ihrer Mutter Hanna Brudermann zu Besuch im Steinhof

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Im Bad das Repertoire erweitern Marschmusik vom Feinsten war angesagt und sie wurde auch eingelöst: Zu Gast war die Veteranenmusik, VML, Luzern. 26 Musiker und zwei Musikerinnen an der Zahl. Eigentlich zählt die Musik vier Musikerinnen. Der Klarinettist, Hanspeter Furrer, erläuterte mit einem Lächeln die Steigerung des weiblichen Anteils, die einzig und allein auf ihn zurückzuführen sei. Der Dirigent, Kurt Brogli konnte wegen eines andern Termins nicht anwesend sein. Aufs vorzüglichste vertreten wurde er durch Giovanni Chiappori. Eröffnet wurde das Konzert mit dem Stück "Schwyzer Soldat" von Ernst Lütold. Wie gewohnt exellent durchs Programm führte Sepp Zwinggi, dessen Frau Paula Zwinggi mit ihrer Tochter, Beatrice Fontana, ihrem Freund Martin Kronenberg und ihrem Grosskind Nicole Fontana zugegen war. Leider ist Sepp Zwinggi im Moment am Knie stark handicapiert, was ihn bei seinem liebsten Hobby, der Pflege seines Gartens in Hildirieden, stark einschränkt. Allein 900 Stiefmütterli hat er alleine piquiert, die er jeweils verschenkt und so vielen eine Freude bereitet, vorzugsweise Frauen, wie er mit einem verschmitzten Lachen zufügt. Obwohl er selber nicht spielt, ist er ein grosser Fan der Blasmusik. Als er letzthin im Bad war, hörte er aus der Musikwelle am Radio ein Stück, das ihm so gefiel, dass er nicht lockerliess, bis er den Titel heraus-

Die Veteranenmusik VML unter der musikalischen Leitung von Giovanni Chiappori im Steinhof

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fand, nämlich "Heinzelmännchens-Wachtparade". Wie nicht anders zu erwarten, gehört in der Zwischenzeit dieses Stück zum Repertoire der Veteranenmusik. Walter Buob und Marco Roos waren nicht immer ganz bei der Sache. Sie verfolgten parallel dazu das Fussballspiel Young Boys gegen Luzern, das schliesslich Luzern mit 2 zu 3 verlor. Walter Buob war extra wegen des Konzertes einen Tag früher aus seinen Ferien im Ort Calice di Cornoviglio, in der Nähe von La Spezia, nach Hause gekommen. Dort in aller Abgeschiedenheit verbringt er mit seiner Frau von Zeit zu Zeit vierzehn Erholungstage, um neue Kräfte für sein musikalisches Wirken zu tanken. Wiedersehen nach 33 Jahren Ein spezieller Moment war der Auftritt zweifellos für Ruth Plzak Huber, die vor rund 50 Jahren mit 18 Jahren als erste junge Frau in die Feldmusik Luzern eintrat. 33 Jahre verbrachten sie und ihr Mann Frantisek Plzak im Ausland. Wegen Arbeitslosigkeit ihres Mannes bereisten sie vor 33 Jahren während 14 Monaten mit einem Rucksack am Rücken ganz Asien. Danach folgten für den technischen Ausbildner Arbeitsstellen in Dubai, Bangla Desh, Tanzania und Spanien. Die letzten 10 Jahre, bereits in Pension, lebten die Zwei in Frankreich. So verwundert es nicht, dass sie Englisch, Deutsch, Spanisch, Französisch und Tschechisch sprechen. Für Ruth Plzak Huber war es ein Wiedersehen nach so vielen Jahren mit Musikern, die damals mit ihr noch in der Feldmusik spielten. Julie Braun vom Betagtenzentrum Eichhof genoss das Konzert sichtlich zusammen mit ihrer Tochter Edith Kaufmann. Speziell erfreute die Marschmusik den Sohn von Adelheid Pfister, Hanspeter Pfister. Er arbeitet in Boston an der renommierten Harvard University und meinte: "In Boston gibt es jährlich ein internationales SeniorenBlasmusiktreffen. Das wäre doch einmal was für die Veteranenmusik Luzern!" Paul Otte, Heimleiter


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Wir öffnen Tür und Tor Wissensvermittlung durch geführte Rundgänge Von 10.45h bis 16.45h wurden die Besucherinnen und Besucher vom Personal in halbstündigen Rundgängen durch den Steinhof geführt und mit interessanten Informationen versehen. So erfuhr man beispielsweise, dass die Bewohnerinnen und Bewohner der "Rüstgruppe" im Rahmen des breiten Angebotes der Aktivierungstherapie jährlich rund 600 Stunden Gemüse und Obst rüsten. Nicht nur das hat Jürg und Sibylle Meyer erstaunt, sondern auch, dass die Hauswirtschaft in der Woche eine Fläche von 10 Fussballfeldern reinigt. Weniger überraschte den Umweltingenieur, dass im Steinhof jährlich 9'933'000 Liter Wasser verbraucht werden, womit man rund 71'000 Badewannen füllen könnte.

Monate im Vorfeld wiesen Fahnen auf den Tag der offenen Tür hin Am Samstag, 20. September 2014 feierte die Luzerner Altersheim Konferenz, LAK, ihren 20. Geburtstag. Grund genug für viele Heime im Kanton Luzern, an diesem Tag Interessierten eine Besichtigung ihrer Heime zu ermöglichen. Dieses Angebot machten in der Stadt Luzern das Heim im Bergli, die Betagtenzentren Eichhof und Wesemlin und der Steinhof. Im Steinhof verwöhnte man die Gäste mit gutem Essen, feinen Desserts, dem Parcours "mit allen Sinnen erleben", lüpfiger Volksmusik mit dem "Trio Alois Niederberger" und geführten Rundgängen.

Abfahrt in die Ferien verschoben Zur guten Stimmung sorgten die drei Musiker Ernst Abächerli am Klavier, Alois Niederberger am Akkdordeon und sein Sohn Alois Niederberger an der Klarinette und am Saxophon. Am Nachmittag schaute noch seine Frau Sandra Niederberger mit dem erst zwei-jährigen Janosch vorbei. Sie verschoben extra wegen des Tages der offenen Tür ihre Ferienabreise nach Ladis im Tirol auf den späten Nachmittag. Zur Geburt ihres Sohnes Janosch liessen sich beide auf dem Arm seinen Namen eintätowieren. Von der Klinik St. Anna der Hirslandengruppe fand sich der ganze Sozialdienst ein, nämlich Julia Hofer, Isabelle Bachmann und Brigitte Dober. Sie mussten sich nach den vielen interessanten Informationen gleich mit einem Mittagessen stärken. Julia Hofer meinte, die geführten Rundgänge seien sehr aufschlussreich, weil kompetente Mitarbeiter Auskunft geben und man nicht nur sich selber überlassen und etwas verloren einen Parcours abläuft. Isabelle Bachmann befand darauf: „Ich hätte nie gedacht, dass der Steinhof als Selbstversorger für seinen jährlichen Eierverbrauch 70 Hühner halten müsste und für den jährlichen Bedarf an Milchprodukten 17 Kühe im Stall zu stehen hätten“.

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Beeindruckende Zahlen Herbert Mäder war mit seiner Frau Rita Mäder zugegen. Der Architekt aus Luzern war einst verantwortlich für die gelungene Aufstockung des Pflegetraktes "Sonnehuus". Er zeigte sich besonders von den eindrücklichen Pflegezahlen beeindruckt. So erfuhr man, dass eine Pflegeperson im Jahr durchschnittlich 650 Betten macht und 1'000 Mahlzeiten serviert. Darauf sagte seine Frau: "Das erstaunt mich überhaupt nicht, aber dass es einen Mann erstaunt ,ist halt schon etwas geschlechterspezifisch!" Hanspeter Wassmer von Brunner Druckerei kam mit seiner Harley-Davidson angebraust. Als Verkaufsleiter freute er sich natürlich über den Papierverbrauch des Steinhofs, der aus seiner Sicht wohl noch grösser sein könnte. Wenn man den ganzen Papierverbrauch auf der Autobahn auslegen würde, käme man nämlich auf eine Länge von Luzern bis Bülach. Franziska Senti war mit Ihrem Mann Walter Lerch gekommen. Während er eine Servelat am Feuer selber brätelte, unterhielt sie sich mit Esther

Der Sozialdienst von der Klinik St. Anna Luzern war vollzählig anwesend mit Julia Hofer, Isabelle Bachmann und Brigitte Dober von links nach rechts

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Bornhauser, die ihrer Krankheit wegen im Steinhof ein Zuhause gefunden hat. Keine Verhältnisse wie in Deutschland Hans Seiler zeigte sich tief beeindruckt vom ganzen Betrieb Steinhof. Der in der Jazzszene bestens etablierte Saxophonist ist überzeugt, dass die Qualität der Pflege in der Schweiz unbedingt aufrecht erhalten werden und den politischen Bestrebungen nach Abbau der Riegel geschoben werden müsse. Es dürfe in der Schweiz zu keinen Verhältnissen kommen wie man sie etwa schon in Deutschland kenne. Gaby Meier, Bewohnerin im Steinhof, bekam Besuch von ihrer Nichte Jacqueline Schmidig mit ihren Kindern, der 5-jährigen Jeannine und des 3-jährigen Lionel. Letztere fanden vor allem Gefallen daran, am offenen Feuer selber eine Servelat braten zu dürfen.

Paul Otte, Heimleiter

Jürg Meyer, Vorstandsmitglied des Steinhofs, liess es sich nicht nehmen mit seiner Frau Sibylle dem Steinhof einen Besuch abzustatten


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Los Caballeros Enamorados ihrer Aufgabe zugute kommt. Sichtlich genoss dieses Konzert Niklaus Sieber mit seiner Lebenspartnerin Sandra Dietschi war. Sie stiessen nach dem Konzert auf den gelungenen Anlass an und wenn schon, wie es gehört, mit einem Glas Champagner!

Unter dem Namen „Los Caballeros Enamorados“ wurden die Gäste mit einem wunderschönen Konzert, unter der Mitwirkung von Joseph Bachmann, Edith Göpfert und Heinz Haldemann , von links nach rechts, verwöhnt Ein Titel, der Vieles offen lässt! Was verbarg sich wohl dahinter? Das Rätsel sei hier schon eingangs verraten. Unter diesem Namen fand in der SteinhofKapelle am Sonntag, 21. September 2014 um 15.00h ein klassisches Konzert mit Tangos, Klezmermusik, spanischen, russischen und ungarischen Tänzern statt, vorgetragen von Edith Göpfert an der Flöte, Joseph Bachmann am Akkordeon und Heinz Haldemann am Kontrabass. Das Konzert begeisterte die Besucherinnen und Besucher vom ersten Stück an "Los Caballeros Enamorados" das gleichzeitig dem Konzert den Namen gab bis zum letzten Stück "Stempenjus". Allen drei Musikern geht es darum, mit ihrem Projekt die Fachstelle Begleitung in der letzten Lebensphase von der Caritas zu unterstützen, dessen Leiterin Andrea Jenni ebenfalls anwesend war. Zu diesem Zweck wurde eine CD produziert, deren Erlös vollumfänglich dieser Institution und

Erholung pur Pfarrer Leopold Kaiser, Vorstandsmitglied des Vereins Steinhof, tankte sich bei dieser fantastischen Musik für seine anstrengende seelsorgerische Tätigkeit in der Paulus-Pfarrei neu auf. Auf die Frage, welches Stück ihm am besten gefallen habe antwortete er: "Mich beeindruckte das Akkordeon, gespielt von Joseph Bachmann. Welch ein Klangvolumen aus einem einzigen Instrument möglich ist, kam beim Stück "Adios Muchachos" so richtig zum Tragen". Nach dem Lieblingstück von Sylvia und Werner Amberg gefragt, entgegneten beide einstimmig: "Amor"! Zu den ganz treuen Veranstaltungsbesuchern im Steinhof zählen Josef und Hedy Blum. Und wie so oft, war es auch diesmal der Fall. Sie bereuten ihr Erscheinen keine Sekunde lang, ganz im Gegenteil, informierten sie sich, wo das nächste Konzert stattfindet, das sie ein zweites mal zu hören beabsichtigten. Und dies trotz gekaufter CD! Paul Otte, Heimleiter

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WIR ALS GASTGEBER ………………………………………………………………………...

Wenn Musik und Vortrag zum Überflieger werden menschlicher Beziehungen und auch die Beziehung zu sich selbst: Die Rede war vom Vertrauen und von der Frage nach dem Sinn des Lebens. Zum Aspekt des Vertrauens stellte er den Heiligen Nepomuk der katholischen Kirche vor, der auch als Brückenheiliger verehrt wird. Und zur Frage nach dem Sinn des Lebens den berühmten Psychiater Viktor E. Frankl, bei dem er eine Frage gefunden hatte, die er als die "Brückenfrage" bezeichnete.

Beat Lustenberger, Referent an der VierjahreszeitenMatinée vom 28. September 2014 Am Sonntag, 28. September 2014 fand die Vierjahreszeiten-Matinée "Herbst" statt. Es referierte lic. phil Beat Lustenberger zum Thema "Brücke schlagen – Brücke sein". Die Brücke nahm er als mächtiges Bild für die Tragfähigkeit von Beziehungen und damit auch für die Schicksalshaftigkeit, der unsere Beziehungen immer wieder ausgesetzt sind – nicht zuletzt auch die Beziehung zu uns selbst. Im Referat versuchte er aufzuzeigen, wie wir mit Hilfe einer philosophischen oder religiösen Lebensbefragung Brücken solide zu bauen und zu festigen vermögen. Wie immer bei einem Vortrag, stellte sich auch hier die Frage, ob es dem Referenten wohl gelingen wird, die Absicht auch einzulösen. Und ob! Er verstand es hervorragend! Das Referat löste am Schluss einen langanhaltenden Applaus aus. Unter den Gästen weilten unter anderem auch Edwin Küttel, bekannter Oboist mit seiner Lebenspartnerin E sther Schmid-Brunner, wie auch der Saxophonist Hans Seiler. Der Referent beschränkte sich bei seinen Ausführungen auf zwei Aspekte, die er als besonders wichtig erachtet für die Bildung gelingender zwischen-

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Die Grundvoraussetzung ist Vertrauen Inspirieren liess sich Beat Lustenberger für seinen Vortrag von der 2003 neu errichteten "Gütschtobelbrücke", die man mit Bus Nr. 10 erreicht, wenn man bis zur Bushaltestelle Gütschwald fährt. Wenn man über die Brücke läuft sieht man das Profil eines Gesichtes, hinter dem sich der Heilige Johannes Nepomuk verbirgt, der von 1350 bis 1390 in Prag lebte. Die Legende berichtet, dass König Wenzel Nepomuk in Prag von der Brücke in die Moldau stossen liess, weil er nicht preisgab, was ihm die Königin Johanna in der Beichte anvertraut hatte. An der "Gütschtobelbrücke" steht deshalb auch das Wort "TACUI" was zu Deutsch heisst "Ich habe geschwiegen". In Anlehnung an dieses Wort kam der Referent auf das Wort "Pontifex" zu sprechen, das zu Deutsch "Brückenbauer" heisst und wie man zuweilen auch den Papst nennt. Verkürzt sagte er, um Brückenbauer sein zu können brauchte es Vertrauen und er stellte die Frage in den Raum: "Wie gehen wir um mit jenem Vertrauen, das andere uns entgegenbringen? Wo sind wir ein Pontifex für andere und wo als Beispiel eine Brücke?

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als Eltern für unsere Kinder auf ihrem Weg zur Selbständigkeit als Ehepartner für den anderen für seine eigene innere Entfaltung als Lehrpersonen für die Schülerschaft als Aerzte, Pflegerinnen und Seelsorger für die Kranken und Schwachen als Geschäftsführer und Firmeninhaber für die


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Angestellten als Hausbesitzer für die Mieter als Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer für die Kundschaft als Politikerinnen und Politiker für die Wählerschaft als Trainer für die Mannschaft, usw."

eine Lebensperspektive zu sehen. Schliesslich schloss er seine Ausführungen mit dem Zitat von Frankl: „Wollen wir eine Brücke schlagen von Mensch zu Mensch – und dies gilt auch von einer Brücke des Erkennens und Verstehens –, so müssen die Brückenköpfe eben nicht die Köpfe, sondern die Herzen sein.“

Mit "Brückenfrage" das KZ überlebt Zur Frage nach dem Sinn des Lebens, führte er schicksalshafte Beispiele auf, die uns oft die "Abgrundfrage" stellen lassen: "Was habe ich von diesem Leben noch zu erwarten" statt die "Brückenfrage": "Was erwartet das Leben von mir?" Dabei kam er auf den Psychiater Frankl zu sprechen, der von 1942 bis 1945 in verschiedenen Konzentrationslagern lebte und mit Hilfe der "Brückenfrage" sich selber aber auch andern Häftlinge dazu verhelfen konnte, trotz dieser ausweglosen Situation noch

Daniel Schlup, Vizedirektor im Verkehrshaus der Schweiz und Doris Schlup waren nicht nur hocherfreut über das Gebotene, sondern auch darüber, dass mit Annelise Alpers die erste Sekretärin des leider verstorbenen Dr. h.c. Alfred Waldis zugegen war. Doris Schlup wollte schon lange einen Vortrag von Beat Lustenberger besuchen. Zusammen mit der Frau des Referenten, Carmen Köhmann, erteilt sie Religionsunterricht. Erstmals spielte nicht das Konsort des Luzerner Gambenensembles, sondern Charly Baier am Akkordeon und Res Gräni an der Geige. Karl Hahn und Hanna Gut Hahn, beide Initianten und Geburtshelfer der Matinées wollten sich altershalber von der Aufgabe entlasten. An dieser Stelle bedarf es sicher eines grossen Dankeschöns, verbunden mit den besten Wünschen und dem Trost, dass das traditionelle Adventskonzert mit dem Gambenensemble bestehen bleibt.

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Paul Otte, Heimleiter

Das Geländer der „Gütschtobelbrücke“, die man mit Bus Nr. 10 aber der Bushaltestelle Gütschwald erreicht. Auf dem Geländer ist das Profil des Gesichtes von Johannes Nepomuk abgebildet.

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WIR ALS GASTGEBER ………………………………………………………………………...

Auf Slavko Avseniks Spuren

Wenn österreichische Berufsmusiker den Steinhof und seine Gäste mit traumhaften Klängen zum Schunkeln und Träumen erobern, dann sind die „Windbeit‘l live“ zu Gast. Von links nach rechts: Ivan Widmar, Günther Kuntschnik, Charly Baier, Hannes Derler und Martin Vögeli (der adoptierte Glarner!) "Windbeit'l live", so heisst die Stimmungsmusik, die ihre DNA in Slowenien hat. Der Ziehvater von Ivan Widmar an der Trompete muss kein Geringerer als Slavko Avsenik gewesen sein, der Gründer der Oberkrainer Musik. So begann dann das Konzert am Sonntag, 28. September 2014 auch mit dem Marsch "Die Oberkrainer kommen". Am Akkordeon virtuos wie immer C harly Baier, aus Oberösterreich stammend, der sogleich Besuch bekam von seinen drei Grosskindern nämlich der Melody, 18 Monate, Loris 8 Jahre und Ailina 6 Jahre alt. An der Gitarre spielte Hannes Derler, aus der Steiermark stammend wie auch G ünther Kuntschnik an der Klarinette. Ersterer hat sein Glück dann später am Lauerzersee gefunden in der waschechten Unteribergerin, die heute Irène Derler heisst. Und für den nötigen Groove

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sorgte Martin Vögeli an der Bassgitarre und als Bariton. Einmal mehr eingesprungen, kam er direkt aus Diesbach unter dem Klausen hergereist, wo er einst geboren wurde und auch aufwuchs. Bild ersetzt die Esel Spezielle Freude an der Musik hatte Alois Klemm. Er weilte nur gerade zwei Wochen im Steinhof, um nach einem Spitalaufenthalt vor seiner Rückkehr nach Hause noch etwas Kräfte zu tanken. Am Tisch zusammen mit Frieda Waldvogel, hatte er dazu noch eine nette Gesprächspartnerin. Niklaus Sieber bekam nicht wie gewohnt von seiner Lebenspartnerin Sandra Dietschi Besuch, die nämlich in Schweden ganz überraschend einen Kongress leiten musste, sondern von seinem Bruder Meinrad Sieber und


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dessen Frau P ia Sieber. Die Beiden kamen nicht mit leeren Händen aus ihrem Feriendomizil in Istrien Kroatien direkt in den Steinhof. Sie brachten ein Bild mit einem Esel mit. Es soll Niklaus Sieber etwas trösten über die bevorstehende eselslose Zeit, bis dann im nächsten Juni "Zippo" und "Moritz" wieder in den Steinhof zurück kommen und die Bewohner erfreuen werden. Ein herzhaftes Wiedersehen gab es zwischen E rnst Kunz und Bianca Stöckli. Beide kennen sich von seinem Spitalaufenthalt im Luzerner Spital ,als sie dort noch als Pflegefachfrau arbeitete.

Geheimnisvolle Wadenwickel Hanni Achermann kam mit ihrem Grosskind Max zu Besuch. In unmittelbarer Nähe des Steinhofs wohnend, hörte sie die Musik, folgte ihr und war ganz erstaunt ihren Schwager, Charly Baier, anzutreffen. Ihr Mann Albert Achermann weilte zur gleichen Zeit im Fussballstadion und sah das Spiel Luzern gegen St. Gallen. Er war einst der Mannschaftsarzt unter Friedel Rausch und machte sich dort einen Namen mit seinen Wadenwickeln, die er seinen Spielern nach dem Match jeweils verpasste. Die Wirkung muss enorm gewesen sein. Noch heute spricht man von ihnen, und der Ruf über ihre Wirkung hallte bis in die Deutsche Bundesliga! Paul Otte, Heimleiter

Oben links: Niklaus Sieber freut sich diebisch über das Geschenk, das ihn über die esellose Zeit hinwegtrösten soll Unten links: Hanni Achermann mit ihrem Grosskind Max Unten rechts: Peter Wirz und Myrta Wirz erfreuen sich über die strammen Musiker aus Österreich

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WIR ALS GASTGEBER ………………………………………………………………………...

Alles klar Herr Kommissar? beide daran, wie einst im Flühli der erste Skilift eröffnet wurde, noch vor Sörenberg. Auch MarieTherese Jenni, die Mutter von Helene Meyer-Jenni , war nicht nur der Musik, sondern auch des virtuosen Saxophonisten wegen gekommen. Ein spezieller Moment war der Auftritt auch für Josef Stalder, der während 40 Jahren bei der Musikformation der Luzerner Polizei als Fähnrich amtete und am Konzert von seiner Tochter Bernadette Stalder begleitet wurde. Das wiederum freute auch Heidi Imfeld. Sie war während vieler Jahre im Service im Hotel Twing auf dem Hasliberg tätig, das von der Tochter von Josef Stalder zusammen mit ihrem Lebenspartner geführt wurde.

Die „Fidelen Rentner“ sorgten für einen Stimmung, die viele zum Tanzen animierte Gleich im Dutzend waren sie anwesend, die Herren Kommissare und Polizisten von der Luzerner Polizei. Am Sonntag, 26. Oktober 2014, spielten die pensionierten, musikalischen Kommissare und Polizisten nicht das Lied von Falco, sondern Musikstücke wie "Amsler Polka" , Alls was bruchsch of de Wält, das esch Liebi" oder "Viva Arogno". Sie traten in zwei Formationen auf, nämlich als "Die fidelen Rentner" und "Alte Freunde". Als Bandleader oder Kapellmeister und am Kornette wirkte Alois Steffen, und durchs Programm führte witzig und gekonnt der Entertainer, Pianist und Bassist Hans Seeberger. Claudia Steiner Gräni, die viele Jahre bei der Swiss als Maître de Cabine wirkte, kümmerte sich um seinen Sohn Guido Seeberger, der werktags jeweils in einem Behindertenheim in Sachseln lebt, wo auch Claudia Steiner Gräni als seine Lieblingsbetreuerin arbeitet. F redy Limacher am Saxophon sichtete gleich mehrere Anhänger im Publikum. So seinen Schulfreund Hans Kuenz, der extra zusammen mit seiner Lebenspartnerin Rita Bühler aus Flühli im fernen Entlebuch hergereist kam, wo die Beiden einst die Schulbank drückten. Erst kürzlich anlässlich ihrer Schülerzusammenkunft erinnerten sich

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Willkommener Dirigent Zu den Stammgästen des Steinhof-Musikplauschs zählen zweifellos Anton Schwegler und Theres Bieler. Früher reisten sie jeweils am Sonntag nach Sarnen, um bodenständige, lüpfige Musik zu hören. Vreni Zingg brachte sie auf die Idee, es doch einmal mit dem Steinhof zu versuchen. Es blieb nicht nur beim Versuch, sondern sie lassen fast keine Veranstaltung aus und machen auch gerne den einen oder andern Tanz. Toni Erni hatte seinen Bruder F ranz Erni und dessen Frau Aurelia zu Besuch. In der übervollen "Gastwirtschaft zum Steinhof" weilten auch A nneliese Steffen und E dith Koller, die ihren musizierenden Männern genüsslich zuhörten. Letztere wurde auch noch von Coralie Frosio erkannt, die einst mit Kollers im gleichen Haus in Horw wohnte. Der Auftritt der beiden Formationen war ein durchschlagender Erfolg und wurde am Schluss mit einem frenetischen Applaus entsprechend honoriert. Einen nicht unwesentlichen Beitrag dazu leistete sicher S tefan Purtschert vom "Eichwäldli", dem Heim der Stiftung für Schwerstbehinderte in Luzern, der freiwillig als Dirigent wirkte und das hervorragend machte! Paul Otte, Heimleiter


EIN STADTTHEMA ..…………………………………………………………………………..

Seit Januar 2013 gibt es den neuen Kindes- und Erwachsenenschutz

Die Kinder– und Erwachsenenschutzbehörde der Stadt Luzern hat ihren Sitz an der Pilatusstrasse 22. Mehr Informationen können auf der Homepage www.kesb.stadtluzern.ch entnommen werden. Wenn wir den Alltag nicht mehr organisieren können, oder wenn das Umfeld nicht mehr mag

„Die Professionalisierung im neuen Kindes- und Erwachsenenschutz ist wünschenswert, weil die früheren Vormundschaftsbehörden oft schlicht überfordert gewesen sind“, sagt der Luzerner Rechtsanwalt Viktor Rüegg. Doch die Umstellung auf das neue Recht, das seit Januar 2013 in Kraft ist, dauert, und zwar länger als man zuerst gedacht hatte. Von Personen, die im beruflichen Alltag vom neuen Recht betroffen sind, wollten wir Einschätzungen hören. Schliesslich bringt Pia Zeder, die Leiterin der KESB Luzern-Stadt, ihre Erfahrungen ein. Gemäss dem neuen Bundesgesetz musste die bisherige Vormundschaftsbehörde einer Gemeinde durch eine Fachbehörde ersetzt werden. Diese neue Kindesund Erwachsenenschutzbehörde (KESB) besteht in der Stadt Luzern aus sieben vom Stadtrat gewählten Behördenmitgliedern aus Justiz, Sozialarbeit und Pädagogik, sowie 27 Mitarbeitenden in den Fachdiensten Recht, Sozialabklärung sowie Revision und Kanzlei. Im Kanton Luzern gibt es sechs weitere Behörden, in denen mehrere Gemeinden zusammengeschlossen sind.

Die KESB prüft Gefährdungsmeldungen für Kinder, Jugendliche und Erwachsene, ordnet wo nötig Schutzmassnahmen und Beistandschaften an und verfügt fürsorgerische Unterbringungen. Als weiteres Arbeitsfeld befasst sich die Behörde mit Vorsorgeaufträgen und Patientenverfügungen. Mit einem Vorsorgeauftrag können ältere Menschen Personen ihres Vertrauens oder juristische Personen benennen, die bei Notwendigkeit ihre Interessen wahrnehmen und für sie sorgen. Die Patientenverfügung erhält durch das neue Erwachsenenschutzrecht eine Rechtsverbindlichkeit, die sie bisher nicht hatte. Ärzte, Spitäler und Heime sind neu an die persönlichen Verfügungen gebunden. „Schluss mit pauschalen Urteilen“ Nach übereinstimmenden Meinungen von Fachpersonen ist der neue Kindes- und Erwachsenenschutz eine gute Sache. „Es ist jetzt Schluss mit den pauschalen Gründen für die Versorgung eines Menschen wegen eines psychiatrischen Gutachtens oder wegen Trunksucht“, sagt eine ehemalige Sozialarbeiterin und Dozentin an der Hochschule für Sozialarbeit in Luzern. Doch die Umstellung auf das neue Recht brauche Zeit, bis sich die Sicherheit im Umgang mit den Bedingungen einstelle. „Wir spüren vor allem, dass vieles lange dauert“, sagt Monika Marbacher, Leiterin des Sozialamtes der Gemeinde Root. Die Fristen, die nicht eingehalten werden können, gehören zu den Hauptkritikpunkten im neuen Verfahren. Ausnahmen bestehen bei den fürsorgerischen Unterbringungen. Dort werden die gesetzlich vorgegebenen 72 Stunden eingehalten. „Bei Gefährdungsmeldungen für Kinder kann es sechs Monate und länger dauern, bis etwas angeordnet wird“, sagt Monika Marbacher. Neue Anforderungen stellen die Eintritte von alten Menschen in ein Heim, wenn die finanzielle Basis nicht vorhanden ist. Früher wurde vom Gemeindeso-

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EIN STADTTHEMA …….……………………………………………………………………...

zialamt eine Beistandschaft errichtet, um Rollenkonflikte unter den Angehörigen zu vermeiden. Das dauerte jeweils ein paar Tage. Heute kann es bis zu einem Jahr dauern, bis die Massnahme von der KESB eingeleitet wird. Darum führt Root diese Dossiers wenn immer möglich selbst, notabene ohne Beistandschaft. Ein heikles Thema: die Einschränkungen der elterlichen Rechte zum Wohl des Kindes. Da soll es bei Eltern oder Elternteilen oft erheblichen Widerstand geben. Monika Marbacher hört von solchen Situationen, die Verantwortung dafür liegt jedoch heute nicht mehr auf Gemeindeebene. Dazu gehört etwa die Fremdplatzierung eines Kindes. Wenn die KESB eine Gefährdungsmeldung erhält, beauftragt sie den unterstützenden Dienst mit den Detailabklärungen. Die betroffenen Eltern werden dann vom Gemeindesozialamt informiert, dass die KESB ihr Ansprechpartner sei. Beistände brauchen ein tolerantes Menschenbild Die Betreuung und Begleitung der schutzbedürftigen oder auf Hilfe im Alltag angewiesenen Kinder oder Erwachsenen ist gemäss neuem Gesetz Aufgabe der Beistände, früher Vormunde. Sie werden von der KESB auf Grund besonderer Fähigkeiten ausgewählt und eingesetzt. In der Stadt Luzern werden Freiwillige für diese Aufgabe gesucht. Sie müssen über Sozial- und Selbstkompetenz verfügen, was eine positive Lebenseinstellung, ein tolerantes Menschenbild, Lebenserfahrung und die Fähigkeit zur Selbstkritik voraussetzt. Im Umfeld dieser neuen Aufgabe hört man - vorwiegend aus Gemeinden - von einer Überforderung dieser Beistände, oder dass es schlicht zu wenig Personen gebe, die sich dafür zur Verfügung stellten. Was sagt Monika Marbacher dazu? „Wenn sich Beistände überlastet vorkommen, ist es ihre Aufgabe, dies ihren Vorgesetzten mitzuteilen. Dann müsste der Stellenpool überprüft werden.“

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Wie kommt die Sozialbehörde der Gemeinde mit der Basis, mit einzelnen Rollenträgern im Kindes- und Erwachsenenschutz zurecht, zum Beispiel mit Ärzten, Psychiatern, mit Eltern und Angehörigen? „Es ist heute gut, dass die Zuständigkeiten geklärt sind. Die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde muss die psychosoziale und finanzielle Situation klären und ist für Massnahmen zuständig, Ärzte und Psychiater vorwiegend für Gutachten. Die Rollen sind klar definiert. Wenn es um das Kindeswohl geht, werden das Kind, seine Eltern, die Lehrperson und das Sozialamt angehört.“ „Es wird Anpassungen brauchen“ Monika Marbacher hat zum neuen Kindes- und Erwachsenenschutz eine klare Meinung. „Es hat eine notwendige Professionalisierung stattgefunden. Es braucht Zeit, bis diese Organisationen überall aufgebaut sind, bis Fristen eingehalten werden können. Die Entlastung der Gemeinden von dieser Aufgabe ist eine gute Sache. Der Aufwand der KESB jedoch ist sehr gross, da es viele Neumeldungen gibt. Es wird Anpassungen brauchen, bezüglich Zeit und Ressourcen.“ Ein Beispiel: Die Anhörung eines Schutzbedürftigen in der Psychiatrie wird in der Regel von zwei oder allenfalls auch drei Mitgliedern der KESB wahrgenommen. Das ist ein gewaltiger Aufwand, personell und auch finanziell. Monika Marbacher ist überzeugt, dass hier Korrekturen notwendig sind. „Die KESB muss solche Massnahmen andenken. Macht sie es nicht, werden die Gemeinden politisch Druck machen.“ Ein andere Frage ist für Monika Marbacher die Ausformulierung der Entscheide: Wie ausführlich, wie juristisch begründet muss ein Entscheid sein? „Eigentlich muss ein Entscheid vorliegen, der vom Klienten verstanden wird. Also kurz gehalten, juristisch korrekt, das reicht“, sagt Marbacher. Rechtsanwalt Viktor Rüegg befürwortet die Professionalisierung, macht aber Vorbehalte zu den Abläu-


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fen. „Man muss sich fragen, ob der heutige Aufwand der Fachbehörde vertretbar ist.“ Rüegg erinnert an einen Fall. Es ging um die Abänderung einer Beistandschaft. „Bei der Einvernahme waren fünf Personen anwesend: eine Psychologin, ein Jurist, die Beiständin, die Amtsvorsteherin und der Protokollführer. Dieser Aufwand führt zu einer beträchtlichen Verzögerung. Für ein generelles Urteil ist es aber zu früh. Das ganze Recht, die Strukturen sind neu. Es braucht Zeit, um Ermessen und Vorgehen einordnen zu können.“ Auch die Sozialarbeiterin Regula Thalmann kennt das Konfliktpotential. „Bei Fremdplatzierungen müssen die Gemeinden zahlen, haben aber keine Mitsprache mehr.“ Doch Thalmann sagt auch: „Wir haben ein neues Recht mit differenzierten Massnahmen, die zielgerichtet sind. Und der Entscheid liegt bei einer Fachbehörde, nicht mehr bei einem politischen Gremium.“ Regula Thalmann ist als Beiständin Mandatsträgerin. Früher machte sie in Meggen als Gemeindeangestellte Abklärungen. Dienstleister ohne Entscheidungsfunktion In einer andern Position steckt Rolf Maegli, Direktor der Stiftung für Schwerbehinderte (SSBL) in Rathausen, das zur KESB Luzern-Land gehört. Was Maegli als extrem wichtig einstuft, ist das Rollenverständnis der Beteiligten. „Wir haben eine klare Haltung. Wir sind Dienstleister und haben keine Entscheidungsfunktion. Das ist Aufgabe der vom Gesetz vorgesehenen Behörde.“ Maegli kann den Ablauf mit einem Beispiel erklären. „Wenn eine Heimbewohnerin in einer Notfallsituation im Spital weilt und über lebenserhaltende Massnahmen entschieden werden muss, wollen und können wir keine Weisungen erteilen. An einem Sonntagabend rief mich eine Heimleiterin an, weil sie von Spitalärzten bedrängt wurde. Die Mutter der im Spital weilenden Heimbewohnerin wollte lebenserhaltende Massnahmen, der getrennt lebende Vater lehnte sie ab. Die Ärzte wollten von uns wissen, was sie im Interesse der Bewohnerin

tun sollten. Das machen wir aber nicht. Es steht uns nicht zu, einen Entscheid über Leben und Tod zu fällen.“ Frage: Wer muss denn entscheiden? „Die Ärzte oder Ärztinnen, das ist im ZGB klar geregelt.“ Das neue Gesetz will, dass man Menschen, ungeachtet ihrer gesundheitlichen Einschränkungen, als vollwertiges Individuum mit einem eigenen Willen achtet. Rolf Maegli dazu: „Ich denke – das ist meine Hypothese – dass vor allem ältere Eltern Mühe haben, loszulassen, weil das Gesetz Werte setzt, welche dieser Generation nicht vertraut sind. Und das macht es schwierig, die Elternrechte zum Wohl des Kindes einzuschränken.“ Die Stiftung hat mit den Angehörigen der Behinderten regelmässigen Austausch, an dem sie den Umgang mit den Behörden thematisiert und zu vermitteln versucht. Was Maegli dann noch nachschiebt: „Die KESB sind professionell besetzt. Das spüren wir. Und das ist richtig.“ Pia Zeder: „Wir sind auf gutem Weg“ Also: die Professionalität wird von Fachleuten rundum geschätzt. Diese Wertung freut Pia Zeder, die Leiterin der KESB Luzern. Zur Situation in Luzern sagt sie: „Das neue Recht und die neue Organisation forderten uns zu Beginn sehr. Dank gut ausgebildeten, erfahrenen und motivierten Mitarbeitenden haben wir jedoch keine gravierenden Probleme. Wir sind auf gutem Weg.“ Neben dem Tagesgeschäft muss die KESB 1200 alte vormundschaftliche Massnahmen für Erwachsene mit neuen Entscheiden dem neuen Recht anpassen. „Diesen Teil der Arbeit haben wir vom Zeitbedarf her massiv unterschätzt. Dazu kommt der Anstieg bei den Gefährdungsmeldungen und Beistandschaften. Aber auch das ist nicht neu. Trotzdem: Die Arbeitsbelastung ist hoch. Und es wäre gut, wenn wir am Ende des Tunnels wieder etwas Licht sähen.“ Mit andern Worten: Unsere Gesellschaft mit ihren Stär-

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EIN STADTTHEMA ……….…………………………………………………………………...

ken und Schwächen trägt dazu bei, dass die Arbeit beim Kindes- und Erwachsenenschutz laufend zunimmt. Pia Zeder: „Ja, das ist so. Bei der KESB Luzern gehen pro Jahr rund 410 neue Gefährdungsmeldungen ein. Ein Drittel betrifft Kinder, zwei Drittel Erwachsene. Aktuell gibt es in der Stadt Luzern knapp 1800 Massnahmen, die von der früheren Vormundschaftsbehörde oder der KESB angeordnet worden sind. Welche Bereiche dominieren die Fälle der KESB? „Bei Kindern erhalten wir viele Gefährdungsmeldungen. Das betrifft schwierige Familiensituationen. Besonders gefordert sind wir, wenn Hilfe sehr schnell nötig ist. Zum Beispiel, wenn ein Kind im Schwimmunterricht mit blauen Striemen am Körper entdeckt wird.“ In jedem Fall werde die Situation mit den Betroffenen und ihrem Umfeld im Gespräch geklärt. Oft sei es angezeigt, eine Beistandschaft vorzuschlagen. „Wenn die Betroffenen einverstanden sind, wird sie organisiert, wenn nicht, wir aber von der Notwendigkeit überzeugt sind, ordnen wir sie auch

gegen den Willen der Betroffenen an.“ Die Gefährdungsmeldungen bei Kindern haben zugenommen. Lässt sich etwas zu den Ursachen sagen? Sind Eltern aus andern Kulturen die Auslöser? Pia Zeder: „Nein, keineswegs, es sind Schweizer wie Ausländer. Unterschiedliche Hintergründe, Beweggründe, können zu einer Gefährdung von Kindern führen. Wir stellen häufig Überfordungen im Alltag fest, die sich darin zeigen können, dass ein Kind keine Strukturen hat, nie etwas von Essenszeiten gehört hat, die Schule nicht mehr besucht, sich von den Eltern nichts mehr sagen lässt oder gar die Elternrolle übernimmt.“ Die Meldungen an die KESB kommen von der Familie selbst, von der Schule, von Nachbarn, von einem Kinderarzt, selten auch vom Kinder- und Jugendpsychiatrischen Dienst. Vielfältige Gründe beim Erwachsenenschutz Gibt es Meldungen an Ihre Behörde, die keine Folgen haben? „Ja, zu einer Beistandschaft kommt es nur, wenn keine Unterstützung durch eine andere Fachstelle oder Private möglich ist. Unsere Abklärungen

Solange sich Gesetzgeber keine Gedanken zur Finanzierung machen müssen, gibt es immer ein böses Erwachen. So und nicht anders ist es beim neuen Kinder– und Erwachsenenschutzgesetz!

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können auch ergeben, dass keine Hilfe von aussen nötig ist.“ Warum wird bei Erwachsenen ein Schutz angestrebt, was führt die Betroffenen zu Ihnen? Etwas allgemein formuliert gehe es um Menschen, die ihr Leben oder einen Teil ihres Alltags nicht mehr selber organisieren könnten, erklärt Pia Zeder. „Zum Beispiel alte Frauen oder Männer, die in die Demenz abgleiten. Weiter gibt es psychisch Kranke, Suchtkranke, oder auch junge, unerfahrene, überforderte Leute, die sich keine Hilfe holen können, die den Einstieg ins Berufsleben nicht geschafft haben und sich fast willenslos zurückziehen.“ Wer meldet solche Situationen? „Angehörige, soziale Dienste. Es kommt alles vor. Es gibt Menschen, die sich selber melden. Bei alten Leuten sind es vielfach Ärzte oder Ärztinnen, die Spitex, ein Pflegeheim. Es sind fast immer Fälle, wo Betroffene oder auch Beratungsstellen nicht mehr weiter wissen.“ Dass demente Menschen beim Erwachsenenschutz landen, kann im ersten Moment überraschen. Pia Zeder verdeutlicht: „Es sind nicht nur Demente. Die Leute wenden sich an uns, wenn das Umfeld nicht mehr mag. Die Betreuung ist nur das Eine, das Andere ist zum Beispiel das Sozialversicherungsrecht, das viele überfordert.“ Die KESB engagiert sich in solchen Situationen nur soweit, als nicht andere – Ehegatten, Angehörige – das Notwendige an Betreuung und medizinischen Massnahmen organisieren können.

„Es ist unsere Aufgabe, diese Beistandschaft zu überwachen. Das können Eltern oft nicht verstehen, weil sie diese Aufgabe vielleicht schon dreissig Jahre lang ohne Probleme erfüllt haben. Dafür habe ich Verständnis. Aber wir können das Gesetz nicht ändern“, sagt Pia Zeder. Wo stehen wir beim Thema Patientenverfügung? Auch hier kann die Erwachsenenschutzbehörde eingreifen und allenfalls die Durchsetzung einer Verfügung verlangen. Pia Zeder: „Wir haben bis heute keine derartigen Anfragen. Gut möglich, dass die Abläufe ohne unsere Aufsicht funktionieren, das heisst, dass Verfügungen von der Ärzteschaft, von Spitälern und Heimen beachtet werden. Im Austausch mit dem Kantonsspital wurde uns gesagt, dass man vieles im direkten Gespräch mit den Angehörigen bereinigen könne. Das ist auch sinnvoller, als einen Streitfall entstehen zu lassen.“ Etwas mag erstaunen: Monika Marbacher, die Sozialamtsvorsteherin von Root, kritisiert Fristen und Aufwand der KESB Luzern-Land. In der Stadt hingegen spricht Pia Zeder von „keinen gravierenden Problemen“ und sagt, es laufe rund. Der Unterschied ist verständlich. In Luzern wirkt ein mehr oder weniger eingespieltes Team, das schon vor der neuen Gesetzgebung als Vormundschaftsbehörde ähnliche Aufgaben wahrgenommen hat. Die KESB Luzern-Land hingegen musste neu aufgebaut werden. René Regenass, Journalist

Eltern als Beistände Schwierige Situationen entstehen oft, wenn ein behindertes Kind 18 Jahre alt wird. Früher wurde das Kind entmündigt, und die Eltern erhielten die sogenannte erstreckte elterliche Sorge. Das heisst, sie haben als Eltern autonom funktioniert, obwohl das Kind bereits volljährig war. Diesen Fall gibt es im neuen Kindes- und Erwachsenenschutzrecht nicht mehr. Jetzt sind die Eltern als Beistände eingesetzt.

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GUIDO‘S COMIC—SEITE ……………....……………………………………………………..

Guido Obertüfer wohnt seit dem 7. Mai 1997 im Steinhof. Er ist ein aufgestellter, fröhlicher Mensch mit einer ausserordentlichen Beobachtungsgabe. Daraus entstehen Comic – Zeichnungen, die wir Ihnen nicht vorenthalten möchten. Guido zeichnet spezielle Vorkommnisse im Alltag.

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STEINHART NACHGEFRAGT ………………………………………………………………...

Beat Marti, Pflegedienstleiter im Steinhof

Beat Marti ist mehr als 28 Jahre Pflegedienstleiter im Steinhof

Heute habe ich Beat Marti, Pflegedienstleister im Steinhof, zum Interview gebeten. Er übt dieses Amt seit dem 1. Juli 1986 aus und feiert am 12. November 2014 seinen 60. Geburtstag. Es dürfte von Interesse sein für unsere Leserschaft, mehr über ihn, sein Berufsleben wie auch sein Privatleben zu erfahren

Beat Marti: Ich bin ein ausgewanderter Berner und lebe seit 30 Jahren in der Innerschweiz. Der Grund, dass ich nach Luzern kam, war die Anstellung als Pflegedienstleiter im Steinhof.

Eisenbahnknotenpunkt der damaligen EmmentalBurgdorf-Thun-Bahn war. In Eisenbahnerkreisen als EBT bekannt. Ich war der jüngste von drei Geschwistern. Die Schwester, Verena, ist 10 Jahre älter und mein Bruder, "Häne" oder Heinz, 5 Jahre älter als ich. Wir wuchsen behütet auf in einer Abeiterfamilie. Mein Vater war angestellt als Maler und meine Mutter arbeitete im Textilwerk "Tenta" in der Reinigung. Wir Kinder mussten im Haushalt mitarbeiten. Bei einem Hobby von mir ist sein Ursprung praktisch auf die Haushaltarbeiten zurückzuführen. Beim Abwaschen mit meiner älteren Schwester sangen wir immer und deshalb ist eines meiner Hobbys bis heute das Singen.

Wo und wie sind Sie denn im schönen Kanton Bern aufgewachsen?

Hat der junge Beat Marti auch mal einen Streich gespielt, der Ihnen heute noch in guter Erinnerung ist?

Beat Marti: Aufgewachsen bin ich im Emmental, genauer im Dorf Hasle-Rüegsau, das gleichzeitig der

Beat Marti: Ich war eigentlich ein ganz Lieber. Schliesslich wird der Jüngste in einer Familie meis-

Wer sind Sie?

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STEINHART NACHGEFRAGT ………………………………………………………………...

tens auch speziell verwöhnt, was bei mir nicht anders war. Natürlich haben wir in jungen Jahren auch viel, auf berndeutsch, "Seich" gemacht. In der 5. Klasse hatten wir einen Lehrer, der bei uns nicht so beliebt war und der immer mit dem Velo in die Schule kam. Mein Freund und ich liessen bei seinem Velo die Luft raus, versteckten uns dann, um seine Reaktion zu beobachten. Unglücklicherweise wurden wir entdeckt. Doch wir standen sofort zu unserem Fehler, was den Lehrer wiederum sehr beeindruckte und er uns dann auch für unseren Streich nicht bestrafte. Nach der Schulzeit folgte Ihr beruflicher Werdegang, und da nimmt es mich wunder, wie dieser dann verlief? Beat Marti: Nach der obligatorischen Schulzeit stellte sich für mich die Frage, den schulischen Weg fortzusetzen, mit dem Ziel Medizin zu studieren. Finanzielle Hindernisse und Schulmüdigkeit waren dann ausschlaggebend, dass ich eine Lehre als Maschinenmechaniker bei der EBT absolvierte um später Lokomotivführer zu werden. Dieses Ziel erreichte ich dann und wurde Lokomotivführer-Anwärter bei der SBB. Und wie kam es denn dazu, dass plötzlich aus dem Lokführer etwas ganz anderes wurde? Beat Marti: Der Einsatz als LokomotivführerAnwärter führte mich auch auf die Linie Bern – Thun, die entlang der psychiatrischen Klinik Münsingen verläuft. Irgendwie schlummerte in mir das Interesse an Medizin und Psychiatrie weiter und wurde durch diese Fahrten wohl wieder geweckt. Ich entschloss mich spontan dazu, an einem geführten Rundgang in der Psychiatrie mitzumachen, wo man auch über die Lehre als Psychiatriepfleger informierte. Ich war derart fasziniert, dass ich mich ohne lange zu überlegen dem Aufnahmeverfahren stellte, das bei Bestehen die Zulassung zur dreijährigen Lehre ermöglichte. Nach drei Wochen kam ein Brief von

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der Klinik nach Hause, der dann auch der Vater sah. Gar nicht zur Freude von ihm, denn er wusste von meinem Vorgehen nichts und konnte es überhaupt nicht verstehen, dass sein Sohn, der soeben einen Bubentraum als Lokführer realisiert hatte nun eine Lehre als Psychiatriepfleger zu absolvieren beabsichtigte. Rückblickend muss ich heute sagen, dass ich auch aus einer Art Trotzreaktion heraus entschieden hatte, so nach der Devise: "Jetzt erst recht….!" Bereuten Sie denn den Schritt nicht? Beat Marti: Nein ganz im Gegenteil. Die Lehre war sehr interessant, und ich fühlte mich mehr und mehr am richtigen Ort. Ich wechselte nach der Lehre dann in die Psychiatrie "Lindenhof" und machte dort noch den Abschluss in allgemeiner Krankenpflege, AKP. Danach arbeitete ich als Abteilungsleiter Stellvertreter in St. Urban. All das war eine wichtige, prägende Zeit, ja sogar eine Lebensschule. Nach sieben Jahren in St. Urban folgte ein Wechsel in die Privatwirtschaft, in die grosse Pharmafirma Merk Sharp & Dohme als Ärzteberater. Doch nach zwei interessanten und lehrreichen Jahren merkte ich, dass dies nicht meine Zukunft sein kann. Mir fehlten die Menschen, die Bewohner und die Mitarbeiter. Wie kam es dann zum Wechsel in den Steinhof? Beat Marti: In der Zwischenzeit war ich verheiratet und lebte mit meiner Frau und meinen zwei Kindern in Thörigen, in der Nähe von Langenthal. Eines Tages las ich ein Inserat in der Berner Zeitung, dass der Steinhof einen Pflegedienstleiter sucht. Ich bewarb mich, und bekam die Stelle, wo ich heute noch mit Freude arbeite. Gibt es ganz spezielle Ereignisse während Ihrer langen Tätigkeitszeit, an die Sie sich gerne zurückerinnern, die Sie beeindruckt haben und an denen Sie unsere Leser auch gerne teilhaben lassen?


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Therese und Beat Marti in Guilin im Süden von China. Im Hintergrund ein Merkmal dieser Region, die Karstberge. Beat Marti: Es gibt sehr viele schöne Ereignisse. Für mich sehr beeindruckend war der Moment, als seinerzeit Bruder Tutilo in der Funktion als Vorsteher der Brüdergemeinschaft und Präsident der Trägerschaft mir das Du anbot. Für mich war das ein Vertrauensbeweis, und ich empfand es als Dankeschön und Wertschätzung gegenüber meiner Arbeit. Bruder Tutilo war eine charismatische Persönlichkeit, die eine hohe Vorbildfunktion hatte und eigentlich damals mit niemandem vom Betrieb per Du war. Er hat das Leitbild des Steinhofs auch stark geprägt, welches heute noch Gültigkeit hat, das gegenüber den Mitarbeitern und Bewohnern zwar christlich geprägt ist, aber alle Menschen ungeachtet ihrer Konfession achtet und aufnimmt.

Was sind Ihrer Meinung nach die grössten Herausforderungen in der Langzeitpflege? Beat Marti: Zum Glück hat die Langzeitpflege das Mauerblümchendasein in der Zwischenzeit verloren. Früher meinte man, es brauche keine grosse Qualifikation um Menschen zu pflegen. Es reiche in der Pflege, nach der Devise zu arbeiten "warm, sauber, satt". Heute stellt man den Menschen mit seinen noch gesunden Anteilen, mit seinen noch vorhandenen Ressourcen in den Vordergrund. Die heutige, rehabilitative Pflege mit ihrer hohen Qualität erfordert auch entsprechend gut ausgebildetes Personal. Dies verlangt ein erhöhtes Engagement aller Institutionen in die Bildung und Weiterbildung. Angst ist

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kein guter Ratgeber, um Probleme zu lösen. Die demografische Entwicklung wird uns aber in Zukunft vor grosse Probleme stellen, genügend qualifiziertes Personal zu rekrutieren. Und da sind alle gefordert ihren Beitrag zu leisten, die Arbeitgeber, die Politik und die Gesellschaft.

zu organisieren. Ich übernahm es dann gleich selber, ihr bei der Essenseinnahme zu helfen. Für mich war das die Genugtuung, die Freude und der Aufsteller an diesem Tag.

Und wie sollte sich die Langzeitpflege in der Zukunft entwickeln bzw. positionieren?

Beat Marti: Früher war es mein Hobby Schiedsrichter zu sein, heute das Walken, ich lese auch gerne, gehe mit Vorliebe in den Wald und holze dort mit meinem Nachbarn, dem der Wald gehört. Dann fahre ich für Gruppen noch gerne Car, was für mich eine grosse Abwechslung und gleichzeitig auch Erholung ist. Ein weiteres Hobby ist das Singen. So bin ich Mitglied des "Steinhof Chors" und beim Chor "Feel the Spirit". Bei all diesen Tätigkeiten schöpfe ich neue Energie für meine Tätigkeit hier im Steinhof.

Beat Marti: Ich bin ein grosser Gegner der heutigen Entwicklung, wo man eine zu starke Trennung und Spezialisierung von Krankheitsbildern vornimmt, statt wie der Steinhof es seit Jahren erfolgreich versucht, nämlich demente Menschen, Menschen in einer palliativen Phase oder Junge und Alte nicht separiert sondern sie integriert.

Wie erholen Sie sich von Ihrer Arbeit!

Was ist Ihnen wichtig in der Pflege im Steinhof? Beat Marti: Mir ist wichtig, dass wir die Bewohner stets Ernst nehmen und ihre Anliegen und Bedürfnisse wenn immer möglich probieren auch umzusetzen. Das ist sicher nicht immer ganz einfach, muss aber immer unsere Ausrichtung sein. Was ärgert Sie? Beat Marti: Ich ärgere mich primär über mich selber. Ich frage mich, was ist mein Anteil daran, worüber ich mich ärgere.

Was für ein Buch liegt dann auf Ihrem Nachttisch bereit zum lesen? Beat Marti: Im Moment lese ich ein Buch aus der spanischen Literatur mit dem Titel "Das Spiel des Engels" von Carlos Ruiz Zafón. Es ist eine Biographie mit einem eher philosophischen Hintergrund und spielt im späten Mittelalter zur Zeit der spanischen Revolution. Offenbar sind Sie etwas fussballverrückt, spielten selber Fussball, später waren Sie als Schiedsrichter tätig. Welche ist Ihre Lieblingsmannschaft in der Schweiz?

Über was freuen Sie sich? Beat Marti: Wenn ich jeden Tag noch zur Arbeit gehen kann und wenn ich soweit noch gesund bin. Es sind aber auch Vorkommnisse im Alltag. Wie gerade gestern. Eine MS-Kranke, die einen Heimwechsel in Erwägung zieht, kam den Steinhof besichtigen und da sie von Zürich kam, wollte sie im Steinhof das Mittagessen einnehmen. Sie konnte jedoch nicht mehr selber essen und bat mich, eine Hilfestellung

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Beat Marti: Obwohl ich schon dreissig Jahre in Luzern bin und mich hier auch sehr wohl fühle, bin ich nie ein Fan vom FCL geworden. Ich bin ein Berner "Giel", und somit bin ich heute noch ein Fan von den Young Boys. Ich erinnere mich noch gut daran, wie ich als Bub in das alte Wankdorf ging. International verfolge ich die Spiele vom 1. FC Köln. Als Sie noch Schiedsrichter waren, kann ich mir sehr gut


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Ich entschuldigte mich dann und sagte: "Mich hat wirklich der Teufel geritten. Ich hatte spontan die Eingebung jetzt einfach ein Tor zu erzielen". Nachher lachten sie und nach dem Spiel stiessen wir mit einem oder zwei Bieren auf diese Episode an. Als leidenschaftlicher Sänger haben Sie sicher einen Lieblingssänger oder eine Lieblingssängerin, dessen oder deren Lieder Sie gerne hören. Beat Marti: Da kommt mir von den Gospels und von den Spirits nur Mahalia Jackson in den Sinn, die ein grosses Charisma hat und eine wunderschöne Stimme. Männer im gleichen Alter wie Sie schwärmen offenbar stark von Helene Fischer. Wie ist das bei Ihnen? Beat Marti: Helene Fischer ist eine grosse Entertainerin. Ich schwärme zwar nicht von ihr. Aber was zweifellost zutrifft, es ist eine hübsche und sympathische Frau, die in ihrem Repertoire wunderschöne Lieder hat.

Beat Marti ist zwar ehemaliger Fussballschiedsrichter, doch wie das Bild beweist kann er auch als Volleyball-Schiedsrichter eingesetzt werden

Was für ein Talent haben Sie, das Ihnen eigentlich niemand zutraut?

vorstellen, dass man hin und wieder Sachen erlebte, über die man im Nachhinein nur noch lachen konnte. An was werden Sie da gerade erinnert?

Beat Marti: Das ist eine ganz schwierige Frage. Ich glaube, in vielen Situationen kann ich aktiv zuhören, was jedoch situationsbedingt noch verbessert werden könnte.

Beat Marti: (muss lachen) Ich durfte einmal ein Freundschaftsspiel bei Veteranen pfeifen und schoss als Schiedsrichter in diesem Spiel ein Tor. Und das kam so. In den Regeln gilt der Schiedsrichter als "Luft". Da nahm es mich einmal wunder, wie die Mannschaften reagieren, wenn ich aktiv ins Spiel eingreife. So lief ich bei einem Schuss von der Eckfahne aus in den Strafraum und erzielte mit dem Kopf ein Tor. Die Veteranen waren zu Beginn völlig konsterniert, und danach reklamierten sie lauthals.

Gibt es in der 30-jährigen Geschichte von Ihnen als Mitarbeiter im Steinhof etwas, das Sie nie vergessen werden? Beat Marti: (lacht laut) Ja, es gibt eine Situationskomik, die ich wohl nie vergessen werde. Es war am Freitagabend, als die Bereichsleiter in der Gastwirtschaft beim Kachelofen noch zusammen sassen zum Abschluss der Woche. Eine Mitarbeiterin stieg in den Warenlift und verabschiedete sich, als gleich darauf der Lift wieder nach oben unterwegs war. Ein Be-

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STEINHART NACHGEFRAGT ………………………………………………………………...

reichsleiter war der festen Überzeugung, dass diese Mitarbeiterin wiederzurück kam und wollte sie erschrecken. Dies machte er dann auch, um sofort festzustellen, dass nicht die erwartete Mitarbeiterin im Lift stand sondern Bruder Tutilo, Präsident und Vorsteher der Brüdergemeinschaft, eine Respektperson für alle. Der betreffende Bereichsleiter wäre vor lauter Schamröte am liebsten im Boden versunken, während die übrigen Kolleginnen und Kollegen ob dieser Situationskomik fast nicht mehr aufhören konnten zu lachen. Was darf im Kühlschrank von Beat Marti nicht fehlen! Beat Marti: Jogurt, Käse und Landjäger Paul Otte, Heimleiter

Name/Vorname:

Beat Marti

Funktion:

Pflegedienstleiter

Geburtsdatum:

12. November 1954

Sternzeichen:

Skorpion

Hobby:

Singen, Lesen, Carfahren und Walken

Lieblingsessen:

Rösti mit Leberli

Lieblingsgetränk:

Coca Cola Zero

Lieblingsfarbe:

Blau

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DAS STEINHOF— PERSONAL……………………………………………...…………………

Jasmin Erni Pflegefachfrau HF Sonnehuus GG/EG Eintritt: 01.09.2014

Mirjam Kohl Pflegefachfrau Nachtwache Eintritt: 10.09.2014

Isabel Kneubühler Assistentin Gesundheit und Soziales Sonnehuus OG/GH Eintritt: 01.09.2014

Andreas Huwyler Pflegefachmann Nachtwache Eintritt: 01.10.2014

Astrid Hunkeler Pflegemitarbeiterin Birkehuus EG/OG Eintritt: 01.11.2014

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GRATULATIONEN………………….………………………………………………………….

… zum Dienstjubiläum

Murugendren Arumugam Jacqueline Eifler Sonja Schärli

zum 10- Jahr-Jubiläum zum 10-Jahr-Jubiläum zum 5-Jahr-Jubiläum

1. Dezember 2014 18. Februar 2015 22. Februar 2015

… zum freudigen Ereignis

Melanie Gasser

hat am 29.09.2014 die kleine Nea Lynn geboren

Herzliche Glückwünsche 32

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ANLÄSSE ……………………………………………………………………………………….

Man glaubte es nicht und trotzdem war‘s richtig!

Die Siegermannschaft aus St. Urban freute sich über den heissbegehrten und schliesslich gewonnen Pokal. Vorne rechts der Kapitän der Mannschaft Esat Akyldiz Zur Tradition des Steinhofs gehört ohne Wenn und Aber das Beachvolleyball-Turnier um den SteinhofCup. Am Samstag, 30. August 2014 war es wieder so weit. Die 13. Ausgabe war angesagt. Die Wetterprognosen liessen alles andere als eine Durchführung im Freien zu. Doch die Organisatoren vom Steinhof unter der Leitung von Patrick Kohl waren in ständigem Kontakt mit Meteoschweiz, und dort liess man aus-

richten, die Wahrscheinlichkeit sei gering, dass es nach 08.00h noch regne. Und wenn, dann nur noch leicht. Denn vom Westen her würde es aufhellen und sogar nach Mittag die Sonne scheinen. Als die Spielerinnen und Spieler um 08.30h eintrafen, baffes Staunen. Bei diesem bedeckten Himmel soll draussen gespielt werden, fragte man sich und schob im Kopf gleich nach, wer nur so einen Entscheid

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ANLÄSSE ……………………………………………………………………………………….

fällen konnte. Doch schon zwei Stunden später waren sich alle einig. Der Entscheid war richtig. Einmal mehr nahm ein Turnier auf höchstem PlauschNiveau, mit Fairness und guter Stimmung seinen Lauf. Von der Luzerner Psychiatrie aus St. Urban kam die Mannschaft "Psycho" unter der Leitung von Esat Akyldiz angereist und von der Psychiatrischen Klinik Zugersee aus Oberwil b. Zug die Mannschaft "Team Psycho" unter der Leitung von Joachim Bergner. Konkurrenz belebt bekanntlich, und das war bei diesen beiden Mannschaften schon bald nach Beginn spürbar. Beide Mannschaften wurden hervorragend von ihren Kapitänen eingestellt. Liebesfunken im VBL-Bus Den wohl kürzesten Anreiseweg hatte die BeachVolley-Gruppe "Kuonimättler" aus dem fast autonomen Quartier Kuonimatt der Gemeinde Kriens. Diese Mannschaft spielte unter der Leitung von Werner Suter, der wohl den durchtrainiertesten Körper hat. Sandro Grillo war klar der emotionalste Spieler. Hier äusserte sich das südländische Temperament bis zur äussersten Hautfaser. Kurzfristig kam etwas Wind auf. Dies beobachtete er mit grossen Sorgenfalten. Er sagte denn auch später: "Ich befürchtete das Schlimmste. Der Wind kann beim Volleyball sehr schnell eine spielentscheidende Rolle spielen. Zum Glück trafen meine Befürchtungen nicht ein." Eine wirkliche Verstärkung in dieser Mannschaft gegenüber dem Vorjahr waren Marc Näf und N icole Willisch. Die beiden sind nicht nur in der Mannschaft ein starkes Paar sondern auch privat. Kennengelernt haben sie sich im Bus der Linie 1, jeweils auf der Heimfahrt nach den Volleyballtrainings.. Sulaj Sokol stellte die Mannschaft "Salötli" von der Gastronomie des Betagtenzentrums Eichhof. Wie immer, marschierten sie mit einer Gastronomieversorgung auf ,als würden sie gleich zwei Tage bleiben. Nicht nur gastronomisch waren sie bestens vorbereitet auch spielerisch, wie es sich später zeigte. Nicole Bregnard unterhielt sich bestens mit Marianne Kneubühler, Lehrerin für textiles Gestalten und Werken,

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über die tollen Spieler der Mannschaft Steinhof 1 und über den Makramee-Kurs, den Nicole Bregnard seit vielen Jahre im Kopf hat. Nebst der Mannschaft Steinhof 1 trat der Steinhof noch mit zwei weiteren Mannschaften an. Leider fielen bis auf ein Training alle im Vorfeld wegen schlechten Wetters aus. In der Mannschaft Steinhof 3 spielten M ike Brütsch, Sven Krahl und Kibreab Ghirmay zum ersten Mal. Unter der Leitung der erfahrenen Tanja Amsler und F lurina Mühle gelang das sogar sehr gut. Die Eltern von Flurina Mühle, Priska und Beat Mühle, liessen es sich nicht nehmen, ihrer Tochter einen Besuch abzustatten und sich am rasanten Wettkampf zu erfreuen. Offenbar muss die Tochter die Volleyball-Gene von ihrer Mutter geerbt haben, die selber früher leidenschaftlich Volleyball spielte. Ihr Vater, so sagte er selber, ziehe eine Sportart vor, wo man vorwiegend liegte, nämlich das Schiessen. Einfluss der grauen Eminenz Markus Meier von der Luzerner Polizei war mit der

Zusammensitzen und Spass haben das gehört zum Beachvolleyball-Turnier


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Oben: Die Mannschaft „Steinhof 1“

Oben: Team Psychiatrische Klinik Zugersee, Oberwil bei Zug:

Unten: Team „Luver“ von der Luzerner Polizei Unten: Die Mannschaft Steinhof 3 Mannschaft "LUVER" zugegen. Sie spielte wie jedes Jahr sehr solide und überraschte mit einstudierten Spielzügen. Sicherer Wert in dieser Mannschaft war zweifellos Jeannette Schilliger. Privat ein Paar, aber im Turnier Gegner, waren Fränzi Zemp und René Zemp. Erstere spielte bei der Mannschaft "JUSPO", Jugendstadtlager Luzern, die bestens eingestellt war

durch die ehrgeizige Vreny Klaus. Wenn sie nicht selber spielte, nahm sie durch geschickte Anweisungen von der Linie aus Einfluss aufs Spiel. Monika und Seppi Sonntag waren zweifellos auch in diesem Jahr eine wertvolle, tragende Stütze. Sylvia Hunkeler spielte bei der Mannschaft "Steinhof 1". Wie jedes Jahr kam sie austrainiert zusammen mit ihrer

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ANLÄSSE ……………………………………………………………………………………….

Tochter, Steffi Hunkeler aus Milano Marittima zurück. Letztere spielte in der Mannschaft "Steinhof 2" zusammen mit Xhevat Tifeki, Suada Qemali und René Zemp. Doch zurück zu Sylvia Hunkeler. Sie, wie auch Karin Haag, bildeten das Rückgrat der Mannschaft "Steinhof 1" und harmonierten mit den drei Männern so sehr, dass man ob der abgestimmten Spielzüge nur noch staunen konnte. Böse Zungen behaupteten, die beiden Frauen spielten nur in dieser Mannschaft, weil dort die schönsten Männer agierten.

Mannschaftsanweisungen mittels Zeichensprache Vom Betagtenzentrum Rosenberg war die Mannschaft "Rosen" anwesend. Diese spielte unter der Leitung von Abrim Hoxhai und wurde gecoacht von Jan Schmidlin, dem Ausbildungsverantwortlichen im Rosenberg. Doch die graue Eminenz dieser Mannschaft war eigentlich die Zentrumsleiterin Kathy Hürlimann, die überraschend auftauchte und letzte Anweisungen mit wenigen aber knappen Worten gab. Einen ganz starken Auftritt hatte die Mannschaft "SATUS" unter der Leitung von E rich Graf. In einheitlichem Tenü gewandet, war diese Mannschaft auch der optische Blickfang schlechthin. Das Turnier konnte einmal mehr nur durchgeführt werden, weil sich einige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des

Links Oben: Mannschaft „Salötli“ mit ihrem Kapitän Sulaj Sokol, ganz recht Links Unten: Die Mannschaft „Steinhof2“ mit der federleichten, aber kraftvollen Spielerin Steffi Hunkeler in Schräglage Unten: Die Mannschaft Status mit ihrem Kapitän Erich Graf (mit Ball und Stuhl)

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Steinhofs dafür zur Verfügung stellten. So übernahm Patrick Kohl die Turnierleitung, und für die korrekte Durchführung zeichneten Myriam Kohl und Sandra Magni verantwortlich. Für eine gute Schiedsrichterleistung sorgten Beat Marti, Gijlfidan

Bylykbashi und Thomas Emmenegger. Sieger wurde schliesslich die Mannschaft "Psychos" von der Luzerner Psychiatrie. Kaum wahrnehmbar verstand es Esat Akyldiz, die Mannschaft im Final hervorragend einzustellen, letzte Kräfte zu mobilisieren. Hier zeigte sich, wie mental stark diese Mannschaft war. Sie gewann gegen "Salötli" in zwei Sätzen klar. Paul Otte, Heimleiter

Rangliste

Oben: „Die Kuonimättler“ werden von Jahr zu Jahr kontinuierlich besser dank dem eisernen Training von Werner Suter (zweiter hinten rechts) Unten: Die Mannschaft „Juspo“ überrascht von Jahr zu Jahr dank dem Coaching von Vreny Klaus, zweite von links

1.

"Psychos", LUPS St. Urban, Esat Akyldiz

2.

"Salötli", BZ Eichhof, Luzern: Sulaj Sokol

3.

„Kuonimättler“,Beach-Volley-Gruppe Kuoni matt, Kriens: Werner Suter

4.

Team Psycho", Psychiatrische Klinik Zugersee, Oberwil b. Zug: Joachim Bergner

5.

"Juspo“, Jugendstadtlager Luzern, Kriens: Vreny Klaus

6.

"Rosen", BZ Rosenberg, Luzern: Albrim Hoxhaj

7.

"LUVER“, Luzerner Polizei, Luzern: Markus Meier

8.

"Steinhof 1“, Pflegeheim Steinhof, Luzern: Remo Otte

9.

"Satus Kriens": Erich Graf

10.

"Steinhof 2“, Pflegeheim Steinhof, Luzern: Paul Otte

11.

"Steinhof 3", Pflegeheim Steinhof, Luzern: Tanja Amsler

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ANLÄSSE ………………………………………………………………………………………..

Marroni-Plausch Oktober – Herbst - Marroni! Bei mildem Herbstwetter durften wir unser MarroniPlauschnachmittag im Freien abhalten. Gegen zwei Uhr wurden die Bewohner und Bewohnerinnen auf den "Dorfplatz" gebracht. Bald war eine muntere Schar versammelt. Nach dem Verteilen von Getränken, Vermicellen und gebratenen Marroni sassen wir gemütlich beisammen und genossen die feinen Sachen und das milde Wetter. Ruedi und Margrit Scherzinger verschönerten den Nachmittag mit fröhlicher Drehorgelmusik. Die Zeit verging schnell, und frohgelaunt ging es in die Zimmer zurück. Ursula Vogt, Freiwillige Helferin

Im Vordergrund der wohl bekannteste Marronibrater aus dem Tessin, Rolando Dubacher, der jedoch im Steinhof als Elektriker arbeitet

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Luzerns Blumenflüsterer Eines vorweg: Dem Sieger des 1. Jassturniers um den Steinhof-Pokal im Jahr 2012, Radi Röösli, lief es am 2. Jassturnier, am Samstag, 15. November 2014, nicht wie geschmiert. Das Können war zwar unbestritten nach wie vor vorhanden, doch das Kartenglück liess ihn vollständig im Stich. So beendete er das Turnier auf dem unglücklichen 30. Rang. Doch halb so schlimm. Der erste Rang blieb mit seiner Frau A nnelies Röösli in der Familie. Sie spielte brillant. Jede und jeder, der an diesem Abend mit ihr jasste spürte: diese Frau ist in Hochform. So unter anderem P ierre-Alain Ulmer, Irma Burri und Elsbeth Kislig. Und Josef Imfeld meinte: "Epochal wie diese Frau jasst!" Gejasst wurde in zwei Kategorien, in der Kategorie "Bewohner" und in der Kategorie "Gäste". In der Kategorie "Bewohner" gewann E ugen Nyfeler den begehrten Pokal. In eben dieser Kategorie spielte auch A nton Meier, der erst kürzlich in den Steinhof kam und mit Franz Bättig das Zimmer teilt. Die Beiden verstanden sich von Beginn an gut, beide sind Jasser ,entschieden sich spontan aber erst am Vortag zur Teilnahme. Anton Meier war natürlich hocherfreut, als er mit Josef Imfeld einen früheren Mitarbeiter bei der vormaligen PTT entdeckte. Und Josef Imfeld spielte gut, sehr gut sogar. In der Vorrunde mit Bruno Bienz noch etwas mit angezogener Handbremse, doch in der Hauptrunde, da kam er befreit aus der Reserve heraus. Gleich zweimal staunte Agnes Kaiser-Bättig, als sie erstens ihren Bruder und zweitens ihren Elektriker, Hardy Zwyssig mit seiner Frau Doris Zwyssig, beim Jassen vorfand. Sie verlor für einen Moment fast etwas die Contenance als sie sagte: "Hardy Zwyssig ist der beste und der sympathischste Elektriker weit und breit!"

Oben: Werner Amberg jasst gegen Gertrud Portmann Unten: Alphons Hüsler jasst gegen Ernst Minder, von links nach rechts

Der mit den Karten tanzt Die Jasser und Jasserinnen kamen nicht nur aus Luzern, sondern sogar aus den Kantonen Uri und Schaffhausen angereist. Aus Flüelen A nnerös und Beat Walker, die mit ihren Kindern S alome, acht Jahre und Simeon, vier Jahre, zugegen waren. Beide haben zwar schon bessere Zeiten in Bezug auf das

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ANLÄSSE ……………………………………………………………………………………….

Kartenglück erlebt, doch die Fasern ihrer Fingerkuppen verrieten förmlich, dass sie das Jassen kurz nach der Geburt erlernt haben müssen. So muss es wohl auch Linus Kerngast ergangen sein. Vor zwei Jahren kreuzte er zum ersten Mal mit seiner Grossmutter L isbeth Lang-Ruckli auf und verblüffte alle. Nicht anders jetzt als Neunjähriger. Leider hatte er dieses Jahr nicht das nötige Kartenglück. Doch in einem Rundgang blitzte sein Können auf, worauf alle ob seiner 747 Punkte kurz den Atem anhielten. Und Frieda Odermatt sagte: "Der spielt nicht mit den Karten, der tanzt mit ihnen!" Sie war, zusammen mit ihrem Mann, Alois Odermatt dem Meisterbauer aus Ballwil, und Theres Estermann mit von der Partie. Aus Schaffhausen mit dabei war Marco Kohler, der auf Anhieb den 9. Rang belegte. In der Vorrunde spielte er zusammen mit Raymond Cattaneo noch etwas verhalten. Kein Wunder, schliesslich musste er sich auch noch etwas akklimatisieren. Doch in der Hauptrunde, da spielte er seine ganze Klasse aus und erreicht in einem Rundgang

mit sage und schreibe 863 Punkten das beste Ergebnis des Abends. Seine ihn begleitende Freundin, Manuela Schindler, war für Momente völlig ausser Fassung. 103 Jahre Lebensweisheit Mit Edi Kaufmann, Ernst Muggli, Anton Odermatt, Isidor Heini-Bruhin, Peter Heini, Werner Amberg und Alphons Hüsler nahm eine ganze Floristenund Gärtnermeister-Gilde mit einst eigenem Geschäft in Luzern und der Agglomeration am Turnier teil. Sie treffen sich wöchentlich im Steinhof zum Jassen, und alle freuten sich riesig am Wettkampf. Alphons Hüsler brachte sogar einen speziell geflochtenen Kranz als Preis für den Gabentisch mit. Gross war die Freude der Herren, als ihr Freund Edi Kaufmann den 3. Rang erreichte. Während das Jassturnier in vollem Gange war, feierte in der Gastwirtschaft Paul von Siebenthal bei bester Gesundheit mit seinem Sohn René, seiner Schwiegertochter Margrith und seinem Grosskind Michel von Siebenthal, den 103. Geburtstag. Und auf die Frage welches Alter wohl die Gäste des Geburtstagskindes bei diesen erblichen Voraussetzungen erreichen durften, meinte Michel von Siebenthal: "Ja, da rechne ich schon mit dem 120. Geburtstag!" Paul Otte, Heimleiter

Während gejasst wurde, feierte Paul von Siebenthal seinen 103. Geburtstag zusammen mit seinem Sohn René, dessen Frau Margrith und ihrem Sohn Michel

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Annelies Röösli stolze Siegerin des 2. Jassturniers um den Steinhof-Pokal

Eugen Nyfeler durfte den Pokal für den Best rangierten Bewohner entgegennehmen

Rangliste über 20 von 52 Teilnehmer

1. 2. 3. 4. 5. 6. 7. 8. 9. 10. 11. 12. 13. 14. 15. 16. 17. 18. 19. 20.

Rang Rang Rang Rang Rang Rang Rang Rang Rang Rang Rang Rang Rang Rang Rang Rang Rang Rang Rang Rang

Röösli Annelies Burri-Koch Lisbeth Kaufmann Edi Burri Irma Bucheli Hermine Heini Peter Odermatt Josef Imfeld Josef Kohler Marco Hüsler Alphons Stocker Ernst Muggli Ernst Amberg Werner Meyer Annemarie Zwyssig Doris Ulrich Pia Nyfeler Eugen Ulmer Pierre-Alain Kislig Elsbeth Bruder Joseph

3986 Punkte 3827 Punkte 3736 Punkte 3677 Punkte 3631 Punkte 3613 Punkte 3568 Punkte 3559 Punkte 3548 Punkte 3539 Punkte 3525 Punkte 3482 Punkte 3479 Punkte 3477 Punkte 3474 Punkte 3436 Punkte 3423 Punkte 3422 Punkte 3413 Punkte 3401 Punkte

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WAS VOR 50 JAHREN GESCHAH …………………………………………………………..

Verkehrsfragen in Luzern - Urnengang über die Anschaffung von Gelenktrolleys

Vor 50 Jahren stimmte die Bevölkerung der Stadt Luzern über die Einführung von Gelenktrolleys ab Dass der Stadt Luzern wegen ihrer Lage am Ausfluss der Reuss aus dem Vierwaldstättersee, eingezwängt in einem engliegenden Hügelkranz bei der heutigen Verkehrsintensität stets noch wachsende Schwierigkeiten entstehen, ist eine Tatsache, die dem Luzerner besonders im Sommerhalbjahr immer wieder drastisch vor Augen geführt wird. Dem Steuerzahler müssen aber auch seit Jahren Vorlagen unterbreitet, werden die in irgendeiner Form Verbesserungen für den Verkehr bringen sollen. Am kommenden Wochenende haben die Stimmbürger nun über eine Vorlage zu befinden, welche die Leistungsfähigkeit der öffentlichen Transportmittel, der Verkehrsbetriebe der Stadt Luzern (VBL), wesentlich erhöhen will.

der starken Zunahme ihrer Frequenzen namentlich den Anforderungen während der Verkehrsspitzen am Morgen, Mittag und Abend nicht mehr genügen konnten. Welche Bedeutung aber den Dienstleistungen der VBL zukommt, ergibt sich schon daraus, dass dieses öffentliche Transportunternehmen seine Leistung innert der letzten zehn Jahre von 18,4 auf 30,4 Millionen Passagiere pro Jahr erhöhen konnte. Es ist also heute dringend nötig, die Transportkapazität zu vergrößern, weshalb der Stadtrat die Anschaffung von 14 Gelenktrolleybussen empfiehlt, die auf den beiden am stärksten frequentierten Linien 1 (KriensBahnhof-Maihof) und 2 (Emmenbrücke-BahnhofWürzenbach) zum Einsatz kommen sollen.

Steigende Frequenzen—was nun? Seit längerer Zeit schon zeigte sich, dass die VBL mit

Deutsches oder schweizerisches Fabrikat Der Große Stadtrat hat dem Antrag und dem Kredit-

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begehren von 4,172 Mill. Fr. bereits zugestimmt, wobei die Beschaffung unbestritten war und eigentlich nur die Tatsache zu reden gab, dass für die 150 Personen fassenden Gelenktrolleybusse ein deutsches Fabrikat vorgesehen ist. Demgegenüber behauptete aber Stadtrat R. Hodel, dass noch keine Erfahrungen mit schweizerischen Gelenktrolleybussen vorliegen und erst ein Prototyp für 130 Personen zurzeit in Genf läuft. Zudem könnte die Industrie unseres Landes die benötigten Fahrzeuge gar nicht kurzfristig liefern, wie dies beim vorgesehenen deutschen Fabrikat der Fall ist. Und schließlich lässt sich gegenüber den Offerten schweizerischer Unternehmen für die 14 Fahrzeuge eine Einsparung von 1,4 Millionen Franken erzielen, was immerhin auch berücksichtigt sein will. Die vorgesehenen Gelenktrolleybusse sind aber auch verkehrstechnisch zu begrüssen, weil sie gegenüber den heute verwendeten Grossraumbussen kurvengängiger sind, also mit einer geringen Fahrbahnbreite auskommen. Das spielt gerade auf den Linien 1 und 2 eine grosse Rolle, verlaufen diese Kurse doch zum grössten Teil auf den Hauptachsen des luzernischen Verkehrsnetzes. Dass die Gelenktrolleybusse einen rationelleren Betrieb erlauben, da hier nur zwei Mann «Besatzung» auf 150 statt nur auf 100 Passagiere entfallen, ist angesichts der wachsenden Personalschwierigkeiten der VBL ebenfalls ein wichtiger Punkt.

fizit dürfte aber jedem einsichtigen Bürger gezeigt haben, dass eine Taxrevision unumgänglich war. Umstellung von Linien auf Trolleybusbetrieb Mit der vorgeschlagenen Anschaffung von 14 Gelenktrolleybussen werden dann auch genügend Trolleybusse frei, um die beiden Stadtlinien 6 und 7, die bisher durch Autobusse bedient wurden, auf den wirtschaftlicheren Trolleybusbetrieb umzustellen. Mit diesen beiden Linien werden die bevölkerungsreichen Quartiere im Tribschengebiet, Matthof und auf Geissenstein bedient, die mit der weitern Überbauung hinter der «Gass» auf Schönbüel um etliche tausend Personen zunehmen werden. Für diese Umstellung ist ein Kredit von 675 000 Franken nötig. Auf der gegenüberliegenden Stadtseite, an der Peripherie gegen Adligenswil, wird die Linie 2 bis ins Herz des grossen Wohnquartiers Würzenbach verlängert, nachdem sie bisher gleich hinter dem Bahndamm der Gotthardlinie ganz an dem der Stadt zugewandten Rand des Quartiers, endete. NZZ vom 12. Mai 1965, Mittagsausgabe

Angst vor Demonstration gegen Taxerhöhung So kann man nur hoffen, dass die Stimmbürger dieser vernünftigen Kapazitätserweiterung der VBL zustimmen und diesen Urnengang nicht als Demonstration gegen die Taxerhöhung benützen, die im vergangenen Monat März in Kraft getreten ist und in der Öffentlichkeit lebhaft diskutiert und kritisiert worden ist. Es hat sich dort für die VBL nachteilig ausgewirkt, dass mit gewissen, seit Jahren nötigen Taxerhöhungen allzu lange zugewartet wurde, weshalb sich nun die Verteuerung auf einzelnen Abonnementen etwas krass auswirkte. Das im Jahre 1964 mit 1,3 Millionen Franken ausgewiesene Betriebsde-

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GEDANKEN DES STEINHOFGÄRTNERS ..…………………………………………………..

Die ersten Blüten im Jahr - Christrose Tochter des Walds, du Lilienverwandte - so beginnt Eduard Mörikes Gedicht „Auf eine Christblume“das er schrieb ,nachdem er die Christrose zum ersten mal erblickte. Wegen ihrer frühen Blüte um die Weihnachtszeit verdankt die Christrose ihren Namen. Man bezeichnet sie auch als Weihnachtsrose oder Schneerose. Dazu gibt es eine hübsche Erzählung: Auf dem Weg nach Bethlehem trug einer der Hirten kein Geschenk bei sich. Weil er nichts besass und zu der kalten Jahreszeit auch keine Blumen fand, weinte er bitterlich. Es fielen Tränen auf die Erde, und aus ihnen entsprossen Blüten so schön wie Rosen. Glückselig überbrachte der Hirte die „Christ - Rose“als Geschenk dem Jesus - Kind. Im Volksglauben galt sie als schöne und giftige Pflanze, auch als Teufelskraut der Hexen, dann aber auch wieder als Segensbringer, in die Schutz vor den bösen Geistern bieten sollte.

Helleborus niger ist der lateinische Namen. „Schwarzer Nieswurz“ist auch ein gebräuchlicher Name und weist auf die Verwendung als Niespulver wie auch auf das schwarze Rhizom ( verdickte Wurzel) hin. Die natürliche Verbreitung der streng geschützten Wildpflanzen reicht von den Bergregionen der Schweiz bis zum nördlichen Balkan. Dort besiedeln sie lichte Laub- und Mischwälder ebenso wie alpine Wiesen. In den Gärten wurden die ersten Christrosen im 16. Jahrhundert gepflanzt. Wie die Wildarten benötigen auch die Kultursorten einen halbschattigen Standort, etwa unter sommergrünen Sträuchern. Der Boden sollte humusreich, kalk- und lehmhaltig sowie ausreichend wasserdurchlässig sein. Auch im Topf vielleicht mit Frühjahrsblühern ausgarniert, sieht die Christrose als Türsteher oder Balkonschmuck sehr hübsch aus. Martin Blum, Gärtner im Steinhof

Die Schneerose, Christrose oder Weihnachtsrose ist eine Pflanzenart der Gattung Nieswurz in der Familie der Hahnenfußgewächse.

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GEDICHT ……………………………………………………………………………………….

Auf eine Christblume Tochter des Waldes, du Lilienverwandte, so lange von mir gesucht, unbekannte, im fremden Kirchhof, öd und winterlich, zum erstmal, o schöne, find ich Dich! Von welcher Hand gepflegt du hier erblühest, ich weiss es nicht, noch wessen Grab du hütest, ist es ein Jüngling, so geschah ihm Heil, ist es eine Jungfrau, lieblich fiel ihr Teil. Schön bist du, Kind des Mondes, nicht der Sonne, die wär tödlich - andrer Blume Wonne, dich nährt, den keuschen Leib voll Reif und Duft, himmlischer Kälte balsamsüsser Luft. In deines Busens goldner Fülle gründet ein Wohlgeruch, der sich nur kaum verkündet, so duftete, berührt von Engelshand, der benedeiten Mutter Brautgewand. Dich würden, mahnend an das heilige Leiden, fünf Purpurtropfen schön und einzig kleiden, doch kindlich zierst du um die Weihnachtszeit, lichtgrün mit einem Hauch dein weisses Kleid. Der Elfe der in mitternächtlicher Stunde zum Tanz geht im lichterhellen Grunde, vor deiner mystischen Glorie steht er scheu, neugierig still von fern und huscht vorbei. Im Winterboden schläft ein Blumenkeim, der Schmetterling, der einst um Busch und Hügel in Frühlingsnächten wiegt den samtnen Flügel; nie soll er kosen deinen Honigseim. Wer aber weiss, ob nicht sein zarter Geist, wenn jede Zier des Sommers hingesunken, dereinst von deinem leisen Duft trunken, mir unsichtbar, die Blühende umkreist? Eduard Mörike

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DIES UND DAS ………………………………………………………………………………...

Weihnachten ohne Geschenke Trotz aller Weihnachtsfreude dürfen wir nicht vergessen: Nicht allen Menschen auf der Welt geht es in diesen Tagen gut. Ich denke da nicht bloss an die Millionen von Flüchtlingen aus Syrien und dem Irak. Auch unzählige Menschen in Ländern wie etwa Griechenland sind nicht unbedingt weihnachtlich gestimmt; zum Beispiel mein Freund Lukas auf Kreta, dem in den letzten Jahren die ohnehin nicht fürstliche Pension drei Mal empfindlich gekürzt wurde. Ein Recht zu feiern Ein griechischer Politiker meinte: „Alle, auch die Arbeits- und Obdachlosen, haben ein Recht zu feiern.“ Er empfahl, sich auf die eigentliche, die „menschliche Botschaft“ zu konzentrieren. Der Politiker hat Recht: Auch wenn es nicht viele oder gar keine Geschenke gibt: Das Wesentliche von Weihnachten bleibt. Dies zu akzeptieren, ist allerdings nicht immer leicht. Ein Kind meinte: „Geschenke sind an Weihnachten nicht das Wichtigste, aber das Schönste.“ Dem werden wohl auch viele Erwachsene zustimmen. Doch auch das Wesentliche, der Kern von Weihnachten, kann schön sein. Dazu eine griechische Journalistin: „Liebe, Solidarität, Fantasie und alternative Lösungen wären ein Ausweg, damit wir an diesen heiligen Tagen nicht in Depression verfallen.“ Liebe und Solidarität Auch wenn es den meisten von uns besser geht als den Griechen: Diese Worte einer Griechin können für uns ein weihnachtliches Programm bedeuten: Auch unsere Welt wird schöner, besser, menschlicher durch Liebe und Solidarität, um nur diese beiden Stichworte herauszugreifen. Über die Liebe muss ich nicht viele Worte verlieren. Unendliche viele Artikel und Bücher sind darüber erschienen; unzählige Male darüber gepredigt. Oder wie ein Mitbruder von mir gespottet hat: Wenn uns nichts anderes mehr einfällt, predigen wir über die Liebe.

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Doch wie steht es mit dem 2. Stichwort, der Solidarität? Vielleicht haben Sie es schon bemerkt: Solidarität ist für eine grosse patriotische Partei unseres Landes ein Schimpfwort. Sie vergisst, das was mit „Solidarität“ gemeint ist, am Anfang unserer Bundesverfassung steht: „Die Stärke des Volkes misst sich am Wohl der Schwachen.“ Vielleicht können wir es anders ausdrücken: Es wird uns nur gut gehen, wenn es auch den andern gut geht.“ Damit sind wir mitten in der Botschaft von Jesus, dem Geburtstagskind von Weihnachten: Im Zentrum der Verkündigung Jesu steht nicht nur die Liebe, sondern ganz besonders auch die Solidarität, wir können sagen die Barmherzigkeit. Jesus hat jene seliggepriesen, die ein erbarmendes Herz haben. Oder wie es der Dichter Friedrich Hebbel ausgedrückt hat: „Ein Herz hat nur, wer es für andere hat.“ „Dem Luder ein Bruder“ Auf Schritt und Tritt hat Jesus gezeigt, wie er ein offenes Herz hatte: vor allem für die Ärmsten, Schwächsten, für die Ausgestossenen und Verachteten. Darum konnte der bekannte Dichter und Pfarrer Lothar Zenetti den etwas anstössigen Vers dichten: „Dem verlassensten Luder wurde er Bruder.“ Die Botschaft der grenzenlosen Barmherzigkeit ist für uns das vielleicht schönste Weihnachtsgeschenk. Sie zeigt uns eindrücklich: Wir müssen nicht perfekt sein, damit wir von Gott geliebt werden. Wir müssen nicht dauernd leisten, um wertvoll zu sein. Gerade dies kann für Alte oder Kranke – aber auch für uns alle – ein befreiendes Geschenk bedeuten. Darum möchte ich den Satz wiederholen: Wir müssen nicht dauernd leisten, um wertvoll zu sein. Ich lade Sie ein: Nehmen wir dankbar das Geschenk der grenzenlosen Barmherzigkeit an. Und schenken wir es unsern Mitmenschen weiter. Walter Ludin, Journalist


REBEN UND WEIN …………………………………………………………………………….

Wein trinken, eine Herzenssache? Bei einem meiner am Samstag üblichen Stadtbummels, welche jeweils auch durch den Wochenmarkt führen, erblickte ich vor einem Restaurant das Zitat „Schade, dass man den Wein nicht streicheln kann“. Ich habe bis heute dem Zitat von Kurt Tucholsky (1890 – 1935) keine allzu grosse Aufmerksamkeit geschenkt. Heute meine ich, dass dieses gut zur Aussage eines Weinjournalisten passt, der einmal gesagt haben soll, dass er den Wein, dessen Winzer er freundschaftlich kenne, in sein Herz schliesst, auch wenn der Wein nicht von der Qualität eines erstklassigen Bordeaux ist. Mir geht es ebenso. Man sollte den Wein nicht nur aufgrund seines Namens und seines Bekanntheitsgrades beurteilen, sondern auch aufgrund der freundschaftlichen Beziehung zum Produzenten.

„Im Wein sind Mühe, Winzers Fleiss, Im Wein sind Sonne, Sorg und Schweiss, Im Wein sind Schöpfung, Hoffen, Bangen, Im Wein sind Jahre eingefangen.“ Wie schön sagt doch dieser Reim, was der Wein alles beinhaltet. Nicht zu Unrecht wird er oft auch als himmlisches Traubenblut bezeichnet, denn die Rebe wächst an der Sonne, ob als Ranke oder am Pfahl, und strebt stets dem Himmel entgegen. Welch ein

schöner Anblick muss das wohl gewesen sein, als die Wildrebe noch dem Baumstamm entlang dem Himmel zustrebte. Rebe lässt sich erziehen Bevor ich mich vor vielen Jahren mit dem Thema Wein befasste, ging ich zu einem Winzer und bat ihn um einen Schoss einer seiner Reben. Es war mir bald klar, dass die Rebe nicht einfach eine Pflanze unter anderen ist, sondern ein edles Gewächs. Ich betrachtete über Monate ihre Vegetation. Es wurde mir dabei auch bewusst, was der Winzer mit den Worten meint: „Die Rebe wird erzogen und lässt sich erziehen. Denn diese Erziehung bedeutet Veredlung.“ Durch dieses „Vegetations-Studium“ bekam ich auch eine ganz besondere Beziehung zum Wein. Als ich dazu noch gelesen habe, dass die Rebe nach der indischen, rabbinischen und kirchenväterlichen Tradition zum „Baum des Lebens“ deklariert wurde, stand ich noch ehrfürchtiger vor ihr. Heute weiss ich, dass aus der Rebe jener Saft kommt, der uns zur Lebenskraft animieren kann. Und wenn ich von Lebenskraft spreche, dann meine ich jene Lebenskraft, welche beim Genuss dieses edlen Getränkes aus dem Herzen kommt. Wein wird zur Herzenssache So gesehen ist es wirklich schade, dass man den Wein nicht streicheln kann! Vielleicht gehe ich mit meinen Gedanken etwas weit weg vom üblichen Konsumieren des Weines. Ich wollte mit meinen Worten bewusst etwas Abstand zum üblichen Trinkgebaren herstellen. Der Wein kann dadurch wirklich zur Herzenssache werden, und er kommt auf diese Weise auch anders daher, auch wenn er nicht zur Weltklasse gehört. Denken wir doch beim nächsten Glas anlässlich der bevorstehenden Festtage ein wenig daran!

Wie sagt man: „Im Weinstock ist Leben!“ Je älter ein Weinstock ist, desto tiefer sind die Wurzeln

Walter Wettach, Mitglied des Zentralschweizer Weinbauvereins

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REZEPT ………………………………………………………………………………………….

Süsskartoffeln-Cranberry Cration Rezept für 4 Personen Zutaten 600 gr 140 gr 2 Stk. 40 gr 40 gr

Süsskartoffeln Cranberrys Orangen Rohzucker Butter Zimt, Cayennepfeffer Salz und Pfeffer

Zubereitung

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Süsskartoffeln, Cranberrys, Orangen waschen und trocknen Süsskartoffeln schälen und in Scheiben schneiden Orangen 1x Zeste und 2x den Saft auspressen Form mit Butter bestreichen 20gr. Butter mit dem Orangensaft / Zeste, 20 gr Rohrzucker, Zimt, Cayennepfeffer, Salz, Pfeffer einkochen bis der Saft etwas verfestigt Süsskartoffeln in die Form einschichten Cranberrys darüber verteilen Den verfestigten darüber verteilen Mit dem restlichen Zucker betreuen Butterflocken darüber geben Im Ofen bei 160 Grad 45 Minuten backen

Nuhiji Fikrete, Köchin

Öffnungszeiten der Gastwirtschaft Täglich von 09.00—17.30 Uhr

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IN EIGENER SACHE …………………………………………………………………………..

In eigener Sache

Ausgabe 3/2014

Sie haben unsere Heimzeitung auch dieses Jahr viermal erhalten. Hat sie Ihnen gefallen? Waren unsere Beiträge spannend? Für uns ist diese "journalistische Tätigkeit" eine willkommene Abwechslung und eine Freude. Es ist uns wichtig, Sie über den Alltag in unserem Heim zu informieren. Daneben wollen wir aber auch zum Nachdenken anregen und manchmal ein wenig kritisch sein. Wir legen sehr viel Wert darauf, das Blatt attraktiv und ansprechend zu gestalten und denken, wir dürfen auch ein wenig stolz darauf sein. Selbstverständlich sind wir für Kritik Ihrerseits, aber auch für Anregungen und vielleicht sogar einen Beitrag immer offen und dankbar. Die Druck- und Portospesen belaufen sich jedes Jahr auf rund Fr. 23‘500.— Eine Abonnementsgebühr würde nicht unserer Philosophie entsprechen. Wir erlauben uns aber, dieser Ausgabe einen Einzahlungsschein beizulegen und sind natürlich für jeden freiwilligen Zustupf sehr dankbar. Herzlichen Dank Sonja Schärli, Sachbearbeiterin Administration

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UNSER WUNSCH ….…………………………………………………………………………..

Mit Ihrer Hilfe erlangen unsere Bewohnerinnen und Bewohner mehr Lebensfreude - sie danken es Ihnen von Herzen. Wir sind heute mehr denn je auf Ihre Spende angewiesen. Und wenn die Rede von wir ist, dann sind damit unsere Bewohnerinnen und Bewohner gemeint. Ihre Spende ist auch in Zukunft gefragt Zugegeben, heute ist vieles über den Staat abgedeckt. Doch aufgrund unserer offenen Aufnahmepolitik erleben wir Tag für Tag, dass wir Bewohnerinnen und Bewohner finanziell unterstützen müssen. Sei es für die Anschaffung von Kleidern, Coiffeur, Pédicure, Taschengeld,einen Ausflug, eine dringende Anschaffung – ganz einfach für Ausgaben, die dringend nötig sind, aber niemand übernehmen will. In den letzten Jahren waren dies durchschnittlich rund 20'000 Franken, die der Steinhof dafür aufwendete. Strikte Einhaltung des Spendenzwecks Wir erlauben uns deshalb, Ihre Spende künftig unmittelbar und direkt dem Bewohnerfonds zukommen zu lassen. Wir sichern Ihnen zu, dass Ihre Spende nur für dringende Anliegen und Bedürfnisse verwendet wird. Dabei achten wir darauf, dass Ihre Hilfe ergänzend zu den institutionellen Sozialwerken wie Ergänzungsleistung und Sozialhilfe zum Tragen kommt. Wie bis anhin werden wir Sie künftig auf dieser Seite über den Spendeneingang und die Spendenverwendung informieren. Im Voraus danken wir Ihnen für Ihre Unterstützung zum Wohle unserer Bewohnerinnen und Bewohner. Paul Otte, Heimleiter Spendenkonto-Übersicht Spenden-Einlage Saldo per Spenden vom

01.08.2014

CHF

-735.85

01.08. - 31.10.2014

CHF

1‘209.85

CHF

474.00

CHF

2‘360.00

Total Spenden-Ausgaben Unterstützung von Bewohnern vom

01.08. - 31.10.2014 ./.

Neuer Saldo per

01.11.2014

CHF -1‘886.00

Unser Postcheck-Konto PC 60-3234-3 / IBAN CH6509000000600032343 mit dem Vermerk „Bewohner-Fonds“

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AGENDA……..………………………………………………………………………………….

Jede Woche im Jahreslauf um 09.30h Gottesdienst in der Steinhof-Kapelle Sonntag, Dienstag, Mittwoch, und Freitag

So 22. Febr. ab 14.15h

Steinhof-Musikplausch „Charly Baier‘s Musikantenstadel“

März 2015 Dezember 2014 Mi 24. Dez. ab 13.45h

Weihnachtsfeier auf den Abteilungen Der Steinhof-Chor singt unter der Leitung von Marie-Thérèse FahrianWiniger Weihnachtslieder. Dazwischen liest Edith Birbaumer die Weihnachtsgeschichte vor. Dachgeschoss Sunnehuus, 13.30-16.00h Erdgeschoss Sunnehuus, 14.00-15.30h Obergeschoss Sunnehuus, 14.30-16.00h Birkehuus, 13.30-16.00h

So 28. Dez. ab 14.15h

Steinhof-Musikplausch „Dreienmösler“

So 1. März 10.00h

Steinhof-Chor singt im ökumenischen Gottesdienst in der Kirche in Sempach

Sa 21. März 16.00h

Vernissage - Ausstellung Monika Pfister

Januar 2015 So 2. Jan. 15.00h

Neujahrskonzert mit dem „B Bläserensemble Seetal“. Das Ensemble bestehenden aus Daniel Berger, Merita Kohler, Karin Schatt, Stephan Saner, Adrian Lustenberger, Balz Schnieper, Vera Röthlisberger, Pia Budmiger, spielen Werke von folgenden Komponisten: Johann Nepomuk Hummel, Ludwig van Beethoven, W.A. Mozart

12. 16. Jan.

Raclette-Woche im Steinhof jeweils von 11.00h - 13.00h

So 25. Jan. ab 14.15h

Steinhof-Musikplausch „Trio Alois Niederberger“

Februar 2015 Fr 06. Febr. ab 19.00h

Steinhof-Fasnacht Die Insider-Fasnacht für das Personal, Bewohnerinnen und Bewohner des Steinhofs, Freunde und Gäste

Impressum Anschrift: Steinhof-Blatt Redaktion Steinhofstrasse 10 6005 Luzern Tel. 041/319 60 00 Fax. 041/319 61 00 www.steinhof-pflegeheim.ch Redaktion: Paul Otte, Leitung Bruder Dominik Wick Anke Maggauer-Kirsche Sonja Schärli, Bildredaktion und Bearbeitung, Layout/Gestaltung Rita Blättler, Lektorin Gastautoren: René Regenass, Walter Wettach, Walter Ludin, Martin Blum, Nuhiji Fikrete, Ursula Vogt

Auflage: Druck:

1'600 Brunner AG, Druck und Medien, Kriens

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P. P. 6005 Luzern

Die Blätter fallen, fallen wie von weit, als welkten in den Himmeln ferne Gärten; sie fallen mit verneinender Gebärde. Und in den Nächten fällt die schwere Erde aus allen Sternen in die Einsamkeit. Wir alle fallen. Diese Hand da fällt. Und sieh dir andre an: es ist in allen. Und doch ist Einer, welcher dieses Fallen unendlich sanft in seinen Händen hält. Rainer Maria Rilke

STEINHOF Pflegeheim Eine Institution der Barmherzigen Brüder von Maria-Hilf

Steinhofstrasse 10 6005 Luzern

Tel. 041 319 60 00 Fax 041 319 61 00

www.steinhof-pflegeheim.ch info@steinhof-pflegeheim.ch

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