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Ausgabe 4/2016


INHALTSVERZEICHNIS …..………………………………………………………………….

3-4

Am Steinhoftor: Übe rgänge

5-6

Mit Leib und Seele: Übe rgänge ge stalte n

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Wir als Gastgeber

13 - 17

Steinhart nachgefragt: Anna Blau, Bewohnerin im Steinhof

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Jubilare

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Comic

20 - 23

24 25 - 32 33

Ein Stadtthema: De r Übe rgang ist e in Prozess

Mit Leib und Seele: Übergänge gestalten Seite 5-6

Das Steinhofpersonal Mit dem Steinhof unterwegs Reben und Wein: Von de r Traube zum Wein, der Übergang vom Zucker zum Alkohol

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Gedanken des Steinhofgärtners

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Wir rufen die Menschen in Erinnerung

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Dies und Das: Die Ze it

38 - 39

Was vor 50 Jahren geschah: Die Reklame in den Telephonbücher

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Rezept: Zimtparfait m it Zwe tsch ge nKompott

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In eigener Sache

42

Unser Wunsch

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Agenda

STEINHOF Pflegeheim Eine Institution der Barmherzigen Brüder von Maria-Hilf

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Am Steinhoftor: Übergänge Seite 3-4

Pflegeheim Steinhof - Steinhofblatt Dezember 2016

Wir als Gastgeber: Seite 7-12

Steinhart nachgefragt: Anna Blau, Bewohnerin im Steinhof, Seite 13-17

Ein Stadtthema: De r Übergang ist ein Prozess Seite 20-23

Steinhofstrasse 10 6005 Luzern

Tel. 041 319 60 00 Fax 041 319 61 00

www.steinhof-pflegeheim.ch info@steinhof-pflegeheim.ch


AM STEINHOFTOR …………………………………………………………………………...

Übergänge Liebe Bewohnerinnen und Bewohner Liebe Angehörige Liebe Freundinnen und Freunde des Steinhofs Liebe Leserinnen und Leser des Steinhofblatts Mit dem Steinhofblatt 4/2016 darf ich Sie nun herzlich begrüssen – am Steinhof-Tor. Durch dieses Tor bin ich schon oft gegangen, und es ist für mich ein wohltuender Blick auf den Ort, an dem ich nun einen Grossteil meines Lebens verbringe und mit den Bewohnerinnen und Bewohnern und dem ganzen Team die Zukunft des Pflegeheims für die nächsten Jahre gestalten werde. Sie erfuhren ja bereits im letzten Steinhofblatt ein

wenig von mir. Inzwischen haben mir die Brüder in einem bewegenden Gottesdienst ihren Segen mitgegeben, und mit dem Übergabefest vom 26. August 2016, über das Sie im neuen Steinhofblatt einen Artikel finden werden, habe ich die Führung des Steinhofs übernommen. Ich traf hoch motivierte und offene Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an und bin auch von Bewohnerinnen und Bewohnern, ihren Angehörigen und Freunden ebenso empfangen worden. Gefreut hat mich, dass mir mehrere ältere Damen zugeflüstert haben, es sei schön, dass nun eine Frau die Leitung übernommen hat. Zum Schmunzeln hat mich ein Herr gebracht, der es "fürchterlich" findet, dass Frauen

Der „Aufstieg“ zum Steinhof-Schloss

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AM STEINHOFTOR …………………………………………………………………………….

nun überall seien – aber dabei die verschmitzt glänzenden Augen nicht verbergen konnte. Diese "feinen, wertvollen Momente" und die Bereitschaft aller, sich auf etwas Neues oder eine Neue einzulassen, sind für mich nicht selbstverständlich. Mir ist bewusst, dass es für alle eine Herausforderung ist, umso mehr, wenn nach so langer Zeit ein Wechsel stattfindet. Bewegung entsteht ganz automatisch. Diesen Prozess des Übergangs gilt es auszuhalten, anzunehmen. Übergänge kenne ich von meinen Wanderungen im Engadin sehr gut – sei es die Fuorcla Muragls, die den Weg ins Val Chamuera frei gibt oder von Maloja aus der Passo Lunghin, mit der dreifachen Wasserscheide und dem anschliessenden Weg über alte Säumerpfade nach Bivio. Der Weg dorthin ist stets anspruchsvoll – die Belohnung nachher aber umso wertvoller. Letzte Woche wurde ich gefragt, wie man Dinge verändern kann, wenn nach 19 Jahren ein Leitungswechsel stattfindet. Meine Antwort war "vorsichtig". Sie werden das Steinhofblatt daher nicht gross verändert vorfinden. Es entstand in der Zusammenarbeit mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, Bewohnerinnen und Bewohnern und dem bewährten Redaktions-Team — also verteilt auf viele Schultern — somit doch schon eine kleine Veränderung? Lassen Sie sich überraschen und nehmen Sie Anteil am Leben und Erleben im Steinhof, oder lassen Sie sich von den vielfältigen Gedanken zum Thema "Übergang" inspirieren. Zuletzt wünsche ich Ihnen von Herzen eine gesegnete Advents- und Weihnachtszeit , Gesundheit und viele gute Momente im neuen Jahr – vielleicht auch mit Übergängen? Ich freue mich auf alle Erlebnisse und Begegnungen mit Ihnen allen. Ihre Andrea Denzlein, Heimleiterin

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MIT LEIB UND SEELE ………………………………………………………………………….

Übergänge gestalten

Übergang in Neuland Der schwierige Gang ins Heim Der Übergang von einem selbständigen Leben zu einem Leben mit Unterstützung fällt niemandem leicht. Mit dem Eintritt in ein Pflegeheim lassen die Menschen ein Stück weit ihr altes Leben zurück: die schöne Wohnung, das geliebte Quartier, nachbarschaftliche Begegnungen und vielleicht ein Haustier… Kaum jemand macht diesen Schritt "einfach so". Meistens zwingt einen ein schlechter Gesundheitszustand zu diesem Kopfentscheid, wenn es einfach nicht mehr alleine geht daheim. Darum ist mit einem Heimeintritt oft auch der Gedanke verbunden, dass man nun dem Tod entgegen geht. Da verwundert es nicht, dass viele Bewohnerinnen und Bewohner nach einem Heimeintritt in eine Krise geraten. Zu den sowieso vorhandenen gesundheitlichen Beschwerden kommen Abschiedsschmerz und Trauer hinzu. Ausserdem sorgen die vielen neuen Eindrücke, die fremden Gesichter und die unbe-

kannten Abläufe für Verunsicherung. Dies ist auch dem (Pflege-)Personal bewusst. Einfühlsame Gespräche können hilfreich sein in dieser Übergangszeit. Auch das Einrichten des Zimmers mit persönlichen Gegenständen und Erinnerungsstücken kann helfen, sich am neuen Ort wieder zu Hause zu fühlen. Trotzdem: Das Einleben in einem Heim braucht seine Zeit und wie lange das dauert, ist individuell. Jeder Mensch braucht Zeit, um nicht nur den Verlust, sondern auch den Gewinn zu sehen – denn wo Abschied ist, ist auch Neubeginn. Abschied und Neubeginn Diese Überzeugung bringt die deutsche Lyrikerin Hilde Domin bildgewaltig zum Ausdruck. Ihre Worte sind im Steinhof auf die blaue Wand geschrieben, die zur Kapelle führt, weil die Kapelle ein Ort der Hoffnung ist. Sie gibt der Hoffnung Raum, dass sich das Leben immer wieder vom Abschied zu einem

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MIT LEIB UND SEELE ………………………………………………………………………….

Neubeginn wandelt, dank Gottes Wirken. Diese zwei Sätze können helfen, den Herbst anders zu sehen: Unter den fallenden Blättern bilden sich schon die Knospen für den nächsten Frühling und Es knospet unter den Blättern. Das nennen sie Herbst. (Hilde Domin) unter dem modrigen Laub wartet schon das neue Leben. Es ist die Hoffnung, dass das Leben in diesem Kreislauf wieder neu aufbrechen und zurückkehren wird. Es ist nur Ansichtssache, ob ich stehen bleibe und nur den Abschied sehe, oder ob ich es wage, schon den Neuanfang zu ahnen.

zu begreifen was passiert ist, als wenn sie ihren geliebten Menschen während einer Krankheitsphase bis zum Tod begleiten konnten. Wenn immer möglich, soll bewusst eine Zeit des Übergangs gestaltet werden – auch wenn es gilt, in ein Pflegeheim zu ziehen. Vielleicht kann eine Art Abschiedsritual gestaltet werden. Das braucht nichts Kompliziertes zu sein: für sich allein in Ruhe das liebste Musikstück hören, bevor man die Wohnung endgültig verlässt, oder alle Fenster öffnen und Elektrogeräte ausstecken. Man könnte auch eine Kerze anzünden und einen Moment im Gebet verweilen. Der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt. Alles ist gut, was hilft Abschied zu nehmen und neu zu beginnen. Wenn man dabei noch die Erfahrung macht, von Menschen im Übergang ins Neue begleitet zu werden, fällt der Übergang etwas sanfter aus. Edith Birbaumer, Seelsorgerin

Symbol des Abschieds oder des Neubeginns? Statt Bruch ein Übergang Mit einem (Ab-)Bruch kommt der Mensch viel schlechter zurecht als mit Übergängen. Zwei Beispiele seien hier genannt: Viele Arbeitnehmer freuen sich jahrelang auf die Pensionierung und ein Leben mit neuen Freiheiten. Dennoch trifft sie der "Pensionsschock", wenn sie über 45 Jahre lang berufstätig waren und dann plötzlich nicht mehr zur Arbeit erscheinen müssen. Geradezu traumatisch kann ein jäher Abbruch von Beziehungen sein, bspw. etwa, wenn jemand ganz unerwartet stirbt. Dann brauchen die Angehörigen oft viel länger, um

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WIR ALS GASTGEBER ………………………………………………………………………...

„Auf Wiedersehen“ und „Herzlich Willkommen“

Bruder Benedikt verabschiedet Paul und Heidi Otte und begrüsst Andrea Denzlein „Auf Wiedersehen“ und „Herzlich Willkommen“ war das war das Motto der grossartigen Feier, die für die Bewohner, deren Angehörige, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und zahlreichen SteinhofFreunde anlässlich der Verabschiedung des abtretenden Heimleiters, Paul Otte, und der Begrüssung der neuen Heimleiterin, Andrea Denzlein, am 26. August 2016 über die Bühne ging. Beim Eintreffen um 15.00 Uhr darf jeder Gast ein Glas feinster Bowle entgegennehmen, die vom Küchenchef, Jürg Wegmüller, höchstpersönlich für diesen Anlass speziell kreiert worden war. Die vielen Tische in der Steinhof-Gartenwirtschaft und im ganzen Steinhof-Garten sind mit wunderschönen Sonnenblumen einladend dekoriert. Die Sonne lacht

vom Himmel und die vorsorglich auf dem ganzen Areal aufgestellten Beschattungen tun ihre guten Dienste. Ein abwechslungsreiches Buffet mit verschiedensten, liebevoll dekorierten Apéro-Häppchen erfreuen Auge und Gaumen. Zur Eröffnung spielt das für den Steinhof legendäre Gamben-Ensemble unter der Leitung von Karl Hahn und Hanna Gut Hahn mit wunderbaren Klängen. Karl Hahn, der das Ensemble gründete, hatte einige dieser Gambeninstrumente sogar selbst hergestellt. Dann unterhält der Kabarettist „Veri“ die Gesellschaft mit seinen „träfen“ Sprüchen zu den verschiedensten Themen. Die Lacher hat er definitiv auf seiner Seite und wir wissen z.B. nun, dass unsere

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WIR ALS GASTGEBER ………………………………………………………………………...

Geisslein artgerecht gehalten werden, wenn Artgenossinnen im Kloster Gerlisberg auf Sichtkontakt leben. Urs Vogel, Vorstandsmitglied, begrüsst nun die Anwesenden, insbesondere die „Hauptdarsteller“ dieses Festes Andrea Denzlein und Paul Otte. Er kündigt eine Delegation der Dünkelweiherzunft, quasi die Hauszunft des Steinhofs, an. Diese dankt Paul Otte für das Gastrecht, welches die Zunft jährlich während der "schönsten Jahreszeit" jeweils im Steinhof geniessen durfte und überreicht ihm eine "Fasnachtskarikatur". Andrea Denzlein darf ein Buch entgegennehmen, welches ihr die Geschichte der Zunft näher bringen soll. Zudem hat der Steinhof der Dünkelweiherzunft das Sommerhäusschen zu verdanken, das zu den Veranstaltungen den Künstlern Schutz vor der Sonne bietet. Weitere Gastredner sind: Roger Wicki, Präsident LAK Curaviva, Martin Merki, Stadtrat/Sozialdirektor Luzern, sowie Bruder Benedikt, Präsident Verein Barmherzige Brüder Steinhof Luzern. Alle Redner sind voll des Lobes über den abtretenden Heimleiter Paul Otte und würdigen ihn für sein umsichtiges Handeln für den ganzen Steinhofbetrieb,

Das Gamben-Ensemble spielte zum Auftakt der Festlichkeiten

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sei es finanziell, personell, menschlich sowie als Führungsperson. In der Stadt war Paul Otte, wie Stadtrat Martin Merki erwähnt, ein harter Partner wenn es um das Verhandeln der Ansätze ging. Er wurde stets als engagierter Vertreter für die Anliegen der Bewohnerinnen und Bewohner wahrgenommen, dies auch öfters in der Presse, wenn er seine Meinung in diversen Zeitungsartikeln kund tat. Er ist sich aber auch sicher, dass die "Tradition" der "harten aber fairen Verhandlungen" mit Andrea Denzlein fortgesetzt wird, kennt er sie doch aus enger Zusammenarbeit in den letzten Jahren. Bei den verschiedenen Ansprachen - insbesondere bei derjenigen des Vereinspräsidenten Bruder Benedikt - spürt man, dass Paul Otte seinen Job aus innerer Überzeugung ausübte. Ihm waren das Wohl der Bewohnerinnen und Bewohner und der Kontakt zu ihnen und zu deren Angehörigen sehr wichtig. Aber auch das Wohl der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter lag ihm am Herzen. Er übertrug ihnen Verantwortung und schenkte ihnen viel Vertrauen. Seinem Bestreben, den Betrieb nach christlichen Grundwerten, aber auch im Hinblick einer wirtschaftlichen Balance zu führen, wurde er vollauf gerecht. Bruder Benedikt richtet seinen Dank auch an Heidi Otte, die ihren Mann Paul Otte, der während 19 Jah-

Bewohnerinnen und Bewohner Abteilung 4 in fröhlicher Gemeinschaft


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ren im Steinhof engagiert gewirkt hat, stets unterstützte. Auch sie setzt sich seit vielen Jahren als Mitarbeiterin sehr für das Wohlbefinden der Bewohnerinnen und Bewohner ein, früher als gelernte Köchin im Bereich Verpflegung und nun in der Pflege, wo sie das Team in verschiedenen Aktivitäten unterstützt und die Räumlichkeiten des Birkehuus jeweils saisongerecht und "mit Herz“ dekoriert.

und viel Erfolg bei ihrer neuen Aufgabe als Heimleiterin. Er sei überzeugt, dass sie den Steinhof auf ihre eigene Art im Sinne der Trägerschaft zur vollen Zufriedenheit aller Beteiligten führen werde und ihre Fähigkeiten die seinen positiv ergänzen werden. Die gleichen Wünsche für ein gutes Gelingen und viel Erfolg richteten vorgängig auch alle Festredner an Andrea Denzlein.

Bruder Benedikt überreicht den beiden einen originell verpackten Gutschein für eine Reise nach Wien.

Andrea Denzlein dankt ihrerseits für das Wohlwollen sowie das Vertrauen und gibt ihrer Freude Ausdruck, nun die Federführung für dieses Heim mit den gut eingespielten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern übernehmen zu dürfen. Sie gibt Paul Otte die besten Wünsche in sein Leben als Pensionär mit.

Nun ist Paul Otte an der Reihe: Mit seinen emotionalen Abschiedsworten drückt er vor allem seinen Dank aus. Er dankt der Trägerschaft für das grosse Vertrauen, das er stets habe spüren dürfen. Er schliesst auch den Vorstand darin ein und dankt ihm für sein Mitwirken. Er dankt auch den Bewohnerinnen und Bewohnern sowie deren Angehörigen für ihr Vertrauen und er dankt allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die ihn während all dieser Jahre stets unterstützt hätten.

Bei einem gemütlichen Zusammensein bei Speis und Trank (vorzügliches Curry und feiner Wein) und unter der musikalischen Begleitung der tollen Partyband „Feel Good Inc.“, bei der auch noch ein paar Tanzfreudige zum Zuge kommen, - klingt der Abend aus. Madeleine Niederberger, Bewohneradministration

Er erntet eine „Standing-Ovation“ und manch eine(r) verdrückt einige Tränen. Schliesslich richtet Paul Otte sein Wort an Andrea Denzlein und wünscht ihr von Herzen alles Gute

Viele Gäste und Freunde teilten den Tag mit der Steinhof-Gemeinschaft

Die Feel Good Inc sorgte für beste Unterhaltung

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WIR ALS GASTGEBER ………………………………………………………………………...

Unser Sommerprogramm Den ganzen Sommer über begleitete uns im Garten ein schöner Unterstand, den uns die Zunft zum Dünkelweiher gratis zur Verfügung gestellt hat. Es wurde daran von unserem Team Technischer Dienst im Laufe der Zeit und zu den verschiedenen Anlässen, bis hin zum grossen Übergangsfest – erweitert – geschraubt - verbessert – vergrössert (wir hätten fast eine Baubewilligung einholen müssen…). Sehen Sie selber das Ergebnis der Ausbauten auf den Bildern. Inzwischen hat die Dünkelweiherzunft das "Gebäude" dem Steinhof ganz überlassen – worüber wir sehr dankbar sind, denn es tut uns grosse Dienste im Sommer und schützt bei Hitze die auftretenden Gruppen auch ein wenig vor der sengenden Sonne. Nun ist es aber schön im Lager verstaut und wartet dort bereits auf den nächsten Sommer. An den Musik-Anlässen können wir immer wieder ganz viele Gäste begrüssen. Besucher aus der Umgebung, wie zum Beispiel von unseren Nachbarn aus dem Viva Luzern Eichhof, aus Horw von der Stiftung Brändi, aber auch von der SSBL Wohngruppe Eichwäldli. Zudem haben wir treue Stammgäste, Freunde des Steinhofs, sei es von Luzern, Emmen, Kriens oder aus der weiteren Umgebung, auf die wir uns immer wieder freuen. Die Begegnungen sind sehr schön, nehmen die Menschen doch Anteil am Leben in unserer Institution, weil sie aus unterschiedlichen

Der Unterstand bevor unser Technischer Dienst ans Werk ging

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Gründen mit ihr und den Menschen im Steinhof verbunden sind. Solch treue Menschen bereichern, besonders in Zeiten des Übergangs. Wir danken den verschiedenen Gruppen, die mit ihren Darbietungen das Sommer-Leben im Steinhof auf vielfältige Weise und mit unterschiedlichsten Stilen bereicherten. Die Unicorn Jazzband begeisterte das Publikum am 28. August. Trotz diverser Konkurrenz-Veranstaltungen am gleichen Tag, das Jazz Festival Wilisau und das Nachmittagskonzert der Stadt Luzern, kamen zahlreiche Besucherinnen und Besucher. Sie wurden mit hervorragender Musik und einer tollen Stimmung belohnt. Eine tolle Leistung der Band in brütender Hitze, die grossen Respekt verdient! Einzelne Gäste hielt die Musik nicht mehr auf ihren Stühlen und trotz über 32 Grad wurden diverse Tanzbeine geschwungen. Am 24. September folgten die alten Freunde und die Fidelen Rentner Obwohl sich am Morgen und Abend schon eine herbstliche Kühle bemerkbar machte, war die Sonne an diesem Tag so strahlend, dass wir kurzerhand das für innen geplante Konzert noch nach aussen verlegten. Dank der überaus flexiblen Gastwirtschafts-

Die Fidelen Rentner im vollendeten Bauwerk


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mit ihren Beiträgen bereicherten und allen Angehörigen und Gästen, die uns mit ihrer Anwesenheit erfreuten. Danke gebührt auch den Steinhof-Teams, die stets alles perfekt vorbereiten, mit viel Einsatz unsere Bewohnerinnen und Bewohner für die Veranstaltungen motivieren, zurechtmachen und transportieren oder alle Anwesenden freundlich und zuvorkommend bewirten. Andrea Denzlein, Heimleiterin

Bewohnerinnen, Bewohner und Gäste geniessen ein Sommer-Konzert im Schatten Crew und den ebenso beweglichen Musikanten, die das Attribut "fidel" in ihrem Namen an diesem Nachmittag mehr als einmal unter Beweis stellten, wurde dies ohne grosse Aufregung umgesetzt. Ohne Pause unterhielten die ehemaligen Polizisten das Publikum. Die treuesten Fans standen ganz nah an der Bühne, um sich begeistert nach dem Takt zu bewegen und ja nichts zu verpassen. Matinée im Herbst am 2. Oktober Beat Lustenberger nahm uns Anfang September mit in die Welt der Freundschaft. Ein Thema, das für jeden Menschen wichtig ist und uns alle durch das Leben begleitet. Der Vortrag begann mit einer Darstellung, wie die Philosophen Aristoteles und Cicero sich mit dem Thema auseinandersetzten. Weiter ging es mit Michel de Montaigne, der zu dem Schluss kam, dass Freundschaft die stärkste Liebe sei. Der Redner führte uns zu Laurel und Hardy, uns besser bekannt als „Dick und Doof“, die uns eine ernstamüsante Form einer Freundschaft vor Augen führen. Den Schluss bildeten Gedanken der heutigen Jugend über Freundschaft, die Beat Lustenbergers Sohn in seiner Matura-Arbeit beleuchtete. Mein Dank gilt an dieser Stelle noch einmal allen Mitwirkenden, die das Sommer-Leben im Steinhof

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WIR ALS GASTGEBER ………………………………………………………………………...

Konzert der Veteranenmusik Am 11. September 2016 wurden Bewohner mit Besuchern zu einem gemütlichen, musikalischen Nachmittag eingeladen. Es spielte die Veteranenmusik aus Luzern. Beat Marti führte durch diesen gelungenen Nachmittag. Da auch das Wetter mitspielte, konnte das Konzert auf der Terrasse der Gastwirtschaft abgehalten werden, was dazu beitrug, dass alle Zuhörer den Anlass sehr genossen. Die Musikanten unterhielten uns mit rassiger Marschmusik und bekannten Melodien. Es wurde gesungen, gelacht und war eine willkommene Abwechslung für alle.

Charles Darwin (englischer Naturforscher) hat die Musik in einem Leitgedanken folgendermassen zusammengefasst: Die Musik hat eine wunderbare Kraft, in einer unbestimmten Art und Weise, die starken Gemütsregungen in uns wieder wach zu rufen, welche vor längst vergangener Zeit gefühlt wurden.

Wir freuen uns schon jetzt, wenn die Veteranenmusik wieder einmal Bewohner, Angehörige und Musikfreunde mit ihren Klängen unterhält und vergangene Zeiten wieder aufleben lässt. Coralie Frosio, Bewohnerin im Steinhof

Die Veteranenmusik hinter dem Schloss

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STEINHART NACHGEFRAGT………………………..……………………………………….

Anna Blau: Bewohnerin im Steinhof

Frau Anna Blau-Cantieni, seit 18. April 2016 Bewohnerin im Steinhof Mein Interview mit Frau Blau – Bei jeder Begegnung im Steinhof schenkt sie mir eine warme und fröhliche Begrüssung. Und das, obwohl Frau Blau anfangs im Steinhof doch gar nicht glücklich war. Umso mehr hat sie uns alle überrascht, wie schnell sie sich mit dem Steinhof arrangiert hat. Heute möchte ich herausfinden, ob der Steinhof sogar etwas wie ein Zuhause für sie geworden ist. Ich bin eingeladen bei ihr im «Cafe chez Anna» so nennt sie ihre Hälfte des Zweier-Zimmers, welches sie mit Frau Koch teilt. «Die Türe steht immer offen und wenn ich da bin, gibt es auch einen Kaffee.» das hat sie mir schon mehr als einmal gesagt. Jetzt freue ich mich auf einen feinen Kaffee aus ihrer Nespresso Maschine und darauf etwas mehr über sie zu erfahren.

Frau Blau: wo und wie sind sie aufgewachsen? Anna Blau: Ich bin im St. Galler Rheinthal in Au aufgewachsen, beziehungsweise in Oberfahr. Das ist ein Weiler am Rhein der Gemeinde Au. Mein Vater war Grenzwächter und dank seiner Leidenschaft für den Garten, waren wir zum grössten Teil Selbstversorger. Aufgewachsen ist mein Vater im Unterengadiner Dorf Ardez; Sein Elternhaus schmückt eine für das Engadin typische Wandmalerei, Sgraffito genannt. Adam und Eva mit dem Apfelbaum und der Schlange sind abgebildet, ein sehr beliebtes Fotomotiv aller Besucher von Ardez. Wir waren eine grosse Familie, mit mir als Jüngste, zählten wir neun Kinder. Ein Haus in dem alle Platz fanden, durften wir unser Zuhause nennen. Ich habe sehr schöne Erinne-

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STEINHART NACHGEFRAGT ………………………………………………………………...

rungen an meine Kindheit. Ich war stets draussen in der Natur, habe viel mit meinem 2 Jahre älteren Bruder und den Jungen der Nachbarschaft, die meisten auch «Grenzerkinder», gespielt und hockte immer zuoberst in den Bäumen. Nachhause zog uns meist der Hunger. Unsere Mutter stand den ganzen Morgen in der Küche, hatte viel und gesund gekocht. Nachmittags sass sie meist an der Nähmaschine und machte für uns alle Kleider. Unsere Hosen und Schürzen nähte sie aus den alten, ausgedienten Pelerinen der Grenzer.

Wasser des Rheins sprang, erlitt sie einen Herzschlag. Mein Vater reagierte blitzschnell und holte sie umgehend aus dem Wasser. Der herbeigerufene Arzt versuchte sie noch zurückzuholen, leider ohne Erfolg. Die ganze Familie war sehr traurig und hatte viel geweint. Bis ins späte Erwachsenenalter habe ich mir die Schuld für ihr Ertrinken gegeben, da ich es war, die sie aufgefordert hatte, mit mir ins Wasser zu kommen. Erst als ich eigene Kinder hatte, konnte ich meine Schuldgefühle einer meiner älteren Schwester in einem Gespräch anvertrauen.

Gibt es ein Erlebnis aus ihrer Kind- oder Schulzeit das ihnen bis heute geblieben ist?

Haben sie nach der Schulzeit einen Beruf erlernt, welchen?

Anna Blau: Ja, ein ganz trauriges Erlebnis, dessen Erinnerung mich bis heute begleitet. Als meine 4 Jahre ältere Schwester, mit damals 16 Jahren im Rhein ertrank. Viele Familien haben damals die gemeinsame Zeit am Rhein mit Baden und Fischen verbracht. Auch wir Kinder waren mit dem Vater an diesem Tag wieder einmal am Rhein. Der Vater verbrachte die Zeit mit Fischen und ich hatte meine Schwester aufgefordert, doch auch mit mir ins Wasser zu kommen. Wir sassen schon lange am Ufer und waren bestimmt auch überhitzt. Als meine Schwester in das eiskalte

Familie Blau, von links nach rechts: Thomas, Beatrice, Kurt und Anna Blau mit Ihrer Schwester Ernesta

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Anna Blau: Eigentlich war geplant eine Lehre in einer Bäckerei als Verkäuferin zu machen, als meine Schwester mich um Unterstützung bat. Sie hatte damals gerade ihr drittes Kind geboren und lebte mit ihrer Familie in Luzern. Kaum angekommen war ich gleich in Luzern verliebt. So sollte Luzern meine Wahlheimat werden und bleiben. Von dem kleinen Au, St. Gallen mit seinem groben Dialekt, hinein in diese schöne Stadt mit all den Möglichkeiten, den nahen Bergen und dem See. Meine Schwester hat meine Unterstützung mit einem kleinen Lohn entlöhnt, welchen ich aber meist schnell aufgebracht hatte. Sehr viel war ich mit ihren Kleinen unterwegs und mein Grösstes war es, sie glücklich zu sehen. Einen grossen Teil von meinem Lohn hatte ich für die Fähre am Rotsee ausgegeben. Die Kinder haben es geliebt mit der Fähre zu fahren. Die Überfahrt kostete damals 20 Rappen. Da ich damals schon eine leidenschaftliche Skifahrerin war, hatte ich den Rest des Lohns für das Skifahren verwendet. Irgendwann hatte ich dann das Bedürfnis noch etwas zu lernen und bin im ersten Reformhaus in Luzern, bei den Schwestern Mumenthaler, als Aushilfe angestellt worden. Später konnte ich eine Anlehre bei den Damen als Verkäuferin machen. Nach meiner Lehrzeit habe ich in einer Metzgerei gearbeitet und mit knapp 18 Jahren bin ich für fast ein Jahr nach England gereist. Ich lebte in der Nähe von Lon-


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Das Elternhaus von Frau Blau‘s Vater in Ardez mit der typischen Wandmalerei, Grafitto don bei einer Familie mit Kindern. Das meiste von meinem Lohn habe ich da für klassische Konzerte ausgegeben. Die günstigsten Plätze, in der Royal Albert Hall waren Promenade Plätze, auf welchen man ganz hinten stand. Aber wir waren jung und konnten gut und auch gerne stehen. Nach meinem Auftenthalt in London kehrte ich zurück nach Luzern. Um etwas Geld zu verdienen hatte ich auch für kurze Zeit in Basel, bei einer anderen Schwester von mir, gelebt, und im Service gearbeitet. Aber es zog mich wieder zurück nach Luzern wo ich in der Metzgerei, Delikatessen Bachmann, 6 Jahre gearbeitet hatte. Später ging ich zur Verzinkerei Zug als Aussendienstmitarbeiterin. Ich war die erste Frau im Aussendienst in dieser Männerdomäne. In diesem Job durfte ich mit dem Auto die halbe Schweiz bereisen. Bei der Verzinkerei Zug bin ich bis zu meiner Heirat im Jahr 1964 geblieben. Wie haben Sie ihren Mann kennengelernt und hatten sie gemeinsame Kinder? Anna Blau: Meinen 11 Jahre älteren Mann aus Bern, Kurt, lernte ich an der Luzerner Fasnacht kennen. In Luzern hatte er damals aufgrund seines Be-

rufs als Fotolithograf gelebt. Ich war mit zwei Freundinnen an der Fasnacht unterwegs und setzte mich zufällig in einem Lokal neben ihn, um mich etwas auszuruhen. Wir kamen ins Gespräch und stiessen auf eine gemeinsame Leidenschaft, das Skifahren. So kam es, dass wir uns zum Skifahren trafen und näherkamen. Das Skifahren hat uns immer sehr viel Freude gemacht. Als ich mit meiner Tochter Beatrice schwanger wurde, war die Freude unermesslich, hatte mir doch mein Arzt Kinderlosigkeit, aufgrund einer früheren Erkrankung, diagnostiziert. Für uns war klar, dass wir uns noch ein weiteres Kind wünschten. 1976 kam unser Sohn Thomas zur Welt. Wir hatten in Kriens am Sonnenberg unser Zuhause gefunden. Die Natur um den Sonnenberg bot den Kindern eine wunderbare Kulisse für die unzähligen Erkundungstouren und «Märli», die wir nachgespielt hatten. Ein geliebter «Spielplatz» war ein ausgedienter Kuhstall, der auch mal mit ein paar Baslerleckerli an der Stallwand drapiert, zum Lebkuchenhaus der bösen Hexe wurde. Schlussendlich wurde diese im Feuer, gespielt mit dem umherliegenden Stroh, verbrannt. Ich selbst hatte im Johanneschor der reformierten Kirche in Kriens, 45 Jahre leidenschaftlich gesungen und Freundschaften gepflegt. Backen und Nähen wie damals meine Mama machten mir immer viel Freude. Als die Kinder grösser waren, begann ich 2-3 Tage in der Woche im Verkauf zu arbeiten. Es ist uns wohl allen nicht entgangen, dass sie sehr Tierliebend sind. Waren sie das schon immer? Anna Blau: Oh ja, das war ich immer, schon als Kind. Wir hatten einen Hund, Leo hiess er. Leo hatte mich immer in den weit entfernten Kindergarten begleitet und wieder abgeholt. Auch wenn er tief geschlafen hatte, ist er immer pünktlich aufgewacht und hat mich «Anneli» abgeholt. Als ich gerademal sechs Jahre alt war, legte eine Katze am unteren Ende meiner Bettstatt ihre Jungen ab. Ich durfte sogar dabei ganz alleine zusehen. Meine Mutter gab, nach mehrmaligen erfolglosen Versuchen, die Katze und

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STEINHART NACHGEFRAGT………………………………………………………………...

ihre Jungen zu platzieren, nach und erlaubte mir die Katzen in meinem Bett zu lassen. Das war einige Wochen das Thema bei mir in der Schule! Die Mutter kam kaum nach mit Guetzli backen, für all die Besucher aus meiner Klasse, die kamen, um die süssen Kätzchen zu sehen. Auch wir hatten später einige Haustiere. Am liebsten war mir sicherlich der grüne Wellensittich «Bibi», Er war mein ständiger Begleiter im Haushalt. Frei umherfliegend hatte er alle meine Handlungen kommentiert und immer wieder neue Wörter und Sätze von mir gelernt. Wo und wie haben sie bis zum Eintritt in den Steinhof gelebt? Anna Blau: Als die Kinder ausgezogen waren wurde mein Mann schon bald pensioniert. Wir sind in Kriens wohnhaft geblieben. Die letzten drei Jahre vor seinem Tod, habe ich ihn selbständig zuhause gepflegt. Gestorben ist er jedoch 2003, in meinem Beisein im Spital Luzern. Bis zum Eintritt in den Steinhof, im April dieses Jahres, habe ich alleine gelebt. Ich war immer noch aktiv im Chor und bis vor ca. 3 Jahren viel mit dem Velo unterwegs. Bewegung war für mich immer noch zentral wichtig. Nach diversen Velostürzen, einer davon direkt auf das Gesicht, musste ich das Velo stehen lassen. Weiter folgten zwischen 2013 und 2016, endeten teilweise ganz unverhofft mit Brüchen, sogar mit zwei Wirbelbrüche und längeren Reha Aufenthalten. Der letzte Sturz in der eigenen Wohnung, bei welchem ich eine lange Zeit liegen blieb, hatte Aufenthalte im Kantonsspital Luzern und Wolhusen zur Folge. Danach folgte der Heimeintritt in den Steinhof am 18. April dieses Jahres.

men und hatte viel Platz für mich und meine Sachen. Von so viel Raum in ein Zweier-Zimmer in den Steinhof, war für mich eine extreme Umstellung. Ich war oft sehr traurig, was mir auch die eine oder andere Träne abverlangte. Wer, wie, was hat Ihnen geholfen sich im Steinhof einzuleben? Anna Blau: Es kam der Tag, an dem ich zu mir selber sagte: «Schluss jetzt Anna, fertig mit dem Gejammer. Es bringt dir sowieso nichts. Du bist jetzt nun mal da, im Steinhof, akzeptiere das. Schau nach Vorne und mach das Beste daraus.» Als ich aufgehört hatte zurück zu blicken und anfing, nach vorne zu schauen, ging es plötzlich. Schliesslich waren da noch meine tierischen Freundinnen, die eine grosse Rolle in meinem Alltag spielen. Die 4 Steinhof Geissli haben mir gezeigt, dass sie meine Trauer bemerken und haben mich getröstet. Ich besuche sie jeden Tag und sie erkennen mich schon an einem Räuspern. Selbst als ich im September für eine Woche mit dem Steinhof in Losone im Tessin war, haben sie mich gleich wiedererkannt. Es schien fast so, als ob sie einander zuriefen «sie ist wieder da!» . Inzwischen trage ich den Über-Namen «Geissemutter» und

Der Übergang von ihrem eigenen Zuhause in den Steinhof, wie war das für sie? Anna Blau: Das war eine schwierige Zeit für mich. Zuletzt habe ich in unserer 4½ Zimmer Wohnung alleine gelebt, pflegte auf meinem Balkon viele Blu-

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Bewohnerferien in Losone, von links nach rechts: Brigitta von Moos, Anna Blau, Cyrill Strub


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Sie sind immer sehr gut und modisch gekleidet Frau Blau. Immer wieder fällt mir auf, dass in ihrer Garderobe die unterschiedlichsten Farben vorkommen und sie diese gekonnt kombinieren. Ist das Flair dafür immer dagewesen oder haben Sie sich das irgendwann angeeignet? Anna Blau: Ja das war mir schon immer wichtig, ich glaub in dieser Beziehung bin ich ein Ästhet. Schon als Kind im Kindergarten war es mir wichtig, dass mein Schurz zum Pullover passte. Meine Mama kam kaum nach mit bügeln bei so vielen Kindern. Fand ich aber, der Schurz passt gar nicht, habe ich auch schon mal den Passenden direkt vom Bügeltisch gezupft. Es war mir immer wichtig, dass die Kleider zueinander passen und ich mir darin gefalle.

Anna Blau mit einer ihrer Seelentrösterinnen

Was wünschen Sie sich für die Zukunft im Steinhof?

wurde auch schon aufgefordert, für ein Foto Modell zu stehen, welches dann neben denen der Geissli angebracht würde. Ich bat noch um etwas Geduld, denn es scheint, als würden sich bereits oberhalb meiner Stirn leichte Ansätze von Hörner bilden. Sollten mir wirklich zwei Geissen-Hörner wachsen, wäre es mir schon ein Anliegen, diese auf dem Foto zu präsentieren. «lacht»

Anna Blau: Ich bin soweit zufrieden und glücklich. Es gibt Momente in denen ich mir etwas mehr Privatsphäre wünsche und dazu wäre ein EinerZimmer sehr hilfreich. Sandra Magni, Mitarbeiterin Administration

Name/Vorname:

Blau-Cantieni Anna

Funktion:

Seit April 2016 Bewohnerin im Steinhof, mit Herzblut Mutter und Verkäuferin

Geburtsdatum:

5. Juni 1932

Sternzeichen:

Zwilling

Hobby:

Früher Sport, Skifahren, Singen, Backen und Nähen. Heute die Geisslein im Steinhof

Lieblingsessen:

Gut gekocht ist mir jedes Essen lieb

Lieblingsgetränk:

Rotwein

Lieblingsfarbe:

Blau in allen Schattierungen

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UNSERE JUBILARINNEN UND JUBILARE………….….…………………………………….

Hanna Brudermann feiert am 20. Dezember 16 ihren 98. Geburtstag

Judith Zürcher feiert am 06. Januar 2017 ihren 80. Geburtstag

Maria Häfliger feiert am 6. Januar 2017 ihren 95. Geburtstag

Kurt Lüthi feiert am 16. Januar 2017 seinen 80. Geburtstag

Herzliche Gratulation 18

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GUIDO‘S COMIC—SEITE ……………………………………………………………………..

Guido Obertüfer wohnt seit dem 7. Mai 1997 im Steinhof. Er ist ein aufgestellter, fröhlicher Mensch mit einer ausserordentlichen Beobachtungsgabe. Daraus entstehen Comic – Zeichnungen, die wir Ihnen nicht vorenthalten möchten. Guido zeichnet spezielle Vorkommnisse im Alltag.

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EIN STADTTHEMA …………………………………………………………………………….

Der Übergang ist ein Prozess Übergänge und Rollenwechsel sind bei Christina von Passavant ein Dauerthema. Neben dem beruflichen Ausstieg gibt sie jetzt auf Ende Jahr auch die Führung des Forums Luzern60plus ab, das sie seit dem Aufbau vor fünf Jahren als Präsidentin wesentlich geprägt hat.

Wasserablaufs auf dem Inseli. „Weil ich leichtsinnigerweise erzählte, ich hätte einmal einen Maurerkurs besucht, wurde ich gleich handfest eingesetzt.“ (Siehe Bild) Das sei übrigens eine tolle Erfahrung gewesen mit Männern, mit denen sie sonst kaum in Kontakt gekommen wäre. Rollengerüste fallen weg Und jetzt, nach dem Siebzigsten, wie sieht diese Rolle aus? Christina von Passavant: „Gewisse Rollengerüste sind weggefallen, einerseits durch die beruflichen Veränderungen, aber auch im Alltag. Und es entstehen keine neuen Rollen mehr, die Identifikation ermöglichen.“

Christina von Passavant Präsidentin Forum Luzern60plus „Mann oder Frau muss sich im Leben eine neue Rolle geben…“ So stand es auf der Vorderseite der Einladung zum 70.Geburtstag von Christina von Passavant. Und hinten dann: …Neue Rollen auszuprobieren kann Spass machen.“ Der weise Spruch stammt von Pipilotti Rist. Er passt perfekt zu Christina. Man spürt es ihr förmlich an, wenn sie ausprobiert, wie die neue Rolle passt, die Rolle im Beziehungsfeld, in der Arbeit, als Gesprächsleiterin, an einer Sitzung, oder irgendwo. Zum Beispiel als Strassenwischerin in Luzern! Ja, das hat sie auch getan. In diesem Frühjahr wollte sie wissen, wie die Reinigung in der Stadt Luzern laufe. „Zuerst habe ich mich theoretisch schlau gemacht, dann mit der Equipe des Stadtteils Mitte morgens um fünf Uhr zu wischen begonnen.“ Nach dem Znüni ging es dann noch um die Optimierung eines

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Aber sie könne durchaus in neue Rollen schlüpfen, sagt Christina von Passavant, zum Beispiel als Ersatzgrossmutter von Efrata, dem vierjährigen Mädchen, das als Kind einer eritreischen Mutter und eines äthiopischen Vaters hier geboren wurde. Vater und Mutter kamen unabhängig voneinander in die Schweiz, lernten sich erst hier kennen und heirateten. Oder die Rolle als Stiftungsrätin des Gelben Hauses, ein famoses Kunst- und Kulturprojekt in Luzern. „Damit schaffe ich mir Kontakte zu jüngeren Menschen. Doch das sind nicht Rollen, welche Identität geben.“ Dazu zählte auch die vorübergehende Rolle als Patient nach einer Fussoperation. „Das hat mir gar nicht gepasst, weil ich in meinem Leben bisher von grösseren gesundheitlichen Störungen verschont geblieben bin.“ Dieses Erlebnis hat Christina schlagartig gezeigt, dass sie als Patientin älter geworden ist. Sie konnte den medizinischen Aufwand nicht nachvollziehen. Auf ihre Frage, ob die Mediziner mit ihr Kosten amortisieren wollten, erklärte man ihr, sie gehöre jetzt zu einer Risikogruppe. „Plötzlich bin ich in der Rolle der Bedürftigen. Ich wachse in Passivrollen hinein. Oder ich erhalte ein Aufgebot zur medizinischen Kontrolle als Motorfahrzeugführerin. In diesen Rollen fühle ich mich nicht sonderlich wohl, das spüre ich. Früher habe ich meine Rolle selber gestaltet. Als Beraterin hatte ich Ärzte und Behörden


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als Kunden. Jetzt ist die Perspektive schon eine ganz andere.“ Die Passivrolle – wo spürt man diese in der Öffentlichkeit? Christina von Passavant: „Das spüre ich in jedem Laden. Der Unterschied zum beruflichen Umfeld ist riesig. Wenn ein Beratungsauftrag zu Kritik am Führungsstil in einem Unternehmen führte, wurde ich akzeptiert und erst noch gut bezahlt dafür. Kritisiere ich heute, riskiere ich, als schrullige oder schwierige Alte eingestuft zu werden.“ Macht der Rollenwechsel Mühe? „Es ist interessant bis erstaunlich, jedoch keinesfalls lustig. Es ist ein Prozess.“ Christina traf in ihrem Beruf oft auf eingefahrene Strukturen, auf den Filz, den sie liebend gerne aufzulösen versuchte. „Jetzt bin ich selber daran, mich zu kompostieren, mich neu einzuordnen“, sagt sie lachend über den Tisch. „Ich produziere Überqualität“ Arbeit und Alter – ein Übergang den alle erleben. Gab es Ereignisse, wo das eine das andere belastete? Christina von Passavant: „Es war eine grosse Auseinandersetzung, vorweg auf der Ebene der Energie. Ich war viel im Ausland unterwegs, an mehrtägigen Workshops zum Beispiel. Da reiste ich am Sonntag in München an, leitete den Workshop bis am Mittwoch und stand dann am Donnerstagmorgen in Zürich vor einer andern Gruppe. In den Nächten wartete die Vorbereitung oder Nachbearbeitung. Und plötzlich merkte ich die Belastung, brauchte immer mehr Zeit für die Regeneration.“ Als Christina vor etwa zehn Jahren beruflich zu reduzieren begann, nahm sie gleichzeitig wahr, dass sie für alles mehr Zeit benötigte. Das Beispiel: „Früher machte ich in Zeitnot ein Referat, und Kunden und Publikum lobten. Jetzt habe ich mehr Zeit dafür und werde umständlich. Ich will genauer abklären, jenes Telefon machen, und dies und das abchecken. Ich produziere Überqualität, die niemandem etwas bringt.“ Was konkret hat Christina von Passavant beruflich

abgegeben? Zuerst schränkt sie ein: „Ich habe immer noch Anfragen für Beratungen, Konfliktmanagement, usw. Und ich sage mit Freuden ab. Das tut gut. Schwierig wird es erst, wenn ich die wohlwollende Kritik von jüngeren Menschen zu vermissen beginne.“ Spüren, dass man nicht mehr dazugehört! Wann trifft dies ein? „Wenn ich „Zehn-vor-Zehn“ einschalte und auf Gesichter treffe, die ich kenne. Aus der Politik, aus Verwaltungen, aus der Wirtschaft. Zum Beispiel Politikerinnen oder Mitglieder von Geschäftsleitungen, die ich beraten habe. Das gab Einblick in Themenbereiche, die sonst wenig zugänglich sind. Und das fällt jetzt weg.“ Dann schiebt Christina nach, ohne zu klagen, wie sie sagt: „Nicht nur die Menschen, auch das regelmässige, gute Einkommen bleibt weg.“ Sie bewege sich heute anders, die bezahlte Rolle sei weggefallen. „Die eigene Arbeit „anschaffen“ können, Rechnungen schreiben – das war halt schon gut fürs Selbstwertgefühl. Das ist der wichtige Rollenaspekt im Zusammenhang mit dem Einkommen. Christina von Passavant hat also bis 70 gearbeitet, nicht in der gleichen Intensität wie früher, aber trotzdem. Ist das gut gegangen, leicht gefallen? „Ich sehe ab und zu Frauen wie Männer am Ende ihrer Berufskarriere, und das ist häufig ein Elend. Ich kam mit Beat Däppeler, meinem Lebenspartner, 2002 nach Luzern. Mit dem Betrieb „Stellwerk für Entwicklungsmanagement“ starteten wir dann beruflich noch einmal durch. An der Morgartenstrasse waren wir fünf Beraterinnen und eine Sekretärin. Nach fünf Jahren übergab ich den Betrieb den jüngeren Kollegen und mietete ein kleineres Büro an der Hirschmattstrasse. Das war ein guter Entscheid, den zwar fast niemand verstanden hat. Neben einzelnen, jetzt eher kleineren Aufträgen, standen damals anspruchsvolle Aufgaben in meiner Funktion als Verwaltungsratspräsidentin der „Schützen Rheinfelden AG“ an.“ Die Schützen Rheinfelden AG umfasst drei

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EIN STADTTHEMA …………………………………………………………………………...

Hotels, in denen neben der normalen Gastronomie eine psychosomatische Klinik mit hundert Betten und verschiedenen Aussenstationen geführt wird. 2012 gab Christina von Passavant ihr Büro auf und behielt bis im vergangenen Jahr, neben einzelnen

wahl eine hohe Freiheit. Ich erlebte in Basel extrem schwierige Familienverhältnisse, umgeben von einem völlig verarmten Adel auf Vaterseite und einem Kleingewerbestil der Mutter. Als Kind musste ich mich in diesem Familiensystem orientieren. Als Jugendliche fiel ich ziemlich „dem Teufel ab dem Karren“, hing in Jugendgruppen herum. In der Maturaarbeit befasste ich mich mit der Entwicklung von Jugendlichen in Jugendgruppen.“

Aufträgen, noch das Mandat in Rheinfelden. Diesen schrittweisen Abbau bezeichnet sie heute als komfortabel.

Die Zeit der Berufswahl sei belastend gewesen. Kein Geld, der Vater in Zürich, die Mutter in Basel. Die Möglichkeiten für ein Studium waren sehr eingeschränkt. Schliesslich hörte Christina von Passavant von einem Lehrgang für soziale Gruppen- und Gemeinwesenarbeit in Gwatt, wo es auch ein Internat gab. Dort stieg sie ein. In Holland folgte das Studium in Agologie und Sozialpsychologie. Zurück in der Schweiz wirkte sie von 1970 bis 1974 als Dozentin in der Schule für Sozialarbeit in Gwatt, die auch Dienstverweigerer aufnahm. „Die Berner Kirchen strichen uns deswegen die Beiträge, was zur Zwangsfusion mit der Berner Abendschule führte. Dort erlebte ich das ganze Herrschaftssystem von Kirche und Geld“, sagt von Passavant heute. Nachher begann sie mit 28 Jahren mit der selbständigen Arbeit. Im Vordergrund standen Aufbau und Beratung von selbstverwalteten Betrieben: Zusammen leben und zusammen arbeiten. „Dieses Thema hat mich fasziniert. Wie schafft man das, dieses Wirken im Alltag in ständiger Konfrontation?“ Später folgte die Ausbildung in Organisationsentwicklung, anschliessend eine Kurstätigkeit im deutschen Sprachraum. Dadurch ergaben sich Kontakte zu andern Geschäftsfeldern, weg aus dem Sozialbereich.

Der Einstieg in die Berufswelt Unternehmens- und Organisationsberatungen, Konfliktmanagement, Führungsfragen – wo kommt das Gespür für diese zum Sozialfeld gehörenden Aufgaben her? Christina von Passavant spricht zuerst die 68er-Bewegung an. „Ich hatte in der ganzen Berufs-

Thema Übergänge wieder: 1984 war eine der grossen Hungerkrisen in Äthiopien. Christina hatte vom DEZA und vom Kinderdorf Pestalozzi einen humanitären Auftrag im Land, befristet auf sechs Wochen. Heute sagt sie: „Zurück in der Schweiz hielt ich die Sattheit und Verwöhntheit in meinem beruflichen

Albert Kreienbühl, Leiter Strassenreinigung im Stadtteil Mitte mit Christina von Passavant

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Umfeld als Dozentin nicht mehr aus. Ich war erschüttert und wusste, dass ich viel ändern musste, um anständig weiterleben zu können. Forum Luzern60plus: Mit dem Resultat hoch zufrieden Zum nächsten Übergang: 2011 hat Christina von Passavant, im Auftrag des damaligen städtischen Sozialdirektors Ruedi Meier, den Aufbau des Forums Luzern60plus als Nachfolgeorganisation des Seniorenrates an die Hand genommen. Fast ein Jahr lang suchten Arbeitsgruppen, Workshops, Echogruppen nach einer Form dieses notwendigen Übergangs. Was geht da auf, wenn Christina an den Anfang und an heute denkt? „Am Anfang stand die notwendige Fusion LuzernLittau im Seniorenrat. Ich war damals noch nicht lange in Luzern und nahm diese Aufgabe an, nicht zuletzt um hier Kontakte aufzubauen. Die Frage, die mich vor allem anspornte: Ist es möglich, Menschen über 60 dazu zu bringen, ihre Rechte und Mitsprachemöglichkeiten zur Gestaltung eines Gemeinwesens wahrzunehmen? Auf der einen Seite steht der Anspruch der Gruppe, auf der andern der Beitrag in der Öffentlichkeit. Gelingt diese Form von Demokratisierung? Das war die Frage, die mich interessierte. Mit dem Resultat, das heute vorliegt, bin ich hoch zufrieden. Wir haben Einfluss genommen in der Stadtverwaltung, beim Service Public. Klar muss man da und dort Abstriche machen. Aktuell läuft fast etwas zu viel rund um das Thema Beteiligung der Alten. Aber das Experimentierfeld ist beachtlich. Es ist auch eine Erfahrung, aus der viel zurückkommt.“

chef in der städtischen Sozialdirektion gewählt wurde und später Personalchef der Stadt Luzern war. 2004 heirateten Christina und Beat, nach 18 Jahren Zusammenleben. Ich spreche das Altwerden an: „Was mir im Hinblick auf das kommende Alter Angst macht, ist der Verlust von Resonanz. Sie kommt vielleicht nur noch dann, wenn ich die Leute im Altersheim ärgere, was mir sicher gelingen wird. Langweilig wird es mir sicher nicht. Ich habe keine Horrorvorstellung vor dem Altwerden. Aber ich fürchte echt, keine Rolle mehr zu haben. Wenn die Abhängigkeit zu gross wird und die Lebensqualität wegen Krankheiten für mich nicht mehr stimmt, sehe ich die Option, ein Ende herbeizuführen, vorausgesetzt, ich bin dann noch handlungs- und urteilsfähig.“ René Regenass, Journalist

Und jetzt gibt Christina von Passavant in absehbarer Zeit auch das Präsidium des Forums Luzern60plus ab. Ein weiterer Übergang. Wenn Christina von Luzern und vom Experimentierfeld und den vielen Kontakten erzählt, meint man, sie lebe schon lange in dieser Stadt. Dabei zog sie erst 2002 hierher, mit ihrem Lebenspartner Beat Däppeler, der zum Stabs-

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GRATULATIONEN - PERSONAL ……………………………………………………………..

… zum Dienstjubiläum Bosiljka-Anita Rieger Melanie Gasser Christin Ambort Carmelina Bruno Marie-Thérèse Fahrian-Winiger Vijayarajah Nagalingam Vesna Krcmarevic Mirjam Fantelli

zum 15-Jahr-Jubiläum zum 5-Jahr-Jubiläum zum 20-Jahr-Jubiläum zum 20-Jahr-Jubiläum zum 20-Jahr-Jubiläum zum 10-Jahr-Jubiläum zum 25-Jahr-Jubiläum zum 15-Jahr-Jubiläum

01. Dezember 2016 15. Dezember 2016 01. Januar 2017 01. Januar 2017 01. Januar 2017 01. Januar 2017 03. Januar 2017 12. Januar 2017

Herzliche Glückwünsche ...das Steinhof-Personal

Jasmin Weibel Stv. Abteilungsleiterin Sonnehuus GG/EG Eintritt: 01.07.2016

Waltraud Christon Leitung Gastwirtschaft Eintritt: 01.09.2016

Herzlich Willkommen 24

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MIT DEM STEINHOF UNTERWEGS ………………………………………………………...

Wanderung des Steinhofchores

Wanderfreeks vom Steinhofchor & Co. Mit unserm „Halt auf Verlangen“ trifft am 27. August 2016 08.30 Uhr der Zug aus Luzern in Niederrickenbach ein. Es ist ein wunderschöner Spätsommermorgen. Der Tag verspricht heiss zu werden und die Sicht ist der Jahreszeit gemäss sehr klar. Mit den mit PW Zugestossenen begrüssen sich die 16 Wandervögel im Alter von zehn bis siebzig Jahren, bestehend aus Chormitgliedern, Kindern, Freunden und Verwandten. Auch der kleine Ci Wau Wau-Hund von Ursi's Kollegin Brigitte, genannt Lucy, wird in der Tasche bequem mitgetragen. Wir freuen uns alle auf die tolle Wanderung, auf einem Teil des geschichtsträchtigen Benediktusweges, der damaligen Verbindung zwischen dem Kloster Maria- Rickenbach und dem Kloster Engelberg, die Fred für uns organisiert hat. Unser Ziel ist heute, in ca. 3,5 Stunden bis Oberrickenbach zu wandern. Nach der kurzen Bergfahrt geniessen wir im lauschigen Niederrickenbach –Dorf das traumhafte Panora-

ma. Wir büscheln all unsere sieben Sachen und schlendern auf dem Dorfsträsschen zur Wallfahrtskirche Maria-Rickenbach, wo uns Cyrill einige interessante Details über den Ort und die alten Bräuche zu berichten weiss. Wie von unserem Chorgrüppchen nicht anders zu erwarten, lassen wir es uns nicht entgehen, in der besinnlichen Atmosphäre und der tollen Akustik dieser Kirche zwei Lieder zu singen. Mit genährten Sinnen geht die Wanderung richtig los. Hündchen Lucy wird aus der Tasche befreit und trippelt mit uns mit. Vorbei am nahen Klosterladen, der unter anderem auch Tees und Cremen aus hiesigen wilden Alpenkräutern und Kräutern aus dem eigenen Garten anbietet, führt uns eine Schotterstrasse durch blühende Alpenwiesen, Richtung Talstation Haldigrat, wo uns der Weg in den wilden und archaischen Haldiwald führt. Eine zarte, leicht kühlende und schmeichelnde Morgenbrise beschwingt unsere Sinne. Irgendwann ruft Fred „mer mached de em Fall Stondepause“. Gute Idee! So

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MIT DEM STEINHOF UNTERWEGS …….…………………………………………………..

kann jede/jeder in seinem eigenen Tempo wandern, was viel Raum gibt für gute Gespräche, Spass und Genuss. Ursi hat so genügend Zeit, sich nach Lust und Laune den reifen Beeren am Wegrand zu widmen und Hündchen Lucy darf sich zwischendurch in der Tasche wieder „von den Strapazen“ erholen. Am Ende einer längeren Steigung treffen wir uns zur Stundenpause wieder. Snacks werden ausgepackt und Fred verteilt zu unserer Freude feine Früchte. Gestärkt verlassen wir den Wald und gelangen bald schon auf eine grosse Wiese, wo wir über die weite Aussicht ins Engelbergertal und Richtung LuzernerLand staunen. Unter Anderem sehen wir einen Teil des Seebeckens, den Bürgenstock, das Buochserhorn sowie das Stanserhorn. Weiter geht’s Richtung Alp Plütschgen. Während dem Traversieren einer steilen Bergwiese, entdecken wir plötzlich weit unten etwas Braunes, das sich zu bewegen scheint. Nach längerem Beobachten vermuten wir, dass es sich um einen Muni oder ein Kalb handeln muss. Die beiden „Samariter“ Cyrill und sein Kollege steigen das steile Bord hinunter, um nachzusehen. Lange hören und sehen wir nichts mehr von den beiden. Doch irgendwann rufen sie uns zu, dass da ein geschwächtes Kälbchen liege und wir weiterwandern sollen. Das tun wir und informieren auf dem Weg Wanderer,

die uns entgegen kommen, sowie den nächsten Bauern, den wir in der Nähe der Bergheimat Brändli treffen, über das Geschehnis. Der Bauer macht sich sogleich auf den Weg um nachzusehen, wie man Hilfe leisten kann. Nun sind wir beruhigt und bald schon geht unsere Wanderung dem Ende entgegen. Nach einer weiteren Stundenpause und einem etwa halbstündigen Marsch können wir schon das Dorf Oberrickenbach sehen. Unsere schnelleren Wanderer singen noch in der Dorfkirche und dann geht’s ab ins Restaurant Post, wo wir ein köstliches wohlverdientes Mittagessen geniessen. Am Ende der Mahlzeit entdecken wir weit entfernt zwei Gestalten, die den Hang runter springen, Cyrill und sein Kollege!! Beim Essen erzählen sie uns, dass sie ein geschwächtes Kälbchen vorfanden, das nicht mehr die Kraft hatte, zurück zur Herde zu gehen. Zusammen mit zwei Bauern aus der Umgebung konnten sie das erschöpfte Tierchen den Hang hinaufstossen, so, dass es wieder auf die Beine kam. Cyrill wurde für seine hohe Sozialkompetenz gewürdigt! Zu unserer Überraschung spendiert uns Fred das Mittagessen, weil er kürzlich den 70. feierte. Viel Glück, lieber Fred. Langsam wird es Zeit, das Postauto fährt uns zum Bahnhof Wolfenschiessen und mit dem Zug geht's rasch heimwärts. Ein unbeschwerter, lockerer und wunderschöner Wandertag geht zu Ende. Ich freue mich schon auf die Fortsetzung des Nidwaldner Höhenweges, nämlich von der Bannalp über den Walenpfad zum Ristis. Vielen Dank euch allen für den erlebnisreichen und tollen Tag. Beatrice Schild, Mitglied des Steinhofchors

Die Wanderer bei einer verdienten Pause

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Bewohnerferien im Tessin

Casa Emmaus in Losone Bewohnerferien – ein magisches Wort im Steinhof. Einmal mehr durfte eine Gruppe von 12 Bewohnern eine Woche im Tessin verbringen. Einmal mehr bleiben tolle Erinnerungen - an strahlende und glückliche Gesichter der Bewohner, an eine zufriedene und müde Personalcrew, an ausgezeichnetes Essen und an Höhepunkte wie Schifffahrt, Hot Pot und Riesenpizza. Über allem steht Dankbarkeit, dass alle gesund wieder nach Hause kamen und dass ein Projekt wie dieses überhaupt ermöglicht werden konnte. Danke allen Spendern, die dazu beigetragen haben. Am 17.September 2016 trafen sich 12 Bewohner und 9 Mitarbeitende des Steinhofs zur Abfahrt nach Losone. Die Vorfreude war riesig. Endlich geht es los! Beat Marti hat uns in gewohnt souveräner Weise in die Sonnenstube gefahren. Selbst die Stunde Stau am Gotthard hat niemanden gross gestört. Bei herrlichem Wetter wurden dann die Zimmer bezogen, ein erster Rundgang gemacht und das erste gemeinsame Nachtessen genossen. Am Sonntag weckte dann der feine Geruch von fri-

schem Rührei die müden Geister. Nach dem gemütlichen Frühstück waren alle gerüstet für eine Erkundung der näheren Umgebung, oder das gemeinsame Kreuzworträtsel auf dem Sitzplatz zu lösen. Die Polenta und der Rindsbraten erhielten die Auszeichnung "besser als ich es je gemacht habe". Nach der Siesta gab's Kuchen und Kaffee; und nichts blieb übrig. Unser Koch, Manuel Schwarz, staunte Bauklötze über den gesunden Appetit der Truppe. Ein Teil der Gruppe spazierte am Nachmittag nach Ascona. Das Timing hätte nicht besser sein können. In der Altstadt von Ascona war eine OldtimerAusstellung und niemand liess es sich nehmen, einmal vor einem solchen Traumauto posieren zu können. Herr Stadelmann wusste zu jedem Auto Bezeichnung, Baujahr und Besonderheiten. Dann durfte natürlich die erste Gelati nicht fehlen. Gemäss Coralie Frosio die perfekte Gelati, so wie es sie eben nur im Süden gibt. Wer gedacht hatte, dass nach dem ersten Tag alle Bewohner müde sind und es wohl frühen Feierabend geben wird; weit gefehlt. Spontan wurde geschunkelt, gesungen, Liederblätter geholt, getanzt und viel

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MIT DEM STEINHOF UNTERWEGS ………………………………………………………….

gelacht. Frau Blau konnte selbst kaum glauben, dass sie getanzt hat als wäre nie etwas anderes gewesen. Was doch so Ferien alles bewirken können….. Am Montagmorgen waren dann alle müde. Nach einer solch tollen Party vom Vorabend war das aber auch nicht verwunderlich. So verschwanden einige Bewohner nach dem Frühstück nochmals ganz leise in ihr gemütliches Bett. Die Hartnäckigen genossen die Gartenterrasse beim Schach spielen, Zeitung lesen oder einfach nur sünnele. Am Nachmittag war dann allgemeines Shopping angesagt. Ascona und der Mercato in Losone wurden unsicher gemacht. Herr Sturzenegger hat für unseren Aufenthaltsraum Blumen gekauft, sodass wir am Abend alle das Gefühl hatten wir hätten Geburtstag. Es sah sehr schön aus und hat allen Freude bereitet. Und auch am Montag wurde wieder gesungen, alte Erinnerungen ausgetauscht und gemütliches Zusammensein bei einem Glas Wein genossen. Dienstagmorgen hiess es früh aufstehen. War doch ein Schiffsausflug zu den Brissagoinseln auf dem Plan. Eine Gruppe von 20 Personen ergab am Schiffsteg eine recht eindrückliche Prozession. Ganz zu schweigen von den Rollstühlen, Rollatoren und sämtlichen Rucksäcken die ebenfalls mitkamen. Durch die Flexibilität und Mithilfe aller hat es problemlos geklappt, auch wenn die Schiffsmannschaft

Ein sommerlicher Stadtbummel in Ascona

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etwas hilflos beim Schieben der Rollstühle wirkte. Auf der Insel Brissago genossen wir dann die Blumen und Gartenpracht. Und was gibt es besseres als ein Picknick! - dazu Sonne pur, und Seesicht. Das bestätigten auch die zufriedenen Gesichter der Bewohner. Zurück in Ascona gab's dann Gelati für alle und der Wochenmarkt wurde erkundet. Die perfekte Gelegenheit für Souvenirs oder Geschenke für die Daheimgebliebenen. Am Mittwochmorgen wurde unser Aufenthaltsraum zur Werkstatt umfunktioniert. Die Aktivierung und der Gärtner vom Steinhof träumten schon lange von einem Insektenhotel für den Beerigarten im Steinhof. Jetzt war die perfekte Gelegenheit! Mit viel Ausdauer und Genauigkeit wurde gesägt, geschnitten und Tonkugeln geformt. Dies alles um unser Insektenhotel mit verschiedenen Inhalten füllen zu können. Der Nachmittag wurde erneut nach den individuellen Wünschen der Bewohner gestaltet. So genossen einige die Sonne im Garten, andere nützten die Gelegenheit für einen Spaziergang und Coralie Frosio und Joana Bachmann waren gar beim Coiffeur, um sich für das abendliche Pizzaessen fein zu machen. In der Pizzeria gab es viel zu lachen. Frau Fässler konnte kaum glauben. Die Pizza ragte fast über den Tellerrand, obwohl sie doch extra eine kleine Pizza bestellt hatte.

Eine sichtlich fröhliche Gruppe mit dem Schiff auf dem Weg zur Brissago Insel


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Wieder zurück im Hotel fand Frau Baumli, dass ein kleiner Eierlikör zur Verdauung bestimmt nichts schaden könnte. Es wurden alle verfügbaren Schnapsgläser zusammengesucht und auf unerklärliche Weise war die Flasche mit Eierlikör in kürzester Zeit leer. Es wird erzählt, dass die letzten noch im Bett gesungen und gelacht haben. Der Donnerstag wurde genutzt um mal wieder auszuschlafen. So Ferien können ganz schön anstrengend sein! Schliesslich hiess es fit zu sein für das nachmittägliche Bad im Hot Pot. All jene die drinnen waren hatten einen Heidenspass, alle draussen nass zu spritzen. Dass einige auch die Frisur opfern mussten, nahm man gerne in Kauf. Dazwischen gab's als Stärkung köstlichen Pannetone welcher von Cécile für alle in mundgerechten Stücken verteilt wurde. Wahrscheinlich hat das Bild von der Fütterung der Raubtiere, Cécile dazu veranlasst, anschliessend mit Gjyli einen Kannibalen-Tanz rund um den Hot Pot aufzuführen. Wir hatten Bauchweh vor Lachen. Während rund um den Hot Pot alles nass wurde, haben in Küche und Esszimmer fleissige Heinzelmännchen gewirkt. Der grosse Tessinerabend stand auf dem Programm. Rita hat das Esszimmer in ein Tessinergrotto verwandelt. Typische Bilder vom Tessin schmückten den Raum und die Boccalino standen bereit. Manuel hat uns einmal mehr mit grossar-

Am Bienenhotel für den Beerigarten im Steinhof wurde mit allen fleissig gebastelt

tigem Essen verführt. Gerüchte sagen, dass dem Essen jeweils ein spezielles Pulver beigemischt wird, welches den Appetit zusätzlich anregt. Nur so war es möglich, dass einmal mehr alles aufgegessen wurde. Von den ganzen Vorspeisen mit Vitello Tonnato, Coppa und den Antipastispiessli bis hin zu den Spaghetti mit verschiedenen Saucen. Vom Dessert gar nicht mehr zu sprechen. Alles weg… Die Kunde vom feinen Essen, dem vielen gemeinsamen Lachen und der unkomplizierten, herzlichen Stimmung hat die Runde bis zu Petrus gemacht. Denn nur so kann erklärt werden, dass unser Überraschungsgast es geschafft hat, uns im Tessin zu besuchen. Ob man es glaubt oder nicht, Nella Martinetti kam samt Gitarre zu Besuch. Ein wenig abgenommen hat sie, aber adrett gekleidet und geschminkt, als hätte auch sie sich unglaublich auf ihren Auftritt bei den Steinhöflern gefreut. Zusammen mit Nella Martinetti (die übrigens fast die gleiche Stimme hat wie Cyrill Strub) wurde einmal mehr geschunkelt, getanzt, gesungen und gelacht. Und selbst als Nella sich leider wieder verabschieden musste, blieb die Frage woher denn Nella wusste, dass wir im Tessin waren. Und schon war es Freitag. Frau Fässler konnte es kaum glauben, dass morgen Samstag schon wieder Abreise ist. Wir sind doch erst seit zwei/drei Tagen hier, meinte sie. Wie schnell doch die Zeit vergeht, wenn man sich wohl fühlt und das Leben leicht und

…das Team sagt: „das war SPITZE“!!

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unbeschwert ist. Auf jeden Fall wurde der Freitag genutzt, um die letzten Details am Insektenhotel fertig zu gestalten und die letzten Souvenirs zu kaufen, um endlich die Postkarten zu schreiben, die man doch zuhause versprochen hat. Leicht wehmütig wurden Koffer gepackt und noch einmal die Tessinersonne genossen. Am Samstag sorgte der Chauffeur Beat Marti dafür, dass alle wieder gesund und zufrieden im Steinhof ankamen. Es war eine rundum gelungene Woche. Das Casa Emmaus in Losone war uns einmal mehr wunderbare Herberge, dank Herr und Frau Flückiger als sehr hilfsbereite und unkomplizierte Gastgeber.

… und die Bewohnerinnen und Bewohner stimmen in das Lob mit ein! Damit jedoch eine solche Woche gelingen kann, braucht es Bewohner die sich getrauen, die gewohnte Umgebung im Steinhof zu verlassen, und sich auf ein kleines Abenteuer einzulassen. Es braucht Mitarbeiter die bereit sind Herzblut zu investieren. Die Arbeitstage sind lang und die Verantwortung gross. Trotzdem ist es auch dieses mal problemlos gelungen, motivierte Mitarbeiter zu finden, die mithalfen dieses Projekt "Bewohnerferien" in die Tat umzusetzen. Sie alle haben einen grossartigen Job gemacht, sei es die Pflege, die Küche oder die Aktivierung. Danke euch allen! Dazu braucht es auch finanzielle Mittel die das Ganze überhaupt erst ermöglichen. Ohne die grosszügigen Spenden von verschiedenen Privatpersonen und Institutionen wäre es unmöglich, die Kosten für eine solche Woche aufzubringen. Ihnen allen an dieser Stelle ein grosses "Vergelt's Gott"! Durch ihre Unterstützung haben sie allen eine unvergessliche Woche ermöglicht, die noch sehr sehr lange in Erinnerung bleiben wird. Brigitta von Moos, Leitung Aktivierung

Nella Martinetti zu Gast am Tessinerabend im Casa Emmaus

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MIT DEM STEINHOF UNTERWEGS …………………………………………………………

Ein Erlebnisbericht aus Losone dem Gepäck eingeladen und ab gings ins Tessin. Wir hatten auch Glück mit dem Stau und kamen dann noch vor Einbruch der Dunkelheit in Losone an. Wir wurden von Gjyli Bylykbashi schon erwartet. Sie war nur kurz vor uns angekommen, da sie nicht so viel „Schwein“ hatte betreffend des Staus. Wie dem auch sei, alle Begleiter halfen „Hand-inHand“ das ganze Gepäck in die zugeteilten Zimmer zu verteilten, die Betten herzurichten und alle Bewohner wurden, wenn nötig, pflegerisch versorgt. Später gings dann ans Erkunden des Hauses und der Umgebung. Das Haus Emaus ist ein idyllischer Ort, mit seinen vielen Bäumen entsteht eine gemütliche, irgendwie auch mystische Stimmung. Manuel Schwarz verwöhnte uns die ganze Woche mit herrlichen Köstlichkeiten, was den Magen und die Seele erfreute. Das Essen war immer sehr lecker, wir schlugen uns täglich die Bäuche voll.

Ein gemütlicher Moment im Schatten: Coralie Frosio mit Gjyli Bylykbashi Auch 2016 durften 12 Bewohner, begleitet von 9 Mitarbeitern, eine unvergessliche Woche im Haus Emmaus in Losone verbringen. Eine davon war ich. Schon Monate bevor die Ferien starteten, überlegte ich „was nehme ich mit, wie wird es wohl sein nach 4 Jahren mal wieder verreisen zu dürfen“ und nicht zuletzt der wichtigste Gedanke „wird meine Gesundheit mir einen Strich durch die Rechnung machen ,oder darf ich die kommende Ferienzeit in vollen Zügen geniessen und wohlverdient mal wieder die Seele baumeln lassen“. Und-JAWOHL-mein Körper war mir wohlgesonnen!!! Am 17. September wurden alle Feriengäste mitsamt

Was mich während der ganzen Woche sehr berührte war einerseits die „Eins-zu-Eins“ Betreuung von denselben 2 Personen (in meinem Fall Cecile und Joanna). Auch beruhigte es mich zu wissen, dass Cyrill Strub ein Pflegebett organisieren konnte, was den Begleitern die Pflege sehr erleichterte. Andererseits war es toll zu sehen dass alle Begleiter einander abteilungsübergreifend unterstützten, sei es in der Pflege, bei den Ausflügen und beim Essen. Auch abends sassen wir alle beisammen und genossen die Gemeinschaft. Jedem war es aber auch freigestellt sich zurückzuziehen. Nie vergessen werde ich auch den Hot-Pot Nachmittag! Einige Begleiter und Bewohner erholten sich im Pot bei einem Glas Mineral oder anderem. Jeder Bewohner durfte Wünsche äussern, was er oder sie gerne mal machen würde, und wenn möglich wurde dieser Wunsch erfüllt. Joanna ging mit mir

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MIT DEM STEINHOF UNTERWEGS ………………………………………………………….

nach Ascona zum Käfele und Shoppen. Ausserdem gingen wir beide zum Coiffeur, wo wir uns für den Pizza-Abend Locken drehen liessen. Was für ein Spass!!!! Jeden Tag hatten wir die Möglichkeit, fakultativ Ausflüge zu machen, sei es nach Ascona zum Lädele oder Glace essen. Die „zu Hause Gebliebenen“ bastel-

ten mit Brigitta und Rita an einem Insekten Hotel welches in unserem Steinhof-Beeri-Garten aufgestellt wurde. Einmal gingen wir abends Pizza essen. Unsere Gesichter hätte man filmen sollen, als die „kleinen!!!!!“ Pizzen serviert wurden LACH …. Die waren so riesig, schmeckten aber vorzüglich…. Es war ein gelungener Abend. Die Woche verging wie im Flug. Zum Abschluss einer für mich unvergesslichen Woche organisierten Rita und Brigitta mit Manuel einen Tessiner Abend. Es wurden Tessiner Spezialitäten serviert und OH WUNDER wir bekamen sogar prominenten himmlischen Besuch von „Nella Martinetti“. Ach, was hab ich mich fast hingelegt vor Lachen!! An diesem Abend wurde einmal mehr viel gelacht, gesungen und das Zusammensein genossen…. Ich danke Manuel, Gjyli, Brgitta, Rita, Cyrill, Dominique, Karan, Cecile und Joanna (hoffe ich habe niemanden vergessen) für eine wirklich TOLLE UNVERGESSLICHE ZEIT. Coralie Frosio, Bewohnerin im Steinhof

So ein Stadtbummel macht schon Hunger...

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REBEN UND WEIN …………………………………………………………………………….

Von der Traube zum Wein, der Übergang vom Zucker zum Alkohol Während unseres Lebens begegnen wir oft dem Wort „Übergang“. Dann auch, wenn wir an der Schwelle eines bestimmten Lebensalters stehen. Kürzlich war das bei meinem Kollegen Paul Otte der Fall. Als Jungrentner durfte er in den verdienten Ruhestand gehen. Einen Übergang finden wir aber auch bei der Weinbereitung, nämlich dann, wenn sich die Beeren in der sogenannten Maische befinden und sich durch die Gärung der Traubenzucker in Alkohol verwandelt. Der süsse Traubenmost wird zu Wein! Dazu ist aber zu sagen, dass vor dieser anspruchsvollen Arbeit so manches andere geschehen muss. Dies bleibt dem Weinliebhaber oftmals verborgen: Die Wahl des Terrains für den Rebberg, die Bodenbearbeitung, die Rebsortenwahl, die Bepflanzung, die Bodenpflege, die Düngung, der Rebschutz, die Bekämpfung der Krankheiten und der Schädlinge, die Reife, die Traubenlese und vieles andere mehr.. Man kann es nicht genug betonen: Das Traubenblatt ist die „Zuckerfabrik“ der Rebe. Dank der Fähigkeit der sogenannten Assimilation liefern die Blätter die nötige Energie für den Zucker, der von den Blättern in die Trauben gelangt. Zuckerbildung und Säurenumlagerungen in der Beere bestimmen so auch

die Reife. Die Menge des Zuckers in den Beeren, oder im Traubensaft, wird seit Jahren in Öchslegraden oder Brix angegeben. Der Winzer beobachtet bereits schon im Rebberg mit speziellen Instrumenten den Reifeprozess, beziehungsweise die „Einlagerung“ des Zuckers. Mit der Vollreife beginnt der Erntezeitpunkt. Es ist eine alte Weisheit, dass die geernteten Trauben sofort verarbeitet werden müssen. Es darf nicht allzu viel Zeit bis zum Gärbeginn vergehen. Es würde nun zu weit führen, den Gärprozess (von der Traube zum Wein) im Detail zu erklären. Zur Weinbereitung ist grundsätzlich zu sagen, dass diese, je nach Art des Weines (Weisswein. Rotwein, Roséwein, Federweisser) ähnlich, aber nicht genau gleich verläuft. Von dieser für die Qualität des Weines enorm wichtigen Phase seien hier die wichtigsten Punkte festgehalten:

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Abbeeren (Beeren von den Traubenstilen trennen) Abmahlen der Beeren (Aufschliessen der Beeren) Pressen (Weisswein) Die Gärung in der Maische mit Hefe einleiten Gärung (Umwandlung von Zucker in Alkohol) Gärung kontrollieren und Maische regelmässig durchmischen Beendigung der Gärung Pressen (Rotwein) Abzug von der Hefe Abfüllen in den Tank oder in das Fass Reifeprozess im Tank oder im Fass Abfüllung in die Flaschen

Es ist ein weiter Weg und ein wunderbarer Übergang von der Traube zum Wein. Prosit!. Walter Wettach Mitglied des Zentralschweizer Weinbauvereins

Umwandlung von Zucker in Alkohol

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GEDANKEN DES STEINHOFGÄRTNERS …………………………………………………….

Die Magie der Laubbäume im Winter gesehen. Es schützt zusätzlich vor Frost, und wenn Schnee gefallen ist, dann hilft die weiße Pracht zusätzlich gegen die Kälte.

Prachtvoll auch ohne Gewand Der Anblick mächtiger, alter Bäume , die im Winter Schnee und Eis trotzen, lässt mich oft ehrfürchtig innehalten. Jeder Baum ist einzigartig in Grösse und Form und noch nach Jahrzehnten voller Kraft und Leben. Übergang in den Laublosen Zustand Bevor die Blätter im Herbst abgeworfen werden, entzieht ihnen der Baum noch möglichst viele nützliche Stoffe, die dann im Holz und Wurzel eingelagert werden. In den Sommermonaten produzieren die Blätter so viele Nährstoffe, dass diese auch eingelagert werden und so als Vorrat für den Winter dienen. Die Einlagerung von Zucker, stellt nicht nur die Versorgung in der kalten Jahreszeit sicher. In Verbindung mit Eiweißstoffen dient der Zucker auch als Frostschutz im Inneren, während die Rinde die schützende „Haut“ nach außen bildet. Das Abwerfen der Blätter hat noch einen zweiten Grund: Wenn Schnee fällt, würde das Blattwerk der weißen Pracht eine größere Ablagefläche bieten. Durch diese höhere Schneelast könnten die Äste abbrechen und der Baum würde schwer beschädigt werden. Das abgeworfene Laub ist von der Natur auch als wärmende "Decke" für die Wurzeln der Bäume vor-

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Jetzt im Winter Mächtig erheben sich Einzelbäume auf offenen Wiesen. Dort kommen sie besonders zur Geltung, weil sie ihre Krone voll entfalten können. Aus der Ferne betrachtet fallen vor allem die unterschiedlichen Wuchsformen der verschiedenen Baumarten ins Auge. Im laublosen Zustand ist auch das Baumgerüst mit Stamm, Hauptästen und den feinen Zweigen gut zu erkennen. Diese Ansicht lässt erahnen, wie alt er ist oder welchen Naturgewalten so ein Baum ausgesetzt ist. Bei einigen Baumarten ist das Erscheinungsbild so charakteristisch, dass man sie mit recht grosser Sicherheit erkennen kann. So die alte Stieleiche; sie hat einen mächtigen Stammumfang aber einen relativ kurzen Stamm mit einer weitausladender Krone. Völlig anders präsentiert sich die Birke, die wegen ihren malerisch herunterhängenden Zweigen auch als Hängebirke bezeichnet wird. Selbst bei älteren Exemplaren bleiben der Stamm und die Aeste relativ schlank und die Krone bleibt locker und unregelmässig. Details aus der Nähe betrachten Wer sich jedoch gelegentlich die Details an Bäumen aus der Nähe betrachtet wird feststellen, dass Grösse, Farbe und Form der Knospen, sowie deren Anordnung am Zweig unverwechselbare Merkmale sind. Nehmen Sie sich daher beim nächsten Winterspaziergang ein wenig Zeit, um den kleinen Geheimnissen der Bäume auf die Spur zu kommen. Sie werden fasziniert sein von den Details der mächtigen Riesen. Martin Blum, Gärtner


WIR RUFEN DIE MENSCHEN IN ERINNERUNG …………………………………………..

Wir rufen die Menschen in Erinnerung, die in den Monaten August bis Oktober 2016 im Steinhof gestorben sind:

Josef Fratt Gerhard Matter Rolf Schmid Marianne Lienert Margrith Roos Alfred Meier Monika Fässler Pia Kirchhofer Heinrich Birrer

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DIES UND DAS ………………………………………………………………………………...

Die Zeit Es ist ein seltsames Ding mit der Zeit. Sie scheint nicht immer gleich zu sein,. Mal scheint sie viel zu schnell vorbei zu gehen, mal schleicht sie nur so dahin. Wenn wir auf etwas warten, hält sie sich hartnäckig an jeder Sekunde fest. Wir schauen auf die Uhr, „ja, ist sie denn womöglich stehen geblieben!? Das kann doch nicht sein…..) Erleben wir aber etwas für uns sehr angenehmes, vergeht die Zeit oft wie im Fluge. Mir geht es so mit den Ferien. Erst warte ich darauf, dass sie endlich da sind, dann sind sie „schwupps“ auch schon wieder vorbei. Wer hat eigentlich die Zeit erfunden? Ich meine, wann wurde „es Zeit“? Nun, Zeit war ja schon immer da. Aber wann wurde es wichtig „Zeit“ zu haben. Ich nehme an, die Zeit (oder besser: sie zu messen) wurde für die Menschen wichtig in dem Moment, als es darum ging, sich zu Terminen abzusprechen. Genaueren Terminen. Aus „morgen Mittag“ wurde dann: um 12 Uhr. Aus dem Bedürfnis heraus, die Zeit genau bestimmen zu können, entstanden die Uhren. Die ersten waren wohl die Sonnenuhren. Oder noch früher, nach genauen Berechnungen gebaute Gebäude, die an einem bestimmten Tag, zu einer bestimmten Stunde, den genauen Sonnenstand angaben. Aber dies bestimmte eher die Jahreszeiten, die genauen Stunden konnte man damit nicht messen. Aber das Bedürfnis, die Zeit zu messen, sie einzuteilen, war vorhanden. Heute messen wir die Zeit mit Millisekunden, zum Bsp. Bei Wettkämpfen. Ein langer Weg. Wo ist all die Zeit hingekommen? Das fragen wir uns oft. Ja, wo geht sie eigentlich hin? Verschwindet sie so einfach ins Nichts? Ist die Zeit nur eine Erfindung um uns zu gängeln und zu manipulieren? Jede Minute die vergeht ist verlorene Zeit; heisst es oft. Wieso eigentlich? Heisst dies, nur wenn jede Sekunde meiner Zeit ausgefüllt ist, wäre sie nicht wichtig? Ob ich will, oder nicht, meine Zeit auf dieser Erde ist sowieso bemessen. Sie wird nicht mehr oder weniger durch mein Zutun. Ich kann vielleicht mit meiner

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Lebensweise dazu beitragen, dass ich vielleicht gesünder, und damit länger lebe, aber schlussendlich weiss ich nicht, wie lange ich leben werde. Wie sieht es also mit dem „Nutzen“ aus? Ich war in meinem Leben erst Hausfrau, später war ich berufstätig. Heute bin ich pensioniert. Ich habe viele Interessen, arbeite nebenbei noch als Freiwillige in einem Heim. Neu dazu gekommen ist der Deutschunterricht für eine Frau aus Eritrea. Ich bin in einem Chor, einmal in der Woche habe ich Qi Gong Kurs. Ich schreibe Gedichte, manchmal Texte für eine Zeitschrift. Ich langweile mich nicht. Manchmal fühle ich mich auch etwas eingedrückt von meinen Aktivitäten.

„Die Zeit rennt“ oder wir rennen durch die Zeit..? Was ich mir erlaube, manchmal setze ich mich auf eine Bank und tue gar nichts. Einfach nichts. Oder ich stelle mich auf den Balkon und geniesse den Sonnenschein, die Kühe, die da gerade auf der Wiese grasen, nehme wahr, was um mich her geschieht. Atme. In der Küche steht noch das Geschirr von gestern. Ich sehe, die Fenster sind schmutzig. Einkaufen sollte ich eigentlich noch und meinem Vater schreiben. Nein, das ist wirklich wichtig. Aber ich bleibe da stehen oder sitzen - und atme. So kommt es mir vor. Vielleicht verleihe ich auch gerade meiner Seele ein paar Flügelchen? Es gibt Menschen, die scheinen jeden Moment ihres >Lebens beschäftigt zu sein. Die haben nie Zeit. Also


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Zeit haben sie ja schon, sonst könnten sie das alles ja nicht tun. Aber die Zeit ist so vollkommen ausgefüllt mit Tätigkeiten (die sicherlich wichtig und wertvoll sind) das nichts sonst daneben Platz hat. Wo findet da das Leben statt? Solche Menschen kommen mir oft vor wie Maschinen funktionieren, aber sie leben nicht. Unter „Leben“ meine ich: Beziehungen pflegen, sich selber spüren, nicht alles verplanen. Das geht alles nicht, ohne, dass wir uns Zeit dafür nehmen. Uns ohne Zeitdruck darauf einlassen. Mir ist klar, wer Erfolg haben will im Beruf, muss sich einsetzen. Aber um jeden Preis? Mein Vater war in seinem Beruf so eingebunden, dass er nie Zeit für uns Kinder hatte. Heute bedauert er es und wünscht sich, er hätte sich mehr Zeit für uns genommen. Eine späte Einsicht. Als es Zeit dafür war, hat er sie nicht genutzt! Auch ein Phänomen der Zeit: sie fliesst an uns vorbei ohne Unterlass, es bekümmert sie nicht was geschieht, oder nicht geschieht. Aber was ich jetzt gerade nicht tue, diese Zeit ist unwiederbringlich vorbei. Wenn ich so darüber nachdenke, eigentlich ein erschreckender Gedanke. Diese Sekunde geht vorbei, sie kommt nie wieder. Was ich jetzt nicht tue, kann ich so nie wieder tun, wie ich es jetzt gerade tun könnte. Dies ist auch eine Mahnung; so scheint mir. Aber ,wäre ich mir dessen ständig bewusst, würde ich wohl verrückt. Aber mir dessen ab und zu bewusst sein ist wohl wichtig. Ich schreibe dies alles an einem Computer, den mir ein Freund zur Verfügung gestellt hat, da er veraltet, und „viel“ zu langsam sei ( der Computer natürlich, nicht der Freund). Mittlerweile sagt er, dass selbst der „neue“ schon wieder ersetzt werden sollte, aus oben genannten Gründen. Aha, meine ich darauf hin. Ist denn das so wichtig? Die 40 e-mail jeden Tag oder mehr, du gibst doch selber zu, dass sie dich stressen. Früher hast du mit den Leuten noch telefoniert. Heute geht das Meiste nur noch über deinen Computer, das heisst, du hörst also auch deren Stim-

me nicht mehr. Verliert da nicht jede Beziehung an Qualität? Das stimme schon, meinte er, aber anders ginge es heute nicht mehr. Änderungen oder Absprachen müssten schnell gehen, das spare Geld, wäre also effektiver. Als ich gestern mit meinem Vater telefoniert habe, meinte er, wir würden in einer Zeit des Chaos leben. Alles gerate irgendwie durcheinander. Ich erlebe das genauso. Ich kann nicht gerade sagen, dass ich mich in dieser Zeit wohl fühle. Obwohl es mir hier gut geht, oder vielleicht gerade deswegen, schaue ich auf die Entwicklungen in dieser Welt und fühle mich total verunsichert. Ich fühle mich verantwortlich und weiss doch nicht, was tun. Und wenn ich mich bemühe, etwas zu tun, erscheint es mir viel zu wenig. Ich bin in diese Zeit hinein geboren und muss in dieser Zeit leben. Ich kann die Zeit nicht einfach wechseln, auch wenn ich das gerne möchte. Wahrscheinlich haben viele Menschen zu allen Zeiten so gedacht. Der Wunsch, eine Zeitreisemaschine bauen zu können, ist also sehr naheliegend. Ich stelle mir vor, ich könnte in der Zeit herumswitschen. Reisen, wohin ich will. Was würde mir wohl begegnen? Ich denke: Menschen, die auch mit ihrem Leben fertig werden mussten und mit den Problemen ihrer Zeit. Aber vielleicht könnte ich von ihnen lernen. Ich denke, das Leben ist immer ein Lernprozess. Wir müssen lernen, miteinander auszukommen, für einander da zu sein, nicht gegen einander. Nicht ich bin besser als du, mehr wert (wichtiger) als du. Wir haben noch viel zu wenig erkannt, dass wir ALLE Menschen sind. Mit der gleichen Verantwortung für diese Welt, die wir ja schon ziemlich zerstört haben. Die Zeit lässt sich nicht zurückdrehen. Wir können sagen: früher war alles besser. Aber wir, die wir gerade jetzt leben, hätten es in der Hand dafür zu sorgen, dass es in der Zukunft besser wird. HÄTTEN WIR DAFÜR ZEIT’! Anke Maggauer-Kirsche

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WAS VOR 50 JAHREN GESCHAH …………………………………………………………...

Die Reklame in den Telephonbüchern Aus Kreisen der Wirtschaft wird uns geschrieben: E. S. Als vor fünf Jahren erstmals in die Telephonbücher Reklame aufgenommen wurde, war die Reaktion bei den Benutzern der Telephonbücher eindeutig negativ. Die große Zahl neuer Telephonteilnehmer bringt es mit sich, daß der Umfang der Telephonbücher lawinenartig zugenommen hat. Nach einigen Tastversuchen hat die Telephonverwaltung eine Neueinteilung der Telephonbücher eingeführt. Die Zahl der Telephonbücher wurde vermehrt. Die Handlichkeit und Übersichtlichkeit der Telephonbücher hat darunter erheblich gelitten. Wer über die engere Region hinaus häufig telephonieren muß, hat sich mit einer ganzen Anzahl von Telephonbüchern abzugeben, was die Arbeit erschwert. Deshalb hat die Aufnahme von Reklame in die ohnehin schon zahlreichen und umfangreichen Telephonbücher eine ablehnende Reaktion bei den Benutzern der Telephonbücher in der Wirtschaft und bei den übrigen Teilnehmern, die sich nicht auf den Lokalverkehr beschränken können, ausgelöst. Es kam eindeutig zum Ausdruck, daß die amtlichen Teilnehmerverzeichnisse kein Insertionsorgan, sondern eben ein zweckgebundenes Telephonabonnentenverzeichnis sein und bleiben sollen. Der Wert der Teilnehmerverzeichnisse als Insertionsorgan ist übrigens äußerst fraglich, soll aber hier nicht weiter beurteilt werden. Die Opposition, die sich gegen die Reklame in den Telephonbüchern erhob, hat den Bundesrat veranlaßt, die PTT-Betriebe anzuweisen, den bis 1967 wirksamen Vertrag mit einer Inseratenagentur zu kündigen. Wie nun aus der Antwort des Bundesrates auf eine kleine Anfrage Etter im Nationalrat hervorgeht, hat der Bundesrat eine Kehrtwendung vorgenommen und ist jetzt gewillt, im Gegensatz zur Forderung, auf rasches Verschwinden der Inserate in den Telephonbüchern, diese Reklame auch nach 1908 beizubehalten. Keine neue Situation Der Bundesrat macht zur Begründung seiner überra-

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… und wo sind die „Telephonbücher“ geblieben…? schenden Sinnesänderung geltend, die Situation habe sich geändert. Die früher opponierenden Kreise der Wirtschaft ständen heute der Telephonbuchreklame positiver gegenüber. Entscheidend sei die Ueberlegung, daß bei der heutigen Finanzlage der PTT-Betriebe auf einen zusätzlichen Reinertrag von gegen einer Million Franken nicht verzichtet werden sollte, auch wenn damit Nachteile verbunden wären. Diese Stellungnahme aus dem Bundeshaus kann nicht unwidersprochen bleiben. In der Tat ist in der Wirtschaft nichts bekannt davon, daß die begründeten Einwände gegen die Reklame in den Telephonbüchern abgenommen hätten. Sie nehmen im Gegenteil - vorsichtig ausgedrückt - eher zu. Auch bei den privaten Telephonteilnehmern ist von einer Abschwächung der Opposition keine Rede. Das amtliche Teilnehmerverzeichnis soll in konzentrierter Form die erforderlichen Angaben für die Herstellung von Telephonverbindungen im Inland enthalten ; es ist kein Reklameorgan. Als es darum ging, auf den farbigen Vorderseiten der Telephonbücher ein Verzeichnis der Postleitzahlen aufzunehmen, das den Kunden der PTT-Betriebe und damit auch den PTTBetrieben die Arbeit wesentlich erleichtert, erhoben sich verwaltungsintern starke Widerstände dagegen mit der Begründung, die Telephonbücher würden dadurch noch umfangreicher. Es gehörte schon einiger Druck dazu, bis schließlich diese PTTDienstangaben in die Telephonbücher aufgenom-


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men wurden. Handkehrum insistieren die PTTBetriebe darauf, den Umfang der Telephonbücher um rund 330 Seiten zu vermehren, allein um Reklame aufnehmen zu können, obwohl dadurch eingestandenermaßen der Umfang der Telephonbücher beträchtlich erhöht und die Handlichkeit beim Gebrauch der Telephonbücher immer mehr erschwert wird. Die in der bundesrätlichen Antwort wiedergegebene Behauptung, man stehe vor einer neuen Situation, weil angesichts der angespannten Finanzlage rund 900 000 Franken aus der Vermietung eines Teiles des Raumes in den Telephonbüchern für Reklamenzwecke nicht verzichtet werden könne, ist nicht stichhaltig. Die Finanzlage der PTT-Betriebe ist schon lange angespannt. Dienst am Kunden Die eidgenössischen Räte haben soeben eine Vorlage über die Taxrevision gutgeheißen, die den PTTBetrieben in Korrektur völlig unzureichender Taxen Mehreinnahmen in Höhe von über 100 Millionen Franken jährlich einbringen soll. Gerade die Wirtschaft als Großkunde der PTT hat hier, wie gegenüber anderen öffentlichen Betrieben, den Grundsatz anerkannt, daß die Dienstleistungen durch kostendeckende Taxen und Gebühren bezahlt werden sollen, auch wenn dies vielfach für die Wirtschaft erhebliche Mehrkosten verursacht. Es soll durch die notwendige Erhöhung der Einnahmen der PTTBetriebe aus ihren Dienstleistungen vermieden werden, daß die unentbehrlichen Dienstleistungen beeinträchtigt werden. Nun zeichnet sich aber bei den PTT-Betrieben eine Tendenz ab, auf beiden Seiten ein Maximalprogramm durchzusetzen. Einerseits sollen die Taxen zum Teil massiv erhöht werden. Auf der andern Seite werden die Dienstleistungen geschmälert. Bei der Aufnahme von Reklame in die Telephonbücher wird ganz eindeutig der Dienst am Kunden um einer gesamthaft nicht entscheidenden, relativ geringen Einnahmen willen empfindlich beeinträchtigt. Diese Einnahme stammt aus einer be-

triebsfremden Betätigung der PTT ohne Rücksicht auf das Interesse ihrer Kunden. Bei allem Verständnis für die Rationalisierung der PTT-Betriebe, die noch große Fortschritte machen können, muß festgehalten werden, daß dies nicht um den Preis betriebsfremder Funktionen, wie zum Beispiel der Aufnahme von Reklame für Erwerbsunternehmungen in amtliche Publikationen, geschehen soll. Wenn hier nicht klar nach eindeutigen Grundsätzen vorgegangen wird, so wird man nicht mehr auf das bisherige Maß an unerläßlichem Vertrauen gegenüber den PTT-Betrieben in der Wirtschaft und in der weiteren Oeffentlichkeit rechnen können. Angesichts weitgreifender Pläne zur Einschränkung und Aufhebung von Dienstleistungen der PTT-Betriebe ist es an der Zeit, hier offen eine Warnung auszusprechen. Der Bundesrat war entschieden schlecht beraten, als er der ungerechtfertigten Empfehlung folgte, die Reklame in den Telephonbüchern, zunächst in noch beschränktem Maß, aufzunehmen. Je eher dieser Fremdkörper in den Telephonbüchern beseitigt wird, desto besser wird es für die PTT und ihre Kunden sein. Neue Zürcher Zeitung, 23. 12.1966

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REZEPT ………………………………………………………………………………………….

Zimtparfait mit Zwetschgenkompott Rezept für 4 Personen Zutaten für Zimtparfait:

Zutaten für Zwetschgenkompott:

2 70 9 1.5 0.5 2 8

500 1- 2 ½ 100 3 1 1

dl g EL St St g

Vollrahm Zucker Wasser Zimtstengel Vanilleschote Eigelb frisch Zimt

Zubereitung:

• • • • • • • •

g EL dl g

Zwetschgen Wasser kräftiger Rotwein Zucker Gewürznelken kleine Zimtrinde kleines Stück Zitronenschale

Zubereitung:

Vanilleschote längs aufschneiden. • Zucker, Zimtstangen und Vanilleschote in Wasser aufwärmen. • Eigelb mit dem warmen Sirup aufschlagen, dann kalt schlagen. • Es soll eine luftige Crème entstehen, passieren. Rahm unterziehen, mit Zimtpulver nachwürzen. In Formen abfüllen und einfrieren. Nicht direkt aus dem Tiefkühler servieren, ruhig etwas antauen lassen. Dann aus der Form stürzen und mit dem Zwetschgenkompott servieren.

Wasser, Rotwein, Zucker und die Gewürze etwa 5 Min. kochen lassen und absieben. Inzwischen die Zwetschgen entstielen, waschen, halbieren und entsteinen. In den Sud geben und unter öfterem Rühren ganz weich kochen, bis die Früchte fast zerfallen.

Manuel Schwarz, Koch

Dieses Dessert können Sie am 26.12.2016 und am 22.01.2017 bei uns in der Gastwirtschaft geniessen.

Zimtparfait mit Zwetschgenkompott

Öffnungszeiten der Gastwirtschaft Täglich von 09.00—17.30 Uhr

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IN EIGENER SACHE …………………………………………………………………………..

In eigener Sache Sie haben unsere Heimzeitung auch dieses Jahr viermal erhalten. Hat sie Ihnen gefallen? Waren unsere Beiträge spannend? Für uns ist diese "journalistische Tätigkeit" eine willkommene Abwechslung und eine Freude. Es ist uns wichtig, Sie über den Alltag in unserem Heim zu informieren. Daneben wollen wir aber auch zum Nachdenken anregen und manchmal ein wenig kritisch sein. Wir legen sehr viel Wert darauf, das Blatt attraktiv und ansprechend zu gestalten und denken, wir dürfen auch ein wenig stolz darauf sein. Selbstverständlich sind wir für Kritik Ihrerseits, aber auch für Anregungen und vielleicht sogar einen Beitrag immer offen und dankbar. Die Druck- und Portospesen belaufen sich jedes Jahr auf rund Fr. 23’500.—. Eine Abonnementsgebühr würde nicht unserer Philosophie entsprechen. Wir erlauben uns aber, dieser Ausgabe einen Einzahlungsschein beizulegen und sind natürlich für jeden freiwilligen Zustupf sehr dankbar. Herzlichen Dank Sonja Schärli, Sachbearbeiterin Administration

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UNSER WUNSCH ……………………………………………………………………………..

Sie können unsere Bewohnerinnen und Bewohner, denen nicht genügend Mittel zur Verfügung stehen, direkt unterstützen: In der Schweiz haben wir ein funktionierendes Sozialsystem. Leider liest man immer häufiger von Kürzungen, auch in diesem Bereich. 2017 stehen z.B. IVBeziehenden weniger Gutscheine für Taxifahrten zur Verfügung. Besonders für junge Menschen bedeutet dies einen Einschnitt in die Lebensqualität. Ihre Spende kann Freude bereiten: Immer wieder benötigen Bewohnerinnen und Bewohner finanzielle Unterstützung, sei es für die Anschaffung von Kleidern, Coiffeur, Pédicure, Taschengeld, einen Ausflug, eine nicht geplante Anschaffung – ganz einfach für Ausgaben, die dringend nötig sind, die aber niemand übernimmt. In den letzten Jahren konnte der Steinhof im Durchschnitt 20'000 Franken dank Ihrer Spenden für diese Zwecke zur Verfügung stellen. Ihre Spende kommt garantiert an: Die Spenden werden direkt dem Bewohnerfonds zugewiesen. Wir sichern Ihnen zu, dass die Fonds-Gelder nur für dringend notwendige Ausgaben verwendet werden. Eine Unterstützung erfolgt ausschliesslich ergänzend, wenn nicht genügend Mittel aus den institutionellen Sozialwerken, wie Ergänzungsleistung und Sozialhilfe, zur Verfügung stehen. Auf dieser Seite werden Sie in jeder Ausgabe des Steinhof-Blatts über den Spendeneingang und Spendenausgang informieren. Im Voraus danken wir Ihnen für Ihre Unterstützung. Andrea Denzlein, Heimleiterin Spendenkonto-Übersicht Spenden-Einlage Saldo per Spenden vom

01.11.2016

CHF

3‘212.45

01.08. - 31.10.2016

CHF

7‘689.31

CHF

10‘901.76

CHF

2‘153.60

CHF

8‘748.16

Total Spenden-Ausgaben Unterstützung von Bewohnerinnen und Bewohnern vom Neuer Saldo per

01.08. - 31.10.2016 ./. 01.11.2016

Unser Postcheck-Konto PC 60-3234-3 / IBAN CH6509000000600032343 mit dem Vermerk „Bewohner-Fonds“

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AGENDA……..………………………………………………………………………………….

Jede Woche im Jahreslauf um 09.30h Gottesdienst in der Steinhof-Kapelle Sonntag, Dienstag, Mittwoch, und Freitag

Dezember 2016 Sa 24. Dez. ab 13.45h

Weihnachtsfeier auf den Abteilungen Der Steinhofchor singt unter der Leitung von Marie-Thérèse FahrianWiniger Weihnachtslieder. Dazwischen liest Edith Birbaumer, Seelsorgerin, die Weihnachtsgeschichte vor. Dachgeschoss Sunnehuus, 13.30-15.30h Erdgeschoss Sunnehuus, 14.00-15.30h Obergeschoss Sunnehuus, 14.30-16.00h Birkehuus, 14.00-16.00h

Sa 31. Dez. ab 14.00h

Silvester mit dem „Echo vom Tristboden“

Januar 2017 Mo 2. Jan. 15.00h

Neujahrskonzert mit dem „Quartetto Clarinetto“.

So 29. Jan. ab 14.15h

Steinhof-Musikplausch „Trio Alois Niederberger“

Februar 2017 Fr 17. Febr. ab 19.00h

Steinhof-Fasnacht Die Insider-Fasnacht für das Personal, Bewohnerinnen und Bewohner des Steinhofs, Freunde und Gäste

So 26. Febr.

Steinhof-Musikplausch fällt wegen der Fasnacht aus!

März 2017 06. 10. März

Raclette-Woche im Steinhof jeweils von 11.00h - 13.00h

Impressum Anschrift: Steinhof-Blatt Redaktion Steinhofstrasse 10 6005 Luzern Tel. 041/319 60 00 Fax. 041/319 61 00 www.steinhof-pflegeheim.ch Redaktion: Andrea Denzlein, Leitung Edith Birbaumer Anke Maggauer-Kirsche Sonja Schärli, Bildredaktion, Bearbeitung und Layout/Gestaltung Annelies Bründler, Lektorin Gastautoren: René Regenass, Martin Blum, Walter Wettach, Coralie Frosio, Madeleine Niederberger, Sandra Magni, Brigitta von Moos, Beatrice Schild

Auflage:

1‘550

Druck:

Brunner Medien AG, Kriens

Bildlegenden: Seite 5 + 6, Quelle: Rike/pixelio.de Diana Mohr/pixelio.de Titelseite: Daniela Bieri

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P. P. 6005 Luzern Post CH AG

Lachfalten sind konservierte Das Alter mag die Sehkraft und schwächen ein Sonnenstrahlen aber es verbessert die Sicht für Fröhlichkeit. Orden AnkeWaltraud Maggauer-Kirsche Puzicha

STEINHOF Pflegeheim Eine Institution der Barmherzigen Brüder von Maria-Hilf

Steinhofstrasse 10 6005 Luzern

Tel. 041 319 60 00 Fax 041 319 61 00

www.steinhof-pflegeheim.ch info@steinhof-pflegeheim.ch


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