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Menschen

LACHEN, ABLENKEN UND NACHDENKEN

Mit ganz viel Selbstironie, ehrlichem Witz und kritischen Denkanstößen erzählt STEIRERINAWARDS-Gewinnerin Elli Bauer im Kabarett ihre Alltagskomödie. Text Sarah Kampitsch Foto Thomas Luef

W

o große Vorgänger à la Hader sich die wildesten (natürlich echten) Geschichten aus der Nase ziehen, setzt das Grazer Nachwuchstalent im MusikKabarett auf persönliche Erfahrungen: Bei Elli Bauer kommen Dinge zur Sprache, die sie selbst erlebt hat, kennt und versteht – so bleiben ihre Shows originell und ganz authentisch. Seit 2019 steht sie QMXMLVIQIVWXIR4VSKVEQQÞ7XSýWEckerlspruch“ auf Kleinkunstbühnen in ganz Österreich und plaudert transparent und selbstkritisch über ihre Bubble in Graz Jakomini, wo sie aufgewachsen ist, was es bedeutet, in einer Generation ohne Probleme links zu sein, Weiblichkeitsthemen und die Großmutter. Im Interview sprechen wir über Humor auf Abruf und die Aufgabe des Kabaretts zur Sozialkritik. STEIRERIN: Wie bist du zum Kabarett gekommen – war das immer schon in dir drinnen? Elli Bauer: Laut meinen Eltern war es immer schon da. Ich bin immer schon gerne auf der Bühne gestanden, habe Leute zum Lachen gebracht. Ich habe auch ganz früh angefangen, Instrumente zu spielen. Auf der Bühne

ist das hauptsächlich Gitarre, aber ich WTMIPIEYGL/PEZMIV&PSGO÷·XI9OYPIPI YRH7MX^XVSQQIP9RHWMRKIREX½VPMGL Hast du eine Traumbühne, auf der du mal stehen möchtest? Mein Ziel war immer, dass ich problemlos davon leben will, was auch immer das bedeutet. Ich habe gar nicht das Bedürfnis, im Fernsehen zu sein oder auf riesigen Bühnen zu stehen. Ich durfte mal im Rathaus in Wien vor 2.000 Leuten spielen. Natürlich voll der Hammer, aber das habe ich irrsinnig schwierig gefunden. 50 bis >YWGLEYIVöRHIMGLWYTIV-GL[MPP die Stimmung spüren, das verliert sich in großen Räumen. Das ist aber im KaFEVIXXXSXEP[MGLXMKöRHIMGL Ist Humor für dich was Abrufbares oder ist er immer da? Ich navigiere prinzipiell mit relativ viel Humor durchs Leben. Ich bin aber nicht die, die permanent auf Schmäh drucken muss und schaut, ob jetzt auch alle lachen. Auf der Bühne ist es beinhart: Du kannst Kabarett daheim üben, so viel du willst, du brauchst die Reaktion ZSQ4YFPMOYQ9RH[IRRHY[EWTVSbierst und es ist totenstill, dann musst du da durch. Dann wird so lange umgeschrieben, bis es funktioniert – aller18

dings ist das dann eher ein Timing und Pointensetzen als im Moment lustig sein. Triffst du oft auf Leute, die zu dir sagen: „Sag mal schnell was Lustiges“? Was mir eher passiert, ist, dass Leute nach einem Auftritt hergehen und mir einen Witz erzählen, so auf „Kennst den a schon?“. Sie versuchen, mich zum LaGLIR^YFVMRKIRHEWöRHIMGLGLEVQERX Das zeigt ja auch, dass es ihnen getaugt hat, und sie versuchen, mit dir in Kontakt zu kommen. Manchmal ist es auch lustig. Hast du eine unterschwellige Botschaft? Ich versuche, mit sehr viel Selbstironie zu arbeiten. Im Kabarett wird immer gesagt, dem Publikum wird ein Spiegel vorgehalten. Ich würde das nie von oben herab machen wollen und mit dem ZeiKIöRKIV[EGOIPR^YIVWX[½VHIMGLQMGL immer selbst verarschen. Selbstironie ist für mich in jeder Lebenslage etwas enorm Wichtiges. Wofür glaube ich einzustehen, mache es dann aber doch nicht? Welche Parolen rufe ich, die dann eigentlich nur leere Parolen sind? Was möchtest du, dass dein Publikum von dir mitnimmt? Ich wünsche mir bei meinen Kabaretts nur, das Leute vielleicht 1,5 Stunden

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STEIRERIN Dezember 2020/Jänner 2021  

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