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Leben

AUFWACHSEN

im Krieg

K

inder zahlen den höchsten Preis für Konflikte, für die sie absolut keine Verantwortung tragen. Kriegerische Auseinandersetzungen bedrohen das unmittelbare Überleben und die Zukunft von Kindern, die in Notsituationen am verwundbarsten sind. Konflikte, die bereits mehrere Jahre andauern – wie etwa in Syrien, dem Irak oder dem Jemen – werden immer komplexer und bringen neue Wellen an Gewalt, Vertreibung und Zerrüttung in das Leben von Kindern. Unzählige Mädchen und Buben werden ihrer Kindheit beraubt. Viele von ihnen kennen kein Leben in Frieden. Ihr Alltag ist bestimmt von Gewalt, Verlust und bitterer Armut. In Syrien leben mittlerweile 85 Prozent der Bevölkerung in Armut, im Jemen sind es knapp 80 Prozent. Viele Kinder müssen deshalb helfen, ihre Familien zu versorgen, arbeiten auf Feldern oder in Werkstätten. Mädchen heiraten oft viel zu früh. Im Jemen werden fast drei Viertel der Mädchen und Frauen vor ihrem 18. Geburtstag verheiratet. Rund ein Viertel der zivilen Todesopfer in Syrien sind Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren. Die überlebenden Kinder müssen mit den schrecklichen Folgen der Konflikte aufwachsen. Viele von ihnen erleiden durch den Krieg bleibende körperli-

SAKINA (12) AUS DEM IRAK: „Wir haben so viele Träume! Wir möchten Ärztinnen, Lehrerinnen, Übersetzerinnen oder Künstlerinnen werden. Aber für uns Mädchen ist es sehr schwer. Es gab hier im Camp ein Mädchen, das plötzlich heiraten musste. Mit erst 13 Jahren!“

che oder psychische Schäden. Der fehlende Zugang zu guter medizinischer und psychologischer Behandlung führt dazu, dass sie sich langsamer von ihren Verletzungen erholen oder sich ihr Zustand sogar verschlechtert. Für Kinder mit Behinderungen ist außerdem der Zugang zu Bildung und Dienstleistungen erschwert. Viele Familien können sich eine angemessene Behandlung oder Therapie nicht leisten. Ohnehin ist in vielen Teilen Syriens eine gute medizinische Versorgung nicht möglich, weil Krankenhäuser und Personal fehlen. Nur rund die Hälfte der Gesundheitseinrichtungen ist voll funktionsfähig.

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© UNICEF/UN0136261/Anmar

Die Welt wird ein immer gefährlicherer Ort für viele Kinder. Fast jedes vierte Kind wächst derzeit in einem Krisengebiet auf. Für zu viele dieser Kinder gleicht ihr Leben einem Albtraum.

HANAA (8) AUS SYRIEN: „Ich möchte später gerne Physiotherapeutin werden, um Kindern wie mir zu helfen. Mein zweiter großer Traum ist, dass der Frieden zurück in mein Land kommt.“ Seit einem Bombenanschlag sitzt sie im Rollstuhl.

Oberoesterreicherin mai 2018  
Oberoesterreicherin mai 2018