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Kultur

Ja, das

STUDIUM DER

WEIBER ist schwer!

Die Volksopern-Diva und der Chefdramaturg. Die lustige Witwe und der Njegus. Cornelia Horak und Christoph Wagner-Trenkwitz. Ein kongeniales Ehepaar, das heuer gemeinsam auf der Bühne von Schloss Haindorf steht. Das Doppelinterview. Text: Angelica Pral-Haidbauer

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ein, Berufsschauspieler ist er keiner. Im Kellertheater hat er gespielt, mit dem Niavarani und Viktor Gernot, dann hat er dieses Talent lange unterdrückt, bis es vor einigen Jahren wieder „rausgekommen“ ist, erzählt uns Christoph Wagner-Trenkwitz, als wir ihn gemeinsam mit seiner Frau, der Sopranistin Cornelia Horak, im Café Museum zum Interview treffen. Es geht um „Die lustige Witwe“, in der die beiden heuer gemeinsam bei den Schlossfestspielen Langenlois spielen werden. Und dann ist man mittendrin, in einem Gespräch, dominiert von einem in der Person des Musikwissenschaftlers Trenkwitz fleischgewordenen Opernlexikons, so ganz nebenbei aus seinem Schatz an Wissen schöpfend und die herrlichsten Anekdoten preisgebend, gewürzt mit überaus klugen wie auch humorvollen Einwürfen seiner Cornelia, die bereits mehrfach in

Fotos: Viktória Kery-Erdélyi

der Hauptrolle der Operette brillierte – und uns auch so einiges vom privaten Leben des Paares verrät. Als wir dann hinüber gehen ins Theater an der Wien, an jenen Ort, an dem „Die lustige Witwe“ am 30. Dezember 1905 unter dem Dirigat des Komponisten Franz Léhar uraufgeführt wurde, liegt ein leiser Walzer in der Luft – gerade so, als ob die Geigen flüstern würden: „s’ ist wahr, s’ ist wahr, sie hat ihn lieb...“ NIEDERÖSTERREICHERIN: „Die lustige Witwe“ wurde zum größten Erfolg Franz Lehárs. Was fasziniert Sie an dieser Operette? Christoph Wagner-Trenkwitz: Dass außer Lehár niemand an dieses Stück geglaubt hat. Bei der Generalprobe haben die armen Librettisten in der Pause der Generalprobe einige Lampions vom Naschmarkt geholt, um das „Fest“ auszustatten. Es war scheinbar eine Totgeburt, dem Direktor war die Mu68

sik nicht ansprechend genug. Aber das Publikum war g’scheiter als die alten Theaterhasen und hat daraus einen Erfolg gemacht. In der Uraufführung hat es auch keinen Text zu „Lippen schweigen“ gegeben, es war ein stummer Walzer. Erst das Publikum hat einen Text gefordert, und so ist die Aufführung über die Jahre gewachsen. Die Hälfte der Sachen, die uns lieb und vertraut sind, gab es damals noch nicht. „Die lustige Witwe“ ist wirklich zeitlos und steht bis heute an der Spitze der drei großen Operetten... Cornelia Horak: Für mich sind Hanna Glawari, die lustige Witwe, und Valencienne zwei moderne Frauen, die man genauso interpretieren kann, wie man sich heute fühlt. Hanna ist eine toughe, selbstbewusste Frau, die Geld hat und macht, was sie will – und die Musik ist ohne Widersprüche. WT: Das Jahr 1905 war ja auch die Geburt der modernen Frau. Bis dahin

Niederösterreicherin Juli/August