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Wilfried Schulte (Hrsg.)

Ein einzigartiges Geschenk ‌ fßr das ganze Leben


EIN EINZIGARTIGES GESCHENK ... f端r das ganze Leben

Dieses Buch wurde Ihnen 端berreicht von

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Die Texte wurden dem Magazin NEUES LEBEN entnommen. Weitere Infos und Bestellmöglichkeit: www.neuesleben.com Die Bibelverse wurden zitiert nach „Die Gute Nachricht Bibel“, © 2000 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart Schulte, Wilfried (Hrsg.) Ein einzigartiges Geschenk ... für das ganze Leben ISBN 978-3-86353-037-2 ©2013 Koproduktion Christliche Verlagsgesellschaft mbH, Dillenburg, www.cv-dillenburg.de Neues Leben Medien e. V., Wölmersen, www.neues-leben.de/medien Redaktion: Wilfried Schulte Bildnachweis: istockphoto.com | Umschlag: Anna Omelchenko, S.5: Rich Vintage, S.11: mujdatuzel, S.29: AVTG, S.37: duckycards, S.43: partyof7; photocase.com | S.17: soundso, Druck und Bindung: BasseDruck, Hagen Printed in Hungary

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INHALT

4  ANGEDACHT: Warum Weihnachten einzigartig ist Von Wilfried Schulte 9  IMPULS: Ohne Glanz und Gloria Von Steffen Schulte 15  ERLEBT: Ein neues Herz zu Weihnachten Von Dan Krainert 23  NACHGEFRAGT: Warum feiern wir Weihnachten ausgerechnet am 25. Dezember? Von Prof. Dr. Christoph Stenschke 27  ERZÄHLT: Das Licht in meinem Herzen Von Helen Lescheid 35  ERZÄHLT: Das Lamm Gottes Von Klaus Riebesehl 41  NACHGEFRAGT: „Wie konnte Gott Menschen werden, Herr Professor?“ Ein Interview mit dem Theologen Dr. James I. Packer 56  MIT GOTT PER DU

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ANGEDACHT

WARUM WEIHNACHTEN EINZIGARTIG IST Es heißt, Feste solle man feiern, wie sie fallen. Wobei „Fest“ und „Fest“ ja nicht unbedingt dasselbe ist. Weihnachten ist ein Fest mit einem ganz besonderen Charakter, an das wir hohe Erwartungen haben. In einer Welt der Unruhe soll es uns den Platz der Ruhe und Geborgenheit geben. In einer Zeit, in der Werte im Wandel sind und die Schnelllebigkeit uns auf Trab hält, erwarten wir von Weihnachten Erinnerungen, die uns Mut für morgen ma-

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chen. Der Weihnachtsbaum, die Lichter, die Geschenke, das familiäre Zusammensein sind für viele Menschen ein Ruhepunkt in ihrem hektischen Leben, das sie wie in einer Zentrifuge an die Wand drückt. Aber Weihnachten ist mehr als ein Fest, es ist das Fest überhaupt. Schon von jeher diente das Feiern von Festen dazu, sich wichtige Geschehnisse des Lebens in Erinnerung zu rufen. Im Alten Testament, im 2. Buch Mose Kapitel 12, Vers 14, wird beschrieben, dass das Volk Israel einen Gedenktag beging, um die Befreiung durch Gott und den Auszug aus Ägypten nicht zu vergessen. Das Fest diente dazu, das Wesentliche von einer Generation zur nächsten weiterzugeben. Es sollte die nachfolgenden Generationen zu der Frage anregen: „Warum feiern wir?“ Das gilt auch für Weihnachten. Warum feiern wir überhaupt? Bei Weihnachten geht es um Jesus, den Sohn Gottes, der als Mensch in diese Welt geboren wurde. Vielleicht fragen Sie sich: „Wozu brauche ich diesen Jesus überhaupt? Warum soll ich gerade dieses Fest feiern?“ Dann möchte ich Ihnen gerne drei Gründe nennen, warum Sie dieses Fest feiern dürfen: 1. Wir brauchen Weihnachten, weil jeder von uns eine Vergangenheit hat. Jeder von uns bringt eine Vergangenheit mit, in die er selbst nicht mehr zurückgehen kann, und so auch das

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„Jeder von uns bringt eine Vergangenheit mit, in die er selbst nicht mehr zurückgehen kann. Aber Jesus kann das.“ nicht mehr gutmachen kann, was falsch gelaufen ist. Aber Jesus kann das. In der Bibel steht, dass er derselbe gestern, heute und für immer ist (Hebräer 13,8). Er kann in Situationen zurückgehen, in denen Sünde, Schuld und Versagen unser Leben gekennzeichnet haben, und uns Vergebung bringen. Er versöhnt uns mit Gott und schenkt uns damit einen neuen Anfang. 2. Wir brauchen Weihnachten, weil wir einen Freund nötig haben. Obwohl Jesus unsere Schwächen kennt, bleibt er an unserer Seite. Er kennt uns durch und durch. Er weiß um die schlimmsten Gedanken, die in unserem Herzen verborgen sind. Und trotzdem schenkt er uns sein volles Ja und seine Annahme. Warum? Weil er uns nicht allein sieht, wie wir sind, sondern auch als die, die wir durch ihn sein werden. Er selbst will uns die Kraft schenken, anders zu leben. 3. Wir brauchen Weihnachten, weil Jesus unsere Zukunft in seinen Händen hält. Nur in den Händen Gottes, der Sie über die Maßen

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liebt, sind Sie sicher und geborgen – heute, morgen und in alle Ewigkeit. In seinem Wort sagt er: „Denn mein Plan mit euch steht fest: Ich will euer Glück und nicht euer Unglück. Ich habe im Sinn, euch eine Zukunft zu schenken, wie ihr sie erhofft. Ich, der Herr, sage es. Ihr müsst euch mir zuwenden und zu mir um Hilfe rufen, dann werde ich euch erhören. Ihr müsst mich mit ganzem Herzen suchen, dann lasse ich mich von euch finden“ (Jeremia 29,11–13). Dass Jesus, der Heiland, der Retter und Herr, zu uns Menschen in diese Welt gekommen ist, ist ein Grund zum Feiern. Und das muss sich nicht auf einen Tag beschränken. Wer sein Vertrauen auf Jesus Christus setzt und sein Wort zur verbindlichen Richtschnur des Lebens macht, der erlebt, dass Jesus jeden Tag bei ihm ist und damit auch die Freude von Weihnachten: das Wissen um das Geschenk der Liebe Gottes.

Wilfried Schulte ist Direktor des Missions- und Bildungswerkes NEUES LEBEN.

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IMPULS

OHNE GLANZ UND GLORIA Der Allmächtige kam auf leisen Sohlen und veränderte so die Welt. Eigentlich ist die erste Weihnachtsnacht eine Nacht wie viele vorher: Tau bildet sich auf den Feldern und die Sterne strahlen hell und klar. Und doch ist irgendetwas anders als sonst. Denn in dieser Nacht kommt Gott. Doch Gott kommt still. Er kommt ohne große Werbekampagne. Kein Gipfeltreffen wird einberufen und er wird auch nicht in einem Luxushotel untergebracht. Nein, Gott wird in

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einer Notunterkunft geboren, weil es keinen besseren Platz gibt. Gott kommt als Mensch – nicht als Übermensch und nicht als Supermann. Er kommt als Baby, als hilfloser Säugling – ganz klein, ganz verletzbar, ganz abhängig von der Fürsorge zweier Menschen. Doch nicht die Crème de la Crème damaliger Lehrer, Berater und Erziehungswissenschaftler ist für ihn zuständig, sondern ein ganz junges und unerfahrenes Ehepaar: Maria und Josef. Wichtige unwichtige Leute Und als ob das nicht schon reichte, werden dazu auch noch die falschen Menschen über sein Kommen informiert. Kein Begrüßungskomitee, das aus ranghohen Vertretern aus Wirtschaft und Politik besteht, wird eingeladen, sondern einfache Hirten. Es ist Weihnachten – und Gott kommt an den „falschen“ Ort und zu den „falschen“ Leuten. Nicht zu den Wichtigen, sondern zu den Unwichtigen. Hirte zu sein war im antiken Israel kein romantischer Beruf, wie wir es uns heute gerne vorstellen: ein Aussteigerjob für philosophierende Lebenskünstler, die fernab der hektischen Welt im Einklang mit der Natur leben und ihre Herden durch sanfte Hügellandschaften treiben. Hirten im damali-

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gen Israel waren schroffe Kerle, die einer Arbeit nachgingen, die keiner machen wollte. Ja, mit Hirten hatte man keinen Umgang! Hirten wurden auch nicht als Zeugen bei Gericht zugelassen, weil man kategorisch davon ausging, dass sie alle Lügner und Betrüger seien. Und genau sie macht Gott zu den ersten Zeugen des größten Ereignisses der Menschheitsgeschichte (siehe Lukas 2,8-20). Diener der Welt Weihnachten kommt Gott. Doch er kommt nicht, um eine Show zu machen, nicht, um zu herrschen, nicht, um sich bedienen zu lassen oder um irgendetwas für sich zu tun, sondern Gott macht sich auf und kommt als unser Retter. Als der, der uns einen Ausweg aus dem Gefängnis der Verlorenheit zeigt, in dem wir festsitzen. Einen Ausweg aus der Not, die wir jeden Tag erleben: zu viel Gewalt und Feindseligkeit, zu viel Ausbeutung und Ungerechtigkeit. Und das nicht nur in der Welt, sondern auch in unseren Herzen. Gott kommt als unser Retter. Doch warum kommt er bloß so unscheinbar? Warum gibt es keinen großen Knall? Warum bricht nicht überall der Himmel auf und Engel erscheinen allen Menschen und nicht bloß ein paar Hirten? Warum wählt er kein komfortableres Zu-

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hause? Warum keine qualifizierteren Eltern? Warum platziert er sich strategisch nicht besser, sodass die wichtigen Entscheidungsträger ihn ernst nehmen? Weil Gott kommt! Nicht ein Mensch, nicht wir kommen, sondern Gott. Das ist der Unterschied. Gott kommt – und die Art und Weise, wie er kommt, sagt uns etwas über seinen Charakter, darüber wie er ist. Der Apostel Paulus beschreibt es im Brief an die Philipper so: „Er war in allem Gott gleich, und doch hielt er nicht gierig daran fest, so wie Gott zu sein. Er gab alle seine Vorrechte auf und wurde einem Sklaven gleich. Er wurde ein Mensch in dieser Welt und teilte das Leben der Menschen. Im Gehorsam gegen Gott erniedrigte er sich so tief, dass er sogar den Tod auf sich nahm, ja, den Verbrechertod am Kreuz“ (Philipper 2,6–8). So ist Gott! Wir feiern Weihnachten, weil damals das größte Wunder geschah und wir das schönste Geschenk aller Zeiten erhielten: Gott kam als Mensch – und er kam, um etwas zu tun. Nicht, um uns zu beschweren. Nicht, um sich dienen zu lassen oder weil ihm etwas fehlte. Und auch nicht, weil er uns brauchte. Er kam, um das zu tun, was wir für uns selbst nicht tun können. Wir feiern Weihnachten, weil Gott nicht auf

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Distanz geblieben ist. Gott hat sein Herz nicht erst weichklopfen lassen, sondern er kommt zu uns, um uns retten, weil er uns liebt. Sein Wesen ist Liebe – und darum kommt er. Gott ist nicht apathisch, ist uns und unserer Not gegenüber nicht gleichgültig. Er macht sich klein und hilflos, damit wir die Hilfe erfahren, die wir so dringend brauchen. So ist Gott: ein Gott voller Herrlichkeit, Macht und Reichtum. Und doch wendet er sich den Geringsten und Verlorenen zu. Ein Gott, so groß, dass es für ihn kein Verlust ist, sich klein zu machen. Ein Gott, so voller Hingabe zu seinen Menschen, dass er kommt, um ihnen zu dienen. Ein Gott, so voll Liebe, dass er alles gibt, sich selbst gibt, damit wir leben können. Der Retter, der in jener Nacht auf so unscheinbare Weise geboren wurde, lädt uns auch heute ein, die Last unserer Schuld auf ihn zu laden: „Kommt her, alle die ihr mühselig und beladen seid. Ich will euch erquicken“ (Matthäus 11,28). Wer dieses Angebot annimmt, für den wird wirklich Weihnachten. Und das nicht nur an ein paar Tagen im Dezember, sondern an jedem Tag des Jahres. Steffen Schulte

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ERLEBT

EIN NEUES HERZ ZU WEIHNACHTEN Im Dezember 1980 sieht es danach aus, dass Dan Krainert sein letztes Weihnachtsfest feiern wird. Doch dann macht ihm jemand ein unerwartetes Geschenk. „Der Doktor sagt, dass ich über Weihnachten nach Hause darf.“ Ich legte den Telefonhörer auf und wandte mich meinen Eltern zu. Als ob das eine gute Nachricht wäre, lächelten wir uns an. Doch wir wussten, dass es in Wirk-lichkeit nicht so war. Es war der 22. Dezember 1980, und wir lebten schon monatelang in dem reser-

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vierten Appartement, einen Block von dem medizinischen Zentrum von Stanford in Palo Alto, Kalifornien, entfernt. Hier warteten Patienten wie ich auf eine Organtransplantation. Ich war achtzehn und benötigte nicht mehr und nicht weniger als ein neues Herz.

Mein letztes Weihnachtsfest? Meine Mutter telefonierte bereits mit meiner Großmutter, die in unserem Haus in Napa war, und meldete uns an: „Wir kommen nach Hause!“, rief sie. „Lasst uns richtig Weihnachten feiern!“ Als wir drei unsere wenigen Habseligkeiten zusammenpackten, war ich innerlich zerrissen: Ein Teil von mir wünschte sich, dass jetzt nicht Weihnachtsferien wären. Ja, ich wollte das Zuhausesein genießen; doch wussten wir alle, dass ich ohne Transplantation bald sterben würde. Welchen Sinn hatte es, Weihnachten zu feiern? Doch schon bald waren wir auf dem Weg nach Hause. Meiner Familie gegenüber wollte ich mich fröhlich und guter Dinge geben, und ich war mir sicher, dass sich meine Familie ebenso verhielt. Der Blick aus dem Autofenster war abwechslungsreich und spannend für mich. Monatelange Krankenhausaufenthalte sind für jeden hart, aber für einen jungen Menschen

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wie mich waren die trostlosen weißen Wände und der antiseptische Geruch geradezu erstickend. Nun wirkten die Farben, Geräusche und sogar die Auspuffgase auf der Autobahn belebend auf mich. Ich hatte schwere Jahre hinter mir. Ich wurde mit einer degenerativen Herzerkrankung geboren, die sich aber seltsamerweise nicht so bemerkbar machte, als ich noch ein Baby war. Ich konnte ein normales Leben führen. Meine Schultage waren mit Freunden, Kino und Ballspielen ausgefüllt. Das Leben war schön. Dann, im ersten Jahr an der weiterführenden Schule, brach die Herzerkrankung aus, und die Unbeschwertheit meines bisherigen Lebens hatte ein Ende. Jetzt, in diesem Augenblick, als ich auf dem Autorücksitz saß, spürte ich mein erschöpftes, angeschlagenes Herz wie wild in meiner Brust klopfen. Lange würde es nicht mehr durchhalten. Auf dieser langen Heimreise kurz vor Weihnachten versuchte ich, mich auf all die guten Dinge zu konzentrieren, die mir widerfahren waren. Zuerst war ich durch die Vermittlung unseres Hausarztes auf die Transplantationsliste gesetzt worden. Dann, als alles so aussah, als ob das nötige Geld für die Operation beim besten Willen nicht aufzutreiben wäre, sprangen die Bürger meiner Heimatstadt ein, um mir zu helfen. Durch verschiedene Projekte, wie

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zum Beispiel Kuchenverkäufe, wurde das Geld zusammengetragen. Freunde, Bekannte und sogar Wildfremde spendeten Blut. Für all diese Opfer wollte ich dankbar sein; doch es war alles so sinnlos, wenn ich kein neues Herz bekommen würde! Mein Vater fuhr den Wagen durch die mir vertrauten Straßen von Napa und bald erreichten wir die Auffahrt unseres weißen Hauses. „Sie haben ein Herz!“ Die Haustür öffnete sich und meine Großmutter kam uns entgegen. Was hatte sie nur? „Fahrt zurück!“, rief sie aufgeregt. „Sie haben ein Herz! Sie haben die ganze Zeit versucht, euch zu finden! Die Suchmeldung kam sogar über Radio!“ – „Sie haben ein Herz?“, stammelte mein Vater. „Ja, aber es kann nur bis halb fünf konserviert werden; jetzt ist es drei Uhr fünfundzwanzig!“ Wir sahen uns an, alle im Schock. Die Rückfahrt nach Palo Alto würde anderthalb Stunden dauern. Aber Großmutter hatte schon weiter geplant. „Wir haben ein Privatflugzeug gechartert!“, sagte sie. Noch während sie sprach, hielt ein Streifenwagen vor unserer Einfahrt. „Steigen Sie ein!“, schrie der Polizist. „Wir bringen Sie zum Flughafen!“ Unser Rennen gegen die Zeit begann. Der Streifenpolizist raste mit uns zum Flughafen,

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und ein Pilot mit einer kleinen Cessna flog uns nach Palo Alto. Ein Krankenwagen brachte uns in Windeseile die letzten Meilen von der Landebahn zum Krankenhaus. Wir kamen um genau vier Uhr sechsundzwanzig im medizinischen Zentrum an; uns blieben vier Minuten! Im Vorbereitungsraum gaben mir die Ärzte Medikamente, die die mögliche Abstoßreaktion meines Körpers verhindern sollten. In einer Ecke des Raumes stand ein Radio, und ich hörte, dass der Nachrichtensprecher meinen Namen nannte und die Zuhörer bat, eine stille Minute zum Gebet einzulegen, da meine Operation nun unmittelbar bevorstand. In diesem Moment betete auch ich. Mutter und Vater warteten mit mir. „Ich würde alles dafür geben, mit dir tauschen zu können, mein Sohn“, sagte mein Vater. Mutter hielt ihr Ohr an mein hämmerndes Herz. „Ich kann es hören“, sagte sie. „Morgen wird es ein anderes Geräusch machen“, antwortete ich. Dann gab ich ihr die Karte, die ich in der Hand hielt, auf der das Angebot aus dem biblischen Buch Hesekiel stand: „Ich gebe euch ein neues Herz und einen neuen Geist“ (Kapitel 36, Vers 26). Zwei Tage nach der Operation konnte ich im Bett aufgerichtet werden. Ich hatte zwar große Schmerzen im Brustraum, aber da war noch etwas: Ich konnte zum ersten Mal seit

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„Mutter hielt ihr Ohr an mein hämmerndes Herz. ,Ich kann es hören.‘ ,Morgen wird es ein anderes Geräusch machen‘, antwortete ich.“ zwei Jahren mein Herz nicht spüren! Meine Familie stand draußen vor dem Fenster meines Zimmers. Alle hatten sich seltsam aussehende sterile Kittel, Handschuhe und einen Gesichtsschutz anziehen müssen. Nur zwei konnten mich zur gleichen Zeit besuchen. „Frohe Weihnachten, Dan!“, sagte meine Mutter. Weihnachten – es war Heiligabend. Leonards Herz Erst vor wenigen Tagen hatte ich über den Sinn nachgedacht, Weihnachten überhaupt zu feiern. Jetzt hatte ich allen Grund der Welt zum Feiern! Mit zitternden Händen gab Mutter mir eine Bibel. Wir schlugen Lukas 2 auf, und jeder hörte ruhig und andächtig zu, als ich den Abschnitt der Geburt Jesu Christi vorlas. Danach brachte mir die Schwester einen großen Stapel Post. All diese Karten! – Viele mir wildfremde Menschen schrieben, sie hätten für mich gebetet. Ich war zutiefst gerührt. Wir öffneten die Briefe und lasen

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jeden laut vor, bis wir zu einem mit einer Postleitzahl aus dem Mittleren Westen kamen. Nach wenigen Zeilen hielt ich inne, weil ich nicht mehr weitersprechen konnte. „Dan, was ist das für ein Brief?“, fragte mein Vater. Mit heiserer Stimme las ich: „Lieber Dan, auch wenn wir dich nicht kennen, fühlen wir uns deiner Familie verbunden. Unser einziger Sohn, Leonard, hat dir sein Herz gespendet. Der Verlust von Leonard ist so viel leichter zu verkraften, weil wir wissen, dass du nun sein Herz trägst. Mit all unserer Liebe, Paul und Barbara Chambers.“ Ich konnte die Tränen nicht länger zurückhalten. Denn plötzlich wusste ich genau, warum wir Weihnachten feiern: Durch seinen Tod hatte mir der einzige Sohn der Chambers mein Leben gegeben. Durch seinen Tod hat Gottes einziger Sohn den Menschen das Leben gegeben – ewiges Leben. Ich musste meine Dankbarkeit darüber unbedingt laut hinausschreien. „Ich danke dir, Herr, dass du geboren wurdest!“, rief ich. Und als ich an den jungen Mann dachte, der die Organspenderkarte unterzeichnet hatte, sagte ich leise: „Gott segne dich!“ Denn er hatte mir das schönste Weihnachtsgeschenk gemacht, das man sich vorstellen kann. „Gott segne dich, Leonard Chambers!“ Dan Krainert

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Ein einzigartiges Geschenk (Vorschau)