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Autobiographie und Professionsgeschichte Autobiographies and the history of professions

Forschungsprojekt Research project www.ltg.ar.tum.de Leitung Head Tobias Zervosen Lehrstuhl für Theorie und Geschichte von Architektur, Kunst und Design Chair of Theory and History of Architecture, Art and Design Prof. Dietrich Erben Laufzeit Duration seit 2013

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Das Projekt soll sich einer Gruppe von Texten widmen, deren Verfasserinnen und Verfasser sich das Schreiben nicht zu ihrer Hauptaufgabe gemacht haben, sondern die sogenannten bürgerlichen Berufen nachgehen. Wie die Anzahl der Bücher selbst, so sind auch die Verfasser in ihren sozialen Profilen und Positionen schwer zu überschauen – es handelt sich um Politiker und Wissenschaftler, um Unternehmer und Sportler, um Architekten oder um Bildende Künstler und Musiker. Autobiographien stellen für die Angehörigen dieser Berufe neben dem Kerngeschäft ihrer jeweiligen Profession eine weitere Form der öffentlichen Mitteilung dar, sie sind als Publikationen an eine breitere Öffentlichkeit adressiert und daher auf Publikumswirksamkeit zugeschnitten. Doch sie sind auch weiterhin fachlichen und berufsspezifischen Interessen verpflichtet. Der Quellenkorpus der hier versuchsweise als „Professionsautobiographien“ bezeichneten Bücher ermöglicht es, über die Kulturen von praktischen, wissenschaftlichen und künstlerischen Berufen Auskünfte zu erhalten. Dies betrifft für den Untersuchungszeitraum seit dem späteren 19. Jahrhundert die Rekrutierungsstrategien in solchen Berufen ebenso wie das Selbstbild der Berufstätigen sowie die Außendarstellungsziele der jeweiligen Profession. Grundsätzlich dokumentiert sich in Autobiographien eine auch andernorts zu beobachtende neue Emphase im Hinblick auf den Stellenwert der eigenen biographischen „Erfahrung“ des Verfassers und des Beharrens auf dem eigenen „Erleben“. Dies betrifft nicht nur generell die eigene „Zeitgenossenschaft“ als Wertinstanz, sondern gilt speziell auch für den biographischen Weg, der zur Berufswahl geführt hat. Darüber hinaus geben Autobiographien von Angehörigen unterschiedlicher Professionen Anlass, darüber nachzudenken, in welcher Form in ihnen schöpferische Arbeit und Produktivität geschildert werden. Sie können damit über einigermaßen grundlegende, bis heute immer noch rätselhafte Bedingungen von Kreativität Auskunft geben. Das Projekt beruht auf einem am Lehrstuhl für Theorie und Geschichte von Architektur, Kunst und Design angesiedelten Forschungsprojekt zu Architektenautobiographien, das nun thematisch breiter konsolidiert werden soll. Mit den Professionsautobiographien kommen zahlreiche Berufssparten in den Blick, deren Angehörige bevorzugt an Universitäten ausgebildet wurden und bis heute werden, womit sich das Thema auch für die Selbstreflexion dieser Institution aus professionsgeschichtlicher Warte als relevant erweist. Das Projekt beinhaltet eine Tagung, die im April 2016 an der TUM stattfinden wird und eine daraus resultierende wissenschaftliche Publikation.

Focus Area – Cultural Heritage, History and Criticism

The project examines a group of texts by people who are not writers by occupation but have other so-called “professions”. Like the number of books themselves, it is hard to obtain a clear picture of the social profiles and positions of the authors. Typically, they are politicians and scientists, men and women in business or sports, architects, artists or musicians. For these professions, autobiographies represent an additional channel of public communication outside their primary profession, and as such address a wider audience and are written accordingly to appeal to them. But they also invariably revolve around the author’s profession and the aspects of particular interest to it. The body of texts, which one might tentatively call “autobiographies of professions”, reveal much about the cultures of the respective practical, scientific and artistic professions. For the period of study – here the late 19th century – they reveal as much about the recruiting strategies of such professions as they do about the way the practitioners see themselves, as well as the public aspirations of the professions. These autobiographies also testify to a new emphasis, also seen elsewhere, on the value of personal biographical “experience” (as gained) and the focus on own “experience” (as lived). This concerns not only the author’s “contemporaries” in general as representatives of a set of values but specifically the personal biographical journey that led to the choice of profession. In addition, autobiographies provide an opportunity for members of different professions to reflect on how best to communicate their creative work and productivity. This can provide us with insight into both the more fundamental aspects of a profession as well as into the elusive conditions under which creativity arises, which remain hard to pin down to the present day. The project is an extension of a research project at the Chair of Theory and History of Architecture, Art and Design on autobiographies by architects but has a broader thematic focus. The professional autobiographies consider numerous professional fields, most of which required, and still require, some form of university-level education. As such, the topic is also relevant as a vehicle for reflecting on our own institute as a guardian of the profession’s history. The project included a congress at the TUM that takes place in April 2016 and a corresponding academic publication.

Profile for Fakultät für Architektur TU München

Jahrbuch 2015  

Jahrbuch der Fakultät für Architektur, TUM mit einem Schwerpunkt auf Forschung und Entwicklung

Jahrbuch 2015  

Jahrbuch der Fakultät für Architektur, TUM mit einem Schwerpunkt auf Forschung und Entwicklung

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