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Sammlungen erhalten: Die Temperierung als Mittel der Präventiven Konservierung in Museen – eine Bewertung Collection preservation: Temperature Control as a Means of Preventive Conservation in Museums – an Evaluation

Sammeln, Erforschen, Vermitteln und Bewahren sind die zentralen Aufgaben eines Museums. Für den langfristigen Erhalt der unserer Generation anvertrauten Kunstwerke und historischen Gebäude sind passende Umgebungsbedingungen essentiell. Zur Verbesserung der klimatischen Situation in kleineren und mittelgroßen Museen werden durch die Landesstelle für die nichtstaatlichen Museen in Bayern seit rund 30 Jahren Temperieranlagen zur Stabilisierung des Raumklimas eingesetzt. Das Ziel des Betriebs der Museen mit Temperierung ist, die Museen, die meist in denkmalgeschützten, nicht ursprünglich als Museum konzipierten Gebäude untergebracht sind, mit geringem technischen und finanziellen Aufwand konservatorisch zu beheizen. Bislang fand keine systematische Untersuchung der Wirkung der auf empirischer Basis entwickelten Systeme und Varianten auf das Bauteil, das Raumklima und die daraus resultierende Erhaltung der Sammlung statt. Bauphysiker und Restauratoren erforschen im Rahmen des Forschungsprojektes gemeinsam 18 Museen in Bayern, die mit einer Temperieranlage ausgestattet sind, um das Wissen über die Präventive Konservierung zum Erhalt von Sammlungen am Beispiel der Temperierung zu erweitern. Museen, die ausschließlich mit einer Temperieranlage ausgestattet sind, können die engen, aktuell gängigen Sollwerte von 20 °C und 50 % relativer Feuchte nicht ganzjährig erfüllen. Insbesondere hinsichtlich der Temperatur ist eine Aufweitung der klimatischen Zielvorgaben für Museen mit Temperierung essentiell. Doch inwieweit diese Standards aufgeweitet werden können, ohne das uns anvertraute Kunst- und Kulturgut zu gefährden, steht aktuell in der Diskussion. Hierzu gibt es bereits zahlreiche Laboruntersuchungen an meist ungealterten Materialien, die häufig auf gealterte Kunstwerke übertragen werden. Mit den konservierungswissenschaftlichen Untersuchungen im Forschungsprojekt konnte gezeigt werden, dass rechnerische Untersuchungen zur Risikobewertung für klimatisch bedingte Schäden an Sammlungen kritisch betrachtet und mit der realen Sammlung verglichen werden müssen. Daneben stellt die Temperierung ein sinnvolles System für die Präventive Konservierung oder eine Ergänzung zu einem bestehenden Raumklimakonzept dar. Schäden an bodenberührten Bauteilen und Wärmebrücken können so reduziert oder vermieden werden.

Collecting, studying, communicating, preserving -- those are the crucial tasks of any museum. For the long-term preservation of the artworks and historical buildings entrusted to our generation, appropriate environmental conditions are essential. In order to improve the climatic environment in small and mid-size museums, the State Office for Non-Public Museums in Bavaria has used temperature control systems for 30 years. The goal is to have conservationally appropriate temperature control in buildings that are often protected landmarks and were not originally conceived as museums, while limiting financial and technical expenditures. While the temperature control systems and any variants were developed on an empirical basis, there has not been any sytematic study of their impact on the buildings, the climatic environment, or the preservational state of the collections. In the course of this research project, building physicists and restoration specialists are studying 18 museums in Bavaria that have been fitted with temperature control systems, in order to broaden our understanding of preventive measures for the preservation of art collections. Museums that rely exclusively on temperature control systems cannot maintain the currently accepted, narrow target values of 20 ° Celsius and 50% relative humidity year round. Especially regarding temperature, a loosening of the target values is essential for temperature controlled museums. However, it is currently unclear how far the standards can be loosened without endangering the art works and cultural assets. There have been a number of laboratory studies using nonaged materials, which are often transferred to aged art works. This conservation science research project was able to demonstrate that mathematical studies evaluating the risk of climatically induced damage to collections need to be critically assessed and compared against the actual collection. Additionally, a temperature control system can be a useful tool for preventive preservation, or it can supplement an existing climate control system. Damages to building parts that have ground contact or thermal bridges can be reduced or avoided altogether.

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Forschungsprojekt Research project www.rkk.ar.tum.de Leitung Head Dr. Astrid Pellengahr, Landesstelle für die nichtstaatlichen Museen in Bayern Bearbeiter Editor Dipl. Restauratorin (Univ.) Susanne Raffler Förderung Funding VW-Stiftung „Forschung in Museen“; Ernst von Siemens Kunststiftung in Zusammenarbeit mit in collaboration with Landesstelle für die nichtstaatlichen Museen in Bayern, Susanne Rissmann (Koordination), Georg Waldemer, Alexander Wiessmann; Lehrstuhl für Restaurierung, Kunsttechnologie und Konservierungswissenschaft, Erwin Emmerling, Susanne Raffler; Fraunhofer Institut für Bauphysik Holzkirchen: Ralf Kilian; Stefan Bichlmair Laufzeit Duration 11 2011 - 11 2015

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Jahrbuch 2015  

Jahrbuch der Fakultät für Architektur, TUM mit einem Schwerpunkt auf Forschung und Entwicklung

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