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ges Beispiel darstellt: So ist die prominente Rolle der Ideologie in der Deutung des südlichen Mittelalters besonders in den in Deutschland geführten theoretischen Debatten und in der auf dortigem Boden errichteten Architektur ebenso zu greifen, wie in den emotionalen Reaktionen und patriotischen Empfindungen der Reisenden aus Deutschland, wenn sie mit normannischen und staufischen Bauwerken konfrontiert wurden. Statt also ein lokales Narrativ oder eine Mikro-Geschichte eines einzigen Aspekts dieser Wiederentdeckung zu rekonstruieren, soll das Phänomen als Ganzes durch spezifische Beispiele betrachtet werden, die mit Hilfe verschiedener und sich gegenseitig ergänzender Quellen – darunter etwa Reiseberichte, Zeichnungen und Illustrationen, kunstgeschichtliche Literatur und architektonische Entwürfe – analysiert werden. Gliederung Eine Annäherung an den Forschungsgegenstand soll anhand von drei unabhängigen, aber nicht zueinander beziehungslosen Themen erfolgen: Wie drei konvergierende Vektoren tragen Reise, Theorie und Entwurf zum selben Narrativ bei. Zunächst soll die Leistung der Reisenden untersucht werden, mit dem Ziel, eine Art „Genealogie“ der Wiedererforschung der mittelalterlichen Architektur Süditaliens zu gewinnen. Diese ist freilich sowohl für unsere Kenntnis der Geburt des Phänomens von entscheidender Bedeutung als auch für die Erforschung seiner theoretischen und methodischen Grundlagen. Sodann soll eine

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Focus Area – Cultural Heritage, History and Criticism

Structure In this project, the topic is approached through three independent, but not unrelated, main themes. Like three converging vectors, the themes “journey”, “theory” and “design” contribute to the same narrative. First, the output of the travelers is examined, seeking to produce a sort of “genealogy” of the rediscovery. This is fundamental to our understanding of the birth of the phenomenon and to establishing the theoretical and methodological foundations for the research. Then a selection of significant texts and central themes in the theoretical treatment of southern Italian art in the Middle Ages is analyzed, and viewed within the framework of the reception of medieval art from the Enlightenment to the beginning of the 20th century. Finally, the focus is on identifying southern Italian medieval buildings as possible sources for the architecture of the time (be it designed or built). Special attention is given to the relationship between the appropriation of a foreign architectural tradition (or style) and the search for a national or regional identity. As a result, this project is the first substantial investigation of the reception of southern Italian medieval architecture in the 19th century.

Profile for Fakultät für Architektur TU München

Jahrbuch 2015  

Jahrbuch der Fakultät für Architektur, TUM mit einem Schwerpunkt auf Forschung und Entwicklung

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