Wesel rr 10 3

Page 1

KREIS WESEL-SPEZIAL

KREIS WESEL-SPEZIAL — Typisch Niederrhein: Wasserflächen und Kopfweiden. Letztere führt der Kreis Wesel übrigens im Wappen.

Wesel esel sel el Dieser Kreis gehört zu uns Mit 1.042 Quadratkilometern ist der Kreis Wesel flächenmäßig das mit Abstand größte Stück Ruhrkulturhauptstadt. Dass viele der gut 470.000 Kreisbewohner dort im Westen mit Ruhr und Revier kaum etwas zu tun haben möchten, ist bekannt und scheint beim ersten Blick auf die Landkarte verständlich. Die RUHR REVUE aber hat links und rechts des Rheins ausgiebig weitere Blicke schweifen lassen und festgestellt: passt schon.

Den Kreis Wesel gibt es erst seit der großen Gebietsreform 1975, und damals hat man wohl doch etwas unbekümmert ein Puzzle zusammengeklebt, das man auch anders hätte legen können. Es besteht hauptsächlich aus Teilen der ehemaligen Kreise Dinslaken, Moers und Rees; außerdem mussten die Kreise Borken und Recklinghausen Gebiete an den Neuling abtreten. Sitz der Kreisverwaltung wurde, wegen seiner zentralen Lage, die namensgebende Stadt Wesel. Für das wesentlich größere Moers blieb ein kurioser Superlativ: größte deutsche Stadt, die weder Kreissitz ist noch kreisfrei. Dreizehn – teils städtische und teils sehr ländliche – Gemeinden zählen zum Kreis: Alpen (mit rund 13.000 Einwohnern), Dinslaken (70.000),

Hamminkeln (28.000), Hünxe (14.000), Kamp-Lintfort (39.000), Moers (106.000). Neukirchen-Vluyn (28.000), Rheinberg (32.000), Schermbeck (14.000), Sonsbeck (9.000), Voerde (38.000),

Wesel (61.000) und Xanten (21.500). Viele dieser Orte sind ihrerseits erst bei der Gebietsreform aus kleineren Gemeinden zusammengefügt worden. Dass die Bewohner bis heute mit der Identität ihres Kreises hadern, ist kaum verwunderlich.

| Der Niederrheiner Der Kreis bezeichnet sich selbst als „Niederrhein-Kreis“, und einige Politiker hätten das vor ein paar Jahren gern offiziell ins Firmenschild übernommen. Sie setzten sich aber nicht durch. Tatsächlich ist „Niederrhein“ auch kein Alleinstellungsmerkmal; man teilt es sich mit vielen Nachbarn flussaufund flussabwärts. Andererseits sind Hamminkeln, Hünxe oder Schermbeck gar nicht besonders niederrheinisch. Ganz knapp scheiterte die Initiative einiger Kreispolitiker und Bürgermeister, den Regionalverband Ruhr 2009 zu verlassen. Man glaubte nicht, dass der Kreis von der Mitgliedschaft genug profitieren könne, um das Tragen des ungeliebten Etiketts „Ruhrgebiet“ zu rechtfertigen. Die Hoffnung auf den Titel der „Kulturhauptstadt“ soll beim Entscheid fürs Bleiben eine Rolle gespielt haben. Dass

36 |

Ruhr Revue

Skepsis blieb, lässt sich am Jahreskalender der 2010-„Local Heroes“ ablesen: Die meisten Wesel-Gemeinden präsentier(t)en sich zu Anfang oder Ende des Jahres, weil sie gezögert hatten, bis die vorteilhafteren Wochen fast alle vergeben waren. Dafür erlebte zumindest Dinslaken als allererster „Local Hero“ eine nie gekannte mediale Aufmerksamkeit. Der Kreis Wesel könnte dem Ruhrgebiet allerdings irgendwann auch auf viel radikalere Weise abhanden kommen: Ausgerechnet in der „Hauptstadt“ Wesel waren 2007 Vertreter aller maßgeblichen Parteien dafür, den Kreis einfach aufzulösen. Nun ist zwar die Selbstabschaffung nicht vorgesehen in der Landesverfassung; die Initiative zeigt aber, dass man als Zentralruhrgebietsmensch nicht beleidigt sein muss wegen revierflüchtiger Neigungen des Kreises. Man scheint da im Westen eine grundsätzliche Abneigung zu haben gegen derlei politische Zusammenschlüsse. Vermutlich ein niederrheinisches Charaktermerkmal. Wirklich erfahren werden wir es nie, wenn der in Moers geborene Hanns-Dieter Hüsch recht hat: „Der Niederrheiner weiß nichts, kann aber alles erklären.“

| Vom Bergbau geprägt Den Kreis Wesel zu erkunden, das ist eine Aufgabe für mindestens die ganzen Sommerferien. Wir können hier nur kleine Ausschnitte zeigen, durchaus subjektiv gewählt. Beginnen wir mit dem, was uns als RuhrMenschen im Wortsinn nahe liegt und durchaus vertraut vorkommt: Wenn der Bergbau und seine Geschichte ein identitätsstiftendes Hauptmerkmal des Ruhrgebietes ist, dann gehören Dinslaken, Moers, Kamp-Lintfort und Neukirchen-Vluyn

Ruhr Revue

| 37


KREIS WESEL-SPEZIAL

KREIS WESEL-SPEZIAL — Typisch Niederrhein: Wasserflächen und Kopfweiden. Letztere führt der Kreis Wesel übrigens im Wappen.

Wesel esel sel el Dieser Kreis gehört zu uns Mit 1.042 Quadratkilometern ist der Kreis Wesel flächenmäßig das mit Abstand größte Stück Ruhrkulturhauptstadt. Dass viele der gut 470.000 Kreisbewohner dort im Westen mit Ruhr und Revier kaum etwas zu tun haben möchten, ist bekannt und scheint beim ersten Blick auf die Landkarte verständlich. Die RUHR REVUE aber hat links und rechts des Rheins ausgiebig weitere Blicke schweifen lassen und festgestellt: passt schon.

Den Kreis Wesel gibt es erst seit der großen Gebietsreform 1975, und damals hat man wohl doch etwas unbekümmert ein Puzzle zusammengeklebt, das man auch anders hätte legen können. Es besteht hauptsächlich aus Teilen der ehemaligen Kreise Dinslaken, Moers und Rees; außerdem mussten die Kreise Borken und Recklinghausen Gebiete an den Neuling abtreten. Sitz der Kreisverwaltung wurde, wegen seiner zentralen Lage, die namensgebende Stadt Wesel. Für das wesentlich größere Moers blieb ein kurioser Superlativ: größte deutsche Stadt, die weder Kreissitz ist noch kreisfrei. Dreizehn – teils städtische und teils sehr ländliche – Gemeinden zählen zum Kreis: Alpen (mit rund 13.000 Einwohnern), Dinslaken (70.000),

Hamminkeln (28.000), Hünxe (14.000), Kamp-Lintfort (39.000), Moers (106.000). Neukirchen-Vluyn (28.000), Rheinberg (32.000), Schermbeck (14.000), Sonsbeck (9.000), Voerde (38.000),

Wesel (61.000) und Xanten (21.500). Viele dieser Orte sind ihrerseits erst bei der Gebietsreform aus kleineren Gemeinden zusammengefügt worden. Dass die Bewohner bis heute mit der Identität ihres Kreises hadern, ist kaum verwunderlich.

| Der Niederrheiner Der Kreis bezeichnet sich selbst als „Niederrhein-Kreis“, und einige Politiker hätten das vor ein paar Jahren gern offiziell ins Firmenschild übernommen. Sie setzten sich aber nicht durch. Tatsächlich ist „Niederrhein“ auch kein Alleinstellungsmerkmal; man teilt es sich mit vielen Nachbarn flussaufund flussabwärts. Andererseits sind Hamminkeln, Hünxe oder Schermbeck gar nicht besonders niederrheinisch. Ganz knapp scheiterte die Initiative einiger Kreispolitiker und Bürgermeister, den Regionalverband Ruhr 2009 zu verlassen. Man glaubte nicht, dass der Kreis von der Mitgliedschaft genug profitieren könne, um das Tragen des ungeliebten Etiketts „Ruhrgebiet“ zu rechtfertigen. Die Hoffnung auf den Titel der „Kulturhauptstadt“ soll beim Entscheid fürs Bleiben eine Rolle gespielt haben. Dass

36 |

Ruhr Revue

Skepsis blieb, lässt sich am Jahreskalender der 2010-„Local Heroes“ ablesen: Die meisten Wesel-Gemeinden präsentier(t)en sich zu Anfang oder Ende des Jahres, weil sie gezögert hatten, bis die vorteilhafteren Wochen fast alle vergeben waren. Dafür erlebte zumindest Dinslaken als allererster „Local Hero“ eine nie gekannte mediale Aufmerksamkeit. Der Kreis Wesel könnte dem Ruhrgebiet allerdings irgendwann auch auf viel radikalere Weise abhanden kommen: Ausgerechnet in der „Hauptstadt“ Wesel waren 2007 Vertreter aller maßgeblichen Parteien dafür, den Kreis einfach aufzulösen. Nun ist zwar die Selbstabschaffung nicht vorgesehen in der Landesverfassung; die Initiative zeigt aber, dass man als Zentralruhrgebietsmensch nicht beleidigt sein muss wegen revierflüchtiger Neigungen des Kreises. Man scheint da im Westen eine grundsätzliche Abneigung zu haben gegen derlei politische Zusammenschlüsse. Vermutlich ein niederrheinisches Charaktermerkmal. Wirklich erfahren werden wir es nie, wenn der in Moers geborene Hanns-Dieter Hüsch recht hat: „Der Niederrheiner weiß nichts, kann aber alles erklären.“

| Vom Bergbau geprägt Den Kreis Wesel zu erkunden, das ist eine Aufgabe für mindestens die ganzen Sommerferien. Wir können hier nur kleine Ausschnitte zeigen, durchaus subjektiv gewählt. Beginnen wir mit dem, was uns als RuhrMenschen im Wortsinn nahe liegt und durchaus vertraut vorkommt: Wenn der Bergbau und seine Geschichte ein identitätsstiftendes Hauptmerkmal des Ruhrgebietes ist, dann gehören Dinslaken, Moers, Kamp-Lintfort und Neukirchen-Vluyn

Ruhr Revue

| 37


KREIS WESEL-SPEZIAL

KREIS WESEL-SPEZIAL — Typisch Niederrhein: Wasserflächen und Kopfweiden. Letztere führt der Kreis Wesel übrigens im Wappen.

Wesel esel sel el Dieser Kreis gehört zu uns Mit 1.042 Quadratkilometern ist der Kreis Wesel flächenmäßig das mit Abstand größte Stück Ruhrkulturhauptstadt. Dass viele der gut 470.000 Kreisbewohner dort im Westen mit Ruhr und Revier kaum etwas zu tun haben möchten, ist bekannt und scheint beim ersten Blick auf die Landkarte verständlich. Die RUHR REVUE aber hat links und rechts des Rheins ausgiebig weitere Blicke schweifen lassen und festgestellt: passt schon.

Den Kreis Wesel gibt es erst seit der großen Gebietsreform 1975, und damals hat man wohl doch etwas unbekümmert ein Puzzle zusammengeklebt, das man auch anders hätte legen können. Es besteht hauptsächlich aus Teilen der ehemaligen Kreise Dinslaken, Moers und Rees; außerdem mussten die Kreise Borken und Recklinghausen Gebiete an den Neuling abtreten. Sitz der Kreisverwaltung wurde, wegen seiner zentralen Lage, die namensgebende Stadt Wesel. Für das wesentlich größere Moers blieb ein kurioser Superlativ: größte deutsche Stadt, die weder Kreissitz ist noch kreisfrei. Dreizehn – teils städtische und teils sehr ländliche – Gemeinden zählen zum Kreis: Alpen (mit rund 13.000 Einwohnern), Dinslaken (70.000),

Hamminkeln (28.000), Hünxe (14.000), Kamp-Lintfort (39.000), Moers (106.000). Neukirchen-Vluyn (28.000), Rheinberg (32.000), Schermbeck (14.000), Sonsbeck (9.000), Voerde (38.000),

Wesel (61.000) und Xanten (21.500). Viele dieser Orte sind ihrerseits erst bei der Gebietsreform aus kleineren Gemeinden zusammengefügt worden. Dass die Bewohner bis heute mit der Identität ihres Kreises hadern, ist kaum verwunderlich.

| Der Niederrheiner Der Kreis bezeichnet sich selbst als „Niederrhein-Kreis“, und einige Politiker hätten das vor ein paar Jahren gern offiziell ins Firmenschild übernommen. Sie setzten sich aber nicht durch. Tatsächlich ist „Niederrhein“ auch kein Alleinstellungsmerkmal; man teilt es sich mit vielen Nachbarn flussaufund flussabwärts. Andererseits sind Hamminkeln, Hünxe oder Schermbeck gar nicht besonders niederrheinisch. Ganz knapp scheiterte die Initiative einiger Kreispolitiker und Bürgermeister, den Regionalverband Ruhr 2009 zu verlassen. Man glaubte nicht, dass der Kreis von der Mitgliedschaft genug profitieren könne, um das Tragen des ungeliebten Etiketts „Ruhrgebiet“ zu rechtfertigen. Die Hoffnung auf den Titel der „Kulturhauptstadt“ soll beim Entscheid fürs Bleiben eine Rolle gespielt haben. Dass

36 |

Ruhr Revue

Skepsis blieb, lässt sich am Jahreskalender der 2010-„Local Heroes“ ablesen: Die meisten Wesel-Gemeinden präsentier(t)en sich zu Anfang oder Ende des Jahres, weil sie gezögert hatten, bis die vorteilhafteren Wochen fast alle vergeben waren. Dafür erlebte zumindest Dinslaken als allererster „Local Hero“ eine nie gekannte mediale Aufmerksamkeit. Der Kreis Wesel könnte dem Ruhrgebiet allerdings irgendwann auch auf viel radikalere Weise abhanden kommen: Ausgerechnet in der „Hauptstadt“ Wesel waren 2007 Vertreter aller maßgeblichen Parteien dafür, den Kreis einfach aufzulösen. Nun ist zwar die Selbstabschaffung nicht vorgesehen in der Landesverfassung; die Initiative zeigt aber, dass man als Zentralruhrgebietsmensch nicht beleidigt sein muss wegen revierflüchtiger Neigungen des Kreises. Man scheint da im Westen eine grundsätzliche Abneigung zu haben gegen derlei politische Zusammenschlüsse. Vermutlich ein niederrheinisches Charaktermerkmal. Wirklich erfahren werden wir es nie, wenn der in Moers geborene Hanns-Dieter Hüsch recht hat: „Der Niederrheiner weiß nichts, kann aber alles erklären.“

| Vom Bergbau geprägt Den Kreis Wesel zu erkunden, das ist eine Aufgabe für mindestens die ganzen Sommerferien. Wir können hier nur kleine Ausschnitte zeigen, durchaus subjektiv gewählt. Beginnen wir mit dem, was uns als RuhrMenschen im Wortsinn nahe liegt und durchaus vertraut vorkommt: Wenn der Bergbau und seine Geschichte ein identitätsstiftendes Hauptmerkmal des Ruhrgebietes ist, dann gehören Dinslaken, Moers, Kamp-Lintfort und Neukirchen-Vluyn

Ruhr Revue

| 37


KREIS WESEL-SPEZIAL

KREIS WESEL-SPEZIAL

— Von der Zeche „Niederberg“ sind neben den Fördergerüsten vor allem schöne Siedlungen geblieben. Rechts die grüne „Alte Kolonie“.

ganz ohne Zweifel zum Ruhrgebiet. Alle vier Städte sind bis in die jüngste Vergangenheit von großen Zechen geprägt worden; von Kamp-Lintfort aus gräbt das „Bergwerk West“ noch heute nach Kohle. Und in Voerde steht, rechtsrheinisch, ein riesiges Kraftwerk. Zu dieser Tradition bekennt Moers sich mit der weithin sichtbaren, roten Grubenlampe auf der Halde Rheinpreußen. Von dort oben kann man sich einen guten Überblick verschaffen: auf den Rhein, auf das Ruhrgebiet und auf die niederrheinische Ebene. Schließlich ist man schon am Fuß der Riesenleuchte mit 106 Metern über Normalnull fast so hoch wie der höchste Punkt des ganzen Kreises, in dem ein natürlicher „Höhenzug“ von maximal 87 Metern ohne Ironie zur „Sonsbecker Schweiz“ geadelt wurde – nun ja: Bei Bremen gibt es eine Schweiz, die ragt nur 30 Meter über Meereshöhe. Es ist eben alles relativ. Die große Grubenlampe ist keineswegs einzige Erinnerung an den linksrheinischen Bergbau. Als der Bergbau die dünn besiedelte Region links des

38 |

Ruhr Revue

Rheins eroberte, scheint der Bau von Siedlungen eine besondere Blüte erlebt zu haben. Wir legen Interessierten eine ans Herz, die wir, peinlich genug, bis dato noch gar nicht kannten. Sie liegt gewissermaßen zwischen Neukirchen und Vluyn, wo von 1913 an im Niemandsland das Bergwerk „Niederberg“ abgeteuft wurde, welches in den Jahren vor seiner Stillegung 2001 als letzte Hausbrandzeche des Reviers hochwertige Anthrazitkohle förderte. Die „Alte Kolonie“ betritt man am besten vom Bendschenweg her durch die Wed— Die „Neue Kolonie“ in Neukirchen-Vluyn gibt sich fast wie eine Schlossanlage im eigenen Park.

digenallee, die ihrem Namen alle Ehre macht: Der prächtige Baumbestand macht diese klassische Arbeitersiedlung besonders gemütlich. Ein paar hundert Meter weiter westlich, gegenüber vom alten Zechentor, will man seinen Augen kaum trauen: Die „Neue Kolonie“ von 1926-31 besteht aus versetzt angeordneten, ziegelverkleideten Häusern mit prächtig geschweiften Schaugiebeln. Beim Vorbeifahren glaubt man, eine barocke Schlossanlage zu sehen. Im durchgrünten Hof stehen, ebenso ungewöhnlich, die früheren Ställe in langer Reihe. Wenn Sie bei gutem Wetter reinschauen, wird bestimmt gerade gegrillt.

| Kulturstadt Moers Dass die südlichen Städte des Kreises mehr bieten als Bergbauvergangenheit, erlebt man in der Altstadt von Moers – mit schönen Häusern, Kirchen, Geschäften und Restaurants rund um den Altmarkt, mit dem nahegelegenen Stadtpark und dem Schloss. Letzteres steht als ältestes Haus der Stadt – der Turm stammt noch aus dem 12. Jahrhundert – nicht nur für

die lange Geschichte der einstigen Grafschaft Moers, es ist in den letzten Jahrzehnten auch zu einem kulturellen Mittelpunkt geworden. Zum regionalgeschichtlichen Grafschafter Museum gesellte sich 1975 das Moerser Schlosstheater – ein kleines Ensemble, das sich gleichwohl mit seinen Inszenierungen auch überregional einen guten Namen gemacht hat. Ebenfalls mit dem Schloss verbunden ist das Moerser Jazzfestival, das seit 1972 jedes Jahr zu Pfingsten Musiker und Publikum aus ganz Europa lockt und die Stadt in ein Jazzcamp verwandelt. Leider sind beide Institutionen akut bedroht, weil Moers unter Finanzproblemen leidet, die anderen Ruhr-Städten nur zu bekannt sind. Das Jazzfestival soll 2011 um einen Tag verkürzt werden; das Schlosstheater ist durch die Sparpläne schon im Kulturhauptstadtjahr existenziell bedroht. Dabei scheint gerade Moers ein gutes Beispiel dafür zu sein, dass eine kleine Stadt sich mit eigenen kulturellen Perlen derart profilieren kann, wie das durch mehr oder minder stille Teilhabe an städteübergreifenden Kooperationen wohl kaum möglich wäre. Wer jetzt, bei aller Liebe, doch ein wenig mehr „richtigen Niederrhein“ erleben möchte, dem sei der Norden des Kreises empfohlen, und zwar, auch wenn das beileibe kein „Geheimtipp“ ist, Deutschlands einzige Stadt, deren Name mit einem X beginnt. Schon auf dem Weg dorthin wird man dankbar in wachsender Zahl die typischen Zutaten niederrheinischer Landschaft registrieren: Kopfweiden. Ziegelverkleidete Häuser. Windmühlen. Schlösschen und Herrensitze. Menschen auf Hollandrädern. Schafe.

— Stadt mit X: Die Türme des Xantener Doms sind in der flachen Landschaft weithin zu sehen. Rechts ein altes Stadttor. Dahinter lässt sich gut bummeln.

| X wie Xanten Gleich mehrfach steht der Name für Geschichte. Erstens natürlich wegen Xantens römischer Vorgängerin, der berühmten Colonia Ulpia Traiana. Zweitens auf mythische Art durch Siegfried, der laut Nibelungenlied in Xanten geboren wurde und von dort als König von Xanten das „Niederland“ regierte. Auch sein finsterer Mörder wurde als „Hagen von Tronje“ mit Xanten in Verbindung gebracht – durch den

„niederrheinischen Trojamythos“, der durch schlichte Fehlinterpretation des Kaisernamens „Ulpia Traiana“ Xantens Gründung auf eine Gruppe versprengter Trojaner zurückführte. Nach einer ähnlichen, aber weniger bekannten Legende soll übrigens Moers auf den irrfahrenden Odysseus zurückgehen. Das muss irgendwie nach der Hüsch-Devise funktioniert haben: „Der Niederrheiner weiß nichts, kann aber alles erklären.“

Mit einer Art Nibelungentreue hat es zu tun, dass Xanten, zusammen mit Wesel am anderen Rheinufer, 1945 auf traurige Art noch einmal Geschichte gemacht hat: Als die Alliierten gegen hartnäckigen Widerstand zum finalen Sturm auf Deutschland ansetzten und auf das Ruhrgebiet zielten, überschritten sie an dieser Stelle (und bei Remagen) erstmals den Rhein. Erst regnete es zur Vorbereitung dieser Aktion Bomben und Granaten, dann

schossen die zurückweichenden Deutschen in das Chaos. Wesel und das benachbarte Rees wurden dabei zerstört; auch Xanten lag weitgehend in Trümmern. Mehr als in Wesel hat man im kleineren Xanten aber beim Wiederaufbau die Spuren der Zerstörung tilgen können. Die im Kern mittelalterliche Stadt um den mächtigen, zweitürmigen Dom und den Marktplatz herum ist noch oder wieder erlebbar. Restaurants, Cafés

ENTDECKEN SIE DAS VIELFÄLTIGE TÄTIGKEITSFELD UNSERER STIFTUNG: WWW.STIFTUNG-SPARDA-WEST.DE

Sparda-Kunstpreis NRW

»Sonnenseite«

2. Juli 2010 in Essen // ab 17.00 Uhr Zugang Berliner Platz, gegenüber EKZ Limbecker Platz

Herzlich willkommen zur Einweihung des Parks im neuen Universitätsviertel und Übergabe der Skulptur »Sonnenseite« des Künstlers Michael Sailstorfer an die Stadt Essen. Programm: ab 17:00 Uhr Kinderprogramm // 18:30 Uhr Einweihung des Parks // 19:00 Uhr Übergabe des Kunstwerks an Oberbürgermeister Reinhard Paß // 19:30 Uhr Musikprogramm Wolf Codera und Band // 22:30 Uhr Höhen-Feuerwerk

Ruhr Revue

| 39


KREIS WESEL-SPEZIAL

KREIS WESEL-SPEZIAL

— Von der Zeche „Niederberg“ sind neben den Fördergerüsten vor allem schöne Siedlungen geblieben. Rechts die grüne „Alte Kolonie“.

ganz ohne Zweifel zum Ruhrgebiet. Alle vier Städte sind bis in die jüngste Vergangenheit von großen Zechen geprägt worden; von Kamp-Lintfort aus gräbt das „Bergwerk West“ noch heute nach Kohle. Und in Voerde steht, rechtsrheinisch, ein riesiges Kraftwerk. Zu dieser Tradition bekennt Moers sich mit der weithin sichtbaren, roten Grubenlampe auf der Halde Rheinpreußen. Von dort oben kann man sich einen guten Überblick verschaffen: auf den Rhein, auf das Ruhrgebiet und auf die niederrheinische Ebene. Schließlich ist man schon am Fuß der Riesenleuchte mit 106 Metern über Normalnull fast so hoch wie der höchste Punkt des ganzen Kreises, in dem ein natürlicher „Höhenzug“ von maximal 87 Metern ohne Ironie zur „Sonsbecker Schweiz“ geadelt wurde – nun ja: Bei Bremen gibt es eine Schweiz, die ragt nur 30 Meter über Meereshöhe. Es ist eben alles relativ. Die große Grubenlampe ist keineswegs einzige Erinnerung an den linksrheinischen Bergbau. Als der Bergbau die dünn besiedelte Region links des

38 |

Ruhr Revue

Rheins eroberte, scheint der Bau von Siedlungen eine besondere Blüte erlebt zu haben. Wir legen Interessierten eine ans Herz, die wir, peinlich genug, bis dato noch gar nicht kannten. Sie liegt gewissermaßen zwischen Neukirchen und Vluyn, wo von 1913 an im Niemandsland das Bergwerk „Niederberg“ abgeteuft wurde, welches in den Jahren vor seiner Stillegung 2001 als letzte Hausbrandzeche des Reviers hochwertige Anthrazitkohle förderte. Die „Alte Kolonie“ betritt man am besten vom Bendschenweg her durch die Wed— Die „Neue Kolonie“ in Neukirchen-Vluyn gibt sich fast wie eine Schlossanlage im eigenen Park.

digenallee, die ihrem Namen alle Ehre macht: Der prächtige Baumbestand macht diese klassische Arbeitersiedlung besonders gemütlich. Ein paar hundert Meter weiter westlich, gegenüber vom alten Zechentor, will man seinen Augen kaum trauen: Die „Neue Kolonie“ von 1926-31 besteht aus versetzt angeordneten, ziegelverkleideten Häusern mit prächtig geschweiften Schaugiebeln. Beim Vorbeifahren glaubt man, eine barocke Schlossanlage zu sehen. Im durchgrünten Hof stehen, ebenso ungewöhnlich, die früheren Ställe in langer Reihe. Wenn Sie bei gutem Wetter reinschauen, wird bestimmt gerade gegrillt.

| Kulturstadt Moers Dass die südlichen Städte des Kreises mehr bieten als Bergbauvergangenheit, erlebt man in der Altstadt von Moers – mit schönen Häusern, Kirchen, Geschäften und Restaurants rund um den Altmarkt, mit dem nahegelegenen Stadtpark und dem Schloss. Letzteres steht als ältestes Haus der Stadt – der Turm stammt noch aus dem 12. Jahrhundert – nicht nur für

die lange Geschichte der einstigen Grafschaft Moers, es ist in den letzten Jahrzehnten auch zu einem kulturellen Mittelpunkt geworden. Zum regionalgeschichtlichen Grafschafter Museum gesellte sich 1975 das Moerser Schlosstheater – ein kleines Ensemble, das sich gleichwohl mit seinen Inszenierungen auch überregional einen guten Namen gemacht hat. Ebenfalls mit dem Schloss verbunden ist das Moerser Jazzfestival, das seit 1972 jedes Jahr zu Pfingsten Musiker und Publikum aus ganz Europa lockt und die Stadt in ein Jazzcamp verwandelt. Leider sind beide Institutionen akut bedroht, weil Moers unter Finanzproblemen leidet, die anderen Ruhr-Städten nur zu bekannt sind. Das Jazzfestival soll 2011 um einen Tag verkürzt werden; das Schlosstheater ist durch die Sparpläne schon im Kulturhauptstadtjahr existenziell bedroht. Dabei scheint gerade Moers ein gutes Beispiel dafür zu sein, dass eine kleine Stadt sich mit eigenen kulturellen Perlen derart profilieren kann, wie das durch mehr oder minder stille Teilhabe an städteübergreifenden Kooperationen wohl kaum möglich wäre. Wer jetzt, bei aller Liebe, doch ein wenig mehr „richtigen Niederrhein“ erleben möchte, dem sei der Norden des Kreises empfohlen, und zwar, auch wenn das beileibe kein „Geheimtipp“ ist, Deutschlands einzige Stadt, deren Name mit einem X beginnt. Schon auf dem Weg dorthin wird man dankbar in wachsender Zahl die typischen Zutaten niederrheinischer Landschaft registrieren: Kopfweiden. Ziegelverkleidete Häuser. Windmühlen. Schlösschen und Herrensitze. Menschen auf Hollandrädern. Schafe.

— Stadt mit X: Die Türme des Xantener Doms sind in der flachen Landschaft weithin zu sehen. Rechts ein altes Stadttor. Dahinter lässt sich gut bummeln.

| X wie Xanten Gleich mehrfach steht der Name für Geschichte. Erstens natürlich wegen Xantens römischer Vorgängerin, der berühmten Colonia Ulpia Traiana. Zweitens auf mythische Art durch Siegfried, der laut Nibelungenlied in Xanten geboren wurde und von dort als König von Xanten das „Niederland“ regierte. Auch sein finsterer Mörder wurde als „Hagen von Tronje“ mit Xanten in Verbindung gebracht – durch den

„niederrheinischen Trojamythos“, der durch schlichte Fehlinterpretation des Kaisernamens „Ulpia Traiana“ Xantens Gründung auf eine Gruppe versprengter Trojaner zurückführte. Nach einer ähnlichen, aber weniger bekannten Legende soll übrigens Moers auf den irrfahrenden Odysseus zurückgehen. Das muss irgendwie nach der Hüsch-Devise funktioniert haben: „Der Niederrheiner weiß nichts, kann aber alles erklären.“

Mit einer Art Nibelungentreue hat es zu tun, dass Xanten, zusammen mit Wesel am anderen Rheinufer, 1945 auf traurige Art noch einmal Geschichte gemacht hat: Als die Alliierten gegen hartnäckigen Widerstand zum finalen Sturm auf Deutschland ansetzten und auf das Ruhrgebiet zielten, überschritten sie an dieser Stelle (und bei Remagen) erstmals den Rhein. Erst regnete es zur Vorbereitung dieser Aktion Bomben und Granaten, dann

schossen die zurückweichenden Deutschen in das Chaos. Wesel und das benachbarte Rees wurden dabei zerstört; auch Xanten lag weitgehend in Trümmern. Mehr als in Wesel hat man im kleineren Xanten aber beim Wiederaufbau die Spuren der Zerstörung tilgen können. Die im Kern mittelalterliche Stadt um den mächtigen, zweitürmigen Dom und den Marktplatz herum ist noch oder wieder erlebbar. Restaurants, Cafés

ENTDECKEN SIE DAS VIELFÄLTIGE TÄTIGKEITSFELD UNSERER STIFTUNG: WWW.STIFTUNG-SPARDA-WEST.DE

Sparda-Kunstpreis NRW

»Sonnenseite«

2. Juli 2010 in Essen // ab 17.00 Uhr Zugang Berliner Platz, gegenüber EKZ Limbecker Platz

Herzlich willkommen zur Einweihung des Parks im neuen Universitätsviertel und Übergabe der Skulptur »Sonnenseite« des Künstlers Michael Sailstorfer an die Stadt Essen. Programm: ab 17:00 Uhr Kinderprogramm // 18:30 Uhr Einweihung des Parks // 19:00 Uhr Übergabe des Kunstwerks an Oberbürgermeister Reinhard Paß // 19:30 Uhr Musikprogramm Wolf Codera und Band // 22:30 Uhr Höhen-Feuerwerk

Ruhr Revue

| 39


KREIS WESEL-SPEZIAL

KREIS WESEL-SPEZIAL

— Die KriemhildmĂźhle an der Xantener Stadtmauer ist täglich in Betrieb und mahlt Biogetreide fĂźr Biobrot.

und Geschäfte gibt es zur GenĂźge dazu. Eine besondere Attraktion ist die „Kriemhild“WindmĂźhle auf der nĂśrdlichen Stadtmauer; sie ist als einzige weit und breit noch täglich in Betrieb. Ein kleines Geschäft in der MĂźhle verkauft Bio-Brot, das aus dem dort gemahlenen Mehl gebacken wird. Es wäre also entschieden ein Fehler, dieses Xanten zugunsten des rĂśmischen Vorgängers ganz links (oder besser nĂśrdlich) liegen zu lassen. Andererseits ist natĂźrlich der Archäologische Park Xanten (apx) ein absolutes Muss. Schon kurz vor Christi Geburt errichteten die RĂśmer beim heutigen Xanten ein Feld-

lager, neben dem bald eine stattliche zivile Siedlung heranwuchs. Von Germanen zerstĂśrt, wurde sie um 100 n. Chr. wieder aufgebaut und zur „Colonia“ erhoben, einer wichtigen Stadt im RĂśmischen Reich. Die „Colonia Ulpia Traiana“ spiegelte mitten im feindlichen Land typisch rĂśmisches Stadtleben – mit Wohnhäusern, Mauer, Tempel, Thermen, Herberge. Erst im 4. Jahrhundert machten die Franken der kolonialen Herrlichkeit ein Ende. Der rĂśmische Ort diente später nur mehr als Steinbruch, als im Norden die mittelalterliche Stadt Xanten entstand – so genannt nach den dort vermuteten Gräbern heiliger Märtyrer: „ad sanctos“.

Dass die rĂśmische Stadt also nicht Ăźberbaut wurde, freute später die Archäologen. Was ihre Ausgrabungen ergaben, ist heute im neuen „RĂśmermuseum“ zu erfahren. AuĂ&#x;erdem wurden einige Häuser der rĂśmischen Siedlung spektakulär rekonstruiert: Tempel, Amphitheater, Stadtmauer, Herberge. „Apx“ lässt den Besucher richtig in rĂśmisches Leben eintauchen, einschlieĂ&#x;lich antiker (aber frischer) Gerichte. Wenn wir nun noch erwähnen, dass Xanten nebenan auch noch ein Freizeitzentrum besitzt, mit zwei Seen, Strandbad und allerlei Sportangeboten, dann wird sonnenklar: Nicht einmal ein ganzer Tag reicht

GALERIE PEERLINGS Ölbilder ‡ Aquarelle ‡ *UD¿N ‡ 6NXOSWXUHQ

J. Buhre – 1 %RWWHW ¹ 6 &DYH]]D ¹ . )X‰PDQQ ( *DWWL ¹ - 0LUR ¹ * 6DO]PDQQ ¹ $ 7DSLHV Mo - Do 9-15 Uhr | Fr 9-13 Uhr | Sa 10-14 Uhr und nach Vereinbarung 9HUODJ *DOHULH 3HHUOLQJV *PE+ ‡ )ULHGULFKVWUD‰H ‡ .UHIHOG ‡ 7HOHIRQ ZZZ SHHUOLQJV GH ‡ LQIR#SHHUOLQJV GH

40 |

Ruhr Revue

fĂźr diese Stadt – und dabei haben wir noch gar nicht Ăźber die Rheinauen-Landschaft gesprochen (S. 42!). Xanten und Umgebung – dort kann man einfach am besten erfahren, dass der Kreis Wesel zwar viel mit dem Ăźbrigen Ruhrgebiet gemeinsam hat, aber tatsächlich auch sehr andere, „niederrheinische“ ZĂźge trägt. Wer verstehen will, warum die „Weseler“ uns zuweilen verlassen wollen, sollte sich ausgiebig in Xanten umtun: Ruhrgebiet ist das nun wirklich nicht mehr. Die Stadt ist Ăźbrigens nicht nur mit dem Auto zu erreichen, sondern von Duisburg aus Ăźber Moers auch mit dem Nahverkehrs-Dieselbähnchen „Der Niederrheiner“.

| Jede Menge Gegend Wie immer heiĂ&#x;t Auswahl, anderen Orten Unrecht zu tun. Immerhin seien einige erwähnt, die nun rechtsrheinisch bei der gedachten Autofahrt zurĂźck ins Revier liegen. Wesel natĂźrlich, wo „unsere“ Lippe in den Rhein mĂźndet, mit den Resten der mächtigen Zitadelle und der zerstĂśrten EisenbahnbrĂźcke Ăźber den Rhein als Erinnerung an frĂźhere Kriege, mit dem PreuĂ&#x;enmuseum, das sich natĂźrlich besonders mit der Ge-

— Vor „Erzfeinden“ im Westen sollte die Weseler Zitadelle schĂźtzen. Der Angriff ging dann zweimal in Gegenrichtung. SchlieĂ&#x;lich kam der Tod aus der Luft.

schichte der rheinischen „BeutepreuĂ&#x;en“ beschäftigt. Dann Dinslaken an der EmschermĂźndung, eine Bergbaustadt zwar, aber auch eine mit alter Burg, mit einer prächtigen WindmĂźh-

le. SchlieĂ&#x;lich Hamminkeln, HĂźnxe und Schermbeck, wo die Landschaft schon ins MĂźnsterländische Ăźbergeht. Auch dort einige Perlen: in HĂźnxe zum Beispiel ein Museum, das

dem in MĂźlheim geborenen und in Wesel gestorbenen Maler Otto Pankok gewidmet ist. In Hamminkeln das Vorort-Dorf Marienthal, mit Klosterkirche, CafĂŠs, Restaurants und einer

verblĂźffenden FĂźlle interessanter Geschäfte. Und Ăźberall jede Menge Gegend. Man beschlieĂ&#x;t, bald zurĂźckzukehren in den Kreis Wesel. Am besten mit dem Fahrrad (S. 42). â—? -na


KREIS WESEL-SPEZIAL

KREIS WESEL-SPEZIAL

— Die KriemhildmĂźhle an der Xantener Stadtmauer ist täglich in Betrieb und mahlt Biogetreide fĂźr Biobrot.

und Geschäfte gibt es zur GenĂźge dazu. Eine besondere Attraktion ist die „Kriemhild“WindmĂźhle auf der nĂśrdlichen Stadtmauer; sie ist als einzige weit und breit noch täglich in Betrieb. Ein kleines Geschäft in der MĂźhle verkauft Bio-Brot, das aus dem dort gemahlenen Mehl gebacken wird. Es wäre also entschieden ein Fehler, dieses Xanten zugunsten des rĂśmischen Vorgängers ganz links (oder besser nĂśrdlich) liegen zu lassen. Andererseits ist natĂźrlich der Archäologische Park Xanten (apx) ein absolutes Muss. Schon kurz vor Christi Geburt errichteten die RĂśmer beim heutigen Xanten ein Feld-

lager, neben dem bald eine stattliche zivile Siedlung heranwuchs. Von Germanen zerstĂśrt, wurde sie um 100 n. Chr. wieder aufgebaut und zur „Colonia“ erhoben, einer wichtigen Stadt im RĂśmischen Reich. Die „Colonia Ulpia Traiana“ spiegelte mitten im feindlichen Land typisch rĂśmisches Stadtleben – mit Wohnhäusern, Mauer, Tempel, Thermen, Herberge. Erst im 4. Jahrhundert machten die Franken der kolonialen Herrlichkeit ein Ende. Der rĂśmische Ort diente später nur mehr als Steinbruch, als im Norden die mittelalterliche Stadt Xanten entstand – so genannt nach den dort vermuteten Gräbern heiliger Märtyrer: „ad sanctos“.

Dass die rĂśmische Stadt also nicht Ăźberbaut wurde, freute später die Archäologen. Was ihre Ausgrabungen ergaben, ist heute im neuen „RĂśmermuseum“ zu erfahren. AuĂ&#x;erdem wurden einige Häuser der rĂśmischen Siedlung spektakulär rekonstruiert: Tempel, Amphitheater, Stadtmauer, Herberge. „Apx“ lässt den Besucher richtig in rĂśmisches Leben eintauchen, einschlieĂ&#x;lich antiker (aber frischer) Gerichte. Wenn wir nun noch erwähnen, dass Xanten nebenan auch noch ein Freizeitzentrum besitzt, mit zwei Seen, Strandbad und allerlei Sportangeboten, dann wird sonnenklar: Nicht einmal ein ganzer Tag reicht

GALERIE PEERLINGS Ölbilder ‡ Aquarelle ‡ *UD¿N ‡ 6NXOSWXUHQ

J. Buhre – 1 %RWWHW ¹ 6 &DYH]]D ¹ . )X‰PDQQ ( *DWWL ¹ - 0LUR ¹ * 6DO]PDQQ ¹ $ 7DSLHV Mo - Do 9-15 Uhr | Fr 9-13 Uhr | Sa 10-14 Uhr und nach Vereinbarung 9HUODJ *DOHULH 3HHUOLQJV *PE+ ‡ )ULHGULFKVWUD‰H ‡ .UHIHOG ‡ 7HOHIRQ ZZZ SHHUOLQJV GH ‡ LQIR#SHHUOLQJV GH

40 |

Ruhr Revue

fĂźr diese Stadt – und dabei haben wir noch gar nicht Ăźber die Rheinauen-Landschaft gesprochen (S. 42!). Xanten und Umgebung – dort kann man einfach am besten erfahren, dass der Kreis Wesel zwar viel mit dem Ăźbrigen Ruhrgebiet gemeinsam hat, aber tatsächlich auch sehr andere, „niederrheinische“ ZĂźge trägt. Wer verstehen will, warum die „Weseler“ uns zuweilen verlassen wollen, sollte sich ausgiebig in Xanten umtun: Ruhrgebiet ist das nun wirklich nicht mehr. Die Stadt ist Ăźbrigens nicht nur mit dem Auto zu erreichen, sondern von Duisburg aus Ăźber Moers auch mit dem Nahverkehrs-Dieselbähnchen „Der Niederrheiner“.

| Jede Menge Gegend Wie immer heiĂ&#x;t Auswahl, anderen Orten Unrecht zu tun. Immerhin seien einige erwähnt, die nun rechtsrheinisch bei der gedachten Autofahrt zurĂźck ins Revier liegen. Wesel natĂźrlich, wo „unsere“ Lippe in den Rhein mĂźndet, mit den Resten der mächtigen Zitadelle und der zerstĂśrten EisenbahnbrĂźcke Ăźber den Rhein als Erinnerung an frĂźhere Kriege, mit dem PreuĂ&#x;enmuseum, das sich natĂźrlich besonders mit der Ge-

— Vor „Erzfeinden“ im Westen sollte die Weseler Zitadelle schĂźtzen. Der Angriff ging dann zweimal in Gegenrichtung. SchlieĂ&#x;lich kam der Tod aus der Luft.

schichte der rheinischen „BeutepreuĂ&#x;en“ beschäftigt. Dann Dinslaken an der EmschermĂźndung, eine Bergbaustadt zwar, aber auch eine mit alter Burg, mit einer prächtigen WindmĂźh-

le. SchlieĂ&#x;lich Hamminkeln, HĂźnxe und Schermbeck, wo die Landschaft schon ins MĂźnsterländische Ăźbergeht. Auch dort einige Perlen: in HĂźnxe zum Beispiel ein Museum, das

dem in MĂźlheim geborenen und in Wesel gestorbenen Maler Otto Pankok gewidmet ist. In Hamminkeln das Vorort-Dorf Marienthal, mit Klosterkirche, CafĂŠs, Restaurants und einer

verblĂźffenden FĂźlle interessanter Geschäfte. Und Ăźberall jede Menge Gegend. Man beschlieĂ&#x;t, bald zurĂźckzukehren in den Kreis Wesel. Am besten mit dem Fahrrad (S. 42). â—? -na


KREIS WESEL-SPEZIAL

KREIS WESEL-SPEZIAL

Rheines Vergnügen Radfahren im Kreis Wesel

— Mit der Rheinfähre nach Orsoy lässt sich eine Niederrhein-Radtour trefflich beginnen. Man kriegt ein Gefühl für den Fluss.

Der Niederrhein ist Fahrradland. In einem Heft, das den Kreis Wesel einerseits und das Radfahren andererseits als Schwerpunkt-Themen hat, muss als Schnittmenge eine Radtour am Rhein vorkommen. Wir können das nach 50 Kilometern auch nur empfehlen.

Schon klar: Der Kreis Wesel liegt beiderseits des Rheins. Dennoch ist die Flussüberquerung wohl die beste Art, den Übergang vom industriellen Ruhrgebiet zum Niederrhein erfahrbar zu machen, übrigens auch mit dem Auto. In Duisburg-Walsum wartet man auf die Fähre im Schatten eines riesigen Kühlturms; er gehört zum neuen Kraftwerk Walsum. Die Fähre heißt „Glück auf“ und eilt sehr schräg herbei, heftig gegen die Strömung arbeitend. Und wie der Kapitän dann auf einen riesigen Frachter zusteuert, um an seinem Heck vorbei zu kommen und dann vor gleich drei flussabwärts herannahenden Kähnen das andere Ufer zu gewinnen – das allein ist die Überfahrt wert. Und

42 |

Ruhr Revue

drüben in Orsoy könnte der Kontrast zum Walsumer Kühlturm kaum größer sein. Orsoy gehört zu Rheinberg, einer Stadt mit sehr unterschiedlichen Facetten. Mancher kennt sie noch als Geburtsort Claudia Schiffers. Wer sich mehr für Magenbitter interessiert als für Blondinen, der weiß: Underberg ist auch aus Rheinberg. Das Stammhaus steht noch in der hübschen Altstadt, und dort soll auch noch die Essenz des Kräuterschnapses gebraut werden, nicht minder geheimnisvoll als der Coca-Cola-Sirup. Außerhalb des Stadtkerns hat Rheinberg Industrie, aber auch sehr ländliche Bezirke. Zu letzteren zählt Orsoy. Man könnte gleich hängen bleiben in dem hübschen

Dorf hinterm Deich – oder auch auf der baumbestandenen Promenade oben auf dem Deich, mit Blick auf den Rhein und die Industriekulisse drüben. Wir aber radeln nach Karte nordwärts zu einem Weiler namens „Milchplatz“.

| Niederrheiner helfen „Saaackgassäää!“ Wir hatten es geahnt und kehren folgsam um. Die Beschilderung des wunderhübschen Radwegs ist um „Milchplatz“ herum mehr als mäßig. Jene Familie, die da eben im Chor vom Bauernhof her gerufen hat, tut das an schönen Tagen dutzende Male. Sie hatten schon selbst mal ein Schild an die Sackgasse gehängt, aber das ist von der Sonne ausgebleicht. „Müssen wir mal neu machen.“ Bis

dahin empfiehlt die Bauersfamilie: „Immer auf die Einheimischen hören.“ Die Irritation hält noch ein paar Kilometer lang an. Schilder sind rar, und der Rhein biegt hier nach links ab; das aber sieht man hinter dem Deich nicht. Man meint, sich vom Fluss zu entfernen. Wenn man den Deich trotzdem rechts behält (ab und zu hochklettern und gucken!), klappt’s aber. Nahe der Rheinberger Innenstadt geht es kurze Zeit an der Hauptstraße entlang, doch vor dem Solvay-Chemiewerk dann rechts ab. Und plötzlich ist die Wegweisung mit den bekannten Radweg-Schildern viel besser. Und die Landschaft wird wieder richtig niederrheinischgrün. Nur jenseits des Rheins sieht man das Kraftwerk und ein funktionsloses Fördergerüst in Voerde. Linkerhand in der Ferne sieht der Kenner ebenfalls zwei Fördertürme; sie sind noch in Betrieb. Aber dort in Rheinberg-Borth wird nicht Schwarzes gefördert, sondern Weißes. Das Bergwerk, eines der größten seiner Art in Europa, dürfte im langen Winter Überschichten gefahren haben – ein großer Teil des Salzes landet unter den Rädern unserer Autos. Wir nähern uns nun Büderich, heute linksrheinischer Teil von Wesel. Am frisch erneuerten Deich findet sich eine jetzt

— Hinterm Deich lässt sich gut radeln – windgeschützt. Dafür gibt’s an anderen Stellen Blick auf den Fluss.

hochwillkommene Gelegenheit zu rasten, zu essen und zu trinken: Die Aussicht von der Terrasse des Hotels „Wacht am Rhein“, ausgerechnet, haben 1945 schon Winston Churchill und Bernard Montgomery genutzt, um den Rheinübergang der alliierten Truppen zu beobachten. Anschließend geht es unter der Rheinbrücke hindurch, am stattlichen Rest der zerstörten Eisenbahnbrücke vorbei und wieder mitten in schönste niederrheinische Flusslandschaft.

| Auenlandschaft Die „Bislicher Insel“ ist zwar gar keine, aber eine von wenigen erhaltenen Auenlandschaften in Deutschland, Wohnung

zahlreicher seltener Tierarten und Raststätte vieler Zugvögel. Kurios: Erstens sind wir nun schon wieder bei Xanten – es ist einfach ein besonders starkes Stück Wesel-Kreis. Zweitens spielt der Regionalverband Ruhr eine herausragende Rolle bei Erhalt und Pflege dieses so unruhrischen Naturschutzgebietes. Und drittens hilft die benachbarte Salz-Zeche dabei, indem sie durch Abbau unter dem Xantener „Alten Rhein“ dessen Absinken und gewollte Vernässung fördert. Das ist doch wirklich typisch Ruhrgebiet, oder? Und gleichzeitig: Mehr Niederrhein geht nicht. Zwischen Xanten und dem rechten Rheinufer verkehrt sommers eine Radlerfähre

namens „Keer Tröch“, was wohl „kehre zurück“ bedeuten soll. Niederrheinisch. Beiderseits des Flusses gibt es an dieser Stelle Gelegenheit zur Einkehr. Und was das „Keer Tröch“ zum Ausgangsort angeht, gibt es ebenfalls mehrere Möglichkeiten. Man kann, zum Beispiel, am rechten Ufer ganz zurückradeln. Wir aber sind in Wesel in einen Zug nach Dinslaken gestiegen und dann mit der Straßenbahn 903 nach Walsum gefahren. Die bessere Idee ist vielleicht: Von Xanten mit dem „Niederrheiner“ bis Rheinberg, Moers oder Duisburg Hbf und von dort nach Walsum, sofern es dort ein abgestelltes Auto mitzunehmen gilt. ● -na

Schlafstörungen? Rückenprobleme? Vor allem Menschen mit Schlafstörungen und/oder Rückenbeschwerden profitieren von den einzigartigen SAMINA Schlaf-Gesund-Produkten. Deshalb wird das SAMINA-Schlafsystem von zahlreichen Ärzten, Schlafforschern, Heilpraktikern und Therapeuten empfohlen. Besuchen Sie uns und machen Sie sich selbst ein Bild von der überzeugenden Qualität und Vielfalt unserer SAMINA Produkte.

Gesunder Schlaf für Ihr Wohlbefinden.

wohn+schlafkontor johannes hentrich wigstr. 5 45239 essen-werden telefon (0201) 8946986 www.tischlerei-hentrich.de info@tischlerei-hentrich.de

Ruhr Revue

| 43


KREIS WESEL-SPEZIAL

KREIS WESEL-SPEZIAL

Rheines Vergnügen Radfahren im Kreis Wesel

— Mit der Rheinfähre nach Orsoy lässt sich eine Niederrhein-Radtour trefflich beginnen. Man kriegt ein Gefühl für den Fluss.

Der Niederrhein ist Fahrradland. In einem Heft, das den Kreis Wesel einerseits und das Radfahren andererseits als Schwerpunkt-Themen hat, muss als Schnittmenge eine Radtour am Rhein vorkommen. Wir können das nach 50 Kilometern auch nur empfehlen.

Schon klar: Der Kreis Wesel liegt beiderseits des Rheins. Dennoch ist die Flussüberquerung wohl die beste Art, den Übergang vom industriellen Ruhrgebiet zum Niederrhein erfahrbar zu machen, übrigens auch mit dem Auto. In Duisburg-Walsum wartet man auf die Fähre im Schatten eines riesigen Kühlturms; er gehört zum neuen Kraftwerk Walsum. Die Fähre heißt „Glück auf“ und eilt sehr schräg herbei, heftig gegen die Strömung arbeitend. Und wie der Kapitän dann auf einen riesigen Frachter zusteuert, um an seinem Heck vorbei zu kommen und dann vor gleich drei flussabwärts herannahenden Kähnen das andere Ufer zu gewinnen – das allein ist die Überfahrt wert. Und

42 |

Ruhr Revue

drüben in Orsoy könnte der Kontrast zum Walsumer Kühlturm kaum größer sein. Orsoy gehört zu Rheinberg, einer Stadt mit sehr unterschiedlichen Facetten. Mancher kennt sie noch als Geburtsort Claudia Schiffers. Wer sich mehr für Magenbitter interessiert als für Blondinen, der weiß: Underberg ist auch aus Rheinberg. Das Stammhaus steht noch in der hübschen Altstadt, und dort soll auch noch die Essenz des Kräuterschnapses gebraut werden, nicht minder geheimnisvoll als der Coca-Cola-Sirup. Außerhalb des Stadtkerns hat Rheinberg Industrie, aber auch sehr ländliche Bezirke. Zu letzteren zählt Orsoy. Man könnte gleich hängen bleiben in dem hübschen

Dorf hinterm Deich – oder auch auf der baumbestandenen Promenade oben auf dem Deich, mit Blick auf den Rhein und die Industriekulisse drüben. Wir aber radeln nach Karte nordwärts zu einem Weiler namens „Milchplatz“.

| Niederrheiner helfen „Saaackgassäää!“ Wir hatten es geahnt und kehren folgsam um. Die Beschilderung des wunderhübschen Radwegs ist um „Milchplatz“ herum mehr als mäßig. Jene Familie, die da eben im Chor vom Bauernhof her gerufen hat, tut das an schönen Tagen dutzende Male. Sie hatten schon selbst mal ein Schild an die Sackgasse gehängt, aber das ist von der Sonne ausgebleicht. „Müssen wir mal neu machen.“ Bis

dahin empfiehlt die Bauersfamilie: „Immer auf die Einheimischen hören.“ Die Irritation hält noch ein paar Kilometer lang an. Schilder sind rar, und der Rhein biegt hier nach links ab; das aber sieht man hinter dem Deich nicht. Man meint, sich vom Fluss zu entfernen. Wenn man den Deich trotzdem rechts behält (ab und zu hochklettern und gucken!), klappt’s aber. Nahe der Rheinberger Innenstadt geht es kurze Zeit an der Hauptstraße entlang, doch vor dem Solvay-Chemiewerk dann rechts ab. Und plötzlich ist die Wegweisung mit den bekannten Radweg-Schildern viel besser. Und die Landschaft wird wieder richtig niederrheinischgrün. Nur jenseits des Rheins sieht man das Kraftwerk und ein funktionsloses Fördergerüst in Voerde. Linkerhand in der Ferne sieht der Kenner ebenfalls zwei Fördertürme; sie sind noch in Betrieb. Aber dort in Rheinberg-Borth wird nicht Schwarzes gefördert, sondern Weißes. Das Bergwerk, eines der größten seiner Art in Europa, dürfte im langen Winter Überschichten gefahren haben – ein großer Teil des Salzes landet unter den Rädern unserer Autos. Wir nähern uns nun Büderich, heute linksrheinischer Teil von Wesel. Am frisch erneuerten Deich findet sich eine jetzt

— Hinterm Deich lässt sich gut radeln – windgeschützt. Dafür gibt’s an anderen Stellen Blick auf den Fluss.

hochwillkommene Gelegenheit zu rasten, zu essen und zu trinken: Die Aussicht von der Terrasse des Hotels „Wacht am Rhein“, ausgerechnet, haben 1945 schon Winston Churchill und Bernard Montgomery genutzt, um den Rheinübergang der alliierten Truppen zu beobachten. Anschließend geht es unter der Rheinbrücke hindurch, am stattlichen Rest der zerstörten Eisenbahnbrücke vorbei und wieder mitten in schönste niederrheinische Flusslandschaft.

| Auenlandschaft Die „Bislicher Insel“ ist zwar gar keine, aber eine von wenigen erhaltenen Auenlandschaften in Deutschland, Wohnung

zahlreicher seltener Tierarten und Raststätte vieler Zugvögel. Kurios: Erstens sind wir nun schon wieder bei Xanten – es ist einfach ein besonders starkes Stück Wesel-Kreis. Zweitens spielt der Regionalverband Ruhr eine herausragende Rolle bei Erhalt und Pflege dieses so unruhrischen Naturschutzgebietes. Und drittens hilft die benachbarte Salz-Zeche dabei, indem sie durch Abbau unter dem Xantener „Alten Rhein“ dessen Absinken und gewollte Vernässung fördert. Das ist doch wirklich typisch Ruhrgebiet, oder? Und gleichzeitig: Mehr Niederrhein geht nicht. Zwischen Xanten und dem rechten Rheinufer verkehrt sommers eine Radlerfähre

namens „Keer Tröch“, was wohl „kehre zurück“ bedeuten soll. Niederrheinisch. Beiderseits des Flusses gibt es an dieser Stelle Gelegenheit zur Einkehr. Und was das „Keer Tröch“ zum Ausgangsort angeht, gibt es ebenfalls mehrere Möglichkeiten. Man kann, zum Beispiel, am rechten Ufer ganz zurückradeln. Wir aber sind in Wesel in einen Zug nach Dinslaken gestiegen und dann mit der Straßenbahn 903 nach Walsum gefahren. Die bessere Idee ist vielleicht: Von Xanten mit dem „Niederrheiner“ bis Rheinberg, Moers oder Duisburg Hbf und von dort nach Walsum, sofern es dort ein abgestelltes Auto mitzunehmen gilt. ● -na

Schlafstörungen? Rückenprobleme? Vor allem Menschen mit Schlafstörungen und/oder Rückenbeschwerden profitieren von den einzigartigen SAMINA Schlaf-Gesund-Produkten. Deshalb wird das SAMINA-Schlafsystem von zahlreichen Ärzten, Schlafforschern, Heilpraktikern und Therapeuten empfohlen. Besuchen Sie uns und machen Sie sich selbst ein Bild von der überzeugenden Qualität und Vielfalt unserer SAMINA Produkte.

Gesunder Schlaf für Ihr Wohlbefinden.

wohn+schlafkontor johannes hentrich wigstr. 5 45239 essen-werden telefon (0201) 8946986 www.tischlerei-hentrich.de info@tischlerei-hentrich.de

Ruhr Revue

| 43