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Freiherrlich Wohnen im Schloss – einst und jetzt

— Von der linken Seite her bewegt sich der Besucher zunächst auf das Schloss Hugenpoet zu. Hinter dem Tordurchgang geht es dann links rum.

Seit fast sechzig Jahren können Hotelgäste im Essener Schloss Hugenpoet fürstlich wohnen. Und das wird auch so bleiben. Obwohl: In Wahrheit wohnt man dort freiherrlich. Was womöglich noch verlockender klingt. Die Geschichte des Schlosses wird den Gästen vielleicht künftig noch etwas präsenter sein als bisher, da der freiherrliche Eigentümer jetzt auch Betreiber des Hotels und mithin Gastgeber ist.

Noble Limousinen und schnelle Coupés sind ein gängiger Anblick vor dem Schloss. Man darf annehmen, dass auch Maximilian Freiherr von Fürstenberg Entsprechendes aus seinem Fuhrpark hätte wählen können. Doch der Baron – so die gängige französische Bezeichnung für Freiherrn – fährt zum Gespräch mit der RUHR REVUE in einem recht betagten Kombi-Mercedes vor, passendes Gefährt für jemanden, der einen großen Teil seiner Arbeitszeit der

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Ruhr Revue

Bewirtschaftung familieneigener Forsten widmet. Mit dem Auto harmoniert die gediegen-lässige Garderobe; ohne Zweifel könnte der Baron die Loafer an seinen Füßen jederzeit gegen ein Paar schwerer Gummistiefel tauschen, und auch das ergäbe ein stimmiges Bild. Dazu ein freundlich-junges Gesicht, eine pfiffige kleine Brille und ein kräftiger dunkler Haarschopf: Maximilian Freiherr von Fürstenberg wäre im TV die Idealbesetzung für einen Landedelmann. Doch für solche Nebenbeschäftigung dürfte er keine Zeit haben – als frischgebackener Hotelbetreiber weniger denn je. Beim Tee – präzise zwei Minuten gezogen – mit Blick auf den Schlosspark erzählt der Baron von der Geschichte des Schlosses als Wohnhaus. Als seine Familie das Haus 1831 erwarb, war es – modern gesprochen – längst eine Gebrauchtimmobilie. Die Vorgeschichte geht bis ins frühe

— Der Eingang des Haupthauses. Die drei hübschen Wetterfahnen übrigens sind sich selten ganz einig, woher denn nun der Wind weht.

Mittelalter zurück. Im Jahr 1508 richtete sich ein Zweig der Adelsfamilie Nesselrode auf Hugenpoet häuslich ein; der Familienzweig nennt sich bis heute NesselrodeHugenpoet. Wie ihr Schloss ursprünglich aussah, ist nicht im Detail bekannt; es — Neues Team im Schlosshotel: Gesa Brennecken und Maximilian Freiherr von Fürstenberg

wurde im Dreißigjährigen Krieg von hessischen Truppen zerstört. Die Nesselrodes ließen die Ruinen abreißen und zwischen 1647 und 1696 ein neues Barockschloss bauen, wie es in seiner Grundstruktur noch heute steht. Für die Nachkommen der Bauherren allerdings erwies sich das Schloss, obwohl gar nicht alle Pläne verwirklicht wurden, als eine Nummer zu groß. Sie konnten den Erhalt der Anlage nicht finanzieren, und so begann das Schloss zu verfallen.

| Keine Wallace-Kulisse Als Freiherr Friedrich Leopold von Fürstenberg 1831 zugriff, war Schloss Hugenpoet sicher ein Schnäppchen, aber beileibe nicht bewohnbar. Mit der Renovierung hatten die Fürstenbergs keine Eile – schließlich hatten sie eben erst Schloss Borbeck bezogen, die ehemalige Residenz der Essener Fürstäbtissinnen. Über 30 Jahre

hin ließen sie Schloss Hugenpoet restaurieren und im Stil der Neorenaissance behutsam neu gestalten. Nachfahre Maximilian von Fürstenberg ist heute froh, dass man sich damals nicht des anderen gängigen Baustils bedient hat, der Neugotik. Das wäre ihm doch zu düster, sagt er. Ein Beispiel dafür gibt es in der Verwandtschaft, beim Stammschloss Herdringen im Sauerland. Dort sind in den sechziger Jahren zwei der berüchtigten Gruselkrimis nach Edgar Wallace gedreht worden. Die Neorenaissance in Hugenpoet konnte übrigens auf echten RenaissanceSchätzen aufbauen, die Fürstenbergs aus (Gelsenkirchen-)Horst importierten. Dort nämlich gehörte ihnen seit Längerem das Schloss Horst. Als Wohnsitz nutzten sie es allerdings nicht, und das war vermutlich auch gut so. Die Substanz war marode, „es kam eine Hiobsbotschaft nach der anderen“, und später stürzten große Teile

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— Von der linken Seite her bewegt sich der Besucher zunächst auf das Schloss Hugenpoet zu. Hinter dem Tordurchgang geht es dann links rum.

Seit fast sechzig Jahren können Hotelgäste im Essener Schloss Hugenpoet fürstlich wohnen. Und das wird auch so bleiben. Obwohl: In Wahrheit wohnt man dort freiherrlich. Was womöglich noch verlockender klingt. Die Geschichte des Schlosses wird den Gästen vielleicht künftig noch etwas präsenter sein als bisher, da der freiherrliche Eigentümer jetzt auch Betreiber des Hotels und mithin Gastgeber ist.

Noble Limousinen und schnelle Coupés sind ein gängiger Anblick vor dem Schloss. Man darf annehmen, dass auch Maximilian Freiherr von Fürstenberg Entsprechendes aus seinem Fuhrpark hätte wählen können. Doch der Baron – so die gängige französische Bezeichnung für Freiherrn – fährt zum Gespräch mit der RUHR REVUE in einem recht betagten Kombi-Mercedes vor, passendes Gefährt für jemanden, der einen großen Teil seiner Arbeitszeit der

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Bewirtschaftung familieneigener Forsten widmet. Mit dem Auto harmoniert die gediegen-lässige Garderobe; ohne Zweifel könnte der Baron die Loafer an seinen Füßen jederzeit gegen ein Paar schwerer Gummistiefel tauschen, und auch das ergäbe ein stimmiges Bild. Dazu ein freundlich-junges Gesicht, eine pfiffige kleine Brille und ein kräftiger dunkler Haarschopf: Maximilian Freiherr von Fürstenberg wäre im TV die Idealbesetzung für einen Landedelmann. Doch für solche Nebenbeschäftigung dürfte er keine Zeit haben – als frischgebackener Hotelbetreiber weniger denn je. Beim Tee – präzise zwei Minuten gezogen – mit Blick auf den Schlosspark erzählt der Baron von der Geschichte des Schlosses als Wohnhaus. Als seine Familie das Haus 1831 erwarb, war es – modern gesprochen – längst eine Gebrauchtimmobilie. Die Vorgeschichte geht bis ins frühe

— Der Eingang des Haupthauses. Die drei hübschen Wetterfahnen übrigens sind sich selten ganz einig, woher denn nun der Wind weht.

Mittelalter zurück. Im Jahr 1508 richtete sich ein Zweig der Adelsfamilie Nesselrode auf Hugenpoet häuslich ein; der Familienzweig nennt sich bis heute NesselrodeHugenpoet. Wie ihr Schloss ursprünglich aussah, ist nicht im Detail bekannt; es — Neues Team im Schlosshotel: Gesa Brennecken und Maximilian Freiherr von Fürstenberg

wurde im Dreißigjährigen Krieg von hessischen Truppen zerstört. Die Nesselrodes ließen die Ruinen abreißen und zwischen 1647 und 1696 ein neues Barockschloss bauen, wie es in seiner Grundstruktur noch heute steht. Für die Nachkommen der Bauherren allerdings erwies sich das Schloss, obwohl gar nicht alle Pläne verwirklicht wurden, als eine Nummer zu groß. Sie konnten den Erhalt der Anlage nicht finanzieren, und so begann das Schloss zu verfallen.

| Keine Wallace-Kulisse Als Freiherr Friedrich Leopold von Fürstenberg 1831 zugriff, war Schloss Hugenpoet sicher ein Schnäppchen, aber beileibe nicht bewohnbar. Mit der Renovierung hatten die Fürstenbergs keine Eile – schließlich hatten sie eben erst Schloss Borbeck bezogen, die ehemalige Residenz der Essener Fürstäbtissinnen. Über 30 Jahre

hin ließen sie Schloss Hugenpoet restaurieren und im Stil der Neorenaissance behutsam neu gestalten. Nachfahre Maximilian von Fürstenberg ist heute froh, dass man sich damals nicht des anderen gängigen Baustils bedient hat, der Neugotik. Das wäre ihm doch zu düster, sagt er. Ein Beispiel dafür gibt es in der Verwandtschaft, beim Stammschloss Herdringen im Sauerland. Dort sind in den sechziger Jahren zwei der berüchtigten Gruselkrimis nach Edgar Wallace gedreht worden. Die Neorenaissance in Hugenpoet konnte übrigens auf echten RenaissanceSchätzen aufbauen, die Fürstenbergs aus (Gelsenkirchen-)Horst importierten. Dort nämlich gehörte ihnen seit Längerem das Schloss Horst. Als Wohnsitz nutzten sie es allerdings nicht, und das war vermutlich auch gut so. Die Substanz war marode, „es kam eine Hiobsbotschaft nach der anderen“, und später stürzten große Teile

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Freiherrlich Wohnen im Schloss – einst und jetzt

— Von der linken Seite her bewegt sich der Besucher zunächst auf das Schloss Hugenpoet zu. Hinter dem Tordurchgang geht es dann links rum.

Seit fast sechzig Jahren können Hotelgäste im Essener Schloss Hugenpoet fürstlich wohnen. Und das wird auch so bleiben. Obwohl: In Wahrheit wohnt man dort freiherrlich. Was womöglich noch verlockender klingt. Die Geschichte des Schlosses wird den Gästen vielleicht künftig noch etwas präsenter sein als bisher, da der freiherrliche Eigentümer jetzt auch Betreiber des Hotels und mithin Gastgeber ist.

Noble Limousinen und schnelle Coupés sind ein gängiger Anblick vor dem Schloss. Man darf annehmen, dass auch Maximilian Freiherr von Fürstenberg Entsprechendes aus seinem Fuhrpark hätte wählen können. Doch der Baron – so die gängige französische Bezeichnung für Freiherrn – fährt zum Gespräch mit der RUHR REVUE in einem recht betagten Kombi-Mercedes vor, passendes Gefährt für jemanden, der einen großen Teil seiner Arbeitszeit der

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Bewirtschaftung familieneigener Forsten widmet. Mit dem Auto harmoniert die gediegen-lässige Garderobe; ohne Zweifel könnte der Baron die Loafer an seinen Füßen jederzeit gegen ein Paar schwerer Gummistiefel tauschen, und auch das ergäbe ein stimmiges Bild. Dazu ein freundlich-junges Gesicht, eine pfiffige kleine Brille und ein kräftiger dunkler Haarschopf: Maximilian Freiherr von Fürstenberg wäre im TV die Idealbesetzung für einen Landedelmann. Doch für solche Nebenbeschäftigung dürfte er keine Zeit haben – als frischgebackener Hotelbetreiber weniger denn je. Beim Tee – präzise zwei Minuten gezogen – mit Blick auf den Schlosspark erzählt der Baron von der Geschichte des Schlosses als Wohnhaus. Als seine Familie das Haus 1831 erwarb, war es – modern gesprochen – längst eine Gebrauchtimmobilie. Die Vorgeschichte geht bis ins frühe

— Der Eingang des Haupthauses. Die drei hübschen Wetterfahnen übrigens sind sich selten ganz einig, woher denn nun der Wind weht.

Mittelalter zurück. Im Jahr 1508 richtete sich ein Zweig der Adelsfamilie Nesselrode auf Hugenpoet häuslich ein; der Familienzweig nennt sich bis heute NesselrodeHugenpoet. Wie ihr Schloss ursprünglich aussah, ist nicht im Detail bekannt; es — Neues Team im Schlosshotel: Gesa Brennecken und Maximilian Freiherr von Fürstenberg

wurde im Dreißigjährigen Krieg von hessischen Truppen zerstört. Die Nesselrodes ließen die Ruinen abreißen und zwischen 1647 und 1696 ein neues Barockschloss bauen, wie es in seiner Grundstruktur noch heute steht. Für die Nachkommen der Bauherren allerdings erwies sich das Schloss, obwohl gar nicht alle Pläne verwirklicht wurden, als eine Nummer zu groß. Sie konnten den Erhalt der Anlage nicht finanzieren, und so begann das Schloss zu verfallen.

| Keine Wallace-Kulisse Als Freiherr Friedrich Leopold von Fürstenberg 1831 zugriff, war Schloss Hugenpoet sicher ein Schnäppchen, aber beileibe nicht bewohnbar. Mit der Renovierung hatten die Fürstenbergs keine Eile – schließlich hatten sie eben erst Schloss Borbeck bezogen, die ehemalige Residenz der Essener Fürstäbtissinnen. Über 30 Jahre

hin ließen sie Schloss Hugenpoet restaurieren und im Stil der Neorenaissance behutsam neu gestalten. Nachfahre Maximilian von Fürstenberg ist heute froh, dass man sich damals nicht des anderen gängigen Baustils bedient hat, der Neugotik. Das wäre ihm doch zu düster, sagt er. Ein Beispiel dafür gibt es in der Verwandtschaft, beim Stammschloss Herdringen im Sauerland. Dort sind in den sechziger Jahren zwei der berüchtigten Gruselkrimis nach Edgar Wallace gedreht worden. Die Neorenaissance in Hugenpoet konnte übrigens auf echten RenaissanceSchätzen aufbauen, die Fürstenbergs aus (Gelsenkirchen-)Horst importierten. Dort nämlich gehörte ihnen seit Längerem das Schloss Horst. Als Wohnsitz nutzten sie es allerdings nicht, und das war vermutlich auch gut so. Die Substanz war marode, „es kam eine Hiobsbotschaft nach der anderen“, und später stürzten große Teile

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GoethestraĂ&#x;e 19 ˆ 45128 Essen

Tel. 0201 / 7292 0

— Stuckdecken, Kronleuchter, alte Bilder an den Wänden: Das freiherrliche Ambiente kĂśnnen seit fast 60 Jahren die Gäste des Schlosshotels genieĂ&#x;en.

— Die heutige Hotelbar (oben) und der Eingangsbereich mit Rezeption. Das mächtige Portal war ursprĂźnglich fĂźr den AuĂ&#x;enbereich eines anderen Gebäudes gedacht und konnte nicht fertiggestellt werden, als in Ratingen der schwarze Marmor zur Neige ging. Schlossbesitzer Nesselrode Ăźbernahm das StĂźck und lieĂ&#x; es im Inneren von Hugenpoet einbauen, zusammen mit passendem Treppenaufgang und versehen mit dem Allianzwappen seiner Familie.

der Anlage ein, nicht zuletzt wegen zunehmender Bergschäden. Drei wertvolle, reich verzierte Sandsteinkamine zählten zu den Einrichtungsgegenständen, die FĂźrstenbergs rechtzeitig bergen und in Hugenpoet einbauen lieĂ&#x;en. Dort blieben sie erhalten, und der Baron schwärmt Ăźber ihre kĂźnstlerische Qualität. In Borbeck sahen sich die FĂźrstenbergs im späten 19. Jahrhundert zusehends von Schwerindustrie umzingelt. Sie verlieĂ&#x;en den geschäftigen Norden der Region und zogen in das idyllische Ruhrtal – genau wie zur gleichen Zeit die Krupps oder die Thyssens. Der Unterschied: Die FĂźrstenbergs hatten selbst nicht dazu beigetragen, dass die Emscherregion unwohnlicher wurde. Jedenfalls war Schloss Hugenpoet seit 1879 Wohnmittelpunkt dieses Familienzweigs. Stichwort Wohnen: „Wie war es denn, als Familie im Schloss zu wohnen?“, mĂśchte Gesa Brennecken an dieser Stelle wissen. Als stellvertretende Hoteldirektorin ist sie nur mit der heutigen Funktion des Hauses vertraut.

| Leben auf dem Schloss? Damals zog es ‌

Exklusiv wohnen im Alter Die Nova Vita Residenz Am Folkwang Museum in Essen bietet Ihnen 85 Wohnungen sowie 0Ă›EGEPLÂźTZE 3IE BEĂšNDET SICH IN ZENTRALER ,AGE NAHE DEM 3TADTGARTEN DER 0HILHARMONIE UND DEM 'RUGAPARK 'ESCHÂźFTE 2ESTAURANTS DIE &U¡GÂźNGERZONE ĂŽFFENTLICHE 6ERKEHRSMITTEL – ALLES IST GANZ BEQUEM ZU ERREICHEN Rufen Sie uns ganz unverbindlich an, wir informieren Sie gerne!

Nach heutigen Komfortbegriffen, sagt der Baron, „war das sicher nicht sehr angenehm. Die Bausubstanz war aus dem 17. Jahrhundert. Da zieht’s.“ Letztlich sei Hugenpoet Zentrale eines landund forstwirtschaftlichen Betriebes gewesen. Mit viel Personal, das teils häufig wechselte. Noch heute kĂśnne man im Sauerland Geschichten von Mädchen hĂśren, die einst auf Hugenpoet Hauswirtschaft gelernt hatten. Sein GroĂ&#x;vater, erzählt der Baron, habe Ăźberdies auf Hugenpoet mit unverheirateten Tanten und Schwestern unter einem Dach gewohnt, als er in den dreiĂ&#x;iger Jahren

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GoethestraĂ&#x;e 19 ˆ 45128 Essen

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— Stuckdecken, Kronleuchter, alte Bilder an den Wänden: Das freiherrliche Ambiente kĂśnnen seit fast 60 Jahren die Gäste des Schlosshotels genieĂ&#x;en.

— Die heutige Hotelbar (oben) und der Eingangsbereich mit Rezeption. Das mächtige Portal war ursprĂźnglich fĂźr den AuĂ&#x;enbereich eines anderen Gebäudes gedacht und konnte nicht fertiggestellt werden, als in Ratingen der schwarze Marmor zur Neige ging. Schlossbesitzer Nesselrode Ăźbernahm das StĂźck und lieĂ&#x; es im Inneren von Hugenpoet einbauen, zusammen mit passendem Treppenaufgang und versehen mit dem Allianzwappen seiner Familie.

der Anlage ein, nicht zuletzt wegen zunehmender Bergschäden. Drei wertvolle, reich verzierte Sandsteinkamine zählten zu den Einrichtungsgegenständen, die FĂźrstenbergs rechtzeitig bergen und in Hugenpoet einbauen lieĂ&#x;en. Dort blieben sie erhalten, und der Baron schwärmt Ăźber ihre kĂźnstlerische Qualität. In Borbeck sahen sich die FĂźrstenbergs im späten 19. Jahrhundert zusehends von Schwerindustrie umzingelt. Sie verlieĂ&#x;en den geschäftigen Norden der Region und zogen in das idyllische Ruhrtal – genau wie zur gleichen Zeit die Krupps oder die Thyssens. Der Unterschied: Die FĂźrstenbergs hatten selbst nicht dazu beigetragen, dass die Emscherregion unwohnlicher wurde. Jedenfalls war Schloss Hugenpoet seit 1879 Wohnmittelpunkt dieses Familienzweigs. Stichwort Wohnen: „Wie war es denn, als Familie im Schloss zu wohnen?“, mĂśchte Gesa Brennecken an dieser Stelle wissen. Als stellvertretende Hoteldirektorin ist sie nur mit der heutigen Funktion des Hauses vertraut.

| Leben auf dem Schloss? Damals zog es ‌

Exklusiv wohnen im Alter Die Nova Vita Residenz Am Folkwang Museum in Essen bietet Ihnen 85 Wohnungen sowie 0Ă›EGEPLÂźTZE 3IE BEĂšNDET SICH IN ZENTRALER ,AGE NAHE DEM 3TADTGARTEN DER 0HILHARMONIE UND DEM 'RUGAPARK 'ESCHÂźFTE 2ESTAURANTS DIE &U¡GÂźNGERZONE ĂŽFFENTLICHE 6ERKEHRSMITTEL – ALLES IST GANZ BEQUEM ZU ERREICHEN Rufen Sie uns ganz unverbindlich an, wir informieren Sie gerne!

Nach heutigen Komfortbegriffen, sagt der Baron, „war das sicher nicht sehr angenehm. Die Bausubstanz war aus dem 17. Jahrhundert. Da zieht’s.“ Letztlich sei Hugenpoet Zentrale eines landund forstwirtschaftlichen Betriebes gewesen. Mit viel Personal, das teils häufig wechselte. Noch heute kĂśnne man im Sauerland Geschichten von Mädchen hĂśren, die einst auf Hugenpoet Hauswirtschaft gelernt hatten. Sein GroĂ&#x;vater, erzählt der Baron, habe Ăźberdies auf Hugenpoet mit unverheirateten Tanten und Schwestern unter einem Dach gewohnt, als er in den dreiĂ&#x;iger Jahren

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— Eine Sitzgruppe im Eingangsbereich, mit einem der wertvollen Gelsenkirchener Kamine. Von den Wänden schauen einstmals prominente Fürstenbergs.

heiratete. Weil er das seiner jungen Frau so unromantisch nicht zumuten wollte, sann er auf Abhilfe. Statt dessen kam der Krieg. Während des Krieges quartierte sich die staatliche Bau-„Organisation Todt“ im Schloss ein. Wegen der Bomben und der aufs Ruhrgebiet zuflutenden Kämpfe wurde die Familie teils ins Sauerland ausquartiert. Als in den letzten Kriegsmonaten ein riesiges Kruppsches Eisenbahngeschütz im Bahntunnel bei Kettwig stationiert wurde, ließ der Donner eines Schusses die Fenster des Schlosses zersplittern. Maximilian von Fürstenberg erzählt, wie sein Großvater mit dem Pferdefuhrwerk aus Düsseldorf rares Glas herbeischaffte und wie er am Hügel oberhalb des Schlosses vom Wagen sprang, weil die Bremsen des schweren Fuhrwerks versagten – das heldenhafte Pferd brachte Wagen und Ladung allein heil bis zum Schloss.

| Einquartiert: Folkwangmuseum Bei Kriegsende verschwand natürlich die „Organisation Todt“, dafür kamen andere Untermieter: Flüchtlinge und das Museum Folkwang, dessen verbliebene Kunstwerke im Untergeschoss des Schlosses gelagert und auch ausgestellt wurden. Der Groß-

vater, im Obergeschoss, sollte dazu beitragen, dass nichts geklaut wurde. Erst von etwa 1950 an war man wieder unter sich. Auch wenn das Schloss nicht im Kampf beschädigt und von niemandem vandalisiert worden war, so hatte es doch Investitionen nötig. Und so problematisch

— Noch ein wertvoller Kamin. Die putzigen Ritterrüstungs-Leuchten sind aus den frühen Hoteljahren und finden sich nur in einem Raum. Aber sie haben was.

allzuviel Verwandtschaft unter einem Dach gewesen sein mochte: Vater, Mutter und vier Kinder waren wiederum zu wenig für das Haus: „Es ist ja wirklich groß!“ Kurz und gut: Der Großvater kaufte 1954 ein Haus in Düsseldorf-Angermund. Damit endete die Geschichte des Schlosses

als dauerhafter Familien-Wohnsitz. Statt dessen begann 1955 die Erfolgsstory des Schlosshotels. Mit Ausnahme eines Terrassen-Anbaus auf der Nordseite des Haupthauses gab es für die neue Nutzung weder außen noch innen An- oder Umbauten, die den Charakter des Schlosses beeinträchtigt

hätten. Hugenpoet steht im Wesentlichen noch so da wie am Ende des 19. Jahrhunderts, und das gilt – trotz allen neuzeitlichen Komforts – weitgehend auch für die Inneneinrichtung. Die Familie Fürstenberg hat ihrem Schloss nach dem Auszug keineswegs den

— Fein gearbeiteter Aufsatz über einem weiteren Kamin mit einzelnem Farbtupfer

— Kunstvolle Details an einem Sandsteinkamin, den die Fürstenbergs einst aus ihrem verfallenden Schloss Horst nach Hugenpoet verpflanzen ließen

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— Eine Sitzgruppe im Eingangsbereich, mit einem der wertvollen Gelsenkirchener Kamine. Von den Wänden schauen einstmals prominente Fürstenbergs.

heiratete. Weil er das seiner jungen Frau so unromantisch nicht zumuten wollte, sann er auf Abhilfe. Statt dessen kam der Krieg. Während des Krieges quartierte sich die staatliche Bau-„Organisation Todt“ im Schloss ein. Wegen der Bomben und der aufs Ruhrgebiet zuflutenden Kämpfe wurde die Familie teils ins Sauerland ausquartiert. Als in den letzten Kriegsmonaten ein riesiges Kruppsches Eisenbahngeschütz im Bahntunnel bei Kettwig stationiert wurde, ließ der Donner eines Schusses die Fenster des Schlosses zersplittern. Maximilian von Fürstenberg erzählt, wie sein Großvater mit dem Pferdefuhrwerk aus Düsseldorf rares Glas herbeischaffte und wie er am Hügel oberhalb des Schlosses vom Wagen sprang, weil die Bremsen des schweren Fuhrwerks versagten – das heldenhafte Pferd brachte Wagen und Ladung allein heil bis zum Schloss.

| Einquartiert: Folkwangmuseum Bei Kriegsende verschwand natürlich die „Organisation Todt“, dafür kamen andere Untermieter: Flüchtlinge und das Museum Folkwang, dessen verbliebene Kunstwerke im Untergeschoss des Schlosses gelagert und auch ausgestellt wurden. Der Groß-

vater, im Obergeschoss, sollte dazu beitragen, dass nichts geklaut wurde. Erst von etwa 1950 an war man wieder unter sich. Auch wenn das Schloss nicht im Kampf beschädigt und von niemandem vandalisiert worden war, so hatte es doch Investitionen nötig. Und so problematisch

— Noch ein wertvoller Kamin. Die putzigen Ritterrüstungs-Leuchten sind aus den frühen Hoteljahren und finden sich nur in einem Raum. Aber sie haben was.

allzuviel Verwandtschaft unter einem Dach gewesen sein mochte: Vater, Mutter und vier Kinder waren wiederum zu wenig für das Haus: „Es ist ja wirklich groß!“ Kurz und gut: Der Großvater kaufte 1954 ein Haus in Düsseldorf-Angermund. Damit endete die Geschichte des Schlosses

als dauerhafter Familien-Wohnsitz. Statt dessen begann 1955 die Erfolgsstory des Schlosshotels. Mit Ausnahme eines Terrassen-Anbaus auf der Nordseite des Haupthauses gab es für die neue Nutzung weder außen noch innen An- oder Umbauten, die den Charakter des Schlosses beeinträchtigt

hätten. Hugenpoet steht im Wesentlichen noch so da wie am Ende des 19. Jahrhunderts, und das gilt – trotz allen neuzeitlichen Komforts – weitgehend auch für die Inneneinrichtung. Die Familie Fürstenberg hat ihrem Schloss nach dem Auszug keineswegs den

— Fein gearbeiteter Aufsatz über einem weiteren Kamin mit einzelnem Farbtupfer

— Kunstvolle Details an einem Sandsteinkamin, den die Fürstenbergs einst aus ihrem verfallenden Schloss Horst nach Hugenpoet verpflanzen ließen

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— Der Baron wird nicht den Hotelier spielen. Aber es ist gut möglich, dass man ihn jetzt gelegentlich trifft.

— Bitte Platz nehmen: Die Möbel im Schlosshotel sind nicht auf alt getrimmt, sondern echt. Setzen kann und darf man sich trotzdem.

Rücken zugekehrt. Die Bindung bleibt, sagt Freiherr von Fürstenberg. Immer wieder fanden Familienfeste im Schlosshotel statt – der Baron selbst hat dort seine Hochzeit gefeiert und die Taufe seiner Kinder. Dabei waren die Fürstenbergs Gäste im eigenen Haus, denn das Hotel wurde von 1955 bis 2013 immer von Pächtern betrieben, mit großem Erfolg. Im letzten Sommer jedoch wurden Freunde des Hauses stutzig, als aus Kostengründen das

Sternerestaurant „Nero“ geschlossen wurde. Am Ende des Jahres stand plötzlich das Wort „Insolvenz“ im Raum. Um- und Ausbaukosten waren aus dem Ruder gelaufen. Was nun?

| Gelassenheit aus Tradition Übergabe des Hotels an eine finanzkräftige Kette? Sehr schnell fand sich die andere, die „naheliegende Lösung“, wie Maximilian von Fürstenberg sagt. Der 41-Jährige

als Oberhaupt der Besitzerfamilie übernahm selbst die Rolle des Hotelbetreibers. Vom Fach ist er nicht, aber die neue Aufgabe schreckt ihn nicht. Nach dem Studium der Geschichte und Archäologie hat er schon unerwartet früh die Aufgaben seines Vaters übernehmen müssen und kümmert sich um die Pflege des Familienbesitzes – Immobilien wie Forsten. Als Hotelier wolle er sich auch gar nicht geben: „Ich will nicht mitentscheiden,

— Das Mobiliar wirkt wie die Architektur eher freundlich als ehrfurchtgebietend. Neugotisches Edgar-Wallace-Ambiente sieht anders aus.

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was gekocht wird oder wie dekoriert wird.“ Dafür gebe es die eingespielte Crew mit Gesa Brennecken an der Spitze. Der Baron will sich aber um die Pflege und Entwicklung der Liegenschaft bemühen, in Abstimmung mit den Bedürfnissen des Hotelbetriebs. Die begonnenen Umbauten und Erweiterungen werden planmäßig weitergeführt. Außerdem hat der Baron dafür gesorgt, dass an den Gräften (Wassergräben) optisch Ordnung geschaffen wird. Ein zweites Abendrestaurant soll es bald wieder geben; im Übrigen hat sich der neue „Chef“ Kontinuität auf die Fahnen geschrieben. Auch wenn es keinen Stillstand geben werde: Irritierende Veränderungen müssen Freunde des Hauses — Ein richtig schön analoger Zeitmesser …

nicht befürchten. „Wir sitzen hier seit bald 200 Jahren“ – mit dieser Bemerkung deutet er an, welche Gelassenheit sich aus Familientradition gewinnen lässt. Und als Waldbesitzer sei er erst recht gewohnt, sehr langfristig zu denken: Was er tat, um Schäden durch den Sturm „Kyrill“ zu kurieren, könnten erst seine Kindeskinder würdigen. Als Wohnsitz hat Maximilian Freiherr von Fürstenberg das Schloss nie erlebt. Aber wenn er jetzt öfter als zuvor durch die Räume geht, trifft er überall auf Verwandte: Im „roten Salon“ hängen Bilder seiner engeren Vorfahren; anderswo sind es entferntere Ahnen, oft Kardinäle, Minister und andere Würdenträger. An verschiedenen Stellen hängen Stillleben von der Hand seines Großvaters. Möglichst bald will der Baron sich von einer Tante noch einmal genauer erklären lassen, wie früher die Raumaufteilung im Schloss war. Dazu stöbert er im Archiv; irgendwann möchte er seinen Gästen ein kleines Brevier zur Geschichte des Hauses an die Hand geben können. Für manche Gäste mag es besonders spannend sein, dass man nun jederzeit auf einen echten Freiherrn als Gastgeber treffen könnte. Bürgerliche Sorgen wegen der korrekten Anrede jedenfalls dürften überflüssig sein. Der Baron ist Kummer gewöhnt – schließlich passt sein vollständiger Name oft nicht mal in amtliche Formulare. Er wird sicher ohne Grimm verraten, wie er genannt werden möchte. l -na


— Der Baron wird nicht den Hotelier spielen. Aber es ist gut möglich, dass man ihn jetzt gelegentlich trifft.

— Bitte Platz nehmen: Die Möbel im Schlosshotel sind nicht auf alt getrimmt, sondern echt. Setzen kann und darf man sich trotzdem.

Rücken zugekehrt. Die Bindung bleibt, sagt Freiherr von Fürstenberg. Immer wieder fanden Familienfeste im Schlosshotel statt – der Baron selbst hat dort seine Hochzeit gefeiert und die Taufe seiner Kinder. Dabei waren die Fürstenbergs Gäste im eigenen Haus, denn das Hotel wurde von 1955 bis 2013 immer von Pächtern betrieben, mit großem Erfolg. Im letzten Sommer jedoch wurden Freunde des Hauses stutzig, als aus Kostengründen das

Sternerestaurant „Nero“ geschlossen wurde. Am Ende des Jahres stand plötzlich das Wort „Insolvenz“ im Raum. Um- und Ausbaukosten waren aus dem Ruder gelaufen. Was nun?

| Gelassenheit aus Tradition Übergabe des Hotels an eine finanzkräftige Kette? Sehr schnell fand sich die andere, die „naheliegende Lösung“, wie Maximilian von Fürstenberg sagt. Der 41-Jährige

als Oberhaupt der Besitzerfamilie übernahm selbst die Rolle des Hotelbetreibers. Vom Fach ist er nicht, aber die neue Aufgabe schreckt ihn nicht. Nach dem Studium der Geschichte und Archäologie hat er schon unerwartet früh die Aufgaben seines Vaters übernehmen müssen und kümmert sich um die Pflege des Familienbesitzes – Immobilien wie Forsten. Als Hotelier wolle er sich auch gar nicht geben: „Ich will nicht mitentscheiden,

— Das Mobiliar wirkt wie die Architektur eher freundlich als ehrfurchtgebietend. Neugotisches Edgar-Wallace-Ambiente sieht anders aus.

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was gekocht wird oder wie dekoriert wird.“ Dafür gebe es die eingespielte Crew mit Gesa Brennecken an der Spitze. Der Baron will sich aber um die Pflege und Entwicklung der Liegenschaft bemühen, in Abstimmung mit den Bedürfnissen des Hotelbetriebs. Die begonnenen Umbauten und Erweiterungen werden planmäßig weitergeführt. Außerdem hat der Baron dafür gesorgt, dass an den Gräften (Wassergräben) optisch Ordnung geschaffen wird. Ein zweites Abendrestaurant soll es bald wieder geben; im Übrigen hat sich der neue „Chef“ Kontinuität auf die Fahnen geschrieben. Auch wenn es keinen Stillstand geben werde: Irritierende Veränderungen müssen Freunde des Hauses — Ein richtig schön analoger Zeitmesser …

nicht befürchten. „Wir sitzen hier seit bald 200 Jahren“ – mit dieser Bemerkung deutet er an, welche Gelassenheit sich aus Familientradition gewinnen lässt. Und als Waldbesitzer sei er erst recht gewohnt, sehr langfristig zu denken: Was er tat, um Schäden durch den Sturm „Kyrill“ zu kurieren, könnten erst seine Kindeskinder würdigen. Als Wohnsitz hat Maximilian Freiherr von Fürstenberg das Schloss nie erlebt. Aber wenn er jetzt öfter als zuvor durch die Räume geht, trifft er überall auf Verwandte: Im „roten Salon“ hängen Bilder seiner engeren Vorfahren; anderswo sind es entferntere Ahnen, oft Kardinäle, Minister und andere Würdenträger. An verschiedenen Stellen hängen Stillleben von der Hand seines Großvaters. Möglichst bald will der Baron sich von einer Tante noch einmal genauer erklären lassen, wie früher die Raumaufteilung im Schloss war. Dazu stöbert er im Archiv; irgendwann möchte er seinen Gästen ein kleines Brevier zur Geschichte des Hauses an die Hand geben können. Für manche Gäste mag es besonders spannend sein, dass man nun jederzeit auf einen echten Freiherrn als Gastgeber treffen könnte. Bürgerliche Sorgen wegen der korrekten Anrede jedenfalls dürften überflüssig sein. Der Baron ist Kummer gewöhnt – schließlich passt sein vollständiger Name oft nicht mal in amtliche Formulare. Er wird sicher ohne Grimm verraten, wie er genannt werden möchte. l -na