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ESSEN-SPEZIAL

ESSEN-SPEZIAL — Die berühmte Goldene Madonna, „Essen sein Schatz“, erzählt von der großen mittelalterlichen Vergangenheit des Landes an der Ruhr.

Eine für alle

Essen geht voran Kulturhauptstadt 2010 – die Region Ruhrgebiet konnte sich bekanntlich nicht um den Titel bewerben; eine Stadt musste regelkonform stellvertretend für alle antreten. „Essen für das Ruhrgebiet“ heißt die offizielle Formel. Zum Beginn des lang erwarteten annus mirabilis an der Ruhr werfen wir – nach GE, MH, DU, DO, BO, OB, HER, RE, EN und BOT – nun einen speziellen Blick auf den Bannerträger: E wie Essen.

Wahrlich nicht jeder in den 53 Ruhr-Städten war ursprünglich dafür, dass Essen diese Rolle übernehmen sollte. Am Ende aber einigte man sich doch recht schnell darauf. Es gibt auch gute Gründe, Essen für hauptstadttauglich zu befinden. Zumindest kulturhauptstadttauglich. Erster Grund: Essen ist groß. Das ist jetzt rein numerisch gemeint. Und bevor ganz Dortmund protestiert: Jahr-

zehntelang war Essen nach Einwohnern die größte Stadt des Ruhrgebiets – laut offizieller Statistik auch zur Zeit der Kulturhauptstadt-Bewerbung, ehe Dortmund sich mit knappem Vorsprung an die Spitze setzte. Wenn man also annimmt, dass nur eine der großen Städte die Aufgabe des Bannerträgers übernehmen konnte, dann war die Entscheidung für die damals größte unter den Großen nahezu salomonisch.

Zweiter Grund: Essen ist mittendrin. Von Dortmund ist bekannt, dass es zuweilen versucht, seine östliche Randlage zu nutzen, um der Schicksalsgemeinschaft „Ruhrgebiet“ zu entfliehen und sich als Hauptstadt Westfalens zu positionieren. Das Gleiche am westlichen Rand: Duisburg wollte immer mal wieder Hauptort des Niederrheins sein und so tun, als habe die Stadt mit dem Ruhrgebiet eigentlich so recht nichts

am Hut. Geschenkt, beides. Aber: Essen stand der weil immer in Treue fest zum Ruhrrevier, da gab es nie einen Zweifel.

| Mitten im Revier Die reine Tugend war das natürlich nicht. Denn Essen als Hauptstadt des südlich angrenzenden bergischen Landes – das funktioniert einfach nicht und würde auch auf Widerstand oder Hohngelächter in Wuppertal, Solingen, Remscheid und Düsseldorf gestoßen sein. Im Norden aber, im Osten und im Westen ist Essen schlicht derart von Ruhrgebiet umzingelt, da gibt es kein Entrinnen. Im europäischen Maßstab hieß so etwas mal die „geopolitische Lage“. Jedenfalls spricht eine Menge dafür, dass unter den großen jene Stadt

— Ein Blick von oben herab auf Essens südliche Innenstadt: mit den Verwaltungsgebäuden von RWE und Evonik, mit Aalto-Oper und Philharmonie/Saalbau mitten im grünen Stadtgarten. In der Mitte verläuft die Huyssenalle in Richtung Rüttenscheid und wird dort zur beliebten und belebten Flanierstraße „Rü“.

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ESSEN-SPEZIAL — Die berühmte Goldene Madonna, „Essen sein Schatz“, erzählt von der großen mittelalterlichen Vergangenheit des Landes an der Ruhr.

Eine für alle

Essen geht voran Kulturhauptstadt 2010 – die Region Ruhrgebiet konnte sich bekanntlich nicht um den Titel bewerben; eine Stadt musste regelkonform stellvertretend für alle antreten. „Essen für das Ruhrgebiet“ heißt die offizielle Formel. Zum Beginn des lang erwarteten annus mirabilis an der Ruhr werfen wir – nach GE, MH, DU, DO, BO, OB, HER, RE, EN und BOT – nun einen speziellen Blick auf den Bannerträger: E wie Essen.

Wahrlich nicht jeder in den 53 Ruhr-Städten war ursprünglich dafür, dass Essen diese Rolle übernehmen sollte. Am Ende aber einigte man sich doch recht schnell darauf. Es gibt auch gute Gründe, Essen für hauptstadttauglich zu befinden. Zumindest kulturhauptstadttauglich. Erster Grund: Essen ist groß. Das ist jetzt rein numerisch gemeint. Und bevor ganz Dortmund protestiert: Jahr-

zehntelang war Essen nach Einwohnern die größte Stadt des Ruhrgebiets – laut offizieller Statistik auch zur Zeit der Kulturhauptstadt-Bewerbung, ehe Dortmund sich mit knappem Vorsprung an die Spitze setzte. Wenn man also annimmt, dass nur eine der großen Städte die Aufgabe des Bannerträgers übernehmen konnte, dann war die Entscheidung für die damals größte unter den Großen nahezu salomonisch.

Zweiter Grund: Essen ist mittendrin. Von Dortmund ist bekannt, dass es zuweilen versucht, seine östliche Randlage zu nutzen, um der Schicksalsgemeinschaft „Ruhrgebiet“ zu entfliehen und sich als Hauptstadt Westfalens zu positionieren. Das Gleiche am westlichen Rand: Duisburg wollte immer mal wieder Hauptort des Niederrheins sein und so tun, als habe die Stadt mit dem Ruhrgebiet eigentlich so recht nichts

am Hut. Geschenkt, beides. Aber: Essen stand der weil immer in Treue fest zum Ruhrrevier, da gab es nie einen Zweifel.

| Mitten im Revier Die reine Tugend war das natürlich nicht. Denn Essen als Hauptstadt des südlich angrenzenden bergischen Landes – das funktioniert einfach nicht und würde auch auf Widerstand oder Hohngelächter in Wuppertal, Solingen, Remscheid und Düsseldorf gestoßen sein. Im Norden aber, im Osten und im Westen ist Essen schlicht derart von Ruhrgebiet umzingelt, da gibt es kein Entrinnen. Im europäischen Maßstab hieß so etwas mal die „geopolitische Lage“. Jedenfalls spricht eine Menge dafür, dass unter den großen jene Stadt

— Ein Blick von oben herab auf Essens südliche Innenstadt: mit den Verwaltungsgebäuden von RWE und Evonik, mit Aalto-Oper und Philharmonie/Saalbau mitten im grünen Stadtgarten. In der Mitte verläuft die Huyssenalle in Richtung Rüttenscheid und wird dort zur beliebten und belebten Flanierstraße „Rü“.

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ESSEN-SPEZIAL — Die berühmte Goldene Madonna, „Essen sein Schatz“, erzählt von der großen mittelalterlichen Vergangenheit des Landes an der Ruhr.

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Essen geht voran Kulturhauptstadt 2010 – die Region Ruhrgebiet konnte sich bekanntlich nicht um den Titel bewerben; eine Stadt musste regelkonform stellvertretend für alle antreten. „Essen für das Ruhrgebiet“ heißt die offizielle Formel. Zum Beginn des lang erwarteten annus mirabilis an der Ruhr werfen wir – nach GE, MH, DU, DO, BO, OB, HER, RE, EN und BOT – nun einen speziellen Blick auf den Bannerträger: E wie Essen.

Wahrlich nicht jeder in den 53 Ruhr-Städten war ursprünglich dafür, dass Essen diese Rolle übernehmen sollte. Am Ende aber einigte man sich doch recht schnell darauf. Es gibt auch gute Gründe, Essen für hauptstadttauglich zu befinden. Zumindest kulturhauptstadttauglich. Erster Grund: Essen ist groß. Das ist jetzt rein numerisch gemeint. Und bevor ganz Dortmund protestiert: Jahr-

zehntelang war Essen nach Einwohnern die größte Stadt des Ruhrgebiets – laut offizieller Statistik auch zur Zeit der Kulturhauptstadt-Bewerbung, ehe Dortmund sich mit knappem Vorsprung an die Spitze setzte. Wenn man also annimmt, dass nur eine der großen Städte die Aufgabe des Bannerträgers übernehmen konnte, dann war die Entscheidung für die damals größte unter den Großen nahezu salomonisch.

Zweiter Grund: Essen ist mittendrin. Von Dortmund ist bekannt, dass es zuweilen versucht, seine östliche Randlage zu nutzen, um der Schicksalsgemeinschaft „Ruhrgebiet“ zu entfliehen und sich als Hauptstadt Westfalens zu positionieren. Das Gleiche am westlichen Rand: Duisburg wollte immer mal wieder Hauptort des Niederrheins sein und so tun, als habe die Stadt mit dem Ruhrgebiet eigentlich so recht nichts

am Hut. Geschenkt, beides. Aber: Essen stand der weil immer in Treue fest zum Ruhrrevier, da gab es nie einen Zweifel.

| Mitten im Revier Die reine Tugend war das natürlich nicht. Denn Essen als Hauptstadt des südlich angrenzenden bergischen Landes – das funktioniert einfach nicht und würde auch auf Widerstand oder Hohngelächter in Wuppertal, Solingen, Remscheid und Düsseldorf gestoßen sein. Im Norden aber, im Osten und im Westen ist Essen schlicht derart von Ruhrgebiet umzingelt, da gibt es kein Entrinnen. Im europäischen Maßstab hieß so etwas mal die „geopolitische Lage“. Jedenfalls spricht eine Menge dafür, dass unter den großen jene Stadt

— Ein Blick von oben herab auf Essens südliche Innenstadt: mit den Verwaltungsgebäuden von RWE und Evonik, mit Aalto-Oper und Philharmonie/Saalbau mitten im grünen Stadtgarten. In der Mitte verläuft die Huyssenalle in Richtung Rüttenscheid und wird dort zur beliebten und belebten Flanierstraße „Rü“.

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das Banner trägt, die halbwegs im Zentrum der Region liegt. Dritter Grund: Heute sind eher die Namen anderer Städte stigmatisiert – Bottrop, Gelsenkirchen, Herne. Früher und vor allem im Ausland war es oft Essen, das für tatsächliche und vermeintliche schlechte Eigenschaften der ganzen Region verachtet oder gehasst wurde. Weil es jahrzehntelang größte Bergbaustadt des Kontinents war. Weil es die Stahlund Rüstungsfirma Krupp beherbergte. Da Essen so lange als negatives Synonym fürs Revier herhalten musste, ist es nur gerecht, wenn es jetzt auch mit der Fahne der Kulturhauptstadt den Völkern der Welt zuwinken darf. Übrigens soll ja schon der liebe Gott nach Fertigstellung des Ruhrgebietes ganz pars pro toto ausgerufen haben: „Essen ist fertig!“ Vierter Grund: Das ganze Ruhrgebiet ist kein Kind des 19. Jahrhunderts, wie viele draußen noch immer glauben. Fast jeder Ort hat seine mittelalterlichen Wurzeln. Dortmund und Duisburg fanden Beachtung als Reichshof oder Königspfalz, als Stützpunkte des herumreisenden Monarchen am Hellweg. Aber jenes Benediktinerkloster, das der Missionar und spätere Bischof Liudger 796 in Werden gründete, hatte eine ganz besondere, direkte und privilegierte Beziehung zu

Essen: Wer bin ich – und wenn ja wie viele

— Kaiser Wilhelm I. blickt auf das berühmte Münster – und auf das moderne Rathaus als Kontrast im Hintergrund.

den ostfränkischen Königen. Die Äbte wurden zu „reichsunmittelbaren“ Landesherren, und das Kloster durch vielfältige Verbindungen zu einem bedeutenden Zentrum der Gelehrsamkeit. Ähnlich hervorgehoben war jenes Damenstift, das der spätere Bischof Altfrid 845 ganz in der Nähe gründete. Die hochadligen Essener Stiftsdamen und besonders einige Äbtissinnen hatten engste Bindungen an die ottonischen und salischen Herrscherhäuser – voran die Kaiserenkelinnen Mathilde und Theophanu. Viele Orte in der Region wurden erstmals erwähnt als Besitz der Klöster Essen und Werden,

STRUZEK Schuhmachermeister

&

Orthopädieschuhmachermeister Jürgen Struzek Steeler Straße 167

45138 Essen

Fon + Fax 02 01/28 29 88 42 |

Ruhr Revue

deren eigentliche Territorien zusammen ziemlich genau dem Gebiet der heutigen Stadt Essen entsprechen. Abtei und Münster samt Domschatz sind daher besonders geeignet, die frühe Geschichte des gesamten Ruhrgebiets zu symbolisieren. Fünfter Grund: Essen ist zwar ein fürchterlicher Städtename fürs „Googeln“, weil dabei immer so viel Kulinarisches herauskommt. Aber keiner im Umkreis lässt sich wohl in jeglicher Sprache so leicht und eindeutig aussprechen wie „Essen“. Übrigens auch das knappe „Ruhr“ nicht. Sagen Sie mal „Ruhr“ auf Englisch. Uuäo. Oder so. Eben.

| Zuerst: das Münster Natürlich gibt es, wie in anderen Städten, noch zahllose andere Gründe, warum man sich in Essen wohlfühlen kann. Warum man die Stadt besuchen sollte. Womit fangen wir an? Mit dem Anfang. In der Mitte. Nach den Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs ist es keineswegs selbstverständlich, dass das Münster noch existiert. Es gehört zu den Launen der Geschichte, dass der einstimmige Ratsbeschluss zum Wiederaufbau 1946 unter Essens einzigem, noch von den Alliierten eingesetzten kommunistischen Oberbürgermeister

- exklusive Maßschuhe - Reparaturen von Schuhen und Lederwaren - hochwertige Reparaturen

1825 hat Essen noch immer nur 5000 Einwohner. 1873, als die Stadt kreisfrei wird, sind es schon zehnmal so viel. 1896 ist Essen Großstadt: 100.000 Einwohner. 1901 beginnt zusätzliches Wachstum durch Eroberung: Essen übernimmt den Nachbarn Altendorf samt Frohnhausen und Holsterhausen. Damit erst gehören die Kruppwerke und ihre Belegschaft ganz zu Essen. Im März 1905 wird der 200.000ste Essener geboren. Vier Monate später schluckt Essen das bürgerliche Rüttenscheid im Süden. 1908: Huttrop. 1910: Rellinghausen und Fulerum. 1915: die Industriegemeinden Altenessen und Borbeck, das ländliche Haarzopf und das vornehme Bredeney. Bei der großen Gebietsreform 1929 holt Essen zum größten Schlag aus, verleibt sich die Nachbargemeinden Frillendorf, Heisingen, Karnap, Katernberg, Kray, Kupferdreh, Schonnebeck, Stoppenberg und Überruhr ein, dazu die Städte Steele und Werden. Die Einwohnerzahl steigt auf über 650.000. Das Stadtgebiet hat sich fast verdoppelt und umfasst nun die landschaftliche Vielfalt zwischen Ruhrtal und Emscher. Anfang 1945 leben noch etwa 300.000 Menschen in der zerstörten Stadt, aber schon 1950 wird zum zweiten Mal die Geburt des 500.000sten Esseners gefeiert; sechs Jahre später schon wird Nummer 700.000 geboren. Der Babyboom treibt die Zahl der Essener 1963/64 noch auf 730.000 – danach geht es erstaunlich rasch bergab. Eingemeindungen – 10.000 (Burg)Altendorfer Seelen 1970 und 20.000 widerstrebende Kettwiger 1975 – können den Abwärtstrend nicht ausgleichen. Die Zahl rutscht unter 600.000, und schließlich kann sich Dortmund in der Städtetabelle vor Essen schieben.

Heinz Renner gefasst wurde. Und nun kann man nur jedem Besucher Essens raten: Sofort vom Bahnhof die „Kettwiger“ nordwärts laufen bis zum Burgplatz. Das ist der schönste Ort der Innenstadt – vor allem wegen des Münsters am nördlichen Platzrand. Für Ortsfremde verwirrend: Was da mit spitzem Turmhelm direkt an der Kettwiger Straße steht, ist nicht das Münster,

Dom genannt. Über frühe Veränderungen, Barockisierung, Regotisierung und Kriegszerstörungen an der vorromanischen Basilika zu berichten ist hier nicht der Platz. Man nehme sich einfach Zeit für die Besichtigung! Für den berühmten ottonischen Westbau, nach neueren Forschungen vermutlich aus der Zeit Mathildes (Äbtissin 971 bis 1011), nicht ihrer Nachfolgerin Theophanu (1039 bis 1058). Für die anschließende gotische Hallenkirche mit der berühmten Goldenen Madonna und dem siebenarmigen Leuchter, beide ebenfalls aus Mathildes Regierungszeit. Für Atrium

und Kreuzgang: Oase der Ruhe und Besinnung, nur einen Steinwurf vom profanen Einkaufstrubel entfernt. Schließlich für die neu gestaltete Domschatzkammer mit den einzigartigen Preziosen aus der mittelalterlichen Blütezeit des Stiftes Essen.

| Um den Burgplatz Wieder draußen, werfe man noch einen Blick auf die Geschäftshäuser an der „Kettwiger“ und den Baukomplex des Lichtburg-Kinos – ansehnliche Zeugen moderner Stadtumgestaltung der Zwischenkriegszeit. Und die „Lichtburg“ ist seit ihrer Renovierung wieder

Josef Albers Museum . Quadrat Bottrop Bernd und Hilla Becher.

Alexej von Jawlensky und

Letzte Bilder.

Bergwerke und Hütten

Josef Albers.

Ad Reinhardt

von rahmengenähten Schuhen - orthopädische Einlagen

sondern die immerhin auch schon 600 Jahre alte und sehenswerte Pfarrkirche „St. Johann Baptist“. Östlich oder „hinter“ St. Johann schließt sich das eigentliche Münster an, so genannt, weil es Stiftskirche und geistliches Zentrum des Essener Damenstifts war, den Essener Bürgern nur an wenigen Festtagen zugänglich. Seit Gründung des Ruhrbistums 1958 wird das Münster auch

— Juwel ganz nah beim Münster: die Lichtburg, schönstes Kino Deutschlands

Farbe. Abstraktion. Serie 7.2.

2.5.2010

16.5.

29.8.2010

26.9.2010

9.1.2011

- orthopädische Maßschuhe Partner des Museums

Im Stadtgarten 20 . 46236 Bottrop . Fon 02041 29716 . www.quadrat-bottrop.de

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das Banner trägt, die halbwegs im Zentrum der Region liegt. Dritter Grund: Heute sind eher die Namen anderer Städte stigmatisiert – Bottrop, Gelsenkirchen, Herne. Früher und vor allem im Ausland war es oft Essen, das für tatsächliche und vermeintliche schlechte Eigenschaften der ganzen Region verachtet oder gehasst wurde. Weil es jahrzehntelang größte Bergbaustadt des Kontinents war. Weil es die Stahlund Rüstungsfirma Krupp beherbergte. Da Essen so lange als negatives Synonym fürs Revier herhalten musste, ist es nur gerecht, wenn es jetzt auch mit der Fahne der Kulturhauptstadt den Völkern der Welt zuwinken darf. Übrigens soll ja schon der liebe Gott nach Fertigstellung des Ruhrgebietes ganz pars pro toto ausgerufen haben: „Essen ist fertig!“ Vierter Grund: Das ganze Ruhrgebiet ist kein Kind des 19. Jahrhunderts, wie viele draußen noch immer glauben. Fast jeder Ort hat seine mittelalterlichen Wurzeln. Dortmund und Duisburg fanden Beachtung als Reichshof oder Königspfalz, als Stützpunkte des herumreisenden Monarchen am Hellweg. Aber jenes Benediktinerkloster, das der Missionar und spätere Bischof Liudger 796 in Werden gründete, hatte eine ganz besondere, direkte und privilegierte Beziehung zu

Essen: Wer bin ich – und wenn ja wie viele

— Kaiser Wilhelm I. blickt auf das berühmte Münster – und auf das moderne Rathaus als Kontrast im Hintergrund.

den ostfränkischen Königen. Die Äbte wurden zu „reichsunmittelbaren“ Landesherren, und das Kloster durch vielfältige Verbindungen zu einem bedeutenden Zentrum der Gelehrsamkeit. Ähnlich hervorgehoben war jenes Damenstift, das der spätere Bischof Altfrid 845 ganz in der Nähe gründete. Die hochadligen Essener Stiftsdamen und besonders einige Äbtissinnen hatten engste Bindungen an die ottonischen und salischen Herrscherhäuser – voran die Kaiserenkelinnen Mathilde und Theophanu. Viele Orte in der Region wurden erstmals erwähnt als Besitz der Klöster Essen und Werden,

STRUZEK Schuhmachermeister

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deren eigentliche Territorien zusammen ziemlich genau dem Gebiet der heutigen Stadt Essen entsprechen. Abtei und Münster samt Domschatz sind daher besonders geeignet, die frühe Geschichte des gesamten Ruhrgebiets zu symbolisieren. Fünfter Grund: Essen ist zwar ein fürchterlicher Städtename fürs „Googeln“, weil dabei immer so viel Kulinarisches herauskommt. Aber keiner im Umkreis lässt sich wohl in jeglicher Sprache so leicht und eindeutig aussprechen wie „Essen“. Übrigens auch das knappe „Ruhr“ nicht. Sagen Sie mal „Ruhr“ auf Englisch. Uuäo. Oder so. Eben.

| Zuerst: das Münster Natürlich gibt es, wie in anderen Städten, noch zahllose andere Gründe, warum man sich in Essen wohlfühlen kann. Warum man die Stadt besuchen sollte. Womit fangen wir an? Mit dem Anfang. In der Mitte. Nach den Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs ist es keineswegs selbstverständlich, dass das Münster noch existiert. Es gehört zu den Launen der Geschichte, dass der einstimmige Ratsbeschluss zum Wiederaufbau 1946 unter Essens einzigem, noch von den Alliierten eingesetzten kommunistischen Oberbürgermeister

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1825 hat Essen noch immer nur 5000 Einwohner. 1873, als die Stadt kreisfrei wird, sind es schon zehnmal so viel. 1896 ist Essen Großstadt: 100.000 Einwohner. 1901 beginnt zusätzliches Wachstum durch Eroberung: Essen übernimmt den Nachbarn Altendorf samt Frohnhausen und Holsterhausen. Damit erst gehören die Kruppwerke und ihre Belegschaft ganz zu Essen. Im März 1905 wird der 200.000ste Essener geboren. Vier Monate später schluckt Essen das bürgerliche Rüttenscheid im Süden. 1908: Huttrop. 1910: Rellinghausen und Fulerum. 1915: die Industriegemeinden Altenessen und Borbeck, das ländliche Haarzopf und das vornehme Bredeney. Bei der großen Gebietsreform 1929 holt Essen zum größten Schlag aus, verleibt sich die Nachbargemeinden Frillendorf, Heisingen, Karnap, Katernberg, Kray, Kupferdreh, Schonnebeck, Stoppenberg und Überruhr ein, dazu die Städte Steele und Werden. Die Einwohnerzahl steigt auf über 650.000. Das Stadtgebiet hat sich fast verdoppelt und umfasst nun die landschaftliche Vielfalt zwischen Ruhrtal und Emscher. Anfang 1945 leben noch etwa 300.000 Menschen in der zerstörten Stadt, aber schon 1950 wird zum zweiten Mal die Geburt des 500.000sten Esseners gefeiert; sechs Jahre später schon wird Nummer 700.000 geboren. Der Babyboom treibt die Zahl der Essener 1963/64 noch auf 730.000 – danach geht es erstaunlich rasch bergab. Eingemeindungen – 10.000 (Burg)Altendorfer Seelen 1970 und 20.000 widerstrebende Kettwiger 1975 – können den Abwärtstrend nicht ausgleichen. Die Zahl rutscht unter 600.000, und schließlich kann sich Dortmund in der Städtetabelle vor Essen schieben.

Heinz Renner gefasst wurde. Und nun kann man nur jedem Besucher Essens raten: Sofort vom Bahnhof die „Kettwiger“ nordwärts laufen bis zum Burgplatz. Das ist der schönste Ort der Innenstadt – vor allem wegen des Münsters am nördlichen Platzrand. Für Ortsfremde verwirrend: Was da mit spitzem Turmhelm direkt an der Kettwiger Straße steht, ist nicht das Münster,

Dom genannt. Über frühe Veränderungen, Barockisierung, Regotisierung und Kriegszerstörungen an der vorromanischen Basilika zu berichten ist hier nicht der Platz. Man nehme sich einfach Zeit für die Besichtigung! Für den berühmten ottonischen Westbau, nach neueren Forschungen vermutlich aus der Zeit Mathildes (Äbtissin 971 bis 1011), nicht ihrer Nachfolgerin Theophanu (1039 bis 1058). Für die anschließende gotische Hallenkirche mit der berühmten Goldenen Madonna und dem siebenarmigen Leuchter, beide ebenfalls aus Mathildes Regierungszeit. Für Atrium

und Kreuzgang: Oase der Ruhe und Besinnung, nur einen Steinwurf vom profanen Einkaufstrubel entfernt. Schließlich für die neu gestaltete Domschatzkammer mit den einzigartigen Preziosen aus der mittelalterlichen Blütezeit des Stiftes Essen.

| Um den Burgplatz Wieder draußen, werfe man noch einen Blick auf die Geschäftshäuser an der „Kettwiger“ und den Baukomplex des Lichtburg-Kinos – ansehnliche Zeugen moderner Stadtumgestaltung der Zwischenkriegszeit. Und die „Lichtburg“ ist seit ihrer Renovierung wieder

Josef Albers Museum . Quadrat Bottrop Bernd und Hilla Becher.

Alexej von Jawlensky und

Letzte Bilder.

Bergwerke und Hütten

Josef Albers.

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sondern die immerhin auch schon 600 Jahre alte und sehenswerte Pfarrkirche „St. Johann Baptist“. Östlich oder „hinter“ St. Johann schließt sich das eigentliche Münster an, so genannt, weil es Stiftskirche und geistliches Zentrum des Essener Damenstifts war, den Essener Bürgern nur an wenigen Festtagen zugänglich. Seit Gründung des Ruhrbistums 1958 wird das Münster auch

— Juwel ganz nah beim Münster: die Lichtburg, schönstes Kino Deutschlands

Farbe. Abstraktion. Serie 7.2.

2.5.2010

16.5.

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26.9.2010

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„Deutschlands schönstes Kino“. Der Burgplatz selbst ist gerade wieder einmal umgebaut worden und wirkt nun etwas zugänglicher. An seinem östlichen Ende sind zwei weitere architektonische Schätze zu sehen: die prächtige Alte Synagoge und die altkatholische Friedenskirche mit ihrer jüngst restaurierten Innengestaltung von Jan Thorn-Prikker. Dass beide Gebäude durch eine breite Straße von der Innenstadt getrennt sind, zählt zu den Bausünden der Nachkriegszeit. Man sollte, wenn die Synagoge im März renoviert ist, den Umweg dennoch nicht scheuen! Nun aber bitte noch ein paar Meter die Kettwiger Straße nordwärts bis zur Marktkirche. Die war einst Mittelpunkt der verwinkelten Kleinstadt Essen; ihre Uhr gab die Zeit vor, im Turm wohnte der Nachtwächter, und in einem angeklebten Fachwerkhaus war die städtische Waage. Von dieser Kirche ist nur ein kleiner Teil wieder aufgebaut worden; von den Gassen rundum ist nichts, gar nichts geblieben. Das Denkmal Alfred Krupps hat man nach

längerem Exil wieder vor der Kirche aufgestellt – wie 1899. Damals blickte der gestrenge Alte vielsagend auf Essens neugotisches Rathaus; heute sieht er nur ein belangloses Geschäftsgebäude. Ihr Rathaus haben die Essener 1964 abgerissen, obwohl sie – bis 1979 – gar kein neues hatten. So sind sie, die Essener – und weil sie so sind, ist in der kleinen Altstadt nicht viel Sehenswertes geblieben. Man kann noch einen Blick auf das Grillo-Theater werfen und in die beiden benachbarten Geschäftsgalerien. Man kann im „Deutschlandhaus“, noch ein Schmuckstück aus der Weimarer Zeit, mit leichtem Gruseln Paternoster fahren. Und natürlich kann man einkaufen in der „City“. Aber es hilft kein Drumherumreden: Den alten Status als „die Einkaufsstadt“ des Ruhrgebiets hat Essens Innenstadt durch fast komplette Hingabe an Kettengeschäfte verspielt. Ob die Eröffnung einer neuen Shopping-Mall daran etwas ändern wird, muss sich erst zeigen. Essens wahre Attraktionen liegen heute

— Die Villa Hügel, das ehemalige „Schloss“ der Krupps, muss man gesehen haben, einschließlich des herrlichen Parks über der Ruhr.

— Stadtgarten, Aalto-Oper und RWE- Hochhaus liegen dicht am Hauptbahnhof.

— Die Musik hat ein neues Zuhause in der Philharmonie; Renoirs berühmte „Lise mit Sonnenschirm“ zieht demnächst ins neue Museum Folkwang nebenan.

außerhalb der alten Grenzen, über die hinweg sich das Städtchen zwischen 1897 und 1929 rasant ausgedehnt hat.

Leerstand jetzt wieder auf- und ausgebaut. Und im Innern wurde Essens ältestes Kino rekonstruiert, das „Film-Studio“ – einschließlich der Ausstattung aus den fünfziger Jahren. Hinterm Glückaufhaus führen die Steine seitwärts auf eine Fußgängerbrücke über die vielbefahrene B 224. Die Brücke wird demnächst einiges auszuhalten haben – führt sie doch zum Folkwangmuseum. Das Ensemble aus renoviertem Altbau und dem Neubau nach Plänen von David Chipperfield dürfte von Februar an Tausende Besucher in die Kulturhauptstadt ziehen.

| Blauen Steinen folgen Der Weg führt zunächst nach Süden. Leuchtende blaue Steine im Pflaster weisen den Weg: „Kulturpfad“. Unter der Bahnlinie hindurch, an den neuen Verwaltungsgebäuden der RAG und des RWE vorbei – wobei wir dringend zu dem kleinen, weitgehend unbekannten Umweg zwischen den beiden Energieunternehmen raten. Vom schicken RWE-Turm geht es

gleich hinüber zum Opernhaus, das Essen sich, lokaltypisch, erst 1988 geleistet hat: 29 Jahre, nachdem Alvar Aalto den Architektenwettbewerb gewonnen hatte. Gleich neben der Oper steht Essens Saalbau, renoviert zur renommierten „Philharmonie“. Im Stadtgarten, Essens erste geplante „Grünoase“, können nicht nur Opern- und Konzertbesucher flanieren. Weiter führen die blauen Kulturpflaster zum „Glückaufhaus“; das repräsentative Bürogebäude aus den zwanziger Jahren wurde nach langem

Doch zurück über die Brücke. Dort beginnt die Rüttenscheider Straße, von Essenern oft „Rü“ genannt. Sie führt südwärts aus dem ursprünglichen Essener Stadtgebiet hinaus und durch den belebten, beliebten Stadtteil Rüttenscheid. Sie gilt seit langem als die eigentliche Einkaufs- und Flanierstraße Essens, wenngleich manche Hausbesitzer offenbar den Kollegen in der Innenstadt nacheifern und auf die typische Mischung aus Kettengeschäften, Handyhändlern und Ramschläden hinarbeiten. Der erste EinEuro-Laden ist schon da. Trotz-

dem lohnt ein Streifzug über die Rü und ihre Nebenstraßen; es gibt immer noch genug interessante Geschäfte, Boutiquen, Restaurants und Kneipen zu entdecken.

| Die Villa der Villen Im Süden quert die „Rü“ jene hässliche Schlucht, den die A 52 durch Essens Süden schneidet. Es lohnt sich, die kurze Durststrecke zu überwinden und weiterzugehen. Dann nämlich wird die „Rü“ zur Bredeneyer Straße und erschließt Essens immer noch vornehmstes Wohnviertel. Wir empfeh-

len, der hübschen Straße einige hundert Meter weit zu folgen und dann nach links abzubiegen in den „Kruppwald“. Dieser Weg führt auf angenehmste Weise zu einer hübschen, einst für kruppsche Bedienstete angelegten Siedlung und dann zur bekanntesten Villa Bredeneys, zum berühmtesten Einfamilienhaus Essens: Krupps Villa Hügel. Ein Besuch des wunderschönen Parks, der riesigen Räume des Haupthauses und der historischen Schau im Nebenhaus ist in Essen ein Muss wie andernorts der Besuch eines Schlosses.

Lange her: Abschied von Kohle und Stahl Als 1958 unvermittelt die Kohlekrise über das Ruhrgebiet kam, arbeiteten in Essen über 50.000 Menschen auf zwei Dutzend Zechen, verteilt übers ganze Stadtgebiet. 1970 waren noch fünf Bergwerke übrig, Anfang 1973 noch drei. 1973 schlossen dann erst die „Seezechen“ beiderseits des Baldeneysees; ein paar Monate später „Emil-Fritz“ in Altenessen. Dort allein hatten 1958 noch 10.000 Mann gearbeitet! Als die letzte Schicht auf Zollverein einen Tag vor Weihnachten 1986 endete, waren sie alle weg, die 50.000 Essener Zechenarbeitsplätze von 1958. Auch Krupp hat einst in den riesigen Werksanlagen westlich der Stadt Zehntausende Essener beschäftigt. Schon 1945 aber war die Stahlproduktion in Essen ein für allemal beendet. In den folgenden Jahrzehnten fielen immer mehr Teile der einstigen „Kruppstadt“ brach, weil das Unternehmen Betriebe schloss und zunehmend außerhalb Essens aktiv war. Der heutige Konzern ThyssenKrupp beschäftigt nur einen winzigen Bruchteil seiner 200.000 Mitarbeiter in Essen. Anders als beim Bergbau gibt es jedoch für die Kombination Krupp und Essen eine Zukunft: ThyssenKrupp verlegt sein Hauptquartier in die alte Kruppstadt, die gleichzeitig als „Krupp-Gürtel“ mit Bebauung, Parks und Straßen stadtplanerisch ganz neu erfunden wird.

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„Deutschlands schönstes Kino“. Der Burgplatz selbst ist gerade wieder einmal umgebaut worden und wirkt nun etwas zugänglicher. An seinem östlichen Ende sind zwei weitere architektonische Schätze zu sehen: die prächtige Alte Synagoge und die altkatholische Friedenskirche mit ihrer jüngst restaurierten Innengestaltung von Jan Thorn-Prikker. Dass beide Gebäude durch eine breite Straße von der Innenstadt getrennt sind, zählt zu den Bausünden der Nachkriegszeit. Man sollte, wenn die Synagoge im März renoviert ist, den Umweg dennoch nicht scheuen! Nun aber bitte noch ein paar Meter die Kettwiger Straße nordwärts bis zur Marktkirche. Die war einst Mittelpunkt der verwinkelten Kleinstadt Essen; ihre Uhr gab die Zeit vor, im Turm wohnte der Nachtwächter, und in einem angeklebten Fachwerkhaus war die städtische Waage. Von dieser Kirche ist nur ein kleiner Teil wieder aufgebaut worden; von den Gassen rundum ist nichts, gar nichts geblieben. Das Denkmal Alfred Krupps hat man nach

längerem Exil wieder vor der Kirche aufgestellt – wie 1899. Damals blickte der gestrenge Alte vielsagend auf Essens neugotisches Rathaus; heute sieht er nur ein belangloses Geschäftsgebäude. Ihr Rathaus haben die Essener 1964 abgerissen, obwohl sie – bis 1979 – gar kein neues hatten. So sind sie, die Essener – und weil sie so sind, ist in der kleinen Altstadt nicht viel Sehenswertes geblieben. Man kann noch einen Blick auf das Grillo-Theater werfen und in die beiden benachbarten Geschäftsgalerien. Man kann im „Deutschlandhaus“, noch ein Schmuckstück aus der Weimarer Zeit, mit leichtem Gruseln Paternoster fahren. Und natürlich kann man einkaufen in der „City“. Aber es hilft kein Drumherumreden: Den alten Status als „die Einkaufsstadt“ des Ruhrgebiets hat Essens Innenstadt durch fast komplette Hingabe an Kettengeschäfte verspielt. Ob die Eröffnung einer neuen Shopping-Mall daran etwas ändern wird, muss sich erst zeigen. Essens wahre Attraktionen liegen heute

— Die Villa Hügel, das ehemalige „Schloss“ der Krupps, muss man gesehen haben, einschließlich des herrlichen Parks über der Ruhr.

— Stadtgarten, Aalto-Oper und RWE- Hochhaus liegen dicht am Hauptbahnhof.

— Die Musik hat ein neues Zuhause in der Philharmonie; Renoirs berühmte „Lise mit Sonnenschirm“ zieht demnächst ins neue Museum Folkwang nebenan.

außerhalb der alten Grenzen, über die hinweg sich das Städtchen zwischen 1897 und 1929 rasant ausgedehnt hat.

Leerstand jetzt wieder auf- und ausgebaut. Und im Innern wurde Essens ältestes Kino rekonstruiert, das „Film-Studio“ – einschließlich der Ausstattung aus den fünfziger Jahren. Hinterm Glückaufhaus führen die Steine seitwärts auf eine Fußgängerbrücke über die vielbefahrene B 224. Die Brücke wird demnächst einiges auszuhalten haben – führt sie doch zum Folkwangmuseum. Das Ensemble aus renoviertem Altbau und dem Neubau nach Plänen von David Chipperfield dürfte von Februar an Tausende Besucher in die Kulturhauptstadt ziehen.

| Blauen Steinen folgen Der Weg führt zunächst nach Süden. Leuchtende blaue Steine im Pflaster weisen den Weg: „Kulturpfad“. Unter der Bahnlinie hindurch, an den neuen Verwaltungsgebäuden der RAG und des RWE vorbei – wobei wir dringend zu dem kleinen, weitgehend unbekannten Umweg zwischen den beiden Energieunternehmen raten. Vom schicken RWE-Turm geht es

gleich hinüber zum Opernhaus, das Essen sich, lokaltypisch, erst 1988 geleistet hat: 29 Jahre, nachdem Alvar Aalto den Architektenwettbewerb gewonnen hatte. Gleich neben der Oper steht Essens Saalbau, renoviert zur renommierten „Philharmonie“. Im Stadtgarten, Essens erste geplante „Grünoase“, können nicht nur Opern- und Konzertbesucher flanieren. Weiter führen die blauen Kulturpflaster zum „Glückaufhaus“; das repräsentative Bürogebäude aus den zwanziger Jahren wurde nach langem

Doch zurück über die Brücke. Dort beginnt die Rüttenscheider Straße, von Essenern oft „Rü“ genannt. Sie führt südwärts aus dem ursprünglichen Essener Stadtgebiet hinaus und durch den belebten, beliebten Stadtteil Rüttenscheid. Sie gilt seit langem als die eigentliche Einkaufs- und Flanierstraße Essens, wenngleich manche Hausbesitzer offenbar den Kollegen in der Innenstadt nacheifern und auf die typische Mischung aus Kettengeschäften, Handyhändlern und Ramschläden hinarbeiten. Der erste EinEuro-Laden ist schon da. Trotz-

dem lohnt ein Streifzug über die Rü und ihre Nebenstraßen; es gibt immer noch genug interessante Geschäfte, Boutiquen, Restaurants und Kneipen zu entdecken.

| Die Villa der Villen Im Süden quert die „Rü“ jene hässliche Schlucht, den die A 52 durch Essens Süden schneidet. Es lohnt sich, die kurze Durststrecke zu überwinden und weiterzugehen. Dann nämlich wird die „Rü“ zur Bredeneyer Straße und erschließt Essens immer noch vornehmstes Wohnviertel. Wir empfeh-

len, der hübschen Straße einige hundert Meter weit zu folgen und dann nach links abzubiegen in den „Kruppwald“. Dieser Weg führt auf angenehmste Weise zu einer hübschen, einst für kruppsche Bedienstete angelegten Siedlung und dann zur bekanntesten Villa Bredeneys, zum berühmtesten Einfamilienhaus Essens: Krupps Villa Hügel. Ein Besuch des wunderschönen Parks, der riesigen Räume des Haupthauses und der historischen Schau im Nebenhaus ist in Essen ein Muss wie andernorts der Besuch eines Schlosses.

Lange her: Abschied von Kohle und Stahl Als 1958 unvermittelt die Kohlekrise über das Ruhrgebiet kam, arbeiteten in Essen über 50.000 Menschen auf zwei Dutzend Zechen, verteilt übers ganze Stadtgebiet. 1970 waren noch fünf Bergwerke übrig, Anfang 1973 noch drei. 1973 schlossen dann erst die „Seezechen“ beiderseits des Baldeneysees; ein paar Monate später „Emil-Fritz“ in Altenessen. Dort allein hatten 1958 noch 10.000 Mann gearbeitet! Als die letzte Schicht auf Zollverein einen Tag vor Weihnachten 1986 endete, waren sie alle weg, die 50.000 Essener Zechenarbeitsplätze von 1958. Auch Krupp hat einst in den riesigen Werksanlagen westlich der Stadt Zehntausende Essener beschäftigt. Schon 1945 aber war die Stahlproduktion in Essen ein für allemal beendet. In den folgenden Jahrzehnten fielen immer mehr Teile der einstigen „Kruppstadt“ brach, weil das Unternehmen Betriebe schloss und zunehmend außerhalb Essens aktiv war. Der heutige Konzern ThyssenKrupp beschäftigt nur einen winzigen Bruchteil seiner 200.000 Mitarbeiter in Essen. Anders als beim Bergbau gibt es jedoch für die Kombination Krupp und Essen eine Zukunft: ThyssenKrupp verlegt sein Hauptquartier in die alte Kruppstadt, die gleichzeitig als „Krupp-Gürtel“ mit Bebauung, Parks und Straßen stadtplanerisch ganz neu erfunden wird.

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ESSEN-SPEZIAL

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— So schön – und in Bredeney! – wohnten jene Kruppianer, die für das Funktionieren der riesigen Villa Hügel und ihres Parks zu sorgen hatten.

Dass man heute von der Villa Hügel auf den Baldeneysee und das gemeine Freizeitvolk hinunterguckt, konnte der alte Krupp beim Bau seines Schlosses nicht ahnen: Der See wurde erst 1933 aufgestaut. Von der Villa

Hügel und den Ruhrhöhen gibt es zahlreiche Wanderwege zum See hinab, die bei bestem Wetter nie so überlaufen sind wie die Wege unten am See. Unser Lieblingspfad – wir verraten ihn nur, weil Sie’s sind, verehrte

Leser der RUHR REVUE – führt links des Hügel-Haupteingangs in den Wald und bringt uns zur alten Klusen-Kapelle. Dann geht es unter der S-Bahnlinie hindurch und auf halber Höhe östlich durch den Wald, unterhalb

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der Ruine Isenburg, bis man in Heisingen den See erreicht, wo das Ufer besonders schön ist und wo ein altes Fördergerüst daran erinnert, dass in dieser idyllischen Landschaft noch bis 1973 eine große Zeche Kohle förderte.

| Noch älter: Werden Der Baldeneysee allein kann einen Besucher tagelang beschäftigen: Spazierengehen, Joggen, Skaten, Rad fahren und Bootfahren, und jede Menge Sehenswertes drumherum. Von Kupferdreh am östlichen Ende bis Werden am westlichen. Wir tun Kupferdreh unrecht, wenn wir es aus Platzgründen jetzt links liegen lassen – nicht nur wegen unserer Lieblingseisdiele „Plückthun“. Aber kulturhauptstadtmäßig ist Werden wichtiger, das noch vor dem Stift Essen als Kloster auf der politisch-kirchlichen Landkarte auftauchte. Abteikirche und barocke Klostergebäude zeugen noch heute von der klösterlichen Vergangenheit; viele alte Gebäude und Reste der Stadtmauer erinnern an das beim Kloster herangewachsene Städtchen. In der kleinen Altstadt kann man wunderbar herumschlendern, einkaufen, essen

— Nah am Wasser gebaut: der Baldeneysee bei Heisingen

gehen – auch wenn die Essener Kanalbuddelei Werden derzeit besonders übel zusetzt. Zur besonderen Atmosphäre Werdens tragen die vielen FolkwangSchüler aus aller Welt bei. Besuchern, die Werden ins Herz geschlossen haben, sei noch ein Blick auf die Schwester Kettwig empfohlen – nur eine kurze Rad- oder Schiffsreise durchs schöne Ruhrtal flussabwärts: noch eine hübsche Kombination aus Altstadt und Lage am Fluss. Ruhrhöhen, Fluss und Baldeneysee, Villa Hügel, Werden und Kettwig sind klassische Anlaufstellen für Essener mit auswärtigem Besuch. Es gibt da ein paar Stellen, die sind ganz besonders geeignet, den Touristen jene – insgeheim dringend erwarteten – lobenden Worte zu entlocken: „Mein Gott, dass es bei euch so schön und grün ist, hätt’ ich ja nieeee gedacht …“ Als echter Essener sieht man in solchem Moment großzügig darüber hinweg, dass die lieben Verwandten oder Freunde sich eben als herzlich uninformiert entlarvt haben; man freut sich des naiven Lobes. Und deshalb bringen wir Besucher gern noch zu zwei anderen Klassikern: zur

„Gruga“, der 1929 eröffneten und 1965 erweiterten Parklandschaft, und zur Margarethenhöhe, der berühmten Kruppschen Gartenstadt. Man nehme, von der Innenstadt aus, die „U 17“ und steige schon an der „Halben Höhe“ aus. Dann kann man über die schöne Brücke auf den Eingang der Siedlung zugehen und besser verstehen, dass damals jenseits des Mühlbachtals ein ganzer neuer Stadtteil gebaut wurde. Drüben steigt man die Treppen hinauf, geht durchs Torgebäude – und taucht in die von Georg Metzendorf geschaffene Welt eines gemütlichen Dorfes ein, dessen Atmosphäre einzig durch die geparkten Autos getrübt wird. Nicht zuletzt deshalb sind wir mit der U-Bahn angereist! Wenn man die Margarethenhöhe südöstlich an der „Waldlehne“ verlässt und den angrenzenden Wald in wenigen Minuten durchquert, kann man die Gruga durch den neuen Eingang „Mustergärten“ betreten. Der Park erklärt sich rasch selbst: „learning by walking“. Für einen mühelosen Überblick empfiehlt sich die Rundfahrt mit der Grugabahn; eine Haltestelle liegt auch beim Eingang

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ESSEN-SPEZIAL

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— Berühmt und einen Besuch wert: die Gartenstadt Margarethenhöhe.

— Auf die Gruga – hier der Haupteingang – sind die Essener schon seit 1929 stolz. Mit Recht.

„Mustergärten“. Danach: einfach genießen. Und anschließend, das kann Stunden später sein, vom Haupteingang aus mit der U 11 wieder zurück gen Innenstadt fahren.

| Schätze im Norden Nun aber von den BesuchsKlassikern zu jenen Perlen, die man noch vor 15, 20 Jahren nur ausgewählten Besuchern zeigte, die sich vorurteilsfrei

und mit einer gewissen Abenteuerlust darauf einlassen würden – während eine halb verbotene Exkursion über stillgelegte Industrieanlagen für Tante Käthe aus Augsburg denn viel-

leicht doch zu aufregend, zu schmutzig und am Ende traumatisch hätte werden können. Das ist heute anders im Ruhrgebiet. Als Einheimischer mag man die Domestizierung wilder

Z

Areale ein wenig bedauern. Damals lauerten noch Gefahren dort, Schlamm, ungesicherte Löcher, wacklige Geländer, herumstreunende Köter oder auch ein Werksschützer, der plötz-

lich irgendwo aus dem Schatten trat, begleitet von einem knurrenden Schäferhund: „Was machen Sie’n hier?“ Da konnte man sich Besuchern gegenüber noch als heldenmutiger Führer1 Seite

geben. Dass heute alles so gefahrlos zu begehen ist, hat aber natürlich auch seine Vorteile. Nehmen wir noch einmal die U 11, diesmal nordwärts, und steigen an Essens wohl

schönster U-Bahn-Haltestelle aus: „Kaiser-Wilhelm-Park“. Über Tage lässt sich besichtigen, dass auch die Stadtväter Altenessens sich früh bemühten, ihrem von Fabriken, Zechen und Geleisen umzingelten Industriedorf ein wenig Grün abzutrotzen. Was damals eine Oase in der Wüste war, ist heute in verschiedene Grünzüge eingebunden. So kommt man leicht zu Fuß ein paar Meter nordwärts zur alten Zeche „Carl“: ein Kultur- und Bürgerzentrum mit sehenswertem Malakowturm, mit Maschinenhalle und früherer Kaue, mit Biergarten und neugestaltetem Park. „Carl“ war 1977 eine der ersten kulturell genutzten Zechen, dank privater Initiative.

Der sichere Weg zu schönen Zähnen

Pe r s ö n l i c h gebraut in der 6. Generation.

Die jahrelange Implantat-Erfahrung ist sicher einer der Gründe, weshalb viele Patienten in die Zahnklinik Essen kommen. Dr. Jürgen Oberbeckmann und Dr. Philip Abramowski leiten das Spezialisten-Team, das in der Zahnklinik bereits viele tausende Implantate gesetzt hat. Im Mittelpunkt stehen dabei stets die

optimale Sicherheit und planbare Ästhetik bei Implantatversorgungen Die computergestützte 3-D-Implantatplanung in unserer Klinik ermöglicht eine dreidimensionale Präzisions-Planung und bietet beste Voraussetzungen, um das Implantat um ein Vielfaches sicherer und genauer setzen zu können, als bei konventionellen Implantationen. Das Ergebnis ist bereits vor der Implantation sichtbar. Der nötige Abstand zu sensiblen Nerven und die optimale Position werden exakt berechnet. Die Implantation ist ein kleiner medizinischer Eingriff, der dadurch so schnell und schonend wie möglich erfolgen kann. Für weitere Informationen vereinbaren Sie bitte einen Beratungstermin.

Die kleine Persönlichkeit. Privatbrauerei Jacob Stauder · Stauderstraße 88 · 45326 Essen · Telefon 0201-3616-0 · Fax 0201-3616-133 Internet: http://www.stauder.de · E-Mail: info@stauder.de

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Zentrum für Implantologie und Parodontologie

Herwarthstraße 102

45138 Essen

Telefon (02 01) 280 270

www.zahnklinik-essen.de


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— Berühmt und einen Besuch wert: die Gartenstadt Margarethenhöhe.

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ESSEN-SPEZIAL — Hinterm Steigerhaus Essens mittlerweile bekannteste Silhouette: Fritz Schupps Fördergerüst über Schacht 12 der Zeche Zollverein. Weltkulturerbe!

Man werfe, südlich, einen Blick auf Stoppenberg mit seiner Nikolauskirche und der uralten Stiftskirche oben auf dem Stoppenberg. Man folge von Zollverein 12 aus dem Radweg nach Schonnebeck zur alten Zollverein-Anlage 3/7/10 mit Café in der Maschinenhalle, mit Biergarten und dem „Erfahrungsfeld der Sinne“. Man sehe sich die alten Zechensiedlungen in der Nähe an – einschließlich des Hauses in der Röckenstraße, an dem bis heute „Wählt Thälmann!“ gepinselt steht. Schließlich ist auch der RheinHerne-Kanal nur ein paar Minuten entfernt, und gerade hier zwischen Essens nördlichstem Stadtteil Karnap und der Gelsenkirchener Schleuse im Osten sind die Spazier- und Radwege am Kanal gut ausgebaut; Gelsenkirchens Nordstern-Park und die Serra-Bramme auf der Schurenbachhalde lassen sich leicht in diesen Ausflug „einbauen“.

| Sehenswerter Norden Und nun: Zollverein. Vor 25 Jahren vom Abriss bedroht, vor 15 Jahren noch so etwas wie ein Abenteuerspielplatz, ist die ehemalige Zeche mehr als alles andere zu einem Aushängeschild für Essen und das Ruhrgebiet geworden und das markante Fördergerüst über Schacht 12 zu einem der bekanntesten architektonischen Markenzeichen überhaupt. Ein Abenteuer ist der Besuch auf

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Zollverein längst nicht mehr, aber viel zu bieten hat die Zeche wohl. Im Zentrum steht vom neunten Januar 2010 an unzweifelhaft die ehemalige Kohlenwäsche mit dem sehnlichst erwarteten neuen Ruhrmuseum. Kein Zufall, dass sich dort auch die Besucherzentrale von „Ruhr 2010“ etabliert. Außerdem, nach wie vor: die beeindruckenden Bauten um Schacht 12 einschließlich des „red dot“ Designzentrums. Da-

zu die begehbare Kokerei samt Café. Das Restaurant „Casino“. Die Skulpturen von Rückriem. Auf der Anlage 1/2/8 gleich nebenan Thomas Rothers weniger glamouröser, aber nicht minder faszinierender „Kunstschacht“. Der Würfelbau, einst „Design-School“, künftig Folkwang-Standort. Und das ist nicht alles. Zollverein existiert schließlich nicht im luftleeren Raum, auch wenn manchmal so getan wird.

| Essen ist bereit Wie bei jeder Stadt stellen wir am Ende fest, dass wir nicht annähernd alles Sehenswerte erwähnt haben. Wir haben im Osten Steele und Kray noch nicht genannt, die schönen ländlichen Gebiete entlang der südlichen und der westlichen Stadtgrenze auch nicht, wir haben Borbeck mit Schloss und Park vernachlässigt und die erst im Entstehen begriffene West-Stadt auf dem Gelände der alten Krupp-Werke … Wer mit offenen Sinnen in die Kulturhauptstadt kommt, mit ein wenig Sympathie auf Vorschuss, der wird schon sehen. Essen für das Ruhrgebiet – es ist angerichtet. ● -na