Efa brosch oberflaechenveredlung

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Produktionsintegrierter Umweltschutz in der Oberflächenveredelung

Impulse für bessere Wirtschaftlichkeit, höhere Qualität, weniger Ressourcenverbrauch


Inhaltsverzeichnis

Herausgeber: Effizienz-Agentur NRW Mülheimer Straße 100 47057 Duisburg

Wegweiser Wie wirtschaften wir morgen?

04/05

Eine Branche im Wandel Die Oberflächenveredelung

06/07

Praxisbeispiele aus der Branche: Walter Hillebrand GmbH & Co. Galvanotechnik, Wickede „Mit Membranelektrolyse und Online-Analytik kontinuierlich innovativ“

08/09

C+C Cours GmbH, Velbert „Materialströme trennen – Erfolge verbinden“

10/11

HDO Druckguss-und Oberflächentechnik GmbH, Paderborn „Mitarbeitereinbindung führt zum Erfolg“

12/13

Schily & Jung GbR, Erftstadt „Große Erfolge in kleinem Unternehmen“

14/15

HEICO Umformtechnik GmbH, Ense-Höing „Intelligente Organisation des Wassermanagements“

16/17

Thiele Metallveredelungs-GmbH, Schwelm „Neue Anlage für effiziente Prozesswasserführung“

18/19

Fazit und Ausblick PIUS: Unternehmen Zukunft

20/21

Effizienz-Agentur NRW: Kompetenz und Synergien für den Mittelstand

22/23

Gestaltung: Kommunikations-Agentur Mäuser, Essen Fotos: Frank Elschner, Haan S. 14 + 15: Norbert Kramer, Bad Honnef Druck: Scholz Druck, Dortmund Stand: September 2005

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Wegweiser

Wie wirtschaften wir morgen?

Erfolge gemeinsam gestalten

Zukunft als Aufgabe

Die Unterstützung einer Nachhaltigen Entwicklung ist auch und gerade für Nordrhein-Westfalen als einem der größten Wirtschaftsstandorte in Deutschland eine zentrale Aufgabe. Eine Aufgabe, die unsere Zukunft entscheidend prägt und von deren Erfolgen nachfolgende Generationen langfristig profitieren können und sollen. Doch die Zeit drängt – vor allem angesichts so zentraler Probleme wie wirtschaftlicher Wachstumsschwäche und weitgehender Abhängigkeit von begrenzten, natürlichen Ressourcen. Je schneller wir uns den Herausforderungen stellen und tragfähige Strategien entwickeln, desto besser für die Wirtschaft und Gesellschaft unseres Landes.

Viele Wege führen hier zum Ziel zum Beispiel eine Reduzierung des Verpackungsanteils, eine verlängerte Lebenszeit von Produkten, die Verwendung ressourcenschonender Wertstoffe, eine optimierte Logistik oder Produkte, die einen möglichst sparsamen Einsatz von Material und Energie von der Entwicklung über die Nutzung bis hin zur Entsorgung berücksichtigen. Schätzungen zeigen, dass selbst mit der heute vorhandenen Technik und unter Berücksichtigung aktueller Rahmenbedingungen noch weitere, erhebliche Einsparpotenziale genutzt werden können – und zwar ohne Qualitätsverlust.

Die Potenziale dafür sind vorhanden, müssen allerdings noch besser und auf breiter Basis genutzt werden. Stichworte Ressourcenschonung und Dematerialisierung: Höhere Effizienz bei geringerem Verbrauch ist sinnvoll und machbar – durch intelligentere Konzepte und leistungsfähigere Technologien. Gerade für den Mittelstand als treibende wirtschaftliche Kraft in NRW hängt der künftige Erfolg davon ab, wie konsequent sich neue Strukturen in den Betrieben etablieren lassen, die mit derselben Menge an Material und Energie eine höhere Wertschöpfung erzielen.

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Die Kosten für unnötige Verluste müssen mit Hilfe neuer Rechnungssysteme vollständig und transparent ausgewiesen werden. Investitionsentscheidungen dürfen nicht nur aufgrund kurzfristiger Einsparungen getroffen werden, sondern müssen die langfristige Wirtschaftlichkeit über den gesamten Lebenszyklus der Anlagen hinweg mit einbeziehen. Sich ergänzende Produktionssysteme verschiedener Partner müssen intelligent verknüpft und das Know-how der Mitarbeiter für deren Nutzung gezielt aufgebaut werden.

Mehr Effizienz für jeden – mehr Vorteile für alle Eine Steigerung der Ressourceneffizienz sorgt nicht nur im einzelnen Betrieb für mehr Produktivität und weniger Kosten, sondern unterstützt auch aktiv das Wirtschaftswachstum der Region. Denn nach wie vor gilt der Grundsatz: Wirtschaftlicher und ökologischer Erfolg gehen Hand in Hand mit der effizienten Nutzung knapper Ressourcen. Diejenigen Unternehmen, die diese Erkenntnis konsequent in intelligente Abläufe und Technologien umsetzen, erzielen also nicht nur einen echten Wettbewerbsvorsprung, sondern leisten durch diese Vorbildwirkung einen entscheidenden Beitrag zum Umweltschutz. Mit guten Beispielen voran gehen hier schon die Unternehmen in Nordrhein-Westfalen, die Oberflächen veredeln. Beispiele, die möglichst viele Nachahmer finden sollten, damit die Vorteile von Nachhaltigem Wirtschaften und Ressourcenproduktivität immer mehr Mittelständlern zur Verfügung stehen.

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Eine Branche im Wandel

Die Oberflächenveredelung

PIUS in der Oberflächenveredelung Die Oberflächenveredelung spielt in nahezu alle Bereiche unseres täglichen Lebens hinein, es gibt kaum ein Produkt des täglichen Gebrauchs, das nicht oberflächenbehandelt ist – trotzdem wird sie in der breiten Öffentlichkeit kaum wahrgenommen. Zu Unrecht, denn Aspekte wie Korrosionsschutz, Verschleißfestigkeit sowie optische, thermische und elektrische Eigenschaften bestimmen Funktionalität, Lebensdauer, Design und Herstellkosten von vielen Produkten. Und genau so wichtig wie die Branche selber sind ressourceneffiziente Prozesse durch Produktionsintegrierten Umweltschutz – kurz: PIUS – in der wasser- und chemikalienintensiven Oberflächenveredelung, mit denen Ressourcenverbräuche und Umwelteinflüsse reduziert werden können. Ein Viertel der deutschen Produktion in der Oberflächenveredelung kommt aus Nordrhein-Westfalen – damit ist NRW der stärkste Standort der Branche in der Bundesrepublik. Ein Großteil der Betriebe ist mittelständisch geprägt. Die Oberflächenveredelung ist deshalb seit jeher ein wichtiger Industriezweig für die Effizienz-Agentur NRW. Sie zählt zu den wachstumsstarken Branchen in Deutschland – mit ausgezeichneten Zukunftsperspektiven zumal dann, wenn die Betriebe alle Vorteile moderner, ressourcenschonender Prozesse und Verfahren ausschöpfen und damit ihre Wettbewerbsfähigkeit stärken. Die mittelständischen Unternehmen bei der Planung und Umsetzung solcher Pro-

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zesse und Verfahren zu unterstützen, ist das Ziel der EFA.

werden Einsparpotenziale zuverlässig identifiziert. Sie finden sich meist bei den kostenträchtigsten Faktoren, mit denen alle Betriebe der Oberflächenveredelung zu rechnen haben: bei den eingesetzten Chemikalien, beim Frischwasser, bei Abwassermenge und -qualität. Durch bloßen Umbau der Spülprozesse etwa können oft erhebliche Einsparungen bei Wasser und Chemikalien erreicht werden.

PIUS – auf Ihre Branche zugeschnitten In der Oberflächenveredelung gibt es unterschiedliche Prozesse wie Reinigen, Entfetten, Beizen und Dekapieren, verschiedenste Beschichtungssysteme wie galvanisches Verzinken mit unterschiedlichen Legierungen, Verkupfern, Vernickeln, dazu mit Lohnveredelung und Betriebsveredelung unterschiedliche Produktionsstrukturen. Die EFA hat deshalb bereits 2001 verschiedene Fachpartner im „Projektforum Oberflächenveredelung“ zusammengeführt und mit ihnen gemeinsam den ®PIUS-Check*, ein wichtiges Instrument der EFAArbeit, präzise auf die Besonderheiten der Oberflächenveredelung ausgerichtet. Das Kooperationsprojekt PIUS-Check ist eine prozessorientierte Stoffstromanalyse, die ein vom Unternehmen ausgewählter Berater unter fachlicher Begleitung der EFA durchführt. In insgesamt bis zu neun Beratertagen werden die Stoffströme des Betriebes und der Stand der Produktionstechnik analysiert. Darauf aufbauend werden Maßnahmen zur Verbesserung der Produktionsprozesse vorgeschlagen. Ganz gleich, auf welche Art der Oberflächenbehandlung Ihr Betrieb spezialisiert ist – durch die individuell auf Ihr Unternehmen und Ihre Prozesse abgestimmte Analyse

Dr. Ulrich Schily, erfolgreich mit der Firma Schily & Jung und Hauptpreisträger des Effizienz-Preises NRW 2003

Einsparungen durch PIUS erhöhen die Wettbewerbsfähigkeit Bisher hat die EFA insgesamt mehr als 350 PIUS-Checks gestartet – davon über 40 Projekte allein in der Oberflächenveredelung. In 120 Unternehmen wurden bereits konkrete Maßnahmen aus dem PIUSCheck abgeleitet und umgesetzt. In 80 weiteren Unternehmen sind die Maßnahmen in der Umsetzung. Bei den bereits umgesetzten Projekten wurden in den mittelständischen Unternehmen etwa 19 Millionen Euro investiert – allein die jährlichen Betriebsstoffeinsparungen betragen mehr als 4,7 Millionen Euro. Die gesamten Einsparungen liegen noch deutlich höher, denn Aspekte wie bessere Produktqualität, weniger Ausschuss oder eine höhere Rechtskonformität sind nicht ohne weiteres unmittelbar zu quantifizieren. Nicht selten erfordern Maßnahmen nur ganz geringe Investitionen und führen doch in kurzer Zeit zu deutlichen Einsparungen.

Nachahmenswerte Beispiele aus der Praxis oberflächenveredelnder Betriebe finden Sie auf den folgenden Seiten.

Mitarbeitereinbindung sichert Kontinuität Einsparungen, die sich durch die umgesetzten Maßnahmen erzielen lassen, sind ein Teil des Erfolges. Doch die EFA möchte mehr. Es gilt, das Unternehmen dafür zu sensibilisieren, seine Prozesse auch zukünftig im Sinne des ressourceneffizienten Wirtschaftens kontinuierlich zu analysieren und zu optimieren. Der einmal erzielte Wettbewerbsvorteil kann Initialzündung sein, sich den Herausforderungen der Zukunft durch innovative und nachhaltige Prozesse und Strukturen dauerhaft zu stellen. Deshalb ist es wichtig, die Mitarbeiter der Unternehmen aktiv in den PIUS-Prozess einzubinden, denn so wird die innerbetriebliche Akzeptanz der geplanten Maßnahmen erhöht und bei allen ein Bewusstsein dafür geschaffen, dass der PIUS-Prozess im Unternehmen kontinuierlich fortgeführt werden muss. Das Unternehmen wiederum profitiert von den reichhaltigen Erfahrungen der Mitarbeiter, die ihre Ideen einfließen lassen. Ein Beispiel für den positiven Effekt durch die Einbindung von Mitarbeitern finden Sie ebenfalls auf den folgenden Seiten.

* PIUS ist ein eingetragenes Warenzeichen der Effizienz-Agentur NRW

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Walter Hillebrand GmbH & Co. Galvanotechnik, Wickede

Mit Membranelektrolyse und OnlineAnalytik kontinuierlich innovativ Die Firma wurde 1937 gegründet und ist bis heute ein Familienunternehmen geblieben. Am Standort Wickede bei Dortmund produziert Hillebrand Galvanotechnik mit über 200 Mitarbeitern Metallteile - etwa für die Automobil-, Bau- und Elektroindustrie - die mit verschiedenen Verfahren hochwertig beschichtet werden.

Warum PIUS? Um sich nachhaltig für die Zukunft am Markt zu positionieren, muss die Entwicklung von neuen Elektrolyten, Verfahrensabläufen und Anlagentechnologien stetig vorangetrieben werden. Für das Unternehmen stehen deshalb Innovationen in Anlagentechnik und neue Beschichtungssysteme im Vordergrund.

Das Unternehmen nutzte zunächst das Know-how der EFA bei der Vermittlung von Förderprogrammen in PIUS-Maßnahmen, um eine abwasserarme Galvanik-Trommelanlage zur projektieren. Aufgrund der positiven Erfahrungen investierte die Hillebrand Galvanotechnik dann in weitere umfangreiche Projekte zur verbesserten Ressourceneffizienz. Das Ergebnis, so Prokurist Karl Morgenstern von Walter Hillebrand Galvanotechnik, sind neue marktfähige Beschichtungssysteme, Einsparungen bei Chemikalien, Wasser und Entsorgung sowie eine höhere Produktqualität. Nicht zuletzt konnten 45 neue, zukunftssichere Arbeitsplätze geschaffen werden. Neben der Fördervermittlung nutzte das Unternehmen auch den PIUS-Check der EffizienzAgentur NRW.

Fotos Portrait: Karl Morgenstern, Prokurist Oben: Online-Analytik erlaubt die präzise Bestimmung von Zink und Nickel Unten: Metallteile für die AutomobilBau- und Elektroindustrie werden hochwertig beschichtet. 20 Prozent der gesamten Abwassermenge werden jetzt eingespart Rechte Seite Klein: Hillebrand schaffte 45 neue Arbeitsplätze Groß: Trommelautomat

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Walter Hillebrand GmbH & Co. Galvanotechnik Industriegebiet Westerhaar 56-58 58739 Wickede/Ruhr Telefon 0 23 77/8 08-0 Fax 0 23 77/8 08-141 E-Mail Zentrale@whw-online.de www.hillebrand-galvanotechnik.com

Die Maßnahmen - die Erfolge Das Unternehmen investierte zunächst in die Installation einer neuen Zink-Nickel-Beschichtungsanlage mit Membrantechnologie, durch die praktisch keine Abwässer mehr anfallen – lediglich 50 m3 aus der Vakuumdestillation werden als Konzentrat monatlich extern entsorgt. Dabei werden im Vergleich zu den bisherigen Prozessen durch die neue Anlage 35 Prozent bei den Chemikalienkosten gespart, 45 Prozent bei den Stromkosten und 20 Prozent der gesamten betrieblichen Abwassermenge. Außerdem wurde die Abluftund Lärmbelastung der Umgebung stark reduziert. Durch die erfolgreiche Fördervermittlung der EffizienzAgentur NRW konnte das Unternehmen für die 10 Millionen Euro teure Investition in die neue Technologie 2 Millionen Euro Fördermittel in Form eines zinsverbilligten Darlehens

aus der „Initiative ökologische und nachhaltige Wasserwirtschaft in NRW“, Förderbereich 1.2, nutzen. Eine weitere Maßnahme ist die Installation einer neuen Online-Analytik mittels Wellenlängen-Dispersive-Röntgen-Floureszenz-Analyse (WD-RFA) in den Membranelektrolysebädern, die eine präzise und parallele Bestimmung von Zink und Nickel erlaubt. Im Ergebnis konnten die Chemikalienkosten in diesem Bereich um 30 Prozent gesenkt werden, bei gleichzeitiger Steigerung der Qualität der Oberflächen und Schichten. Auch bei dieser Maßnahme leistete die EFA-Fördervermittlung im Vorfeld der Beantragung von Fördergeldern maßgebliche Unterstützung. Die Analysetechnik wurde vom Landesumweltamt NRW als innovativ eingestuft, so dass das Unternehmen für die Investitionskosten in Höhe

von 60.000 Euro einen Zuschuss von 30.000 Euro aus der „Initiative ökologische und nachhaltige Wasserwirtschaft in NRW“, Förderbereich 1.1, nutzen konnte. Schließlich ergaben sich aus einem PIUS-Check verschiedene weitere Einsparpotenziale bei Abwasser und Energie. Der Erfolg dieser Projekte bestärkte das Unternehmen, weitere Investitionen in innovative und ressourceneffiziente Maßnahmen zu tätigen. Zu den Folgeprojekten gehört die Anschaffung dreier weiterer WD-RFAGeräte, die aufgrund der positiven Erfahrungen mit der Online-Analytik installiert wurden. Mit den beeindruckenden Ressourceneinsparungen durch die hocheffizienten Innovationen hat sich das traditionsreiche Familienunternehmen bestens für den Wettbewerb der Zukunft gerüstet.

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C+C Cours GmbH, Velbert

Materialströme trennen – Erfolge verbinden Das mittelständische Unternehmen beschäftigt am Velberter Stammsitz 40 Mitarbeiter und hat sich auf die Lohnveredelung von Metallteilen aus Messing, Stahl und Zinkdruckguss spezialisiert. Im Vordergrund stehen hier Nickel- und Chromschichtsysteme. Die Veredelung kann sowohl als Korrosionsschutz wie auch als Dekor dienen. Zu den Kunden gehören Unternehmen der Schließ- und Sicherheitstechnik, Möbelhersteller und die Automobilindustrie. Seit einigen Jahren gehört ein Betrieb in Sachsen zur Firmengruppe. Demnächst werden im neu eingerichteten Technologiezentrum neue Produkte und Verfahrenstechnologien entwickelt und zur Vermarktung gebracht.

Warum PIUS? Der Unternehmensführung war stets bewusst, dass der Chemikalien- und Frischwassereinsatz in der Galvanotechnik einen entscheidenden Kostenfaktor ausmacht. Es lag daher nahe, Sparpotenziale beim Einsatz von Ressourcen auszuloten und zu nutzen. „Um unser Geschäft auch in Zukunft nachhaltig zu entwickeln, haben wir uns unter anderem für einen PIUS-Check entschieden“, sagt Geschäftsführer Bernd Jülicher. „Kern dieser prozessorientierten Betrachtung unserer Produktion war der ressourceneffizientere Umgang mit Betriebsmitteln wie Wasser und Chemikalien durch die Entflechtung von Produktströmen. Und der Erfolg des Projektes zeigt uns, dass ökonomische und ökologische Interessen große Synergieeffekte haben.“

C+C Cours GmbH Lieversfeld 14–18 42551 Velbert Telefon 0 20 51/28 13-0 Fax 0 20 51/28 13-13 E-Mail info@cccours.de www.veredlung.de

wohl im Fertigungsprozess wie auch in der Abwasserbehandlung. Durch die Verminderung der Abwassermenge und die deutlich verbesserte Spülprozessführung wird jetzt wesentlich weniger Nickel aus den Nickelelektrolyten verschleppt als zuvor; dementsprechend müssen weniger Nickelsalze zur Aufkonzentration eingesetzt werden. Die gesamten Einsparungen bei Prozesswasser, Chemikalien und Abwasserbehandlung belaufen sich auf über 6.000 Euro pro Jahr. Dass die Umwelt profitiert, wo weniger Wasser verbraucht und weniger Chemikalien eingesetzt werden, liegt auf der Hand.

Die Maßnahmen - die Erfolge Fotos Portrait: Bernd Jülicher, Geschäftsführer Oben: Das Unternehmen hat sich auf die Veredelung von Metallteilen aus Messing, Stahl und Zinkdruckguss spezialisiert Mitte: 40 Mitarbeiter sind in Velbert tätig Unten: Die Standzeit der Bäder konnte verlängert werden Rechte Seite Klein: Die Oberflächenqualität wurde nachhaltig verbessert Groß: Vorbehandlung zum Galvanikprozess – polierte Zinkdruckguss-Teile für den Automotive-Bereich in einer Lösungsmittel-Reinigungsanlage

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Das positive Ergebnis resultiert aus der Summe mehrerer kleiner Einzelmaßnahmen an den Spülprozessen. So wurde an einem Automaten die 2er-Spülkaskade zur 3er-Kaskade ausgebaut. Eine Fließspüle wiederum wurde zur 2er-Kaskade umgebaut. Mit dem Ausbau der Spülkaskaden konnte die Prozessführung unterschiedlich zu beschichtender Metallteile, wie etwa Stahl und Zinkdruckguss, neu organisiert werden. So werden die Materialströme entzerrt

und chemische Interaktionen zwischen unterschiedlichen Metallteilen verhindert. Damit konnte die Oberflächenqualität in verschiedenen Beschichtungssystemen nachhaltig verbessert werden.

Kostensenkung bei gleichzeitiger Verbesserung der Produktqualität, das ist das Ergebnis der konsequenten Anwendung produktionsintegrierter Maßnahmen bei der C+C Cours GmbH, die so ihre Marktposition und Wettbewerbsfähigkeit stärkt.

Zusätzlich wird jetzt das Spülwasser benutzt, um Verdunstungsverluste in den Nickelelektrolyten auszugleichen. Allein mit dieser Einzelmaßnahme werden 20 m3 Frischwasser pro Jahr weniger benötigt, bei gleichzeitig verringertem Bedarf an Chemikalien so-

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HDO Druckguss-und Oberflächentechnik GmbH, Paderborn

Mitarbeitereinbindung führt zum Erfolg Das Unternehmen beschäftigt 450 Mitarbeiter am Standort in Paderborn. Es werden Teile aus Zink- und Magnesiumdruckguss für die Automobil- und Sanitärindustrie hergestellt: Die Metalle werden eingeschmolzen und in Formen gegossen; anschließend werden die Gussteile geschliffen, poliert, entfettet und schließlich galvanisch oberflächenveredelt.

Warum PIUS? Chemikalien, Brauchwasser und Abwasserbehandlung machen bei der Firma HDO einen Großteil der Kosten in der Betriebsgalvanik aus. Der effiziente Umgang mit den Ressourcen gilt bei dem Unternehmen deshalb als entscheidender Faktor, um seine Wettbewerbsfähigkeit zu stärken. Damit Einsparpotenziale in diesem Bereich ermittelt und präzise quantifiziert werden konnten, entschied sich die Unternehmensleitung zum PIUS-Check der Effizienz-Agentur NRW. Um den einmal eingeleiteten PIUS-Prozess kontinuierlich voranzutreiben, bindet das Management alle Mitarbeiter in der Betriebsgalvanik ein, denn Motivation und Einbeziehen der Mitarbeiter gehören zur Strategie der HDO-Unternehmensführung. In sechs Workshops sind die Mitarbeiter geschult worden und jetzt aktiv in den kontinuierlichen Verbesserungsprozess eingebunden.

Fotos Portrait: Werner Beneken, Inhaber Oben: Die Mitarbeiter sind bei HDO aktiv eingebunden Mitte: Das Wasser wird im Spülprozess mehrfach eingesetzt Unten: Die Qualität der Produktoberfläche hat höchste Priorität Rechte Seite Klein: Glänzende Ergebnisse mit PIUS Groß: Bei HDO werden u.a. Produkte für die Sanitärindustrie gefertigt

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Druckguss- und Oberflächentechnik GmbH Halberstädter Straße 7–13 33106 Paderborn Telefon 05251/704-3300 Fax 05251/704-3301 E-Mail info.hdo@hdo-gmbh.com www.hdo-gmbh.com

Die Maßnahmen - die Erfolge Das Spülwasser in der Galvanik wurde bisher über einen Ionenaustauscher geführt und anschließend als Kreislaufwasser erneut eingesetzt. Die Spülen wurden als Durchlaufspülen betrieben. Als unmittelbar umgesetzte Maßnahme aus dem PIUSCheck wird jetzt das Wasser aus den Spülen in Form einer Kaskade mehrfach im Spülprozess verwendet. Für die Unternehmensleitung war die höchste Priorität bei der Umstellung des Prozesses die Beibehaltung der Qualität der Produktoberfläche, weshalb die Funktionstüchtigkeit des neuen Spülwasserkonzeptes zunächst in einer ausführlichen Versuchsphase getestet wurde. Im Ergebnis konnten alle qualitativen Vorgaben eingehalten und die prognostizierten Einsparungen erreicht werden. So stand der Ausweitung der

neuen Spülwasserführung auf alle Spülprozesse nichts mehr entgegen. Das Wasser wird nun in der Kaskade mehrfach eingesetzt, ehe es in die betriebseigene Abwasseranlage gelangt. Der Ionenaustauscher konnte ganz aus dem Netz genommen werden. Bei Investitionskosten nahe null ergab diese Umstellung sofortige Kostensenkungen von 40.000 Euro pro Jahr, da nun 10.000 m3 weniger Abwasser anfällt und 24 m3 Natriumhydroxid sowie 38,4 m3 Salzsäure pro Jahr weniger eingesetzt werden müssen. Im Rahmen der Mitarbeitereinbindung wurden von Anfang an alle betroffenen Mitarbeiter über Ablauf und Ziel des PIUS-Checks informiert und in die Erarbeitung von Einsparpotenzialen einbezogen. In einer Folge aufeinander abgestimmter Work-

shops wurden gemeinsam eigenverantwortliche Maßnahmen und Zeitpläne zur Umsetzung festgelegt, der Ablauf sowie die Zwischen- und Endergebnisse des PIUS-Checks visualisiert und Methoden zum eigenständigen Problemlösungs- und Wissensmanagement vermittelt. Die Mitarbeiter lernten so ihre, in hohem Maße eigenverantwortliche, Rolle in diesem Prozess kennen. Die insgesamt 75 unmittelbar in den Prozess eingebundenen Mitarbeiter brachten aus ihrem praxisbezogenen Erfahrungsschatz viele fachlich wertvolle Vorschläge ein, die erheblich zur erfolgreichen Durchführung des PIUS-Checks beigetragen haben. Verbunden mit der unternehmensinternen Kommunikation wird so die Nachhaltigkeit des PIUS-Gedankens bei HDO gesichert.

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Schily & Jung GbR, Erftstadt

Große Erfolge in kleinem Unternehmen Im Herbst 2002 wurde die Firma als Dienstleistungsunternehmen zur Oberflächenveredelung von Aluminiumteilen durch Eloxal und Hartanodisation gegründet. Außerdem bietet das Unternehmen Spezialverfahren zur Vergütung von Titan und Magnesium an. Die Produktion erfolgt ausschließlich in Handarbeit. Die angelieferten Aluminiumteile werden auf Gestelle geklemmt und in die verschiedenen Bäder und Spülen getaucht. Die Kunden kommen aus allen Branchen, wie z. B. aus dem Maschinen- und Anlagenbau, der Elektrotechnik, der Luftfahrt und dem Rennsport. Mit inzwischen fünf Mitarbeitern hat sich das Unternehmen sehr erfolgreich am Markt platziert.

Warum PIUS? Den beiden Unternehmensgründern Dr. Ulrich Schily und Horst Jung war bewusst, dass in der Oberflächenveredelung Chemikalien und Prozesswasser sehr wichtig für die Qualität der Fertigung sind. Außerdem spielen die Entsorgung der Chemikalien und die Kosten für Einkauf und Entsorgung eine große Rolle. Auf der Suche nach einer vernünftigen Lösung fanden sie in der Firma Deukum, Frickenhausen, einen ideenreichen und handlungsfähigen Partner. Gemeinsam wurde ein Konzept entwickelt und in der Folge die von Deukum erstellte MembrandiffusionsdialyseAnlage bei Fa. Schily & Jung selbständig installiert.

Schily & Jung Klosengartenstraße 44 50374 Erftstadt-Liblar Telefon 02235/467642 Fax 02235/467644 E-Mail info@schily-jung.de www.schily-jung.de

„Ausschlaggebend für uns“, so Schily und Jung, „waren die niedrigen Anschaffungskosten und die schnelle Amortisation der vergleichsweise kleinen Anlage, die Einsparungen bei Betriebsstoffen und Ressourcen - und nicht zuletzt die überzeugende Umweltentlastung, mit der wir in unserer Branche bewusst ein Zeichen setzen wollten.“

Die Maßnahmen - die Erfolge Fotos Portraits: Dr. Ulrich Schily (li.) und Horst Jung, Geschäftsführer Oben: Die Produktion erfolgt ausschließlich in Handarbeit Mitte: Kleine Anlage - große Wirkung: die Membrandiffusionsdialyse Unten: Die Gestelle werden in Bäder getaucht Rechte Seite Klein: Die Aluminiumteile werden auf Gestelle geklemmt Groß: Die Produktqualität wurde gesteigert

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Beim Eloxieren reichert sich die Schwefelsäure allmählich mit gelöstem Aluminium an. Um die Produktqualität zu halten, muss die Schwefelsäure beim Erreichen einer bestimmten Aluminium-Konzentration ausgetauscht werden - oder aber aufgearbeitet werden. Um die Aufarbeitung der Schwefelsäure so effizient wie möglich zu gestalten, entwickelte und installierte Schily & Jung eine Membran-Diffusionsdialyse. Bei

dieser osmosebasierten Membrantechnik diffundieren die Säureanionen durch die Membran, während die Kationen zurückgehalten werden. So können freie Säuren zurückgewonnen und gelöste Metalle abgetrennt werden. Die Erfolge sind beeindruckend: der Einsatz von Schwefelsäure kann um 85 Prozent gesenkt werden, der Kalk-Einsatz wird um 80 Prozent reduziert und die Kosten für die Chemikalien werden insgesamt halbiert. Außerdem fallen weniger

Abwasser und weniger Schlamm an. Diesen Einsparungen steht nicht nur eine gleichbleibende, sondern sogar eine gesteigerte Produktqualität gegenüber. Die Technik zeichnet sich außerdem durch eine einfache Handhabung aus. Die Investition von 8.000 Euro hat sich bereits nach einem halben Jahr amortisiert. Nicht zuletzt durch die gesteigerte Effizienz des Produktionsprozesses im Unternehmen konnte Schily & Jung zu den bis dato drei Mitarbeitern noch zwei weitere Mitarbeiter einstellen. Mit dem Gewinn des Hauptpreises des Effizienz-Preises NRW 2003 der Effizienz-Agentur NRW in der Kategorie „Produktion“ wurde neben der ressourcenschonenden Maßnahme selber auch der Mut der beiden Unternehmer zur Entwicklung und Umsetzung der Membrandiffusionsdialyse anerkannt, die Vorbildcharakter auch für andere Betriebe hat.

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HEICO Umformtechnik GmbH, Ense-Höingen

Intelligente Organisation des Wassermanagements Das Unternehmen kann auf eine über hundertjährige Geschichte zurückblicken. Am heutigen Standort produziert HEICO mit 120 Mitarbeitern zeichnungsgebundene Kaltfließpressteile und Formteile. Die Produkte werden in unterschiedlichen Branchen und Anwendungen eingesetzt. Automobilkomponenten, Beschläge, Lederwaren, Baubedarf und Haushaltsgeräte sind nur einige Beispiele. Bis zu sechs Stufen bei der Kaltumformung und maximal 120 Tonnen Presskraft garantieren eine Präzision, wie sie früher nur bei Drehteilen sicher zu verwirklichen war. Einzelne Produktgruppen werden nach der Herstellung in der betriebsinternen Oberflächenveredelung beschichtet.

Warum PIUS? Die PIUS-Potenziale lagen bei HEICO im Bereich der Betriebsgalvanik. In der Abwasseranlage wurde das Prozesswasser aufbereitet und einzelnen Verarbeitungsprozessen wieder zugeführt. Durch die Kreislaufführung des Wassers wurden metallische Verunreinigungen eingeschleppt, was zur Verschlammung der Entfettung und Belastung der Beizprozesse und der entsprechenden Spülprozesse führte. Im Ergebnis hatte dies geringe Standzeiten aller Prozessbäder und damit hohe Betriebskosten zur Folge, was das Unternehmen dazu veranlasste, gemeinsam mit der Effizienz-Agentur NRW den PIUS-Check durchzuführen.

HEICO Umformtechnik GmbH Oesterweg 27 59469 Ense-Höingen Telefon 02938/805-0 Fax 02938/3217 E-Mail mail@heico-fasteners.de www.heico-fasteners.de

Die Maßnahmen - die Erfolge

Fotos Portrait: Walter Rennemeier, Abteilungsleiter Oberflächenveredelung Oben: Die Standzeit der Bäder konnte erheblich verlängert werden Mitte: Das Unternehmen braucht jetzt 15.000m3 /a weniger Frischwasser Unten: Die Kosten für Chemikalien wurden stark reduziert Rechte Seite Klein: Effizientere Spülprozesse entlasten die Abwasserbehandlungsanlage Groß: Nieten für Ledermöbel – eines der Produkte bei HEICO Umformtechnik

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Durch eine komplett neue Spülwasserführung und die Neustrukturierung der Abwasserbehandlung wurde produktionsintegriert und ohne größere Investitionen der gesamte Galvanobereich neu organisiert. Zu dem Maßnahmenbündel gehören Änderungen der Betriebsweise der Abwasseranlage von einer Durchlaufanlage zur Chargenanlage sowie die Neukonzeptionierung der Spülprozesse durch Kaskadierung. Durch die effizienteren Spülprozesse wird die Abwasseranlage hydraulisch entlastet, und die Kreislaufführung des Prozesswassers in den Galvanoautomaten konnte entfallen. Daraus er-

gibt sich eine erhebliche Standzeitverlängerung der Entfettungs-, Beizund Dekapierungsbäder. Beispielsweise konnte die Standzeit der Entfettung von zwei auf vier Wochen verdoppelt werden. Insgesamt verringerte sich die Belastung des Abwassers mit der neuen Spülwasserführung entscheidend. Unter dem Strich spart HEICO jetzt, bei ganz geringen Investitionskosten, pro Jahr 50.000 Euro für Chemikalien und Abwasser ein. Jahr für Jahr braucht das Unternehmen allein durch diese Maßnahme 15.000 m3 Frischwasser weniger als zuvor.

Dieses Beispiel zeigt, dass die Rückführung von gereinigtem Abwasser nicht immer der richtige Weg zur Ressourceneinsparung ist. Bei HEICO hatte die Anreicherung von gelösten Metallionen im Kreislaufwasser weit reichenden negativen Einfluss auf die Prozessbäder und damit auf Produktqualität und Ressourceneffizienz. In diesem Fall zeigte der PIUS-Check, dass gerade die Auflösung von Kreisläufen zu mehr Produktqualität und zu erheblichen Einsparungen bei Chemikalien und Wasser führen kann.

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Thiele Metallveredelungs-GmbH, Schwelm

Neue Anlage für effiziente Prozesswasserführung Der 1907 gegründete Familienbetrieb Thiele Metallveredelung veredelt heute Produkte für die AutomotiveZulieferindustrie und für den Maschinenbau wie Befestigungs- und Sicherungselemente. Das Unternehmen bietet seinen Kunden galvanisches Verzinken und Nachtauchlackierung im Top Coat-Verfahren an. Zehn Mitarbeiter sind in Schwelm tätig.

Warum PIUS? Um den Betrieb zukunftsorientiert auszurichten, investierte Thiele im Jahr 2004 500.000 Euro in den Neubau einer Zinkgestellanlage. Dabei wurde ein Verfahren gewählt, das über den Stand der Technik hinaus komplett cyanfrei produziert.

Das Unternehmen nutzte gezielt den PIUS-Check der Effizienz-Agentur NRW, um das Anlagenkonzept schon bei der Planung im Hinblick auf die ressourceneffiziente Wasserwirtschaft zu überprüfen. Besondere Schwerpunkte lagen auf der Schließung von Spülkreisläufen und der Nutzung von Regenwasser für ausgewählte Spülprozesse. Der PIUSCheck ergab eine große Bandbreite möglicher Einsparungen. Das zeige, so Geschäftsführer Uwe Thiele, dass eine konkrete Unterstützung gerade bei der Planung und Konzeption komplexer Anlagen möglich sei. So wurden unterschiedliche Verfahrenskombinationen beim Prozesswassermanagement bewertet, was die betriebliche Entscheidungsfindung erfolgreich unterstützte. Die sehr große Investition zeigt nicht zuletzt die Überzeugung des Unternehmens von den Vorteilen ressourceneffizienter Prozesse und vom Standort NRW.

Fotos Portrait: Uwe Thiele, Geschäftsführer Oben: Um 120 Prozent erhöhte Produktivität durch den neuen Zinkautomaten Mitte: Mit der neuen Anlage wird ausschließlich Gestellware veredelt Unten: 40 Prozent weniger Frischwasserbedarf durch verbesserte Prozessführung Rechte Seite Klein: Das Steuerschema der Badfolge Groß: Die Produktqualität wurde deutlich gesteigert

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7,5 Minuten reduziert worden. Dazu kommt die Verdreifachung des Warenfensters im Vergleich mit der alten Anlage. Alle Details in Summe ergeben eine Produktivitätssteigerung um 120 Prozent.

Thiele Metallveredelungs-GmbH Sedanstraße 70 58332 Schwelm Telefon 02336/2627 Fax 02336/879962

Aufgrund der Automatisierung der Chemikalien- und der Spülwasserdosierung können die Prozesse wesentlich stabiler gehalten werden. Dazu ermittelte der PIUS-Check, neben der Schließung der Spülwasserkreisläufe, Verbesserungen an den Warenträgern. Mit der veränderten Prozesswasserführung kann der Gesamtbetrieb Jahr für Jahr etwa 40 Prozent weniger Frischwasser einsetzen. Weitere Einsparpotenziale durch den Einsatz von Regenwasser sind identifiziert und sollen ebenfalls genutzt werden. Der neue Zinkautomat hat nicht nur die Wasser- und Abwasserbilanz verbessert. Durch die bessere Spültechnik konnte auch die Produktqualität deutlich verbessert werden. Die Ausschussquote sowie die Durchlaufzeiten wurden verringert.

Die Maßnahmen – die Erfolge In der Vorbehandlung hat vor allem die kontinuierliche Filterung der Entfettungsbäder mit fettabsorbierendem Kunstfaservlies (Spaghettifilter) zu längeren Standzeiten der Bäder geführt. Seit Fertigstellung der Anlage mussten die Entfettungen nur mit Reinigungsmitteln nachgeschärft und nicht wie früher alle vier Wochen entsorgt und neu angesetzt

werden. Ergebnis: eine wesentliche Reduktion an Entsorgungskosten und beim Neuansatz eine entsprechende Einsparung an Frischwasser von ca. 4.500 Liter pro Ansatz.

Das Unternehmen hat sich in allen wichtigen Kernprozessen neu aufgestellt und verbessert seine Wettbewerbsfähigkeit nachhaltig.

Neben der Tatsache, dass sich die Nebenzeiten zum Auf- und Abhängen der Gestellware verlängerten, ist die Taktfrequenz eines Warenträgers im neuen Automaten von 12 auf

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Fazit und Ausblick

PIUS: Unternehmen Zukunft

Die gezeigten Praxisbeispiele beweisen es: Der Weg zu noch mehr Wettbewerbsfähigkeit durch eine effizientere Produktion in der Oberflächenveredelung ist oft gar nicht weit. In manchen Fällen bedarf es zuweilen nur geringer Investitionen, um sehr schnell bei den in der Oberflächenveredelung besonders relevanten Einsatzstoffen Chemikalien und Prozesswasser erhebliche Betriebskosten einzusparen. In anderen Fällen sind größere Investitionen notwendig, die sich für das Unternehmen rechnen und es fit für die Zukunft machen. Sie beweisen außerdem: Ressourceneffiziente Technologien, Verfahren und organisatorische Abläufe sind die richtigen Ansätze für Unternehmen, um wirtschaftlich erfolgreich zu sein. Und sie belegen, dass das Know-how da ist: Wir müssen die Aufgaben nur anpacken – am besten gemeinsam.

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Mitarbeiter motivieren und die Produktivität steigern

Neue Verfahren sichern Märkte

Produktivitätssteigerung ist das Schlüsselwort – mit weniger Einsatz mehr erreichen das Ziel. Die Praxisbeispiele zeigen: Unnötig hohe Kosten stecken nicht zuletzt auch im Einsatz der Chemikalien, in der Handhabung von Prozesswasser oder in der Prozessorganisation. Die PIUS-Analysen decken diese – zuweilen sehr versteckten – Potenziale kompromisslos auf und geben dem Unternehmer die Mittel an die Hand, die er zur Verbesserung der Prozesse braucht.

Innovation kann sich in einem neuen, veränderten Produkt zeigen – oder Innovation kann auch in Verfahrensänderungen einfließen, welche die Herstellung des unveränderten Produkts vereinfachen oder kostengünstiger machen. Die Beispiele zeigen, dass verbesserte Verfahren höhere Produktqualität und geringere Ausschussquoten zur Folge haben. Im Ergebnis kommt es zu weniger Reklamationen der Kunden, und das Unternehmen kann auf geänderte Marktanforderungen flexibler reagieren. Das sind gute Argumente für die Kundenbindung und -gewinnung.

Die Ergebnisse sind oft deutlich: 15.000 m3 weniger Frischwasser pro Jahr und 50.000 Euro Einsparungen bei Chemikalien- und Abwasserkosten konnte die Firma HEICO verbuchen. Eine Produktivitätssteigerung von 120 Prozent registrierte Thiele Metallveredelung. Solche Zahlen sprechen für sich – und für den PIUS.

Vor allem beim nachhaltigen Umsetzen des PIUS kommt es entscheidend auf ein Team qualifizierter und motivierter Mitarbeiter an. Bei einem Unternehmen aus unserer Beispielreihe, der Firma Hillebrand, konnten im Rahmen der Neustrukturierung und Expansion 45 sichere Arbeitsplätze geschaffen werden. Das Beispiel der Firma HDO verdeutlicht, wie aktiv eingebundene und mit Verantwortung betraute Mitarbeiter den PIUS-Prozess hin zu höherer Wettbewerbsfähigkeit unterstützen. So kann Produktivitätssteigerung auch gestaltet werden.

Gewusst wie: Fördermittel sichern Investitionen in die Zukunft Viele Einsparungen lassen sich – die Beispiele zeigen es – mit geringen Investitionen verwirklichen. Andere Unternehmensbeispiele zeigen, dass es sich auch lohnt, höhere Summen in die Hand zu nehmen, um die Produktionsprozesse in größerem Umfang zu optimieren und sich für die Zukunft technologisch zu rüsten. Das Risiko solcher Investitionen

kann durch die Nutzung geeigneter Förderprogramme begrenzt werdenwie bei der Firma Hillebrand, deren Investition mit einem zinsgünstigen Kredit über 2 Millionen Euro aus dem NRW-Förderprogramm „Initiative ökologische und nachhaltige Wasserwirtschaft NRW“ unterstützt wurde. Aber auch ohne Förderung kann sich der Einsatz finanzieller Mittel schnell rechnen: Bei der Firma Thiele wurde eine neue Anlage schon in der Planung nach PIUS-Prinzipien optimiert, damit sich die Investition von 500.000 Euro umso schneller amortisieren kann. Ein Beispiel dafür, dass sich große Investitionen auch in kleinen Unternehmen lohnen können. Thiele hat mit dieser Investition auch eine klare Standortzusage für NRW abgegeben.

Nutzen Sie vorhandenes Fachwissen Unternehmerischer Geist, Ideen, Visionen und die Entschlossenheit, sie umzusetzen, Gespür für den Markt – all das ist nicht zu ersetzen, in einem Betrieb mit fünf Angestellten ebenso wenig wie in einem Unternehmen mit 500 Mitarbeitern. Doch heutzutage wird auch von kleineren Firmen immer umfangreicheres und kompliziertes Fachwissen gefordert. Gerade kleine und mittelständische Unternehmen können nicht mit eigenen Kräften die ganze Bandbreite abdecken in Forschung und Entwicklung, im Finden und Umsetzen neuester Verfahrenstechniken. Aber es ist auch nicht notwendig, das Rad in jedem Unternehmen neu zu erfinden. In Fragen des Produktionsintegrierten Umweltschutzes etwa mit seinen

Auswirkungen auf Prozesse und betriebswirtschaftliche Überlegungen können Sie auf die Effizienz-Agentur NRW vertrauen: Mit unserem Knowhow und mit Hilfe gezielt ausgewählter, externer Berater können Sie die Zukunft Ihres Unternehmens am Standort NRW noch effizienter gestalten. Gemeinsam mit Ihnen und Ihrer unternehmerischen Kompetenz, Ihrem produkt- und produktionsspezifischen Know-how schaffen wir die Voraussetzungen dafür, dass Ihr Unternehmen langfristig wettbewerbsfähig bleibt in einem sich rasch verändernden Markt. Auf der folgenden Seiten finden Sie die Kontaktdaten Ihrer Ansprechpartner bei der EFA in Duisburg und in den Regionalbüros. Sprechen Sie uns an. Wir freuen uns auf Sie.

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Effizienz-Agentur NRW:

Kompetenz und Synergien für den Mittelstand Seit ihrer Gründung auf Initiative des nordrhein-westfälischen Umweltministeriums im Jahre 1998 hat die EFA ihr Beratungs- und Leistungsspektrum kontinuierlich und erfolgreich ausgebaut. Heute ist die EffizienzAgentur NRW nicht nur ein kompetenter und verlässlichen Partner für den Mittelstand, sondern auch eine leistungsfähige Schnittstelle zwischen Wirtschaft, Wissenschaft, Politik, Medien und Öffentlichkeit.

Wegweiser zum Nachhaltigen Wirtschaften Die Effizienz-Agentur NRW – kurz EFA – ist die zentrale Anlaufstelle für produzierende kleine und mittlere Unternehmen in Nordrhein-Westfalen. Ziel ihrer Arbeit sind weit reichende strategische und technische Verbesserungen im Sinne des Nachhaltiges Wirtschaftens - durch neue Strategien, innovative Technologien und ökologisch orientierte Maßnahmen.

Als feste Größe für optimalen Wissenstransfer und zielgerichtete Projekt-Aktivitäten koordiniert die EFA Leistungen von Entwicklern, Anbietern, Förderern und Anwendern zukunftsträchtiger Innovationen. Damit immer mehr Produkte und Dienstleistungen in allen Branchen und Bereichen der modernen Industrie entstehen können, die in Sachen Umweltverträglichkeit und Wirtschaftlichkeit neue Wege gehen - und gerade deshalb so erfolgreich in internationalen Märkten bestehen können. Inzwischen setzen sich insgesamt 18 EFA-Mitarbeiter in Duisburg sowie in den vier Regionalbüros Aachen, Bielefeld, Münster und Siegen dafür ein, dass möglichst viele kleine und mittlere Unternehmen in NRW durch intelligentes Wirtschaften von handfesten finanziellen Vorteilen nachhaltig profitieren können.

Duisburg Mülheimer Straße 100 · 47057 Duisburg Telefon 02 03 / 3 78 79-30 · Fax -44 www.efanrw.de · eMail: efa@efanrw.de Regionalbüro Aachen im Technologiezentrum Dennewartstraße 27 (am Europaplatz) 52068 Aachen Telefon 02 41 / 9 63 16 21 Regionalbüro Bielefeld im Technologiezentrum Meisenstraße 96 · 33607 Bielefeld Telefon 05 21 / 29 97-397 Regionalbüro Münster im HBZ Echelmeyerstraße 1–2 · 48163 Münster Telefon 02 51 / 70 5-14 75 Regionalbüro Siegen im Technologiezentrum Birlenbacher Straße 18 · 57078 Siegen Telefon 02 71 / 2 50 39-60

Ansprechpartner Duisburg Telefon 02 03 / 3 78 79

Leitung Dr. Peter Jahns -42 Dr. Julia R. Tschesche (stellv.) -45

pja@efanrw.de jts@efanrw.de

Sekretariat Inge Steinhauer Angela Höfler

-41 -43

ist@efanrw.de anh@efanrw.de

Öffentlichkeitsarbeit Susan Kolta Ingo Menssen Anja Schmitt Thomas Splett

-47 -52 -59 -38

sko@efanrw.de ime@efanrw.de asc@efanrw.de tsp@efanrw.de

Projektkoordination Ilona Dierschke Matthias Graf Eckart Grundmann Karl Hufmann Andreas Kunsleben Marcus Lodde Michael Niemczyk Clas M. Ötting Markus Schumacher Henning H. Sittel

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ild@efanrw.de mgr@efanrw.de egr@efanrw.de khu@efanrw.de aku@efanrw.de lod@efanrw.de mni@efanrw.de cmo@efanrw.de msc@efanrw.de hsi@efanrw.de

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Ihre Fragen sind unser Antrieb

Partner für Innovation und Wachstum

Die EFA hat es sich zur Aufgabe gemacht, den nordrhein-westfälischen Mittelstand bei der Beantwortung essentieller Fragen in folgenden Bereichen zu unterstützen:

Die EFA ist Initiator und Vermittler einer neuen Wirtschaftsstrategie, die uns allen zugute kommt – und der Erfolg gibt uns Recht. So haben wir inzwischen nicht nur zahlreiche Unternehmen aus Nordrhein-Westfalen bei der Umsetzung innovativer Maßnahmen unterstützt. Unter unserer Koordination entstehen auch kontinuierlich neue Konzepte und Projekte – und darüber hinaus ein leistungsfähiges Info-Netzwerk für den gesamten NRW-Mittelstand. So profitiert letztendlich unsere gesamte Gesellschaft von einem Wissensund Praxis-Potenzial, das national und international ein eindrucksvolles Beispiel dafür darstellt, was wirtschaftlich möglich und ökologisch nötig ist. Vorausgesetzt, man nutzt das richtige Potenzial zur richtigen Zeit am richtigen Ort.

• Produktionsintegrierter Umweltschutz: Wie lässt sich meine Wirtschaftlichkeit im Prozess erhöhen, indem Umweltbelastungen gar nicht erst entstehen? • Umweltgerechte Produktgestaltung: Welche unternehmerischen Vorteile verschaffen mir Produkte, deren gesamter Lebenszyklus mehr an ökologischen Maßstäben ausgerichtet ist? • Ressourcenkostenrechnung RKR®: Wie zahlt sich der durchdachte Umgang mit knappen Gütern wie Rohstoffen und Energie unmittelbar für mich aus? • Unterstützung und Fördervermittlung: Wer unterstützt mich bei der Umsetzung solcher Maßnahmen und wie kann ich welche finanziellen Mittel hierfür in Anspruch nehmen? • Pilot- und Verbundprojekte: Wie kann ich davon profitieren, wenn ich bei der Umsetzung meiner Maßnahmen mit anderen Unternehmen und Institutionen zusammenarbeite?

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