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CASTROP-RAUXEL-SPEZIAL

— Die Zeche Erin nahe der Altstadt brachte Castrop den großen Aufschwung. Jetzt dehnt sich am Fördergerüst ein großer Park mit Gewerbe.

Europastadt mit Bindestrich Castrop-Rauxel Die großen, die „kreisfreien“ Städte unserer Region haben wir nun alle vorgestellt in der RUHR REVUE. Doch bleiben unter den kleineren noch einige, die sind so sehr Ruhrgebiet, dass man sie eigentlich nicht unter „ferner“ abhaken kann. So auch Castrop-Rauxel: mittendrin, zwischen Bochum, Dortmund, Herne und Recklinghausen.

„Das gehört zusammen wie Castrop und Rauxel“, pflegte ein gewisser Mathelehrer zu sagen, wenn er auf eine besonders innige Beziehung zwischen zwei Faktoren hinwies. Der Mann wird sich was dabei gedacht haben; schließlich ist er später Universitätsprofessor geworden. Wir vermuten: Eine

Anspielung auf Zeus’ Zwillingssöhne Castor und Pollux, die früher unter Gebildeten sprichwörtlich für eng Verbundenes standen. Sicher ist, dass man auch bei der Stadt seit Jahrzehnten den einen Namen kaum ohne den anderen denken kann, und dass kurioserweise gleich beide recht exo-

tisch wirken mit diesem großen „C“ und dem kleinen „x“. Spötter haben daraus geschlossen, dass es Castrop-Rauxel eigentlich gar nicht gebe, dass der Name nur eine lateinischgriechische Übersetzung sei – für Wanne-Eickel. Falsch. Richtig ist aber, dass das „C“ lateinische Wurzeln

zu haben scheint. 834 wurde der Ort erstmals schriftlich er wähnt, als „villa castorpa“. An der Stelle eines römischen Militärpostens hatte sich ein Hof als Stützpunkt für die Heere Karls des Großen etabliert – darauf bezog sich das Wort „villa“. Das „torp(a)“ hieß einfach „Dorf“, und „cas“ wird als Bezeichnung für einen Vorratsspeicher gedeutet: „Dorf am Speicher“ also. Das „torp“ wurde bald darauf, wie bei vielen anderen Orten, in „trop“ verdreht. Das im lateinischen Text passende „c“ wich später zeitweise dem deutscheren „K“. Als aber vor gut 100 Jahren viele Orte wie Cöln ihr altmodisches „C“ zu „K“ machten, tat Kastrop das Gegenteil und nannte sich endgültig Castrop. Rauxel – das kriegen wir später. Ruhr Revue

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CASTROP-RAUXEL-SPEZIAL

— Die Zeche Erin nahe der Altstadt brachte Castrop den großen Aufschwung. Jetzt dehnt sich am Fördergerüst ein großer Park mit Gewerbe.

Europastadt mit Bindestrich Castrop-Rauxel Die großen, die „kreisfreien“ Städte unserer Region haben wir nun alle vorgestellt in der RUHR REVUE. Doch bleiben unter den kleineren noch einige, die sind so sehr Ruhrgebiet, dass man sie eigentlich nicht unter „ferner“ abhaken kann. So auch Castrop-Rauxel: mittendrin, zwischen Bochum, Dortmund, Herne und Recklinghausen.

„Das gehört zusammen wie Castrop und Rauxel“, pflegte ein gewisser Mathelehrer zu sagen, wenn er auf eine besonders innige Beziehung zwischen zwei Faktoren hinwies. Der Mann wird sich was dabei gedacht haben; schließlich ist er später Universitätsprofessor geworden. Wir vermuten: Eine

Anspielung auf Zeus’ Zwillingssöhne Castor und Pollux, die früher unter Gebildeten sprichwörtlich für eng Verbundenes standen. Sicher ist, dass man auch bei der Stadt seit Jahrzehnten den einen Namen kaum ohne den anderen denken kann, und dass kurioserweise gleich beide recht exo-

tisch wirken mit diesem großen „C“ und dem kleinen „x“. Spötter haben daraus geschlossen, dass es Castrop-Rauxel eigentlich gar nicht gebe, dass der Name nur eine lateinischgriechische Übersetzung sei – für Wanne-Eickel. Falsch. Richtig ist aber, dass das „C“ lateinische Wurzeln

zu haben scheint. 834 wurde der Ort erstmals schriftlich er wähnt, als „villa castorpa“. An der Stelle eines römischen Militärpostens hatte sich ein Hof als Stützpunkt für die Heere Karls des Großen etabliert – darauf bezog sich das Wort „villa“. Das „torp(a)“ hieß einfach „Dorf“, und „cas“ wird als Bezeichnung für einen Vorratsspeicher gedeutet: „Dorf am Speicher“ also. Das „torp“ wurde bald darauf, wie bei vielen anderen Orten, in „trop“ verdreht. Das im lateinischen Text passende „c“ wich später zeitweise dem deutscheren „K“. Als aber vor gut 100 Jahren viele Orte wie Cöln ihr altmodisches „C“ zu „K“ machten, tat Kastrop das Gegenteil und nannte sich endgültig Castrop. Rauxel – das kriegen wir später. Ruhr Revue

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CASTROP-RAUXEL-SPEZIAL

— Der Marktplatz mit schönen Geschäftshäusern ist Mittelpunkt der

GRAND TOUR 2010

Castroper Altstadt.Im Sommer findet dort alljährlich ein Gourmetfest statt.

Das Reisepaket zur Kulturhauptstadt Europas RUHR.2010 und zu vielen weiteren Kulturschätzen in Nordrhein-Westfalen

| Gründer Mulvany Unter den vielen Dörfchen und Adelssitzen auf heutigem Stadtgebiet tat Castrop sich stets ein wenig hervor: als „Reichshof“ und als „Freiheit“, der im 15. Jahrhundert die klevischen Landesherren sogar Privilegien einer mittelalterlichen Stadt verliehen, wenngleich aus dem Ort nie mehr als ein nach hunderten Einwohnern zählendes Nest wurde. Den offiziellen Status einer Stadt erhielt Castrop denn auch erst 1902, nachdem es sich mit den Nachbarorten Behringhausen und Obercastrop zusammengetan hatte. Vorausgegangen war aber der geradezu ortsübliche, plötzliche Aufstieg der Gemeinde durch den Bergbau. In Gelsenkirchen und Herne hatte der irische Ingenieur William Thomas Mulvany schon die Zechen „Hibernia“ und „Shamrock“ gegründet, als er 1866 in Castrop aktiv wurde und unmittelbar westlich des alten Städtchens gleich zwei

Schächte abteufen ließ. Ein Erfolg war die „Erin“ (Irland) genannte Zeche vorerst jedoch nicht; wie bei anderen Unternehmungen rundum hatte man die Wasserzuflüsse noch nicht im Griff. Erst 1885 konnte Gründergenie Friedrich Grillo das Bergwerk sanieren und verkaufte es 1887 an die Gelsenkirchener Bergwerks-AG. Nun begann das Wachstum des Städtchens Castrop, welches die Zeche Erin im Westen, Osten, Nordosten und Süden mit Fördergerüsten geradezu umzingelte.

| Die Krähenwiese Mit geringer Verzögerung wuchsen auch im Osten und Norden Castrops neue Zechen heran: Graf Schwerin, Viktor und Ickern. Sie lagen aber noch in Landgemeinden außerhalb des Stadtgebietes. Es dauerte bis zu den großen Gebietsreformen der 1920er Jahre, ehe politisch entschieden wurde, dass Castrop und Rauxel zusammengehören. Am 1. April 1926, kein Scherz, entstand die neue Stadt Castrop-Rauxel. Dabei hat es sich keineswegs um eine Ehe unter halbwegs Gleichen gehandelt. Die Stadt Castrop schloss sich da zusammen mit zwölf ländlichen Gemeinden aus drei verschiedenen „Ämtern“. Fünf Gemeinden, darunter Rauxel, zählten zum „Amt Rauxel“. Mag sein, dass man deshalb Rauxel als zweiten Namensgeber der neuen Stadt aussuchte; vielleicht aber spielte auch die Eisenbahn eine Rolle. — Das Reiterdenkmal am Markt erinnert an eine frühere Rennbahn. Das „x“ ist keins, sondern ein Andreaskreuz – Wappen der Stadt.

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Ruhr Revue

Als die „Köln-Mindener“ Bahn 1847 als erste das Ruhrgebiet durchschnitt, wurde auch auf dem Gebiet des heutigen Castrop-Rauxel ein Bahnhof errichtet. Er lag in dem winzigen Dorf Rauxel, wurde aber nach der südlich gelegenen Stadt „Castrop“ genannt. Das änderte sich 1880, als die vergleichsweise unwichtige Emschertalbahn mitten durch Castrop ging und denn auch ihren Bahnhof „Castrop“ nannte. Die Station an der „KölnMindener“ hieß fortan geographisch korrekt „Rauxel“. Als „Castrop-Rauxel“ hatte die neue Stadt also auf einen Schlag die bahnamtliche Bezeichnung ihres wichtigsten Bahnhofes im Namen. Reichs- und Bundesbahn ließen sich viel Zeit mit ihrer Reaktion auf die neuen Realitäten: Erst 1962 wurde „Rauxel“ in „Castrop-Rauxel Hbf“ umbenannt, und „Castrop“ in „Castrop-Rauxel Süd“. Rauxel, das sei jetzt nachgetragen, soll von „roukessele/ roucsele“ herkommen, was so viel wie „Krähenwiese“ bedeutet. Nichts Griechisches also.

S-BOX für 49 €

L-BOX für 149 €

XL-BOX für 298 €

Tagestour

2-Tages-Tour

3-Tages-Tour

Die GRAND TOUR 2010 lädt ein, die kulturelle Vielfalt an Ruhr und Rhein zu entdecken und zu einer Kulturreise der besonderen Art aufzubrechen. Als praktische Reisebegleitung dient die GRAND TOUR 2010 Box, mit der die Besucher einen ein- bis dreitägigen Aufenthalt in und um die Kulturhauptstadt herum planen und durchführen können. In der handlichen Metallbox sind neben einem Gutschein für eine Übernachtung in ausgewählten Hotels auch Gutscheine für den Eintritt zu den kulturellen Glanzlichtern enthalten. Informationen und Buchung: Tel. +49 (0)228/184967-44 info@grand-tour-2010.de www.grand-tour-2010.de

Ein Projekt von RUHR.2010 gefördert vom Land Nordrhein-Westfalen

www.grand-tour-2010.de

Fotos: Treppenhaus Kohlenwäsche, © Matthias Duschner/Stiftung Zollverein Keith Sonnier, Tunnel of Tears, 2002, Foto: Werner Hannappel Gehry Bauten, Foto: Ulrich Otte, DMT

3 Reisevarianten zur Wahl


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— Die Zeche Erin nahe der Altstadt brachte Castrop den großen Aufschwung. Jetzt dehnt sich am Fördergerüst ein großer Park mit Gewerbe.

Europastadt mit Bindestrich Castrop-Rauxel Die großen, die „kreisfreien“ Städte unserer Region haben wir nun alle vorgestellt in der RUHR REVUE. Doch bleiben unter den kleineren noch einige, die sind so sehr Ruhrgebiet, dass man sie eigentlich nicht unter „ferner“ abhaken kann. So auch Castrop-Rauxel: mittendrin, zwischen Bochum, Dortmund, Herne und Recklinghausen.

„Das gehört zusammen wie Castrop und Rauxel“, pflegte ein gewisser Mathelehrer zu sagen, wenn er auf eine besonders innige Beziehung zwischen zwei Faktoren hinwies. Der Mann wird sich was dabei gedacht haben; schließlich ist er später Universitätsprofessor geworden. Wir vermuten: Eine

Anspielung auf Zeus’ Zwillingssöhne Castor und Pollux, die früher unter Gebildeten sprichwörtlich für eng Verbundenes standen. Sicher ist, dass man auch bei der Stadt seit Jahrzehnten den einen Namen kaum ohne den anderen denken kann, und dass kurioserweise gleich beide recht exo-

tisch wirken mit diesem großen „C“ und dem kleinen „x“. Spötter haben daraus geschlossen, dass es Castrop-Rauxel eigentlich gar nicht gebe, dass der Name nur eine lateinischgriechische Übersetzung sei – für Wanne-Eickel. Falsch. Richtig ist aber, dass das „C“ lateinische Wurzeln

zu haben scheint. 834 wurde der Ort erstmals schriftlich er wähnt, als „villa castorpa“. An der Stelle eines römischen Militärpostens hatte sich ein Hof als Stützpunkt für die Heere Karls des Großen etabliert – darauf bezog sich das Wort „villa“. Das „torp(a)“ hieß einfach „Dorf“, und „cas“ wird als Bezeichnung für einen Vorratsspeicher gedeutet: „Dorf am Speicher“ also. Das „torp“ wurde bald darauf, wie bei vielen anderen Orten, in „trop“ verdreht. Das im lateinischen Text passende „c“ wich später zeitweise dem deutscheren „K“. Als aber vor gut 100 Jahren viele Orte wie Cöln ihr altmodisches „C“ zu „K“ machten, tat Kastrop das Gegenteil und nannte sich endgültig Castrop. Rauxel – das kriegen wir später. Ruhr Revue

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CASTROP-RAUXEL-SPEZIAL

CASTROP-RAUXEL-SPEZIAL

— Das hübsche ehemalige Südbad im Stadtpark ist heute ein Kulturzentrum.

Übrigens sollte man nicht meinen, die Stadt hätte das „x“ aus Rauxel gleich zum Stadtwappen gemacht – das Andreaskreuz geht auf den Reichshof Castrop zurück.

| Dominierender Bergbau Die neue Stadt reichte nun vom Dörfchen Frohlinde im Südosten bis Ickern im Nordosten und Bladenhorst im Nordwesten. Castrop wurde natürlich zum Zentrum der neuen Stadt, die im Übrigen alles andere als eine Einheit war. Außerhalb der Altstadt blieb Castrop-Rauxel ländlich, soweit es nicht von den vier

wachsenden Bergwerken und den dazugehörenden Siedlungen überformt wurde. Der Bergbau war über Jahrzehnte dominierender Wirtschaftsfaktor. 1956 arbeiteten fast 17.000 Menschen auf den vier Zechen – ein Fünftel der Gesamtbevölkerung von 83.000! Mit Bergbau- und Babyboom kam Castrop-Rauxel in den frühen sechziger Jahren nah an den Großstadt-Status heran, doch von fast 88.000 ging die Zahl dann zurück, obwohl 1975 noch im Norden Henrichenburg eingemeindet wurde. Seit 1980 schwankt die Einwohnerzahl um 78.000; zu den schrump-

fenden Ruhrstädten gehört das oft verkannte Castrop-Rauxel also längst nicht mehr. Dabei ist der einst so wichtige Bergbau früher verschwunden als in anderen Städten des nördlichen Reviers: Ende 1983 war Schicht auf „Erin“; die erste Castroper Zeche war also auch die letzte. Von der Montanindustrie sind nur noch die Rütgers-Chemiewerke übrig, einst eine Anlage zur Kohleverflüssigung auf Zeche „Victor“. Im Übrigen ist Castrop-Rauxels Wirtschaft rein mittelständisch strukturiert und hat sich damit im regionalen Vergleich respektabel geschlagen. Die konstante

Einwohnerzahl hat außerdem damit zu tun, dass die ländlichen Vororte als beliebte Wohnquartiere auch in Nachbarstädte strahlen. Einige Hinterlassenschaften des Bergbaus hat Castrop-Rauxel zu Attraktionen umgewandelt. Von der großen Schachtanlage „Erin 1/2/4/7“ am Rande der Altstadt ist nichts geblieben als das mächtige, grüne Fördergerüst von 1954. Zu seinen Füßen aber dehnt sich ein großer Park; in einigen modernen, interessanten Gebäuden haben sich Behörden und Firmen angesiedelt, darunter das Galeriehaus Grosche (RUHR REVUE 1/09). Auf einer Anhöhe östlich der Altstadt steht der „Hammerkopfturm“ des einstigen Wetter- und Seilfahrtschachtes „Erin 3“. Der 1929 erbaute, ungewöhnliche Turm ist heute ein Solitär inmitten einer grünen, fast idyllischen Wohngegend. — Der Hammerkopfturm überragt ein gemütliches und grünes Wohnviertel oberhalb der Altstadt.

Der Hammerkopfturm ist übrigens, wie sein Kollege im „Erinpark“, nur durch das Engagement des „Erin FörderTurm-Vereins Castrop-Rauxel eV“ vor Abbruch und Verschrottung bewahrt worden. Heute zählt er, mustergültig restauriert und nachts illuminiert, zu den Attraktionen der Stadt; der Verein betreibt eine sehr hübsche Website dazu: www.hammerkopfturm.de.tl (sic). Dass man zu seinen Füßen, wegen William Thomas Mulvanys irisch-keltischen Wurzeln, einen „keltischen Baumkreis“ angelegt hat, ist zwar etwas irritierend, da es sich bei diesen „Baumkalendern“ um eine moderne esoterische Erfindung handelt. Andererseits sieht es ganz nett aus – vor allem natürlich aus der Luft. Nur wenige hundert Meter entfernt liegt ein weiterer bergbaulicher Höhepunkt, im Wortsin-

ne: Die Halde Schwerin, mit 147 Metern über Normalnull höchster Ort der Stadt. Seit 1993 ist die Bergehalde von einer großen Sonnenuhr aus Stahl-Stelen gekrönt.

| Bürgerlich-gediegen Der Castroper Altstadt unten im Tal sind Verletzungen durch Bombenhagel und NachkriegsStadtplanung deutlich anzusehen, kein Zweifel. Dennoch ist sie ein liebens- und besuchenswertes Städtchen, vor allem wegen zahlreicher erhaltener Bauten aus der Zeit um 1900, als das aufstrebende Castrop sich um ein städtisch-bürgerliches Aussehen bemühte. Belebtes Zentrum ist der Marktplatz, der von einigen bemerkenswerten Jugendstilhäusern flankiert ist – großstädtische Geschäftshäuser in verkleinertem Maßstab. Das Modehaus Borgerding mit über hundertjähriger Tradi-

Ruhr Revue

tion und die Galerie „art.ist“, betrieben von der Altstadt-Apotheke (!), zeigen beispielhaft, dass die Häuser am Markt nicht nur Fassade sind. Überaus bürgerlich-gediegen wirken auch zwei Schulkomplexe aus ähnlicher Zeit, samt Direktorenvilla. Nebenan, in der alten Feuerwache, ist Cas-

trops Bürgerhaus untergebracht, ein städtisches Kulturzentrum. Um die Ecke in der Viktoriastraße zeigt die ehemalige Dienstvilla des Bürgermeisters, wie man vor hundert Jahren auf sich hielt in Castrop. Einige Jahre jünger ist der benachbarte Stadtgarten, anfangs der dreißiger Jahre im Rahmen von

Vier Stärken, die dafür sprechen, jetzt Kunde der Volksbank Castrop-Rauxel zu sein: 1. Genossenschaftsidee.

2. Unabhängigkeit.

Von unseren rund 9.000 Kunden sind rund die Hälfte zugleich Mitglieder, also Teilhaber, ihrer Bank. Die Mitgliedschaft gibt der Genossenschaftsbank den konkreten Auftrag der Mitgliederförderung. Dazu bietet die Volksbank gerade auch dem Mittelstand eine breite Palette an Finanzdienstleistungen aus einer Hand an. Ermöglicht wird dies durch die enge Zusammenarbeit mit leistungsfähigen Spezialinstituten im genossenschaftlichen FinanzVerbund.

Volksbanken sind wirtschaftlich unabhängig und müssen sich nach den Wünschen ihrer Mitglieder richten. Die sind es auch, die als Teilhaber der eigenen Bank vom erwirtschafteten Erfolg profitieren. profitieren. Und sie sind es, die dank ihres Mitspracherechts auch in Zukunft gleichberechtigt den unabhängigen Kurs der Volksbank mitbestimmen. Das macht die Volksbank zu einer echten Alternative, gerade in Zeiten globaler Märkte.

3. Stabilität.

4. Nähe.

Das Vertrauen der Bankkunden in die Sicherheit ihrer Einlagen ist ein hohes Gut. Darum gehen die freiwilligen Sicherungssysteme der Bankenverbände über den gesetzlichen Mindestschutz hinaus. Zu dem besonderen, garantierten 100%-Schutz, den alle Einlagen bei der Volksbank genießen, informiert die Sicherungseinrichtung des Bundesverbandes der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken unter: www.bvr.de/SE.

Die 20 Mitarbeiter und 4 Bankfilialen Bankfilialen garantieren Ihnen beständige und nahe Beratung vor Ort. Insgesamt 9.000 Kunden und davon rund die Hälfte Mitglieder müssen sich nicht ständig an neue Gesichter und neue Namen ihrer Bank gewöhnen. Natürlich erreichen Sie uns persönlich vor Ort, aber auch jederzeit im Internet.

Wir machen den Weg frei 48 |

— Die Sonnenuhr auf der Bergehalde Graf Schwerin – höchster Punkt der Stadt


CASTROP-RAUXEL-SPEZIAL

— Der Marktplatz mit schönen Geschäftshäusern ist Mittelpunkt der

GRAND TOUR 2010

Castroper Altstadt.Im Sommer findet dort alljährlich ein Gourmetfest statt.

Das Reisepaket zur Kulturhauptstadt Europas RUHR.2010 und zu vielen weiteren Kulturschätzen in Nordrhein-Westfalen

| Gründer Mulvany Unter den vielen Dörfchen und Adelssitzen auf heutigem Stadtgebiet tat Castrop sich stets ein wenig hervor: als „Reichshof“ und als „Freiheit“, der im 15. Jahrhundert die klevischen Landesherren sogar Privilegien einer mittelalterlichen Stadt verliehen, wenngleich aus dem Ort nie mehr als ein nach hunderten Einwohnern zählendes Nest wurde. Den offiziellen Status einer Stadt erhielt Castrop denn auch erst 1902, nachdem es sich mit den Nachbarorten Behringhausen und Obercastrop zusammengetan hatte. Vorausgegangen war aber der geradezu ortsübliche, plötzliche Aufstieg der Gemeinde durch den Bergbau. In Gelsenkirchen und Herne hatte der irische Ingenieur William Thomas Mulvany schon die Zechen „Hibernia“ und „Shamrock“ gegründet, als er 1866 in Castrop aktiv wurde und unmittelbar westlich des alten Städtchens gleich zwei

Schächte abteufen ließ. Ein Erfolg war die „Erin“ (Irland) genannte Zeche vorerst jedoch nicht; wie bei anderen Unternehmungen rundum hatte man die Wasserzuflüsse noch nicht im Griff. Erst 1885 konnte Gründergenie Friedrich Grillo das Bergwerk sanieren und verkaufte es 1887 an die Gelsenkirchener Bergwerks-AG. Nun begann das Wachstum des Städtchens Castrop, welches die Zeche Erin im Westen, Osten, Nordosten und Süden mit Fördergerüsten geradezu umzingelte.

| Die Krähenwiese Mit geringer Verzögerung wuchsen auch im Osten und Norden Castrops neue Zechen heran: Graf Schwerin, Viktor und Ickern. Sie lagen aber noch in Landgemeinden außerhalb des Stadtgebietes. Es dauerte bis zu den großen Gebietsreformen der 1920er Jahre, ehe politisch entschieden wurde, dass Castrop und Rauxel zusammengehören. Am 1. April 1926, kein Scherz, entstand die neue Stadt Castrop-Rauxel. Dabei hat es sich keineswegs um eine Ehe unter halbwegs Gleichen gehandelt. Die Stadt Castrop schloss sich da zusammen mit zwölf ländlichen Gemeinden aus drei verschiedenen „Ämtern“. Fünf Gemeinden, darunter Rauxel, zählten zum „Amt Rauxel“. Mag sein, dass man deshalb Rauxel als zweiten Namensgeber der neuen Stadt aussuchte; vielleicht aber spielte auch die Eisenbahn eine Rolle. — Das Reiterdenkmal am Markt erinnert an eine frühere Rennbahn. Das „x“ ist keins, sondern ein Andreaskreuz – Wappen der Stadt.

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Ruhr Revue

Als die „Köln-Mindener“ Bahn 1847 als erste das Ruhrgebiet durchschnitt, wurde auch auf dem Gebiet des heutigen Castrop-Rauxel ein Bahnhof errichtet. Er lag in dem winzigen Dorf Rauxel, wurde aber nach der südlich gelegenen Stadt „Castrop“ genannt. Das änderte sich 1880, als die vergleichsweise unwichtige Emschertalbahn mitten durch Castrop ging und denn auch ihren Bahnhof „Castrop“ nannte. Die Station an der „KölnMindener“ hieß fortan geographisch korrekt „Rauxel“. Als „Castrop-Rauxel“ hatte die neue Stadt also auf einen Schlag die bahnamtliche Bezeichnung ihres wichtigsten Bahnhofes im Namen. Reichs- und Bundesbahn ließen sich viel Zeit mit ihrer Reaktion auf die neuen Realitäten: Erst 1962 wurde „Rauxel“ in „Castrop-Rauxel Hbf“ umbenannt, und „Castrop“ in „Castrop-Rauxel Süd“. Rauxel, das sei jetzt nachgetragen, soll von „roukessele/ roucsele“ herkommen, was so viel wie „Krähenwiese“ bedeutet. Nichts Griechisches also.

S-BOX für 49 €

L-BOX für 149 €

XL-BOX für 298 €

Tagestour

2-Tages-Tour

3-Tages-Tour

Die GRAND TOUR 2010 lädt ein, die kulturelle Vielfalt an Ruhr und Rhein zu entdecken und zu einer Kulturreise der besonderen Art aufzubrechen. Als praktische Reisebegleitung dient die GRAND TOUR 2010 Box, mit der die Besucher einen ein- bis dreitägigen Aufenthalt in und um die Kulturhauptstadt herum planen und durchführen können. In der handlichen Metallbox sind neben einem Gutschein für eine Übernachtung in ausgewählten Hotels auch Gutscheine für den Eintritt zu den kulturellen Glanzlichtern enthalten. Informationen und Buchung: Tel. +49 (0)228/184967-44 info@grand-tour-2010.de www.grand-tour-2010.de

Ein Projekt von RUHR.2010 gefördert vom Land Nordrhein-Westfalen

www.grand-tour-2010.de

Fotos: Treppenhaus Kohlenwäsche, © Matthias Duschner/Stiftung Zollverein Keith Sonnier, Tunnel of Tears, 2002, Foto: Werner Hannappel Gehry Bauten, Foto: Ulrich Otte, DMT

3 Reisevarianten zur Wahl


CASTROP-RAUXEL-SPEZIAL

CASTROP-RAUXEL-SPEZIAL

— Das hübsche ehemalige Südbad im Stadtpark ist heute ein Kulturzentrum.

Übrigens sollte man nicht meinen, die Stadt hätte das „x“ aus Rauxel gleich zum Stadtwappen gemacht – das Andreaskreuz geht auf den Reichshof Castrop zurück.

| Dominierender Bergbau Die neue Stadt reichte nun vom Dörfchen Frohlinde im Südosten bis Ickern im Nordosten und Bladenhorst im Nordwesten. Castrop wurde natürlich zum Zentrum der neuen Stadt, die im Übrigen alles andere als eine Einheit war. Außerhalb der Altstadt blieb Castrop-Rauxel ländlich, soweit es nicht von den vier

wachsenden Bergwerken und den dazugehörenden Siedlungen überformt wurde. Der Bergbau war über Jahrzehnte dominierender Wirtschaftsfaktor. 1956 arbeiteten fast 17.000 Menschen auf den vier Zechen – ein Fünftel der Gesamtbevölkerung von 83.000! Mit Bergbau- und Babyboom kam Castrop-Rauxel in den frühen sechziger Jahren nah an den Großstadt-Status heran, doch von fast 88.000 ging die Zahl dann zurück, obwohl 1975 noch im Norden Henrichenburg eingemeindet wurde. Seit 1980 schwankt die Einwohnerzahl um 78.000; zu den schrump-

fenden Ruhrstädten gehört das oft verkannte Castrop-Rauxel also längst nicht mehr. Dabei ist der einst so wichtige Bergbau früher verschwunden als in anderen Städten des nördlichen Reviers: Ende 1983 war Schicht auf „Erin“; die erste Castroper Zeche war also auch die letzte. Von der Montanindustrie sind nur noch die Rütgers-Chemiewerke übrig, einst eine Anlage zur Kohleverflüssigung auf Zeche „Victor“. Im Übrigen ist Castrop-Rauxels Wirtschaft rein mittelständisch strukturiert und hat sich damit im regionalen Vergleich respektabel geschlagen. Die konstante

Einwohnerzahl hat außerdem damit zu tun, dass die ländlichen Vororte als beliebte Wohnquartiere auch in Nachbarstädte strahlen. Einige Hinterlassenschaften des Bergbaus hat Castrop-Rauxel zu Attraktionen umgewandelt. Von der großen Schachtanlage „Erin 1/2/4/7“ am Rande der Altstadt ist nichts geblieben als das mächtige, grüne Fördergerüst von 1954. Zu seinen Füßen aber dehnt sich ein großer Park; in einigen modernen, interessanten Gebäuden haben sich Behörden und Firmen angesiedelt, darunter das Galeriehaus Grosche (RUHR REVUE 1/09). Auf einer Anhöhe östlich der Altstadt steht der „Hammerkopfturm“ des einstigen Wetter- und Seilfahrtschachtes „Erin 3“. Der 1929 erbaute, ungewöhnliche Turm ist heute ein Solitär inmitten einer grünen, fast idyllischen Wohngegend. — Der Hammerkopfturm überragt ein gemütliches und grünes Wohnviertel oberhalb der Altstadt.

Der Hammerkopfturm ist übrigens, wie sein Kollege im „Erinpark“, nur durch das Engagement des „Erin FörderTurm-Vereins Castrop-Rauxel eV“ vor Abbruch und Verschrottung bewahrt worden. Heute zählt er, mustergültig restauriert und nachts illuminiert, zu den Attraktionen der Stadt; der Verein betreibt eine sehr hübsche Website dazu: www.hammerkopfturm.de.tl (sic). Dass man zu seinen Füßen, wegen William Thomas Mulvanys irisch-keltischen Wurzeln, einen „keltischen Baumkreis“ angelegt hat, ist zwar etwas irritierend, da es sich bei diesen „Baumkalendern“ um eine moderne esoterische Erfindung handelt. Andererseits sieht es ganz nett aus – vor allem natürlich aus der Luft. Nur wenige hundert Meter entfernt liegt ein weiterer bergbaulicher Höhepunkt, im Wortsin-

ne: Die Halde Schwerin, mit 147 Metern über Normalnull höchster Ort der Stadt. Seit 1993 ist die Bergehalde von einer großen Sonnenuhr aus Stahl-Stelen gekrönt.

| Bürgerlich-gediegen Der Castroper Altstadt unten im Tal sind Verletzungen durch Bombenhagel und NachkriegsStadtplanung deutlich anzusehen, kein Zweifel. Dennoch ist sie ein liebens- und besuchenswertes Städtchen, vor allem wegen zahlreicher erhaltener Bauten aus der Zeit um 1900, als das aufstrebende Castrop sich um ein städtisch-bürgerliches Aussehen bemühte. Belebtes Zentrum ist der Marktplatz, der von einigen bemerkenswerten Jugendstilhäusern flankiert ist – großstädtische Geschäftshäuser in verkleinertem Maßstab. Das Modehaus Borgerding mit über hundertjähriger Tradi-

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tion und die Galerie „art.ist“, betrieben von der Altstadt-Apotheke (!), zeigen beispielhaft, dass die Häuser am Markt nicht nur Fassade sind. Überaus bürgerlich-gediegen wirken auch zwei Schulkomplexe aus ähnlicher Zeit, samt Direktorenvilla. Nebenan, in der alten Feuerwache, ist Cas-

trops Bürgerhaus untergebracht, ein städtisches Kulturzentrum. Um die Ecke in der Viktoriastraße zeigt die ehemalige Dienstvilla des Bürgermeisters, wie man vor hundert Jahren auf sich hielt in Castrop. Einige Jahre jünger ist der benachbarte Stadtgarten, anfangs der dreißiger Jahre im Rahmen von

Vier Stärken, die dafür sprechen, jetzt Kunde der Volksbank Castrop-Rauxel zu sein: 1. Genossenschaftsidee.

2. Unabhängigkeit.

Von unseren rund 9.000 Kunden sind rund die Hälfte zugleich Mitglieder, also Teilhaber, ihrer Bank. Die Mitgliedschaft gibt der Genossenschaftsbank den konkreten Auftrag der Mitgliederförderung. Dazu bietet die Volksbank gerade auch dem Mittelstand eine breite Palette an Finanzdienstleistungen aus einer Hand an. Ermöglicht wird dies durch die enge Zusammenarbeit mit leistungsfähigen Spezialinstituten im genossenschaftlichen FinanzVerbund.

Volksbanken sind wirtschaftlich unabhängig und müssen sich nach den Wünschen ihrer Mitglieder richten. Die sind es auch, die als Teilhaber der eigenen Bank vom erwirtschafteten Erfolg profitieren. profitieren. Und sie sind es, die dank ihres Mitspracherechts auch in Zukunft gleichberechtigt den unabhängigen Kurs der Volksbank mitbestimmen. Das macht die Volksbank zu einer echten Alternative, gerade in Zeiten globaler Märkte.

3. Stabilität.

4. Nähe.

Das Vertrauen der Bankkunden in die Sicherheit ihrer Einlagen ist ein hohes Gut. Darum gehen die freiwilligen Sicherungssysteme der Bankenverbände über den gesetzlichen Mindestschutz hinaus. Zu dem besonderen, garantierten 100%-Schutz, den alle Einlagen bei der Volksbank genießen, informiert die Sicherungseinrichtung des Bundesverbandes der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken unter: www.bvr.de/SE.

Die 20 Mitarbeiter und 4 Bankfilialen Bankfilialen garantieren Ihnen beständige und nahe Beratung vor Ort. Insgesamt 9.000 Kunden und davon rund die Hälfte Mitglieder müssen sich nicht ständig an neue Gesichter und neue Namen ihrer Bank gewöhnen. Natürlich erreichen Sie uns persönlich vor Ort, aber auch jederzeit im Internet.

Wir machen den Weg frei 48 |

— Die Sonnenuhr auf der Bergehalde Graf Schwerin – höchster Punkt der Stadt


CASTROP-RAUXEL-SPEZIAL

CASTROP-RAUXEL-SPEZIAL

BĂœCHER

Buchhandlung Am Castroper Markt Christian Schwarzkopf Am Markt 8 • 44575 Castrop-Rauxel Fon 02305-21612 Fax 02305-21402 buch_am_markt@web.de

Castrop-Rauxel im Farbbild bei uns erhältlich — Das schĂśne Schloss Bladenhorst – nur von auĂ&#x;en zu besichtigen

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Ruhr Revue

Notstandsarbeiten entstanden – wie der Essener Baldeneysee. Eine grĂźne Oase fĂźr alle – aber in einem bevorzugten Wohnviertel. Ăœberraschender Farbtupfer ist ein rotgestrichener Holzbau nach Art eines Strandbades: das ehemalige SĂźdbad. Nach der SchlieĂ&#x;ung 1992 hat man das entzĂźckende Freibad in ein weiteres Kultur- und Veranstaltungszentrum umgebaut.

| Die neue Mitte Das etwas abgelegene alte Castroper Rathaus wird schon lange nicht mehr von der Verwaltung genutzt. Jahre bevor Oberhausen seine „Neue Mitte“ erfand, hat Castrop-Rauxel sich selbst ein solches Zentrum gegeben, etwa auf halbem Weg zwischen Castrop und Rauxel. Das „Forum“ besteht allerdings nicht aus Konsumgelegenheiten, sondern aus Rathaus, Stadt- und Europahalle, gebaut bis 1975 nach Plänen des dänischen Stararchitekten Arne Jacobsen. Der ziegelverkleidete Riegel des Rathauses ist ein wenig abweisend und mangels klar definierten Haupteingangs auch einigermaĂ&#x;en verwirrend. Man mĂźsste es sich wohl erst einmal erobern. Beeindruckend dagegen die Dreiheit von Europahalle, Stadthalle und Ratssaal auf dem Forum: jedes mit gläsernen Wänden und einem

hochaufschwingenden Dach nach Art einer Skischanze. Politik, Kongresse, Sport, Spiel und Kultur – die Stadthalle ist auch Sitz des Westfälischen Landestheaters – sind da vereint. Zweifellos ein achtbarer Versuch, mit hochklassiger Architektur dem heterogenen Stadtgebilde einen Mittelpunkt zu geben – auch wenn das Ergebnis heute im Ganzen etwas sprĂśde wirkt und zum wirklichen Zentrum der vielgesichtigen Stadt denn doch nicht geworden ist. Eine „Europahalle“ am „Europaplatz“ als Adresse der Castroper Neuen Mitte – das ist kein Zufall. Seinen frĂźheren Slogan „Industriestadt im GrĂźnen“ hat Castrop-Rauxel ersetzt durch „Europastadt im GrĂźnen“. Aber was ist an dem Städtchen so europäisch? Der Titel geht auf eine Demonstration vor 60 Jahren zurĂźck: Am 16. Juli 1950 veranstaltete die Stadt eine Abstimmung unter ihren BĂźrgern und fragte, ob Deutschland die eigene Staatshoheit zugunsten eines vereinigten Europas aufgeben solle. Von 74 % Wahlbeteiligten stimmten 96 % mit „Ja“. So kurz nach dem Krieg war „Europa“ eben noch eine Vision und nicht täglicher Hader mit Entscheidungen „aus BrĂźssel“. Obwohl natĂźrlich unver-

— Dachlandschaften des „Forums“ von Arne Jacobsen am Europaplatz

bindlich, wurde das Votum der CastropRauxeler weithin beachtet: „Europa blickt auf Castrop-Rauxel“. Da sich die Stadt frĂźh auch intensiv um Partnerschaften bemĂźhte, erhielt sie 1962 vom Europarat den offiziellen Titel „Europastadt“. An vielen Stellen hat die Stadt CastropRauxel bis heute einen sehr ländlichen Charakter bewahrt: im sĂźdlichen Frohlinde zum Beispiel, in Bladenhorst, PĂśppinghausen und im nĂśrdlichen Teil von Henrichenburg, jenseits des Rhein-Herne-Kanals. Wobei die berĂźhmte Schleuse trotz ihres Namens nicht in Henrichenburg liegt, son-

dern nebenan in Waltrop. Von den gebauten Zeugnissen alter Zeiten sind die meisten zerstĂśrt. Ăœberlebt hat das Wasserschloss Bladenhorst. Besuchen kann man es nur in Ausnahmefällen, da die Gebäude aus der Spätrenaissance bewohnt werden. Immerhin kann man drumherum spazieren und das Schloss von auĂ&#x;en bewundern – wobei die vorbeirauschenden ZĂźge auf der nahen „KĂśln-Mindener“ Bahnstrecke immer wieder an jene Zeit erinnern, da Industrie und Verkehr sich anschickten, diese weltabgeschiedene Gegend in das „Ruhrgebiet“ zu verwandeln. â—? -na

Kultur in CAS Castrop-Rauxels rege Kulturszene ist natĂźrlich auch kulturhauptstädtisch aktiv – nicht nur, wenn die Castrop-Rauxeler vom 4. bis zum 9. Juli die Rolle der „Local Heroes“ Ăźbernehmen. Hier drei Projekte, die uns besonders interessant erscheinen: â– Am 16. Mai beginnt um 11 Uhr mit einer Vernissage die „Rapunzel-Ausstellung“ im Hammerkopfturm. KĂźnstler aus CastropRauxel, Nachbarorten und der britischen Partnerstadt Wakefield verzaubern den Turm auf vielfältige Weise. Die Ausstellung dauert bis zum 31. Juli und endet mit einer Performance des Westfälischen Landestheaters. â– Insgesamt 90 KĂźnstler aus dem ganzen Ruhrgebiet und aus „TWINS“-Partnerstädten arbeiten jeweils vier Wochen lang am Projekt „Im Flug vergangen – vor und nach der Kohle“. Am Ende jedes Zyklus schicken die KĂźnstler Fotos ihrer Arbeiten per Speicherkarte und Brieftaube nach Castrop-Rauxel. Diese Bilder werden auf einer Website zu sehen sein. 60 ausgewählte Arbeiten wer-

den vom 9. September an in den beteiligten Galerien ausgestellt: Galeriehaus Grosche und Keramikwerkstatt Commandeur. â– Ganz europäisch ist ein Doppel-Projekt des Briten und begeisterten Castrop-Rauxelers Roy Kift. „Europe ‌ a poem“ ist der Titel seiner Ausstellung in der Galerie des BĂźrgerhauses im Stadtzentrum. Vom 4. Juli bis Ende August 2010 wird jeweils ein handgeschriebenes und unterzeichnetes Gedicht von einem fĂźhrenden Dichter aus 27 EULändern präsentiert. Bei „Castrop-Rauxel – ein Gedicht“ will Kift vom 20. Juni bis Ende August insgesamt 2010 (!) Gedichte an Ăśffentlichen Orten der Stadt präsentieren – in CafĂŠs, Restaurants, Krankenhäusern, Geschäften, in Parks, an Laternenmasten, unter Scheibenwischern und an Bäumen („poet-trees“). Jedermann – nicht nur in Castrop-Rauxel – ist aufgerufen, ein maximal 16 Zeilen langes Gedicht vorzuschlagen oder selbst zu schreiben, unter www.gedichte2010.de.

DER ALTSTADT-JUWELIER Am Markt 25 ¡ 44575 Castrop Rauxel Telefon (0 23 05) 26 60 ¡ www.juwelier-zimmer.de www.erwinsattler.de

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CASTROP-RAUXEL-SPEZIAL

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Notstandsarbeiten entstanden – wie der Essener Baldeneysee. Eine grĂźne Oase fĂźr alle – aber in einem bevorzugten Wohnviertel. Ăœberraschender Farbtupfer ist ein rotgestrichener Holzbau nach Art eines Strandbades: das ehemalige SĂźdbad. Nach der SchlieĂ&#x;ung 1992 hat man das entzĂźckende Freibad in ein weiteres Kultur- und Veranstaltungszentrum umgebaut.

| Die neue Mitte Das etwas abgelegene alte Castroper Rathaus wird schon lange nicht mehr von der Verwaltung genutzt. Jahre bevor Oberhausen seine „Neue Mitte“ erfand, hat Castrop-Rauxel sich selbst ein solches Zentrum gegeben, etwa auf halbem Weg zwischen Castrop und Rauxel. Das „Forum“ besteht allerdings nicht aus Konsumgelegenheiten, sondern aus Rathaus, Stadt- und Europahalle, gebaut bis 1975 nach Plänen des dänischen Stararchitekten Arne Jacobsen. Der ziegelverkleidete Riegel des Rathauses ist ein wenig abweisend und mangels klar definierten Haupteingangs auch einigermaĂ&#x;en verwirrend. Man mĂźsste es sich wohl erst einmal erobern. Beeindruckend dagegen die Dreiheit von Europahalle, Stadthalle und Ratssaal auf dem Forum: jedes mit gläsernen Wänden und einem

hochaufschwingenden Dach nach Art einer Skischanze. Politik, Kongresse, Sport, Spiel und Kultur – die Stadthalle ist auch Sitz des Westfälischen Landestheaters – sind da vereint. Zweifellos ein achtbarer Versuch, mit hochklassiger Architektur dem heterogenen Stadtgebilde einen Mittelpunkt zu geben – auch wenn das Ergebnis heute im Ganzen etwas sprĂśde wirkt und zum wirklichen Zentrum der vielgesichtigen Stadt denn doch nicht geworden ist. Eine „Europahalle“ am „Europaplatz“ als Adresse der Castroper Neuen Mitte – das ist kein Zufall. Seinen frĂźheren Slogan „Industriestadt im GrĂźnen“ hat Castrop-Rauxel ersetzt durch „Europastadt im GrĂźnen“. Aber was ist an dem Städtchen so europäisch? Der Titel geht auf eine Demonstration vor 60 Jahren zurĂźck: Am 16. Juli 1950 veranstaltete die Stadt eine Abstimmung unter ihren BĂźrgern und fragte, ob Deutschland die eigene Staatshoheit zugunsten eines vereinigten Europas aufgeben solle. Von 74 % Wahlbeteiligten stimmten 96 % mit „Ja“. So kurz nach dem Krieg war „Europa“ eben noch eine Vision und nicht täglicher Hader mit Entscheidungen „aus BrĂźssel“. Obwohl natĂźrlich unver-

— Dachlandschaften des „Forums“ von Arne Jacobsen am Europaplatz

bindlich, wurde das Votum der CastropRauxeler weithin beachtet: „Europa blickt auf Castrop-Rauxel“. Da sich die Stadt frĂźh auch intensiv um Partnerschaften bemĂźhte, erhielt sie 1962 vom Europarat den offiziellen Titel „Europastadt“. An vielen Stellen hat die Stadt CastropRauxel bis heute einen sehr ländlichen Charakter bewahrt: im sĂźdlichen Frohlinde zum Beispiel, in Bladenhorst, PĂśppinghausen und im nĂśrdlichen Teil von Henrichenburg, jenseits des Rhein-Herne-Kanals. Wobei die berĂźhmte Schleuse trotz ihres Namens nicht in Henrichenburg liegt, son-

dern nebenan in Waltrop. Von den gebauten Zeugnissen alter Zeiten sind die meisten zerstĂśrt. Ăœberlebt hat das Wasserschloss Bladenhorst. Besuchen kann man es nur in Ausnahmefällen, da die Gebäude aus der Spätrenaissance bewohnt werden. Immerhin kann man drumherum spazieren und das Schloss von auĂ&#x;en bewundern – wobei die vorbeirauschenden ZĂźge auf der nahen „KĂśln-Mindener“ Bahnstrecke immer wieder an jene Zeit erinnern, da Industrie und Verkehr sich anschickten, diese weltabgeschiedene Gegend in das „Ruhrgebiet“ zu verwandeln. â—? -na

Kultur in CAS Castrop-Rauxels rege Kulturszene ist natĂźrlich auch kulturhauptstädtisch aktiv – nicht nur, wenn die Castrop-Rauxeler vom 4. bis zum 9. Juli die Rolle der „Local Heroes“ Ăźbernehmen. Hier drei Projekte, die uns besonders interessant erscheinen: â– Am 16. Mai beginnt um 11 Uhr mit einer Vernissage die „Rapunzel-Ausstellung“ im Hammerkopfturm. KĂźnstler aus CastropRauxel, Nachbarorten und der britischen Partnerstadt Wakefield verzaubern den Turm auf vielfältige Weise. Die Ausstellung dauert bis zum 31. Juli und endet mit einer Performance des Westfälischen Landestheaters. â– Insgesamt 90 KĂźnstler aus dem ganzen Ruhrgebiet und aus „TWINS“-Partnerstädten arbeiten jeweils vier Wochen lang am Projekt „Im Flug vergangen – vor und nach der Kohle“. Am Ende jedes Zyklus schicken die KĂźnstler Fotos ihrer Arbeiten per Speicherkarte und Brieftaube nach Castrop-Rauxel. Diese Bilder werden auf einer Website zu sehen sein. 60 ausgewählte Arbeiten wer-

den vom 9. September an in den beteiligten Galerien ausgestellt: Galeriehaus Grosche und Keramikwerkstatt Commandeur. â– Ganz europäisch ist ein Doppel-Projekt des Briten und begeisterten Castrop-Rauxelers Roy Kift. „Europe ‌ a poem“ ist der Titel seiner Ausstellung in der Galerie des BĂźrgerhauses im Stadtzentrum. Vom 4. Juli bis Ende August 2010 wird jeweils ein handgeschriebenes und unterzeichnetes Gedicht von einem fĂźhrenden Dichter aus 27 EULändern präsentiert. Bei „Castrop-Rauxel – ein Gedicht“ will Kift vom 20. Juni bis Ende August insgesamt 2010 (!) Gedichte an Ăśffentlichen Orten der Stadt präsentieren – in CafĂŠs, Restaurants, Krankenhäusern, Geschäften, in Parks, an Laternenmasten, unter Scheibenwischern und an Bäumen („poet-trees“). Jedermann – nicht nur in Castrop-Rauxel – ist aufgerufen, ein maximal 16 Zeilen langes Gedicht vorzuschlagen oder selbst zu schreiben, unter www.gedichte2010.de.

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