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UNDINE-Märchenwettbewerb 2017

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Zwei Bü cherkriecher in der Sprü chekü che VON ROBERT VALENTIN WIGGERT (13), NAUEN OT GOHLITZ

In einem bürgerlichen Haus im Bücherregal des Kinderzimmers lebten die beiden Bücherkriecher Knulli und Bulli. Bücherkriecher gibt es in nahezu jedem Haushalt. Sie können allerlei Gestalt und Größe annehmen, um nicht entdeckt zu werden. Sie leben bevorzugt in Bibliotheken, Buchhandlungen oder Bücherregalen von Privatpersonen. Ihre Fähigkeit, allerlei Gestalt anzunehmen, erlaubt es ihnen, durch die geschriebenen Zeilen von Büchern zu kriechen und selbst auf wundersame Weise Zeugen der Märchen und Geschichten zu werden. So reisten auch die beiden Bücherkriecher Knulli und Bulli von Märchen zu Märchen. Nach jeder Reise tauschten sie sich über das aus, was sie erlebt hatten. „Hier in der Märchenecke gibt es nichts Neues mehr", gähnte Bulli, „zu guter Letzt heißt es immer wieder: Der Wolf ist tot, der Jäger hat den Wolf erschossen, der Wolf ist in den Brunnen gefallen... lch habe gehört, wie selbst die Kinder des Hauses gesagt haben, es wäre spannender, zuzuhören, wenn Großmutter Trude aus dem Nähkästchen plaudert, als immer wieder diese Märchen zu lesen." An jedem Freitag trafen sich ein paar ältere Damen in Großmutter Trudes Küche bei selbstgebackenem Kuchen und Torten zu einem Plausch am Nachmittag. Die beiden Bücherwürmer beschlossen, beim nächsten Mal dabei zu sein. Rechtzeitig versteckten sich Knulli und Bulli in der Nähe des Nähkästchens, der in einer Ecke stand. Nach und nach wurden alle Plätze besetzt, nur das 2


Nähkästchen blieb leer. Großmutter Trude hatte auf einem bequemen Lehnstuhl Platz genommen. Vielleicht war ihr der Nähkasten einfach zu eng geworden, was ja auch nicht weiter verwunderlich ist, wenn man bedenkt, wie viele Stücken Torte sich von Freitag zu Freitag wohl summieren, schlussfolgerten Knulli und Bulli. Die beiden Bücherkriecher wurden Zeugen eines regen Gespräches, bei dem es um den Streit von Müller und Mayer ging. Großmutter Trude wusste viel über den Fall zu berichten: Sie behauptete, Mayer hätte einen Sockenschuss. Er hätte die eigene Frau jahrelang an der Nase herumgeführt und allen Nachbarn einen Bären aufgebunden. Müller hätte sich am Abend bei der Polizei beschwert, konnte aber wegen seines Katers am nächsten Morgen nicht vernommen werden. Mayer hätte wieder einmal Schwein gehabt. Darüber kamen die alten Damen in Streit. Eine ältere Dame meinte, Großmutter würde den Nagel immer auf den Kopf treffen. Eine andere behauptete, Trude würde wieder einmal eine Mücke aus einem Elefanten machen. Großmutter blieb dabei, Mayer müsse bestraft werden und in den sauren Apfel beißen. Einige Damen bedrängten Trude mehr zu erfahren. Trude aber antwortete lediglich, sie hätte den roten Faden verloren und könne darum nichts mehr sagen. Dann löste sich die Runde auf. Im Gehen beschwerte sich eine Dame bei ihrer Tischnachbarin, dass sie überall ihren Senf dazugeben müsse. Eine andere schlichtete, dass mit Geduld und Spucke alles besser zu ertragen wäre. Bulli, dem beim Anblick der Torten bisher das Wasser im Munde zusammengelaufen war, verging der Appetit. Die beiden Bücherkriecher standen vor einem Rätsel. Was hatte es mit dem „roten Faden" auf sich. Und was hatte die Großmutter 3


mit dem Streit zwischen Müller und Mayer zu tun? Knulli und Bulli wussten, was zu tun ist. Sie mussten den roten Faden finden. Als erstes suchten sie im Nähkästchen. Dort fanden sie blaue, grüne, gelbe, schwarze Fäden, aber nicht einen einzigen roten. Wie weit würde die Großmutter gehen? Hatte sie vor, Mayer selbst zu bestrafen, da es der Polizei bisher nicht gelungen war? Schließlich behauptete sie, er müsse in den sauren Apfel beißen. Diese Szene kannten die Bücherkriecher bereits aus einem Märchen: ein schönes Mädchen biss in einen Apfel und fiel tot um. Das mussten Knulli und Bulli verhindern, das war Mord. Sie beschlössen, direkt bei Mayer nach Spuren zu suchen, obwohl es ihnen sehr gefährlich erschien. Was, wenn man auch ihnen einen Bären aufbinden würde. Sie machten sich gegenseitig Mut. Aus einigen Märchen hatten sie gelernt, wie man mit Bären umgeht. Daran würden sie sich im Ernstfäll erinnern. Als erstes aber müsse man die arme Frau befreien, die jahrelang an der Nase herumgeführt wurde, was sicher sehr schmerzhaft war. Bei Mayer angekommen, lugten die beiden Bücherkriecher durch einen Torspalt. Tatsächlich. gab es mitten auf dem Hof einen Käfig. Sie bemerkten jedoch bald, dass der Käfig keine Bären mehr beherbergte. Schöne farbenfrohe Vögel waren darin zu Hause. Die beiden sahen dem bunten Treiben eine Weile zu, bis Knulli aufschrie: „Ich hab's !" Er hatte wirklich den roten Faden gefunden: im Vogelkäfig! „Die Großmutter muss also hier gewesen sein", gab Bulli ihm Recht. .„Woher wusste sie von dem Sockenschuss? ", fragte sich Knulli. „Wenn es stimmte, dass sie immer den Nagel auf den Kopf treffen würde, könnte man ihr nicht zutrauen, dass sie selbst geschossen hat…? Vielleicht war sie darin noch nicht so geübt und hatte deshalb nur einen Socken getroffen…", 4


überlegten die beiden. Bulli wendete ein, dass es an der Zeit war, Müller einzubeziehen, den mit dem Kater. „Richtig, aber lebte der nicht bereits im Schloss des Zauberers?", überlegte Knulli. Zauberei, das war das Stichwort. „Wenn die Großmutter aus einer Mücke einen Elefanten machen konnte, war sie nicht schlechter als der Zauberer, der es vermochte, sich in eine Maus zu verwandeln“, kombinierte Bulli. Die Sache wurde immer verzwickter. Die Bücherkriecher mussten zurück in die Bücher zu verschiedenen Märchen, um Personen aufzusuchen, die ihnen weiterhelfen konnten. Großmutter wusste, dass Mayer Schwein gehabt hatte. Vielleicht hatte Hans etwas Auffälliges beobachtet, als er sein Schwein gegen eine Gans eintauschte. So häuften sich Fragen über Fragen. Den beiden Bücherkriechern wurde es nicht langweilig, sie reisten von der Welt der Großmutter zu ihren Märchen und wieder zurück. Das taten sie viele Male. Und wenn sie es nicht aufgegeben haben, dann rätseln sie noch heute.

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Der Schreiberling VON M ELANIE THÖRMER (16), VON SALDERN-GYMANSIUM B RANDENBURG

Es war einmal ein junger brandenburgischer Künstler namens Armin, dessen Eltern schon früh gestorben waren. Doch er hatte sie immer sehr geliebt und besuchte ihr Grab jeden Tag. Mit seiner Kunst versuchte er sich in seiner Heimatstadt Brandenburg über Wasser zu halten. Er zeichnete die Seenlandschaften, wie sich die Havel durch die Felder schlängelte, oder auch die Menschen, wie sie gerade auf dem Feld arbeiteten. Seine Bilder waren sehr schön, doch niemand konnte viel Geld für seine Werke entbehren. Armin war zwar ein Künstler aus Leidenschaft, aber noch lieber wollte er Bücher schreiben. Er wollte alles nicht nur bildlich, sondern auch schriftlich festhalten, doch sein großer Traum war vergebens, denn er konnte nicht Lesen und Schreiben. Niemand aus dem Dorf konnte es. Er bekam nur zu hören: „Lesen und Schreiben? Willste zum Adel gehören, oder was? Wir kommen auch so durchs Leben!" An diesem Tag lief alles schief. Am Abend schmiss er sich auf sein Bett. Der Tag hatte ihm seine letzte Kraft geraubt. Da saß er seit einer Woche an dem Gemälde und zeichnete draußen die wundervolle Natur und dann kam die Kutsche vorbei galoppiert, riss sein Werk herunter, welches in einer großen Pfütze landete. Nichts war mehr zu retten. Nun lag er auf seinem Bett und ließ die Tränen über sein Gesicht rollen. Er wünschte sich nichts sehnlicher, als Lesen und Schreiben zu können, um nicht nur von dem Einkommen seiner Gemälde abhängig zu sein. Und dann schlief er ein. Am nächsten Morgen wachte er von einem Geflüster auf „Der Junge will schreiben und hat kein Papier! Der Junge will Lesen und hat kein Buch! Was soll das denn hier?" Armin blickte sich in seiner kleinen Kammer um, doch er 6


sah niemanden. Unsicher fragte er: „Hallo? Ist dort jemand?" Es kam keine Antwort. Er stand aus dem Bett auf und entdeckte etwas, was nicht in sein Zimmer gehörte. Auf dem kleinen Tisch am Fußende seines Bettes lag eine wunderschöne Schreibfeder. Er nahm sie in die Hand und drehte sie. Sie glänzte schwarz und war seidig weich. Dann kam wieder die Stimme: „Genug geguckt? Können wir anfangen?" Armin ließ die Feder erschrocken fallen. Sie glitt auf den Boden und er starrte sie an. Es hörte sich so an, als spräche die Feder. Nach einem kurzen Moment nahm er sie wieder zur Hand, jedoch hielt er einen sicheren Abstand zu ihr und fragte: „Hast du gerade mit mir gesprochen?" Die Feder antwortete tatsächlich: „Ja. Na wer denn sonst?" Armin hatte zwar mit einer Antwort gerechnet, aber war wieder so erschrocken, dass er die Feder wieder losließ. Als sie am Boden aufkam sagte sie etwas beleidigt: „Ist ja gut jetzt, Armin. Das tat schon beim ersten Mal weh. Willst du jetzt Schreiben lernen, oder nicht?" Armin hob sie schnell wieder auf und sprach hastig: „Ja! Ja natürlich möchte ich das! Und du kannst mir das beibringen?" Stolz sagte die Feder: „Das kann ich. Jetzt besorge aber erst einmal ein Blatt Papier. Dann können wir anfangen." Armin stürmte los und kam sogleich mit Papier zurück. Er setzte sich an den Tisch und nahm die Feder zur Hand. Sie erklärte ihm alles und als er das Ende der Feder auf dem Blatt aufsetzte, begann er zu schreiben. In Windeseile hatte er das Blatt voll und musste das zweite anfangen. Es fiel ihm schwer aufzuhören. Es schien magisch. Er konnte alles lesen, was er dort schrieb. Armin übte täglich mit der Feder zu schreiben. Sobald er sie auf ein Blatt Papier aufsetzte, schrieb er. Binnen weniger Sekunden war das Blatt vollgeschrieben. Er konnte jedoch nur mit seiner sprechenden, schwarzen Feder schreiben und nur das Lesen, was er mit ihr schrieb. Im Dorf machte es schnell die Runde, dass Armin Lesen und Schreiben konnte. Viele sahen, wie schnell er schrieb und konnten ihren 7


Augen nicht trauen. Auch den königlichen Hof' erreichte die Nachricht und so erhielt Armin eine Einladung von der Havelkönigin ins Marienbergschloss. Er stand vor seiner Majestät. Sie war in wunderschöne blaue Seide gehüllt und ihre Krone, besetzt mit Saphiren, funkelte durch die einfallenden Sonnenstrahlen. Die Königin sprach: „Hallo Armin! Mir kam zu Ohren, du seist der schnellste Schreiberling in ganz Brandenburg." Armin sprach: „Ja das bin ich wohl." „Ich brauche dich in meinem Schloss. Selbst meine schnellsten Schreiberlinge kommen nicht hinterher mit dem ganzen Papierkram. Ich möchte, dass du für mich arbeitest", verkündete die Havelkönigin. Armin begann noch am selben Tag mit der Arbeit. Er zog seine Feder hervor und wollte anfangen zu schreiben, als ein Schreiberling rief: „Haaaalt Armin! Wir dürfen nicht mit unseren eigenen Federn schreiben! Die Havelkönigin hat Schreibfedern extra für das Schloss anfertigen lassen. Wir dürfen nur mit diesen Federn schreiben." Er hielt eine dunkelblaue Feder mit dem Zeichen des Schlosses empor. „Und wir dürfen auch nur die Haveltinte benutzen. Sie schreibt im schönsten Blau." Armin bedankte sich für den Hinweis. Er wartete ab, bis sein Kollege außer Hörweite war und sagte zur Feder: „Was machen wir denn jetzt? Ich kann doch nur mit dir schreiben!" Die schwarze Feder überlegte kurz und meinte: „Ich weiß auch nicht. Trau dir doch mal zu, mit einer anderen Feder zu schreiben." Armin legte sie beiseite und nahm das Schreibutensil der Königin zur Hand. Er setzte auf, sagte dann aber: „Nein, das geht nicht." Er nahm seine Feder und begann zu schreiben. Er schrieb so schnell, dass er mit der Arbeit, die für eine ganze Woche bestimmt war, an einem Tag fertig wurde. Am nächsten Tag wurde er erneut zur Havelkönigin gerufen. Als er vor ihr niederkniete, hielt sie ihm ein Blatt vor sein Gesicht: „Was ist das?", fragte sie. „Meine Arbeit", antwortete Armin. „Deine Arbeit sollst du mit meiner Feder 8


schreiben. Und mit meiner Tinte. Wir haben alles passend zum Königreich. Deine Feder schreibt schwarz und das kann ich nicht dulden. Du musst mit der Havelfeder schreiben." Armin blickte zu ihr auf und murmelte: „Das geht nicht." Die Königin blickte ihn scharf an und befahl: „Zeig mir deine Feder." Der junge Mann reichte sie ihr nur widerwillig. Sie hielt sie hoch und begutachtete sie genau. Dann sagte sie: „Du hast eine sehr außergewöhnlich schöne Schreibfeder. Aber sie schreibt leider nur schwarz. Du musst die blauen Havelfedern benutzen. Es tut mir leid, aber es ist besser für dich." Dann brach sie die Feder entzwei. Armin schrie auf: „Nein!" Er begann zu weinen. Er konnte doch ohne seine Feder gar nicht schreiben. Alles war mit einem Mal zerstört worden. Er verzog seine Augen zu Schlitzen, aus denen er die Havelkönigin heraus ansah. Dann stand er auf, nahm die königsblaue Feder aus ihrer Hand, drehte sich um und schritt davon. Er saß in seiner Kammer und weinte. Die Schreibfeder der Königin drehte er zwischen seinen Fingern hin und her. Dann nahm er sich ein Blatt Papier und begann zu schreiben. Er schrieb auf, wie er sich gerade fühlte und wie ungerecht er es fand und wie traurig er war, dass er nicht mehr schreiben konnte... Plötzlich hielt er an. Er riss die Augen auf und konnte nicht fassen, was er dort auf seinem Blatt sah. Nein, was er las! Er konnte lesen, was er dort gerade geschrieben hatte. Er schrieb immer weiter. Sein Traum hatte sich erfüllt. Und mit einem Mal war er nicht mehr sauer auf seine Königin, nein, er war ihr sogar dankbar. Zwar schrieb er deutlich langsamer als mit seiner magischen, schwarzen Feder, aber er schrieb ganz alleine und das machte ihn sehr stolz. Das Erste was er nun tat, war an das Grab seiner Eltern zu gehen und ihre Namen in die Holzkreuze zu ritzen. Armin schrieb Bücher und wurde sehr 9


berühmt. Er brachte den Dorfbewohnern das Lesen und Schreiben bei und setzte sich für die Bildung ein. Wenn er nicht gestorben ist, dann lehrt er noch heute. Und wer weiß, vielleicht hat er diese Geschichte geschrieben. Denn Lesen und Schreiben, das kann er ja jetzt!

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Der zauberhafte Rufus VON EMILY ESSLER (10), DOM-GRUNDSCHULE, B RANDENBURG AN DER HAVEL

Es war einmal ein Kater; der lebte bei einer Hexe im Lebkuchenhaus. Die Hexe war böse und gemein zu dem Kater und gab ihm nur Lebkuchen zu fressen. Der Kater hieß Rufus, war schwarz wie Kohle und von den vielen Lebkuchen sehr dick. Er sah aus wie ein Pfannkuchen mit Beinen. Am Tage sperrte die Hexe Rufus in einen Käfig, nachts nahm sie ihn mit in den Wald, um böse Dinge zu tun, denn sie konnte nicht hexen ohne ihren Kater. Rufus träumte davon, in einer Familie zu leben, nachts zu schlafen und am Tage Mäuse zu jagen. Aber er wusste, dass er keine Mäuse fangen konnte, weil er immer Lebkuchen fressen musste und deshalb zu dick war. Darum übte er heimlich Mäusefangen. Im Lebkuchenhaus wohnten hunderte Mäuse, weil es immer etwas zu knabbern gab. Eines Tages krabbelte eine Maus durch die Gitterstäbe und Rufus schnappte sie sich. Die Maus schrie: „Lieber Rufus, friss mich bitte nicht!" "Dann verrate mir, wie ich fliehen kann", mauzte er. Die Maus piepste: „Du musst ein Loch buddeln!" Rufus buddelte und buddelte. Irgendwann traf er auf etwas Hartes. Er schob mit der Pfote den Sand weg und sah, dass es Steine waren. Er war ganz matt und traurig. Am nächsten Morgen fing Rufus eine neue Maus. Die Maus schrie: „ Lieber Rufus, friss mich bitte nicht!" „Dann verrate mir, wie ich fliehen kann," mauzte er. „Du musst dünner werden, damit du durch die Gitterstäbe passt", piepste die Maus. Also hörte Rufus auf zu fressen und wurde ganz dünn. Nach sieben Tagen probierte Rufus sich durch die

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Gitterstäbe zu quetschen. Er versuchte es vorwärts, aber der Kopf passte nicht durch. Dann versuchte er es seitwärts, aber der Kopf passte nicht durch. Schließlich versuchte er es rückwärts, aber der Kopf passte wieder nicht durch. So ging es den ganzen Tag und Rufus wurde müde. Am nächsten Morgen fing er zum dritten Mal eine Maus: „Lieber Rufus, friss mich nicht!", piepste sie verzweifelt. „Dann verrate mir, wie ich fliehen kann", mauzte er abermals. „Du musst einen dicken Knochen vom Boden des Käfigs aufheben und zwischen die Tür klemmen." Rufus riss sich drei Schnurrbarthaare aus und band den Knochen am Türrahmen fest. Am nächsten Tag träumte Rufus, dass der Plan nicht funktionieren könnte. Er war sehr aufgeregt und wedelte ganz wild mit dem Schwanz. Nachts musste er wieder mit in den Wald, um der Hexe beim Zaubern zu helfen. Morgens sperrte sie Rufus in den Käfig, machte die Tür zu, schob den Riegel vor und merkte nicht, dass die Tür nicht richtig zu war. Rufus war frei! Glücklich rannte er in den Wald und fand eine kleine Hütte. Dort lebte eine Familie mit zwei Kindern. Sie nahmen Rufus auf, gaben ihm Futter und Milch und spielten und schmusten jeden Tag mit Rufus. Wisst ihr, wie die Kinder heißen?

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Der Ritter aus der Pappburg VON J AN RUTNER, KLASSE 3 B, M EUSEBACH-GRUNDSCHULE, GELTOW

Es lebte einmal ein Ritter hinter den acht Bergen und neun Wäldern in einer Pappburg. Der Ritter hieß Malte. Malte ritt auf seinem Pferd Klaus irgendwann einmal in den zehnten Wald. Dort traf er auf einen Drachen. Dieser hatte gerade geschlafen und schnarchte ganz fürchterlich. Der Ritter musste sich die Ohren zu halten. Auf einmal klingelte das Handy von Ritter Malte. Durch den Krach wurde der Drache wach. „So ein Mist!", dachte sich Malte. Der Drache schaute sehr böse. Da sagte Malte zum Drachen: „Hier, für dich, deine Mutter ist dran." Der Ritter gab dem Drachen ganz schnell sein Handy. Er setzte sich auf sein Pferd Klaus und ritt so schnell wie er konnte zurück in seine Pappburg. Und wenn er nicht gestorben ist, dann vermisst er immer noch sein Handy. Ach, wie schlecht, dass niemand weiß, wie die wirkliche Wahrheit meines Märchens heißt -von Rumpelstilzchen erzähltGeschrieben von Marie-Kristin Wallis (18), Evang. Gymnasium am Dom zu Brandenburg Ja, ja... ich bin mir sicher, dass sich alle von euch Menschen gefreut haben, als ich mich selbst in zwei Teile zerrissen habe und sich MEIN Märchen zum Guten gewendet hat. Es trägt meinen Namen und soll eigentlich

MEINE

Geschichte

erzählen,

jedoch

wurde

es

von

irgendwelchen Amateuren aufgeschrieben, die überhaupt keine Ahnung

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von den Geschehnissen hatten!! Jetzt mal im Ernst, wann hört man denn schon so eine verrückte Geschichte über ein kleines Männchen, dass so viel Kraft besitzt, um mit dem eigenen Fuß im Boden zu versinken und sich selbst in Stücke zerreißen kann!? (Das geht doch nur im Märchen...) Ich habe wirklich die Nase voll von den ganzen Lügen und Gemeinheiten der Menschen und deshalb hinterlasse ich meine Memoiren, um das hier endlich einmal klar zu stellen! (Hoffentlich, bereut Ihr es noch, dass Ihr der Jungfer Müllerin mehr geglaubt habt als mir.) Es war einmal…, so fangen bekanntlich alle Märchen an und damit begann auch der Schlamassel, der mich eines Tages in das Schloss des Königs

führte.

Eigentlich

wollte

ich

das

Abfluss-

und

Kanalisationssystem des Schlosses überprüfen. Ihr müsst wissen, dass mein Arbeitsgeber der königliche Rohrreiniger war und mich aufgrund meiner Kleinwüchsigkeit gern als obersten Latrinen-Putzer eingestellt hatte. Bewaffnet mit Eimer, Schrubber und Feudel nutzte ich den Dienstboteneingang und verschaffte mir am Torwächter vorbei Zutritt in den königlichen Palazzo (wo ich mal wieder nach dem Rechten sehe wollte, um mich nicht völlig von den Menschen abzuschotten). Auf dem Weg in das königliche Abwasserlabyrinth vernahm ich aus einer Kammer heraus auf einmal ein markerschütterndes Schluchzen. Gutherzig – wie ich nun einmal bin – packte mich die Neugier und Hilfsbereitschaft; also sah ich nach. Ich ging dem Geräusch nach und stand plötzlich vor der wunderschönen

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Tochter des königlichen Müllers, die sich fast die Augen ausweinte. Da ich zu Lebzeiten stets gute Manieren besaß, fragte ich natürlich nach, warum sie so weinte (wie würde man es auch anders erwarten, von einem kleinem, netten Kerlchen wie mir, der aus den Bergen stammte)? Es stellte sich schnell heraus, dass der Vater des Mädchens ein mieser und kaltherziger Kerl war. Er hatte den König angelogen und überall herumerzählt, dass sie Stroh zu Gold spinnen kann! (So ein Blödsinn, wenn Ihr mich fragt! Mal im Ernst: Wer kann denn Stroh zu Gold spinnen in unserer heutigen Gesellschaft? Nobody – so etwas gibt's höchstens im Märchen!) Aber wie es der Zufall will, verfüge ich über besondere Fähigkeiten oder wie manche auch sagen,, Zauberkräfte". Na, um auf den Punkt zu kommen: Das junge Ding tat mir so richtig leid. Was soll ich Euch sagen? Der König, dieser fiese Tyrann, hatte sie (aus Goldgier) einsperren lassen und drohte ihr Gewalt an, falls sie bis zum nächsten Tage nicht das ganze Stroh zu Gold gesponnen hätte. Das konnte ich doch nicht auf mir sitzen lassen... Also: Ich beschloss sofort, ihr zu helfen. Anfänglich war des Müllers Töchterlein mir gegenüber ziemlich misstrauisch. Sie stellte ziemlich blöde Fragen und zweifelte an meiner Hilfsbereitschaft und an meinen Fertigkeiten. Ich muss schon sagen — mir platzte fast der Kragen und ich überlegte kurz, die Kammer unverrichteter Dinge wieder zu verlassen. Sie konnte sich nicht vorstellten, dass ich ihr umsonst helfen würde (komische Pute...). Aber endlich hatte ich es geschafft und wir blickten zusammen auf einen großen Berg aus (gesponnenen) Goldfasern. Als

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Gegenleistung für meine Dienste übergab sie mir ihre Kette (total nett, könnte man denken...). Ich versprach ihr, morgen wieder zu kommen. Na, auf jeden Fall habe ich sie gerettet und das drei Mal in Folge (aber denkt ja nicht, dass sie einmal „Dankeschön" gesagt hat! — die Jugend von heute...) Als ich sie am dritten Abend in der Kammer besuchte, hatte sie nichts mehr, was sie mir hätte geben können. Also sagte ich als Scherz, dass sie mir ihr erstes Kind als neue Königin geben könnte. Ich kann Euch sagen: Die sah ganz schön entsetzt aus! Aber ich wollte ihr eine Lehre für ihre Arroganz und ihren Hochmut erteilen und so spielte ich ein wenig mit ihr... Wer hätte gedacht, dass sie das so ernst nimmt! „Mein erstgeborenes Kind? Aber, aber..., hm, na gut. Ich geb's dir", sagte die Jungfer Müllerin zu mir. Kann man's glauben.... – ich konnte es jedenfalls nicht. Was für ein Mensch verspricht einem völlig Fremden sein erstes UNGEBORENES Kind?! Als ein Jahr später das Kind geboren wurde, kam ich wieder zu ihr. Ich wollte lediglich das Kind sehen und ihr alles Gute und so weiter wünschen, wie man das halt so macht. „Was wollt Ihr um Himmels willen in meinem Gemach? Ihr bekommt mein Kind nicht. Husch, husch..., schert Euch zum Teufel", schrie sie mich an. Was für ein ungezogenes, undankbares Mädchen!! Ich wollte ihr eine

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ordentliche Lehre erteilen und so entschloss ich mich, ihr einen tüchtigen Streich zu spielen: Ich tat so, als ob ich ihr Kind ernsthaft haben wollte. Aber was man macht, macht man falsch... Weil sie wieder zu heulen anfing (und ich weinende Menschen nicht sehen kann) tat sie mir so leid, dass ich das Theaterspiel schon aufgeben wollte und ihr fast die Wahrheit gesagt hätte. Dann fiel mir jedoch ein kleines Ratespiel ein... „Okay, ich lasse Dir drei Tage Zeit, damit Du meinen Namen erraten kannst", sagte ich zu ihr. Sie tat ihr Bestes und Ihr könnt Euch gar nicht vorstellen, wie viel komische Namen es auf diesem Planeten gibt...

Ach du heiliger

Strohsack! Ich kriege davon immer noch einen Lachflash! So was wie „ Horst Buschinski" oder „Karl Rasur"..., ich bitte Euch!! Nun, zurück zum Thema: Am dritten Tage hatte sie dann durch irgendeinen blöden Laufburschen, der mich voll gestalked hatte, meinen richtigen Namen erfahren! Ich bin fast in die Luft gegangen! Ich hatte damit überhaupt nicht gerechnet... (Ihr müsst wissen, ich gewinne sonst immer!) Auf jeden Fall bin ich dann die ganze Zeit im Zimmer auf und ab gesprungen, bis sie mir eins mit der Bratpfanne übergezogen hatte und bei mir kurzfristig die (Lebens-)Lichter ausgegangen sind. Am nächsten Tag fand ich mich dann irgendwo in einem fremden Wald wieder..., aber nicht „in zwei Teile" gerissen, wie ich später bei den Gebrüdern Grimm lesen musste!! In Wirklichkeit bin ich das Opfer einer

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gemeinen Entführung geworden und irrte Monate umher. Ich habe mich nur von Beeren und Kräutern ernährt. Irgendwann bin ich von sechs Zwergen gefunden worden, bei denen ich geblieben bin und weitere Abenteuer erleben -konnte — aber das ist eine andere Geschichte. Ihr könnt Euch vorstellen, dass ich nicht nur glücklich bis zu mein Lebensende gelebt habe... Auch die Patenschaft zur Tochter der schönen Müllerin konnte ich „knicken". Also Kinderchen: Wenn Ihr das nächste Mal dieses Märchen erzählt, lasst bitte nicht den dummen Vater, den geldgierigen, grausamen König und die eingebildete und hinterlistige Tochter des Müllers weg. Tja..., das war's! Lebt wohl. Und vertraut nur denen, die es auch verdienen. Euer Rumpelstilzchen

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Edgar und der Drache VON FINN J ANNIS B UDER (9), FREDERIC-J OLIOT-CURIE-SCHULE, B RANDENBURG AN DER HAVEL

Edgar war ein Hofnarr und sehr tollpatschig. Man wusste nie, ob ihm ein Missgeschick passierte oder ob er Spaß machte. Das Königreich in dem er lebte, wurde von Drachenangriffen geplagt. Der Drache, der sie angriff, wurde schwarzer Drache genannt. Wer ihn fängt, sollte eine reiche Belohnung bekommen. Diese wollte Edgar sich natürlich nicht entgehen lassen. Er überlegte, wo Drachen leben. Sofort fiel ihm ein: „Aha! Drachen leben in Höhlen und die gibt's in den Bergen." Also packte er seine Sachen und lief los. Er lief durch Wiesen, durch Felder und wieder durch Wiesen. Dann kam er an den Königwald. Er lief geradewegs hinein und übersah dummerweise ein Loch. Dort fiel er in seiner Tollpatschigkeit hinein: „ Ahh! Hilfe!" Er landete komischerweise ganz weich, obwohl er sich auf Steinen wiederfand. Dann öffnete sich unter ihm eine Falltür und Edgar fiel in eine Rutsche. Dort stand ein Schild: „Betreten verboten!" „Na, das kann ja heiter werden. Ich will jetzt schon nach Hause!" Dann war die Rutsche zu Ende. Er sah ein Schild: „Eingang Drachenburg, letzte Chance umzukehren." „Mmh, wenn das meine letzte Chance ist, soll ich sie dann lieber nutzen? Oder nein, ich bin so nah am Ziel!" Mutig zog er sein Messer und ging los. Sofort sah er einen dicken Bauch, der einem Drachenwächter gehörte: „ Du bist hier unerwünscht, Menschling!" grollte der Drachenwächter.

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Edgar rief: „Ggg-ganz rrr-ruhig KK-kumpel. 1-ich h-heiße Edgar u-und wwill z-zu eurem König. Ü-übrigens hast d-du keinen G-grund zur Sorge, da ich in Frieden komme", sagte Edgar und setzte das beste Unschuldslächeln auf, das man, wenn man Angst hatte, aufsetzen konnte. „Ich bringe dich zum König, er soll über dein Schicksal entscheiden." Beim König dachte Edgar, er wäre auf einer Beerdigung. „Mein Blacky, ach mein Blacky...", murmelte der Drachenkönig traurig. „Wer ist Blacky?" „Ihr nennt ihn schwarzen Drachen, er..." „Du beweinst den fiesen schwarzen Drachen? Dem müssen wir links rechts eine reinhauen, jawohl so einer ist das! Sind etwa alle Drachen durchgeknallt!?" „Nein, nein er war mein bester Freund und Berater, als ich dann vor zwei Wochen aufgewacht bin, war er weg... Und nun höre ich jeden Tag, dass er ein neues Dorf angreift." „Na, dann müssen wir ihn finden und fragen, was los ist!" „Aber..." „Kein aber, wir schaffen das! Er wird wieder der alte. HofnarrenEhrenwort! Also?" „Na gut, aber dann müssen wir uns beeilen, meine Spione haben herausgefunden, dass der Drache die Burg angreift, übrigens ich bin Fire." Wenig später flogen sie aus dem Hangar der Drachen. „Ab-ber b-bitte nnicht so h-hoch, ich habe Höhenangst." „Na gut", sagte Fire und grinste. Plötzlich rutschte Edgar runter und hing nur noch mit einer Hand am Hals des Drachen: „Lass los, ich fang dich!" schrie Fire. Das tat Edgar und

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fiel. Der Boden hatte ihn fast, doch Fire war schneller. Edgar landete weich auf dem Drachenrücken. „Zu spät!", merkte Edgar bei der Burg an, da nur noch Trümmer übrig waren. „Nicht ganz! Da hinten fliegt Blacky." Wenig später waren sie nah an Blacky dran. „Da, eine Naht!" schrie Edgar aufgeregt. „Hä. Was ist das?" ',Erzähl‘ ich dir später, schieß drauf!" Der brennende Klumpen, der aus dem Maul von Fire kam, durchlöcherte den falschen Blacky. Im Wrack des falschen Blacky fanden sie den schwarzen Ritter, dessen Familie schon ewig versuchte, das Königreich an sich zu reißen. Der Ritter musste verraten, wo er den echten Blacky versteckt hielt und sich bei jedem Bürger einzeln entschuldigen. Danach wurde er auf eine Gefängnisinsel geschickt und nie wieder gesehen. Dann wurde gefeiert. Die Vorbereitung dauerte 3 Tage und die Feier 7. Edgar wurde Ehrenvertreter des Königreiches. Drachenkönig und Menschenkönig regierten von nun an Seite an Seite.

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Der lachende Ralf VON AMELIE KELTZ, KLASSE 5, GEORG-KLINGENBERG-SCHULE, B RANDENBURG AN DER HAVEL

Als Lena mit ihrer kleinen Schwester Sophie und ihrer Mutter im Auto auf dem Weg in den Urlaub war, stellten sie fest, dass der Tank leer ist. Sie waren auf einem Waldweg, also mitten im Wald und scheiterten deshalb leider bei dem Versuch zu telefonieren. Nun, sie waren ganz allein. „Wir teilen uns auf!", schlug ihre Mutter vor. „Lena und Sophie, ihr geht da lang und ich da. Wir suchen eine Straße. Vielleicht nimmt uns ja einer mit. Lena, du und Sophie, ihr müsst zusammenbleiben, sonst verlauft ihr euch noch!" „Jaja", sagte Lena genervt. Als sie nun eine Weile liefen, meckerte Sophie: „Ich habe solch einen Hunger. Hast du etwas zu Essen dabei, Gummibärchen oder so?" Darauf antwortete Lena nur: „Nö." Sophie überlegte kurz und sagte dann: „ Erzähl mir ein Märchen!" Lena schaute Sophie nachdenklich an. „Ja, okay. Es war einmal ein Wolf, und der fraß dieses Mädchen da." „Du meinst Rotkäppchen!", sagte Sophie entsetzt." „Ja genau. ENDE!" „Was?! Das war es? Nicht dein Ernst!", fragte sie entsetzt „Du weißt, dass ich Märchen hasse! Also erzähle ich dir auch keine!", schimpfte Lena. „Wie kann man keine Märchen mögen?", schrie Sophie. „Die sind doch voll doof. Zum Beispiel vergiftet die Königin den… den … den Apfel. Genau! Wenn das Mädchen dann in den Apfel beißen würde, würde das Gift sich im ganzen Körper verteilen, sie könnte ihn also nicht mehr au..." „ Das stimmt nicht. Natürlich würde sie leben, du Lügnerin!", unterbrach Sophie sie geschockt.

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Nach ca. einer Minute Schweigen fiel Lena ein, wie sie Sophie ablenken könnte. „Guck mal, Sophie, da ist ein Gummibärchen am Busch. Da wachsen bestimmt Gummibärchen. Los, hol dir welche!", rief Lena und Sophie lief weg. „Endlich habe ich meine Ruhe!", dachte sich Lena. Doch nach einer kurzen Weile hörte sie ein unheimliches Knacken: „Sophie? Mama? Wer ist da?", rief Lena mit einem unguten Gefühl. Ihr wurde ganz schlecht, wenn sie überlegte, was es für Tiere gab, die sie jeden Moment angreifen könnten. Alles zog sich in ihr zusammen vor Angst. Sie sagte sich in ihren Gedanken: „Mir wird nichts passieren! Mir wird nichts passieren! Oh, es hilft sogar!", freute sie sich innerlich. „Mir wird nichts ... AAAAAAAAAAHHHHH!", schrie sie. Sie stürzte in ein schmales Loch. Sie fiel und fiel und fiel noch und immer und immer. Doch plötzlich landete sie auf weichem Grund. Ihr wurde schwarz vor Augen. Nach einer Weile kam sie langsam zu sich und hörte Stimmen. Sie bemerkte, dass sie in einem fremden Bett lag. Vorsichtig sah sie sich um und sie dachte, sie träumt, als sie sah, dass sieben Mohrrüben neben dem Bett standen. Anscheinend hatte sie sich den Kopf angestoßen, denn die Mohrrüben hatten alle Augen und sahen sie neugierig an. Verträumt starrte sie auf eine der Möhren und stach mit einem ihrer Finger vorsichtig in eines ihrer Augen hinein. Darauf fingen alle Möhren an zu schreien, besonders die Mohrrübe, in der ihr Finger immer noch steckte. Auch Lena schrie mit. Doch plötzlich sagte die blinzelnde Mohrrübe mit einer tiefen Stimme: „Junge Dame, könnten Sie so großzügig sein und Ihren Finger aus meinem Auge nehmen!!!“ „Oh", erschrak Lena und hörte auf zu schreien, wie es bereits auch alle

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Mohrrüben

getan

hatten.

Einen

kurzen

Moment

war

alles

mucksmäuschenstill. Lena fragte schüchtern und unsicher: „Und jetzt?" Auf einmal fing ein lautstarkes Gebrabbel an und es wurden Fragen gestellt wie: „Wieso bist du hier?" und „Wie bist du hergekommen?" und weiter „Und warum liegst du im Bett deiner Großmutter?" Lena war vollkommen überfordert und wusste nicht, was sie sagen sollte. Die Mohrrüben würden, denken sie sei verrückt. Sie dachte nochmal kurz über das nach, was die Möhre gefragt hatte: „Du, Möhre, rate mal. Du hast gefragt, warum ich im Bett meiner Großmutter liege?" Die Möhre sagte ebenfalls schüchtern: „Ja, ja ... das habe ich. War das falsch?" „ Nein, aber es ist meine Großmutter?" Eine andere sagte nun darauf: „Ja, deine Großmutter herrscht über uns. Das weißt du doch, oder?" „Äh! Ja, klar, warum nicht?", fragte Lena nachdenklich. „Bist du zu stark auf den Kopf gefallen?", erkundigte sich eine der Möhren. „Nein, ich bin nicht auf den Kopf gefallen", sagte sie erst zickig und dann auch wieder nachdenklich: "Wie heiße ich oder wer bin ich eigentlich?" „Du bist das einzig wahre Erdbeerkäppchen!" „Erdbeerkäppchen? Erdbeerkäppchen? Echt jetzt? Ich meine natürlich richtig. Ich wollte nur mal hören ob, ihr noch alles wisst, was man wissen muss!" Auf einmal rief eine Mohrrübe: „Jetzt tu, was du tun musst!" „Äh ... und was muss ich tun?", fragte Lena verwirrt. Alle Mohrrüben hauten sich gleichzeitig mit ihren orangen Händchen an den Kopf und rollten genervt die Augen. Dann klärten sie Lena auf: „Naja, alle vor dem Kochtopf deiner Großmutter retten!" Allwissend erwiderte Lena dann: „Also alles, was man in Märchen tun muss!?", murmelte Lena nachdenklich. „Was? Märchen? Nein, kein

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Märchen. Rette unsere Freunde vor der Großmutter!" „Ich alleine?", fragte Lena schockiert. „Nein, die andern helfen dir dabei." Erst jetzt bemerkte Lena, dass sie noch weitere Stimmen hörte. Sie ging zur Tür, aber bemerkte dann auch, dass sie zu groß ist, um durch die Tür durchzugehen. Die Mohrrüben gaben ihr ein Stück Kuchen und sie schrumpfte (zum Glück gemeinsam mit ihrem Kleid) in die passende Größe, um durch die Tür zu gehen. Verwirrt sah sie sich um, denn Sie sah draußen überall Obst und Gemüse umherlaufen. „Und wie kann ich euch retten?", fragte Lena nervös. „Also hilfst du uns, ja?", fragte die weibliche Mohrrübe aufgeregt. „Ja, also, äh ...", Lena wusste wirklich nicht, was sie antworten sollte. Am liebsten würde sie nicht zusagen, aber könntet ihr sehen, wie die Mohrrüben sie erwartungsvoll anstarrten, mit so großen glasigen Augen, da konnte sie ihre Bitte wirklich nicht abschlagen. „Jak ich werde es versuchen, wenn ihr mir sagtk was ich dafür machen muss?" „Zuerst musst du die Bohnenranke hinaufklettern. Dann musst du zum Schloss der Großmutter gelangen und dann musst du dich an der Großmutter vorbeischleichen, versuchen an den Schlüssel für den Kerker heranzukommen und erst dann kannst du alle unsere Freunde befreien!", sagte eine Gurke, die gerade Bohnenpflanzen in die Erde setzte. Als Lena etwas erwidern wollte, schoss auf einmal wie aus dem Nichts eine riesige, wirklich riesige, Bohnenranke aus der Erde und wuchs rasend schnell bis in die Wolken. Alle erschraken und es war ganz still. „Und jetzt gehe ich mal! Macht's gut!", sagte Lena fröhlich und lief einfach in irgendeine Richtung. Die Gurke schrie verärgert hinterher: „

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Jetzt doch nicht mehr oder was!? Du musst doch die Ranke hochklettern! Du hast versprochen, uns zu helfen." Lena dachte, sie hört nicht richtig, aber es war wirklich ernst gemeint. Sie sollte diese riesige Ranke hochklettern. „Und wie lange werde ich klettern müssen?", fragte Lena mit sehr viel Angst in der Stimme. „Hm, vielleicht einen Tag, wenn du dich beeilst." Lena schluckte, nickte aber tapfer und fragte, wer sie begleiten wird. „Unsere Pilze", antwortete eine der Mohrrüben. Nun, jeder der „Die Pilze" nicht kennt, denkt, es wären normale Typen, genauso wie alle anderen. Nein, sie sind die Pilze, von denen alle sprechen. Sie sind die stärksten, die größten und die besten der Besten. Sie verabschiedeten sich von den glücklichen, erwartungsvollen Gesicherten des bunten Gemüses auf dem Boden und kletterten los. Als sie nun bis in die Nacht geklettert waren, waren Lenas Arme schon wie Gummi und sie hatte keine Kraft mehr. Aber sie riss sich zusammen, nahm all ihre übrige Kraft zusammen und schaffte es noch bis nach oben in die Wolken. Dort sahen sie sich um und erblickten ein riesiges Schloss. Die Pilze gingen ohne jegliche Angst und lustvoll in das unheimliche Schloss. Lena zögerte zunächst, nahm aber dann all ihren Mut zusammen und betrat gemeinsam mit den Pilzen das Schloss. Sie schlichen vorsichtig eine Weile in den unbekannten Gängen des Schlosses umher und sahen auf einmal die Großmutter. An ihrem Gürtel trug sie den Schlüssel. „Na super. Und welcher der 1000 Schlüssel ist jetzt der richtige?", fragte Lena gereizt. Die Pilze konnten anscheinend nicht sprechen. Jedenfalls rannten sie der Großmutter wortlos hinterher und verfolgten sie bis in die Küche. Dort war auch eine Holztür, auf der

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stand: „KERKER". Diese Tür öffneten sie vorsichtig. „Oh! Sie knarrt!", flüsterte Lena und sie rannten schnell um die Ecke und waren somit im Kerker. Dort sahen sie viele Zellen, wo nur noch Knochen vorzufinden waren. Doch in der letzten Zelle des Kerkers waren die Freunde der Obstund Gemüsesorten. Als sie die Pilze sahen, jubelten sie laut – so laut, dass das die Großmutter hören musste und auf einmal hineingestürmt kam. Die Pilze legten sich hin und taten so, als wären sie normale Pilze, aber Lena dagegen wusste nicht, wie sie reagieren soll. Als die Großmutter Lena sah, lächelte sie sie grausam an und griff nach ihr. „Was willst du hier?", fragte die fordernd. Lena stotterte: „ I-ich w-wollte nur da-das Gemüse ab-ho-holen und es dann nach unten bringen." „Nach unten heißt also in das Märchendorf?" „Ja, ka-kann sein." „Wer hat dich denn hierher geschickt?", fragte sie hinterhältig. Im Hintergrund hörte sie das schreiende Obst und Gemüse, das sich bereits im Kochtopf befand: „Ja, lasst uns hier raus, wir würden alles dafür machen!" Die Großmutter dachte kurz nach und mit einem bösem Lachen sprach sie: „Wirklich alles?! Dann müsst ihr den Rolf zum Lachen bringen. Das schafft ihr niemals. Und wenn ihr es nicht schafft, darf ich euch alle in meinen Pilzauflauf mit einarbeiten. Solltet ihr es aber doch schaffen, seid ihr alle frei." „Okay, klaro, schaffen wir!", sagte Lena ohne vorher darüber nachzudenken. Die Großmutter brachte sie in eine der Kammern, die zuvor fest verriegelt war. Lena schluckte noch einmal schwer. Als sich die Tür öffnete, sah sie einen Riesen, der auf einem großen Thron saß. Das musste Rolf sein. Er schaute so, als wäre er jemand, der selten lacht.

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„Er wird nicht lachen!", sagte die Großmutter schadenfroh. Sie gab dem letzten Gemüse einen ordentlichen Stups, um alle in die Kammer zu Rolf zu schubsen. Auf einmal ertönte ein ohrenbetäubender Lärm. Ralf der Riese begann so herzhaft zu lachen, dass sie fast alle taub wurden. Die Großmutter war so aufgebracht, dass sie vor Wut platzte. Auf einmal war alles vorbei und alle waren frei! Die Kerker öffneten sich von selbst und alle Gefangenen waren freies Gemüse. Alle freuten sich riesig. Sogar Ralf lachte immer noch darüber, wie sie in den Raum gepurzelt waren. Gemeinsam kletterten alle den Bohnenstängel hinunter. Alle kamen mit in das Land der Obst- und Gemüsesorten. Nun aber waren sie kein Obst oder Gemüse mehr, sie wurden alle zu richtigen Märchenfiguren. Sie waren nämlich von der Großmutter verzaubert worden. Die 7 Mohrrüben wurden zu den 7 Zwergen, die Pilze zu den 7 Geißlein und die Gurke zu Jack, der die Bohnenranke einpflanzte. Aber was war mit Lena? Sie kam wieder zu sich und merkte, dass das alles nur ein Traum war. Sie stand auf und lief zu Sophie. Nun schlug sie vor, ihr ein Märchen zu erzählen. „Hast du Fieber?", fragte Sophie verwundert. „Nein", lachte Lena laut. „Ich habe nachgedacht und irgendwie sind Märchen doch viel cooler als ich dachte!" „JAAAAA!!", erzähl mir tausende! Und wenn Lena nicht schon tausend Märchen erzählt hat, erzählt sie noch heute.

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Der goldene Fisch aus der Havel VON J ULIUS ETIENNE B ARTOLAIN (10), ERICH-KÄSTNER-GRUNDSCHULE GROß KREUTZ

Es waren einmal ein Mann und seine Frau. Sie lebten außerhalb der Stadt Brandenburg sehr bescheiden zusammen mit ihren drei Söhnen und vielen Schafen. Dadurch, dass sie die Schafe besaßen, konnten sie mehr recht als schlecht auskommen. Eines Tages kam großes Entsetzen über die Familie. In der Nacht wurden alle Schafe von Wölfen gerissen. Nicht ein einziges blieb übrig. Was sollten sie nun tun? Große Verzweiflung erfasste die Familie. Der Vater sprach: „Dann müssen die Söhne in die Stadt gehen und für sich selber sorgen." Die Mutter war sehr traurig und dennoch suchte sie ihre wenigen Schätze hervor. Eine Wanduhr, ein Amulett und weil sie für den Jüngsten nichts weiter fand, gab sie ihm seine Angel mit, mit der er im nahen Sandfurthgraben immer angelte. Die Brüder machten sich auf den Weg. Sie wussten, dass die Heerstraße in die Stadt Brandenburg und in anderer Richtung nach Magdeburg führt. Vorbeifahrende Postkutscher hatten ihnen davon bei ihren kurzen Pausen

berichtet.

Die

Mutter

schnürte

allen

ein

kleines

Wandersäckchen mit Brot und Käse. Der älteste Bruder hatte schwer zu tragen, da die Wanduhr einiges an Gewicht hatte. Der mittlere schaute oft in seiner Hosentasche nach, ob sein Amulett noch da sei. Der Jüngste wurde von seinen Brüdern wegen seiner Angel belächelt. Er dachte sich aber, ich habe so manchen Fisch im Sandfurthgraben damit geangelt, warum sollte es mir nicht nützen. Der Weg in die Stadt war

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lang. An der dicken, langen Stadtmauer angekommen, wurde den Brüdern Einlass durch das Steintor gewährt. Wie staunten sie nicht schlecht, solch hohen Turm hatten sie noch nie gesehen. Sie verabschiedeten sich, weil sie unterwegs beschlossen hatten, dass jeder selbst sein Glück versuchen sollte, sobald sie die Stadt erreichten. Von der langen Wanderung erschöpft, suchte sich der Älteste ein Gasthaus. Endlich konnte er sich ausruhen. Gleich wurde ein Fremder neugierig, was er denn in seinem Sack so schwer zu tragen hätte. Sogleich bot er ihm viele Taler an, wenn er ihm die Wanduhr gebe. Er denkt sich, dass ist ein gutes Geschäft und war froh, nicht mehr so viel tragen zu müssen und so viele Taler hatte die ganze Familie noch nie besessen. Am nächsten Morgen stellt er fest, dass ihm die Taler gestohlen wurden. Traurig will er zurück zu seinen Eltern wandern, jedoch beleibt er noch in der Stadt, weil er sich von dem munteren Treiben angezogen fühlt. Der Mittlere ging fröhlich pfeifend durch die Stadt. Er schaute sich alles an. Besonders beeindruckt war er von der breiten Brücke. Dass man auch über einen breiten Fluss gehen kann, konnte er sich bis dahin nicht vorstellen. Er kannte nur die kleine Bretterbrücke über den Sandfurtgraben. Immer wieder glitt seine Hand in die Hosentasche, um nach dem Amulett zu fassen. Gerade fährt eine Pferdekutsche mit einem wunderschönen Mädchen vorbei. Derart fasziniert von der Schönheit der jungen Dame, stolpert er über ein Brett auf der Brücke und das Amulett fällt in die Havel. Traurig schaut er dem Amulett hinterher. Woher soll er nun Taler bekommen, um neue Schafe zu kaufen? Er setzt

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sich auf eine Bank und denkt nach. Der jüngste Bruder, nur mit der Angel ausgestattet, überlegt sich: Ich gehe einfach angeln, fange Fische, und verkaufe diese auf dem Markt. Er hält die Angel in die Havel und denkt, dass in so einem breiten Fluss viele Fische zu angeln wären. Jedoch beißt keiner an. Den ganzen Tag über steht er schon am Ufer und wird langsam traurig. Als es anfängt dunkel zu werden, ruckt plötzlich etwas an seiner Angel. Er zieht sie hinaus und traut seinen Augen nicht. Ein großer Fisch mit goldenen Schuppen hängt daran. Als er vorsichtig den Fisch in seiner Hand hält, und ihn völlig fassungslos anstarrt, hört er diesen plötzlich blubbern. „ Lass mich am Leben und du hast drei Wünsche frei." Noch ehe der Jüngste richtig verstand, legte er den Fisch wieder vorsichtig ins Wasser. Da bemerkte er, wie an derselben Hand drei winzige Goldschuppen klebten. Er will sie lösen, sie sind aber zu fest. Es gelingt ihm nicht. Er nimmt seine Angel und sucht sich unter einem Baum einen Schlafplatz. In der Frühe des nächsten Tages macht er sich wieder auf den Weg zum Angeln. Beim Gang durch die Stadt sieht er einen hohen Berg mit einer Kirche darauf. Er denkt sich, wie muss das schön sein, von dort oben auf die Stadt zu schauen und beschließt erstmal dorthin zu gehen. Auf dem Weg dorthin hört er seinen Namen rufen. Freudig erblickt er den ältesten Bruder. Dieser erzählt ihm ganz traurig von seinem Missgeschick, und dass er sich nicht nach Hause traut, weil er sich dafür schämt, einem Betrüger auf den Leim gegangen zu sein. Der Jüngste sprach: „Ich wünschte, wir würden den Gauner finden!” Kaum hatte er das ausgesprochen, hielt eine Kutsche an und ein Mann

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gab ihm einen Sack. Wie staunten sie nicht schlecht, als sie darin die Wanduhr und die Taler fanden. Noch ehe sie sich bedanken konnten, war die Kutsche bereits verschwunden. Als der jüngste Bruder auf seine Hand schaute, weil sie zwickte, stellt er fest, dass eine Goldschuppe fehlte. Verdutzt liefen die beiden weiter. Vorbei am Mühlentor gingen sie an der Stadtmauer zum Plauer Tor. Am Rathenower Tor verweilten sie. Im kleinen Park daneben sahen sie den mittleren Bruder, der mit vielen Kindern spielte. Dann verschwanden diese Kinder alle in einem Haus und der Bruder blieb allein zurück. Wie freute er sich, dass er die beiden sah. Sogleich wurde er traurig und erzählte, dass er sein Amulett in der Havel verloren hatte, weil er so töricht war und einem schönen Mädchen nachgeschaut hatte. Der Jüngste sprach: „Ich wünschte, wir könnten das Amulett mit der Angel herausholen. Zeige uns die Stelle." Der mittlere ging mit den beiden Brüdern auf die breite Brücke. Der jüngste warf seine Angel hinein und sofort hing das Amulett daran. Wie staunten sie nicht schlecht. Als der jüngste auf seine Hand schaute, weil sie zwickte, stellt er fest, dass die zweite Goldschuppe fehlte. Da fällt ihm auf, dass bereits zwei Wünsche erfüllt wurden, wie der Fisch gesagt hatte. Jetzt wollten sie endlich auf den hohen Berg wandern, um sich die wunderschöne Stadt zu besehen. Es gab hier schöne Häuser mit Verzierungen, große Kirchen, Pferdekutschen, fahrende Händler, Märkte und vieles mehr zu entdecken. Auf dem Weg erzählte der Mittlere, dass er mit Kindern gespielt hat, die die Saldria, eine Schule, besuchen. Davon hatten sie noch nie gehört. Auf dem großen Berg angekommen, gingen sie in die Kirche. Man konnte auf den Turm gehen. Was war das herrlich.

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Sie sahen eine Stadt – mit vier Türmen, eine Stadtmauer und viel viel Wasser. Soviel Wasser hatten sie noch nie gesehen. Der Jüngste schaute über die Stadt. Einen Wunsch hatte er noch frei. Was sollte er sich wünschen? Als sein Blick über den großen Beetzsee wandert, glaubt er einen goldenen Fisch zu sehen. Und in diesem Moment weiß er, was er sich wünschen wird. Laut spricht er: „Ich wünsche mir, dass jeder gute Wunsch von mir in Erfüllung geht." Als er dann auf seine Hand schaute, weil sie zwickte, stellt er fest, dass keine Goldschuppe mehr an seiner Hand ist. Die anderen drehten sich verdutzt um. Mit der Wanduhr, den Talern, dem Amulett und der Angel brechen sie daraufhin auf, um zu ihrer Familie zurückzuwandern. Wie ist die Freude groß. Von den Talern kaufen die Eltern viele Schafe. Abends wünschte sich der Jüngste, dass er und seine Brüder auch zur Schule gehen können. Am nächsten Tag stand eine Postkutsche vor ihrem Haus, um sie zur Saldria abzuholen. Als sie in der Stadt über die breite Brücke gehen, sieht der Jüngste in der Havel einen goldenen Fisch schwimmen. Jeden Abend überlegt sich der Jüngste einen neuen Wunsch. Die Eltern leben von nun an gesund und zufrieden in ihrem Haus mit den Schafen, während die Brüder jeden Tag mit der Postkutsche in die Schule fahren. Und wenn sie nicht gestorben sind, dann sind sie noch heute Schüler der Saldria der Stadt Brandenburg.

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Das Mä rchen vom Jungen und der magischen Leinwand VON J AKOB

LOREK (9), B RANDENBURG AN DER HAVEL

Es war einmal ein Junge, der aus einer Riesenfamilie stammte. Kurioser Weise ist er gar nicht groß. Er wurde am 12.13.1213 geboren. Sein Riesenonkel schenkte ihm an seinem dreizehnten Geburtstag eine Leinwand. Der Junge konnte nichts mit der Leinwand anfangen, da sie so riesig und unhandlich für ihn war. Eines Tages starb leider sein geliebter Riesenonkel. Der Junge war sehr traurig .Seine Tränen rollten auf die Leinwand und aus dem Nichts erschien ein Magier. Der Junge erschrak, weil der Magier rote Augen hatte und einen schwarzen Umhang. Mit einer unfreundlichen Stimme sprach er den verängstigten Jungen an: „Ich werde deine Familie töten, wenn du mir nicht innerhalb der nächsten sieben Wochen ein Bild malst, das schöner ist als alle anderen Bilder auf der Wett zusammen." Dann verschwand der Magier im Rauch. Der Junge war hilflos und machte sich zum Friedhof auf, um sich Rat bei dem Geiste seines toten Onkels zu suchen. Als der Junge am Grab seines Onkels verweint saß, erschien ihm eine anmutige hübsche Totenfee. Diese sprach ihn freundlich an: „Du hast einen Wunsch frei." Als der Junge das hörte, ging er ermutigter nach Hause. Er überlegte sich seinen einzigen Wunsch sehr genau. Er wünschte sich, dass er gut malen kann. Dann wollte er Farben besorgen gehen. Auf dem Markt traf er einen Farbenhändler. Der sagte: „Schöne Farben, schöne Farben! Hier

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gibt es die besten Farben und Pinsel auf der Welt!" Und der Junge kaufte gleich die drei wichtigsten Farben rot, gelb und blau. Damit kann er alle Farben mischen, die er braucht. Beim Farbenhändler entdeckte er einen besonderen Pinsel, dessen Pinselhaare waren aus Einhornfedern. Dann ging er nach Hause und fing an zu malen. Zuerst skizzierte er einen gefährlichen Drachen, dann mischte er die drei Farben und malte Tage und Nächte hindurch, ohne dass er es merkte. Dann musste das Bild nur noch trocknen. Als es getrocknet war, sagte er: „Jetzt muss ich das fertige Bild zum Magier bringen." Am nächsten Morgen brach er auf. Er ging ziellos vor sich hin und fand neben dem Weg einen halbtoten Marienkäfer. Der Marienkäfer sagte: „ Hilf mir auf und ich werde dich begleiten und dir auch helfen." Er nahm liebevoll den Marienkäfer auf die Hand und sah strahlende Punkte auf den Flügeln. Die Beiden kamen an einen schönen Wald. Bei einer Lichtung entdeckten sie eine Spinne, die sich das achte Bein eingeklemmt hatte und sich nicht von selbst befreien konnte. Sie sprach die beiden an: „Bitte helft mir. Ich werde euch begleiten." Er nahm die Spinne auf und erkannte, dass ihre Beine aus Gold bestanden. Sie gingen weiter durch den Wald und trafen bei der bekannten Wanderdüne eine am Flügel verletzte Schwalbe. Sie fiepte vor Schmerzen: „Bitte helft mir auf und ich werde euch begleiten." Er sah an der Unterseite der Flügel jeweils eine goldene Feder. Mit seinen drei tierischen Begleitern machte er sich weiter auf. Sie mussten über Hügel, Berge und Abgründe. Als er auf ein Meer traf, konnte er nicht hinüber schwimmen, da die Strecke zu weit war. Die strahlenden Punkte vom Marienkäfer lösten sich und

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bildeten eine Brücke, über die der Junge mit seinen Wegbegleitern gehen konnte. Am anderen Ende des Meeres waren riesige Klippen. Er konnte nicht hinauf. Die Spinne krabbelte herauf und lies einen goldenen Faden hinunter, an dem sich der Junge hochziehen konnte. Oben auf den Klippen angekommen waren seine Kräfte am Ende. Dort sah er einen Birnbaum mit goldenen Birnen. Die Schwalbe flog zum Baum herauf und ließ eine goldene saftige Birne neben dem Jungen fallen. Die aß er auf und kam wieder zu Kräften. Nun konnte er weiter gehen. Plötzlich kam er in einen Park. Da sah er schöne Butterpilze. Die aß er auf. Auf einmal tauchte aus dem Nichts ein Schloss auf und die Bäume wurden schwarz wie die Nacht. Er wusste, dass er am Ziel war. Er betrat das Schloss und traf auf den Magier. Der Magier sprach ihn an: „Hast du das Bild fertig?" „Ja", antwortete der Junge mutig. Gerade wollte der Junge das Bild herausziehen, da drehte sich der Magier weg und ging in einen anderen Raum. Der Junge folgte ihm in den Raum. Dort sah er einen Pfahl. Da sagte der Magier: „Wenn mir das Bild nicht gefällt, wirst du auf diesen Pfahl gespießt und ich töte deine Familie." Da holte er das Bild heraus. Der Junge erschrak, weit das Bild verwischt war. Er wollte es ihm nicht zeigen. Der Magier riss es ihm aus den Händen. Der Magier schaute es an und sagte dann: „Na gut, ich muss dir und deiner Familie das Leben schenken." Der Magier verwandelte sich in einen weißen schönen Hirsch. Das Bild fiel auf den Boden und der Junge sah auf dem Bild einen genauso wunderschönen magischen Hirsch. Der Hirsch auf dem Bild nickte ihm zu. Der ehemalige Magier sprach zum Jungen: „Ich war ein verwunschener Magier. Viele haben es schon versucht, mich von dem

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bĂśsen Zauber zu retten, aber alle Bilder gefielen mir nicht. Bis du es versucht und geschafft hast." Und wenn sie nicht gestorben sind, erleben die drei Begleiter, der weiĂ&#x;e Hirsch und der Junge noch viele Abenteuer.

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Der zu klein geratene Riese VON RONJA HENTSCHEL, LOUISA FEUERHERDT, AMELY B OGEDALY UND TARALIKA FILIPOWA, VONSALDERN-GYMNASIUM, B RANDENBURG AN DER HAVEL

Es war einmal ein Riesen-Königspaar. Sie hießen Quetschmarie und Dudelsack. Sie bekamen einen reizenden kleinen Prinzen namens Millimilchig – aber was war mit Millimilchig? Er war so klein?! Seine Mutter und sein Vater grübelten, „was haben wir nur falsch gemacht? Habe ich zu viel rote Bete gegessen oder, Dudelsack, hast du zu viel Gewicht, dass es sich auf unseren Millimilchig negativ auswirkt?“ „Das habe ich gehört“, sagte Millimilchig, „ich bin zwar nicht groß, aber was ich an Größe verloren habe, mache ich mit Klugheit wett.“ Da sagte der König: „O.K., aber bevor du als Thronerbe antreten kannst, musst du 3 Prüfungen bestehen, die das Volk aussucht.“ Drei Stunden später ging der Kleine vors Volk und ließ sich die 3 Prüfungen verkünden. Die 1. Prüfung war: Steige auf den höchsten Berg der sieben Berge und bringe uns als Beweis, dass du es geschafft hast, einen Edelstein von ihm mit. Als der kleine Millimilchig sich nach drei Tagen auf den Weg zum höchsten der sieben Berge aufmachte, kam er an eine steinerne Tafel. Auf ihr stand: „Ich lasse dich nur zu den Edelsteinen, wenn du mein Rätsel löst, es lautet: Was ist vor dem Waschen sauber und nach dem Waschen dreckig?“ „Oh, das ist leicht, es ist das Wasser.“

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„Du hast dir den Edelstein verdient, suche dir einen aus.“ Er ging mit dem Edelstein zu seinem Vater. Der guckte anfangs verdutzt, nahm den Edelstein und guckte ihn genau an. Als er sicher war, dass es keine Kopie war, sagte er, das Volk soll sich versammeln. Millimilchig zeigte den Edelstein glücklich hoch und sagte: den habe ich auf dem höchsten Berg der sieben Berge geholt. Nun sagte das Volk: „Deine nächste Aufgabe lautet: Hole einen Traumfisch, der acht Farben hat.“ „Gut, ich mache mich auf die Suche.“ Als er am Unendlichmeer ankam, überlegte er sich, ich muss unbedingt die Unterwasseratmenpille finden. Da kam eine Schildkröte, sie sagte: „ Ich gebe dir die Pille, wenn du mein Rätsel löst.“ „Ach, schon wieder ein Rätsel, ich versuche mein Bestes.“ „Also, was hat ein Bett, schläft aber nicht darauf?“ „Ähm, …, achso, jetzt habe ich es. Ist es zufällig der Fluss?“ „ Ja, du hast dir die Pille zum Traumfisch-Suchen verdient.“ „Äh, woher weißt du...“, aber da war die Schildkröte schon weg. Er machte sich auf den Weg und fand den Traumfisch, kehrte in sein Königreich zurück, zeigte den Traumfisch seinem Vater und sie gingen anschließend zum Volk. Und Millimilchig ließ sich die dritte Prüfung verkünden: „Besiege den schwarzen Panther und bring‘ uns als Beweis einen Zahn von ihm mit.“ Wenig später machte sich Millimilchig auf den Weg zu einem Dschungel und suchte den schwarzen Panther. Er kam an eine Lichtung, wo sich ganz viele Panther aufhielten. Aber wie er es auch versuchte, alle Panther zeigten ihm entweder die kalte Schulter oder griffen ihn an, so

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dass er wegrennen musste. Da kam er an einen Baum mit einer Inschrift, darauf stand: „Ich gebe dir die Kraft, die Tiere zu verstehen, aber nur, wenn du mein Rätsel löst: Was läuft am Morgen auf vier, mittags auf zwei und abends auf drei Beinen?“ Da sagte Millimilchig: „Das ist aber ein schweres Rätsel.“ Er überlegte und überlegte, doch schließlich kam er auf die Lösung. „Ah, es ist der Mensch, da er morgens – also nach der Geburt –krabbelt, mittags – als Erwachsener – läuft und am Lebensabend, wenn er Opa oder Oma ist, mit einem Krückstock geht.“ „Ja, du hast mein Rätsel erfolgreich gelöst. Nun gebe ich dir die Kraft, mit den Tieren sprechen zu können.“ „Oh, vielen Dank“, sprach Millimilchig. Er ging zu einem Panther, der ihn freundlich angrinste. „Hi, ich bin genauso klein wie du, also kann ich es verstehen, ich habe dich vorhin mit dem Baum sprechen hören. Ich habe gestern mit einem anderen Panther gekämpft und mir ist dabei ein Zahn rausgefallen und ich habe ihn aufgehoben und werde ihn dir geben.“ So ging Millimilchig mit dem Zahn zu seinem Vater und überreichte ihn ihm. „Jetzt hast du bewiesen, dass du ein guter Anführer wirst. Eine Woche später wurde er Thronerbe und nicht nur das. Er wurde sogar groß und stark. ENDE

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Wie der Roland beinahe zu Staub zerfiel VON M ARVIN RATHMANN (17), VON SALDERN-GYMNASIUM

Vor langer Zeit lebte unweit der alten Brennaburg ein Riesenmädchen namens Branda. Tagein tagaus spielte sie vor den Toren der Burg und jedermann kannte sie. Branda verlor frühzeitig ihre Eltern und lebte allein, versorgte sich von den Resten, die die Bewohner der Brennaburg vor ihre Tore schütteten. Trotzdem genoss sie das Leben in vollen Zügen und freundete sich mit Wilhelmina und Fritz an, die am Hofe des Kurfürsten mit ihren Familien lebten. Dort fanden ihre Eltern Arbeit und schufteten von früh bis spät für den wunderlichen alten Friedrich, dem Kurfürsten der Brennaburg. Friedrich lebte hier mit seiner geizigen Gemahlin und seiner hochnäsigen Tochter schon in der dritten Generation. Nichts war ihm gut genug und er ließ seinen Unmut oft an seinen Bediensteten aus. So auch an den Soldaten, die ihn und seine Familie vor feindlichen Überfällen schützen sollten. Eines Tages, die Sonne schien klar und lächelte auf die alte Brennaburg hernieder, schlichen sich feindliche Truppen heran und überfielen den Kurfürsten und seine Familie. Die Soldaten dachten gar nicht daran, diesen stieseligen alten Kurfürsten zu beschützen. So gelangte der Kurfürst in die Hände der Ganoven und wurde entführt. Das Volk scherte sich nicht sonderlich darum. Das Leben ging auch ohne den Kurfürsten weiter. Doch die Entführer sandten einen Boten und forderten die Herausgabe des Roland, der übergroß am Stadttor stand und schon von weitem sichtbar war. Die Gemahlin des Kurfürsten

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willigte ein und der Kurfürst sollte im Gegenzug frei kommen. In 7 Tagen sollte die Übergabe stattfinden. Wilhelmina und Fritz wollten nicht so recht glauben, dass ihr großer steinerner Freund und Beschützer einfach so weggeben werden sollte. Sie trafen sich mit ihrer Freundin Branda und überlegten, was sie tun könnten, um ihren Roland zu beschützen. „Wenn wir ihn doch nur selbst wegbringen könnten und verstecken könnten", seufzte Wilhelmina. Fritz sprach zu Branda: „Du bist doch sogar größer als der Roland. Kannst du ihn nicht irgendwo verstecken?". Branda bekam einen roten Kopf: „Ja, ich bin zwar größer, aber meine Kraft reicht dazu nicht aus." So diskutierten die Kinder bis in den späten Abend und schliefen schließlich zu Füßen des Roland ein. Plötzlich fing es an zu regnen, so dachten zumindest Wilhelmina, Branda und Fritz als sie riesige Tropfen abbekamen. Aber was war das? Ihrem steinernen Freund Roland kullerten die Tränen lautlos nur so herunter. Es war kurz vor Mitternacht. Nun knackte und knirschte es über ihnen. Die Kinder trauten ihren Augen nicht. Ihr Roland weinte und begann sich zu bewegen. „Roland. Roland, warum weinst du und warum kannst du dich bewegen?" Da hockte sich der Roland zu den Kindern und begann zu erzählen. „Vor vielen hundert Jahren stand hier an meiner Stelle ein anderer Roland, der war aus Holz. Bei einem Brand kam er ums Leben. Damit dies nie wieder geschieht und die Stadt einen Wächter hat, wurde ich erschaffen. Seht mich an, ich bin aus Stein und kein Feuer kann mich vernichten." Die Kinder schwiegen betreten. „Roland, wir haben gehört, dass man dich im Tausch für den Kurfürsten weggeben will", sagte Branda. „Ja, ich weiß", sagte Roland, „deshalb weine ich auch heimlich

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jede Nacht." „Lasst uns doch wegrennen", schlug Wilhelmina vor. Wir laufen so weit fort, dass uns niemand findet." Der Roland wurde nun noch trauriger. „Das geht leider nicht. Pünktlich zum Sonnenaufgang werde ich wieder versteinert. Das geht aber nur, wenn ich hier auf dieser Stelle stehe. Befinde ich mich außerhalb, werde ich zu feinem Steinstaub und nie wieder zum Beschützer der Stadt." „Oh nein!", riefen Wilhelmina, Fritz und Branda wie aus einem Munde. „Das ist ja schrecklich! Wir müssen etwas unternehmen, dass unser Roland nicht in feindliche Hände gerät." Die ersten Sonnenstrahlen blinzelten durch die Wolkendecke. Roland stieg auf seinen Sockel und versteinerte. Fritz und Wilhelmina schlichen bedrückt nach Hause, Branda legte sich hin und holte den versäumten Schlaf nach. Am Abend wartete sie vergeblich auf ihre Freunde. Diese durften die Burg heute nicht verlassen, weil sie erst am Morgen nach Hause kamen. So wartete Branda ungeduldig auf Mitternacht, um mit ihrem Roland zu sprechen. Wie am Vortag rekelte sich Roland und als er sah, dass Branda da war, freute er sich sehr. „ Roland. endlich!", juchzte Branda und klatschte vor Freude in die Hände. „Komm mit. Ich muss dir unbedingt was zeigen." Sie nahm Roland an die Hand und zog ihn mit sich fort. Nach wenigen Schritten erreichten sie einen Hügel, der Branda bis zur Nasenspitze reichte, aber viel höher als Roland war. „Was soll ich hier?", fragte Roland verwundert. „Das ist die Lösung für dich. Vor einigen Jahren spielte ich unweit von dieser Stelle und buddelte im Sand. Ich trug den Sand dann in meiner Schürze und wollte ihn zu meinen Eltern bringen, aber ich stolperte und verlor den Sand. Seitdem gibt es diesen Hügel hier." Roland guckte verdutzt: „Und

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was soll ich hier machen?" „Na ganz einfach! Wir graben eine große Höhle hinein und verstecken dich, wenn sie dich gegen den Kurfürsten eintauschen wollen. Hier bist du vor den Sonnenstrahlen geschützt und kannst nicht zu Staub zerfallen." Roland überlegte und sprach:" Das ist lieb gemeint, Branda, aber das schaffen wir nicht. Es sind nur noch drei Tage." Branda brachte ihren Freund zurück zu seinem Sockel. Mit einer großen Träne im Auge versteinerte Roland wieder. Branda jedoch machte sich sofort auf den Weg, schaute über die Stadtmauer und rief ihre Freunde herbei. „Wilhelmiiiina, Friiitz, wo seid ihr?". Nur fünf Minuten später waren die drei schon vereint. „Ich habe eine Idee, wie wir Roland retten können", rief Branda ganz außer Atem. „Wie denn? Los, sprich", erwiderte Fritz. „Ihr kennt doch den Hügel vor den Toren der Brennaburg. Lasst uns Roland dort verstecken. Wir brauchen nur eine große Höhle zu graben." „Wie sollen wir das schaffen?", fragte Wilhelmina. Da war guter Rat teuer..., aber Fritz kam die rettende Idee: „ Wie wäre es, wenn wir all unsere Freunde fragen?!" Sofort rannten Wilhelmina und Fritz los und klopften an alle Türen, um alle Kinder zu versammeln. So kamen alle Kinder der Brennaburg am Fuße des Roland zusammen und Fritz und Wilhelmina kletterten auf den Sockel des Rolands. „Hey, hört mal alle her. Unser Roland hier soll gegen den gefangen genommenen Kurfürsten ausgetauscht werden." „Buuuuh!" „ Warum?" „Neiiin!" Die Kinder wollten das nicht glauben und riefen alle durcheinander. Nachdem wieder Ruhe eingekehrt war, erzählten Wilhelmina und Fritz die ganze Geschichte, auch von Brandas Idee. Branda stand verlegen etwas abseits, aber nun sprudelte sie los: „Bitte,

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ihr müsst uns helfen, den Roland vor den Feinden zu verstecken! Er darf nicht zu Staub zerfallen. Wir können eine große Höhle graben und Roland vor den Feinden und vor der Sonne verstecken." Es war so ruhig, dass man das Zwitschern der Vögel vernehmen konnte. Aber dann brach Tumult aus: „Ja!" „Los!" „Na klar!" – Flink rannten die Kinder nach Hause, holten Schaufeln, Eimer und Löffel. Alle buddelten fleißig wie die Ameisen und nach und nach nahm die Höhle Form an. Es war nur noch ein Tag, dann sollte die Übergabe erfolgen. Abends gingen die Kinder völlig erschöpft, aber glücklich nach Hause. Wilhelmina, Branda und Fritz begaben sich zum Roland und warteten, dass es endlich 12 schlug vom Glockenturm des Doms. Endlich! Roland reckte und streckte sich und war natürlich traurig, dass er nur noch einen Tag hatte, an dem er die schöne Brennaburg bewachen konnte. Da nahm ihn Branda an die Hand und gemeinsam mit Wilhelmina und Fritz zeigte sie ihm die riesige Höhle. Roland war sprachlos und Tränen der Freude rannen über sein Gesicht. „Wie ihr habt ihr das bloß gemacht?!" Die Kinder erzählten ihm von ihrem Tagwerk und der Hilfe aller Kinder der Burg. Roland war sichtlich gerührt. Der nächste Tag war sonnig und Roland strahlte auf seinem Sockel über das ganze Gesicht. Als es dämmerte schlichen Wilhelmina und Fritz zu ihrem Roland. Gemeinsam gingen sie kurz nach Mitternacht zu der Höhle, wo Branda schon auf sie wartete. „Da seid ihr ja endlich! Ich habe mir schon Sorgen gemacht." Roland kroch in die Höhle und sah, dass die Kinder ihm ein Nachtlager bereitet hatten. Er streckte sich aus und schlief sofort ein. Branda legte sich vor die Höhle und verdeckte so den Eingang. Kein Sonnenstrahl und kein Feind würde

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ins Innere der Höhle gelangen. Morgens wurde sie durch Hufgetrappel und Lärm geweckt. In einer Kutsche saß der Kurfürst, bewacht von den Ganoven. Am Stadttor angekommen, begehrten sie Einlass. Die Wachen ließen sie durch. „Wo ist der Roland?", brüllten die Männer, die den Kurfürsten in ihrer Gewalt hatten. Alle Bewohner strömten nun herbei und sahen, dass der Roland verschwunden war. Die Gemahlin des Kurfürsten wurde ganz blass und konnte sich das Verschwinden nicht erklären. Als sie zu einer Erklärung ansetzte, sprangen Fritz und Wilhelmina auf. Mutig stellten sie sich den Ganoven entgegen. „Habt ihr noch nie etwas von Sandstein gehört?" „Wie? Was? Sandstein?" entgegnete der Anführer der Meute. Fritz sprach jetzt ganz ruhig: „ Sandstein löst sich auf, wenn es stark regnet. Der Roland bestand aus diesem Material. Und da es hier viele Tage wie aus Eimern goss, hat sich der Roland aufgelöst" Er drehte sich zu den Bewohnern um und deutete ihnen, nichts zu sagen. Also nickten sie zustimmend und murmelten..., „ jaja, der Regen",..., „schlimm war's",…, „und den Roland hat es erwischt..." Wutschnaubend ließen die Ganoven den Kurfürsten trotzdem frei. Sie wollten sich nicht mit diesem mürrischen Alten abgeben, der ihnen nur eine Last sein würde. Im Galopp verließen sie den Hof. Die Familie des Kurfürsten freute sich, wieder beisammen zu sein und ging zurück in die Brennaburg. Die Bewohner wollten natürlich wissen, was nun wirklich mit dem Roland geschehen ist. Da sprudelte es aus Wilhelmina heraus: „Wir haben den Roland versteckt! Er war so traurig und schließlich gehört er ja zu uns!" Die Erwachsenen lobten die Kinder für

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ihre Umsicht. Als es dunkel wurde, gingen alle zum Hügel, wo Branda immer noch den Eingang versperrte. Als sie sah, dass alle Bewohner der Brennaburg zu ihrem Hügel kamen, war sie sehr erleichtert. Roland kam aus seinem Versteck. Alle jubelten ihm zu und führten ihn zurück zur Brennaburg. Dort erwartete sie schon die Familie des Kurfürsten. Und ob ihr es glaubt oder nicht, der alte mürrische Friedrich, Kurfürst der Brennaburg, strahlte und richtete ein großes Fest aus. Die geizige Gemahlin ließ köstliche Speisen auftragen und die Tochter freundete sich mit Branda, die fortan von den Bewohnern liebevoll versorgt wurde, und den Kindern des Hofes an. Alle feierten ausgelassen die ganze Nacht. Bevor die Sonne aufging, stieg Roland auf seinen Sockel und bis heute bewacht er die altehrwürdige Brennaburg und ihre Nachfahren.

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Wie die Mä rchen weitergehen VON

EMELY HINZE (17), B ERTOLT-B RECHT-GYMNASIUM, B RANDENBURG AN DER HAVEL

Die Märchen enden immer gleich. Egal in welchem Königreich. Am Ende der Geschichte, sind besiegt die Bösewichte. Und wie soll es anders sein, zufrieden sind nun Groß und Klein. Immer zu und immer wieder schrieb man es am Ende nieder. Glücklich bis zum Tode leben, auf der Wolke 7 schweben, ob bei Sonne oder Regen... All diese Versprechen geben, („ach, ist das nicht wunderbar") sich das getraute Prinzenpaar. Da dacht ich mir, ihr werdet lachen, was wohl die Pärchen heute machen? Sieht man sich nur als Beispiel an, Rapunzels frommen Strahlemann. Jedes Mal vorm Schlafengehen, muss sie sich die Haare föhnen. Und morgens dauerts Stunden lang, bis der Prinz sich waschen kann.

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Denn Rapunze's volle Tolle, ähnelt morgens Stahlwolle.

So sitzt sie dort Tag ein Tag aus und kämmt sich all die Knoten raus. Haare hier und Haare dort, man findet sie an jedem Ort.

Das Schlimme ist sogar beim Essen, hat sie mal ein Haar vergessen. Und das war noch extra lang. Es reichte bis zum siebten Gang. So kam es, dass ihr Ehegatte, oft allein viel Zeit verbrachte. Aschenputtel, wie ihr wisst, hat ihre Freizeit oft vermisst. Statt shoppen geh‘n und Kuchen naschen, putzen, fegen, Wäsche waschen. Nun denkt man sich: Das könnt jetzt enden, da ihr Prinz sie trägt auf Händen. Doch siehste wohl, da ha'm wir sie die gute alte Ironie. Denn statt ihr Leben zu genießen, geht sie lieber Blumen gießen. Kein Wunder, dass sie bei den Massen,

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ihre Köpfe hängen lassen. Nun will mancher vielleicht meinen, dies allein, dass stört ja keinen. Doch das wäre ja gelacht, wenn Aschenputtel sonst nichts macht. Frühs um 6 sind auf die Augen... Aschenputtel möchte saugen. Auch abends kennt sie kein Erbarmen, im Schloss da lässt sie keinen schlafen. Der Prinz, er ist sichtlich bedient. Womit hat er das verdient?

Genervt ist auch die Dienerschaft. Denn Aschenputtel alles macht, was vorher ihnen nur zukam. Der Alltag ist nun trist und lahm. Und nicht nur zu guter Letzt, wird der Prinz hinaus gehetzt. Denn nicht, dass er das Haus verschmutzt, was sie gerade hat geputzt. So kam es, dass ihr Ehegatte, oft allein viel Zeit doch hatte. Spieglein, Spieglein an der Wand! Wer ist die Schönste im ganzen Land? Ein Wunder, dass ich es noch sage,

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Schneewittchen ist es ohne Frage. Äpfel sind ihr Leibgericht. Ihr Apfelkuchen ein Gedicht. Doch der Prinz find's zum Verfluchen... Jeden Tag gibt's Apfelkuchen! Und der Prinz wird kugelrund, lebt nun nicht mehr so gesund. Eines Tages fragt er dann, ob‘s mal Pizza geben kann. „ Wie wäre es zum Abendbrot..." „Nein!... ...Äpfel sind im Angebot!" Sie ist dem Kaufrausch auch verfallen, Will sich die Schnäppchen alle krallen.

Und sie ist schließlich auch nicht dumm, sie selbst schleppt sich nicht schief und krumm. Beim Tragen von den ganzen Taschen, Stiefeln, Kleidern und den Flaschen, gehen außer Rand und Band, die sieben Zwerge ihr zur Hand. Beim Shoppen kennt sie kein Erbarmen. Einfach alles will sie haben. Dem Prinzen gefällt das nicht so sehr, die Schatzkammer ist fast schon leer.

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So kam es, dass ihr Ehegatte, oft allein viel Zeit doch hatte. Doch ich will's gar nicht übertreiben, so schlimm muss hier keiner leiden. Ein bisschen Zeit für sich allein, kann auch mal befreiend sein. Das Leben wäre doch versiebt, wenn's nichts mehr zum Meckern gibt. Wird es den Prinzen mal zu bunt, halten sie besser mal den Mund. Die Wahrheit ist genau genommen, niemand ist jemals vollkommen. Für immer glücklich nach dem Kuss, ist irgendwie kein wahrer Schluss. Drum ist die Moral von der Geschicht‘, die schönen Märchen enden nicht!

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Sü ßes sonst gibt's Saures VON EMMA WILLECKE, 9 JAHRE, GRUNDSCHULE M ICHENDORF

Es war einmal ein Volk namens Süßominos, welches in dem beschaulichen Land Brandenburg lebte. Es wurde regiert von dem Grafen Fritze Fischli und der Gräfin Lise Lakritz. Sie hatten eine wunderschöne Tochter namens Klarissa Karamell. Klarissa war 12 Jahre alt und hatte die Nase voll von Fisch und Lakritz, denn das war das Einzige, was es in ihrem Land zu essen gab. Eines Tages erfuhr Klarissa, dass ihre Mama Lise Lakritz schwer krank war. Sie war sehr traurig darüber und grübelte Nacht für Nacht, wie sie ihrer Mama helfen konnte. In ihrer Verzweiflung fragte sie den weisen alten Mann des Volkes, Walter Wackelpudding, um seinen Rat. „ Lieber Walter, was kann ich tun, um meine Mama zu retten?", sprach sie. Daraufhin antwortete der weise Walter: „Gehe in den finsteren Wald. Dort findest du den bösen Magier Roland. Vor seiner Höhle wächst das magische Süßkraut. Nimm es mit zu deinem Volk." „Aber wie soll das meiner Mama helfen?", fragte Klarissa verzweifelt. „ Bringe das Kraut zum Brunnen am Neustädtischen Markt, wirf es hinein und du wirst sehen, dass Hilfe naht." Er hob seinen Krückstock in die Luft. Ein kleiner blauer Schmetterling kam angeflogen und setzte sich auf die Spitze des Stockes. Mit einem leisen Knall verschwand der Schmetterling und ein kleines Blatt Papier mit dem Zauberspruch fiel zu Boden. Klarissa hob es auf. Sie bedankte sich bei dem weisen Alten und lief zurück ins Schloss.

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Am nächsten Tag packte sie sich ein paar mit Lakritz belegte Fische ein und zog los in den finsteren Wald. Sie lief durch den Wald und es wurde mit jedem Schritt dunkler. Klarissa bekam es mit der Angst zu tun. Doch in der Ferne sah sie plötzlich die Höhle des bösen Magiers Roland. Leise schlich sie sich näher heran und pflückte ein paar Blätter vom magischen Süßkraut. Sie drehte sich um und wollte gerade davonlaufen, als auf einmal der böse Magier vor ihr stand. „Was hast du mit meinem Dill vor?", brummte der Magier. „Dill? Ich dachte es wäre das magische Süßkraut." Klarissa fing fürchterlich an zu weinen. Ihr war kalt, sie hatte Angst und das falsche Kraut gestohlen. „Hör auf zu weinen, ich mag Kullertränen nicht. Was willst du mit meinem magischen Süßkraut anstellen?", fragte Roland. Sie setzten sich ans Feuer und Klarissa erzählte ihre Geschichte. Es stellte sich heraus, dass der Roland gar nicht so böse war und ihr helfen wollte. Er bereitete Klarissa ein Bett in seiner Höhle und am nächsten Morgen brachen sie zusammen auf zum Brunnen. Roland warf das magische Süßkraut in den Brunnen und Klarissa las den Zauberspruch vor:

Süßigkeit, Süßigkeit, hoch am Himmel machst dich breit,, funkelst glänzend voller Macht, brichst den Bann noch heute Nacht. Lass das Land von nun an prahlen und in Zuckerglanz erstrahlen

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Blitz und Donner zogen am Himmel auf und es fing fürchterlich an zu regnen. Es war aber kein gewöhnlicher Regen, sondern es regnete Süßigkeiten. Die Friedenswarte auf dem Marienberg wurde zu Zucker, der finstere Wald bestand nun aus Lollybäumen, die Havel war ein leckerschmeckersüßes Blubberwasser und der Dom ein riesiger Schokoladenkeks. Das ganze Land verwandelte sich in ein Süßigkeitenland. Die Gräfin Lise Lakritz lag krank in ihrem Bett und erfuhr von ihren Dienern vom Geschehen in ihrem Land. Von nun an aß sie nur noch Süßigkeiten, war glücklich und wurde schnell wieder gesund. Es gab ein großes Fest bei den Süßominos und Klarissa und Roland waren die Helden. Und wenn sie nicht geplatzt sind, dann essen sie noch heute.

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Unterwegs zum Nordpol VON ZOÉ KALBE (9), KARL-FÖRSTER-GRUNDSCHULE IN POTSDAM

Es war einmal eine kleine Schneemannfamilie, die in Schneemannhausen wohnte. Die Familie bestand aus: Papa Eimerhut: Er hat grüne Handschuhe an, einen Eimer als Hut und einen roten Schal um. Mama Bommelchen: Sie trägt auf ihrer weißen Mütze eine riesen Bommel. Tochter Kulleräugchen: Sie hat große Kulleraugen und ist immer blau gekleidet. Sohn Puschelmütze: Er hat immer grüne Sachen an und trägt eine große Puschelmütze. Zusammen sind sie eine fröhliche Familie. Eines

Tages

sagte

Papa

Eimerhut:

„Familie,

wir

müssen

Schneemannhausen verlassen!" „Warum?" fragte Puschelmütze. Mama Bommelehen antwortete: "Der Frühling kommt und wir müssen weg, sonst schmelzen wir!" Sofort sind sie zum Nordpol aufgebrochen, weil sie gehört hatten, dass dort immer Schnee liegen soll. Doch der Weg war sehr weit. Damit sie sich nicht verirren, schauten sie hoch zu den Sternen. Immer wenn sie das Sternzeichen der Schneemänner sahen, wussten sie, dass sie auf dem

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richtigen Weg waren. Als sie durch den Märchenwald gingen, trafen sie viele Tiere. Die Hasen aber wollten die Nasen und die Eichhörnchen die Nüsse der Schneemänner zum Fressen haben, denn die Nasen waren Möhren und die Augen Nüsse. Doch diese Sachen konnte die Schneemannfamilie nicht hergeben und versprach den Tieren im Frühling immer grüne Wiesen mit viel Futter. Der Hase fragte: „Wie wollt ihr das denn machen?" „Ach, das lass mal unsere Sorge sein", antwortete Puschelmütze. Anschließend

spielten

alle

zusammen

und

waren

sehr

lustig.

Bommelchen und Kulleräugchen wollten so gerne einmal Schlitten fahren und sie fragten den Maulwurf und die Wildkatze, ob sie mit ihnen den Berg herunter rodeln. Dafür versprachen sie, dass es jeden Tag viel Schnee geben würde. Auf immer die gleichen Fragen antworteten sie: „Wir machen das schon!" An diesem Nachmittag hatten alle viel Freude und es ging den Berg hoch und runter. Kulleräugchen rief: „Juhu ... das macht Spaß!" Papa Eimerhut und Puschelmütze versuchten es mit dem Skilaufen. Zum allerersten Mal standen sie auf Skiern. Nur wussten sie leider nicht, wie sie anhalten sollten und landeten kopfüber im Schnee. Alle Tiere ringsum

packten

mit

an,

um

die

beiden

wieder

ordentlich

zusammenzusetzen. Damit nicht plötzlich ein Schneemann zwei Köpfe oder Bäuche bekommt. Papa Schneemann und Puschelmütze bedankten

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sich und versprachen den Tieren einen Stern vom Himmel zu holen. Das konnten die Tiere nun doch nicht glauben. Wie sollten sie das denn anstellen? Aber die Schneemannfamilie sagte: „Glaubt es nur, wenn die Sonne scheint und der Frühling kommt, wird es geschehen." Dann zogen sie weiter in Richtung Nordpol. Sie gerieten in einen großen Schneesturm, der es ihnen schwer machte, weiterzulaufen. So kuschelten sie sich zusammen und hörten erst ganz leise, dann immer lauter das Klingen der Glöckchen. Sie gehörten zu einem Pferdeschlitten. Alle stiegen auf und durften ein großes Stück des Weges mitfahren. Wie immer versprach die Schneemannfamilie etwas Besonderes zu tun. Im Frühling sollten die Pferde einen neuen Schlitten bekommen, der auch nicht mehr so schwer zu ziehen ist. Sie verabschiedeten sich und sahen in

der

Nacht

zwischen

den

Tannen

etwas

aus

dem

Schnee

herausschauen. Es war ein von Schnee verwehtes Schloss. Nur die Türme und Fahnen schauten hervor. Puschelmütze dachte, es wäre ein Schneemonster, denn die Schatten der Spitzen sahen im weißen Schnee nachts wie Krallen aus und das Wehen der Fahnen wie große unheimliche Augen. Alle erschraken und suchten einen versteckten Schlafplatz hinter den Tannen. In dieser Nacht hatte die ganze Schneemannfamilie einen Albtraum. Sie sahen ein Schneemonster mit furchtbaren Krallen, glühenden Augen und langer Nase. Das Schneemonster sprach zu ihnen: „Nur wer gut, helfend und ehrlich ist, erreicht den Nordpol und erblickt den Superzauberschneemann in der Glaskugel.Wer immer hilfsbereit ist, der hat dann einen Wunsch frei. Wer sich aber über andere lustig macht,

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dem wird Schlimmes wiederfahren." Am nächsten Morgen erwachte die Schneemannfamilie und alle erzählten aufgeregt von ihrem Albtraum. Das fanden sie sehr merkwürdig, denn alle träumten genau das Gleiche. Bestimmt hatte das eine große Bedeutung! Sie beschlossen, nie wieder Versprechen zu machen, die sie nicht halten können. Endlich am Nordpol angekommen, sahen sie einen kleinen einsamen Pinguin auf einer Eisscholle. Er schien Hilfe zu brauchen. Da fiel eine Sternschnuppe vom Himmel und Kulleräugchen wünschte sich schwimmen zu können. Als alle noch überlegten, was sie tun könnten, sprang sie ins Wasser und schwamm zum kleinen Pinguin. Die anderen Tiere, wie die Robben, Möwen, Eisbären und Pinguine lachten nur und fragten: „Wie badet man denn einen Schneemann? Machst du schön planschi, planschi? Hast du schon mal gehört, dass Schneemänner im Wasser immer kleiner werden? Hi hi, ..., ha ha." Aber als sie sahen, wie Kulleräugchen die kleine Eisscholle an Land brachte und damit das Pinguinbaby rettete, wurde es ganz still. Kulleräugchen wurde bewundert fiir ihre Tat. Doch im Wasser ist sie etwas geschmolzen und kleiner geworden. Nun packten alle mit an. Schnell schoben sie neuen Schnee zu einer Kugel zusammen und formten Kulleräugchen wieder größer. Genau in diesem Moment erschien der Superzauberschneemann in der Glaskugel. Der Albtraum ist also doch wahr! Alle Tiere fassten sich an den

Händen

an

und

staunten

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mit

großen

Augen.

Der


Superzauberschneemann gab Kulleräugchen einen Wunsch frei. Sie rief die Schneeelfen zu Hilfe, um sich bei den Tieren zu entschuldigen, weil sie Versprechungen gemacht hatten, die sie nicht erfüllen konnten. Das war nicht richtig, denn ein Versprechen ist ein Versprechen! Nachdem sich die Schneemänner entschuldigt und die Tiere ihnen verziehen hatten, halfen auch die Schneeelfen. Sie wirbelten ihren glitzernden Zauberschnee durch die Luft und erfüllten alle Versprechen. Alle waren froh und es gab eine Nordpolparty mit Schneeballschlacht. Die Schneemannfamilie Eimerhut, Bommelchen, Kulleräugchen und Puschelmütze blieb dort am Nordpol wohnen und gab nie wieder Versprechen, die sie nicht erfüllen konnte. Und wenn sie nicht geschmolzen sind, dann feiern sie noch heute.

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Der Blub-Blub-Zauber VON VINCENT J ANNIS B ARTOLAIN (16) AUS DEETZ, ERNST-HAECKEL-GYMNASIUM WERDER (HAVEL)

Es war einmal in einem Land, in dem alle Tee tranken. Die Familie Pfefferminze machte den besten Pfefferminztee weit und breit. Jeden Abend kamen Freunde und Fremde, um diesen Tee zu trinken. Es wurde gesagt, dass man danach nie wieder krank werden würde. Da dieser Tee nur in einer bestimmten goldenen Teekanne seine volle Wirkung entfaltete, wurde der Tee immer in dieser Kanne ausgeschenkt. Das sprach sich herum und so kam es, dass eines Tages ein hinterhältiger, neidischer Kaufmann auf einem dreiköpfigen Kamel angeritten kam und besonders viel Tee trinken wollte. Ihm schmeckte der Tee vorzüglich, sodass er mehrere Tage dort blieb. Er fragte die drei Söhne der Familie aus, sodass sie ihm über die Geheimnisse der Pfefferminze erzählten und den Zauber der goldenen Teekanne. Weil seine Frau sich immer schon eine goldene Teekanne wünschte, schmiedete er einen Plan. Als der Kaufmann eines Abends mit seinem dreiköpfigen Kamel weiterzog, bemerkte die Familie, dass ihre Teekanne fehlte. Darüber waren alle im Land sehr traurig und die drei Söhne beschlossen, den Kaufmann zu suchen. Als sie am nächsten Morgen aufbrachen ging jeder in eine andere Richtung. Nach einer Weile kam der älteste Sohn in ein Waldgebiet und wollte in einem kleinen Haus fragen, ob jemand diesen Kaufmann auf diesem merkwürdigen Kamel gesehen hatte. Was er aber nicht wusste, dort lebte die Hexe „Verdorbenes Wasser“. Recht freundlich sagte sie, sie hätte ihn gesehen und würde ihn kennen. Der

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Junge muss nur nach drei Bäumen links abbiegen und dann würde er den Kaufmann schon sehen. Voller Vorfreude rannte er los, wusste aber nicht, dass er schnurstracks in eine Falle der Hexe tappte. Er stürzte in ein tiefes Loch mit verdorbenem Wasser. Ehe er richtig zu sich kam, hatte die Hexe ihn schon in einem Käfig gefangen. Der Sohn musste seine ganze Geschichte erzählen. Als die Hexe die Geschichte mit der Teekanne hörte, blitzten ihre Augen auf, denn sie war gierig nach Gold und Pfefferminztee. Sie badete nämlich jeden Abend in diesem Tee, weil sie sonst ganz schrumpelig werden würde und somit nicht die volle Zauberkraft hat. Wie jeden Abend schaute die Hexe in ihre Zauberkugel und beamte die beiden anderen Jungs in ihr Haus. Alle drei waren sehr traurig, weil sie nun in einem Käfig gefangen waren. Jeden Abend, als die Hexe ihr Bad nahm, rief sie: „Blub, blub, blub, mein Pfefferminztee zeige Wirkung blub, blub." Die drei Brüder mussten von nun an jeden Abend das Teebad für sie vorbereiten. Eines Tages kam der Älteste auf die Idee, statt Pfefferminztee andere Kräuter aufzukochen. Vielleicht, so dachte er, verliert die Hexe ihren bösen Zauber. So trug es sich eines Tages zu, dass die Jungs gemeinsam seinen Plan in die Tat umsetzten und statt Pfefferminztee andere Kräuter aufkochten. Noch bevor die Hexe dieses bemerkte, schlugen ihr die Jungs die Kugel aus den Händen und kickten sie durch das kleine Haus. Denn Fußball spielen, dass konnten sie besonders gut. Ohne ihre Kugel und das Pfefferminzbad erlosch langsam ihre Zauberkraft. Dennoch gelang es den Jungs in letzter Sekunde, den Zauberspruch zu erfahren, ehe die Hexe nur noch als verschrumpelter Apfel in der Badewanne lag. Darauf wären sie nie gekommen. Sie

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brauchten bloß „Blub-blub-blub" sagen und konnten sogleich in die Zauberkugel sehen und diese nach dem Kaufmann und der goldenen Teekanne befragen. In diesem Moment stand dieser auch schon neben ihnen, reichte ihnen die Kanne und man sah ihn mit einem Kamel wegreiten, welches anstelle der drei Köpfe nun drei Höcker hatte. Sogleich warfen sie dem Kamel den verschrumpelten Apfel hinterher und er wurde von diesem genüsslich vermampft. Danach musste es immerzu aufstoßen. Was man jedoch verstand, waren blubbernde Laute, die vom Kamel ausgingen. Jetzt konnten sich die Jungs endlich auf den Weg zu ihrer Familie machen. Der älteste Sohn trug vorsichtig die goldene Kanne, der zweite die Zauberkugel und der jüngste nahm eine riesige Pfefferminzpflanze aus dem Garten mit. Je näher sie nach Hause kamen, umso heller wurde das Licht um sie herum. Sie erkannten ihr zu Hause nicht. Sie waren geblendet, denn anstelle ihres Hauses, erwartete sie ein herrliches Schloss, indem sie bereits sehnsüchtig erwartet wurden. Und nicht nur von den Eltern, den Freunden und Fremden aus der Teerunde, sondern auch von drei wunderschönen Prinzessinnen. Diese stellten sich liebreizend vor: "Wir heißen Pfeffi, Melissi und Salbi und am Liebsten liegen wir jeden Abend in der Badewanne und nehmen ein Blubberbad." Da riefen die drei Jungs: "Passt auf, dass ihr nicht schrumpelig werdet." Und wenn sie nicht gestorben sind, dann blubbern sie noch heute und trinken wunderbaren Pfefferminztee.

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Undine-Märchenwettbewerb 2017  
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