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DAS WAR

2011 Sonderausgabe der M채rkischen Oderzeitung zum Jahreswechsel 2011/2012

Politik: Europa k채mpft um SEITE 2 den Euro

Aus aller Welt: Oskar und Sahra in Love

SEITE 6

Brandenburg: Umstrittener Airport SEITE 15 im Aufwind

Online-R체ckblick: www.moz.de/themen/ jahresrueckblick-2011/


Das war 2011 – Politik

2 Januar 1.: Die estnische Hauptstadt Tallinn und das finnische Turku sind die europäischen Kulturhauptstädte 2011. 8.: Der bisher teuerste Transfer der BundesligaGeschichte ist perfekt. Für eine Ablösesumme von etwa 35 Millionen Euro wechselt Edin Dzeko, Torjäger des VfL Wolfsburg, zu Manchester City. 12.: Bei einer Unwetter-Katastrophe in Brasilien kommen im Umland von Rio de Janeiro fast 900 Menschen ums Leben. Starke Regenfälle führen zu Erdrutschen und Überschwemmungen. 13.: Ein Lottospieler aus Stuttgart gewinnt einen Rekord-Jackpot von elf Millionen Euro im „Spiel 77“. Das ist der höchste Einzelgewinn in der deutschen Lotto-Geschichte für dieses Spiel. 18.: Das Unwort des Jahres 2010 heißt „alternativlos“. Es suggeriere sachlich unangemessen, dass es bei einer Entscheidung keine Alternativen und damit auch keine Notwendigkeit der Diskussion und Argumentation gebe, teilt die Jury in Frankfurt/Main mit. 24.: Bei einem Selbstmordanschlag auf dem Moskauer Flughafen Domodedowo sterben mindestens 37 Menschen, darunter ein Deutscher und der Attentäter. Etwa 180 Menschen werden verletzt. Islamisten aus dem Nordkaukasus sollen verantwortlich sein. 26.: Schleswig-Holstein führt als erstes Bundesland wieder das Abitur nach neun Jahren als Option ein. Gymnasien sollen selbst entscheiden können, ob sie das Abitur nach acht oder wieder wie früher nach neun Jahren anbieten. 27.: Illegale Einwanderer aus der Türkei können künftig von der EU zurückgeschickt werden. Die EUKommission handelt ein entsprechendes Rückführungsabkommen aus. 28.: Der Bundestag wählt den Ex-DDR-Bürgerrechtler Roland Jahn zum neuen Bundesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen. Der parteilose Journalist wird Nachfolger von Marianne Birthler, die nach zwei Amtszeiten ausscheiden muss. Amtsbeginn ist am 14. März.

Jahreswechsel 2011/2012

MOZ

Europa kämpft um die gemeinsame Währung

Frankreich und Deutschland bestimmen das Krisenmanagement / Großbritannien schert aus  Es war ein schwieriges Jahr für Europa, das schwierigste vielleicht seit Gründung der EU. Und noch immer hat der Kampf um den Euro keinen durchschlagenden Erfolg gebracht, bleiben die Aussichten ungewiss. Immerhin hat der jüngste EUGipfel Anfang Dezember die Lage ein wenig beruhigt, vorerst zumindest. Die Staats- und Regierungschefs einigten sich – Großbritannien allerdings scherte aus – auf die Ausarbeitung eines Vertrags, der den Konstruktionsfehler bei Einführung des Euros überwinden soll. Nun soll die gemeinsame Währung durch eine auch gemeinsame Politik gestützt werden, bei der sich die Mitgliedstaaten genauer als bisher gegenseitig auf die Finger sehen und Zuwiderhandlungen gegen das gemeinsame Regelwerk bestrafen. Das Motto heißt: Fiskalunion. Fortgesetzte Regelverletzungen, die insbesondere die südeuropäischen EU-Staaten an den Rand der Staatspleite getrieben haben, sollen künftig bestraft werden. Denn: Gelingt es nicht, das Vertrauen der Finanzmärkte wieder herzustellen, droht aus der Schuldenkrise eine allgemeine Vertrauenskrise zu werden, an deren Ende das Scheitern des Euro stehen könnte. Scheitert aber der Euro, scheitert Europa. So lautete das unentwegt beschworene Mantra von Bundeskanzlerin Angela Merkel. Man muss ihr in die-

In schweren Turbulenzen: der Euro ser Sicht vielleicht nicht bis zur letzten Konsequenz folgen. Unschwer vorstellbar sind aber heftigste politische und wirtschaftliche Turbulenzen, sollte die gemeinsame Währung auseinanderbrechen. Politisch schälte sich beim Krisenmanagement eine Führungsrolle der beiden Großen in der EU – Frankreich und Deutschland – heraus, wobei es der Bun-

Fotos (2): dpa

deskanzlerin gelang, deutsche Vorstellungen einer neuen Stabilitätskultur durchzusetzen – was bei manchen Nachbarn gewisse, historisch bedingte Reflexe auslöste. Auffallend war jedoch, dass weder Frankreich noch Deutschland mit klaren Vorstellungen auf die Krise reagierten, sondern – getrieben von den Ereignissen – sich Schritt für Schritt nach

vorne tasteten; unter wiederholter Revision früherer Positionen. Immer wieder sah sich die Kanzlerin dabei dem Vorwurf zu großer Zögerlichkeit ausgesetzt. Ob die Krise nun mit einem neuen Vertragswerk überwunden wird? Zu erwarten ist ein zäher Marathon. Und Zweifel bleiben, ob Kraft und Wille reichen, um gemeinsam durchs Ziel zu gehen.  Günther Marx

Aufstand gegen die Despoten Der „Arabische Frühling“ führt in einigen Ländern zu Neuwahlen – und zu Tausenden Toten  Mohammed Bouazizi war ein kleiner Gemüsehändler. Doch mit einer Verzweiflungstat trat er eine Revolution los. Aus Protest gegen die Schikanen der tunesischen Behörden zündete er sich am 17.  Dezember  2010 selbst an. Zweieinhalb Wochen später erlag er seinen Verletzungen. Und es begann in dem kleinen Land zu beben. Erst gingen Hunderte Menschen auf die Straße, dann Tausende, später Zehntausende. Tunesien stand gegen seinen Diktator Zine el Abidine Ben Ali auf. Die Bilder, die Forderungen verbreiteten sich per Internet über die arabische Welt. Und sie fanden Nachahmer. Das leise Rütteln wurde zu einem Beben, das mit Ausnahme SaudiArabiens den ganzen arabischen Gürtel erfasste – von Tunesien über Marokko, Ägypten, Libyen bis hinunter in den Jemen. Auch wenn in jedem Land andere Probleme die Proteste

auslösten – steigende Nahrungsmittelpreise oder politische Unterdrückung –, überall war es eine junge, gut ausgebildete Generation, die ihre Entwicklungschancen einforderte. Im Februar zwangen die Demonstranten im 83-MillionenEinwohner-Land Ägypten mit

ihren Demonstrationen auf dem Kairoer Tahrir-Platz und in anderen Städten den langjährigen Diktator Husni Mubarak zum Rücktritt. Kurz danach geriet das Regime von Libyens Machthaber Muammar el-Gaddafi ins Wanken und wurde mit Hilfe von NATO-Bomben gestürzt. Gaddafi

Überwältigte Armee: Protest auf dem Tahrir-Platz in Kairo

Foto: dpa

wurde nach seiner Festnahme von Rebellen getötet. Und die Folgen? In Ägypten und Tunesien gewannen nach dem Abgang der Diktatoren gemäßigte Islamisten die Wahlen. Libyen droht mangels staatlicher Strukturen in Anarchie zu versinken. Jordanien erhielt eine neue Regierung, und in Algerien wurde der seit 19  Jahren geltende Ausnahmezustand aufgehoben. In Bahrain unterdrückten saudische Panzer die Proteste der schiitischen Bevölkerungsmehrheit gegen das sunnitische Königshaus. Der Aufstand in Syrien wird vom Präsidenten Baschar el-Assad mit Armeegewalt bekämpft. Es gab bereits Tausende Tote. Viele Medien bezeichneten den Aufbruch als „Arabischen Frühling“. Ob er, wie die USA und die EU hoffen, zu einer Demokratisierung führt, ist noch nicht absehbar.  Stefan Kegel


MOZ

Das war 2011 – Politik

Jahreswechsel 2011/2012

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Die Welle und der Ausstieg Atomkatastrophe in Fukushima – und die Deutschen nehmen Abschied von der Kernenergie  Als in Japan am Freitag, dem 11. März, die Erde bebt, denkt noch kaum jemand an die drastischen Folgen, die das Erdbeben haben würde. Es ist das gewaltigste Beben in der Geschichte Japans und das fünftstärkste seit 1900 weltweit. Die Welle, die daraufhin vom Meer über die Küstengebiete der asiatischen Insel rollt, ist dementsprechend gigantisch. Bis zu zehn Meter hoch schwappt der Tsumani ins Land, reißt alles mit – Autos, Häuser, Menschen, Straßen. Die Küstenregion im Osten des Landes gleicht nach der Welle einer Mondlandschaft. Städte sind dem Erdboden gleichgemacht. 20 000 Menschen verlieren ihr Leben, eine halbe Million Menschen ist obdachlos. Und eine weitere Katastrophe folgt erst noch. Die Wassermassen haben auch das Atomkraftwerk Fukushima Daiichi getroffen. Die Stromversorgung bricht zusammen, auch die Notstromaggregate fallen aus. Die Reaktoren sind ohne Kühlung, der Druck im Reaktor steigt. Am Sonnabend kommt es an Block 1 zur ersten Explosion, es werden noch weitere folgen. Radioaktiver Dampf quillt aus den Anlagen, die Strahlenbelastung steigt drastisch. Am Dienstag fangen Brennstäbe des Reaktors 4 Feuer, auch in Block 2 gibt es eine Explosion. Das Gelände wird evakuiert, eine Sperrzone von 20 Kilometern um den Meiler eingerichtet. Die Brennstäbe sind immer massiver geschädigt, eine Kettenreaktion, die zur Kernschmelze führt, beginnt. Weiterhin kämpfen die Arbeiter vor Ort gegen die Gefahr. Erst mehr als einen Monat später wird Tepco-Sprecher Aya Omura sagen, dass die meisten

Gefährliche Ruine: In Strahlenanzügen nähern sich Arbeiter der Atomanlage Fukushima.  Brennstäbe bereits in den Tagen nach dem Tsunami geschmolzen seien. Und zwar in mehreren Reaktoren. Fukushima ist zu einem neuen Tschernobyl geworden. Und die Deutschen? Die machten nach dem ersten Schrecken Nägel mit Köpfen und gingen den Ausstieg vom Ausstieg an. Vor der Atomkatastrophe in Japan habe sie das Restrisiko der Atomenergie akzeptiert, sagte Kanzlerin Angela Merkel. Dies sei nun anders. Merkel leitete eine geradezu atemberaubende Wende ein: Im Herbst 2010 hatte die CDU die Verlängerung der Laufzeiten der Atomreaktoren

bis 2050 noch als alternativlos bezeichnet. Nun gab es anscheinend keine Alternativen zum Ausstieg mehr. Im Juli folgte dann die historische Abstimmung im Bundestag. Das Ergebnis: Als erste führende Industrienation steigt Deutschland bis zum Jahr 2022 endgültig aus der Atomenergie aus. Das Parlament entschied mit breiter parteiübergreifender Mehrheit von 513 Ja-Stimmen bei 79 Nein-Stimmen und acht Enthaltungen. SPD und Grüne unterstützten dabei den Kurs von Union und FDP, betonten aber immer wieder, der Ausstieg sei eigentlich ihr Verdienst. Nur

Foto: dpa

Die Linke sagte Nein. Acht derzeit stillgelegte Atommeiler bleiben endgültig vom Netz. Neun Atomkraftwerke werden stufenweise bis 2022 abgeschaltet. Der Ausstieg bringt allerdings auch Herausforderungen mit sich. Beim dringend erforderlichen Netzausbau – bis 2022 sind bis zu 4000 Kilometer Leitungen nötig – gibt es Verzögerungen. Experten befürchten Stromengpässe. Auf umweltbelastende Kohleenergie kann schwerlich verzichtet werden. Und auch der Ausbau von Wind- und Sonnenenergie wirft Probleme auf. Ein Ausstieg, der Baustellen aufgerissen hat.  Caroline Strang

Krawalle, Schlichter und ein Volksentscheid

Halbe Million Kindern droht der Hungertod

Stuttgart 21 hält ein Land auf Trab

Schlimmste Dürre seit 60 Jahren in Somalia

 Am Ende stand ein Volksentscheid, in dem sich die Baden-Württemberger für das Milliarden-Bahnhofsprojekt Stuttgart 21 aussprachen. Die Vorgeschichte ist lang – und führte im März zur Abwahl der seit 58 Jahren regierenden CDU. Ein Grüner leitet nun das Ländle, Winfried Kretschmann. Der erste grüne Ministerpräsident Deutschlands. Der war vom Ausgang des Volksentscheids sehr enttäuscht. Schließlich hatte sich gerade seine Partei für einen Stopp eingesetzt. Zu teuer, zu ineffektiv – die Einwände gegen den Bahnhof sind zahlreich und umfassend. Und trieben die Menschen auch 2011 auf die Straße.

Vergeblicher Protest

Foto: dapd

Ein Schlichtungsverfahren unter der Leitung von Heiner Geißler endete ohne wirkliches Ergebnis. Der Bahnhof wird gebaut – wahrscheinlich. Der Verwaltungsgerichtshof hat gerade aus Umweltschutzgründen erneut einen Baustopp verhängt.  (cst)

 Hunderttausende Menschen sind auf der Flucht vor dem Hungertod. Vor allem in Somalia, aber auch in Kenia, Äthiopien und dem Sudan leiden die Menschen unter der schlimmsten Dürre seit 60 Jahren. Das Vieh ist verdurstet, der Boden ausgedorrt, Ernten fallen aus. Zwölf Millionen Menschen, so schätzt die UN im Sommer, sind von Nahrungsmittelknappheit betroffen, eine halbe Million Kinder akut vom Hungerstod bedroht. Zehntausende starben bereits. Viele ziehen von zu Hause fort, um dem Hunger zu entkommen. Riesige Flüchtlingslager wie Dadaab in Kenia platzen aus allen Nähten, es ist kaum mehr möglich, die leidenden Menschen zu versorgen.

Ein Bild des Hungers 

Foto: dpa

Erschwert wird die Lage durch den Bürgerkrieg, der seit Jahren in Somalia tobt. Die El-ShabaabMiliz, die den Süden des Landes dominiert, lässt zeitweise keine Hilfe ins Land. Die Lage ist auch am Ende des Jahres unverändert dramatisch. (cst)

Februar 2.: Nach langem Streit in der schwarz-gelben Koalition erteilt Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) einer gesetzlich vorgeschriebenen Frauenquote für die Führungsetagen der Wirtschaft eine Absage. 5.: Zollfahndern gelingt der größte Schlag gegen die internationale Dopingszene in Deutschland. Sie haben verbotene Wachstumshormone und Aufbau-Präparate in Millionenwert beschlagnahmt, berichtet das Zollkriminalamt in Köln. 8.: Russland schafft auf Anordnung von Kremlchef Dmitri Medwedew im Herbst 2011 die Winterzeit ab. Die Zeitumstellung belaste den Organismus und rufe Stress hervor, meint Medwedew. 11.: Das Bundesverfassungsgericht stärkt die Unterhaltsansprüche geschiedener Ehepartner. Der Bedarf müsse unabhängig davon bestimmt werden, ob der zahlungspflichtige Partner erneut geheiratet habe, heißt es in dem Karlsruher Beschluss. 15.: Die Deutsche Börse in Frankfurt und NYSE Euronext in New York beschließen ihre Fusion. Die Deutsche Börse wird dabei die Rolle des Seniorpartners übernehmen. 16.: Klagen gegen den Kinderlärm von Spielplätzen oder Kindergärten sollen erschwert werden. Das Bundeskabinett beschließt eine Änderung des Immissionsschutzgesetzes, wonach dieser Lärm nicht mehr als „schädliche Umwelteinwirkung“ gilt. Im Mai stimmt der Bundestag zu. 19.: Erstmals in der Geschichte der Berlinale geht der Goldene Bär an einen iranischen Filmemacher. Das Familiendrama „Nader und Simin, Eine Trennung“ von Asghar Farhadi erhält zudem die beiden Silbernen Bären für die besten Darsteller. 24.: Der Bundestag beschließt eine Kürzung der Solarsubventionen. Die Gelder für Sonnenstrom sollen bis Januar 2012 um maximal 24 Prozent gekürzt werden. 25.: Der Weg für höhere Hartz-IV-Regelsätze und das Bildungspaket für bedürftige Kinder ist endgültig frei. 26.: Der deutsche Golfprofi Martin Kaymer wird erstmals die Nummer eins der Weltrangliste. Bei der WGC Match Play Championship in den USA zieht er ins Finale ein und verdrängt den Briten Lee Westwood von der Spitze.


Das war 2011 – Politik

4 März 2.: Jedes minderjährige Opfer sexuellen Missbrauchs soll von der Katholischen Kirche bis zu 5000 Euro Entschädigung erhalten. Das Angebot der Bischofskonferenz beim Runden Tisch der Bundesregierung in Berlin kritisieren die Opfer als unzureichend. 7.: Die Finanzlage der gesetzlichen Krankenversicherungen hat sich 2010 deutlich verschlechtert. Die rund 150 Kassen verzeichneten nach Angaben des Bundesgesundheitsministeriums zusammen ein Defizit von 445 Millionen Euro. 9.: Die Zahl der Milliardäre ist so hoch wie nie. Die „Forbes“-Liste verzeichnet 1210 Dollarmilliardäre. Unter den ersten zehn ist kein Deutscher, dafür zwei Inder und ein Brasilianer. Asien hat mehr Milliardäre (332) als Europa (300). 10.: Der Dalai Lama kündigt an, als politisches Oberhaupt der Tibeter zurückzutreten. Das Amt sollen demokratisch gewählte Vertreter übernehmen. Am 20. März stimmen Zehn-

tausende Exil-Tibeter über einen neuen Exil-Premierminister und ein neues Parlament ab. 17.: Für Steuerhinterzieher wird es schwieriger, bei einer Selbstanzeige ohne Strafe davonzukommen. Der Bundestag beschließt das „Schwarzgeldbekämpfungsgesetz“. mit höheren Hürden für eine strafbefreiende Selbstanzeige. 22.: Israels Ex-Präsident Mosche Katzav wird wegen Vergewaltigung und sexueller Belästigung unter anderem zu sieben Jahren Haft verurteilt. Am 10. November bestätigt das Oberste Gericht das Urteil. 24.: Der Bundestag beschließt den Bundesfreiwilligendienst. Er ersetzt den zuletzt nur noch sechsmonatigen Zivildienst, der mit der Aussetzung der Wehrpflicht zum 1. Juli wegfällt. 29.: Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) schlägt auf der Islamkonferenz in Berlin eine „Sicherheitspartnerschaft“ zwischen Staat und Muslimen vor. Dies stößt auf heftige Kritik.

Jahreswechsel 2011/2012

MOZ

Tod des Terrorfürsten

Zehn Jahre nach dem 11. September spürt ein US-Spezialkommando Osama bin Laden auf  Es ist der 1. Mai, 15 Uhr in Washington, USA; in Abbottabad, Pakistan, ist es bereits der 2. Mai, tiefe Nacht. Die Runde im Weißen Haus sieht auf einem Bildschirm, was 11 000 Kilometer östlich geschieht. Zwei Einheiten aus 24  Elitesoldaten nähern sich ihrem Ziel, einer Villa in Abbottabad, Codename der Aktion: „Geronimo“. Einer der beiden Helikopter geht bei der Landung zu Bruch. Die Elitekämpfer stürmen das Haus, Zimmer für Zimmer. Und auf einmal steht er vor ihnen: Osama bin Laden, der meistgesuchte Mann der Welt, das Superhirn für die Anschläge vom 11.  September 2011, die rund 3000 Tote forderten. Die Soldaten töten ihn mit Schüssen in Kopf und Brust. Die US-Regierung wird später erklären, er habe sich nicht ergeben wollen. Seine Tochter wird aussagen, er sei in die Vorhalle gezerrt und dort exekutiert worden.

Im Weißen Haus: US-Präsident Barack Obama (2. v. l.) verfolgt mit Regierungsmitgliedern die Operation „Geronimo“. Rechts Osama bin Laden in einem seiner letzten Droh-Videos. Fotos (3): AP Bin Ladens Leichnam wird noch am selben Tag auf offener See bestattet. Es ist das Ende des Mannes, der als Führer des Terrornetzwerks El Qaida das vergangene Jahrzehnt geprägt hat wie kaum ein anderer. Er

hatte in seinen Trainingscamps in Afghanistan islamistische Terroristen ausgebildet und Geld für sein Netzwerk gesammelt. Immer wieder schürte er mit Droh-Videos­ Angst. Inwieweit Pakistans Geheimdienste den

Saudi nach seiner Flucht aus Afghanistan gedeckt haben, ist ungeklärt. Dass die USA ohne Rücksprache mit Pakistan zuschlagen, vergiftet das Klima zwischen Washington und Islamabad nachhaltig.Stefan Kegel

Der tiefe Fall eines Hoffnungsträgers

Karriereende in einem New Yorker Hotel

Guttenberg und die Plagiats-Affäre

Strauss-Kahn stolpert über Sex-Skandal

 Selbst das rasante Leben des Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) gleicht 2011 einer Hochgeschwindigkeitsachterbahn. In nur einem Jahr hat der fränkische Baron Höhen und Tiefen durchlaufen, für die andere ein halbes Leben brauchen. Startschuss ist der 16. Februar: Guttenberg – zu dieser Zeit noch Bundesverteidigungsminister – wird vorgeworfen, seine Dissertation mit dem sperrigen Titel „Verfassung und Verfassungsvertrag. Konstitutionelle Entwicklungsstufen in den USA und der EU“ sei ein Plagiat. Er soll seitenweise abgekupfert haben, ohne die Quellen in den Fußnoten zu vermerken. Was dann folgt, ist ein wilder Ritt. Zunächst bezeichnet Guttenberg die Vorwürfe als „abstrus“. Doch wenige Tage später muss er zurückrudern. Am

Neues Image: Karl-Theodor zu Guttenberg Foto: dapd

18.  Februar erklärt er, seinen Doktortitel vorerst nicht weiter führen zu wollen, bis die Vorwürfe gegen ihn geklärt sind. Nur drei Tage später gesteht er schwere Fehler ein und verzichtet endgültig auf seinen Doktortitel. Am 1.  März erklärte er schließlich seinen Rücktritt von allen politischen Ämtern und kündigt an, für eine unbestimmte Zeit nach Amerika zu gehen. Er plane ein „politisches Sabbatical“. Doch lange hält er es in seinem selbstgewählten Exil nicht aus. Noch vor Jahresfrist meldet er sich in seiner Heimat wieder zu Wort: mit aufpoliertem Image – sprich neuer Frisur und ohne Brille – sowie einer gehörigen Portion frischen Kampfgeistes. Guttenbergs Interview-Buch „Vorerst gescheitert“ stürmt die Bestsellerlisten, gleichzeitig liebäugelt er mit der Gründung einer neuen Partei. Karl-Theodor zu Guttenberg polarisiert wie eh und je. Und auch wenn es für das ganz große Comeback noch nicht reicht, als Berater im Auftrag der EU-Kommission hat er einen Fuß wieder auf die politische Bühne gesetzt. Dass sich der Ex-Minister dabei ausgerechnet dem Thema Internetfreiheit widmen will, ist eine kuriose Randnotiz. Schließlich waren es Plagiatsjäger im Netz, die den Fall Guttenberg erst ins Rollen brachten und seinen Sturz herbeiführten.  Dominik Wüchner

 Die Einsicht kommt spät, zu spät: „Ich ändere mich“, sagte Dominique Straus-Kahn vor wenigen Tagen. „Mein früheres Leben ist vorbei.“ Wäre der 62-jährige Franzose bereits vor jenen Ereignissen am 14. Mai zu dieser Erkenntnis gelangt, wer weiß, was aus dem damaligen Direktor des Internationalen Währungsfonds (IWF) noch hätte werden können. Aber als in New York ein Zimmermädchen aussagte, es sei von dem französischen Politiker im Hotel gegen seinen Willen zum Sex gezwungen worden, war Strauss-Kahns Karriere mit einem Mal beendet. Zwar gab es bald Zweifel an der Glaubwürdigkeit der Belastungszeugin, und die New Yorker Staatsanwaltschaft hob den über den Franzosen verhängten Hausarrest wieder auf. Aber es ka-

men jede Menge Details über das Intimleben des Mannes, der seit 20 Jahren mit der TV-Journalistin Anne Sinclair verheiratet ist, ans Licht. Und es verfestigte sich das Bild eines hemmungslosen Schürzenjägers, der auch anscheinend von Sexparty zu Sexparty geeilt ist – man fragt sich, wann der IWF-Chef überhaupt noch Zeit hatte, sich um finanzpolitische Details zu kümmern. Einst war Dominique StrausKahn der Hoffnungsträger der französischen Sozialisten und stand auf der Liste der möglichen Herausforderer von Nicolas Sarkozy für die Präsidentschaftswahl im April 2012 ganz oben. Nun entschieden sich die Sozialisten für François Hollande als Kandidaten. Von „DSK“ spricht in diesem Zusammenhang niemand mehr.  Michael Gabel

Ganz unten: Dominique Strauss-Kahn als Beschuldigter vor einem New Yorker Gericht. Doch der Vergewaltigungsvorwurf konnte nicht aufrechterhalten werden.  Foto: dpa


MOZ

Jahreswechsel 2011/2012

Das war 2011 – Politik

Aus blindem Hass

Die Morde des Zwickauer Neonazi-Trios schockieren die deutsche Öffentlichkeit  4. November 2011: Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt überfallen eine Sparkasse im thüringischen Eisenach. Anschließend fliehen die beiden zu einem Wohnmobil in der Nähe. Als die Polizei anrückt, erschießt Mundlos seinen Komplizen, zündet das Fahrzeug an und tötet sich selbst – so die Vermutung der Ermittler. Stunden danach setzt Beate Zschäpe ein Mietshaus in Zwickau in Brand und stellt sich der Polizei. Zu diesem Zeitpunkt ahnt niemand, welche Lawine die Taten auslösen sollen. Lange müssen die Beamten aber nicht im Dunkeln tappen. Im Schutt des Hauses finden Polizisten zwei Pistolen, mit denen zwischen 2000 bis 2007 neun Kleinunternehmer mit türkischem und griechischem Hintergrund sowie die Polizistin Michèle Kiesewetter erschossen wurden. Außerdem entdecken sie ein Bekennervideo des „Nationalsozialistischen Untergrunds“ (NSU), in dem sich die Rechtsterroristen ihrer Taten rühmen. Später wird zudem bekannt, dass die drei Neonazis auch für die Sprengstoffanschläge im Januar 2001 und im Juni 2004 in Köln verantwortlich waren. Um ihren Geldbedarf zu decken, haben sie außerdem dutzende Banken überfallen und dabei insgesamt rund 600  000  Euro erbeutet. Und alles, ohne dass ihnen die deutschen Sicherheitsbehörden auf die Spur kamen. Was viele Bürger seitdem umtreibt, fasste Thomas Oppermann, Geschäftsführer der SPDBundestagsfraktion, in einem knappen Satz zusammen: „Der Thüringer Verfassungsschutz hatte 24 Aktenordner, aber keine Ahnung.“ Stets hieß es unisono: Man habe keine Hinweise auf rechtsterroristische Aktivitäten in Deutschland. Eine fatale Fehleinschätzung.

Bild der Zerstörung: Beate Zschäpe, Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos (v. l.) fanden in diesem Zwickauer Haus über drei Jahre lang Unterschlupf, bevor es Zschäpe Anfang November in die Luft sprengte. In den Trümmern sicherten die Ermittler dennoch zahlreiche Beweise. Fotos: dpa Dabei waren die Terroristen keine Unbekannten: Die drei, damals noch in Jena, rückten bereits Ende der 90er-Jahre das erste Mal in den Fokus der Ermittler. Es ging um Bombenattrappen, die das Landeskriminalamt bei ihnen gefunden hatte. Doch die drei konnten untertauchen. 2003 wurden die Ermittlungen schließlich eingestellt. Das Nazi-Trio allerdings blieb aktiv. Voller Hass zog es mordend durchs Land. Dabei kommen noch immer täglich neue Details ans Licht.

Auch wenn der harte Kern der Zelle nur aus Mundlos, Böhnhardt und Zschäpe bestand, scharten sich um die Gruppe Unterstützer. Inzwischen wurden vier mutmaßliche Helfer der Terrorgruppe festgenommen. Sie sollen entweder an dem Propagandavideo mitgearbeitet oder sie mit Geld, Papieren sowie Übernachtungsmöglichkeiten unterstützt haben. Auch die Rolle des Verfassungsschutzes wird immer dubioser. Es geht um mangelnde Zusammenarbeit zwischen den

Behörden, falsch bewertete Fakten und undurchsichtige Geldzahlungen an V-Männer. Zusätzlich befeuert wurden die Spekulationen durch den Umstand, dass bei einem Mord in Kassel ein Verfassungsschützer am Tatort war. Auch zwei Monate nach dem Beginn der Ermittlungen sind also noch viele Fragen ungeklärt. Sicher ist allerdings, dass die rechtsextreme Szene in Deutschland besser organisiert und gewalttätiger ist als man bisher wahrhaben wollte. Dominik Wüchner

5 April 5.: Die Fußball-Champions League wird von der Saison 2012/2013 an im öffentlichrechtlichen Fernsehen gezeigt, so das ZDF. Der Sender hat sich die TV-Rechte für drei Jahre gesichert. 8.: Bei der Verleihung des Deutschen Filmpreises wird das Roadmovie „Vincent will Meer“ von Ralf Huettner als bester Film ausgezeichnet. Hauptdarsteller Florian David Fitz wird als bester Schauspieler geehrt. 11.: In einer U-Bahnstation in Minsk (Weißrussland) explodiert eine Bombe und tötet 15 Menschen. Die Regierung des autoritären Präsidenten Alexander Lukaschenko beschuldigt Oppositionelle als Drahtzieher. Zwei Beschuldigten droht die Todesstrafe. 15.: Psychisch kranke Straftäter dürfen nicht gegen ihren Willen behandelt werden. Eine medizinische Zwangsbehandlung ist nach Auffassung des Bundesverfassungsgerichts nur als letztes Mittel und unter strengen Voraussetzungen zulässig. 18.: Die rechtsnationale ungarische Fidesz-Partei beschließt mit ihrer Zweidrittelmehrheit im Parlament eine neue Verfassung. Konservative Werte werden zum Maßstab des EU-Landes, Ministerpräsident Viktor Orban erhält mehr Macht. 19.: Reiner Haseloff wird als Nachfolger von Wolfgang Böhmer (beide CDU) zum neuen Ministerpräsidenten von Sachsen-Anhalt gewählt. Nach der Landtags-

Piraten entern die Berliner Politik

Einer der Oberpiraten: Christopher Lauer während einer Islandreise Fotos (2): dpa

 Ein Gespenst geht um in Deutschland – das Gespenst der Piratenpartei. Doch was mit einem Sensationserfolg bei der Berliner Abgeordnetenhauswahl begann, bei der die politischen Newcomer 8,9 Prozent der Stimmen holten, hat in den vergangenen Monaten ein wenig an Charme verloren. Es sind die Mühen der Ebene, die den Nachwuchspolitikern zu schaffen machen. Angetreten sind sie, um für die Freiheit des Internets zu kämpfen und um Politik – auch mit Hilfe von Übertragungen im Netz – transparenter zu machen. Keine Kungeleien in Hinterzimmern sollte es mehr geben, alle politischen Entscheidungen sollten

für die Öffentlichkeit nachvollziehbar sein. Gewiss ein ehrenwertes Ziel. Doch als es ernst wurde und die Sitzungen der Piraten-Fraktion live im Internet gesendet werden sollten, streikten einige der frisch Gewählten. Denn, so die Argumentation der Pragmatiker um Christoph Lauer, wenn wir diskutieren und dabei auch mal streiten, dann muss das doch nicht gleich die ganze Welt mitbekommen. Immerhin: Man einigte sich auf einen Kompromiss – was vernünftig, aber auch irgendwie langweilig ist. Und für manche den ersten Schritt auf dem Weg zur Anpassung bedeutet.

Dann gab es noch Zank in der Frage, wer in welches Büro im Abgeordnetenhaus ziehen darf; ein eingeschaltetes Mediatorenteam musste helfen. Die Fortbildungsreise nach Island wollten sich einige aus der Fraktionskasse bezahlen lassen – was nicht gestattet ist. Und es stellte sich heraus, dass ein 16-jähriger Jungpirat im Internet kompromittierendes Material über seine Parteifreunde gesammelt und sie damit zu erpressen versucht hat. Das Abgeordnetenhaus haben die Freibeuter geentert. Wie sie allerdings mit dem ganz normalen politischen Wahnsinn zurechtkommen, müssen sie noch zeigen.  Michael Gabel

wahl vom März hatten CDU und SPD die Fortsetzung ihrer Koalition vereinbart. 26.: Bei einer Attacke auf das Playstation-Netzwerk und andere Dateien von Sony haben Hacker Daten von weltweit etwa 75 Millionen Nutzern erbeutet – möglicherweise auch Kreditkartennummern. Das Spiele-Netzwerk ist wochenlang außer Betrieb. 28.: In einem Café in Marokkos Touristenhochburg Marrakesch explodiert eine Bombe und reißt 17 Menschen in den Tod. Im Oktober wird ein Marokkaner wegen des Anschlags zum Tode verurteilt.


Das war 2011 – Aus aller Welt

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Jahreswechsel 2011/2012

Alkohol, Drogen – und großartiger Pop

Mai 1.: Sechs Jahre nach dessen Tod von Johannes Paul II. spricht Papst Benedikt XVI. seinen Vorgänger als „ehrwürdigen Diener Gottes“ selig. Johannes Paul soll auf wundersame Weise eine französische Nonne geheilt haben. 4.: Das Bundesverfassungsgericht erklärt alle Vorschriften zur Sicherheitsverwahrung von Straftätern für verfassungswidrig. Bis 2013 muss der Gesetzgeber eine neue Regelung finden. 5.: Der letzte männliche Veteran des Ersten Weltkriegs ist tot. Der gebürtige Brite Claude Choules, der seit Jahrzehnten in Australien lebte, stirbt mit 110 Jahren in Perth. 9.: Die erste gesamtdeutsche Volkszählung beginnt. Auskunft müssen zehn Prozent zufällig ausgewählte Einwohner, alle Immobilienund Wohnungsbesitzer sowie Bewohner von Gemeinschaftsunterkünften geben. Im Herbst 2012 sollen erste Ergebnisse vorliegen. 13.: Mit der Wahl von Philipp Rösler in Rostock zum Parteichef hofft die FDP auf neuen Schwung. Rösler folgt auf Guido Westerwelle, unter dem die Liberalen in eine schwere Krise geraten waren. 14.: Beim Eurovision Song Contest in Düsseldorf reicht es für Lena mit „Taken By A Stranger“ nur für Platz 10. Gewinner sind Ell und Nikki aus Aserbaidschan. 18.: Verteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) nennt Eckpunkte für die Bundeswehrreform: Die Truppe soll auf eine Freiwilligenarmee von maximal 185 000 Soldaten schrumpfen. 26.: Nach 15 Jahren auf der Flucht wird der mutmaßliche Kriegsverbrecher Ratko Mladic gefasst und von der serbischen Regierung an das Tribunal in Den Haag ausgeliefert. Im Anfang Juli begonnenen Prozess wird dem „Schlächter vom Balkan“ insbesondere das Massaker von Srebrenica 1995 vorgeworfen. 31.: Der Wettermoderator Jörg Kachelmann wird vom Vorwurf der Vergewaltigung einer Ex-Freundin freigesprochen. Nach dem Grundsatz „im Zweifel für den Angeklagten“ beendet das Landgericht Mannheim einen neunmonatigen spektakulären Prozess.

MOZ

Augen auf, Ohren zu: Prinz William und seine frisch Vermählte Catherine auf dem Balkon des Bucking­ham Palastes. Dem Blumenmädchen Grace (l.) wurde der Trubel zu laut. Fotos (4): dpa

Krönung einer Liebe Der britische Prinz William und Kate Middleton feiern Traumhochzeit  „Wir wollten hier eigentlich nur eine kleine Familienangelegenheit regeln“, witzelte der Bräutigam mit seinem Schwiegervater in spe, bevor seine Braut in ihrem weißen Kleid von Sarah Burton in die Londoner Westminster Abbey schritt. Es sollte ein wenig die Aufregung nehmen, denn in der Krönungskirche wurden sie an diesem 29. April 2011 von 1900 Gästen beobachtet, draußen vor den mächtigen Türen jubelten Hunderttausende, und auf den Bildschirmen der Welt sahen Hunderte Millionen Menschen zu. Solch eine prunkvolle Hochzeit wie diese hatte das britische Königshaus seit fast 20 Jahren nicht mehr erlebt: So wie einst 1981 Diana Spencer und Thronfolger Charles die Welt in ihren Bann zogen, waren es an diesem 29.  April ihr Sohn, Prinz

William, Spross des Herrscherhauses Windsor, und Catherine­ Middleton, genannt Kate, die vor der feierlichen Kulisse den Bund fürs Leben schlossen. Er, der 28-jährige Enkel der Queen, lange Jahre als begehrtester Junggeselle der Welt bezeichnet, und Kate, ein halbes Jahr älter, Tochter einer Mittelklassefamilie, die mit Partyartikeln Millionen verdient hatte, waren bereits seit neun Jahren mal mehr, mal weniger eng zusammen. Sie hatten sich beim Studium im schottischen St. Andrews kennengelernt. Und nun – die Krönung ihrer Liebe. In einer offenen roten Kutsche fuhren sie nach dem Ja-Wort zum Buckingham-Palast, wo sie sich auf dem Balkon dem Volk zeigten. Der Kuss geriet allerdings zu einer Enttäuschung – wie so oft bei königlichen Hochzeiten. Den

Oskar & Sahra in Love

Zwei Spitzen der Linken finden zueinander  Die Nachricht war ein Pau- als politischer Förderer der kenschlag: Oskar Lafontaine stramm linken Wagenknecht. (68), ehemaliger Parteichef Beide leben von ihren Ehepartder Linken, stellte beim Lan- nern getrennt.  (kg) desparteitag der Saar-Linken seine neue Lebensgefährtin vor: Sahra Wagenknecht (42). Die gebürtige Jenaerin war wenige Tage zuvor zur Vizefraktionschefin im Bundestag gewählt worden. Polit-Paar: Sahra Wagenknecht und Oskar Lafontaine gilt Lafontaine. 

Rekord hält das holländische Prinzenpaar Willem-Alexander und Maxima. Sie küssten sich im Jahr 2002 ganze 5,3 Sekunden lang. Im britischen Königshaus gelten da strengere Vorschriften. Prinz William gestand seiner Angetrauten gerade einmal eine halbe Sekunde zu – die royalen Fans stoppten die Zeit mit. Die Hochzeitsreise führte die beiden zwei Wochen später auf die Seychellen. Ihr Domizil haben die beiden derzeit in einem Haus auf der walisischen Insel Anglesey, wo William als Rettungshubschrauberpilot der Royal Air Force stationiert ist. In London steht ihnen der Kensington Palast zur Verfügung. Dort hatte der Prinz bereits nach der Trennung seiner Eltern mit seinem Bruder Harry und seiner Mutter Diana gewohnt.  Stefan Kegel

 Sie muss es gewusst oder zumindest geahnt haben. In ihrem größten Hit „Rehab“ sang Amy Winehouse: „Sie wollten mich in die Entzugsklinik bringen. Ich sagte Nein, Nein, Nein.“ Und weiter: „Ich habe noch 70 Tage ...“ Es wurden dann doch ein paar mehr. Aber am 23. Juli dieses Jahres starb die britische Musikerin mit 27 Jahren. 4,16 Promille Alkohol wurde in ihrem Blut gefunden. Eine tödliche Dosis. Die Drogenkarriere der Sängerin – sie nahm auch Heroin und Kokain – überlagerte gegen Ende ihres Lebens völlig ihre Karriere als Künstlerin. Denn das war sie: eine großartige Künstlerin, die mit ihren Alben „Frank“ (2003) und „Back to Black“ (2006) und ihrer rauchig-jazzigen Stimme Popgeschichte schrieb. 2008 erhielt sie dafür gleich fünf Grammys. Wieso die Frau mit der Bienenkorb-Frisur so auf Abwege geriet, darüber lässt sich nur spekulieren. Aber sicherlich spielte die gescheiterte Ehe mit dem ebenfalls drogenabhängigen Blake FielderCivil eine Rolle. Vier Monate nach ihrem Tod erschien mit „Lioness: Hidden Treasures“ ein weiteres Winehouse-Album. Es sprang sofort an die Spitze der Charts.  (mg)

Amy Winehouse (1983 – 2011)

Letzter Start

US-Raumfahrt verzichtet auf Space Shuttles  Ausgerechnet der Start der Raumfähre mit dem prophetischen Namen „Atlantis“ – nach der sagenhaften untergegangenen Luxusinsel – war der letzte. Die USA haben ihr Programm der wiederverwendbaren Space Shuttles wegen hoher Kosten beendet. 209 Milliarden Dollar sind seit dem Beginn im Jahre 1981 hineingeflossen. Zwei der fünf Shuttles stürzten in dieser Zeit ab: Bei der „Challenger“Katastrophe im Jahr 1986 fanden sieben Astronauten wenige Sekunden nach dem Start den Tod, 17 Jahre später explodierte das Shuttle „Columbia“ während des Landeanfluges. Auch

hier starben alle sieben Astronauten. Die Hoffnungen der US-Raumfahrtbehörde NASA ruhen nun auf privaten Investoren. Mehrere Milliardäre und Unternehmen wie Space X stehen Schlange, um bemannte Flugkörper ins Weltall schießen zu können. Bis die Gefährte Marktreife erlangt haben, fungiert das russische Raumfahrtprogramm als Alternative, um Weltraumfahrer und Nachschub auf die Internationale Raumstation ISS zu bringen. Auch die Europäer und die Chinesen arbeiten an Raumschiffen, um diese Lücke zu füllen.­ (kg)


MOZ Jahreswechsel 2011/2012

Das war 2011 – Aus aller Welt

7 Juni

Helfer: Der deutsche Auswanderer Marcel Gleffe rettete einige Flüchtende von der norwegischen Insel Utoya. 69 Jugendliche kamen dort im Juli ums Leben, als Attentäter Anders Breivik um sich schoss. Die Trauer ist unermesslich groß. Fotos (2): dpa

Insel der Trauer

Anders Breivik lässt eine Bombe in Oslo explodieren und erschießt dann 69 junge Menschen  Er ist das deutsche Gesicht eines furchtbaren Schreckens. Marcel Gleffe war mit seinem Boot vor der norwegischen Insel Utoya, als Massenmörder und Islamhasser Anders Behring Breivik im Juli auf Menschenjagd ging. Gleffe half 20 flüchtenden Jugendliche aus dem kalten Wasser, während Breivik um sich schoss. In Deutschland wird aus seinen Erlebnissen eine Heldengeschichte gemacht, er bekommt unter anderem das Bundesverdienstkreuz. Doch Greffe leidet unter dem Erlebten, ist traumatisiert, kann seinen Job nicht mehr ausüben. „Wenn es diesen Tag bloß nicht gegeben hätte“, sagt er voller Trauer und schmerzhafter Bilder. Diesen Tag hatte Massenmörder Anders Behring Breivik schon seit zwei Jahren geplant.

Schwieriger Nachweis: Es dauert einige Zeit, bis die Mediziner wissen, mit welchem Erreger sie es zu tun haben. Foto: dpa

Zur Erklärung seiner Taten hatte dauerte das Massaker dort, Breier ein Manifest verfasst mit dem vik ging durch das Gelände und Titel „Zur Rettung Europas vor schoss auf die Jugendlichen. dem Kulturmarxismus und der Viele Flüchtende sprangen ins Islamisierung“. Am 22. Juli dann kalte Wasser und versuchten fuhr er zuerst ins Regierungs- sich so zu retten. 69  überlebviertel von Oslo und ließ dort ten das Attentat nicht. Breivik ereine Autobombe gab sich noch auf explodieren. Acht der Insel der PoliNorwegen will Menschen kazei und sitzt seitauf das Attentat men dabei ums her in Haft. Erst Leben, viele Ge- mit mehr Offenheit kürzlich erklärbäude, darunter ten ihn Gutachantworten der Amtssitz des ter für unzurechnungsfähig. norwegischen MiIn Norwegen wurde nach der nisterpräsidenten Jens Stoltenberg, wurden beschädigt. Tat eine Staatstrauer ausgerufen Dann fuhr er zum 40 Kilo- – und gleichzeitig der Entschluss meter entfernten Tyrifjord und gefasst, Stärke gegenüber Extresetzte in Polizeiuniform auf die mismus zu zeigen und die libeInsel Utoya über, wo ein Ferien- ralen Werte des skandinavischen lager der sozialdemokratischen Staates zu verteidigen. Das Land Jugendorganisation AUF statt- will mit noch mehr Offenheit fand. Anderthalb Stunden lang und Demokratie auf die Blut-

tat antworten. Die Bevölkerung werde sich verteidigen, indem sie zeige, dass sie keine Angst vor Gewalt habe, kündigte Ministerpräsident Stoltenberg mit bewegenden Worten an. Doch die Wunden in Norwegen sind tief und der Mörder noch nicht verurteilt.  Caroline Strang

Massenmörder: Anders Behring Breivik Foto: dapd

Gefährliche Sprossen Der Darmkeim EHEC löst eine Epidemie mit 4000 Erkrankten aus  Jeder Salatkopf, jede Gurke, jede Tomate war plötzlich gefährlich. Im Frühsommer grassierte in Deutschland die Angst vor dem EHEC-Erreger. 4000 Menschen erkankten an dem Darmkeim, 53 davon so schwer, dass sie starben. Manche der Patienten, die die Infektion überstanden haben, leiden noch immer unter Spätfolgen wie Bauchschmerzen, Konzentrationsstörungen, Ängsten. Ihren Anfang nahm die Epidemie im Mai in Norddeutschland. Dutzende Menschen mit starkem Durchfall mussten in die Kliniken eingewiesen werden. Darunter waren auffällig viele Frauen. Mediziner und

Wissenschaftler hatten schnell Rohkost im Verdacht – nur welches Gemüse trug die Keime? Ein großes Orakeln begann. Die Infektionswächter des RobertKoch-Instituts in Berlin (RKI) warnten vor Gurken, Tomaten und Salat. Die meisten Deutschen ließen die Finger davon – und die Gemüsebauern konnten ihre Ernten wegwerfen. Doch dieses Gemüse wurde zu Unrecht verdächtigt. Erst nach wochenlangem Suchen konnte ein Biohof in Niedersachsen als Quelle der Infektion ermittelt werden. Sprossen, die dort gezüchtet wurden, waren belastet. Wie sich später herausstellte, waren die dafür aus Ägypten

importierten Samen verseucht. Nachdem die Quelle gefunden war, ebbte die Epidemie rasch wieder ab. Gebannt ist die Gefahr nicht, sagen Experten: Der Spuk kann jederzeit von Neuem losgehen. Mediziner rechnen damit, dass alle paar Jahre ein riskanter EHEC-Erreger auftritt. Das Berliner Robert-KochInstitut mahnt höheren Forschungsbedarf an: Es gibt noch immer keinen Test, der den Keim schnell identifiziert. Auch Bürokratismus der Bundesländer hatte sich als Problem herausgestellt. Die Experten des Robert-Koch-Instituts wurden zu spät informiert. Eine Lehre für die nächste Krise.  Ina Matthes

1.: Ungeachtet von Turbulenzen und Bestechungsvorwürfen gegen führende Mitglieder des Weltfußballverbands Fifa wird Joseph Blatter in Zürich als Präsident wiedergewählt. 3.: In Hamburg richten 1600 ungebetene Gäste schwere Verwüstungen rund um das Elternhaus einer 16-Jährigen an. Das Mädchen hatte auf Facebook zu seiner Geburtstagsfeier eingeladen. Auch in Wuppertal und bei Fürth muss die Polizei gegen derartige Sausen einschreiten. 7.: US-Präsident Barack Obama zeichnet Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) mit der amerikanischen Freiheitsmedaille aus. Sie sei eine „Stimme für Menschenrechte und Würde weltweit“. 9.: Der Bundestag beschließt ein Paket von 35 Steuervereinfachungen. Darin geht es um Freibeträge, Kinderbetreuungskosten, Kindergeld und Entfernungspauschale. Die Länder stimmen nach einem Vermittlungsverfahren zu. 12.: Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan und seine islamisch-konservative AKP gewinnen die Mehrheit der Parlamentssitze, verpassen jedoch die Zweidrittelmehrheit. Damit hätte Erdogan im Alleingang eine Verfassungsreform hin zu einem starken Präsidialsystem durchbringen können. 15.: Eine totale Mondfinsternis spielt sich in den meisten Teilen Deutschlands hinter Wolken ab. Die längste Mondfinsternis seit mehr als zehn Jahren beginnt gegen 20.30 Uhr. 25.: Fünf deutsche Buchenwälder und eine von Walter Gropius entworfene Schuhleistenfabrik bei Hannover werden Unesco-Welterbe. Zwei Tage später folgt der Nationalpark Hamburgisches Wattenmeer.

30.: Familienministerin Kristina Schröder wird als erste Bundesministerin während ihrer Amtszeit Mutter. Sie bringt in Berlin ihr erstes Kind zur Welt, eine Tochter namens Lotte Marie.


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Das war 2011 – Wirtschaft

Jahreswechsel 2011/2012

MOZ

Genialer Guru

Steve Jobs veränderte mit seinen Apple-Produkten das Leben vieler Menschen weltweit – er starb mit 56 Jahren an Krebs  Apple-Chef Steve Jobs hat nicht nur die Computerwelt entscheidend beeinflusst, sondern mit seinen Innovationen auch die Musik- und Filmindustrie und die Mobilfunk-Branche umgekrempelt. Dafür bekommt er im Februar 2012 einen Grammy – posthum. Jobs war am 5. Oktober 2011 nach langem Kampf gegen eine Krebserkrankung im Alter von 56 Jahren gestorben. Jobs habe „Produkte und Technologien erschaffen, die die Art und Weise verändert haben, wie wir Musik, Fernsehen, Filme und Bücher konsumieren“, erklärten die Verantwortlichen des wichtigsten Preises der US-Musikindustrie. Dabei war die Skepsis zunächst groß: Als Jobs 2007 der Welt das iPhone vorstellte, und verkündete: „Apple hat das Telefon neu erfunden“, vermochte sich niemand den Siegeszug der Smartphones vorstellen. An Selbstbewusstsein und Gespür, dass seine Produkte die Welt verändern, hat es dem Mann mit dem schwarzen Rollkragenpullover aber nie gefehlt. Mit den coolen Produkten, die den Apfel als Markenzeichen tragen, schrieb Jobs, von vielen Fans als Guru vergöttert, nicht nur eines der faszinierendsten Kapitel der modernen Wirtschaftsgeschichte. Mit den Apple-Rechnern, dem iPod und vor allem dem iPhone und dem iPad trieb er die Internet-Revolution voran wie kaum ein anderer. Den Kampf gegen den Krebs aber hat er verloren. „Die Welt hat einen faszinierenden Menschen verloren“, würdigte Apple seinen Mitbegründer. „Steve lässt ein Unternehmen zurück, wie nur er es aufbauen konnte und das immer in seinem Geiste arbeiten wird.“ Das beeindruckendste Kompliment kam von Microsoft-Gründer Bill Gates, mit dem sich Steve Jobs ein halbes Leben lang im Wettbewerb gegenüberstand: „Die Welt sieht

Beginn des Smartphone-Siegeszuges: Steve Jobs bei der iPhone-Vorstellung 2007 in San Francisco selten jemanden, der so tiefgreifende Spuren hinterlassen hat wie Steve. Die Auswirkungen werden noch für viele kommende Generationen zu spüren sein.“ Jobs, der als Adoptivkind in Kalifornien aufwuchs, entwickelte früh ein Interesse für Computertechnik. Obwohl sich seine Eltern das College nicht leisten konnten, ging er zu Uni, um sich dort mit schönen Künsten und Kalligraphie zu beschäftigen. An der Universität hielt er es aber nicht einmal ein Jahr aus. Stattdessen heuerte er beim Videospiele-Hersteller Atari an, nebenbei entwickelte er Interesse für Buddhismus. Mit seinem Freund Steve Wozniak hob er 1976 die Firma Apple aus der Taufe. „Woz“ war das Genie hin-

ter der Entwicklung der ersten Apple-Computer, Jobs setzte die Vision in die Wirklichkeit um. Der erste Apple-Rechner wurde in der Garage von Jobs‘ Eltern entwickelt. Ziel war es, PC-Rechner so zu gestalten, dass sie für den Benutzer einfacher zu bedienen sind. Bis zuletzt war dies eines der ganz großen Apple-Erfolge: Die Geräte sehen nicht nur ästhetisch aus – sie sind auch einfach zu handhaben. Der Erfolg der ersten AppleComputer machte Jobs schnell zum Millionär – doch sein steiler Aufstieg fand ein abruptes Ende. 1984 stellte er noch triumphal den Apple Macintosh vor, den ersten erfolgreichen Computer mit einer grafischen Bedienungsoberfläche. Doch im Jahr darauf wurde er nach ei-

nem Strategiestreit und geschäftlichen Problemen aus seiner Firma gedrängt. Mit dem Geld aus den verkauften Apple-Aktien baute er das Unternehmen NeXT auf. Und er kaufte dem in Finanzsorgen steckenden Filme-Macher George Lucas die Computergrafik-Abteilung ab, aus der später das Animationsstudio Pixar entstand. Nach dem ersten BlockbusterErfolg mit „Toy Story“ ging Pixar an die Börse – und Steve Jobs wurde zum Milliardär. Als Apple 1997 vor dem Ruin stand, wurde der geschasste, aber geniale Mitbegründer zurückgeholt. Nach seinem Comeback behielt er die Zügel fest in der Hand und setzte seine Visionen gegen alle Zweifel durch – selbst wenn ihm das zuweilen

Foto: dpa

den Vorwurf einbrachte, eigenwillig und diktatorisch zu agieren. 2001 brachte Apple den iPod auf den Markt, baute im Nachgang den Online-Shop iTunes auf – und revolutionierte die Art, Musik zu hören und zu kaufen. 2007 kam das iPhone – wieder ein Welterfolg. Dann folgte das iPad, erneut ein Megaseller. Der wirtschaftliche Höhenflug wurde von Gesundheitsproblemen gestört. 2004 wurde Jobs ein Tumor in der Bauchspeicheldrüse entfernt. 2009 nahm Jobs für ein halbes Jahr eine krankheitsbedingte Auszeit – er erhielt in dieser Zeit eine Spenderleber. Ende August 2011 zog er sich aus der Apple-Führung zurück – Anfang Oktober verlor die Welt einen der erfolgreichsten Unternehmer.  (dpa)

Dunkle Wolken über der Solarbranche

First Solar stockt die Produktion in Frankfurt (Oder) auf – Conergy reduziert die Fertigung

Das Image hat gelitten: Polieren allein hilft bei Conergy in Frankfurt (Oder) nicht. Foto: dpa

 Gegensätzlicher können Nachrichten kaum sein: Während First Solar 2011 seine Fertigung in Frankfurt (Oder) verdoppelte, nahm Conergy Abschied von der integrierten Fertigung, gab die Wafer- sowie Zellfertigung auf – und halbierte die Beschäftigtenzahl. Und das, wo die Branche jahrelang nur eine Richtung kannte: nach oben. Auch und gerade in Brandenburg, wo sich Frankfurt zur „Solarhauptstadt“ mauserte. 15 000 Beschäftigte im Bereich der erneuerbaren Energien gibt es im Land, davon 4500 in Solarbetrieben. 40 Prozent aller deutschen Solarmodule kommen aus

der Hauptstadtregion – bisher zumindest. Nun hat Conergy unzweifelhaft diverse Probleme selbst verschuldet. Doch die ganze deutsche Solarbranche steckt in massiven Schwierigkeiten. Weil die chinesische Konkurrenz nicht nur billiger, sondern längst auch sehr gut ist. Der Anteil deutscher Hersteller am Weltmarkt sank binnen sechs Jahren von 69 auf 21 Prozent. 60 Prozent der Gewinne fließen nach China – acht Prozent nach Deutschland. Einst wohlklingende Namen wie Q-Cells sind schwer gefährdet, Solon musste 2011 aufgeben.

Deutschland war bei der Solarenergie zwar besonders schnell. Und hat viele Arbeitsplätze geschaffen. Zu verdanken waren die aber einer großzügigen Förderung durch Steuerzahler und Stromkunden. Doch die goldenen Zeiten sind vorbei, die Subventionen sinken. Zu Recht. Denn die Förderung der Photovoltaik bringt in unseren Breiten viel weniger Stromertrag als etwa bei der Windkraft – bei gleichzeitig viel höheren Kosten. Die für viele Verbraucher längst an der Grenze des Erträglichen angekommen sind. Die Solar-Krise weist zudem nochmals auf ein grundsätzli-

ches Problem der Brandenburger Wirtschaft hin: Sie ist bei großen Produktionsstätten von verlängerten Werkbänken geprägt. Forschung und Entwicklung finden zumeist anderswo statt. Das macht abhängig von Entscheidungen und Entwicklungen in der Ferne. Und wo man, wie in Frankfurt mit dem IHP in der Mikroelektronik, hervorragende Forschung hat, fehlt die Fertigung. Die sollte einst dort stattfinden, wo heute Conergy seine Produktion reduziert. Die märkische Industrie steht, allen Ansiedlungserfolgen zum Trotz, längst noch nicht auf eigenen Füßen.  Hajo Zenker


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Das war 2011 – Aus aller Welt

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Auf und Ab in den Führungsetagen Langjährige Manager scheitern – und eine Frau schafft es an die Spitze des Internationalen Währungsfonds  Das Leben ist voller Überraschungen – auch in der Wirtschaft, auch in den obersten Etagen. Ein Überblick über Gewinner und Verlierer.

GEWINNER MARK ZUCKERBERG: Während in großen Teilen der Wirtschaftswelt gedrückte Stimmung herrscht, geht es für Facebook und den 27-jährigen Firmengründer nur nach oben. Mehr als 800 Millionen Mitglieder, Milliardenumsätze – selbst die ständigen Attacken von Datenschützern scheinen am weltgrößten Online-Netzwerk abzuprallen. Im kommenden Jahr dürfte der Studienabbrecher unter die reichsten Menschen der Welt kommen. Wenn die Gerüchte über den angestrebten Börsenwert stimmen, wird er mehr als 24 Milliarden Dollar auf die Waage bringen. CHRISTINE LAGARDE: Mit dem Fall von Dominique StraussKahn schlug die Stunde der 55-jährigen Finanzexpertin. Sie wurde zur ersten Frau an der Spitze des Internationalen Währungsfonds (IWF) – so wie sie zuvor als erste Anwältin die Führung einer der größten USKanzleien übernahm und die erste Finanz- und Wirtschaftsministerin Frankreichs war. Als Anwältin sammelte sie bereits internationale Erfahrung, wertvolle Kontakte und Verhandlungsgeschick. Zudem spricht sie makelloses Englisch. HARTMUT MEHDORN: Als Bahnchef zählte er zu den unbeliebtesten deutschen Unternehmenslenkern, mit 69 Jahren erlebte der einstige Airbus-Ma-

Mark Zuckerberg 

Foto: dpa

nager ein überraschendes Comeback. Im September 2011 übernahm Mehdorn die Führung der zweitgrößten deutschen Fluggesellschaft Air Berlin nach dem Abgang von Gründer Joachim Hunold. Und zum Jahresende konnte Mehdorn eine gute Nachricht präsentieren – den Einstieg von Etihad. Die Gesellschaft hat, da im Besitz der Herrscherfamilie von Abu Dhabi, das Geld, das Air Berlin bisher fehlte. SERGIO MARCHIONNE: Als der hemdsärmelige Manager 2004 an die Spitze von Fiat vorrückte, sah es nach einem Himmelfahrtskommando aus: Sinkende Verkäufe, Qualitätsprobleme, Ärger mit Gewerkschaften. Der 59-Jährige schaffte es aber nicht nur, mit harter Hand den italienischen Traditionskonzern aus der Krise zu führen, sondern sanierte nebenbei auch noch den amerikanischen Pleite-Konzern Chrysler, den Schwächsten der

Ungeliebt und eher selten genommen: E10

Christine Lagarde 

Foto: AFP

drei großen der US-Autobauer. Das machte ihn zu einem Hoffnungsträger der schwächelnden Autobranche.

VERLIERER RUPERT MURDOCH: Jahrzehntelang baute der Australier ein beispielloses Medienimperium auf, jetzt muss der 80-Jährige weitgehend hilflos zusehen, wie der Abhörskandal um britische Boulevardzeitungen sein Lebenswerk in Gefahr bringt. Die Übernahme des Fernsehanbieters BSkyB musste Murdoch bereits abblasen, sein Sohn James scheint als Kandidat für die Spitze der News Corp. irreparabel beschädigt, der Skandal geht immer tiefer. LEO APOTHEKER: Fulminant bei zwei Weltunternehmen zu scheitern, ist ein hartes Los. Sowohl beim deutschen Software-

Herbert Lütkestratkötter  Foto: dapd

Joachim Hunold 

Riesen SAP als auch beim weltgrößten PC-Hersteller Hewlett Packard war Léo Apotheker als Reformer angetreten. Und stets ging der 58-Jährige im Streit. Bei SAP soll er Mitarbeiter und Kunden mit seiner rauen Art verärgert haben. Bei HP riss er den mit einem Konzernumbau den Aktienkurs in die Tiefe. Apothekers Plan, das PC-Geschäft wieder abzustoßen, wurde von Nachfolgerin Meg Whitman rückgängig gemacht.

siderhandels-Skandal um den Hedgefonds Galleon fiel. Gupta soll Galleon-Gründer Raj Rajaratnam Firmengeheimnisse verraten haben.

RAJAT GUPTA: Der Mann aus Indien war ganz oben: Zehn Jahre lang Chef der einflussreichen Unternehmensberatung McKinsey, er saß im Verwaltungsrat des Wall-Street-Juwels Goldman Sachs und des Konsumgüterriesen Procter & Gamble. Rajat Gupta hatte alles – doch offenbar nicht genug. Die Karriere des 62-Jährigen als angesehener Fachmann endete abrupt, nachdem sein Name im In-

Foto: dpa

JOACHIM HUNOLD: Größe ist nicht alles. Das musste Joachim Hunold erkennen, der aus einem kleinen Ferienflieger die zweitgrößte deutsche Airline machte. Aber dafür nicht nur einen gewaltigen Schuldenberg anhäufte, sondern mit Air Berlin permanent rote Zahlen einflog. Der 62-Jährige räumte schließlich den Platz am Steuer. HERBERT LÜTKESTRATKÖTTER: Monate hatte sich der Vorstandschefs des größte deutschen Baukonzerns Hochtief mit aller Kraft gegen die Übernahme durch den spanischen ACS-Konzern gestemmt – und schließlich verloren. Der neue Großaktionärs sorgte für den Abgang des 60-Jährigen. (dpa/moz)

Aufreger an der Tankstelle Das neue Superbenzin E10 führte zu einem Käuferstreik

Foto: dpa

 Ein Aufreger für Autofahrer waren 2011 einerseits die einmal wieder besonders hohen Spritpreis – was besonders für Diesel-Fahrer schmerzlich spürbar wurde. Wer aber Superbenzin tankt, hatte es plötzlich an der Tankstelle mit E10 zu tun, also Superbenzin mit einem Anteil von zehn Prozent Bioethanol. Ein Benzin, das drei Millionen Autos nicht vertragen, das aus Lebensmitteln Sprit macht und für Mehrverbrauch sorgt. Das führte zu Kaufverweigerung, einem Ansturm auf Super Plus und absurd hohen Preisen, von denen der Staat profitiert: Mit höheren Mineralölsteuereinnahmen, weil Super E5 und Super Plus teurer als E10 sind. Und durch Strafzahlungen, die die Konzerne zahlen müssen,

weil sie die von der Regierung beschlossene Bioethanolquote nicht erfüllen. Die Branche bekam Logistikprobleme, weil E10, das zur Hauptsorte werden sollte, in großen Tanks vor sich hin träumte und das einst verpönte Super Plus, mit kleinen Vorräten an der Tankstelle, Verkaufsschlager wurde. Weshalb im Frühjahr einige Tanks an einigen Stationen stundenlang leer waren. Die Mineralölkonzerne, denen die politische Vorgabe nicht schmeckte, hatten zum Jahresanfang quasi die Information der Kunden verweigert. Und die ungeliebte E10-Einführung dazu genutzt, Zusatzprofite einzufahren. Als der Käuferstreik aber unerwartete Ausmaße annahm, reagierte die Branche so

konfus, dass die Autofahrer zusätzlich verunsichert wurden. Denn die hatten zumindest eines begriffen: Schon einmaliges Befüllen eines Wagens, der kein E10 verträgt, kann zu schweren Schäden führen. Auch wenn die meisten Modelle den Sprit problemlos vertragen. Mittlerweile hat sich alles eingespielt. E10, weit entfernt von geplanten Absatzmengen, ist nun bundesweit zu haben – gleichzeitig aber kann man das zunächst auch in Brandenburg verschwundene alte Superbenzin E5 wieder überall bekommen – gemeinhin für drei Cent pro Liter mehr als E10. In Österreich übrigens soll es 2012 ebenfalls mit E10 losgehen. Der Widerstand formiert sich schon.  Hajo Zenker


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Leidenschaftlicher Sternfahrer

Es muss sich etwas bewegen

Feuerwehrmann Wolfgang Welenga  Frankfurt (Oder) Man stelle sich vor, es brennt – und niemand kommt , um das Feuer zu löschen. Kein Albtraum für Wolfgang Welenga, gelernter Schlosser aus Kliestow, einem Ortsteil von Frankfurt (Oder). Der Mann mit dem kräftigen Händedruck ist seit Jahrzehnten nicht nur Chef der Freiwilligen Feuerwehr in seinem Dorf. Er arbeitet zugleich auch ehrenamtlich als Vorsitzender des Stadtfeuerwehrverbandes mit insgesamt 550 Mitgliedern. Blickt Welenga, der jetzt Berufsfeuerwehrmann ist, auf die zurückliegenden 365 Tage zurück, kommt ihm ein Ereignis in den Sinn, das er mit „unvergessen“ bezeichnet. Gemeint ist nicht sein 60. Geburtstag Ende Juni. Oder mancher FeuerwehrEinsatz bei Havarien, Unfällen und Bränden. Nein, unvergessen bleibt Welenga und tausenden Feuerwehrleuten aus nah und fern der Monatsanfang Juni.  Damals, am 5. Juni, ging mit einem Festgottesdienst in der Marienkirche und einer feierlichen Abschlussveranstaltung auf der Stadtbrücke die 19. Internationale Feuerwehrsternfahrt in Frankfurt (Oder) und Slubice mit annähernd 4000 Feuerwehrleute aus 17 Ländern zu Ende. Frankfurt war nach Einschät-

Stiftung gegen soziale Not  Panketal Wenn Sigrun Pilz in Panketal (Barnim) unterwegs ist, dann meist im Interesse älterer Menschen. Dabei hat sie festgestellt: „Altersarmut ist längst mitten unter uns angekommen.“ Deshalb kam sie auf die Idee, eine soziale Bürgerstiftung zu gründen. In der Gemeinde fand sie dafür eine große Mehrheit, sie wurde beschlossen. Für Menschen jeden Alters, die in Not sind und für die keine andere Institution aufkommt, soll die Stiftung einspringen.  (fos)

Sigrun Pilz: Initiatorin der Panketaler Sozialstiftung  Foto: MOZ/Sergej Scheibe

zung des Österreichers Heinz Kernjak, Generalsekretär der Internationalen Feuerwehrsternfahrt-Organisation, „ein sehr guter Gastgeber.“ Erstmals in der Geschichte dieser 36-jährigen Sternfahrt hatten sich Feuerwehrleute aus ganz Europa und den USA unter dem Motto „Zwei Länder – zwei Städte – eine Sternfahrt“ vereint. Kernjak lobte am Ende des Großereignisses mit Einsatzübungen und Sportveranstaltungen, der Vorstellung von Feuerwehrtechnik, einer Oldtimer-Rundfahrt mit abschließendem Festumzug und viel Spaß und Musik Wolfgang Welenga, den Vize-Organisationschef dieses Stelldicheins. Der „regierte“ nicht nur vom Org.-Büro der Sternfahrt am Sitz des Amtes für Katastrophenschutz und Rettungswesen aus. Welenga war überall. Er kümmerte sich. Und wenn’s nur um Details zur geplanten Zeltstadt in Nähe der Leipziger Straße oder um eine geplante Fachtagung ging. „Er hatte seine ehrenamtlichen Helfer, hunderte an der Zahl, voll im Griff“, zog Frankfurts Beigeordneter Markus Derling nach der Sternfahrt Bilanz. Derling war Org.-Chef. Laut dachte er in jenen Junitagen: „Hätten wir überall so viele engagierte Helfer wie

Bildung für Dorfkinder

Ausgezeichnet: Ingrid Seiffarth vom Verein Landblüte Foto: MOZ/Hannelore Siebenhaar

 Wölsickendorf-Wollenberg Die von Ingrid Seiffahrt (61) aus Wölsickendorf (Märkisch-Oderland) gegründete Dorfakademie ist im November mit dem DemographiePreis des Landes und dem Deutschen Bürgerpreis 2011 ausgezeichnet worden. Kinder im Alter von acht bis 13 Jahren können kostenlos Seminare besuchen. Das Angebot richtet sich an Kinder aus dem Dorf, die wegen des ausgedünnten Nahverkehrs keine Bildungsangebote mehr wahrnehmen können. (sg)

MOZ

Sternfahrer: Wolfgang Welenga bei der Eröffnung des Großereignisses. Foto: MOZ/Dietmar Horn in den Freiwilligen Feuerwehren – manches in der Stat ginge leichter von der Hand.“ Doch Welenga wäre nicht Welenga, wenn ihm 2011 nicht manches ärgerte. Seine große Sorge: der Feuerwehr-Nachwuchs. In den acht Freiwilligen Wehren engagieren sich 265 aktive Freiwillige. Hinzu kommen annähernd hundert in der Jugend-Feuerwehr und 60 in der Alters- und Ehrenabteilung. „Hundert Jugendliche – das ist schon einer beachtliche Zahl. Wir können unseren Ausbildern nur danken.“ Aber auch sie werden für ihre Mühe und ungezählte Freizeitstunden

Ehrenamtlicher Fleischprüfer  Fürstenwalde Seit 36 Jahren ist Fleischermeister Eberhard Henkel aus Fürstenwalde (Oder-Spree) Fleischverkoster. Dafür wurde er im Frühjahr von der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG) mit der Max-EythDenkmünze – benannt nach dem Mitgründer der DLG – in Bronze ausgezeichnet. Ein feiner Geschmack und hohes Fachwissen sind die Voraussetzungen für die anspruchsvolle Arbeit als Sachverständiger in der Qualitätsprüfung dieser Branche. (soj)

nicht immer belohnt. „Bis zur Ende der Schulzeit oder der Lehrzeit fühlen sich die Jugendlichen in ihren Wehren wie zu Hause. Doch dann kommt die große Zäsur“, weiß Welenga aus jahrelangen Erfahrungen. Für die Jugendlichen steht die Frage: Wo ist Arbeit zu finden? „Und wenn sie sie gefunden haben – oft nicht in unserer Region –, sind sie verschwunden. Meist für immer.“ Das Sternfahrer-Treffen hat den Welengas aus Frankfurt aber Auftrieb gegeben. Sie bilden weiter aus. In der Hoffnung, dass viele der jungen Leute bleiben.  (jko)

 Eberswalde Er werde unzufrieden, wenn sich nichts bewegt. Dann fühle er sich nicht wohl, sagt er. Und die Probleme der kleinen Leute liegen ihm am Herzen. Dafür wurde Arnold Kuchenbecker, Ortsvorsteher des Eberswalder Stadtteils Finow, in diesem Jahr gleich zweimal ausgezeichnet. Von Matthias Platzeck erhielt er den Verdienstorden des Landes Brandenburg. Für sein Engagement um die Sanierung der Messingwerksiedlung bekam er den Denkmalpflegepreis 2011. In seiner wöchentlichen Sprechstunde nimmt er sich die Zeit, den Finowern zuzuhören und hilft, ihre Probleme zu lösen. Oft gelingt ihm das sofort. (kar)

Engagiert: Arnold Kuchenbecker, Ortsvorsteher in Finow, einem Ortsteil von Eberswalde.  Foto: S. Tetzlaff

Bundesverdienstkreuz für engagierten THW-Chef

Geehrt: Bürgermeister Jörg Schröder (r.) gratuliert Peter Strohbach zum Bundesverdienstkreuz. Foto: Johann Müller

Geehrt: Fleischermeister Eberhard Henkel ist ehrenamtlicher Verkoster.Foto: DLG

 Seelow Wenn in MärkischOderland oder darüber hinaus Menschen in Not sind, dann ist er mit seinen Frauen und Männern zur Stelle – der Ortsbeauftragte des THW Seelow, Peter Strohbach. Vor 20 Jahren gründete er den Ortsverband, den einzigen im Landkreis. Für seine unermüdliche ehrenamtliche Arbeit wurde er im November von Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich mit dem Bundesverdienstkreuz geehrt. In den

letzten Jahren waren seine Helfer immer wieder gefordert. Sie halfen bei verschiedenen Hochwassern im Land, kämpften um den Deich beim Winterhochwasser an der Oder vor einem Jahr, pumpten tagelang Keller und Flächen leer, die in Folge des Binnenhochwassers im Oderbruch wochenlang unter Wasser standen. Der 65-Jährige baute zudem über Jahre eine enge Verbindung zum polnischen Katastrophenschutz auf. (dos)


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Jahreswechsel 2011/2012

Das war 2011 – Ostbrandenburger des Jahres

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Anja Frohloff hilft, wo sie kann 30-Jährige gründete den Verein Krebshilfe MOL / Ehrung für 204 bisher betreute Patienten und Angehörige  Altlandsberg Für Anja Frohloff verlief das Leben gerade. Bis 2008. Da wurde bei ihrem Vater Magenkrebs diagnostiziert. Ein Jahr später starb der 53-Jährige. Für die 30-Jährige und ihre Familie war das Auf und Ab der Gefühle, die bis zur Hilflosigkeit reichten, weil kein Arzt erreichbar war, so einschneidend, dass die junge Frau im August 2010 den Verein Krebshilfe MärkischOderland gründete. Seit dem hat Anja Frohloff 204 Patienten und Angehörige betreut und ein Netzwerk engagierter Fachärzte gebildet, das den Patienten zur Seite steht. Sieben Tage die Woche, bis zu 50 Stunden ist sie unterwegs. Dass ein so großer Bedarf besteht, hatte sie bei der Vereinsgründung nicht erwartet. Sie besucht Patienten, die frisch entlassen sind, oder solche, die in der Klinik liegen. Sie fragt, wo Hilfe gebraucht wird und kann schon einiges vorbereiten bis zum Entlassungstag. Vorgefertigte Flyer über Angebote gibt es bei der Krebshilfe nicht, da jeder Patient individuell betreut wird. „Wir beraten und helfen Patienten und Angehörigen in dieser schwierigen Zeit. Künftig auch krebskranke Kinder oder Kinder von Krebskranken“, erklärt die Diplomkauffrau ihre ehrenamtliche Arbeit. Sie hat festgestellt, dass es in Kliniken engagierte Mitarbeiter im so-

zialmedizinischen Dienst gibt. Sobald die Patienten aber nach Hause entlassen werden, fallen sie in ein großes Loch, in denen sie keine Hilfe bekommen und oft nicht die Kraft dazu haben, sie einzufordern. Da setzt der Verein an. „Viele verlassen sich auf eine Arztmeinung. Das ist aber oft falsch. Viele Patienten lassen wieder eine Chemotherapie über sich ergehen, obwohl die laut Befund weder lebensverlängernd ist noch die Lebensqualität verbessert“, zählt Anja Frohloff einige Ansätze ihrer Arbeit auf. Oft gibt es auch nur eine unzureichende Zusammenarbeit zwischen Onkologen und Internisten. Manchmal ist es der Respekt älterer Patienten, dass sie ihren Hausarzt, der mit ihnen gealtert ist, nicht darum bitten mögen, öfter als alle drei Wochen vorbeizuschauen. Anja Frohloffs Arbeit wurde 2011 mit dem Filippa-Preis der Familie Sayn-Wittgenstein, verbunden mit 2500 Euro, die in den Verein geflossen sind, anerkannt. Ministerien, bei denen sie Fördergelder beantragt hat, haben bisher abgesagt, da kein Landesinteresse vorliege. Doch die zweifache Mutter gibt die Hoffnung nicht auf, dass sie einen Finanzier für ihre Arbeit findet. Für Patienten ist ihre Hilfe kostenlos und soll es auch bleiben, da diese oft selbst in finanziell schwieriger Lage sind. (höf)

„Mittelstands-Oskar“ geht nach Storkow

Kristall-Ball für Harry Rath  Eisenhüttenstadt Was wäre der Eisenhüttenstädter Fußballclub ohne Harry Rath? Zumindest um einige Facetten ärmer. So vergab der Fußball-Landesverband Brandenburg zum ersten Mal in der 19-jährigen Geschichte den Kristall-Fußball an zwei Fußball-Trainer. Der Eisenhüttenstädter Rath (55) und der Rathenower Ingo Kahlisch (55) haben sich um ihre Vereine besondere Verdienste erworben. Der Kristall-Fußball ist die höchste Auszeichnung des Verbandes.  (hb)

Viel Ehre: Harry Rath mit dem Kristall Foto: Jan Kuppert

Sehr engagiert: Anja Frohloff hat aus den eigenen Erfahrungen gelernt und bietet Patienten und Angehörigen Krebskranker umfassende Beratung und praktische Hilfe an. Foto: MOZ/Gerd Markert

Würdigung für Bohrlochmessung GmbH

Leidenschaftlich: Volker Schmidt-Roy kämpft gegen Atomkraft.  Foto: MOZ/O. Voigt

Unterschriften gesammelt  Schwedt Auf Demonstrationen und vor Einkaufsmärkten klärt er unermüdlich über Gefahren der Atomkraft auf – der Schwedter Firmenchef Volker Schmidt-Roy. Mit der Bürgerinitiative „Atomkraftfrei leben in der Uckermark“ hat er 10 000 Unterschriften gegen die polnischen Pläne zum Bau zweier Atomkraftwerke bis 2020 gesammelt. Die Atomkraftgegner werden gehört. Den Stapel mit den Unterschriften übergeben sie am 4. Januar in der Polnischen Botschaft Berlin.  (emw)

 Storkow Das ist für Geschäftsführer Karsten Baumann noch das i-Tüpfelchen im 50. Jahr des Betriebes gewesen: Im September wurde sein Unternehmen mit dem Deutschen Mittelstandspreis ausgezeichnet. Baumanns Geschick war es zu verdanken, dass der ehemalige Betriebsteil der VEB Bohrlochmessung dramatische Treuhand-Zeiten überstand und sich

zu einem Top-Unternehmen entwickelte. Heute ist die Bohrlochmessung Storkow GmbH praktisch und wissenschaftlich der größte deutsche Anbieter bei der Bohrlochgeophysik im Wasserbereich. 30 hochqualifizierte Mitarbeiter sind in ganz Deutschland und den angrenzenden EU-Ländern zu Aufträgen unterwegs. Mehrere Patente hat der Betrieb schon angemeldet.  (sto)

Bedeutendster deutscher Wirtschaftspreis: Karsten Baumann freut sich über den „Mittelstands-Oskar“. Foto: MOZ/Jörn Tornow

In Feuerwehr-Montur: Frank Rösener (50) leitete Großeinsatz. Foto: MOZ/J. Eggers

Einsatzleiter bei Explosion  Erkner Frank Rösener werkelte noch in seinem Haus, als der Pieper ging. Es war Samstag, der 18. Juni, fast Mitternacht. Wenige Minuten später stand der FeuerwehrZugführer vor einem Inferno: Ein Wohnhaus war in die Luft gejagt worden – ein Mordversuch, bei dem letztlich niemand umkam. Noch auf der Fahrt zur Wache wusste der 50-jährige Kraftfahrer nicht, dass er den Einsatz würde leiten müssen. 35 Jahre Erfahrung zahlten sich aus: Als der Einsatz etwa 18 Stunden später beendet war, lobten alle seine Führung.  (je)


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Jahreswechsel 2011/2012

Das war 2011 –

Novum: Als erster Papst überhaupt hält Benedikt XVI. am 22. September während seines Deutschlandbesuches eine Rede im Bundestag.

Verlierer: Was Misstrauensvoten in den Jahren zuvor nicht schafften, der Euro-Krise gelingt Abschied: Th es. Der italienische Ministerpräsident Silvio Berlusconi tritt am 12. November zurück. TV aber erha

Wiederholungsweltmeister: Am 9. Okto meistertitel. 11 Mal konnte als Rennsie

Schieflage: Die „Rena“ läuft am 5. Oktober auf dem Weg in Richtung Neuseeland auf ein Riff und verliert 88 von 1386 Containern und 360 Tonnen Öl aus gebrochenen Rohrleitungen.

Pop-Queen: Lady Gaga thront über allen. Bei den MTV Europe Music Neuling: Winfried Kretschmann ist der Awards erhält sie am 6. November vier Trophäen überreicht und zeigt Deutschland. Seit dem 12. Mai regier wieder extreme Outfits. rem Koalitionspartner. 


– Bilder des Jahres

homas Gottschalk tritt im Dezember von der „Wetten, dass ...?“-Bühne ab, bleibt dem alten. Ein neuer Moderator für die ZDF-Kultsendung ist noch nicht gefunden.

Jahreswechsel 2011/2012

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Regen-Katastrophe: Mühsam kämpft sich die Frau mit ein paar Habseligkeiten an einen sicheren Ort. Ein Drittel von Thailand steht im Oktober wochenlang unter Wasser.

Überraschungsbesuch: US-Schauspielstar Tom Hanks (l.) findet bei seiner privaten Stippvisite in Eisenhüttenstadt in Stadtführer Eberhard Harz eine kompetenten Erklärer.

ober gewinnt vorzeitig seinen zweiten Formel 1-Welteger die obligatorische Sektdusche genießen

r erste von den Grünen gestellte Ministerpräsident in Fürstenkuss: Auch in Monaco wurde 2011 geheiratet. Millionen schauten per TV auf Albert II. und seine Charlene, die sich rt er in Baden-Württemberg, mit der SPD als kleine- am 2. Juli das Ja-Wort gaben. Albert ist nach dem Tod seines Vaters seit 2005 Regent des kleinen Fürstentums an der MittelFotos: dpa (13), dapd (2), AP (1), MOZ/Gerrit Freitag (1) meerküste.


Das war 2011 – Berlin

14 Freispruch für Ex-Bankchef Landowsky  Es ist kurz nach zehn Uhr, als Klaus Landowsky mit einem Lächeln den Gerichtssaal 700 verlässt. Der zweite große Prozess um die Berliner Banken-Affäre endet am 14. Februar für ihn und elf weitere Angeklagte mit einem Freispruch. Bereits seit zehn Jahren ermittelt die Justiz gegen den einst einflussreichen Chef der CDU-Fraktion. Anlass sind Immobilienfonds, die dem Land Verluste in Millionenhöhe eingebracht haben sollen. Die Affäre führte im Jahr 2001 zum Bruch der CDU-SPD-Koalition. Landowsky selbst bestreitet die Vorwürfe. Revision hat die Staatsanwaltschaft dennoch eingelegt. Ein weiterer Prozess ist voraussichtlich im Sommer 2012 möglich. (bb)

Ein Knall, und die Halle war weg  Ihr Ende war schon lange besiegelt. Die Deutschlandhalle fristetete nur noch ein Schattendasein. Aus dem Wahrzeichen des alten West-Berlins, in dem einst die Rolling Stones, David Bowie, Queen und Jimi Hendrix spielten, waren die letzten Eishockeyspieler vor zwei Jahren ausgezogen. Ein paar Fans setzten sich bis zuletzt für ihren Erhalt ein. Vergeblich. Am 3. Dezember rückten die Sprengmeister an. Ein letztes Mal stand die Deutschlandhalle im Blitzlichtgewitter. Doch die Fotografen lichteten nur ab, wie sich der einstige NS-PrestigeBau nach einem lauten Knall innerhalb von drei Sekunden in Staub auflöste.  (neu)

Autos in Flammen  Es vergeht kaum eine Sommernacht, in der in Berlin nicht irgendwo ein Auto brennt. Die Polizei fahndet mit Hochdruck. Die Brandstiftungen finden nicht wie in früheren Jahren üblich in eher alternativen Bezirken wie Kreuzberg oder Friedrichshain statt, sondern auch in Charlottenburg, Steglitz und Mitte. Der Täter, den die Ermittler dann aber im Oktober festnehmen, ist kein Linksautonomer, sondern handelte aus Frust über seine Arbeitslosigkeit. Rund 50 Brandstiftungen sollen auf sein Konto gehen. Bis zu seiner Verhaftung zählte die Polizei über 625 durch Anschläge beschädigte Autos.  (neu)

Jahreswechsel 2011/2012

MOZ



Sind sich einig: der Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) und der Chef der Berliner CDU, Frank Henkel (r.) 

Foto: dapd

Wowi macht es ein drittes Mal Die Ära Rot-Rot wird nach zehn Jahren von Rot-Schwarz abgelöst  Mit Renate Künast sollte SPDDauerregierer Klaus Wowereit eine echte Konkurrenz im sommerlichen Bürgermeister-Wahlkampf bekommen. Mit der Bundespolitikerin wollte die sich im Aufwind befindenden Grünen weitere Prozentpunkte sammeln. Gegen Künast schien der CDU-Kandidat Frank Henkel als einziger weiterer ernstzunehmender Kandidat wie ein unbeschriebenes Blatt. Das versuchte der Christdemokrat mit Stadt-

rundfahrten und einem 50-CentWahlheft zu ändern. Die Schrift wurde ein Ladenhüter, die Busfahrten waren ausgebucht. „Wowi“ begnügte sich weiter damit, sich bei großen Kulturevents sehen zu lassen. Renate Künast dagegen sah auf den arg gelifteten Wahlplakaten fast etwas zu streng aus. Am Ende reichte es für Wowereits dritte Amtszeit. Die Grünen landeten mit 18,5 Prozent hinter der CDU, die 23 Prozent erzielte.

So erwartungsvoll wie die BioPartei in den Wahlkampf gegangen war, so überheblich agierte sie in den Koalitionsverhandlungen. Von ihrem hammerharten Nein zur Verlängerung der A 100 rückten die Grünen keinen Zentimeter ab. Musste sie auch nicht. Wowereit nahm sich einfach die CDU als Partner. Henkel und Co waren so überrascht von der plötzlichen Regierungsbeteiligung, dass es auch bei Streitthemen

Brutale Tritte am Bahnsteig Schüler Torben P. nach Gewalttat zu Haftstrafe verurteilt  Der Prozess gegen den UBahnschläger Torben P. war emotional aufgeladen. Schon im Vorfeld hatten Juristen darüber diskutiert, ob der junge Angeklagte überhaupt noch ein faires Verfahren erhält. Der Gymnasiast war in der öffentlichen Wahrnehmung zum Monster mutiert – nicht zuletzt hervorgerufen durch die Macht der Bilder einer Überwachungskamera, die ihn überführten. Der 18-Jährige stammt aus gutem Elternhaus, er entspricht nicht dem Klischee eines jugendlichen Gewalttäters. Der Berliner hatte am Karsonnabend im Bahnhof Friedrichstraße einen Handwerker mit einer Flasche niedergestreckt und dann brutal auf dessen Kopf eingetreten. Das Gericht wertete die Tat als versuchten Totschlag. Torben P. wurde zu zwei Jahren und zehn Monaten Haft verurteilt, sein Komplize Nico A. erhielt eine geringfügige Geldstrafe. Der Richter sprach von einer „fürchterlichen Entgleisung“.

Torben P. 

Fotos: dpa

Ein Motiv für den brutalen Angriff lieferte Torben P. indes nicht. Im Zuge der Beweisaufnahme wurde klar, dass er sich wahllos sein Opfer aussuchte, von dem zuvor keine Provokationen ausgingen. Was ihn zu diesem Kapitalverbrechen hin-

Nico A. reißen ließ, blieb völlig unklar. Frust wohl nicht: P. war damals erstmals verliebt, bei Mitschülern anerkannt. Der Angeklagte bleibt vorerst auf freiem Fuß. Seine Verteidiger legten gegen das Urteil Revision ein.  Henning Kraudzun

wie der inneren Sicherheit und der Einwanderungspolitik kaum Widerworte gab. Der Start der neuen rot-schwarzen Regierung nach zehn Jahren Rot-Rot hätte so wunderbar sein können. Wäre da nicht die MichaelBraun-Affäre gewesen. Gerade mal zwölf Tage im Amt, musste der neue CDU-Senator für Justiz und Verbraucherschutz seinen Hut nehmen, weil er als Notar unsaubere Immobiliengeschäfte abgesegnet hatte.  (neu)

Die S-Bahn bleibt ein Sorgenkind  Mit immer neuen Beschwörungsformeln versucht das Management der S-Bahn, das seit 2009 anhaltende Chaos im Hauptstadtverkehr unter Kontrolle zu bekommen. Doch die Versprechungen, gut vorbereitet in den nächsten Winter zu starten, halten nicht lange. Wieder gilt nur ein Notfahrplan, fallen S-Bahnen aus, Strecken werden ausgedünnt, weil nicht genügend Fahrzeuge bereitstehen. Wie ein Virus breitet sich die Pannenserie auch auf die Deutsche Bahn aus, deren Pünktlichkeitswerte im Nahverkehr bundesweit zu den schlechtesten gehören. Im Sommer müssen Reisende stundenlang im Regionalexpress auf freier Strecke ausharren. Selbst der Herbst bringt wenig Besserung: Obwohl die Temperaturen mild sind, müssen Touren gestrichen werden, weil Fahrer sich reihenweise krankmelden.  (ndt)


MOZ

Jahreswechsel 2011/2012

Minister Rupprecht tritt zurück  Brandenburgs Bildungsminister Holger Rupprecht (SPD) fährt zum Jahreswechsel mit einem 100 000 Euro teuren BMW in den Skiurlaub nach Österreich. Die Limousine hat ihm ein Autohaus für mehr als drei Wochen unentgeltlich zur Verfügung gestellt. Normalerweise kostet solch ein Wagen 300 Euro am Tag. Weil Rupprecht keinen Cent zahlt, verstößt er gegen die Dienstwagen-Bestimmungen des Landes. Die Staatsanwaltschaft prüft nach dem Bekanntwerden der Affäre auch Ermittlungen wegen Vorteilsnahme. Am 27. Januar tritt Rupprecht von seinem Amt zurück. Die Justiz stellt ihre Ermittlungen nach Zahlung einer Geldbuße ein. Nachfolgerin von Rupprecht wird Kulturministerin Martina Münch (SPD).  (bb)

Totes Baby monatelang unentdeckt  Im Garten eines Einfamilienhauses in Jüterbog (TeltowFläming) werden im Februar die sterblichen Überreste eines Säuglings gefunden. Seit Anfang November stehen die Eltern wegen Mordes vor dem Landgericht Potsdam. Der Tod ihres Kindes war monatelang unentdeckt geblieben. Nach Ansicht der Staatsanwaltschaft haben Marcel T. (35) und Kirsten H. (38) das Baby unmittelbar nach der Geburt am 2. Juni 2009 im Keller ihres Wohnhauses getötet und anschließend im Garten verscharrt, weil sie es als zusätzliche finanzielle Belastung ansahen. Das Urteil fällt vermutlich Anfang des neuen Jahres.  (has)

Das war 2011 – Brandenburg

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Airport im Aufwind

Fluglärmgegner scheitern vor Gericht mit ihrer Forderung nach einem Nachtflugverbot  Des einen Freud, des anderen Leid – die Richter des Bundesverwaltungsgerichts in Leipzig lösen mit ihrem Urteil im Oktober bei den Gegnern des neuen Flughafen Berlin Brandenburg (BER) in Schönefeld Wut und Resignation aus. Mehrere Gemeinden hatten vor Gericht ein striktes Nachtflugverbot für den künftigen Airport erwirken wollen und gehen leer aus. Der Vorsitzende Richter Rüdiger Rubel folgt der Auffassung der Berliner Flughäfen, die die Tagesrandzeiten als zwingend notwendig erachten, um den Flughafen wirtschaftlich betreiben zu können. Streitpunkt sind drei Stunden: Schon 2006 hatte das Leipziger Gericht einen 24-Stunden-Betrieb untersagt und dem Flughafen zwischen Mitternacht und fünf Uhr morgens strikte Nachtruhe verordnet. Den vom Fluglärm betroffenen Gemeinden geht dies nicht weit genug. Sie pochen darauf, dass Starts und Landungen schon ab 22 Uhr abends und bis sechs Uhr morgens per Gericht untersagt werden. Doch letztlich bleibt alles wie gehabt. Demnach werden mit der Eröffnung des Flughafens am 3. Juni 2012 zwischen 22 Uhr und Mitternacht sowie zwischen 5 und 6 Uhr morgens durchschnittlich 77 Starts und Landungen erlaubt, maximal 103. „Das Urteil ist eine Katastrophe für alle Menschen in Deutschland, die in der Nähe von Verkehrsflughäfen wohnen“, kommentiert Carl Ahlgrimm, Bürgermeister von Großbeeren (Teltow-Fläming), die Entscheidung der Richter. Die Betroffenen geben sich nicht geschlagen und kündigen an, vor den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte ziehen zu wollen. Bewirkt hat der Prozess in Leipzig dennoch einiges zugunsten der Flughafen-Anrainer. Die Berliner Flug-

Anhaltender Protest: Auch nach dem Urteil des Leipziger Gerichts demonstrieren die Menschen in Berlin und Brandenburg gegen den zu erwartenden Fluglärm.  Foto: snapshot-photography häfen wollen auf Druck des Gerichts den passiven Lärmschutz für die Anwohner erweitern. „Im Bereich des passiven Schallschutzes ist das Maximum rausgeholt worden“, sagt Kläger-Anwalt Frank Boermann. Woche für Woche gehen Tausende weiterhin auf die Straße, um gegen den zu erwartenden Fluglärm zu protestieren. In der Fluglärmkommission werden immer wieder neue Flugroutenvarianten diskutiert. Die Bauarbeiten am Airport selbst

gehen planmäßig voran. Der Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB) stellt sein Verkehrskonzept vor, mit dem Reisende von und zum Flughafen gelangen. Der VBB rechnet damit, dass die Hälfte aller Passagiere mit öffentlichen Verkehrsmitteln von und zum Airport fahren. Ausgelegt ist BER „Willy Brandt“ auf eine Anfangskapazität von 27 Millionen Passagieren, Ausbaustufen von bis zu 45 Millionen sind vorgesehen.

Verdacht auf Vetternwirtschaft Ein Untersuchungsausschuss beschäftigt sich mit Auffälligkeiten beim Verkauf von Kasernen

Stein des Anstoßes: Das ehemalige Kasernengelände in Krampnitz soll weit unter Wert verkauft worden sein.  Foto: ZB

 Der umstrittene Verkauf der Potsdamer Krampnitz-Kaserne beschäftigt seit Februar einen Untersuchungsausschuss des Brandenburger Landtags. Geklärt werden soll, ob dem Land durch den Verkauf des Kasernengeländes ein finanzieller Schaden entstanden ist. Das Land war bis 2010 davon ausgegangen, dass die Kaserne an die Thylander Group veräußert wurde. Käufer war aber ein Firmengeflecht um den Hannoveraner Anwalt Ingolf Böx. Die Opposition ist überzeugt, dass die Kaserne unter Wert verkauft wurde. In einem für die Staatsanwaltschaft erstellten

Gutachten wird der Verlust für das Land auf 1,5 Millionen Euro beziffert. Die Staatsanwaltschaft ermittelt zudem gegen Mitarbeiter der Brandenburgischen Bodengesellschaft (BBG) wegen des Verdachts der Untreue. Kritisch sieht die Opposition in dem Zusammenhang die freundschaftliche Verbindung zwischen BBG-Chef Frank Marczinek und Ex-Finanzminister Rainer Speer (SPD). Die Regierung ist hingegen überzeugt, dass das Areal mit den maroden Gebäuden nach einer ordentlichen Ausschreibung an den meistbietenden Investor verkauft wurde.  (hek)

Der Flughafen und vor allem die Flugrouten beschäftigen immer wieder auch die Landespolitik. Die CDU-Landesvorsitzende Saskia Ludwig wirft den Vorschlag einer dritten Start- und Landebahn an einem nicht benannten Standort abseits von Schönefeld in die Debatte. Der SPD-Landtagsabgeordnete Christoph Schulze – bekennender Flughafengegner – erklärt im Dezember aus Protest gegen die Politik seiner Partei den Rücktritt aus der Fraktion.  Andreas Wendt

55 Stunden Dauerstreit

 Die Enquetekommission des Landtages zur Aufarbeitung der Nachwendezeit tagte in diesem Jahr an zehn Tagen insgesamt 55 Stunden. Dabei wurden zwölf Gutachten diskutiert, 37 Experten angehört und eine Umfrage zum DDR-Bild der Brandenburger in Auftrag gegeben. Es verging kaum eine Sitzung, in der nicht über die Qualität einzelner Gutachten gestritten wurde. Mehrere Wissenschaftler zogen sich deshalb aus dem Gremium zurück beziehungsweise gaben Aufträge für Untersuchungen zurück. 2012 sollen noch Dutzende Gutachten folgen.  (thi)


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Das war 2011 – Brandenburg

Jahreswechsel 2011/2012

MOZ

Vom Schloss zum Landtag

Geldregen zum Ende des Jahres  Eine gute Nachricht verkündet Brandenburgs Finanzminister Helmuth Markov (Linke) Anfang November. Laut jüngster Schätzung erwartet das Land für 2011 noch mehr Steuern als zuletzt angenommen – rund 190 Millionen Euro. Die MaiSteuerschätzung hatte bereits Mehreinnahmen von 164 Millionen Euro gegenüber den Haushaltsansätzen vorhergesagt. Auch für die kommenden drei Jahre wird mit einem Plus zwischen 130 und 150 Millionen Euro gerechnet. Laut Markov können die Kommunen durch den Finanzausgleich mit höheren Zuweisungen zwischen 30 und 60 Millionen Euro im Jahr rechnen – eine Prognose aus heutiger Sicht.  (has)

Tempo 70 auf Alleen sorgt für Streit  Im Oktober fordert Brandenburgs Infrastrukturministerium die Landkreise auf, bis Ende 2012 in besonders gefährdeten Alleen Tempo 70 anzuordnen. Minister Jörg Vogelsänger (SPD) und Verkehrsexperten versprechen sich davon einen Rückgang der Baumunfälle. Doch Landräte und Wirtschaft sind empört. Oder-Spree-Landrat Manfred Zalenga (parteilos) befürchtet sogar eine Zunahme der Unfälle. „Wenn vorne einer Tempo 70 fährt, dann wollen ihn doch andere überholen.“ Die Industrie- und Handelskammer spricht von einer Belastung für alle, die oft und weit fahren müssen.  (has)

Inklusion wird zum Reizthema  Das Thema Inklusion war zu Beginn des Jahres kaum bekannt. Ziel ist es, Kinder mit Lern- oder Sprachstörungen sowie verhaltensauffällige Kinder nicht in Sonderschulen zu schicken, sondern sie vielmehr durch zusätzliche Pädagogen und neue Lernmethoden in Regelschulen einzugliedern. Bildungsministerin Martina Münch (SPD) sorgte im Frühjahr für Aufregung, weil sie die Schließung der Förderschulen bis 2019 ankündigte. Im Dezember ruderte sie zurück und orientiert nun auf Pilotschulen, an denen Erfahrungen gesammelt werden sollen.  (thi)

120-Millionen-Euro-Projekt: Ende November wurde Richtfest für den che das Beste aus der schizophrenen Idee der Bauherren, außen Landtagsneubau in Potsdam gefeiert. Stararchitekt Peter Kulka ver- ein historisches und innen ein modernes Gebäude haben zu wolteidigte bei der Gelegenheit seinen umstrittenen Entwurf: „Ich ma- len.“ Im Herbst 2013 soll der Landtag eröffnet werden.  Foto: dapd

Polizei entlässt Stasi-Spitzel Ministerien prüfen Vergangenheit von Mitarbeitern auf Verstrickungen mit DDR-Geheimdienst  Anfang März wird der Pressesprecher des Polizei-Schutzbereichs Cottbus/Spree-Neiße fristlos gekündigt. Zuvor hatte er nach langem Schweigen seine langjährige Tätigkeit als Inoffizieller Mitarbeiter (IM) für die DDR-Staatssicherheit zugegeben. In den folgenden Monaten werden noch weitere Fälle dieser Art bei der brandenburgischen Polizei aufgedeckt: Ein Kripochef und ein Wachenleiter müssen gehen. Innenminister Dietmar Woidke (SPD) spricht sich für

Konsequenzen aus. Führende Mitarbeiter des öffentlichen Dienstes müssten auch in den kommenden Jahren auf eine eventuelle Stasi-Vergangenheit überprüft werden können. Die Möglichkeit der Überprüfung müsse bis 2019 verlängert werden, fordert der Minister. Der Bundesrat stimmt der Novelle des Stasi-Unterlagengesetzes im November zu. Die Überprüfungen wären sonst Ende dieses Jahres ausgelaufen. Woidke fordert einen weiteren Schritt. Bisher hat das Minis-

terium nur bei Behördenleitern das Recht auf Akteneinsicht. Dies müsse auch bei Wachenleitern möglich sein. Nach einem längeren Hin und Her lenkt die Stasi-Unterlagenbehörde ein und lässt die Überprüfung der 15 Schutzbereiche zu. Woidke will die Neustrukturierung der Polizei als Gelegenheit nutzen, um belastetes Personal von Führungspositionen fernzuhalten. Im August kündigt Justizminister Volkmar Schöneburg (Linke) nach langem Zögern an, dass auch er den berufli-

Gerichtsbezirke neu geordnet Justizminister traf Entscheidung zum Nachteil von Frankfurt (Oder)

Wuchtiger Bau: Das Landgericht Frankfurt (Oder) verlor durch eine Reform einen Teil des Zuständigkeitsbereichs.  Foto: MOZ/Dietmar Horn

 Zwischen hochrangigen Juristen ist längst ein Grenzstreit ausgebrochen. Denn die von Justizminister Volkmar Schöneburg (Linke) veranlasste Neuordnung der Brandenburger Gerichtslandschaft brachte Nachteile für den Standort in Frankfurt und Vorteile für die Neuruppiner Behörde. Größter Zankapfel war die Uckermark, die nun dem Landgerichtsbezirk Neuruppin zugeschlagen wird. Dabei zweifeln Experten den Sinn der Reform an: Sie befürchten durch Umzüge und Trennungsgelder siebenstellige Kosten. Zudem sind in der Uckermark die Strukturen von Polizei und Justiz nicht deckungsgleich. Solch eine Angleichung war eigentlich der Anlass der Reform.  (hek)

chen Werdegang übernommener DDR-Richter und -Staatsanwälte auf mögliche Stasi-Tätigkeit überprüfen will. Er lehnt jedoch weiterhin die Forderung der Opposition ab, die Richterschaft en bloc von der Unterlagenbehörde durchleuchten zu lassen. Eine Arbeitsgruppe wird damit beauftragt, die vorhandenen Akten durchzugehen. In Brandenburg arbeiten derzeit 97 Richter und 74 Staatsanwälte, die in diesen Funktionen auch schon zu DDR-Zeiten tätig waren.  Harriet Stürmer

CCS-Gesetz in der Sackgasse  Die unterirdische Speicherung von Kohlendioxid in Ostbrandenburg scheint vorerst vom Tisch. Die Bundesregierung hat es nicht geschafft, ein mehrheitsfähiges CCS-Gesetz zur Abspaltung und Lagerung von CO2 vorzulegen. Die Landesregierung lehnt schon den Entwurf ab, weil er eine Länderausstiegsklausel enthält und dadurch auf eine Lex Brandenburg hinausgelaufen wäre. Auch der Konzern Vattenfall, der in der Lausitz eine Versuchsanlage betreibt und mit EU-Fördermitteln ein Demonstrationskraftwerk bauen will, zieht die Reißleine und beerdigt das Projekt.  (ndt)


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Jahreswechsel 2011/2012

Das war 2011 – Kultur

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So präsent wie noch nie

Das Kleist-Jahr brachte viele positive Impulse für Frankfurt und sein Literaturmuseum  Am 21. November 1811 erschoss der Dichter Heinrich von Kleist am Kleinen Wannsee erst seine Freundin Henriette Vogel und dann sich selbst. 2011, 200 Jahre nach diesem tragischen, inszenierten Tod des radikalen Genies, wurde das Kleist-Jahr ausgerufen. Das rückte Kleists Geburtsstadt Frankfurt (Oder) ins Scheinwerferlicht – und deren Literaturmuseum natürlich auch. Dessen Direktor Wolfgang de Bruyn sagt am Ende dieses JubiläumsJahres, es hätte für sein Haus und die Stadt eine Menge gebracht. Den Journalisten, Kulturwissenschaftler und KleistBiografen Jens Bisky zitiert er, der mehrmals an die Oder kam und resümierte, es habe noch nie so gut um Frankfurt gestanden. 2011, meint de Bruyn, „war sicher das anspruchvollste, aber auch erfolgreichste Jahr unseres Kleist-Museums“. Endlich konnten die Arbeiten an dem Erweiterungsbau dieses Hauses begonnen werden, den das Museum so dringend nötig hat, um dem so lange gerungen wurde und dessen Richtfest nächstes Jahr gefeiert werden soll. Die Ausstellung „Krise und Experiment“, deren größerer Teil in mehr als 20 Räumen im Berliner Ephraim-Palais zu sehen war, sorgte in Frankfurt für einen Besucherrekord. Die Klammer vom Geburts- zum Sterbeort, sei ein guter Ansatz gewesen, der sich übers Jahr getragen habe, so de Bruyn. Mehr als

Startschuss: Wolfgang de Bruyn, der Direktor des Kleist-Museums, mit einem Modell des Anbaus, der dieses Jahr begonnen wurde. Foto: dpa 30 000 Gäste kamen 2011 ins Kleist-Museum, um die Jubiläums-Schau und das sehr ambitionierte Begleitprogramm zu besuchen. Das sind zweieinhalb mal mehr als sonst. Aber nicht nur das Interesse des Publikums, sondern auch die mediale Aufmerksamkeit und die nationale und internationale Vernetzung seien sprunghaft gestiegen. Wenn die Schweiz dieses Jahr ihren Kleist, der dort zum Dichter wurde, für

sich entdeckt hat, dann geschah das auch in Zusammenarbeit mit dem Kleist-Museum. Als in Minsk über den Aufbau von Literaturmuseen in Weißrussland diskutiert wurde, war Wolfgang de Bruyn als Experte eingeladen. Und an der neuen Wahrnehmung, die Kleist in Österreich erfährt, ist das Frankfurter Museum ebenfalls beteiligt. Aber auch in Brandenburg, ergänzt Wolfgang de Bruyn, habe sein Haus ganz neue Fäden spinnen können. Von Schulpartnerschaften und Kooperationen spricht er, die sich von Wriezen bis nach Potsdam er-

Musikakademie Rheinsberg wurde 20 Jahre

Dedecius Ehrendoktor  Anlässlich seines 90. Geburtstages hat Karl Dedecius von der Kulturwissenschaftlichen Fakultät der Frankfurter Universität Viadrina die Ehrendoktorwürde verliehen bekommen. Dedecius gilt als der wichtigste deutsche Übersetzer polnischer und russischer Literatur. Für seinen Beitrag der deutsch-polnischen Verständigung ist er bereits mehrfach ausgezeichnet worden.

 Es war bereits das dritte Education-Projekt des Brandenburgischen Staatsorchesters Frankfurt: 70 Jahre nach einer ersten Aufführung in Theresienstadt ist die Kinderoper „Brundibar“ im Mai in der Frankfurter Konzerthalle auf die Bühne gekommen. Den Zusammenhalt in schwierigen Zeiten thematisiert das Stück, das Schüler und Chorsänger von diesseits und jenseits der Oder gemeinsam einstudiert haben. Hans Krása (1899–1944), der tschechische Komponist der Oper, war im Konzentrationslager Theresienstadt umgebracht worden.

Kunstpreis für Scheuerecker

Gratulanten standen Schlange Las in Frankfurt: Karl Dedecius  Foto: Winfried Mausolf

Jugendprojekt „Brundibar“

 Die Musikakademie Rheinsberg hat am 20.  April ihren 20. Geburtstag mit großem Bahnhof gefeiert. Die Schlange der Gratulanten war lang. Einer der prominentesten Gäste aus Politik, Kunst und Wissenschaft war Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD). „Eine wirkliche Erfolgsgeschichte“, gratulierte Platzeck der Akademie und ihrer Chefin Ulrike Liedtke höchstpersönlich. Der Regierungschef sagte, dass es Orte gebe, die vom Schicksal auf ganz besondere Art und Weise begünstigt seien, Orte an denen sich Geist und Seele wohlfühlen. „Rheinsberg ist so ein Ort. Die Akademie ist heute Heimstatt der Kunst.“ Die Einrichtung hat ihren Sitz im Kavalierhaus. Dort arbeiten

seit 20 Jahren Schüler und Studenten, Laien und Profis. Sie musizieren das ganze Jahr hindurch in Proberäumen, geben Konzerte im Spiegelsaal des Schlosses und seit 2000 auch im Schlosstheater. Seit der Akademiegründung kamen mehr als 83 000 Musiker zu Kursen nach Rheinsberg. Angeboten werden Meisterkurse und Opernwerkstätten, Seminare für Neue Musik sowie Weiterbildungen. Jetzt sieht Direktorin Ulrike Liedtke die Eigenständigkeit ihrer Einrichtung in Gefahr. Die Musikakademie soll nach dem Willen von Stadt, Kreis Ostprignitz-Ruppin und Land mit der ebenfalls in Rheinsberg ansässigen Kammeroper fusionieren. Zurzeit wird die Bildung einer Holding diskutiert.  (cd)

strecken. „Über die kulturelle Bildung sind wir in der Landeshauptstadt so präsent wie noch nie.“ Dort für Aufmerksamkeit zu sorgen sei für ein Museum an der Peripherie von elementarer Wichtigkeit. Auch mit der Frankfurter Universität, die 2011 ein Kleist-Semester ausrief, habe das Museum enger zusammenarbeiten können. Und dass sich der Freie Deutsche Autorenverband dieses Jahr in Frankfurt (Oder) zu seinem Bundeskongress traf, sei auch der neuen Wahrnehmung, die Frankfurt durch Kleist erfahren hat, geschuldet.  (suw)

Neues Leben im Schloss  Aus dem Dornröschenschlaf wachgeküsst hat der Berliner Christian Schulz das Schloss in Schwante (Oberhavel). Der Geschäftsführer des Hexenkessel Hoftheaters, das in Berlin Märchenhütte und AmSchlossherr mit phitheater Hut: C. Schulz im Mon Foto: Liebezeit bijoupark bespielt, saniert mit seinem Team das Anwesen mit großer Liebe und Sorgfalt. Auch Hürden, die die Behörden den Theaterleuten in den Weg stellen, werden mit Charme und Engagement gemeistert. Als Dank sind die Vorstellungen auf der Bühne im Schlosshof stets ausverkauft.  (zeit)

 Zum achten Mal hat die Märkische Oderzeitung in Kooperation mit der Stiftung Schloss Neuhardenberg den Brandenburgischen Kunstpreis verliehen. Der Cottbuser Hans Scheuer­ecker erhielt den Preis in der Kategorie Malerei, Franziska Uhl, die im polnischen Kunice lebt, wurde in der Kategorie Grafik ausgezeichnet und Bettina Steinborn aus Oranienburg (Oberhavel) in der Kategorie Kleinplastik. Die in Erkner (Oder-Spree) lebende Bildhauerin Sabina Grzimek erhielt aus den Händen von Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck zudem den von ihm gestifteten Ehrenpreis für das Lebenswerk eines Künstlers.

Lindenberg stellte aus

 Nena, Nina Hagen, Ulla Meinecke und Klaus Doldinger haben in diesem Sommer im Schloss Neuhardenberg gerockt. Udo Lindenberg wiederum musizierte dort nicht nur: Der 65-Jährige präsentierte gleich sein ganzes bisheriges Leben. „UDO. Die Ausstellung“ zeigte Gemälde und „Likörelle“, InterviewAusschnitte, Dutzende Preise – und die Schalmei, die er einst von Erich Honecker geschenkt bekam.

Vernissage am Schlagzeug: Lindenberg in Neuhardenberg  Foto: dpa


Das war 2011 – Kultur

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Jahreswechsel 2011/2012

Kultband R.E.M. löst sich auf

Juli 1.: Deutschland führt im Juli den UN-Sicherheitsrat. Wichtigste Themen sollen Klimaschutz und Schutz von Kindern in bewaffneten Konflikten sein. 3.: Mit einem Wahltriumph kehrt die Opposition in Thailand an die Macht zurück. Die Pheu Thai-Partei gewinnt die absolute Mehrheit. Yingluck Shinawatra wird die erste Regierungschefin des Landes. 6.: Pyeongchang in Südkorea richtet 2018 die Olympischen Winterspiele aus. Das entscheidet das Internationale Olympische Komitee. Mitbewerber waren München und Annecy (Frankreich). 7.: Zehn Jahre nach dem Start feiert der letzte Teil der Harry-Potter-Filmreihe in London Weltpremiere. Unter Tränen verabschieden sich die Autorin der B ü c h e r, Joanne K. Rowling, und die Hauptdarsteller der Filme (im Bild Daniel Radcliffe) von ihren Fans. 12.: Ein schottisches Ehepaar knackt den 185 Millionen Euro schweren Jackpot der Europa-Lotterie Euromillions. Es ist der größte jemals in Europa verteilte Lotto-Gewinn. 13.: Der baden-württembergische Kunstsammler Reinhold Würth erwirbt das Gemälde „Die Madonna des Bürgermeisters Meyer“ von Hans Holbein dem Jüngeren. Der Kaufpreis soll bei knapp 60 Millionen Euro liegen. 18.: Der Kommandeur der internationalen Truppen in Afghanistan, US-General David Petraeus, übergibt die Befehlsgewalt an den amerikanischen VierSterne-General John R. Allen. Petraeus wechselt an die Spitze des US-Geheimdienstes CIA. 21.: Wer im öffentlichen Interesse Missstände bei seinem Arbeitgeber bekanntmacht, darf nicht fristlos entlassen werden. Das entscheidet der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte im Fall einer Altenpflegerin aus Berlin. 24.: Cadel Evans gewinnt als erster Australier die Tour de France. 31.: Im Nervenkrieg um das US-Schuldenlimit erzielen Präsident Barack Obama und die Spitzenpolitiker der Republikaner und Demokraten einen Kompromiss. Mit der Einigung wird eine drohende Staatspleite abgewendet.

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In den eigenen Wänden gefangen: Seit seiner Freilassung aus einem Geheimgefängnis steht Ai Weiwei unter Hausarrest. Wenn er Journalisten treffen darf, dann nur kurz vor seiner Tür. Foto: AP

Protestkultur in China Ai Weiwei zum einflussreichsten Künstler gewählt

 Im April wurde Ai Weiwei auf dem Flughafen in Peking verhaftet. Dann verschwand er in einem Geheimgefängnis irgendwo in China. Die Sicherheitsbehörden des Landes informierten nicht einmal die Frau des Künstlers, wohin sie ihn verschleppt hatten. Und trotzdem ließ sich diese Aktion nicht geheimhalten. Es gab internationale Proteste, auch aus Deutschland. Dort forderten Wissenschaftler und Künstler zum Beispiel im „Berliner Appell“ die Freilassung Ai Weiweis. Die behördlich verordnete Entführung des Mannes, den das britische Magazin „ArtReview“ dieses Jahr zum einflussreichsten Menschen der Kunstwelt gewählt hat, trat eine Welle der Empörung los. Auch wenn es die Machthaber in Peking nie zugeben würden, aber der inter-

Betrug beim Kinderkanal  Der Betrugsskandal beim öffentlich-rechtlichen Kinderkanal (Ki.Ka) beschäftigte in diesem Jahr dessen federführenden Sender MDR und später auch die Gerichte. Ein ehemaliger Herstellungsleiter wurde im Sommer zu mehr als fünf Jahren Haft verurteilt. Mit Scheinrechnungen hatte er bei dem Erfurter Sender Millionen abgezweigt – ohne dass es den internen Kontrollgremien beim MDR aufgefallen war. Der Sender bezifferte den Schaden auf 8,2 Millionen Euro. In einem aufgrund der Affäre erstellten internen Prüfbericht wurden erhebliche interne Schwächen innerhalb des MDR aufgedeckt, die den Betrug begünstigt hatten. Im Zuge der Affäre verlor MDR-Verwaltungsdirektor Holger Tanhäuser seinen Posten, wies eigenes Verschulden aber zurück. (cs)

nationale Aufschrei habe dazu beigetragen, dass Ai Weiwei wieder in sein Haus zurückkehren durfte, sagte Gereon Sievernich, der Direktor des Martin-GropiusBaus, als er dort im Herbst eine Ausstellung mit 220 Fotografien des Chinesen eröffnet wurde. Die Bilder hatte Ai Weiwei zwischen 1983 und 1993 in New York gemacht, wo er zu der Zeit lebte. Damals nutzte er die Chance, die China seinen jungen Leuten gab. Sie sollten sich für einige Jahre in der Welt umsehen, um mit neuen Erfahrungen in die Heimat zurückzukehren. Die Ausstellung, die in Berlin zu sehen war, beschreibt die Anfänge eines Suchenden, der zwischen Selbstinszenierung und Alltagsbeschreibung seinen Weg als Konzeptkünstler zu finden beginnt. Die Bilder zeigen

auch das Auge eines kritischen Beobachters. So wenig, wie sich Ai Weiwei von Amerika blenden ließ, so wenig konnte ihn später das aufstrebende China blind machen für Missstände. Mit Sätzen wie sein Land „opfert Bildung, Umweltressourcen und die Interessen der meisten Menschen, nur damit einige Wenige mit Verbindung zur Regierung extrem reich werden können“, hat er sich die kommunistischen Machthaber dauerhaft zum Feind gemacht. Die versuchen nun, ihn wegen Steuerhinterziehung zu belangen. Umgerechnet etwa 1,7 Millionen Euro soll Ai Weiwei nachzahlen. Nachvollziebar vorgerechnet wurde ihm das nicht. Für Ai Weiwei ist das ein Willkürakt gegen einen unbequemen Kritiker – der weltweit eine Spendenaktion auslöste.  (suw)

 In ihrem Hit-Song „It’s the End of the World as We Know It“ besang die US-Rockgruppe R.E.M das Ende der Welt. Nun kommt für die Band um Michael Stipe selbst das Aus. Nach drei Jahrzehnten Rockgeschichte h a b e n die Musiker einen Michael Stipe S c h l u s s -  Fotos (2): dpa strich gezogen. Auf ihrer Website gaben R.E.M. im September die Auflösung bekannt. Die Band aus dem US-Bundesstaat Georgia mit Stipe, Bassist Mike Mills und Gitarrist Peter Buck war durch Hits wie „Losing My Religion“, „Everybody Hurts“, „Imitation Of Life“ und „Man on the Moon“ berühmt geworden.

Rosenstolz sind zurück  Anfang 2009 war Peter Plate vom Berliner Popduo Rosenstolz zusammengebrochen – Diagnose: Bourn-out. Der Musiker zog sich nach London zurück. Nun sind er und AnNa R. wieder da; im September ist das neue Album „Wir sind am Leben“ herausgekommen und hat mittlerweile Platin-Status erreicht. Für ihr Engagement gegen Aids haben die beiden Musiker zudem das Bundesverdienstkreuz erhalten.

Erfindung der Persönlichkeit Die Ausstellung „Gesichter der Renaissance“ im Bode-Museum  Etliche Bilder dieser Ausstellung konnte man in der sehr gut sortierten und wenig überlaufenen Berliner Nationalgalerie schon seit Jahren bewundern. Als sie zusammen mit Werken aus ganz Europa und Amerika im BodeMuseum gezeigt wurden, lösten diese „Gesichter der Renaissance“ einen Ansturm aus. Wer die Schau sehen wollte, brauchte sehr viel Geduld. Doch das Warten lohnte sich, denn darauf folgte eine künstlerische Offenbarung. Fra Angelico, Fra Filippo Lippi, Botticelli, da Vinici, Ghirlandaio – die wichtigsten Namen der Renaissance waren um den Star der Ausstellung versammelt: „Die Dame mit dem Hermelin“, gemalt von Leonardo da Vinci und von Krakau nach Berlin ausgeliehen. Aber nicht nur um Schönheit und Eleganz ging es bei diesen Gemälden, sondern auch um Macht und Politik. Sich porträtieren zu lassen,

Anrührend: „Großvater und Enkel“ (1488) von Domenico Ghirlandaio, gezeigt in der Schau „Gesichter der Renaissance“. Foto: dapd unterstrich die eigene Bedeutung. Außerhalb der Sujets von Heiligen und Madonnen zeigte die Kunst erstmals Menschen, die sich nicht nur mit den himmlischen Sphären, sondern auch mit sich selbst auseinandersetzten. Diese Arbeiten sind die

ersten Zeugen, wie in der Malerei die Persönlichkeit erfunden wurde. Das Verlangen nach Individualisierung und Verinnerlichung war in Berlin vielleicht am anrührendsten bei Domenico Ghirlandaios „Großvater und Enkel“ zu sehen. (suw)


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Das war 2011 – Kultur

19 August

Überirdisch schön: Kirsten Dunst in Lars von Triers „Melancholia“

Fotos: dapd (3), dpa

Erst Skandal, dann hohe Ehren Im Filmjahr 2012 gab es wieder mal Ärger um Lars von Trier / Preise für Wenders und Firth  Beim 24. Europäischen Filmpreis in Berlin hat sein Endzeitdrama drei Trophäen gewonnen – als bester Film, für die Kamera und das Szenenbild. Und möglicherweise hätte Lars von Trier auch beim Filmfestival in Cannes mit „Melancholia“ ordentlich abräumen können. Dort allerdings war der für seine Ausfälle bereits bekannte dänische Regisseur wieder ordentlich ins Fettnäpfchen getreten. Vor laufenden Kameras hatte von Trier über seine deutschen Wurzeln geplaudert und kurzerhand erklärt: „Ich bin ein Nazi … Ich verstehe Hitler. Ich

glaube, dass er ein paar schlechte Dinge gemacht hat, klar, aber ich kann ihn mir in seinem Bunker vorstellen, am Ende.“ Wenige Stunden später ließ er Colin Firth über seine Agentur zwar eine Entschuldigung verbreiten. Das Festival erklärte ihn dennoch offiziell zur „unerwünschten Person“.

S e i n Film bleibt trotz alledem einer der besten, die in diesem Jahr zu sehen waren: In „Melancholia“ inszeniert von Trier Wim Wenders  das Ende der Welt als intimes Drama über zwei Schwestern, die ein auf die Erde zurasender Planet zwingt, Bilanz zu ziehen.

Über den Europäischen Filmpreis durfte sich in diesem Jahr auch ein Deutscher freuen: Wim Wenders setzte sich mit „Pina“ in der Kategorie Dokumentarfilm durch. Gedreht hatte er seine Hommage an die 2009 gestorbene Choreografin Pina Bausch in 3D. Bei den Oscars dominierte wiederum ein Historiendrama: „The King’s Speech“. Der Streifen wurde mit vier Oscars ausgezeichnet – einer davon ging an Hauptdarsteller Colin Firth. Als stotternder König George VI. lief der 51-jährige Brite zu Höchstform auf. (lub)

Kleist-Preisträgerin

Buch des Jahres

Sybille Lewitscharoff spielt mit einem Löwen

Eugen Ruges DDR-Familiensaga

 Martin Mosebach ist von dieser Autorin so beeindruckt, dass er sich vor ihr mit folgenden Worten verneigte: „Deutschland wäre ein besseres Land, wenn viele Deutsche Sibylle Lewita-

schroff lesen würden“. Mosebach sagte das in seiner Laudatio, als die Schriftstellerin dieses Jahr mit dem Heinrich-von-KleistPreis ausgezeichnet wurde. Den bekam sie für ihren bemerkenswerten, hoch gelobten, philosophisch-fiktionalen Roman „Blumenberg“, in dem sie die Figur, die Denkmuster, die Begrifflichkeiten des Philosophen Hans Blumenberg (1920– 1996) romanhaft ausmalt. Eines Tages taucht in dessen Arbeitszimmer ein Löwe auf. Blumenberg ist sich unsicher, ob das Tier echt oder ein Halluzination ist. Doch der Löwe zeigt sich immer häufiger. In der Uni zum Beispiel, wenn Blumenberg Vorlesungen hält. Mit dieser Erscheinung entfaltet Sybille Lewitscharoff ein literarisches Spiel um die Vieldeutigkeit von Wahrnehmungen und Interpretationen der Welt und Machte den Philosophen Hans um die – fein ironisch beschrieBlumenberg zur Romanfigur: bene – Selbstvergewisserung eiSybille Lewitscharoff  Foto: dpa nes Wissenschaftlers.  (suw)

 Es war der wahrscheinlich wichtigste deutsche Roman des Jahres – Eugen Ruges: „In Zeiten des abnehmenden Licht“. Im September war das Buch, das auf der Familiengeschichte des Autors fußt, bei Rowohlt er-

schienen, im Oktober bekam Ruge den Deutschen Buchpreis. Der Roman hat die Bestsellerlisten gestürmt und erscheint bereits in achter Auflage. Ruge beschreibt am inneren Zerfall einer Familie den ideologischen und moralischen Verfall der DDR. Er inszeniert das ohne Häme, ohne Besserwisserei, aber mit einem leisen Bedauern darüber, wie eine historische Chance durch langsam versteinernde Gehirne vertan wurde. Mal behutsam, mal drastisch, mal mit Humor zeichnet er nach, wie aus Widerstandskämpfern bornierte Parteisoldaten, Karrieristen und Dogmatiker mit einem erschreckend engen Horizont wurden und wie ein Riss durch die Generationen dieses Landes ging, wie sehr sich die politische WahrEugen Ruge: ausgezeichnet für nehmung der Alten von der Le„In Zeiten des abnehmenden benswirklichkeit der Jüngern Lichts“ Foto: dpa entfernte.  (suw)

2.: Alleinerziehende Geschiedene müssen nach einer Entscheidung des Bundesgerichtshofs in der Regel Vollzeit arbeiten, sobald das Kind drei Jahre alt ist. Ein Anspruch auf Unterhalt vom Ex-Partner bestehe nur, wenn der betreuende Elternteil nicht in vollem Umfang arbeiten könne. 4.: Der Tod eines 29-Jährigen durch Polizeikugeln löst zwei Tage später in mehreren Stadtteilen Londons eine Gewaltwelle aus. Am 8. August greifen die Krawalle auf andere britische Städte über. Fünf Menschen sterben. 6.: Landesweit demonstrieren in Israel etwa 300 000 Menschen gegen die hohen Lebenshaltungskosten. Im September gehen die Proteste für mehr soziale Gerechtigkeit weiter. 10.: Deutschland und die Schweiz einigen sich auf eine Besteuerung der Gelder deutscher Kapitalflüchtlinge auf Schweizer Bankkonten. Das Abkommen sieht neben einer Regelung für Altfälle auch eine Abgeltungssteuer für künftige Erträge vor. Massive Kritik kommt von der SPD. 14.: Neun Monate vor der Landtagswahl in Schleswig-Holstein tritt der Landesvorsitzende und designierte Spitzenkandidat der CDU, Christian von Boetticher, wegen einer inzwischen beendeten Liebesbeziehung zu einer Minderjährigen zurück. Der 40-Jährige tritt auch als CDU-Landtagsfraktionschef zurück. 18.: Fünf Menschen kommen bei einem Rockfestival in Belgien ums Leben, als ein heftiger Sturm über dem Gelände wütet. 140 Besucher werden leicht, elf schwer verletzt. 23.: Der mit 70 Megawatt größte deutsche Solarpark geht im Süden Brandenburgs ans Netz. Die Photovoltaik-Anlage liegt im alten Braunkohletagebau Meuro. 24.: Beim Start in Russland stürzt ein unbemannter Versorgungstransporter für die Internationale Raumstation ISS ab. Die Zündung der dritten Stufe der Sojus-Trägerrakete war defekt. 27.: Hurrikan „Irene“ trifft nahe Cape Lookout im USBundesstaat North Carolina mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 140 Stundenkilometern auf die Ostküste. Mindestens 45 Menschen sterben.


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Das war 2011 – Sport

Jahreswechsel 2011/2012

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September 1.: Ausgeglüht: Die alte 60-Watt-Glühbirne darf nicht mehr hergestellt und vertrieben werden – wie zuvor schon die 75 – und 100-Watt-Birnen. Damit wird ein EU-Verordnung umgesetzt. 2.: Nach einer schweren Datenpanne um geheime US-Depeschen stellt Wikileaks-Gründer Julian Assange die heiklen Dokumente selbst ungeschwärzt ins Internet. Über seine Enthüllungsplattform Wikileaks sind mehr als 250 000 Dokumente abrufbar. Damit sind Namen von Informanten der US-Botschaften öffentlich. 5.: Zwei in Afghanistan vermisste deutsche Entwicklungshelfer sind erschossen worden. Sie waren bei einer Wanderung im Hindukusch-Gebirge nördlich von Kabul am 19. August spurlos verschwunden. 7.: Bei einem Flugzeugabsturz nahe Jaroslawl in Russland kommen 44 Menschen ums Leben, darunter das Team des russischen Eishockey-Erstligisten Lokomotive Jaroslawl mit dem deutschen Nationalspieler Robert Dietrich.

15.: Dänemarks Sozialdemokraten erobern nach zehn Jahren die Regierungsmacht zurück. Mit ihrem Mitte-Links-Bündnis setzt sich Oppositionschefin Helle Thorning-Schmidt bei den Parlamentswahlen gegen den rechtsliberalen Ministerpräsidenten Lars Løkke Rasmussen durch. Sie wird die erste Regierungschefin des Landes. 22. Einer der wenigen Deutschen an der Spitze eines US-Konzerns räumt seinen Posten. Léo Apotheker hört nach nicht mal einem Jahr beim Computerprimus Hewlett-Packard auf. 23.: Palästinenserpräsident Mahmud Abbas beantragt die Aufnahme eines Staates Palästina in die Vereinten Nationen. Der Antrag scheitert am Sicherheitsrat. 29.: China startet ein Raummodul. Eine Rakete vom Typ „Langer Marsch 2FT1“ mit dem 8,5 Tonnen schweren Gerät hebt vom Raumfahrtzentrum in Jiuquan in Nordwestchina ab. China will eine eigene Raumstation einrichten.

Sekunde des Ausscheidens: Die deutsche Torfrau Nadine Angerer und Bianca Schmidt können den japanischen Siegestreffer nicht verhindern. Fotos: Imago/dpa

Unerfüllte Mission

Die deutschen Fußballfrauen scheitern bei der Heim-WM im Viertelfinale / Titel geht an Japan  In der 108. Minute des Viertelfinales war das selbst ernannte Sommermärchen der deutschen Fußballfrauen jäh beendet. Die Japanerin Karina Maruyama überwand die äußerst unglücklich agierende Torfrau Nadine Angerer aus spitzem Winkel und zerstörte den Titeltraum bei der Heim-WM. Und als ob das nicht genügte, war auch noch die Olympia-Teilnahme 2012 dahin – ein enormer Rückschlag. Die Japanerinnen mit der Potsdamerin Yuki Nagasato dagegen blühten regelrecht auf und sicherten sich am 17. Juli im Finale gegen die USA den Titel. Sie wur-

den Heldinnen eines durch Erdbeben, Tsunami und Atomkatastrophe geschundenen Landes. Die deutschen Fußballerinnen dagegen mussten ihre Wunden lecken. Offenbar war der Druck zu groß geworden. Normalerweise spielen sie in der Bundesliga vor 1000 Zuschauern – jetzt waren sie Popstars, Tagesgespräch im Boulevard und nicht nur dort. Und spätestens, als Bundeskanzlerin Angela Merkel die Mannschaft verabschiedete wie sonst Bundeswehrsoldaten vor einem wichtigen Einsatz, war der Auftrag der Nation quasi offiziell. Holt den Titel nach Hause! Doch schon in den ersten bei-

den Partien, die gegen Kanada und Nigeria knapp gewonnen wurden, war jedem klar, dass das nicht so einfach werden würde. Regelrecht weggewischt waren die federleichten Auftritte aus der Vorbereitung, die Verkrampftheit herrschte vor. Es folgte das beste Spiel der Vorrunde beim 4:2 gegen Frankreich, bevor die Mannschaft gegen Japan ihr Waterloo erlebte. Organisatorisch hatte alles geklappt. OK-Chefin Steffi Jones und ihr Team hatten einen tollen Job erledigt. Die Stadien waren voll, die Stimmung war prächtig, und die Einschaltquoten erreichten utopische Zahlen. Nur

der sportliche Erfolg war ausgeblieben. Der Hype um den Frauenfußball ist jedenfalls vorbei – trotz steigender Zuschauerzahlen in der Bundesliga. Für Lira Bajramaj, Babett Peter und Bianca Schmidt war das 0:1 gegen Japan die zweite deprimierende Niederlage binnen kurzer Zeit. Im Mai hatte Turbine Potsdam das Finale der Champions League mit 0:2 gegen Olympique Lyon verloren. Schon damals gab es Anzeichen, dass die Dominanz des deutschen FrauenFußballs vorbei ist. Nur wenige wollten das wahrhaben – bis Karina Maruyama mitten ins deutsche Herz traf.  Philipp Kaiser

Der Coup von Kloppos Jungs Borussia Dortmund sichert sich die Fußball-Meisterschaft  Es gibt diese Jubel-Pose des Dortmunder Trainers Jürgen Klopp, die so typisch für ihn ist. Nach wichtigen Toren rast er los, fletscht die Zähne wie ein wildgewordener Rottweiler und rudert mit den Armen. Kein schöner Anblick, wie er selbst einmal zugab. Am 30. April jedoch war das alles egal. Da stand auch rechnerisch fest, dass der BVB Deutscher Fußball-Meister wird. Durch das 2:0 gegen den 1. FC Nürnberg wurde eine fantastische Saison gekrönt. Kloppos Jungs, wie der Trainer seine Profis nennt, hatten nicht nur die Dortmunder Fans verzückt mit unglaublicher Laufarbeit, taktischer Geschlossenheit, aber auch viel Spielwitz. Die Feier zwei Wochen später mit gut einer halben Million Menschen auf den

Straßen sprengte alle Rekorde. Im Ruhrgebiet geht es beim Fußball extrem emotional zu. Das Meisterstück hatten Nuri Sahin, Mario Götze und Co. schon am 27. Februar abgeliefert, als sie den ruhmreichen FC Bayern mit 3:1 aus der heimischen Allianz-Arena schossen und die letzten Zweifel beseitigten. Und endlich legten sie den lächerlichen Maulkorb ab, sprachen offiziell vom Titel. Zuvor hatten Profis, Verantwortliche und Trainer kabarettreif das böse „M“-Wort gemieden. Der Meistertitel 2011 wird immer mit dem Namen Jürgen Klopp verbunden sein. Drei Jahre hatte er die Mannschaft aufgebaut, er setzte vorwiegend auf junge Kerle, für die kein Weg zu weit war. Klopp gibt der Borussia das Gesicht. Nichts hasst

er ja mehr, als wenn sich jemand verstellt. Er selbst geht immer den geraden Weg, ohne Kompromisse, selbst wenn er damit aneckt. Auch wenn der Borussia jetzt mehr Geld zur Verfügung steht – Megatransfers tätigt die Troika um Präsident Hans-Joachim Watzke, Sportdirektor Michael Zorc und Klopp nicht. Sie suchen weiter nach Talenten, die der Trainer formen kann. Nach dem Ausscheiden in der Champions League gab es deshalb viel Kritik wegen der fehlenden Erfahrung, aber damit kann Klopp gut leben. „Wir werden diesen Weg weitergehen“, sagt er. Man kann das auch als Drohung an die Konkurrenz auffassen, dass die Borussia viel vorhat und der Trainer noch oft den Klopp-Jubel macht. (phk)

Typisch Klopp: Der Trainer jubelt nach einem Dortmunder Tor. Foto: Imago


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Jahreswechsel 2011/2012

Das war 2011 – Sport

Die Füchse als Komet für lange Zeit  Die Handball-Füchse sind Berlins Mannschaft des Jahres geworden. Was ist daran so ungewöhnlich? Sie sind die einzigen, die die Dauer-Größen THW Kiel und HSV Hamburg in der vergangenen Saison besiegt haben. Und sie spielen in der Champions League, der europäischen Königsklasse ihrer Sportart. Der Bekanntheitsgrad des Bundesligisten ist gleichzusetzen mit dem der HerthaFußballer und der Eisbären als Eishockey-Meister. Ja, warum nicht? Schließlich ist Handball die Sportart, die ihre Wiege nicht nur in Deutschland, sondern sogar in Berlin hatte. Und trotzdem sind die Füchse so etwas wie ein wiederkehrender Komet, der nach einem Höhenflug in den 80ern erst kürzlich erneut entdeckt wurde. Denn vor sechs Jahren kämpfte der Verein mit Wurzeln im Stadtbezirk Reinickendorf gegen den Abstieg – aus der 2. Liga. Und mangels finanzieller Basis gegen die Bedeutungslosigkeit. Nun ist der Bundesligist aber weit davon entfernt, die Rolle des Kometen weiter zu verfolgen. „Wir bleiben bodenständig“, versichert Bob Hanning. Und beweist das mit Taten. Der Manager trainiert die Jugend selbst, um eigene Talente in die ProfiMannschaft einzubauen. Und er bindet Publikumslieblinge. Nach Torwart Petr Stochl erhielt auch Regisseur Bartlomije Jaszka einen Vertrag über sechs Jahre. (hcm)

21 Oktober

Triumph in Südamerika: Timo Gottschalk (links) mit Rallye-Pilot Nasser Al-Attiyah (rechts) und VW-Motorsport-Chef Kris Nissen nach dem Sieg bei der Dakar Fotos: Imago/dapd

Der Rallye-Helfer

Timo Gottschalk aus Rheinsberg siegte als Co-Pilot bei der Dakar  Er hat einen der schnellsten Arbeitsplätze des Landes. Timo Gottschalk ist Rallye-CoPilot und in seinem Metier einer der Besten – auch wenn er das nie von sich behaupten würde. Im Januar siegte der Rheinsberger bei der traditionsreichen Rallye Dakar. „Eigentlich hat sich seitdem für mich gar nichts verändert“, sagt er fast ein Jahr später über seinen größten Erfolg, den er in Argentinien und Chile mit dem Katari Nasser Al-Attiyah am Steuer für VW herausgefahren hatte. Gottschalk gibt zwar zu, dass „es sicher ein wichtiger Meilenstein in meinem Leben war“.

Aber eben nur ein Meilenstein, keine Zieldurchfahrt. „Man entwickelt sich ja ständig weiter.“ Vom Rallye-Raid-Sport, den Marathon-Wettbewerben à la Dakar, hat sich der 37-Jährige verabschiedet, begleitet Volkswagen nun beim Einstieg in die WM – als Berater und Co-Pilot. Den Unterschied erklärt er so: „Der normale Rallye-Sport ist wie ein 100-Meter-Lauf. Du musst über eine kurze Zeit deine optimale Leistung bringen und voll auf Attacke gehen. Beim Rallye-Raid musst du hingegen deine Kraft, Fahrweise und das Material auf mehrere tausend Kilometer ausrichten.“

Dass Timo Gottschalk Silvester zu Hause sein wird, ist ungewohnt. Zuletzt verbrachte er den Jahreswechsel mit Lampenfieber in Buenos Aires. „Es ist schon ein komisches Gefühl, diesmal nicht dabei zu sein. Aber ich werde die Dakar intensiv verfolgen.“ In Rheinsberg wird er ein wenig in der Werkstatt helfen, um dann wieder durchzustarten. Der Auto-Besessene hegt aber einen Aussteiger-Traum. „Ich könnte mir vorstellen, drei Jahre auf einem Motorrad durch die Welt zu fahren und mir die Zeit zu nehmen, alles in Ruhe anzuschauen.“ Marcus Gansewig

3.: Ein Nobelpreis wird posthum verliehen. Die Jury spricht dem kanadischen Immunforscher Ralph M. Steinman den Nobelpreis für Medizin zu, ohne zu wissen, dass er kurz zuvor gestorben ist. 8.: Der Chaos Computer Club deckt auf, dass eine „staatliche Spionagesoftware“ gegen rechtliche Vorgaben zur Online-Durchsuchung verstößt. Die Software war der Berliner Hackervereinigung zugespielt worden. Mehrere Bundesländer bestätigen, Trojaner für die Computerüberwachung verwendet zu haben. 11.: Nach mehr als fünf Jahren Verhandlungen vereinbaren Israel und die radikal-islamische Hamas einen Gefangenenaustausch. Der im Juni 2006 entführte israelische Soldat Gilad Schalit kommt am 18. Oktober im Austausch gegen 1027 palästinensische Häftlinge frei. 12.: Deutschlands Tischtennis-Herren werden zum fünften Mal in Folge Europameister. In Danzig (Polen) besiegen sie die schwedische Mannschaft mit 3:0. Boll gewinnt zudem seinen fünften EM-Titel im Einzel und seine 15. EM-Goldmedaille. 16.: Der britische Rennfahrer Dan Wheldon (33) verunglückt im Finale der Indycar-300-Serie in Las Vegas (US-Bundesstaat Nevada) tödlich. In den Unfall sind 15 Autos verwickelt.

Ein sympathischer Superstar Basketballer Dirk Nowitzki gewinnt den NBA-Titel und wird Deutschlands Sportler des Jahres

Überwältigend: Tausende Würzburger feierten Dirk Nowitzki im Juni auf dem Schlossplatz seiner Heimatstadt. Foto: Imago

 Basketball hat einen Namen: Dirk Nowitzki. Und das nicht nur in Deutschland, sondern auch in den USA, wo „The German Wunderkind“ längst everybodys darling ist. Die Amis lieben ihre Helden, und ein solcher ist der 33-jährige Profi, seit er die Dallas Maverick im Juni zum Titelgewinn in der nordamerikanischen NBA geführt hat. Nowitzki wurde zum wertvollsten Spieler der mit 4:2 gewonnenen Finalserie gegen die Miami Heat gekürt – und das war er auch. Selbst ein gleich im ersten Spiel erlittener Sehnenanriss im linken Mittelfinger hatte ihn bei der Verwirklichung seines großen Traums nicht mehr aufhalten können. In seiner Heimatstadt Würzburg wurde ihm anschließend ein grandioser Empfang bereitet. Tausende jubelten dem über-

wältigten Superstar zu. „Damit habe ich nicht gerechnet. Den Tag werde ich den Rest meines Lebens nicht vergessen.“ Dass Nowitzki, der vor 13 Jahren eine einzige Saison in der Bundesliga spielte, ehe er nach Dallas wechselte, hierzulande so populär ist, hat einen guten Grund. Er war sich nie zu schade, sein Können in den Dienst der Nationalmannschaft zu stellen. Und beanspruchte auch keinen Sonderstatus. Allüren sind ihm fremd. Dirk Nowitzki, der Sympathieträger. Als erster Mannschaftsspieler überhaupt wurde er zu Deutschlands Sportler des Jahres gekürt. In Richtung der Journalisten, die ihn gewählt hatten, sagte er gutgelaunt: „Danke. Ihr habt zum ersten Mal bewiesen, dass ihr was von Basketball versteht.“  (kb)

20.: Die baskische Untergrundorganisation ETA sagt sich nach 43 Jahren vom Terror los. Dies geht aus einem Kommuniqué hervor, das die baskische Zeitung „Gara“ veröffentlicht. 27.: In einem Kunstfälscherprozess verurteilt das Kölner Landgericht vier Angeklagte zu Haft von bis zu sechs Jahren. Sie hatten mit gefälschten Werken von Künstlern wie Max Ernst und Max Pechstein Millionenbeträge eingenommen. 31.: Auf der Erde leben jetzt sieben Milliarden Menschen. Auf ein symbolisches Milliardenkind, wie bei den letzten Wegmarken 1987 und 1999, verzichten die Vereinten Nationen.


Das war war 2011 2011 –– Sport Sport Das

22 22 November November 4.: Das Das längste längste IsolatiIsolati4.: onsexperiment in der Geonsexperiment in der Geschichte der Raumfahrt schichte der Raumfahrt ist zu zu Ende. Ende. Sechs Sechs MänMänist ner aus Russland, China, ner aus Russland, China, Frankreich und und Italien Italien ververFrankreich lassen nach 520 Tagen ein lassen nach 520 Tagen ein nachgebautes Raumschiff. Raumschiff. nachgebautes Damit wurde wurde ein ein Marsflug Marsflug Damit simuliert. simuliert. 6.: Schwarz-Gelb Schwarz-Gelb einigt einigt 6.: sich auf auf SteuererleichterunSteuererleichterunsich gen von von sechs sechs Milliarden Milliarden gen Euro. Damit Damit sollen sollen untere untere Euro. und mittlere Einkommen ab und mittlere Einkommen ab 2013 entlastet entlastet werden. werden. ZuZu2013 dem beschließen beschließen CDU CDU und und dem FDP, das das Betreuungsgeld Betreuungsgeld FDP, einzuführen und und die die PflegePflegeeinzuführen versicherung anzuheben. anzuheben. versicherung 9.: Als Als erster erster Deutscher Deutscher wird wird 9.: Pius Heinz Heinz Poker-WeltmeisPoker-WeltmeisPius ter. Der Der 22-Jährige 22-Jährige gewinnt gewinnt ter. die World World Series Series of of Poker Poker in in die Las Vegas mit einen PreisLas Vegas mit einen Preisgeld von von 8,7 8,7 Millionen Millionen DolDolgeld lar (6,3 Mio Euro). lar (6,3 Mio Euro). 10.: Der Der Rapper Rapper BushiBushi10.: do erhält den Medienpreis do erhält den Medienpreis Bambi als als „Vorbild „Vorbild für für InteInteBambi gration“. Die Pop-Gruppe gration“. Die Pop-Gruppe Rosenstolz, ebenfalls ebenfalls PreisPreisRosenstolz, träger, kritisiert die Entträger, kritisiert die Entscheidung vor vor laufender laufender scheidung Kamera. Bushidos Bushidos frühere frühere Kamera. Texte seien seien frauenfeindlich frauenfeindlich Texte und menschenverachtend. menschenverachtend. und 19.: Der Bundesliga19.: Der BundesligaSchiedsrichter Babak RaRaSchiedsrichter Babak fati versucht versucht in in einem einem KölKölfati ner Hotel, Hotel, sich sich das das Leben Leben ner zu nehmen. nehmen. Das Das Spiel Spiel 1. 1. FC FC zu Köln gegen FSV Mainz 05 Köln gegen FSV Mainz 05 wird abgesagt. abgesagt. wird 28.: Zum Zum letzten letzten Mal Mal erer28.: reicht ein ein Castor-TransCastor-Transreicht port aus aus Frankreich Frankreich das das port niedersächsische Gorleniedersächsische Gorleben. Begleitet Begleitet von von erbittererbitterben. tem Widerstand Widerstand hatte hatte der der tem Zug mit hoch radioaktivem Zug mit hoch radioaktivem deutschem Atommüll Atommüll von von deutschem La Hague bis zu seinem La Hague bis zu seinem Ziel mehr mehr als als fünf fünf Tage Tage gegeZiel braucht, länger als andere braucht, länger als andere zuvor. zuvor.

Jahreswechsel 2011/2012 2011/2012 Jahreswechsel

Die Schnellste der Welt

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Danedream überstrahlt überstrahlt die die deutsche deutsche Galopper-Szene Galopper-Szene Danedream

■ Die Die Ungarn Ungarn haben haben es es geschafft, geschafft,  die USA fast. 2008 wurde bei den den die USA fast. 2008 wurde bei Magyaren der Galopper Overdose Magyaren der Galopper Overdose zum Sportler Sportler des des Jahres Jahres gewählt. gewählt. zum Vor allen menschlichen KonkurVor allen menschlichen Konkurrenten. Die Amerikaner setzrenten. Die Amerikaner setzten vor zwölf Monaten die in ten vor zwölf Monaten die in 14 Rennen 14-mal siegreiche Stute 14 Rennen 14-mal siegreiche Stute Zenyatta auf auf Rang Rang 22 hinter hinter TenTenZenyatta nis-Profi Serena Williams. nis-Profi Serena Williams. Und in in Deutschland? Deutschland? Da Da Und reichte es für Danedream nicht reichte es für Danedream nicht einmal zum zum Sprung Sprung auf auf die die VorVoreinmal schlagsliste. Schade. Die Stute schlagsliste. Schade. Die Stute hätte gleich gleich mehrere mehrere Bestmarken Bestmarken hätte übertroffen. Die Dreijährige wäre übertroffen. Die Dreijährige wäre nicht nur die jüngste Sportlerin nicht nur die jüngste Sportlerin des Jahres Jahres gewesen, gewesen, sondern sondern des auch die erste vierbeinige. auch die erste vierbeinige. Doch auch auch so so hat hat die die Tochter Tochter Doch des Spitzenhengstes Lomitas eine des Spitzenhengstes Lomitas eine Bestleistung an die andere geBestleistung an die andere gereiht. Richtig auf ging der Stern reiht. Richtig auf ging der Stern des Schützlings des Schützlingsvon vonTrainer TrainerPeter PeSchiergen beim grandiosen Sieg ter Schiergen beim grandiosen im Großen Preis Preis von Berlin im Sieg im Großen von BerSommer in Hoppegarten. Sensalin im Sommer in Hoppegarten. tionell gewann sie danach unter Sensationell gewann sie danach ihrem ständigen Reiter Andrasch unter ihrem ständigen Reiter Starke mit Starke dem Prix l’ ArcPrix de Andrasch mitdedem Triomphe in Paris das prestide l’ Arc de Triomphe in Paris geträchtigste Galopprennen der das prestigeträchtigste GaloppWelt. Mit einer Gewinnsumme rennen der Welt. Mit einer Gevon 2,87 Millionen steht winnsumme von 2,87Euro Millionen Danedream auf Rang 3 der deutEuro steht Danedream auf Rang Liste und wird nächs3schen der deutschen Liste im und wird ten Jahr mit Sicherheit die Spitze im nächsten Jahr mit Sicherheit übernehmen. die Spitze übernehmen. Dabei war war die die Tochter Tochter der der Stute Stute Dabei Danedrop ein Schnäppchen, als Danedrop ein Schnäppchen, als sie auf der Iffezheimer Frühjahrssie auf der Iffezheimer Frühjahrsauktion 2010 2010 ersteigert ersteigert wurde. wurde. auktion Für ihre Klasse lächerliche Für ihre Klasse lächerliche 9000 Euro Euro musste musste MöbelhausMöbelhaus9000 besitzer Helmut Volz besitzer Helmut Volzseinerzeit seinerzahlen. „Dass Danedream zu zeit zahlen. „Dass Danedream ihrer Karriere in Hoppegarten zu ihrer Karriere in Hoppegardurchstartete, wirft einein tolles ten durchstartete, wirft tolLicht auf die Bahn. Jetzt les Licht auf die Bahn. Jetzt wird wird es aber aber schwer, schwer, sie sie noch noch einmal einmal es herzuholen“, weiß Hoppegartenherzuholen“, weiß HoppegartenEigner Gerhard Gerhard Schöningh Schöningh um um Eigner die Wertsteigerung der schneldie Wertsteigerung der schnellen Pferdedame. Pferdedame. H Hans ANS MORITZ len Moritz

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Das war 2011 – Trauer

Jahreswechsel 2011/2012

23 Dezember

Jiri Dienstbier (73) Eva Strittmatter (80) Schriftstellerin

✝ 4. Januar

Peter Alexander (84)

Politiker

Schauspieler

✝ 8. Januar

✝ 12. Februar

Nachruf in Bildern

G. Wienckowski (75) Maler

✝ 6. April

Ob Politik, Wirtschaft, Sport oder Kultur: Aus den verschiedensten Bereichen der Gesellschaft gab es 2011 Todesnachrichten.  Fotos: dpa (10), dapd (4), MOZ/Horn

Gunter Sachs (78)

Georg Sterzinsky (75)

Unternehmer

Kardinal

✝ 7. Mai

✝ 30. Juni

Bernhard Heisig (86) Maler ✝ 10. Juni

Leo Kirch (84) Medienunternehmer

✝ 14. Juli

Wangari Maathai (71) Loriot (87)

Hans Apel (79)

Humorist

Politiker

✝ 22. August

✝ 7. September

Politikerin

✝ 25. September

2.: Theo Zwanziger, Präsident des Deutschen Fußball-Bunds, kündigt für März 2012 seinen Rücktritt an. 4.: Bei der Wahl in Russland verliert die Partei Geeintes Russland von Ministerpräsident Wladimir Putin deutlich an Stimmen, erringt jedoch die Mehrheit der Parlamentssitze. In großen Städten kommt es zu Protesten, die Demonstranten werfen der Regierung eklatante Fälschungen bei der Parlamentswahl vor. 7.: In der Zentrale der Deutschen Bank in Frankfurt wird eine an Konzernchef Josef Ackermann adressierte Briefbombe entdeckt und entschärft. Zu der Tat bekennen sich italienische Linksanarchisten. 11.: Nach einem Verhandlungsmarathon einigt sich der UN-Klimagipfel im südafrikanischen Durban auf einen Fahrplan für ein neues globales Abkommen. Ab 2020 soll ein Nachfolgevertrag zum Kyoto-Abkommen auch die Schwellenländer einbinden. Konkrete Ziele fehlen jedoch. 12.: Durch eine „Bild“-Meldung gerät Bundespräsident Christian Wulff unter Druck. Als Ministerpräsident von Niedersachsen hatte er sich 2008 von einer befreundeten Unternehmergattin aus Osnabrück zu günstigen Bedingungen 500 000 Euro geliehen. Im Landtag hatte er später geschäftliche Beziehungen zu deren Ehemann verneint. 18.: Hertha BSC trennt sich von Trainer Markus Babbel. Wenige Tage später wird Michael Skibbe als neuer Coach präsentiert.

Impressum Das war 2011 Das Jahr in Brandenburg, Deutschland und der Welt Sonderbeilage

Märkische Oderzeitung 31. Dezember 2011 Redaktion: Christine Sefzyk Herstellung: Jörn Sandner Anschrift: Kellenspring 6 15230 Frankfurt (Oder) Telefon 0335 5530-563 Telefax 0335 5530-538 E-mail: cvd@moz.de

Christa Wolf (82)

Vaclav Havel (78)

Redaktionsschluss: 27. Dezember 2011

Kabarettist und Komponist

Schriftstellerin

Schriftsteller und Politiker

✝ 22. November

✝ 1. Dezember

✝ 18. Dezember

Titelbilder: dpa (4), promo, dapd

Joe Frazier (67)

Georg Kreisler (89)

Boxer

✝ 7. November


24

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Das war 2011 – Mit spitzer Feder

Zeichnung: Berndt A. Skott

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Jahreswechsel 2011/2012

MOZ

Zeichnung: Berndt A. Skott

„Jungs, ich fürchte, wir müssen nochmal ran!“

Zeichnung: Luff

SPD-Ritterschlag

Zeichnung: Luff

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Zeichnung: Luff

„Ich unterwandert? Von wem?“

Zeichnung: Luff


Jahresendbeilage 2011