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StĂŠphane Peterhansel


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Stéphane Peterhansel von Miriam Kaefert (Text) und Martin Kath (Fotos)

Er ist für den Rallyesport das, was Lance Armstrong fürs Radfahren ist – nur erfolgreicher und nebenbei auch noch sympathisch. Neun Mal hat Stéphane Peterhansel die Rallye Dakar gewonnen, er weiß eben auch in der Wüste, wo es langgeht. Seinen ersten Sieg 1991 fuhr er mit einer Yamaha-Maschine noch auf zwei Rädern ein, insgesamt sechs Mal gewann er die Motorradwertung. Drei Mal siegte er bisher auch auf vier Rädern – aber dabei soll es nicht bleiben. 2010 plant der Wüsten-Held Sieg Nummer zehn. Seine Chancen sind gut: Im Rallyesport und vor allem bei der Dakar geht es weniger um Speed als um Erfahrung. Und darin ist Peterhansel nicht zu toppen. Am Januar 2010 startet er erstmals für den privaten Rennstall BMW X-Raid. Und Stéphane Peterhansel glaubt an den Sieg. Ans Bremsen denkt er auch nach mehr als 25 Jahren Motorsport nicht – der Kick, das Adrenalin und der Rausch nach jedem Sieg machen süchtig … Im Interview spricht er über sein unheimlichstes RallyeErlebnis, seine Familie und seine Pläne …

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Stéphane Peterhansel ist eine Ikone des Rallyesports. Der neunfache Dakar-Sieger beherrscht sein Auto wie kein Zweiter. Ein Profi, aber kein Routinier: „Man darf nie in Routine verfallen, muss jede Sekunde hellwach sein“, sagt er.

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Wie läuft die Vorbereitung auf das Rennen? Es geht schon im Mai, also acht Monate vorher, los. Das Wichtigste sind Tests am Wagen. Motor und Technik müssen bei der Rallye hundertprozentig zuverlässig funktionieren. Und der Fahrer auch! Das heißt, es ist für mich immens wichtig, top in Form zu sein. Ich mache vier Mal wöchentlich Sport, da ich in der Schweiz in den Bergen lebe, gehe ich viel wandern. Und auch Radfahren, das ist sehr gut für die Ausdauer. Was ist der Reiz an der Rallye Dakar? Für mich ist dieses Rennen der absolute Höhepunkt! Bei meiner ersten Rallye in Afrika war das wie ein Schock, ich war einfach überwältigt! Man ist abgesehen vom Beifahrer völlig allein in dieser atemberaubenden Landschaft, es ist ein unglaubliches Freiheitsgefühl. Und die Dakar ist komplizierter als andere Rallyes, sie ist extrem viel schwieriger und komplexer. Es geht nicht um Speed. Wer Vollgas gibt, verliert meist. Es geht um Taktik, darum, im richtigen Moment die richtige Entscheidung zu treffen, die richtige Route zu wählen, die richtige Geschwindigkeit zu haben. Deshalb braucht man für das Rennen Reife und Erfahrung, junge Fahrer gewinnen fast nie weil sie denken, sie könnten die Strecke kalkulieren und sie würden gewinnen, wenn sie nur schnell genug sind. Als ich bei meinem ersten Rennen mit dem Motorrad startete, ging es mir genauso. Ich habe zu viel Gas gegeben, ich kannte die Wüste nicht, ich hatte keine Erfahrung – und damit auch keine Chance. Seit 1978 sind bei dem Rennen 59 Menschen ums Leben gekommen. Der letzte war ein französischer Amateurfahrer, dem mit seinem Motorrad der Sprit ausgegangen war, er starb an einem Lungenödem und wurde erst vier Tage später gefunden. Waren Sie jemals in einer lebensbedrohlichen Situation? Ja, ich hatte eine ganz ähnliche Situation bei meinem ersten Dakar-Start 1988. Damals gab es noch kein GPS, ich war mit dem Motorrad unterwegs und in Nigeria habe ich mich total verfahren. Ich landete im Nichts, im absoluten Niemandsland und war komplett orientierungslos. Mir ging das Benzin aus und musste eine Entscheidung treffen: Auf Rettung hoffen oder losmarschieren und beten, dass ich irgendwo auf Menschen treffe. Ich habe mich auf den Weg gemacht. Einen Tag lang bin ich durch die Wüste geirrt, glauben Sie mir, ein Tag kann endlos lang sein. Dann stieß ich auf ein kleines Dorf – das war

meine Rettung. Diese Erfahrung war unheimlich – seitdem habe ich wirklich Respekt vor dem Rennen und bin mir der Gefahr sehr bewusst. Gab oder gibt es für Sie eine Alternative zum Rallyesport? Nein, die gab es nie. Ich habe mit 18 Jahren die Schule verlassen und seitdem bin ich professioneller Fahrer. Der Wettkampf, der Kampf mit sich selbst und das Gefühl, auf der Rallyepiste zu sein, das ist mein Leben. Ich kann mir nichts anderes vorstellen, niemals. Sie haben zwei Kinder – haben die Ambitionen im Rallyesport? Und was würden Sie davon halten? Meine Tochter ist jetzt 16, sie geht noch zur Schule. Und mein Sohn ist 20, er studiert. Glauben Sie mir, darüber bin ich sehr froh. Er fährt Motorrad nur zum Spaß, das ist okay. Aber wenn er professionelle Ambitionen hätte, wäre ich damit nicht einverstanden. Ich hätte Angst um ihn, schließlich kenne ich die Gefahren des Motorsports nur allzu gut. Ich bin allerdings froh, dass meine Lebensgefährtin meinen Beruf so toleriert. Andrea ist übrigens Deutsche, wir sind seit fünf Jahren zusammen. Sie kommt selbst aus dem Rallyegeschäft, momentan ist sie in Dubai bei einem Rennen. Sie fährt allerdings nicht, sondern entwirft die Roadbooks, also die Bücher, in denen die Strecke für die Fahrer aufgezeichnet ist. Wie gehen Sie mit Niederlagen um? 2008 zum Beispiel, da sind sie wegen eines Motorbrands ausgeschieden, die ganze Vorbereitung war dahin – sie konnte die Rallye nicht beenden. Ich habe da zum Glück eine ziemlich nüchterne Einstellung. Wenn ich eine Rallye gewinne, dann ist das großartig, ich freue mich zwei oder drei Tage lang. Aber dann geht das Leben auch weiter, dann geht es zurück in die Normalität und an die Arbeit. Genauso ist es umgekehrt. Ich verschwende meine Zeit nicht damit, mich über Fehler oder verpasste Gelegenheiten zu ärgern. Ich mache einfach weiter. Mein letzter Sieg war die Rallye 2007 mit Mitsubishi. Nächstes Jahr starte ich für X-Raid und ich bin sehr zuversichtlich. Das Team arbeitet hervorragend zusammen, der Wagen ist top. Wir haben gute Chancen auf den ersten Dakar-Sieg des Rennstalls. Wir werden sehen – im Januar. Ich freue mich jedenfalls jetzt schon sehr!

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Nach jeder Etappe der Check mit Teamchef Sven Quandt: Wie sind die Zeiten? Was kann verbessert werden? Peterhansel ist nicht zufrieden, er liegt nicht an der Spitze. Sein Rezept bei Misserfolgen: „Weitermachen, nach vorne denken.“

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Die Rallye Dakar Das härteste und gefährlichste Rennen der Welt Die Rallye Dakar ist ein mehr als zwei Wochen dauerndes Langstreckenrennen mit Etappen, die teilweise über 800 Kilometer gehen. Das Rennen gilt als ultimative Herausforderung für die Fahrer, da es mit Ausnahme von einem Ruhetag keine Erholung für die Teams gibt - die hohe Belastung führt dazu, dass nur etwa die Hälfte der Teilnehmer das Ziel erreichen. Die erste Rallye Dakar wurde am 26. Dezember 1978 in Paris gestartet und endete am 14. Januar 1979 in Dakar. Gründer des Wüstenrennens war der Franzose Thierry Sabine. Das Motto des wagemutigen Fahrers: „If life gets boring, risk ist!“ („Wenn das Leben langweilig wird, riskiere es!“) Er selbst kam bei der Rallye durch einen tragischen Unfall ums Leben – allerdings nicht in einem Rennwagen. Er stürzte 1986 während der Dakar bei einem Sandsturm mit dem Hubschrauber ab. Die Rallye ist berüchtigt und umstritten wegen der vielen Todesfälle, nicht nur Fahrer, sondern auch Journalisten und Zuschauer kamen bei dem Rennen ums Leben, insgesamt starben offiziell 59 Menschen bei dem Rennen. Im Jahr 2008 wurde die Dakar das erste Mal abgesagt – Grund waren Terrordrohungen. Die Rallye 2009 fand deshalb erstmalig in Südamerika statt in Afrika statt, auch 2010 wird Buenos Aires Start- und Zielpunkt des Rennens sein, die Strecke führt über 9000 Kilometer quer durch Argentinien und Chile. 18


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MK2 Miriam Kaefert Journalistin Mobil 0176 - 61 58 99 94 mk@miriamkaefert.de Martin Kath Fotografie Mobil 0171 - 642 17 17 mk@martinkath.de www.martinkath.de Seilerstraße 20 20359 Hamburg Telefon 040 - 69 64 39 50 Fax o40 - 69 64 64 18

Die Reportage in dieser Form ist ein reines Angebot – also vollkommen variabel in Länge, Layout und Aufbau. Fotos und Text gibt es auch jeweils einzeln und unabhängig voneinander. Weitere Fotos sind vorhanden, Homepage des Fotografen: www.martinkath.de Weitere Textproben/Veröffentlichungen von Miriam Kaefert (Bild, FHM, blond, Frau im Spiegel etc) gern auf Anfrage. Andere Aufträge zu anderen Themen auch gern, auch auf Anfrage!

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pp#9 Stéphane Peterhansel  

Stéphane Peterhansel 2 3 4 Im Interview spricht er über sein unheimlichstes rallye- erlebnis, seine Familie und seine pläne … von Miriam Kae...

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