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dOSSIER

MIGROS-MAGAZIN | Nr. 49, 5. Dezember 2011 |

von Martin Luther King und Rosa Parks, das wars auch schon. Ziemlich surreal und erschreckend. Was ich in Vorbereitung auf den Film erfahren habe, sollten alle Jugendlichen in der Schule lernen. Mississippi ist noch immerein Staat mitvielen Armen, vielen sozialen Problemen und auch Rassismus. Wie viel hat sich wirklich verändert seit den 60er-Jahren?

Viola Davis: Es gibt immer noch einiges zu tun. Wobei das sicher nicht nur für Mississippi oder die Südstaaten gilt. Das Beste,was dieser Film ausgelöst hat, sind all die Diskussionen zum Thema Rassismus. Das wird sonst gerne unter den Teppich gekehrt. Emma Stone: Richtig. Die Diskussion ist relevant für unsere Zeit, und sie wird es bestimmt auch in Zukunft sein.Das Beste an «The Help» ist, dass er diese Debatte immer wieder neu auslösen wird. Viola Davis, die 60er-Jahre sind lange vorbei, Diskriminierung aufgrund der Hautfarbe gibt es noch immer. Haben Sie das auch persönlich schon erlebt?

Viola Davis: Selbstverständlich. Aber es passiert heute natürlich subtiler. Es manifestiert sich in Möglichkeiten oder eben fehlenden Möglichkeiten,zum Beispiel als Schauspielerin. Es gibt also nicht viele gute Rollen für afroamerikanische Frauen in Hollywood?

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MENSCHENRECHTE | 33

Viola Davis: Definitiv nicht. Genausowenig, wie es viele gute Rollen für Frauen über 40 gibt.Ich hoffe,dazu beitragen zu können,dass sich daran etwas ändert. Es macht übrigens einen Unterschied, ob man hellere oder dunklere schwarze Haut hat. Es gibt aber Fortschritte. Und die jüngere Generation ist offener,sie hat keine Erinnerung mehr daran,wie es war, als die Rassen noch getrennt waren. Was hat sich für Afroamerikaner geändert, seit Barack Obama Präsident ist?

Emma Stone: Beantworte du das. Viola Davis: Rassismus hat sich während 350 Jahren in den USA ausbreiten können, das lässt sich nicht in so kurzer Zeit alles rückgängig machen. Seit Obama im Amt ist, wird der Aspekt Rasse mit ganz anderen Augen gesehen.Aber wegen seiner Wahl stehen wir nicht vor dem Ende des Rassismus. Es gibt immer noch Leute in mächtigen Positionen, die so leben möchten wie in den 50er-Jahren. Und die 50er waren nur gut für eine Gruppe von Menschen: weisse, heterosexuelle Männer. Immerhin: Durch Obamas Wahl sind Veränderungen unvermeidlich geworden. Es gibt zu viele Schwarze, die nicht mehr bereit sind, keine Stimme zu haben. Wie wichtig ist «The Help» für Ihre Karriere?

Viola Davis: Ich bin seit 23 Jahren im Geschäft, aber dies ist meine erste richtige

«The Help» Tate Taylors Film erzählt die Geschichte der angehenden Journalistin Skeeter (emma Stone), die nach ihrem Studium in ihre alte Heimatstadt Jackson (mississippi) zurückkehrt, zu einer zeit, in der die Civil-rights-bewegung zur Gleichberechtigung der Schwarzen an Fahrt gewinnt. Jackson ist voll von Herrschaftshäusern, in denen schwarze Haushälterinnen den weissen Hausherrinnen zur Hand gehen, für sie putzen, kochen und ihre Kinder grossziehen. Auch Skeeter ist so aufgewachsen. Auf der Suche nach einem spannenden Thema kommt sie auf die Idee, das Leben aus der Perspektive der Haushaltshilfen (Viola Davis, Octavia Spencer) zu erzählen. Allerdings ist es nicht leicht, sie von der mithilfe zu überzeugen. Die Verfilmung des gleichnamigen bestsellers von Kathryn Stockett hat weltweit bereits fast 200 millionen Dollar eingespielt. zudem liegen Oscarnominationen für die Darstellerinnen in der Luft. Der Film läuft ab 8. Dezember in den Kinos.

Migros Magazin 49 2011 d AA  

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