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DOSSIER

MIGROS-MAGAZIN | NR. 49, 5. DEZEMBER 2011 |

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MENSCHENRECHTE | 25

Marta Fotsch (69), frühere Klavierlehrerin aus Hallau SH, seit 41 Jahren im Einsatz. die ans Gymnasium gehen.Wir sind eine sehr gemischte Gruppe.Wer mitmachen will,sollte engagiert sein,Zeit haben und nicht zu schüchtern sein – wir machen oft Aktionen auf der Strasse, sprechen Leute an,das braucht schon ein bisschen Mut. Aber es führt auch oft zu sehr direkten Erfolgserlebnissen.In unserer allerersten Aktion vor fünf Jahren haben wir mitten in Basel auf dem Barfüsserplatz gegen Guantánamo protestiert.Ein Teil von uns mischte sich in oranger Gefangenenkleidung unter die Leute, dann kamen andere, als Polizisten verkleidet, drückten uns auf den Boden, stülpten uns Säcke über den Kopf und zwangen uns, in einen Kreis zu sitzen. Das hat ziemlich heftige Reaktionen ausgelöst, auch die Polizei kam und wollte wissen, was los sei. Es war provokativ, gab aber gutes Feedback.

«Ich glaube an das Gute im Menschen» Unsere Themen sind vielfältig: In letzter Zeit haben wir uns mit der Umweltverschmutzung im Nigerdelta beschäftigt, mit der Zwangsräumung von Slums und der Roma-Verfolgung in Osteuropa. Dauerbrenner sind die Todesstrafe, Frauenrechte und die Benachteiligung von Minderheiten. Amnesty engagiert sich auch in der Schweiz, etwa für Asylbewerber, und kämpfte gegen die Minarett- und die Ausschaffungsinitiativen. Wir bringen auch regelmässig Kleider, die wir selber sammeln, ins Asylheim. Es herrscht dort immer Kleidernot. Ich glaube an das Gute im Menschen. Für mich ist die Welt ein weisses Tuch mit schwarzen Flecken, und nicht umgekehrt. Klar kostet mich der Einsatz eine Menge Zeit, aber ein paar Hobbys habe ich trotzdem noch. Ich spiele Gitarre, mache Jamsessions mit Freunden, gehe ins Kino, schneide alte Filme mit modernem Sound zusammen und stelle das auf Youtube. Dank Amnesty lerne ich auch immer wieder neue, tolle Leute kennen. Ich finde es schade, dass sich nicht mehr Leute engagieren. Jüngere lassen sich noch eher motivieren, sie haben noch nicht so resigniert wie die Älteren und haben bei gewissen Themen eher noch eine Wut im Bauch.»

«Manchmal nervt mich die Gleichgültigkeit der Leute schon.»

«Ich trat Amnesty zwei Monate nach der Gründung der Schweizer Sektion bei, im Dezember 1970. Damals hatte ich gerade die Handelsschule fertig gemacht und fragte mich: was nun? Zurück ans Konsi und Pianistin werden – lag das drin mit drei Kindern? Ich war auf der Suche, und genau in der Zeit hörte ich einen Beitrag imRadioüberAmnesty,ichwarsofortinteressiert. Die Arbeit für AI wurde dann mein Beruf. Es ist ein Hundertprozentjob, und natürlich konnte ich mir dieses ehrenamtliche Engagement nur leisten, weil mein Mann es mitgetragen hat. Als die Kinder in Ausbildung waren, wurde es finanziell manchmal ein bisschen eng, aber mein Mann hat sich stark um die Familie gekümmert. Am Anfang war es Knochen- und Aufbauarbeit, fokussiert auf die Betreuung von Häftlingen. Andere Themen kamen erst viel später hinzu. Nach etwa einem JahrstiegichzurGruppenleiterinauf,war später auch zehn Jahre Vizepräsidentin von Amnesty Schweiz. Als meine Kinder älter wurden, konnte ich mir längere und grössere Reisen erlauben, ausserdem wollte ich näher an die Praxis: Seit 1988 bin ich in Kolumbien, das stark von Korruption und Gewalt belastet ist, engagiert.ImmerwiederwerdenMenschen von ihrem Land vertrieben und mit dem Tod bedroht, wenn sie sich weigern zu gehen. Vier bis fünf Millionen Menschen sind von den Vertreibungen betroffen, darunter viele Bauern.

«Ein Uniformierter sagte mir mal, ich müsse verschwinden»

Adventstürchen 6

«So cool», sagt Tefo Florian (6) aus Zürich zu diesem Preis: Gewinnen Sie zweimal eine IC-Card, das General-Abo für mehr Bewegung und Gesundheit der Migros, im Wert von je 1420 Franken.

AI versucht, die Zivilbevölkerung zu schützen,ihrzuhelfen,ihreRechtewahrzunehmen.Wir helfen Menschen,sich in einem anderen Teil des Lands anzusiedeln, wenn sie bedroht werden. Ich leite undkoordinieredieGruppe,diedafürzuständigist.Dabeiarbeitenwirengmitder katholischen Kirche zusammen. Es hat viele engagierte Priester in Kolumbien, allein in diesem Jahr sind darum schon sechs ermordet worden. Was kann man Grösseres tun, als jemandem zu helfen,am Leben zu bleiben? Es gibt immer wieder Momente der Frustration.Aber ich sage mir dann: Die wollen nur,dass wir aufgeben – den Gefallen tue ich ihnen nicht! Ich reise zwei Mal pro

Migros Magazin 49 2011 d AA  

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