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Nr. 49, 5. Dezember 2011 | MIGROS-MAGAZIN |

dER HAuSMANN

O dusselige Weihnachtszeit Bänz Friedli blickt durch. Fast.

Melonen?!Eskanndochnichtsein,dass ich Anfang Dezember «Melonen» auf meinen Einkaufszettel gekritzelt habe! Es finden sich zwar noch welche in der Auslage, aber ich nehme nicht an, dass die aus der näheren Umgebung stammen … Maltesers? Mimosen? Himmel, ich kann die eigene Schrift nicht mehr lesen! Mandarinen, vielleicht? Zettelwirtschaft in Ehren, aber man dürfte dann nicht so eine Sauschrift haben wie ich – oder müsste zumindest so einsichtig sein wie Leserin H. aus Brunnen, die den Postizettel eingedenk ihrer unleserlichen Schrift stets am Comupter erstellt und ausdruckt. Von vielerlei Ungemach wurde mir berichtet und vielfach versichert, dass durchaus auch unter 40-Jährige sich zuweilen dusselig schusselig anstellen: Anita musste die Feuerwehr kommen lassen, nachdem sie sich aus der eigenen Wohnung gesperrt hatte; Edi vergass seinen Sohn an der Tankstelle; Franziska «versorgte» ihr Portemonnaie im Güselkübel. Glücklicher Zufall, dass es vor der Abfuhr wieder zum Vorschein kam. Und was die Vergesslichkeit betrifft à la «Was, ähm, wollte ich nur schon im Badezimmer?» … An einer Uni im amerikanischen Bundesstaat Indiana haben sie herausgefunden, dass nicht unsere Schusseligkeit, sondern die Tür schuld ist,jawoll: Das Durchqueren der Tür gebe unserem Gehirn den Impuls fürs Vergessen, fanden Forscherinnen und Forscher

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heraus. Sie liessen Dutzende Probanden Gedächtnisaufgaben zunächst in einem Raum lösen, dann in verschiedenen. Et voilà: Hatten die Teilnehmer eine Tür durchquert, schlossen sie im Test schlechter ab. Das ist tröstlich. Und, wie immer bei Wissenschaftlern,nur die halbe Wahrheit. Denn es beantwortet nicht die mich marternde Frage, weshalb ich der Marlies, die vor Urzeiten mal in eine Parallelklasse ging – Jahrzehnte her! –, bei einer flüchtigen Begegnung im Tram mühelos den Namen geben kann,wohingegen mir derjenige der neuen Nachbarin auch beim fünften Mal partout nicht einfallen will: «Eh, tschou, aaääööh …», sage ich und lasse, wie man das so macht, unverständliche Laute folgen.

«Ich kann die eigene Schrift nicht lesen!»

Geschätztes Forschungsteam im fernen Indiana! Meine Selbstforschung besagt: Man müsste die Festplatte im Hirn entrümpeln. Zu viel alter Kram behindert die Aufnahme neuer Daten. Gottlob sind auch meine Freunde älteren Datums. Wir verstehen uns prima. Unlängst fachsimpelte ich mit Hanspi: «Hast du das neue Quartett dieser Country-Blondine schon gehört, der … äähm …?» – «Du meinst die aus, ööh, Florida?» – «Stammt sie nicht aus Texas?Egal,diehatjetztneueinQuartett. Hat mir der Dings empfohlen,weisst,der aus dem Baselbiet,der so drauskommt.» – «Ist es nicht ein Trio?» – «Genau, ein Trio …» – «Die nennen sich irgendetwas mit ‹Guns›. Klingt ganz okay», meint Hanspi. Er und ich, wir reden dieselbe Sprache. Auf dem Heimweg fiel mir ein: Geri wars, der mir das Trio empfohlen hatte. Beim Zähneputzen kam mir in den Sinn, wie die Blonde heisst: Miranda Lambert. Und am nächsten Morgen sah ich die CD rumliegen: Die drei nennen sich Pistol Annies. Beim Einkaufen ist zum Glück Anna Luna dabei. Sie hat die wundersame Gabe, meine Schrift entziffern zu können. «Maizena, Vati. Es heisst Maizena!» – «Danke. Hätte ich bloss die Lesebrille dabei!» – «Aber, Vati! Du trägst sie auf der Nase.» Bänz Friedli (46) lebt mit seiner Frau und den beiden Kindern in Zürich. Live: 5. 12. Bern, «Thalia».

Migros Magazin 49 2011 d AA  

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