Migros magazin 32 2018 d zh

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32  MM32, 6.8.2018 |

MIGROS-WELT

Orange Profis Berufe

Ob Zukunftsforscher, Bademeisterin oder Sportärztin – in der Migros-Gruppe arbeiten ­Menschen in 50 verschiedenen Berufen. Wir stellen drei von ihnen vor. Text: Michael West Bilder: Paolo Dutto

Die Zukunft ist sein Job Stefan Breit projiziert den Plan einer Wohnung auf eine Leinwand. Die Raumeinteilung wirkt auf den ersten Blick chaotisch und völlig verschachtelt. Dann sieht man, dass alles System hat: Viele winzige Zimmer gruppieren sich um wenige grosse Gemeinschaftsräume. «Das könnte eine Lebensform der Zukunft sein», erklärt der 30-jährige Wissenschaftler. «Hier könnte eine Gruppe von Freunden zusammenleben, und doch hätte jeder von ihnen seinen Rückzugsort. Das ganze Gebilde ist verdichtet und spart Platz, was in kommenden Jahrzehnten immer wichtiger wird.» Breit arbeitet als Zukunftsforscher im Think Tank der Migros, dem Gottlieb-DuttweilerInstitut in Rüschlikon ZH. Der Wissenschafter betont, er könne gesellschaftliche Entwicklungen nicht voraussagen wie ein Meteorologe das Wetter. «Ich beschreibe nur eine mögliche Zukunft. Und ich frage, ob wir uns als Gesellschaft in diese Richtung bewegen wollen.» Um seine Zukunftsmodelle zu ent­ wickeln, tauscht sich Breit

weltweit mit Experten aus. Wenn es um künftige Wohnformen geht, redet er zum Beispiel mit Architekten und Bauunternehmern. «Gerade in diesem Bereich sind zahllose Entwicklungen möglich. Vielleicht wohnen wir künftig in Parkhäusern, weil es viel weniger Autos gibt.» Breit sucht nach Alter­ nativen zu gängigen Zukunftsvisionen: «Wer online recherchiert, wie in einigen Jahren die Arbeitswelt aussehen könnte, stösst auf unzählige Bilder von Robotern. Wir denken in diesem Zusammen­hang offenbar vor allem an clevere Maschinen. Womöglich geht es in den kommenden Jahrzehnten aber um ganz andere Themen – vielleicht gibt es dann ein weltweit gültiges Arbeitsvisum oder eine echte Gleichberechtigung von Mann und Frau.» Und was macht dem Forscher bei seiner Arbeit am meisten Spass? «Ich erlebe am Institut eine grosse Offenheit, eine Freiheit des Denkens», sagt Breit. «Es spricht für die Migros, dass sie einen solchen Ort möglich macht.»

Denkt voraus: Stefan Breit vom Gottlieb-Duttweiler-­ Institut beschäftigt sich mit neuen Wohn- und Arbeitswelten.