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NEUES AUS DER MIGROS

Migros-Magazin 24, 14. Juni 2010

internationale Zusammenschluss aus Verteilern, Produzenten und Umweltorganisationen fördert weltweit die nachhaltige Herstellung von Palmöl. RSPO-Produzenten verpflichten sich, keine Urwälder zu roden und die Rechte der Ureinwohner zu wahren. Heute bezieht die Migros jährlich rund 6500 Tonnen Palmöl aus nachhaltiger Produktion. Umso mehr sorgte kürzlich die Kritik des Bruno-Manser-Fonds für Aufsehen: Die Umwelt- und Menschenrechtsorganisation kritisierte den malaiischen Palmölkonzern IOI, Mitglied des RSPO und einer der Lieferanten der Migros, die Nachhaltigkeitsrichtlinien massiv verletzt zu haben. Der Bruno-Manser-Fonds verlangte von der Migros, die Zusammenarbeit mit dem malaiischen Palmöllieferanten zu beenden. Was die Migros dazu meint, lesen Sie in unten stehendem Interview.

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Aus Palmölfrüchten wird Öl gepresst.

Texte Christoph Petermann

Rote Karte für schwarze Schafe

Robert Keller, Palmölfachmann der Migros-Industrie, zur Kritik des Bruno-Manser-Fonds. den Ausschluss des betroffenen Produzenten aus dem RSPO nach sich ziehen.

Robert Keller, der malaiische Palmölkonzern IOI, der auch die Migros beliefert, soll verbotenerweise Regenwald brandgerodet und die Landrechte der Urbevölkerung verletzt haben.

Auch der RSPO steht in der Kritik, zu wenig gegen die Brandrodungen von Tropenwald zu unternehmen. Ist die Organisation noch glaubwürdig?

Ich war bestürzt. Dies ist ein schwerer Rückschlag in unseren Bemühungen, die Herstellung von nachhaltigem Palmöl zu fördern. Wie reagiert die Migros?

Wir werden IOI direkt mit den Vorwürfen konfrontieren und nach genauer Prüfung der Fakten die notwendigen Konsequenzen ziehen. Was heisst das konkret?

Die Migros fordert vom RSPO, den Fall genau zu untersuchen und gegebenenfalls Sanktionen zu ergreifen. Welche Sanktionen werden in einem solchen Fall angewendet?

Im schlimmsten Fall könnte das

Robert Keller, Leiter Food bei der Migros-Tochter Mifa.

«Wir werden den Druck auf die Palmölproduzenten erhöhen.»

Der RSPO ist heute die einzige Organisation, die sich weltweit für die nachhaltige Herstellung von Palmöl einsetzt. Bedenken Sie, dass die Zertifizierung von nachhaltigem Palmöl erst seit 2008 erfolgt. Wir stehen am Anfang eines Prozesses, der sehr viel Zeit und Geduld erfordert. Es gilt, gerade jetzt den RSPO zu stärken. Wäre es nicht einfacher, die Migros würde ganz auf Palmöl verzichten?

Nein, das wäre die billigste Lösung. Damit schaffen wir erstens das Problem der Brandrodungen

nicht aus der Welt. Und zweitens wäre die Verlagerung auf Soja- und andere Pflanzenöle keine Alternative: Für Sojaöl braucht es zum Beispiel eine dreimal so grosse Anbaufläche wie für die Herstellung von Palmöl, und auch für Soja wird Urwald brandgerodet. Nein, wir müssen unser Engagement für nachhaltiges Palmöl verstärken. Für jede Tonne Palmöl, das die Migros heute verarbeitet, wird eine Tonne nachhaltig produziert. Das ist der richtige Weg, den wir weiter beschreiten wollen. Wie kann die Migros auf die Produzenten Einfluss nehmen?

Als Gründungsmitglied des RSPO können wir Sanktionen gegen schwarze Schafe fordern. Gleichzeitig werden wir – zusammen mit anderen europäischen Detailhändlern – den Druck auf die Palmölproduzenten erhöhen, auf nachhaltigen Anbau umzustellen.

Migros Magazin 24 2010 d OS  

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