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INTERVIEW HANS-PETER SCHIFFERLE

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Was heisst schon wieder ...?

Wir haben auf der Migros-Magazin-Redaktion gesammelt: Welche dieser Dialektausdrücke kennen Sie? Testen Sie Ihren «Schwizertütsch-Wortschatz». 1. 2. 3. 4. 5. 6. 7. 8. 9. 10. 11. 12. 13. 14.

Mürggu BE Gluxi BE karisiere BE Glungge BE Pfüderi BE tifig AG/Berner Oberland Chnupesager ZG Gumel Muotathal SZ Fazenettli Muotathal SZ z hinderfür Muotathal SZ Aaheuel Zürcher Oberland Schütti Zürcher Oberland Balle Zürcher Oberland Hambitzgi Zürcher Oberland

Umgangssprache findet man nicht nur auf der Gasse, sondern auch in Internetchats und SMS-Botschaften. Junge Leute schreiben in Dialekt.

Ich durchsuche systematisch Chats, um zum Beispiel herauszufinden, ob ein bestimmtes Wort noch Verwendung findet. Die junge Generation zelebriert ja fast schon die geschriebenen Dialekte. Was mir natürlich zugutekommt. Zelebriert werden auch Anglizismen.

Ja, das ist aber nicht neu. Wörter wie Jeans oder tschutte für Fussball spielen, das vom Englischen to shoot abstammt, gelten heute als Dialektausdrücke. Interessanterweise gibt es gar kein anderes Dialektwort fürs Tschutte. Vereinfacht kann man sagen, im 16. bis 17. Jahrhundert war der italienische Einfluss am grössten, im 18. und 19. Jahrhundert der französische und seither der englische.

Der Herr der Wörter

Hans-Peter Schifferle (56) ist Chefredaktor des Idiotikons, des Schweizerdeutschen Wörterbuches. Der Germanist befasst sich seit über 20 Jahren mit den verschiedensten Dialekten der Schweiz. Das Idiotikon, das sich locker mit dem «Oxford English Dictionary» vergleichen lässt, umfasst mittlerweile 16 Bände und ist ab September auch online abrufbar. Seit 130 Jahren sammelt die Redaktion unseren Wortschatz — heute sind Schifferle und sein Team beim Buchstaben W angelangt. Schifferle ist im Aargau aufgewachsen und lebt in Zürich.

Haben auch wir ein schweizerdeutsches Wort ins Ausland exportiert?

Ja, tatsächlich. Da gibt es das Wort Putsch für einen politischen Aufstand. Es wird in vielen Sprachen verwendet, stammt ursprünglich aber vom Züritüütsch ab. Die Zürischnurre ist schon per Definition negativ besetzt.

15. 16. 17. 18. 19. 20. 21. 22. 23. 24. 25.

hädämpfig Mecktig Förchbotz abschwaarte Söderi wädli Flade selewie welewäg patschifig Popi

Appenzell AR Appenzell AR Appenzell AR Appenzell AR Appenzell AR Appenzell AR SG SG SG GR GR

Die Auflösung finden Sie auf Seite 49

Die Berner-, Walliserund Bündnerdialekte hingegen gehören zu den beliebtesten.

Eine gängige Erklärung dafür ist das Feriengefühl, welches die alpinen Dialekte bei uns auslösen. Ich glaube nur bedingt daran. Warum?

Der Klang der Sprache ist ausschlaggebend. Dem Sankt-Gallischen oder Thurgauischen fehlen gewisse offene Vokale, darum empfindet man sie als spitz. Zudem wird das Züritüütsch von vielen Menschen gesprochen, was ebenfalls eine Abwehrreaktion auslöst. Nicht ohne Grund sind in Radio und Fernsehen viele Marginalmundarten vertreten. Sprecher mit peripheren Mundarten sind überdurchschnittlich präsent. Man nimmt sie als exotisch und weniger dominant wahr. Ist diese Dialektvielfalt in der Schweiz aussergewöhnlich?

Weltweit gesehen vermutlich nicht. Aber im deutschsprachigen, und vor allem auf so engem Raum sicher. In Deutschland gibt es aber auch Dutzende verschiedener Dialekte.

Die Deutschen haben aber eine ganz andere Beziehung zu ihrer Mundart als wir. Ihre Dialekte geniessen einen völlig

Migros Magazin 24 2010 d OS  

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