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MENSCHEN SAMMLER

Die teuerste Marke der Welt …

… ist die schwedische «Gelbe Treskilling», von der es nur noch dieses eine Exemplar gibt. Vor drei Wochen wurde die schon zuvor teuerste Marke (2,875 Millionen Franken) hinter verschlossenen Türen im Genfer Auktionshaus David Feldman an ein internationales Konsortium verkauft — dessen Name und auch der neue Kaufpreis bleiben geheim. Die Marke ist ein Fehldruck aus dem Jahr 1855.

Leitet das Auktionshaus: Marianne Rapp Ohmann (oben). Mediziner Guido A. Zäch (Bild rechts, ganz links) ist ein begeisterter Philatelist.

Reihe. Vor sich den Auktionskatalog und ein weisses Schild, auf dem seine persönliche «Kontonummer» steht. Das Schild wird er in die Höhe halten, sobald er mitbieten will. In die Karten blicken lässt er sich aber nicht. «Es hat tolle Sachen dabei. Mal sehen.» Dieser Tag ist für ihn ein grosser Tag. Seine junge Gattin weiss das. Geduldig sitzt sie aufrecht neben ihm, die Hände gefaltet auf der Tischplatte.

290 000 Franken für ein einfaches Couvert

D teuerste Die Schweizer Marke …

… ist die Rayon 1, hellblau, mit Kreuzeinfassung. Sie wurde bei der Rapp-Auktion 2008 für 384 000 Franken ersteigert. Seither ist sie nicht mehr im Land. Den Namen des Käufers darf das Auktionshaus nicht verraten.

Migros-Magazin 24, 14. Juni 2010

Es herrscht konzentrierte Ruhe, als Auktionator Peter Rapp das erste Los ausruft. Die Zürcher 4-Rappen-Marke von 1843 wechselt für 6200 Franken den Besitzer, innert weniger Sekunden. Und so geht es weiter, zügig, aber nie hastig kommt ein Los nach dem andern an die Reihe. Eine gute Stunde später – man ist mittlerweile bei Losnummer 154 angelangt –, ist erstmals so etwas wie Spannung im Raum spürbar. Was jetzt unter den Hammer kommt, ist ein Prunkstück. Philateliebanausen sehen zwar nur einen alten Brief mit drei 5-CentimesMarken, abgestempelt in Genf, aber Kenner wissen: Dieser Brief aus dem Jahr 1852 mit gleich drei Neuenburg-Marken – weshalb sie

«Ich sammle alle Marken von Hans Erni. 90 Prozent habe ich. Ganz alle werde ich nie besitzen, denn er hat auch Marken für Uruguay, Äthiopien und Tansania gemacht. Eine Uruguay-Marke habe ich über Ebay gefunden, das war reines Glück. Kürzlich habe ich für zwei Briefe und eine Postkarte 30 Franken F nk bezahlt, b ah ahltlt das war schon relativ hoch. Andere habe ich für weniger als drei Franken gefunden. » Eduard Hürzeler, Hans-Erni-Sammler so heissen, weiss man angeblich nicht – ist eine der grössten Frankatur-SeltenheitenderAltschweizPhilatelie. Peter Rapp verzieht keine Miene, als er «ich starte mit 150 000» sagt. Es vergeht weniger als eine Minute, und der Brief mit den Neuenburg-Marken hat den Besitzer gewechselt. Der neue sitzt im Saal. 290 000 Franken ist ihm das frankierte Couvert wert. Dazu kommen 20 Prozent Kommission und die Mehrwertsteuer. Viel Geld für einen einfachen Briefumschlag, der ursprünglich von einem Drogisten in Genf an einen Monsieur in Bulle, Kanton Freiburg, gesendet wurde.

Auch Guido A. Zäch sammelt Briefmarken

Dieser Brief ist eines der bedeutendsten Stücke der Ticino-Sammlung, erklärt Martin Eichele. Er ist übrigens nicht der einzige Basler

im Raum. Auch der Philatelist Guido A. Zäch, besser bekannt als Gründer der Paraplegiker-Stiftung, ist angereist. Er hat vor Beginn der Versteigerung die Ehre, eine Ansprache zu halten. Zäch scheint nicht nur ein Freund der Briefmarke zu sein, sondern auch einer des Hauses sowie von schmissigen Reden, und so ehrt er Peter Rapp, den Gastgeber und seit 40 Jahren Schweizer Doyen des Briefmarkenauktionswesens, mit Sätzen wie: «Marken sind sein Markenzeichen», «Er ist der Märchenprinz der Philatelie» und «Wer den Rapp nicht ehrt, ist den Franken nicht wert». Rapp zeigt keine Emotionen. Das scheint typisch zu sein für den Patron – Gefühlsregungen sind sein Ding nicht, egal, welch astronomischen Geboten er gerade den Zuschlag gibt. Während der Auktion hört sich

«Ich habe bei der Ticino-Sammlung mitgeboten, aber nichts bekommen. Die Preise waren zu hoch für mich. Ich habe eine schöne Sammlung — Altschweiz, Altitalien und Kirchenstaat. Sie hat einen Wert von etwa 50 000 Franken. Mein Sohn kriegt sie dann mal. Ich hoffe, er interessiert sich dereinst für Briefmarken. Im Moment ist er beruflich zu fest engagiert.» Werner Schunk, Altschweiz-Sammler

Migros Magazin 24 2010 d OS  

MÜRGGU, FÖRCHBOTZ UND HAMBITZGI 46 Feine Apérospiesschen mit Fisch, Poulet oder frischen Früchten. Jetzt ist Ihre Meinung über Migros-Produk...