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24 | Migros-Magazin 24, 14. Juni 2010

Elektro-Boy

Ob Trottinett, Rollschuh oder Velo — vor Michael Zoller ist kein Fahrzeug sicher. Der 16-jährige Zürcher verpasst jedem Gefährt einen Elektromotor.

F

eierabend bei Zollers in Buchs ZH. Karin und Patrick, die Eltern, plaudern am Esstisch. Zwei Söhne sehen fern. Einer fehlt. Michael, der älteste des Nachwuchstrios, verbringt seine Freizeit lieber im Untergrund. Im Keller des Mehrfamilienhauses frönt er seiner Leidenschaft, dem Bau von elektrisch betriebenen Fahrzeugen. Schon mit 16 Jahren feilt er an seiner Unternehmerlaufbahn. «Ob es klappt, steht natürlich noch in den Sternen», sagt Michael. «Aber hey, ich mag es, darüber nachzudenken, was sein könnte.»

Aus einem Tonbandgerät bastelte er das erste Gefährt

Michael Zoller, der Elektronikerlehrling im ersten Lehrjahr, ist ein Zappelphilipp, spricht wie ein Sturmgewehr, steht ständig unter Strom. Seine Fahrzeuge, ob Kickboard, Inlineskates, Velo oder bald ein Töff, tun es auch, nachdem Michael mit ihnen fertig ist. Und sein Schaffen überzeugt. Mit 30 Kilometern pro Stunde trägt ihn sein zuletzt abgeschlossenes Projekt über das kaum befahrene Quartiersträsschen: ein umgebautes Cruiser-Fahrrad mit Strassenzulassung. Kein einziges Mal tritt Michael dabei in die Pedale. Er dreht nur am rechten Lenkergriff, flitzt davon und lächelt so cool wie Peter Fonda in Easy Rider. Es ist die Schuld von Michaels Vater Patrick, ebenfalls Elektroniker. Immer wieder reparierte er im heimischen Keller das eine oder andere Gerät. Als Michael den Elektromotor eines Tonbandgeräts aus einer Kiste klaubte, war seine Fantasie beflügelt. Er nahm

ein Holzbrett, suchte vier Räder und wollte den Elektromotor als Antrieb verwenden. «Natürlich funktionierte das nicht», sagt Michael. Doch der Misserfolg war für ihn kein Frust, sondern Motivation. Er begann zu recherchieren und zu verstehen, dass die Arbeit mit elektronischen Bauteilen strukturiertes Vorgehen verlangt. «Nach anfänglichen Misserfolgen hat er seine Vorgehensweise professionalisiert», erzählt sein Vater. Das erste fahrbare Resultat verliess Michaels Arbeitskeller, als er gerade zwölf war. Doch das handelsübliche Kickboard, um einen Elektromotor erweitert, dessen Drehbewegung von einer Kette auf das Hinterrad übertragen wurde, überzeugte nicht: «Es war unglaublich lahm, schaffte bloss 15 Kilometer pro Stunde, und den Berg hinauf ging gar nichts», lästert Michael. Also zerlegte er alles Die Bauteile für seine Motoren wieder, ersetzte bestellt Michael Zoller direkt Teile, tüftelte in China. Rechts: Das erste weiter und fahrbare Vehikel, das Elektroschindete damit Kickboard, baute er mit zwölf. weitere 10 Kilometer pro Stunde heraus. Als eine Idee für seine Sek.-Abschlussarbeit gefragt war, sah Michael die Chance für ein weiteres Projekt: Rollschuhe mit Elektroantrieb. «Ich fand die Vorstellung

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