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NR. 20, 13. MAI 2013 | migros-magazin |

So kann man sich vor Cybermobbing schützen

«Ich habe die Polizei informiert, sie fand die Täter recht schnell.»

len die Sache verarbeiten und dann ruhen lassen. Es war für Martina hart genug, und jedes Gespräch wühlt sie wieder auf», sagt die Mutter. Sind die Eltern wütend auf ihre Tochter? «Nein», meint die Mutter, «aber enttäuscht und traurig, dass sie nicht früher mit uns gesprochen hat». Was würde Martina heute anders machen? «Ich wäre nicht mehr so naiv, einem Fremden zu trauen. Und ich würde sofort mit meinen Eltern reden.» Und was rät die Mutter von Martina anderen Eltern? «Redet sooft wie möglich mit euren Kindern. Schaut nicht weg. Bleibt hartnäckig dran, auch wenn sie sich nerven. Erklärt euren Kindern, warum ihr euch Sorgen macht. Das schafft Nähe und Vertrauen — auch für extremste Situationen.»

Und dann den lehrer fertiggemacht Dass sich Gleichaltrige mobben, ist bekannt. Aber wussten Sie, dass auch Schüler ihre Lehrer im Internet plagen? Werner K.* (31), Sekundarlehrer in Zollikon BE: «Ein paar Schüler erstell-

! Mit dem Kind über sein Wohlbefinden in der Schule reden ! Über digitale Kommunikation zusammen mit den Kindern diskutieren ! Dem Kind zeigen, dass es den Eltern vertrauen kann ! Keine Strafen verhängen, wenn das Kind Ärger hat im Internet ! Keine Verbote aussprechen, sie sind kontraproduktiv

Tipps für Kinder und Jugendliche:

! Im Bewusstsein handeln, dass man sich letztlich nur selber schützen kann ! Auch ausserhalb der Onlinewelt Freundschaften pflegen ! Zeit im Internet beschränken ! Konflikte face to face besprechen ! Sich gegen Hänseleien abgrenzen ! Bei Schwierigkeiten Erwachsene einbeziehen

buchtipps

! Alasker, F. D., Quälgeister und ihre Opfer, Mobbing unter Kindern – und wie man damit umgeht, Hans Huber Verlag, Bern, 2004 ! Dambach, K. E., Wenn Schüler im Internet mobben, Präventions- und Internventionsstrategien gegen Cyber Bullying, Ernst Reinhadt Verlag, München, 2011 ! My little Safebook, Broschüre für Eltern und Jugendliche zu Belästigungen im Internet, zu bestellen bei der Schweizerischen Kriminalprävention, www.skppsc.ch (auch für Kontakte zum Jugenddienst der Kantonspolizei)

ten auf einer Social-Community-Plattform ein öffentlich zugängliches Konto unter meinem Namen.» Dazu verwendeten die Jugendlichen Bildmaterial, das sie im Internet auf öffentlichen Websites gefunden hatten. Und sie filmten den Lehrer heimlich mit der Handykamera. Das Fatale: Sie stellten ihren Lehrer als

Tipps für Lehrpersonen:

! Für ein gutes Klassenklima sorgen (dazu gehören z.B. Humor, Anstand und Rituale) ! Sich bewusst sein: Lehrpersonen sind Vorbilder ! Eine Konfliktkultur aufbauen. Regeln und Verbote reichen nicht ! Möglichkeiten bieten, damit sich Opfer und Täter (anonym) melden können (Briefkasten, Mailbox etc.)

rassistisch und homosexuell dar. Ausserdem legten sie ihm übelste Sätze in den Mund, die an dieser Stelle nicht wiederholt werden sollen. Eine Mutter wies den Lehrer auf das Konto hin. Und auch Werner K. hat sofort gehandelt: «Ich habe die Schulleitung und den Jugenddienst der Kantonspolizei informiert. Die Polizei fand die Täter recht schnell.» Auch in diesem Fall hat Zischtig.ch mit der Klasse gearbeitet. Werner K. rät seinen Berufskollegen: «Geht offensiv vor und sprecht sofort mit der Schulleitung und der Kapo. Als Team ist man stark und kann Lösungen finden». Texte: Angela Cadruvi Bilder: René Ruis www.migrosmagazin.ch

lesen sie online Wir klären auf: Was dürfen Jugendliche und Eltern im Cyberspace tun, was ist verboten? Diese rechtlichen Fallstricke müssen Nutzer von Facebook und Co. unbedingt beachten.

Bild: Fotolia

Tipps für Eltern:

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