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Nr. 20, 13. Mai 2013 | MIGROS-MAGAZIN |

«Ich habe im Leben einen Nach 20 Monaten Arbeitslosigkeit hat Trainer Marco Schällibaum beim Fussballclub Montreal Impact sein neues Glück gefunden. 6000 Kilometer trennen ihn nun von seiner Familie. Man könne eben nicht alles haben, sagt Schällibaum, der sich zurzeit ganz auf das Abenteuer Kanada konzentriert.

Marco Schällibaum, am 6. April wurden Sie 51. Wie haben Sie Ihren Geburtstag gefeiert?

Ich war für vier Tage in der Schweiz und feierte mit meiner Frau, meiner Tochter und meinem Sohn. Das ergab sich so, weil LA Galaxy uns anfragte, ob wir das Spiel von jenem Wochenende verschieben könnten, da die Mannschaft wenige Tage zuvor noch in der Champions League gespielt hatte. Davor war ich drei Monate lang nicht mehr zu Hause. Am 6.Januar 2013 flogen Sie ganz alleine nach Kanada. Haben Sie sich nie einsam gefühlt?

Ich bin ein sehr eifriger Familienvater — da ist es nie einfach, von Frau und Kind getrennt zu sein. Ich hatte ein mulmiges Gefühl, rund 6000 Kilometer von meiner Familie entfernt zu sein. Gleichzeitig muss ich sagen, dass ich in Montreal bisher jeden Tag genossen habe. Meine Arbeit ist unglaublich interessant. Und das weiss ich zu schätzen, zumal ich kein einfaches Jahr hinter mir habe. Sie waren insgesamt während 20 Monaten arbeitslos und am Ende gar ausgesteuert.

Obwohl ich viel Zeit mit meiner Familie verbringen konnte, fühlte ich mich irgendwann nur noch als halber Mann. Deshalb tut mir diese Herausforderung unglaublich gut: Ich habe im Leben einen neuen Sinn gefunden. Die bisherige Zeit war sehr reich an Erfahrung. Es ist toll, in diesem Umfeld zu arbeiten. Wie schnell wächst der Fussballsport in Nordamerika?

Klar, hat er noch lange nicht den Stellenwert wie etwa Eishockey oder American Football. Aber die Major League Soccer ist sehr gut organisiert, davon können wir uns in der Schweiz eine Scheibe abschneiden. In den Sportteilen der Tages-

zeitungen wird zwar erst etwa ab der vierten oder fünften Seite über den Fussball berichtet. Aber wir haben unsere Fangemeinde und spielen regelmässig vor 20 000 bis 40 000 Zuschauern. Beim Training der Montreal Impact sollen täglich bis zu 50 Journalisten vor Ort sein.

Tatsächlich sind täglich viele Medienschaffende und drei bis vier Fernsehteams im Training. Man spürt einen gewissen Boom. Aber wir sind hier auch nicht in der Schweiz — Amerika ist riesig, und wir erhaschen ein kleines Stück von einem ganz grossen Kuchen. Inwiefern gibt es sportliche Unterschiede zu Europa?

Der Fussball ist hier einiges physischer. Jede Mannschaft betreibt ein offensives Pressing und versucht, den Gegner zu zermürben. Taktisch ist das Spiel zwar noch nicht auf dem Niveau von Klubs wie Bayern oder Barcelona. Aber jede Mannschaft gibt Vollgas, und darauf muss man vorbereitet sein. Ansonsten sind die Tore und Spielfelder genau gleich gross wie in Europa (lacht). Sie haben in der Schweiz insgesamt neun Klubs trainiert. Welche Erfahrung hat Sie am meisten geprägt?

Ich war fast 15 Jahre lang als Trainer tätig, ein Business, das einem sehr viel gibt. Ich hatte vier geniale Jahre bei YB, spielte mit Servette im Uefa Cup, und auch meine Zeit in Bellinzona oder Lugano war toll. Aber nicht jeder Trainer kann Erfolg haben, und jeder erlebt auch Durststrecken. In Genf war es der Konkurs oder in Lugano die Entlassung als Tabellenführer. Im Fussball gibt es die Ups genauso wie die Downs, doch Letztere machen einen stark. Ich erlebte zu-

Irgendwann während seiner langen Arbeitslosigkeit habe er

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