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Migros-Magazin | NR. 20, 13. MAI 2013 |

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Norwegen macht es vor: Stromtankstellen findet man hier viele (links). Unten: Der Nissan Leaf ist nicht nur flott, er bietet auch viel Platz im Kofferraum.

O’zapft is: E-Auto wird günstiger Verbessert und mit mehr Reichweite, aber über 10 000 Franken günstiger: Elektroautos, wie der erneuerte Nissan Leaf, werden langsam auch in der Schweiz zur echten Alternative.

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tromer haben es schwer in der Schweiz: Während im Ausland Elektromobilität oft staatlich gefördert wird, kommen E-Mobile in der Schweiz mangels Unterstützung erst langsam auf Touren. Schade, denn die laufend optimierten E-Autos werden zur echten Alternative — wie ab Juni der rundum überarbeitete Nissan Leaf. Neben optischen Retuschen verhelfen ihm rund 100 Neuerungen zu noch mehr Alltagstauglichkeit. So wächst zum Beispiel die Reichweite laut Werksangabe dank neuem Antrieb (80 kW/109 PS) von bisher 175 auf 199 Kilometer. In der Praxis sind es damit also wohl runde 150 Kilometer pro Batterieladung. Verbessert wurde auch die bisher übereifrig nachkorrigierende Reichweitenanzeige, die nun verlässliche Angaben liefert. Da die neue Antriebstechnik zudem weniger Platz braucht, wächst auch der Kofferraum um 40 auf familientaugliche 370 Liter. Auch der Fond bietet nun mehr Knieraum. Nicht

viel ändert sich beim Fahren — und das ist gut so. Mit einem Gang und vollem Zug aus dem Stand stürmt der Leaf flott los, absolviert Zwischenspurts mühelos und summt flüsterleise.

Wer den akku mietet, ist bereits ab knapp 28 000 Franken dabei Treu bleibt er dem feinen Fahrkomfort — trotz strafferer und somit etwas kurvenfreundlicherer Federung. Und treu bleibt er auch dem Kostenvorteil beim Verbrauch: 100 Kilometer kosten je nach Stromtarif ab gut zweieinhalb Franken. Und schneller geladen ist der Kompaktwagen nun auch: mit 32 Ampere in vier statt zuvor acht Stunden. Vor allem aber sinkt der Preis, weil der Leaf neu auch in Europa gebaut wird. Die (leicht abgespeckte) Basis gibt es ab 35 690 Franken statt zuvor 45 990 Franken. Alternativ lässt sich der Akku nun mieten statt kaufen, dann sind es gar nur 27 990 Franken plus 95 Franken im Monat. Text: Timothy Pfannkuchen

E-Mobilität: Norwegen ist Vorbild Kein Wunder, präsentierte Nissan den überarbeiteten Leaf in Norwegen: Das Ölförderland macht vor, wie man E-Autos in kurzer Zeit zum Durchbruch verhilft: In Norwegen sind sie mehrwert- und motorfahrzeugsteuerbefreit, dürfen auf Busspuren am Stau vorbeiziehen, zahlen keine Parkgebühren und laden an Stromtankstellen (alleine 3500 in Oslo!) gratis Strom, der in Norwegen zu 99 Prozent aus Wasserkraft stammt. Der Nissan Leaf lag im ersten Quartal 2013 auf Rang 6 der norwegischen Neuwagenverkäufe (in der Schweiz: Platz 235). In der Schweiz schweigt der Staat zur E-Mobilität, überlässt die Initiative für den Fortschritt den Privaten, also Projekten wie jenen des Verbandes Swiss eMobility oder der Migros-Elektromobilitätstochter M-way.

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