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Horsts

AUSGABE 2018 3,00 €

Von jedem verkauften Exemplar fließen 0,50 € in den Artenschutz

ZOOGEFLÜSTER

GESCHICHTEN VON LAMA, ELEFANT & CO.

+ GORILLA-POSTER UND WÜRFELSPIEL ERINNERUNGEN, FOTOS, SCHÄTZE AUS 140 JAHREN ZOO LEIPZIG

TOUR ZU DEN NACHTAKTIVEN BEWOHNERN SÜDAMERIKA

Das sind die neuen Tierarten PUBLIKUMSLIEBLING

Interview mit den Machern von „­Elefant, Tiger & Co.“ HINTER DEN ­KULISSEN

Unterwegs mit den Handwerkern

AFFENSTARKE ZEITREISE


Foto©Zoo Leipzig

Tierisch nah dran. Mit unserer Unterstützung.

Leipzig wäre nicht Leipzig ohne seine tierischen Bewohner. Deshalb unterstützt die Leipziger Gruppe den Zoo Leipzig als Goldsponsor und mit Tierpatenschaften. Viel Spaß beim Eintauchen in die Wildnis wünschen Ihre Leipziger Stadtwerke, Verkehrsbetriebe, Wasserwerke und Sportbäder.

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≥ INHALT

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INHALT

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Editorials Horsts Freunde: Roter Piranha Nachgefragt: Einzigartige Zoo-Momente Horsts Heimat: Südamerika Hinter den Kulissen: „Wir brauchen Fingerspitzengefühl“ Hinter den Kulissen: Die neuen Tierarten in der Südamerika-Anlage Horsts Freunde: Großer Molukkenkrebs Hinter den Kulissen: Schätze aus 140 Jahren in der Zoo-Bibliothek Horsts Freunde: Fragezeichen-Schabe Hinter den Kulissen: Wer will fleißige Handwerker sehen Würfelspiel: Auf der Suche nach den Erdmännchen Horsts Freunde: Gorilla-Jungtiere Hinter den Kulissen: Zeitreise durch 140 Jahre Horsts Freunde: Elefant Der Natur auf der Spur: Kleine neue Zoo-Stars Der Natur auf der Spur: 15 Jahre „Elefant, Tiger & Co.“ Horsts Freunde: Runzelhornvogel Hinter den Kulissen: Tüv für den Zoo Freunde und Förderer: Wenn die Pateneltern zu Besuch kommen Der Natur auf der Spur: Nachts im Zoo Horsts Freunde: Stachelschwein

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≥ EDITORIAL

Liebe Zoofreunde, unser in diesem Jahr zu feierndes 140-jähriges Jubiläum gibt uns Anlass genug, die Untiefen der Zoo-Archive zu durchstöbern, wahrlich historische Schätze zu Tage zu bringen und die Tore für einen Blick hinter die Kulissen zu öffnen. In gewohnter Art und Weise übernimmt Lama Horst die Aufgabe, über Interessantes, Neues und Althergebrachtes aus dem Zooleben von heute und gestern zu berichten und dies aus seiner Perspektive zu kommentieren. Unterstützung erfährt er von unserem langjährigen Partner, der Leipziger Volkszeitung. In diesem Heft werden wir zurückblicken und in Erinnerungen schwelgen, den neuen Themenbereich Südamerika vorstellen, das Jubiläum von „Elefant, Tiger & Co.“ würdigen, unsere Handwerker begleiten und für Sie den Zoo bei Nacht entdecken. Seit jeher hat der Zoo Leipzig für mich seine ganz eigene Dynamik, und blickt man auf seine Geschichte zurück, scheint das Wort „Stillstand“ mit ihm nicht vereinbar zu sein. Kaum haben wir mit der Eröffnung von Patagonien, Pampa und Pantanal die bekannten Landschaften Südamerikas in die Mitte der Stadt Leipzig gebracht, wollen wir mit dem Bau von Feuerland beginnen. Außerdem starten wir demnächst mit der Modernisierung des Aquariums, und natürlich haben wir bereits die Asiatischen Inselwelten fest im Blick, die den Schlusspunkt des Masterplans im Jahr 2022 darstellen. In diesem Sinne sind die Aufgaben für die nächsten Jahre klar definiert, und es freut mich, dass Ihre Teilhabe auch dank dieses Magazins möglich ist. Ich wünsche ich Ihnen viel Vergnügen bei der Lektüre!

Prof. Jörg Junhold Zoodirektor

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HORSTS ZOOGEFLÜSTER • DAS MAGAZIN AUS DEM ZOO LEIPZIG

GESTATTEN, MEIN NAME IST HORST

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iebe Leser, ein Kalenderjahr hat üblicherweise 365 Tage, und ebenso viele Geschichten könnte ich jedes Jahr aufs Neue zu Papier bringen. Es vergeht im Grunde kein Tag, an dem bei uns im Zoo Leipzig nichts Bemerkenswertes passiert. Jedoch möchte ich keinen dicken Wälzer produzieren, geschweige denn Sie langweilen. Deshalb habe ich für dieses Heft die aus meiner Sicht schönsten und spannendsten Geschichten herausgesucht: Die neuen tierischen Kollegen in Südamerika haben mich genauso in ihren Bann gezogen wie die drei Jungtiere in unserer Gorillagruppe, die meine volle Aufmerksamkeit geradezu einforderten. Und ähnlich erging es mir auch wieder mit den anderen meiner Kollegen, die mir stets das perfekte Material für meine Kolumnen liefern, aber lesen Sie selbst!  Ihr Horst


≥ HORSTS FREUNDE

DIE GESUNDHEITSPOLIZEI

ROTE ­PIRANHA Liebe Leser, ich muss dringend mit einem weit verbreiteten Vorurteil über räuberische Piranhas aufräumen, das ihnen einen schlechten Ruf eingebracht hat: Piranhas spielen für das Ökosystem der tropischen Gewässer in Südamerika eine immense Rolle, indem sie äußerst effektiv Tierkadaver beseitigen und damit schlimme Folgen, wie die Verbreitung von Krankheiten, verhindern. In der Fachwelt und letztendlich auch von den Bewohnern Südamerikas werden sie deshalb als Gesundheitspolizei bezeichnet und geschätzt. Ohne Frage sieht das natürliche Fressverhalten der Schwarmfische nicht besonders appetitlich aus. Wenn sich 50 Fische gleichzeitig nach einer langen Futterpause auf einen Kadaver stürzen und diesen mit ihren scharfen Zähnen in Nullkommanichts verspeisen, bietet sich ein Schauspiel, das eher abstoßend wirkt. Aber fressen und gefressen werden gehören nun mal zusammen. Allerdings ernähren sich die Piranhas nicht ausschließlich von Kadavern. ­Insekten, Fische, Weichtiere und Pflanzen zählen ebenso zu ihrem Nahrungsspektrum. Bei uns füttern die Tierpfleger die Roten Piranhas extra für die Besucher – immer donnerstags und samstags um 12 Uhr. Und ich muss sagen, die Schaufütterung hat mich begeistert. Vor allem, wenn im Hintergrund die Riesenotter in ihrem Becken hin- und herschwimmen und genauso etwas vom Fressen abhaben möchten. Da weiß man gar nicht, auf wen man den Fokus richten soll: auf die Piranhas, die versuchen, das große dargebotene Fischstück zu genießen, oder auf die wild in alle Richtungen

schwimmenden Otter im Hintergrund. Für meine Augen eine echte Herausforderung, der ich nicht lange gewachsen war. Ich nahm mir lieber ein Fachbuch zur Hand und studierte darin alles Weitere über diese Fische. So erfuhr ich, dass die Piranhas eine Unterfamilie der Sägesalmler sind und diese insgesamt fünf Gattungen mit 36 Arten umfasst. Wir halten in Gondwanaland nur die Roten Piranhas. Die bis zu 35 Zentimeter groß werdende Art kommt unter anderem im gesamten Amazonas- und Orinoko-Gebiet vor. Der Nachwuchs, etwa 300 bis 5000 Eier, wird in einer Laichgrube ab­ gelegt und nach circa 36 Stunden schlüpfen dann die zwischen 1,6 und 2 Millimeter langen Larven. Das Männchen übernimmt im Durchschnitt sieben Tage lang die Bewachung des Geleges, danach müssen sich die Jungfische allein im Gewässer behaupten. Der Name Roter Piranha kommt von der starken Rotfärbung am Bauch, die einem sofort auffällt. Dennoch vermag das Äußere nicht gerade den Augen zu schmeicheln. Da haben wir im Aquarium ansehnlichere Fische, wie den Kofferfisch oder den Königs-Feenbarsch. Jedoch zählt nicht ­immer das Äußere, sondern auf die inneren Werte kommt es an, wie ich weiß. Bei den Piranhas liegt das Hauptaugenmerk eindeutig auf dem Vernichten potentieller Krankheitskeime. Nun hoffe ich, dass ich Sie überzeugen konnte, sich nicht immer auf das Hörensagen zu verlassen. Oftmals liegen die guten Dinge im Verborgenen. Ihr Horst

Infos

VERWANDTSCHAFT: Ordnung: Salmlerartige Familie: Sägesalmler LEBENSRAUM: Flusssysteme in Südamerika HÖCHSTALTER: 18-30 Jahre GRÖSSE: Körperlänge bis zu 35 cm GEWICHT: bis zu 3,8 kg SOZIALSTRUKTUR: leben in lockeren Gruppen zusammen, an Beutetieren können sie sich in großer Zahl einfinden FORTPFLANZUNG: legen 300-5000 Eier in eine Laichgrube, Schlupf nach 36 Stunden, Männchen bewachen und verteidigen die Brut ca. sieben Tage FEINDE: Riesenotter, Flussdelphine, Reiher, Greifvögel, Kaimane und größere Raubfische, wie der Arapaima NAHRUNG: Fische, Insekten, Krebse, Weichtiere, verletzte Tiere, Aas, Pflanzen

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≥ NACHGEFRAGT

EINZIGARTIGE ZOO-MOMENTE Mitarbeiter und Besucher erzählen von ihren schönsten und bewegendsten Erlebnissen, die ihnen bis heute im Gedächtnis geblieben sind.

GEBURT VON VOI NAM FAST VERPASST

SCHEUE REHE GANZ NAH

Martina Molch, Tierpflegerin Es war im Mai 2010: Eine Ricke kam im Gehege plötzlich ungewöhnlich nah zu mir und legte sich in eine für Besucher nicht einsehbare Rindenmulch-Ecke. Dann fing sie sofort an zu pressen. Alles ging so schnell, dass ich gar nicht rechtzeitig meine Kamera auspacken konnte. Ich konnte es kaum glauben, aber sie gebar tatsächlich vor und bei mir ein Kitz! Rehe sind äußerst scheue Tiere, die nur bedingt zu den ihnen bekannten ­Pflegern zutraulich sind. Sie begann das eben geborene Jungtier trocken zu lecken, musste jedoch dann unterbrechen, weil es mit der nächsten Geburt weiter ging. Diesen Moment nutzten die Rabenkrähen vom benachbarten Muntjakgehege sofort aus und begannen sehr aggressiv das noch nasse, völlig wehrlose Kitz zu attackieren und zu hacken. Ich bewarf die Rabenkrähen sofort mit Ästen – mit Erfolg. Die Ricke konnte ihr zweites Kitz gebären und kümmerte sich sofort sehr fürsorglich um beide Jungtiere. Ich hatte sogar das Gefühl, dass meine Nähe ihr angenehm war. Mittags fütterte ich den Rehen ihr Gras. Unauffällig schaute ich nach den Liege­ plätzen der Kitzen. Dann folgte für mich die zweite große Überraschung des Tages: Die Ricke ging langsam zurück ins Versteck und begann, ihre Kitze herauszulocken. Sie präsentierte sie mir diese regelrecht, beleckte ihre Jungen, lief mit ihnen eine kleine Runde, bevor sie sie wieder im Versteck abliegen ließ. Ich fühlte mich zutiefst geehrt von diesem wundervollen Verhalten, das mir während meines ganzen Tierpflegerdaseins von über 38 Berufsjahren noch nie von einem Reh je zu teil geworden ist! Viele Jahre pflege ich schon Rehe und habe dabei auch viele Jungtiere heranwachsen sehen, aber dieser besondere Tag wird mir immer in sehr guter Erinnerung bleiben – eine wahre Sternstunde in der Tierpflege. Leider starb das weibliche Kitz circa drei Wochen später an einer Infektion. Das vor den Rabenkrähen gerettete Bockkitz hat zu meiner Freude überlebt. So liegen Freud und Leid in unserem Alltag als Tierpfleger ständig nah beieinander.

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Prof. Klaus Eulenberger, ehemaliger Cheftierarzt Mein vielleicht schönstes Zoo-Erlebnis war die Geburt von Voi Nam im Jahr 2002, der ersten Elefantengeburt nach 66 Jahren im Leipziger Zoo. Dabei hätte ich diese fast verpasst, denn am Vorabend deutete nichts auf eine nahende Geburt hin. Zum Glück wohnte ich nur zehn Minuten vom Zoo entfernt. Ich hatte gerade die Nachttischlampe ausgeknipst, da kam der Anruf aus dem Elefantenhaus: Es geht los! Als ich ankam, war bei Trinh schon eine deutliche, ballonartige Vorwölbung unterhalb des unruhig schlagenden Schwanzes zu erkennen. Dann ging es rasant weiter: Starke Presswehen setzen ein, blutiger Schleim wurde abgesetzt und dann das Kalb mit einem Schwall Fruchtwasser in die Außenwelt entlassen. Trinh ließ aber keinerlei Mutterfreuden erkennen, sondern attackierte das am Boden liegende glitschige Etwas äußerst heftig und lebensgefährlich. Der Tierpfleger, der das Neugeborene eigentlich in Empfang nehmen und in Sicherheit bringen sollte, hatte alle Hände voll zu tun, Trinh an weiteren Attacken zu hindern und warf mir das zum Fixieren des Kalbes vorgesehene Seil zu. Nach ein bis zwei vergeblichen Versuchen gelang es mir schließlich, das Seil um das glitschige Hinterbein zu schlingen und den im Stallgang wartenden Kollegen zuzuwerfen. Voi Nam war gerettet. Der Zufall wollte es also, dass ich der erste war, der ihn in Empfang nehmen durfte. Nach einer weiteren Attacke während der Nachgeburt entwickelte sich Trinh zu einer treusorgenden Mutter, die ihren Sohn zu einem stattlichen Elefantenbullen aufzog. Ich freue mich, dass er nach 13 Jahren „in der Fremde“ wieder in Leipzig lebt und nicht „sein Herz in Heidelberg verloren hat“.

Online-Tipp Längere, ausführlichere Schilderungen ihrer Erlebnisse gibt es von Prof. Klaus Eulenberger und Martina Molch auf www.lvz.de/zoo-leipzig.


≥ NACHGEFRAGT

SPIELEN MIT SARAFINE

Frank Oberwemmer, Referent für Artenschutz und­ ­Umweltmanagement Für alle, die wie ich überwiegend im Büro arbeiten, sind die schönsten Zooerlebnisse meist die mit einem Tierkontakt. So konnte ich mit unserem wenige Monate alten Spitzmaulnas­ hornnachwuchs Sarafine, heute eine ausgewachsene Kuh, im Jahr 2000 bei ihrer mehrwöchigen Handaufzucht in Kontakt kommen – und sie versuchte spielerisch mich umzurennen. Viele Jahre später stand ich zusammen mit einem Tierpfleger neben unserem Nashornbullen am Zaun, der sich ruhig an­fassen ließ. Im direkten Kontakt kann man die gewaltige Masse dieser Tiere spüren und ihre faltige warme Haut ertasten – ein beeindrucken­ des Erlebnis.

VOM NASENBÄR IN DEN FINGER GEBISSEN

Prof. Jörg Junhold, Zoodirektor Vor einigen Jahren betrat ich anlässlich der Übergabe einer Tierpatenschaft die Außenanlage unserer Nasenbären. Die Tier­ pfleger hatten zur Fütterung Weinbeeren und Apfelstückchen präpariert. Noch während unsere Pflegerin die Verhaltensregeln erklärte und uns warnte, dass die Tiere auch sehr aufdringlich werden können, sprang einer der Nasenbären frontal auf meinen Bauch und biss mir in den Finger jener Hand, in der ich schon ein Apfelstückchen versteckt hielt. Tja, man sollte eben immer aufmerksam den Tierpflegern zuhören, bevor man Wildtieren zu nahe kommt...

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≥ NACHGEFRAGT

LÖWENBABY AUF DEM SCHOSS

Ich habe mal ins Familien-Fotoalbum geschaut. Das erste Foto entstand im August 1943 mit meiner Mutti und Oma und meinen zwei Brüdern. Das zweite Foto entstand im Oktober 1944 mit meiner Mutti und Ur-Oma und das dritte Foto ist aus dem Jahr 1976 mit unserem Sohn. Das Wichtigste war natürlich der direkte Kontakt mit dem Löwenbaby sowie dem Pony.  Rosemarie Schneider, Leipzig

DEM LIEBLINGSTIER GANZ NAH

MUTIGER MAJO Februar 2018, ein sonniger Tag. Kigali und Majo toben und genießen die Sonne. Auf dem Felsen ist scheinbar ganz klar Kigalis Platz. Da lässt sie den armen Majo nicht hin, obwohl er es mutig weiter versucht. Und dann schaffte er es auch – so entstand das tolle Foto, wo sie gemeinsam in der Sonne entspannen.  Kevin Drewes, Ganderkesee (Niedersachsen)

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Meine schönste Erinnerung ist dieses Bild von meiner Tochter Laura und Giraffe Max. Entstanden ist das Foto 2011 zu den Aktions­tagen. Laura liebt Giraffen über alles und kann stundenlang bei ihnen stehen. Sie hat über 50 Giraffen aus Plüsch und Figuren. Sie findet immer eine, die sie noch nicht hat. Dieses Foto, diese Erinnerung ist ganz fest in ihrem Herzen. Dass sie ihren Lieblingstieren so nah kommen durfte, bleibt unvergesslich und tief in ihrem Herzen.  Jaqueline Wrobel, Leipzig


≥ NACHGEFRAGT BLITZSCHNELLER TIGERSPRUNG

FRÜHER MIT TANTE, HEUTE MIT TOCHTER

Auf dem Foto bin ich (heute fast 27 Jahre) mit meiner Tante Anja zu sehen. Ich denke ich war circa drei Jahre alt. So alt wie meine Tochter jetzt bald ist. Ich liebe den Zoo und fahre immer wieder gern hin. Dieses Jahr freue ich mich besonders drauf, weil ich mit meiner Tochter hinfahren werde. Dann kann sie die tollen Tiere mit großen Augen bestaunen. Vielleicht gibt’s dann auch so ein tolles Foto wie von mir und meiner Tante. Stephanie Clasen

Im Jahr 1978, zum 100. Geburtstag des Leipziger Zoos, erhielt ich den Auftrag zur Erstellung einer Color-­ Raumbildserie „Zoo Leipzig“. Im Sommer 1978 fotografierte ich und wurde dabei von einem Sicherheitsbeauftragten des Zoo an solche Stellen begleitet, die Besuchern nicht zugänglich sind, um die besten Motive festzuhalten. Am Tigerinnenkäfig mit ihren drei Halbwüchsigen wollte ich der Idylle möglichst nah sein, hielt die beiden Objektive meiner Stereo-Kamera so durch das Gitter, dass es nicht störte. Ich war noch nicht ganz schussbereit, als die Tigerin mit einem völlig unerwarteten, blitzschnellen, wahrhaften Tigersprung mir entgegensprang, sich in voller Größe und ganzem Gewicht gegen das Gitter krachend aufrichtete. Vor Schreck ruckartig zurückweichend, fiel mir die Kamera glücklicherweise vor dem Käfig aus den Händen. Ich blieb noch eine Weile reglos stehen, um zu sehen, ob sich die provozierte Tiger-Mutter beruhigt. Das tat sie, ging zu ihren Drillingen und legte sich dann ganz sanft in den Sand. Scherzhafter Kommentar meines Begleiters: „Da haben Sie Glück gehabt, dass zwischen dem hungrigen Tier und ‚seinem Futter‘ die Käfigstäbe waren! Das war zu erwarten und passiert auch uns mal, wenn wir die Flucht­ distanz der Katze unterschreiten.“  Rolf Voland, Leipzig

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. August 1 3 – i a M 7. – 19 Uhr 1 1 n o v h täglic

Auch an Sonn- und Feiertagen geöffnet:

Unser großer Erlebnis-Bauernhof!


≥ HORSTS FREUNDE

MEIN HEIMAT-KONTINENT IN LEIPZIG Horsts

Infos

FLÄCHE: 17 843 000 km2 BEVÖLKERUNG: 418 Millionen LÄNDER: 12 (Argentinien, Bolivien, Brasilien, Chile, Ecuador, Guyana, Kolumbien, Paraguay, Peru, Suriname, Uruguay, Venezuela) SPRACHE: hauptsächlich Spanisch, in Brasilien Portugiesisch HÖCHSTER BERG: Aconcagua (6962 m) LÄNGSTER FLUSS: Amazonas (6448 km)

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H e i m at

SÜDAMERIKA

Liebe Leser, meine Wurzeln habe ich in Südamerika, im Hochland der Anden. Meine Heimat, die ich nur aus Büchern kenne, soll atemberaubend schön sein, ein Hort uralter Kulturen und einer besonderen Tiervielfalt. Üppige Regenwälder, raue Landschaften, Vulkane, Wüsten, Gletscher und traumhafte Sandstrände – so sieht mein Kontinent aus. Fast so facettenreich gestaltet sich auch der Leipziger Südamerika-Kontinent mit den Landschaften Patagonien, Pampa und Pantanal, die den südamerikanischen Vorbildern nachempfunden sind. Was tatsächlich mehrere Millionen Jahre gedauert hat, ging bei uns innerhalb von nur anderthalb Jahren vonstatten: die Entstehung von Südamerika. Nachdem die eigentliche Planungsphase abgeschlossen war und die Genehmigungen für den Abriss und Neubau vorlagen, ging es an die Gehegefreimachung. So zogen zum Beispiel die Wild­ pferde auf die ehemalige Nashornanlage, die Dallschafe und Rehe wurden an andere Zoos abgegeben. Als alle Stallungen frei von Tieren und die Baufeldeingrenzung markiert waren, ging es an den Abriss. Etwas Wehmut kam auf, als die letzten Teile der alten Tigerfarm abtransportiert wurden, schließlich lebten hier fast 50 Jahre lang Tiger und Leoparden. Jedoch entsprachen die Gehege schon lange nicht mehr den neusten Standards. Nachdem alles Überflüssige entsorgt war, fand ich mich auf meinem ersten Rundgang in einer Wüste wieder, und so sehr ich meine Phantasie bemühte, meinen

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Heimatkontinent hier in Leipzig konnte ich mir lange nicht vorstellen. Selbst mein Zoodirektor warf damals alles in die Waagschale, um Südamerika vor meinen Knopfaugen lebendig werden zu lassen, doch er verzweifelte letztlich. Er dagegen sah bereits recht früh grasende Guanakos, schwimmende Pekaris und kletternde Weißrüssel-Nasenbären vor sich und geriet ins Schwärmen. Mit der Zeit nahm die Zahl der Handwerker und Bauleute stetig zu, hunderte Ver- und Entsorgungsleitungen wurden verlegt und der Rohbau der Stallungen schritt voran. Erstmals bekam ich eine Ahnung von der Anlage. Baulich schwierig war zwischendurch die Umsetzung der rotierenden Gehege, die aufgrund der geplanten Vergesellschaftung einzelner Arten auf den Freianlagen miteinander verbunden werden mussten. Später verursachten die Elektriker einen riesigen Kabelsalat auf dem Gelände, zogen unzählige Meter Leitungen und die Schlosser montierten im Akkord Schieber. Zu guter Letzt übernahm der Landschaftsbau das Zepter und ließ Südamerika stetig wachsen. Die Entstehung von Südamerika in Leipzig ist längst Geschichte. Nandus stolzieren zwischen Guanakos, Nasenbären klettern über den Köpfen der Besucher, die vom Holzsteg aus alles und jeden ausgiebig beobachten können. Eine südamerikanische Szenerie direkt vor meiner Residenz - kann man als Lama besser wohnen? Ich glaube nicht. Ihr Horst


≥ HINTER DEN KULISSEN

„WIR BRAUCHEN ­FINGERSPITZENGEFÜHL“

E

r hat S ­ üdamerika nach Leipzig ­gebracht. Natürlich nicht alleine, aber als Kurator hat ­Ruben H ­ olland vor allem die Besetzung der Anlage maßgeblich mitgeplant. Im Interview erklärt der 39-Jährige, wie Mähnenwolf, Chaco-Pekari und Co. nach Leipzig kommen, wie sie sich an ihre neue Umgebung gewöhnen und ­warum der Ameisen­bär ein sensibler, aber mitunter gefährlicher Zeitgenosse ist. Wie finden die Tiere den Weg nach Leipzig? Zunächst haben wir anhand einer Matrix geprüft, welche Tierarten für diesen Themenbereich in Frage kommen und wie realistisch es ist, sie zu bekommen. Einige Tierarten werden vom Europäischen Erhaltungszuchtprogramm, dem EEP, gemanagt. Das heißt: Es gibt einen europaweiten Koordinator für eine bestimmte Tierart, der die Populationen in den Zoos koordiniert und festlegt, welche Tiere in welche Zoos gehen. Für den Mähnenwolf zum Beispiel, den wir in Südamerika halten, bin ich als EEP-­ Koordinator zuständig und konnte sehr schnell festlegen, welche beiden Tiere zu uns passen. Nach Festlegung der Tierarten haben wir Kontakt mit den jeweiligen Zoos und Zuchtbuchführern aufgenommen. So liegt das Zuchtbuch für Ameisenbären in Dortmund und der Experte für das Chaco-Pekari sitzt im Tierpark Berlin. Wie läuft das bei Tieren, die nicht im EEP sind? Hier schaut man sich die Tierlisten an, die regelmäßig von den Zoos veröffentlicht werden. Darin enthalten sind die Tiere, die abzugeben sind oder gesucht werden. Wenn das nicht hilft, geht man in die internationale Zoo-Tierdatenbank und fragt direkt bei den Kollegen in den Zoos nach, ob sie ein Tier abgeben würden. Man hilft sich. Wie stellen Sie sich auf die neuen Tiere ein? Einige Arten kennen wir selbst schon ganz gut, bei anderen kann man sich belesen oder tauscht sich mit den Kollegen der entsprechenden Zoos aus. Beim Ameisenbär hatten wir zum Beispiel keine Erfahrung in der Haltung. Deswegen war meine Kollegin Janet Pambor, unsere Bereichsleiterin für Südamerika,

für drei Tage im Zoo Dortmund, um sich intensiv mit Pflege und Training zu beschäftigen. Zudem erhalten wir oftmals mit Ankunft der Tiere oder im Vorfeld den Nahrungsplan, um die bisherige Fütterung der Tiere fortzuführen. Was macht die Ameisenbärhaltung so schwierig? Ein Hauptgrund ist die Nahrung, Ameisenbären sind Nahrungsspezialisten. Außerdem sind Ameisenbären nicht ungefährlich. Wenn sie sich bedroht fühlen, stellen sie sich auf die Hinterbeine und schlagen mit den Vorderbeinen. Das kann wehtun und aufgrund der Krallen zu Verletzungen führen. Wie verläuft die Eingewöhnung der Tiere? Die ersten Tage verbringt das Tier im Stall, um seine sichere Umgebung kennenzulernen. Der Stall soll der Ort sein, an dem sich das Tier zurückziehen kann und wo es weiß, dass es etwas zu fressen bekommt. Dann gehen wir ins Vorgehege und erst dann zum ersten Mal auf die Anlage. Meistens finden die Tiere den Weg alleine zurück, weil sie sich merken, dass sie dort Futter bekommen. Ansonsten muss man sie am Anfang begleiten. Mit welchen Herausforderungen rechnen Sie? Wir vergesellschaften einige Arten und wechseln dafür immer wieder die Freianlagen. Das ist einerseits für den Besucher reizvoll und anderseits für die Tiere wichtig: Es sind dann ganz andere Gerüche auf der Anlage, was die Tiere reizt, sie immer wieder neu zu erkunden. Das ist sozusagen positiver Stress, weil sie stets etwas Neues erleben können und so kein Alltag und keine Routine einziehen. Mit wem darf sich der Ameisenbär die Anlage teilen? Mit dem Mähnenwolf. Das braucht sicher ein wenig Zeit. Der Mähnenwolf ist zwar ein Raubtier, aber der Ameisenbär fällt schon durch seine Größe nicht ins Beuteschema. Aber: Weiß das der Mähnenwolf, weiß das der Ameisenbär? Da brauchen wir Fingerspitzengefühl. Interview: Christopher Resch HORSTS ZOOGEFLÜSTER • DAS MAGAZIN AUS DEM ZOO LEIPZIG

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SÜDAMERIKA

GESTATTEN: DIE NEUEN Grasen, schwimmen, klettern: Mit Eröffnung der Erlebnis­ welt Südamerika ziehen einige neue Mit­bewohner in den Zoo Leipzig. Janet Pambor, die ­Bereichsleiterin für Süd­ amerika, kommentiert die neuen T ­ ierarten.

UNSERE AMEISENBÄRIN IST ECHT NIEDLICH! SIE SCHAFFT ES IN SEKUNDEN, MICH UM DEN FINGER ZU WICKELN.

AMEISENBÄR

Alleinstellungsmerkmal des Großen Ameisenbären ist seine Zunge: Sie ist bis zu 60 Zentimeter lang und extrem schnell. Mit ihr leckt er bis zu 35 000 Ameisen täglich auf. Mit seinen großen Krallen reißt er die Nester auf, frisst aber anschließend nur etwa 40 Sekunden daran – denn die Insekten wehren sich. Ameisen­ bären können extrem gut riechen, sehen aber sehr schlecht.

MARAS ERINNERN MICH AN KOMPAKTE, HOCHBEINIGE ­MEERSCHWEINCHEN. GROSSER MARA

Diese auch Pampashasen genannten Tiere – sie sind aber Meer­ schweinchen, keine Hasen – gehen eine lebenslange Paarbin­ dung ein. Das Männchen folgt dem Weibchen ständig und mar­ kiert es mit seinen Düften. Hauptgrund dafür ist wohl das ungewöhnlich kurze Zeitfenster für eine erfolgreiche Paarung: Die Weibchen sind nur alle drei bis vier Monate für eine halbe Stunde fruchtbar.

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CAPYBARA

MIT IHRER RIESIGEN NASE SIND SIE WIRKLICH PUTZIG. WIE ÜBERDIMENSIONALE, PLUMPE ­MEERSCHWEINCHEN.

Bei uns werden sie auch Wasserschweine genannt, in Wirklich­ keit sind die Capybaras aber Nagetiere. Und zwar die weltgröß­ ten. Sie sind ausgezeichnete Schwimmer und fühlen sich im Nassen auch am wohlsten: Wenn Gefahr droht, flüchten sie sofort ins Wasser. Capybaras sind pragmatisch eingestellt: Um die Nahrung bestmöglich zu verwerten, fressen sie ihren vorver­ dauten weichen, klebrigen Kot noch einmal.


≥ HINTER DEN KULISSEN

SCHLICHTE, BEHAARTE, RELATIV GROSSE SCHWEINE – EIN BISSCHEN ÄHNELN SIE DEN HEIMISCHEN ­WILDSCHWEINEN.

CHACO-PEKARI

Erst 1974 wurde diese Art entdeckt. Heute gelten Chaco-Pekaris als stark gefährdet, vor allem, weil ihr Lebensraum Schritt für Schritt zerstört wird. Zudem ist ihr Fleisch begehrt, sodass sie trotz bestehender Verbote gejagt werden. Sie selbst fressen hauptsächlich verschiedene Kaktusarten, deren Stacheln sie mit der ledrigen Schnauze und den Zähnen entfernen.

LAMA

JA, ICH BIN AUCH SCHON BESPUCKT WORDEN, ES IST EIN ABWEHRVERHALTEN. DABEI SIND DIE TIERE ÜBERHAUPT NICHT UNFREUNDLICH!

Lamas sind die größten in Südamerika domestizierten Nutztiere. Die Bewohner des Andenraumes nutzten sie als Lastentiere, aßen das Fleisch und verwendeten Wolle und Häute. Bis heute ist das Lama in den Anden als Nutztier weit verbreitet. In Europa werden Lamas vor allem von Hobbyhaltern gepflegt.

DIESE TIERE HABEN ZIEMLICH LANGE BEINE – SEHR PRAKTISCH, WENN MAN IN DER PAMPA LEBT. SIND ETWAS KLEINER UND HÜBSCHER ALS DIE NANDUS, DIE MAN SONST KENNT. DARWIN-NANDU

Die Männchen sind allein für das Brüten der Eier und die Aufzucht der Jungen verantwortlich. Etwa sechs Monate lang kümmern sie sich fürsorglich und verteidigen aggressiv ihren Nachwuchs. Verloren gegangene Küken werden sogar von anderen Hähnen adoptiert. Der Name dieser Nandu-Art geht auf den Naturforscher Charles Darwin zurück – entdeckt hatte sie aber der Zoologe Alcide d’Orbigny im Jahre 1834.

MÄHNENWOLF

Im Unterschied zu Wölfen leben und jagen Mähnenwölfe nicht im Rudel. Männchen und Weibchen teilen sich zwar ein Revier, halten aber außerhalb der Paarungszeit meist Abstand voneinander. Sie können sehr gut hören, riechen und sehen. Die Fachleute für den Mähnenwolf sitzen im Zoo Leipzig: Seit 2010 wird hier das Europäische Erhaltungszuchtprogramm (EEP) geführt.

DIE NASENBÄREN SIND SEHR KECK UND NEUGIERIG. DIE MACHEN RICHTIG STIMMUNG!

OPTISCH EHER SCHLICHT, SIND DIE GUANAKOS DIE URSPRUNGSFORM DER LAMAS. WEISSRÜSSEL-NASENBÄR GUANAKO

Das Guanako ist die größte wildlebende Säugetierart Südamerikas. Die Ähnlichkeit zum Lama kommt nicht von ungefähr: Aus den Guanakos wurden die Lamas und durch die Einkreuzung von Vikunjas wohl auch die Alpakas gezüchtet. Guanakoherden bestehen meist aus einem Leithengst und bis zu 15 erwachsenen Weibchen sowie deren Jungtieren.

Beim Laufen und Wühlen nach Nahrung stellt der WeißrüsselNasenbär den Schwanz steil auf. So können sich die anderen Tiere in der Gruppe an ihm orientieren. Weißrüssel-Nasenbären suchen meist tagsüber am Boden nach Nahrung. Die Nacht verbringen sie zum Schutz vor Fressfeinden wie Katzen, Greifvögeln oder Riesenschlangen auf Bäumen. Die Männchen verteidigen als Einzelgänger ihre Reviere, die Weibchen bilden mit ihren Jungtieren Gruppen von bis zu 20 Tieren. HORSTS ZOOGEFLÜSTER • DAS MAGAZIN AUS DEM ZOO LEIPZIG

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≥ HORSTS FREUNDE

LEBENDES FOSSIL IN PUDDINGFORM GROSSE MOLUKKENKREBS

Infos

VERWANDTSCHAFT: Ordnung: Schwertschwänze LEBENSRAUM: Brackwasser von Flussmündungen in seichten Gewässern GRÖSSE: bis zu 50 cm FORTPFLANZUNG: 200-1000 Eier werden in ­Sandgruben abgelegt und vom Männchen befruchtet. NAHRUNG: Muscheln, Kleinkrebse, Würmer und Aas, Jungtiere fressen Insektenlarven

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Liebe Leser, auf der Suche nach einem neuen Thema bin ich einmal mehr im Tunnel von Gondwanaland umherflaniert und auf einen tierischen Bewoh­ ner gestoßen, der mich vom Erscheinungsbild an eine Schokoladenpuddingform erinnerte. Fragen Sie mich bitte nicht, wie ich darauf kam, auch meine drei Lehrlinge, Flax, Krümel und Sancho verzogen das Gesicht bei diesem Vergleich. Vergleiche hinken ja oft, und vielleicht schauen Sie einfach selbst vorbei und ver­ schaffen sich einen Eindruck von den Großen Molukkenkrebsen, um die es in dieser Kolumne geht. Zusammen mit Schlammspringern und Putzerfischen bewohnt dieser Krebs, der eigent­ lich gar kein Krebs ist, sondern zu den Spin­ nentieren gehört, eines der ersten Aquarien im Tunnel. Insgesamt halten wir zehn Tiere. Die Molukkenkrebse werden auch als Pfeilschwanz­ krebse bezeichnet, der Name ist Ihnen viel­ leicht geläufiger. Ich habe mir sagen lassen, dass diese Krebse in jedem Biologieunterricht her­ halten müssen, wenn es um lebende Fossilien geht. Entwicklungstechnisch haben sich diese seit Millionen von Jahren nicht verändert. Zur Klasse der Schwertschwänze gehörend kommt der Große Molukkenkrebs, der übrigens bis zu 50 Zentimeter groß werden kann, in der Bucht von Bengalen bis nach Nordaustralien vor. Die Größe ist recht beeindruckend, wenn er über den Grund schwimmend nach Muscheln, Klein­ krebsen und Würmern sucht, die zu seinem

Nahrungsspektrum zählen. Neben meiner äußeren Beschreibung als Puddingform gibt es natürlich eine fachlich fundiertere: In der Fach­ literatur wird der Körperbau als hufeisenförmig beschrieben, der für Spinnentiere typisch in Vorder- und Hinterleib zweigeteilt und jeweils mit einer starren Platte versehen ist. Als Sancho hörte, dass es sich um Spinnentiere handelt, hob er angewidert seine Schnauze und verwei­ gerte das weitere Verbleiben vor Ort. Die ande­ ren beiden taten es ihm gleich, und so stand ich allein gelassen vor dem Becken und musste wieder einmal die Arbeit der Recherche selbst erledigen. Jedenfalls sind Vorder- und Hinter­ leib sozusagen mit einem Scharnier verbunden, weshalb ihre Fortbewegung schon etwas merkwürdig aussieht. Unter diesen zwei Leibern befinden sich viele Beine, einige davon mit Scheren ausgestattet. Wie viele es tatsächlich sind, kann ich Ihnen leider nicht sagen, da habe ich schlicht den Überblick verloren. Am Ende steuert noch ein langer Schwanzstachel das Lauf­geschehen. Natürlich habe ich mich auch mit der Fortpflanzung dieser Krebse beschäftigt und Erstaunliches entdeckt: Das Männchen macht es sich oftmals wochenlang auf dem Rücken des ausgewählten Weibchens gemütlich und lässt sich herumtragen. Erst dann findet die Eiablage in Sandgruben und die Befruchtung statt. Es gibt schon merkwürdige Dinge im Tier­ reich und es gibt nichts, was es nicht gibt. Ihr Horst

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≥ HINTER DEN KULISSEN

Jana Ludewig leitet seit zwölf Jahren die Bibliothek des Zoo Leipzig.

SCHÄTZE AUS 140 JAHREN

Im Archiv lagern wahre Schätze – so zum Beispiel das erste Plakat aus dem Jahr 1910.

Die Zoo-Bibliothek öffnet ihre Pforten ZUR PERSON

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er mit Büchern lernen möchte, leiht sich diese in einer Bibliothek aus. So machen das auch die Mitarbeiter des Zoos in Leipzig. Sie gehen in die hauseigene Bibliothek. Das wussten Sie nicht? Dann sind Sie nicht die einzigen! „Bis vor zwölf Jahren wusste ich nicht, dass der Zoo eine Biblio­­thek besitzt“, sagt auch Jana Ludewig, die heute die Bibliothek leitet.

Jana Ludewig liebt Bücher über alles und ist eine leidenschaft­ liche Bibliothekarin. Als sie dann das erste Mal von der Zoo-Bibliothek hörte, fand sie es spannend sich mit nur einem Wissensgebiet zu beschäftigen und bewarb sich. „Es war der Reiz, sein eigener Herr über eine kleine Fachbibliothek zu sein“, erinnert sie sich. Anfangs war alles sehr komplex und es habe einige Zeit gedauert, bis sie den Überblick hatte, denn die Arbeit im Zoo ist dreigeteilt: „Ich betreue nicht nur die Bibliothek, sondern auch das Archiv und die Tierregistratur.“ Doch all das Reinfuchsen in das Neue und Unbekannte habe sich gelohnt. Sie werde fast täglich mit Einblicken in die 140-jährige Geschichte des Zoos sowie dessen Tierbestand von Anbeginn belohnt. Hinzu komme ein Einblick in die Wissenschaft und Forschung über die Tiere sowie deren vielfältige Arten – und schließlich ein Blick auf die Dinge, an die sich keiner mehr erinnern kann.

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≥ HINTER DEN KULISSEN

Im Archiv finden sich aber auch Zeitungsausschnitte oder Sammlungen und Artikel über den Zoo Leipzig.

DIE BIBLIOTHEK Die Bibliothek des Zoos ist eine Präsenzbibliothek für die wissen­schaftlichen Mitarbeiter und die Tierpfleger. Der Grund­ stein dafür wurde in den Fünfzigerjahren unter dem damaligen Zoo­direkter Karl-Max-Schneider gelegt. Etwa 10 000 Bücher sind hier zu finden. Das älteste und noch erhaltene Buch stammt aus dem Jahr 1766. Um sich in der Bibliothek zurechtzufinden, hat sich Jana Ludewig eine dem Zoo angepasste Bibliotheks­ systematik erarbeitet. „Alles, was mit Zoo und Tieren in Zusam­ menhang steht, habe ich in Gruppen und Untergruppen

unterteilt.“ So kann man nun speziell suchen – unter anderem nach Nachschlagewerken, Reiseliteratur, Naturwissenschaften, Botanik, Ökologie, Psychologie, Zoologie, Tiergartenbiologie und Veterinärmedizin. Bücher und Zeitschriften werden inhaltlich erfasst und mit Schlagworten versehen in eine Bibliotheksda­ tenbank eingepflegt. Der Bestand wird regelmäßig erweitert. Dazu sucht Jana Ludewig im Internet nach Büchern und durchstöbert Neuerwer­ bungslisten.

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≥ HINTER DEN KULISSEN

DIE TIERREGISTRATUR Seit der Gründung des Zoos im Jahr 1878 wird der Tierbestand mit Zu- und Abgang dokumentarisch verwaltet. Anfangs erfolgten die Eintragungen in Tierbestandsbüchern mit Angaben zu wissenschaftlichen Namen der Tiere, Geschlecht sowie Art und Datum des Zu- und Abganges. Das älteste noch vorhandene Buch stammt aus dem Jahr 1899. 1993 startete dann die elektronische Erfassung der Tierdaten in einem lokalen System. Erst 2010 wurde aus dieser Datenbank eine weltweite, genannt ZIMS (Zoo Information Management System), die für alle Zoos zugänglich ist und in der alle erforder­ liche Daten zu den Tieren erfasst sind. Die tierrelevanten Daten, wie Alter, Geschlecht und Verwandtschaftsgrad sind unter anderem für das Populationsmanagement der Zoos und Zuchtbuchführer wichtig und ein grundlegender Bestandteil für die tägliche Arbeit.

Seit Gründung des Zoos wird der Tierbestand in sogenannten Tierregistratur-Büchern festgehalten.

DAS ARCHIV Im hauseigenen Archiv lagern wertvolle Schätze: alles, was mit dem Zoo Leipzig und seiner Geschichte in Zusammenhang steht – historische Dokumente, alter Schriftverkehr, Gründungsurkunden, wissenschaftliche Arbeiten, Fotos (auf Papier, auf Glasplatten, als Negative, Dias und Mikrofilme), 80 historische Filme, Plakate, Poster (das erste von 1910!), weitere Werbemittel wie Sticker und Anhänger, Zeitungsartikel und Sonderdrucke. Doch lange Zeit galt die Aufmerksamkeit nicht diesen Dingen. Die Unterlagen wurden zwar gesammelt und kenntlich gemacht, dann aber in Räumlichkeiten des Zoos gelagert. Erst ab 1993 wurde damit begonnen, die Unterlagen von den „Dach­ böden“ herunterzuholen und zu sichten. Mit dem Neubau des Wirtschaftstraktes erfolgte dann die auch bauliche Berück­ sichtigung für das Archiv und die Bibliothek. Seither gilt es, das Archiv aufzuarbeiten. Das ist laut Jana Ludewig eine Lebensaufgabe. „Ich bin noch lange nicht am Ende. Zahlreiches Material muss noch gesichtet und geordnet werden.“ Diese Arbeit stellt daher die intensivste dar – aber auch die spannendste. „In 140 Jahren hat sich einfach sehr viel angesammelt. Vor allem aber historisches Gut, was keiner mehr kennt und unendlich wertvoll ist.“ Natürlich fließen auch aktuelle Berichterstattungen und Fotos in das Archiv. Nannette Hoffmann

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10 000 Bücher sind in der Bibliothek zu finden. Das älteste stammt aus dem Jahr 1766.

Infos

MONOGRAFIEN: circa 10 000 ZEITSCHRIFTEN/ZEITSCHRIFTENARTIGE REIHEN: 609 davon 133 laufende Titel, davon 29 im Abo DISSERTATIONEN: 665 AUDIO-VISUELLE MATERIALIEN: 223 davon 96 historische Filme SONDERDRUCKE: 3660 PLAKATE/POSTER: 63 FOTOS: 34 841 ab circa 1880 ARCHIVBESTAND: 2186 archivierte Akten 1. TIERBESTANDSBUCH VON 1899 BEGINN DER ELEKTRONISCHEN DATENERFASSUNG (­TIERREGISTRATUR) 1993 ZIMS-NUTZER: mehr als 1000 weltweit


≥ HORSTS FREUNDE

GRUSELKABINETT MIT FRAGEZEICHEN FRAGEZEICHEN-SCHABE

Infos

VERWANDTSCHAFT: Ordnung: Schaben Familie: Sandschaben LEBENSRAUM: Laubstreuschicht leicht feuchter Waldböden in Indien HÖCHSTALTER: circa ein halbes Jahr GRÖSSE: 18-25 mm NAHRUNG: hauptsächlich Laub und Totholz

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Liebe Leser, sicherlich haben es die Spatzen bereits von den Dächern gepfiffen oder Sie haben es aus den einschlägigen Blättern vernommen: Ich bin nicht mehr allein als Marketing-Lama des Zoo Leipzig unterwegs. Seit einiger Zeit darf ich mein Wissen aus der Welt des Zoos weitergeben an die Jungspunde Flax und Krümel, die nun meine Kommune mit Sancho bereichern. Sie schicken sich an, würdige Repräsentanten des Zoos zu werden. Sancho hilft mir bei dem Unter­fangen, die beiden entsprechend auszubilden. Mit den Neuen habe ich nicht lange gefackelt und sie gleich zu einer wichtigen Pressekonferenz mitgenommen. Ich war überrascht, wie souverän sie den Auftritt meisterten und keinerlei Scheu erkennen ließen. Als Fachmann allerdings erkannte ich sehr wohl die schlotternden Knie. Der Rundgang über die sich noch im Bau befindliche Südamerika-Anlage verlief optimal, und auch unsere Pressemädels waren begeistert von uns. Zum Wirken eines Marketinglamas gehört jedoch weitaus mehr, und brillieren kann nur, wer sich in seinem Revier auskennt. Daher habe ich einen präzisen Ausbildungsplan für die beiden ersonnen, der sie mit allen Gegebenheiten des Zoos und seinen Bewohner vertraut macht. Als erstes ging es ins Neue Vogelhaus. Hier stand nicht das Gefieder im Fokus des ersten Ausbildungstages, sondern das „Gruselkabinett“ am Eingang. Flax und Krümel spitzten die Ohren, als sie dieses Wort vernahmen, zeigten sich aber sofort begeistert. Ich war ehrlich gesagt froh, dass sie sich nicht als

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Angsthasen entpuppten. Die Volieren am Eingang beherbergen wahrhaftig skurrile Geschöpfe der Natur: Wandelndes Blatt, Gottes­­­ anbeterin, Riesenblattschnecke, Weißknie­ vogelspinne, Großer Rosenkäfer, Fragezeichen-Schabe und Riesenfauchschabe. Die Letzteren verursachen wahrscheinlich bei einigen Zweibeinern eine Gänsehaut, doch das ist völlig unnötig! Sie sehen famos aus. Die Fragezeichen-Schabe ist ungefähr 2,5 Zentimeter groß und hat eine wunderschöne Zeichnung auf ihrem Panzer, ein Fragezeichen. Ihr Lebensraum sind die Laubschichten des Waldbodens in Indien. Als Nahrung kommt deshalb hauptsächlich Laub und Totholz in Frage. In der Vitrine finden Sie ungefähr 20 Tiere. Die Riesenfauchschabe hingegen ist mit 60 Individuen vertreten und sieht ebenfalls imposant aus. Sie kommt ausschließlich auf der Insel Madagaskar vor. Die beiden Schaben ähneln sich in vielerlei Hinsicht, nur nicht in der Größe. Die Riesenfauchschabe kann bis zu zehn Zentimeter groß werden und hat keine Flügel. Die erwähnten Insekten sind perfekte Vertreter der sogenannten Mimese, einer Form der Tarnung und Anpassung an die Umgebung. Man kann sie quasi kaum von ihrer Umgebung unterscheiden. Das bekannte Wandelnde Blatt ist kaum von einem echten Blatt zu unterscheiden und die anderen vorgenannten Tiere können sich ebenfalls beinahe „unsichtbar“ machen. Solch eine Tarnung wäre auch etwas für mich. Ihr Horst


≥ HINTER DEN KULISSEN

WER WILL FLEISSIGE HANDWERKER SEHEN Für die meisten Besucher bleiben sie unsichtbar – wenn sich die Türen des Zoos öffnen, dann haben die hauseigenen Handwerker ihre Kontrollgänge schon hinter sich. Sie kümmern sich um lockere Geländer, wackelige Treppenstufen und morsches Holz. In den Zoo-Werkstätten wird dagegen den ganzen Tag lang fleißig gewerkelt.

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er Elefant ist richtig angefressen: Sein Hinterteil sieht mitgenommen aus, überall Löcher, die Haut ist stellenweise nur noch zu erahnen. So kann es nicht bleiben. Doch keine Angst, hier geht es nicht um eines der quicklebendigen Rüsseltiere, sondern um eine große Holzfigur. Die stand am Weg zum Elefantenhaus, nun ist sie ein Fall für die Zoo-Handwerker. „Die Ameisen haben hier ganze Arbeit geleistet“, stellt Veit Ritter fest. Als Bereichsleiter für Bauunterhaltung ist er im Zoo für die hauseigenen Handwerker zuständig. Der lädierte Elefant steht schon seit mehr als zehn Jahren bei Wind und Wetter draußen, da nagt der Zahn der Zeit auch am besten Holz. Die Besucher werden von der nun anstehenden Reparatur allerdings nichts mitbekommen, denn im Zoo-Fundus steht noch ein identischer Elefant. Der kann nun einfach ausgetauscht werden. Nach kurzem Blick aufs Elefanten-Hinterteil steht fest: Hier helfen nur Kunstharz, Spachtelmasse und neues Holz! Swen Peter bugsiert den Elefanten mit dem Gabelstapler kurzerhand in die Holzwerkstatt des Zoos. „Das ist zwar eigentlich eine Arbeit für Bildhauer, aber auch darum kümmern wir uns“, erklärt Werner Rost, der als Holzfachmann den tierischen Gast wieder aufpäppeln wird. „Wir schneiden die beschädigten Teile heraus, setzen ein passendes Holzstück ein und schleifen alles wieder rund – bis es wieder richtig nach Elefant aussieht.“ Für solche ungewöhnlichen Ausbesserungsarbeiten kann Werner Rost auf ein kleines Lager verschiedener Holzsorten zurückgreifen, schließlich soll niemand sofort erkennen, dass der Elefant schon mal in der Werkstatt war. In der hauseigenen Werkstatt werden natürlich nicht nur lädierte Elefantenskulpturen repariert. Die Kreativität der Handwerker ist auch immer dann gefragt, wenn beispielsweise spezielle Transportboxen für tierische Passagiere benötigt werden. Tischler Detlef Krause zeigt

VON MIR GIBT ES GLÜCKLICHERWEISE ZWEI EXEMPLARE, DESHALB STEHE ICH TROTZ REPARATUR SCHON HIER.

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≥ HINTER DEN KULISSEN

„DAS IST ZWAR EIGENTLICH EINE ARBEIT FÜR BILDHAUER, ABER AUCH DARUM KÜMMERN WIR UNS.“ Werner Rost, Holzfachmann

„DIE AMEISEN HABEN HIER GANZE ARBEIT GELEISTET.“

Veit Ritter, Bereichsleiter für Bauunterhaltung

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≥ HINTER DEN KULISSEN

eine Kiste für Flamingos: „Die hat sogar einen gepolsterten Deckel, damit sich der Flamingo nicht den Kopf stößt.“ Eingesetzt wird die Kiste nur innerhalb des Zoos, so beim Transport zum Tierarzt. Viel Geschick ist auch gefragt, um Futterautomaten für Brüllaffen herzustellen. Solche Dinge gibt es nicht von der Stange, hier greifen handwerkliches Können und viel Erfahrung. „Die Tierpfleger wissen genau was hier gefragt ist, wir setzen es dann um“, sagt Krause. Szenenwechsel: Im noch menschenleeren Gondwanaland erwachen die Tiere und lassen lautstark von sich hören. Noch ist kein Besucher hier unterwegs. Genau die richtige Zeit, um den ein oder anderen Schaden auszubessern. Im Zoo Leipzig wird dafür ein so genanntes Ticket­ system genutzt. Jeder Schaden wird dabei gemeldet, eine genaue Beschreibung macht das Finden der Schadensstelle einfach, und Be­ reichsleiter Veit Ritter behält den Überblick. „Wir wissen so immer ganz genau, wo es klemmt und welche Reparatur sofort erledigt werden

muss.“ Am Zugang zur Bootsanlegestelle ist es ein Geländer aus Bambus, das repariert wer­ den muss. Die hohe Luftfeuchtigkeit und ständig tropfendes Wasser sind die natürlichen Feinde aller Holzbauteile im Gondwanaland. Zimmerer Frank Meißner tauscht die beschädigten Teile aus, zusätzlich finden Schrauben und ein Seil als Dekoration Platz. Solche Arbeiten sind manchmal eine besondere Herausforderung: Einerseits muss alles fest und sicher sitzen, andererseits soll trotzdem das rustikale Flair einer Dschungelhütte gewahrt bleiben. „Ein Geländer darf ruhig etwas verwittert aussehen, aber es muss absolut fest sein.“ Dabei geht es nicht nur um die Sicherheit der Besucher. „Unsere Tierpfleger kriechen ja überall herum, die müssen sich ja auch gefahrlos bewegen“, weiß Veit Ritter. Und so werden auch Holzplan­ ken inspiziert, an denen nie ein Besucher rütteln wird. Nicht alles können die hauseigenen Hand­ werker erledigen. So musste zum Beispiel im Faultierrevier des Gondwanalandes ein

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­ bgestorbener Baum gekürzt werden. „Dafür a ­werden Baumpfleger mit Kletterzulassung gebraucht.“ Spezielle Industriekletterer ohne Höhenangst übernahmen deshalb diese diffizile Aufgabe. Externe Fachleute kommen auch immer dann zum Einsatz, wenn mehr als nur eine kleine Reparatur erledigt werden muss. „Wenn wir hier großflächig den Betonfußboden austauschen müssen, dann ist das etwas für Fachfirmen“, betont der Bereichsleiter. Knifflig wurde es auch, als bei den Ottern eine Glasscheibe aus­getauscht werden musste. „Die war schon richtig stumpf, und zwischen die Scheiben des Doppelglases war Wasser eingedrungen.“ Einfach mal so den Glaser rufen und die 700 Kilo­gramm schwere Scheibe tauschen? So leicht war das nicht. „Wir mussten hier mitten im Dschungel einen Mobilkran einsetzen, das war schon eine logistische Meisterleistung.“ Generell gilt: Für solche Reparaturen bleiben immer nur die frühen Morgenstunden, denn um 9 Uhr öffnen sich die Türen für Besucher. Dann sollte möglichst kein fleißiger Handwerker mehr zu sehen sein.

„DAS WERDEN SCHICKE BRUTHÜGEL FÜR UNSERE FLAMINGOS.“ Swen Peter, Handwerker

Bert Endruszeit

„DIE TIERPFLEGER WISSEN GENAU, WAS HIER GEFRAGT IST, WIR SETZEN ES DANN UM.“ Detlef Krause, Tischler

„EIN GELÄNDER DARF RUHIG ETWAS VERWITTERT AUSSEHEN, ABER ES MUSS ABSOLUT FEST SEIN.“

Veit Ritter, Bereichsleiter für Bauunterhaltung

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GRRR

„ICH NEHM DICH MIT“

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ZIEL

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FOLGE DEN SPUREN

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1 Die Brillen-Pinguine rutschen aus! Kein Wunder, sie sehen ja nichts. Setze ihnen ihre Brillen wieder auf und eine Runde aus! 2 Das Beobachten der Vögel im Vogelhaus verleiht dir fast Flügel – fliege bis zu den Elefanten auf das Feld Nummer 5. 3 Rumms! Im Gondwanaland ist ein Faultier vom Baum gefallen. Setze es wieder zurück – aber ganz laaangsam. Setze dafür eine Runde aus. 4 UMWEG! Beim Baden haben dich die Elefanten mit ihren Rüsseln nass gespritzt. Zum Trocknen rennst du im Kreis um das Elefantenhaus – Nimm ab hier den BLAUEN Weg.

6 Die Tiger haben heute schlechte Laune. Da schleichst du dich besser schnell vorbei – gehe drei Felder vor. 7 UMWEG! Oooh, hier gibt es Eis! Schnapp dir eine Eistüte und bummele damit den GELBEN Weg entlang. 8 Die Bärenburg ist ein riesiger Abenteuerspielplatz – tobe dich ordentlich aus und setze dafür eine Runde aus.

9 Ein Känguru nimmt dich ein Stückchen in seinem Beutel mit – gehe drei Felder vor. 10 Immer was los bei den Bonobos! Im Pongoland steigt eine affenstarke Party. Du bleibst eine Weile – setze eine Runde aus. 11 Jetzt hast du ordentlich Hunger. Zum Glück gibt es im Urwalddorf jede Menge Snacks – setze dazu eine Runde aus.

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12 Das Okapi ist traurig – es hat seine Streifen am Popo verloren! L ­ eihe ihm welche vom Zebra aus und gehe direkt zum Feld Nummer 14. 13 Der Löwe hat mächtig Hunger. Ob die Tiger noch was übrig haben? Sieh mal nach und gehe zurück auf das Feld Nummer 6. 15 UMWEG! Oh je! Schlingels freche Verwandte sind wieder mal ausgebrochen. Fang sie wieder ein – folge ihren Spuren.

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R R R R R R R R R GRRRR 5 6 7

BLAUER UMWEG Danke, Elefant!

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GELBER UMWEG Schön in Ruhe ein Eis essen? Kein Problem.

2 „LOS GEHTS

!“

REGELN Unser Freund Schlingel möchte seine Verwandten, die Erdmännchen, im Zoo besuchen. Das ist gar nicht so einfach! Rutschende Pinguine, spritzende Elefanten, traurige Okapis und so viel mehr halten den Besucher auf. Helft Schlingel dabei, sich durch den Zoo zu finden! Dazu braucht ihr einen Würfel und für jeden Mitspieler eine Spielfigur. Gewürfelt wird abwechselnd und im Uhrzeigersinn. Der kleinste Mitspieler fängt an. Aber Vorsicht: Unterwegs trefft ihr auf Hindernisse! Kommt ihr mit eurer Spielfigur auf ein nummeriertes Feld, schaut in der Legende nach, was ihr zu tun habt.

KOMM MIT ZUM ELEFANTEN

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START

AUF DER SUCHE NACH DEN ERDMÄNNCHEN Spielidee: Juliane Groh; Umsetzung: Anne Bittner


≥ HORSTS FREUNDE

KIO

DIARA

DIE QUIRLIGEN DREI Mein

e Freunde die

GORILLAJUNGTIERE

KIANGA

Liebe Leser, in unserer Zoobibliothek nahm ich mir mal wie­ der ein Buch über Gorillas zur Hand und geriet sogleich ins Schwärmen. Nach wie vor bin ich über die ähnlichen Gesten, Gesichtsausdrücke und Handlungen der großen Menschenaffen im Vergleich zu den Zweibeinern verblüfft. Auf einem Bild war ein Flachlandgorilla abgelich­ tet, der mit verschränkten Armen im Gras sitzt und vor sich hinstarrt. Eindeutig ist zu erken­ nen, dass dieser Gorilla schlecht gelaunt und wirklich mies drauf ist. So könnte auch Tante Hedwig nach einem Streit mit ihrem Mann ­Herbert auf der Parkbank sitzen, die Mimik wäre mit Sicherheit dieselbe. Ab und zu kann ich ja derartige Verhaltensweisen auch bei unseren Besuchern beobachten. Allerdings möchte ich nicht auf Ähnlichkeiten zwischen Mensch und Menschenaffe eingehen, vielmehr ist es mir ein Vergnügen, von den drei quirligen Minigorillas und ihrer Entwicklung zu erzählen. Mein Faible für diese besonderen Menschenaffen ist leicht zu erklären: Ihre Gesichter sprechen Bände, wie man so treffend sagt, und bei keinem anderen meiner tierischen Kollegen kann ich stunden­ lang bei so guter Unterhaltung verweilen. Der Kleinste des Terzetts heißt Kio. Seine platt­ gedrückte Nase, die überdimensional großen Kulleraugen und die typische Tapsigkeit haben mein sonst so professionelles Lamaherz er­ weicht. Auch das zweitjüngste Gorillamädchen Kianga, das zwar vorsichtig, aber äußerst neugierig alles erkundet und bereits das typi­ sche Brustklopfen vollführt, ist liebreizend.

Diara ist mit ihren vier Jahren die älteste Tochter vom Oberhaupt Abeeku, der mit seinen 18 Jah­ ren recht erfolgreich für Nachkommen gesorgt hat. Stets hat er ein Auge auf seinen Clan, nur beim Futter vergisst er jedwede Familienfreund­ schaft. Und wehe, seine beiden Frauen wagen es, sich den von ihm bereits anvisierten Kohlkopf zu nehmen! Dann legt der schätzungsweise 250 Kilogramm schwere Silberrücken einen Zwischensprint hin und gibt grollende Töne von sich. Eine imposante Szenerie, die zudem recht geruchsintensiv ist. Spätestens dann ziehe ich mich zurück, um mein Fell vor diesem Testosterongeruch zu schützen. Allerdings hat er auch eine weiche Seite. Die packt er aus, wenn er mit seinen Sprösslingen spielt. Wenn Tochter Diara allerdings abrupt das Spiel mit ihm beendet, zieht er beleidigt zu den Frauen und piesackt sie, bis sie ihn schließlich über die Anlage treiben und er völlig erschöpft an der Besucherscheibe niedersinkt. Da frage ich mich manchmal, wer hier der Chef im Ring ist. Herrlich anzusehen, ob draußen oder drinnen, ist mittlerweile das Zusammenspiel von Diara und Kianga. Und auch Kio macht bereits An­ stalten mitzumischen. Zumindest riskiert er einen Blick, denn seine Mutter Kumili schränkt ihn in seinem Aktionsradius noch extrem ein. Sie scheint eine echte Übermutter zu sein. Da fallen mir doch gleich wieder verblüffende Parallelen zu den Zweibeinern ein. Aber über­ zeugen Sie sich doch selbst! Ihr Horst

Infos

VERWANDTSCHAFT: Ordnung: Herrentiere Familie: Menschenaffen und Menschen LEBENSRAUM: Tieflandregenwälder und Sumpfgebiete in Kamerun, der Zentralafrikanischen Republik Kongo und in der Demokratischen Republik Kongo HÖCHSTALTER: über 53 Jahre GRÖSSE: Körperlänge: 14-170 cm Standhöhe: 125-150 cm GEWICHT: Männchen: 140-270 kg, Weibchen: 60-110 kg SOZIALSTRUKTUR: Haremsgruppen mit einem Silber­ rücken als Anführer FORTPFLANZUNG: Tragzeit: 234-288 Tage, ein Jungtier FEINDE: hauptsächlich der Mensch durch Lebensraumzerstörung und Bejagung NAHRUNG: Pflanzenmark, Blätter, Kräuter, Gräser, Rinde, Wildfrüchte und selten Insekten Bedrohungsstatus: vom Aussterben bedroht

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≥ HINTER DEN KULISSEN

Neoromanische Architektur mit künstlicher Burgruine

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1900er

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Kleines Hirschhaus mit Rentier, um 1900 Neues Raubtierhaus, 1903 3 Programmheft, 1902 1

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ZEITREISE DURCH 140 JAHRE

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Eine Geschichte in Bildern

äbe es keine Zoos, müssten sie im 21. Jahrhundert erfunden werden, so die Meinung vieler Natur- und Artenschützer. Gleichwohl haben Zoos und zooähnliche Haltungen eine lange Tradition, denn bereits aus dem alten Ägypten um 3500 v. Chr. sind zooähnliche Tierhaltungen bekannt. Die Ableitung des Begriffs begründet sich aus der altgriechischen Sprache, in der „Zoon“ für Lebewesen, Geschöpf und Tier stand. In Leipzig gründete der Gastwirt Ernst Pinkert am 9. Juni 1878 einen Zoo, der den damaligen Zeitgeist und den Wunsch nach Exotik geschickt bediente und schnell zu einem beliebten Ausflugsziel wurde. Im Laufe seiner 140-jährigen Geschichte hat sich der Zoo Leipzig nicht nur als Löwenfabrik weltweit einen Namen gemacht, auch tiergärtnerisch setzte er immer wieder Maßstäbe und zählt inzwischen zu den modernsten Tiergärten der Welt. Die Leipziger sind ihm dabei beständig treu geblieben. Historische Unterlagen, Fotos, alte Zeitungsartikel sind Zeitzeugen einer stets zukunftsorientierten Tradition. Melanie Ginzel

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≥ HINTER DEN KULISSEN

1910er

Schon fast wie im Gondw

analand

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Krokodilbecken im Terrarium, um 1913 Zooprogrammheft, 1915

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Philharmonie Leipzig präsentiert

SILVESTERKONZERT in der Kongreßhalle am Zoo Große Konzert-Gala 31. Dezember 2018 • 18 Uhr Opernsänger, Conférenciers und mehr

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≥ HINTER DEN KULISSEN

1920er Schon imm

t e n g a m r e h c er ein Besu

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Damals noch üblich: direkter Besucherkontakt

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ist e d a s s a f l i t s Die Jugend alten h bis heute er

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E llen Holzner und Löwen im Zentralkäfig auf der Volksbühne, um 1920 2 Haupteingang, um 1920 3 Oberwärter Fischer und ­Fräulein Lohse mit jungem Löwen und Dackel, vor 1924 4 Elefant Jacki, um 1920 5 Schmuckhof am Elefantenhaus mit Taubenschlag und Wasserbecken, um 1929 6 Aquarium, um 1920 1

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1930er

Aufgang zur Elefantenanlage

1940er

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1950er

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Werbeplakat, 1931 8 Blick zur Elefantenanlage über Flamingobecken, um 1930 9 Leipziger Volkszeitung, 20.9.1956 10 Titelblatt der Mitteilungen aus dem Zoologischen Garten, 1949 11 Giraffentransport, 1930 12 Plakat des DEFA-Kinderfilms „Wir sind im Zoo“, 1953/54 13 Spandauer Volksblatt, 13.3.1957 14 Raubtierterrassen, 1958 7

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Hier ist jetzt die Himalaya-Anlage 33


≥ HINTER DEN KULISSEN

1960er Löwe Gucki zusammen mit T igern auf den Raubtierterrassen

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1970er 4

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 murtiger und Löwe Gucki auf den A Raubtierterrassen, 1965 2M  itteldeutsche Neueste Nachrichten, 21.11.1963 3 Der Demokrat, 27.7.1967 4 historische Karte, zwischen 1970 und 1980 5 Blick vom Rosental über die Huftierfreianlagen mit Trampeltieren, um 1970 6 Waldbisons auf den Huftierfreianlagen mit Rosentalblick, 1994 7 Leipziger Volkszeitung, 29.05.1984 8 Menschenaffenanlage, 1994 9 Leipziger Volkszeitung zum Amtsantritt von Zoodirektor Jörg Junhold, 10.11.1997 1

0ern 7 n e d n I : r e st Zooschaufen ucken, heute Zebras g rT ampeltiere

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1990er

1980er

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1982 eröffnet, 1999 für den Bau von ­Pongoland abgerissen ANZEIGE

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≥ HORSTS FREUNDE

ELEFANT Liebe Leser, Sie kennen meine Leidenschaft, dem Tierarzt über die Schulter zu schauen und stets bemüht zu sein, die wöchentliche Visite nicht zu ver­ schlafen, auch wenn ich im Nachgang die Fach­ begriffe akribisch nachschlagen muss. Manch­ mal denke ich, wenn ich nicht Horst im schönen Zoo Leipzig geworden wäre, hätte ich wohl versucht, die Laufbahn eines Veterinärs einzu­ schlagen. Zugegeben, das ist etwas abwegig mit meinen vier Hufen, aber träumen sollte doch erlaubt sein. Zum Glück ist unser dreiköpfiges Tierarztteam so großzügig und lässt mich immer wieder bei Behandlungen dabei sein, auch wenn diese heikel sind. Für mich ist das ein echter Vertrauensbeweis. So durfte ich neulich bei einer besonders großen und aufwendigen Untersu­ chung zugegen sein – groß war die Patientin, riesig der OP-Saal und gewaltig die Herausfor­ derung. Elefantenkuh Thura bereitet uns schon seit Längerem Sorgen. Vor reichlich zwei Jahren unterbrach sie ohne einen für uns erklärlichem Grund die Geburt des sehnlichst erwarteten Minielefanten. Das abgestorbene Kalb blieb in ihrem Bauch, und seitdem steht die 44-jährige Kuh unter medizinischer Beobachtung. Vollkom­ men unerwartet, da kein Experte es für möglich hielt, kam ihre erneute Trächtigkeit. Anfänglich gab es nur diesen Verdacht, die Blutwerte ließen zumindest den Schluss zu. Somit war eine schnellstmögliche Abklärung geboten, denn eine erneute Trächtigkeit bedeutete ein großes und lebensgefährliches Risiko für die Kuh. Experten des Leibniz-Instituts für Zoo- und Wildtierfor­ schung wurden hinzugezogen, die für derartige Untersuchungen über das notwendige Know-how verfügen. Minutiös wurde alles von den Tier­ ärzten, Pflegern und Kuratoren vorbereitet, nichts wollte man dem Zufall überlassen – eine Ele­ fantenkuh in Narkose zu legen, kommt nicht alle Tage vor, und für uns war es auch das erste Mal. Als ich am betreffenden Tag zum Elefanten­ stall kam, wuselten schon mehr als 20 Mitar­ beiter herum, jeder schien seine Aufgabe bis ins Detail zu kennen und unzählige Behandlungs­ koffer und Infusionsständer standen herum. Selbst die Feuerwehr war vor Ort, um der Kuh im Notfall beim Ablegen oder Aufstehen per Seilzug zu helfen. Die große Anspannung war für mich deutlich spürbar. Dann ging es los: Als die Narkose ihre Wirkung zeigte, wurde Thura auf die richtige Seite positioniert. Mit einem in den Körper eingeführten Endoskop machten sich die Fachexperten schließlich daran, mög­ lichst detailgetreue Aufnahmen von dem

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EINE GEWALTIGE ­HERAUSFORDERUNG Fötus und der Fruchtblase zu machen. Immer wieder wurde der Stab gedreht und neu eingeführt, die Stunden gingen dahin und meine Nervosität stieg. Dann kam der letzte und ent­scheidende Versuch – der Fötus wurde sicht­ bar, die Trächtigkeit konnte bestätigt werden. Mit dieser Erkenntnis injizierten die Tierärzte in die Fruchtblase ein Medikament, das zum Abbruch der Trächtigkeit führen sollte. Eine Notwenigkeit, da das Heranwachsen des zweiten Kalbes für Thura eine enorme Belastung ge­ wesen und die spätere Geburt mit erheblichen Gefahren durch innere Verletzungen verbun­ den wäre. Keiner wollte sie dem Risiko aussetzen, es gab nur diesen Weg. Zum Schluss nahm man ihr noch Blut ab, spritze ein Antibiotikum und das Mittel zum Aufwachen. Es dauerte nicht lange und Thura stand. Leichte Entspan­ nung stellte sich ein. Die Pfleger ließen zur Beruhigung von Thura ihre Freundin Saida in den Nachbarstall. Nach Tagen kam dann mit dem Abgang der abgestorbenen Frucht die Gewissheit, dass der Eingriff erfolgreich war. Für mich wurde im Zuge dessen klar, dass der Beruf des Tierarztes nichts für mich ist. Solche Entscheidungen zu treffen, ist mit Sicherheit nicht leicht. Aber manchmal kann man es sich nicht aussuchen. Ihr Horst

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Infos

VERWANDTSCHAFT: Ordnung: Rüsseltiere Familie: Elefanten LEBENSRAUM: Regen-, Sumpf- und Bergwälder, Bambusdickichte, Buschland und Grasdschungel in Südostasien HÖCHSTALTER: über 50 Jahre GRÖSSE: bis zu 6,5 m; Schulterhöhe: 2,4-3,35 m GEWICHT: bis zu 5 t SOZIALSTRUKTUR: Weibchen und Jungtiere leben in Herden, meist 8-30 Tiere, junge Bullen bilden Junggesellengruppen, ältere Bullen leben einzelgängerisch FORTPFLANZUNG: Tragzeit: 18-22 Monate, ein Jungtier FEINDE: neben dem Mensch nur der Tiger NAHRUNG: Gräser, Blätter, Rinde, Weichholz, Bambusschösslinge, Wurzeln und Früchte Bedrohungsstatus: stark gefährdet


≥ DER NATUR AUF DER SPUR

Sudan

Michael

Geschlecht: männlich geboren am: 4. Dezember 2017 Mutter: Saba Vater: N´dugu Zuhause: Kiwara-Kopje

Geschlecht: männlich geboren am: 5. Januar 2018 Mutter: Layla Vater: Henry Zuhause: Kiwara-Savanne

KLEINE NEUE ZOO-STARS ... Ach guck mal, wie süß: Nach der Geburt des Nachwuchses wollen Eltern ihre Freude teilen – am liebsten mit der ganzen Welt. Auch die Tierpfleger und Kuratoren sind stolz über Zucht­ erfolge, gelungene Geburten und putzige Jungtiere. Vor allem im

Frühjahr gibt es in der großen Zoofamilie regelmäßig neuen Nachwuchs zu vermelden. Eine Auswahl der kleinen neuen Zoo-Stars gibt es hier zum Bestaunen und Ausschneiden – und mehr Informationen zur Tierart auf der Rückseite.

Ronja

Youma

Geschlecht: weiblich geboren am: 28. März 2018 Mutter: Adia Vater: Olu Zuhause: Gondwanaland

Geschlecht: weiblich geboren am 25. März 2018 Mutter: Corry Vater: unbekannt Zuhause: Pongoland

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≥ DER NATUR AUF DER SPUR

Grevy-Zebra

Ostafrikanisches ­Spitzmaulnashorn

Die Leipziger Grevy-Zebras leben vergesellschaftet mit vielen weiteren Tierarten auf der 2004 fertiggestellten Kiwara-­ Savanne. Die derzeitige Gruppe nahm ihren Anfang 1972 mit Tieren aus dem Zoo Osijek im heutigen Kroatien. Während die Tiere in ihrer früheren Anlage nachts einzeln gehalten wurden und jeden Morgen ihre Rangordnung neu ausfechten mussten, können die Grevy-Zebras in den geräumigen Innenboxen jetzt auch nachts zusammen bleiben. Dadurch ist die Gruppe wesentlich ruhiger geworden. Nur hochträchtige Weibchen und Mütter mit neu geborenen Fohlen werden einzeln aufgestallt, damit sich die Prägung an die Mutter vollziehen kann. Nach zwei bis vier Wochen ist diese abgeschlossen und das Fohlen kräftig genug, um die restlichen G ­ ruppenmitglieder kennenzulernen. Diese Prägungsphase ist wichtig, denn erfahrungsgemäß versuchen andere Stuten immer wieder, das Jungtier zu stehlen oder zu jagen.

Die Spitzmaulnashörner bewohnen die 2015 eröffnete Kiwara-­ Kopje. Schon oft fand ein Austausch dieser gefährdeten Dickhäuter mit anderen Zoos statt. So gingen Leipziger Tiere unter anderem nach Berlin und Hannover. Diese Maßnahmen dienen im Rahmen des Europäischen Erhaltungszuchtprogramms dazu, einen genetisch vielfältigen und stabilen Bestand in menschlicher Obhut zu erhalten und Inzucht zu vermeiden. Spitzmaulnashörner sind vom Aussterben bedroht. Nach aktuellen Schätzungen leben noch rund 5000 Tiere im natürlichen Verbreitungsgebiet Afrikas. Auf Dauer, so sind sich Experten einig, wird der Bestand aufgrund der Bedrohung durch Wilderei nicht standhalten.

... UND IHRE FAMILIEN

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Westafrikanischer ­Schimpanse

Kirk-Dikdik

Die Schimpansen leben im Pongoland in zwei Gruppen. Die kleinere Gruppe bestand ursprünglich aus drei Waisenkindern, die von ihren Müttern nicht angenommen wurden. Da man sie nicht in die große Gruppe integrieren konnte, wurden sie anfangs von Pflegern und Wissenschaftlern aufgezogen. Um eine zu starke Prägung auf den Menschen zu verhindern, wurden so schnell es möglich war, andere Schimpansen in die Gruppe integriert, damit die Jungtiere das typische Verhalten ihrer Artgenossen lernen konnten. Generell werden die Menschenaffen im Zoo Leipzig so unbeeinflusst wie möglich gehalten, ein direkter Kontakt zwischen Menschenaffe und Tierpfleger findet nicht statt.

Ronja ist der jüngste Spross der Dikdik-Familie. Sie ist der elfte Nachwuchs von Adia und Olu. Die Kirk-Dikdiks leben zusammen mit den Eulenkopfmeerkatzen in einer großzügigen Anlage im Bereich Afrika der Tropenerlebniswelt Gondwanaland. Da diese Tiere sehr scheu sind und zu panikartiger Flucht neigen, werden sie während der Gehegereinigung in die Innenunterkünfte gelockt. Auch bei der Fütterung sind Kirk-Dikdiks heikel. Adia und Olu mussten am Anfang langsam an das Gras der Anlage gewöhnt werden, bevor sie in das Gehege gelassen werden konnten.

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≥ DER NATUR AUF DER SPUR

„ETC IST FÜR SENDUNG, SON MICH NICHT NUR EINE LIEBG DE E IM LAUFE DER RN AUCH DAS TEAM DAHINTE WORDENE JAHRE ZU EINE M NETTEN KOL R HAT SICH LEGIUM Juliane ENTWICKELT.“ Laden s ack, Tie rpflege Gründ er-Gart rin im Bereic h en

sendungen. Auch sind wir in den sozialen Netzwerken präsent. Wir haben eine große Facebook-Gemeinde, unsere Videos kann man bei YouTube sehen und ganze Folgen beim Streamingdienst Dailyme. Damit erreichen wir neue Nutzergruppen. DIRK RAKOW: Das Besondere an unseren Geschichten ist die Art, wie sie erzählt werden – unterhaltsam, humorvoll – mit einem Augenzwinkern. Das war von Anfang an so und das haben wir so beibehalten. Gleichzeitig arbeiten wir stets daran, keinen Staub anzusetzen und modern zu bleiben. Die Grafik wurde angepasst, und wir haben heute einen schnelleren, abwechslungsreichen Erzählfluss. Grundsätzlich soll das Format unterhaltsam und informativ bleiben. Dabei können wir auf die prägnante Stimme von Sprecher Christian Steyer kaum verzichten. Seine professionelle Sorgfalt bei der Vertonung kommt dem Produkt zugute. Wer schreibt die Geschichten, wie läuft die Zusammenarbeit mit dem Produktionsteam und den Autoren? CHRISTINA HERSSEBROICK: Gute Geschichten sind sehr wichtig. Zu unserem Team gehören elf Autoren, manche davon sind von Anfang an dabei. Aber auch die Kamera- und Tonleute sowie die Cutter arbeiten seit Jahren zusammen, sodass sich die Handschrift, die unsere Zuschauer schätzen, sich nicht wesentlich verändert hat. Bei Dirk Rakow laufen alle Fäden zusammen. Er ist auch für die Kommunikation mit dem Zoo zuständig, denn bei diesem Langzeitprojekt ist es wichtig, dass die Zusammenarbeit auch dort gut funktioniert. DIRK RAKOW: Wir sind ein eingeschworenes Team – alle haben den Wunsch, gemeinsam ein möglichst gutes Produkt zu machen, und alle haben Anteil am Erfolg. Stellvertretend nenne ich die langjährige Redaktionsassistentin Rommy Nimz – sie ist die Seele und das wandelnde Archiv des Projekts.

Die Geschichten aus dem Leipziger Zoo begeistern seit Jahren ein breites Publikum, das Konzept der Sendung wurde sogar mehrfach kopiert. Was ist das Geheimnis des Dauer-Erfolgs? CHRISTINA HERSSEBROICK: Wir erzählen, was im Zoo passiert und bieten einen unverfälschten Blick hinter die Kulissen. Das betrifft die Tiere genauso wie die Menschen, die dort arbeiten. Darüber hinaus kann der Zuschauer immer wieder was Neues erleben – nicht nur neue Geschichten, sondern auch neue Darstellungsformen zum Beispiel 360-Grad-Videos und Sonder-

Im Mittelpunkt der Geschichten stehen nicht nur die Tiere, sondern auch Tierpfleger und andere Mitarbeiter des Leipziger Zoos. Manche von ihnen sind selbst Fernsehlieblinge geworden. Wie läuft’s da? DIRK RAKOW: Unsere Kollegen drehen jede Woche von Montag bis Freitag im Zoo. Die Pfleger vertrauen uns, und darüber sind wir sehr froh. Manche von ihnen – Michael Ernst und Jörg Gräser zum Beispiel – werden auch im Urlaub von Fans angesprochen. Es ist eine gewachsene Partnerschaft, von der beide Seiten profitieren. Denn die bundesweite Bekanntheit des Leipziger Zoos ist durch die Doku-Soap enorm gestiegen.

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≥ DER NATUR AUF DER SPUR

EIN DAUERBRENNER FEIERT JUBILÄUM 15 Jahre „Elefant, Tiger & Co.“

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is zu 850 000 Zuschauer schalten ein, wenn freitags um 19.50 Uhr eine neue Folge von „Elefant, Tiger & Co.“ im MDR-Fernsehen läuft. Seit 15 Jahren bleibt das Publikum der Sendung treu, die erstmals am 1. April 2003 ausgestrahlt wurde und zu einem echten Publikumsliebling avanciert ist. Mit der Sendung „Elefant, Tiger & Co.“ – kurz ETC – gewährt der Zoo Leipzig einen unverstellten Blick hinter die Kulissen des Zoobetriebs. Das Erfolgsrezept ist einfach: Authentische Geschichten aus dem Leben der Zootiere und dem Alltag der Tierpfleger, Kuratoren und Tierärzte werden jede Woche aufs Neue dem Zuschauer sensibel, dabei ohne Pathos und zugleich mit einem Augenzwinkern erzählt. Gesprochen mit der markanten Stimme von Christian Steyer, die zu einem Markenzeichen der Sendung geworden ist. Über den Erfolg der Reihe, den Teamgeist und die Ideen sprechen Dirk Rakow, der seit dem Jahr 2013 die MDR-Eigenproduktion betreut, und die Redaktionsleiterin Christina Herßebroick.

„ETC IST FÜR MICH DIE BESTE MÖGLICHKEIT, AUCH DIEJENIGEN VORM HEIMISCHEN FERNSEHER AM ZOOGESCHEHEN TEILHABEN ZU LASSEN, DIE AUS UNTERSCHIEDLICHSTEN GRÜNDEN VIELLEICHT NICHT DIE MÖGLICHKEIT HABEN, PERSÖNLICH VORBEIZUSCHAUEN. IN EINER ZEIT, IN DER LEIDER KAUM EINER MEHR LIEST, IST ES EIN GUTER WEG, WISSEN ZU VERMITTELN UND NEUGIERIG ZU MACHEN.“ Christoph Urban, stellvertretender Bereichsleiter für die Erlebniswelt Südamerika

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≥ DER NATUR AUF DER SPUR

„EINMAL NOCH“ Christian Steyer im Tonstudio von „­Elefant, Tiger & Co.“

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hristian Steyer, die Stimme von „Elefant, Tiger & Co.“, ist ein Vollprofi. Seine Maxime scheint einfach zu sein: Der Sprecher muss den Text verstehen. So feilt er stets bis ins Kleinste an den Sätzen, an der Betonung einzelner Worte. Der Austausch mit dem verantwortlichen Autor und Toningeni­ eur ist intensiv. Immer wieder vernimmt man aus dem Tonstudio den Satz „Einmal noch“. Dann lehnt er sich zurück und lässt das gesprochene Wort auf sich wirken. Er hadert bisweilen mit sich, möchte das Optimum herausholen und scheint nie müde zu werden, ein und denselben Satz oder dasselbe Wort stets auf eine neue Art und Weise zu sprechen. Natürlich gibt es den Verzweiflungsmoment beim Autor, aber er kennt die Szenerie nur allzu gut, und das seit 15 Jahren. Jeden Freitag ab 9 Uhr wird der Vertonungsraum betreten – für zwei bis drei Stunden, je nachdem, wie schnell die Tonlage zur Szene passt. Es wird nichts dem Zufall überlassen. Das Bild und das gesprochene, wohltemperierte Wort müssen zusammenpassen. „Der Spre­ cher muss verstehen, was er sagt“, erst dann kann die markante Stimme eingesetzt werden. Kleinste Nuancen sind von Bedeu­ tung. Da wird schon mal in der Sache hart diskutiert, ob Faultier­ mann Sid kurz und ohne Betonung gesprochen wird oder doch die Betonung auf dem Vokal liegt. Am Ende wird es gemacht wie immer. Gegen Mittag ist es dann vollbracht, die Sendung ist fertig vertont und wird für die Ausstrahlung ins System einge­ spielt. Christian Steyer ist jede Woche aufs Neue mit Leidenschaft dabei, und das hört man auch nach all den Jahren. Melanie Ginzel

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„ETC UND SEINE ZAHLREICHEN ABLEGER DEUTSCHLANDWEIT SIND IN JEDER HINSICHT POSITIV UND PRÄGEND FÜR DAS BILD DER ZOOS IN DER HEUTIGEN ZEIT. MEINE KINDER SIND DAMIT GROSS GEWORDEN. UND WENN ICH ALT UND TATTRIG BIN, WERDE ICH MIR DIE GESAMMELTEN FOLGEN IM OHRENSESSEL ANSCHAUEN UND MILDE LÄCHELN.“ Michael Ernst, Bereichsleiter für die Tropen­ erlebniswelt Gondwanaland


≥ HORSTS FREUNDE

SCHNÄBELEI IN GONDWANALAND

RUNZELHORNVOGEL Liebe Leser, es ist mitunter beeindruckend, mit welchen Gefälligkeiten die männlichen Wesen aufwarten, um die Gunst des geliebten Weibes zu erlangen. Die männlichen Zweibeiner schenken rote Rosen und Geschmeide, oder sie tragen den Heiratsantrag inmitten unseres Giraffenstalls vor, damit das weibliche Gegenüber in Rührung versinkt. All das habe ich in meiner langen Zeit im Zoo Leipzig beobachten können. Wir Tiere haben ebenfalls unsere Strategien, wie wir die Auserwählte locken. Einige Vogelarten vollführen Balztänze mit ausgefeilter Choreografie, schmücken die „Bühne“ mit sorgfältig ausgesuchten Blümchen und präsentieren sich in den schönsten und schillerndsten Farben, sodass sie kaum eine Chance hat, mit einem Nein zu antworten. In Gondwanaland fand ebenfalls eine herzzerreißende Schnäbelei statt – zwischen Herrn und Frau Runzelhornvogel. Mehr als ein Jahr lebte unser Runzelhornweibchen allein, ihr Leid teilte sie nur mit ihren Untermietern, den Braunen Landschildkröten, die ihrem eigenen Liebestaumel trotz allem freien Lauf ließen. Der zuständige Kurator setzte alle Hebel in Bewegung, um dem kleinen Trauerspiel ein Ende zu setzen. Eine viele Monate anhaltende Transportsperre aufgrund der Geflügelpest behinderte diese Bemühungen und die Einsamkeit zog sich zusätzlich in die Länge. Aber alles Warten hat auch einmal ein Ende und so freuten sich schließlich alle, als ein achtjähriger Runzelhornvogel endlich ankam. Zunächst lernte er sein neues Zuhause allein kennen. Danach fand das

Kennenlernen des Weibchens am Sichtschieber statt, das überraschend gut verlief, sodass sich die Pfleger kurzerhand entschlossen, beide unter Aufsicht zusammenzulassen. Die Bewachung der Turteltauben ist mittlerweile Geschichte, sie sitzen einträchtig zusammen und beeindrucken durch ihre mächtigen Schnäbel. Er mit einem gelbweißlichen Gesicht und leuchtend gelbem und mit rotem Kranz umfassten Schnabel, sie eher dezent in der Farbgebung. Es ist wunderbar anzusehen, wie der vermeintliche Jungspund dem älteren Weibchen den Hof macht und versucht, sie zur Bruthöhle zu locken. Ständig bietet er ihr Früchte in Form von Feigen und kleinen Beeren dar und beschnäbelt sie. Sein klares Ziel sind Nachkommen, das zeigt er ihr unmissverständlich. Sie ziert sich immer wieder, schließlich muss sie fast drei Monate in der Bruthöhle allein zubringen und ist während dieser Zeit absolut vom Mann abhängig, der ihr das Futter durch ein kleines Loch verabreicht. Runzelhornvögel mauern sich gewissermaßen ein, bis die Jungen flügge werden und zu fliegen lernen. So sind die ursprünglich in den immergrünen Tieflandwäldern von Malaysia und Indonesien beheimateten und potentiell gefährdeten Vögel bestens während der Aufzucht und Brut vor Feinden geschützt. Die Pfleger hoffen inständig, dass der Nachwuchs bald gelingt. Die bis zu 70 Zentimeter groß werdenden Vögel sind ein echter Blickfang und nur in wenigen Zoos zu sehen. Ihr Horst

Infos

VERWANDTSCHAFT: Ordnung: Rackenvögel Familie: Nashornvögel LEBENSRAUM: immergrüne Tieflandregenwälder und sumpfige Küstenwälder von Malaysia und Indonesien GRÖSSE: Körperlänge 65-72 cm GEWICHT: 1,4-1,6 kg SOZIALSTRUKTUR: leben in Paaren oder kleinen Familien­gruppen FORTPFLANZUNG: legen 2-3 Eier, Brutdauer: 29-31 Tage FEINDE: Schlangen, Marder, Binturongs und der Mensch durch Bejagung und Lebensraumzerstörung NAHRUNG: Früchte, Insekten und kleinere Wirbeltiere Bedrohungsstatus: potentiell gefährdet

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≥ HINTER DEN KULISSEN

TÜV FÜR DEN ZOO Den Zoo Leipzig zeichnen sehr hohe Standards aus. Diese werden regelmäßig vom Europäischen Zooverband auf Herz und Nieren geprüft. 2018 ist es so weit: Tierhaltung, Bildungs­ arbeit, Artenschutz, Qualitätsmanagement, Finanzierung ­werden unter die Lupe genommen.

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aben Bär und Tiger genug Platz, die Affen zu tun? Sind die Volieren sicher? Wie verlässlich ist die Finanzierung von Tier und Pfleger? Erfüllen neue Habitate und Reviere aktuelle Standards? Fruchtet die Bildungs­arbeit? Viele Fragen haben die Prüfer. Beantwortet werden sie von Frank Oberwemmer, Artenschutzreferent des Zoo Leipzig. Der Tier­­­­­­ garten ist Mitglied in der European Asso­ciation of Zoos and Aquaria – kurz EAZA. Wer Mitglied in der Vereinigung werden und bleiben möchte, muss deren Standards ein­halten. „Die Tiere müssen in einer angemessenen Umgebung mit ausreichend Platz und einer Ausstattung ge­ halten werden, die natürliches Verhalten anregt. Es muss mit einem Tierarzt abgesprochen werden, wie sich das Futter zusammensetzt. Wenn sich Tiere auffällig verhalten, müssen sie untersucht und behandelt werden. Wegen

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ihrer hohen Anforderungen sind in der EAZA Zoos und Aquarien mit hohem Standard ver­ treten“, sagt Oberwemmer. Der Zoo Leipzig zählt dazu. Doch der Weg dahin war steinig. Als 1975 die „Konvention für den internationalen Handel mit gefährdeten Arten“ in Kraft trat, war es Zoos nicht mehr möglich, in großem Maße Wildtiere zu importieren. Von da an mussten die Zoos selbst ausreichend für Nachwuchs sorgen. „Doch um langfristig eine gesunde Population auf­ zubauen, ist es wichtig, Inzucht und damit die Gefahr genetischer Defekte zu vermeiden“, sagt Oberwemmer. Also begannen die Zoos, Tiere auszutauschen. Diese Kooperation mün­ dete 1985 in der Gründung des Europäischen Erhaltungszuchtprogramms (EEP). Darin ver­ pflichteten sich die EEP-Mitglieder, bestimmte lebensfähige Wildtierpopulationen zu erhalten.

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≥ HINTER DEN KULISSEN

Viele Tierarten wären ohne die Bestände in den Zoos bereits ausgestorben, wie die Goldlöwenäffchen (Foto) oder die Przewalski­pferde. Eine weitere Vision: eine europaweite Zoovereinigung. So gründete sich 1992 die EAZA. Mittlerweile hat sie fast 400 Mitglieds-Zoos und -organisationen in 43 Ländern. Heute sieht der Verband die drei Hauptaufgaben der Zoos in der Erhaltung von Arten, der Forschung und der Erziehung der Menschen zu einem verantwortungsvollen Umgang mit der Natur. Nicht ohne Grund. Mittlerweile stehen mehr als 25 800 von 91 500 untersuchten Arten als „be­droht“ auf der Roten Liste der bedrohten Arten. „Der Arterhalt in Menschenhand lebender Tiere kann nur eine Übergangslösung darstellen. Im Vordergrund sollte der Biotopschutz stehen, denn nur dadurch ist es möglich, Ökosysteme mit all ihren besonderen Vertretern zu erhalten“, sagt Oberwemmer.

Der Umweltmanager und seine Kollegen sammeln kontinuierlich Daten über die vom Zoo betreuten Arten, um diese in ein digitales Zuchtbuch einzupflegen und darauf basierend einen Plan für die Zucht aufzustellen. Gemeinsam mit den Artenkomitees geben die EEP-­ Koordinatoren jedes Jahr Empfehlungen, in wel­chen Zoos gezüchtet und welche Tiere zwischen den Zoos ausgetauscht werden sollen. „Im Zoo Leipzig leben mehr als 80 teilweise hoch bedrohte Tierarten, die durch europaweit koordinierte Zuchtprogramme betreut werden“, sagt Oberwemmer. „Darüber hinaus beteiligt sich der Zoo Leipzig an Projekten zur Erhaltung und zum Ausbau der Populationen in der Heimat der Arten.“ Ganz konkret gehört zum Leipziger Masterplan für den Zoo der Zukunft, dass jeder der sechs Themenbereiche ein Projekt im Ursprungsland unterstützt. Simone Liss

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≥ FREUNDE UND FÖRDERER

WENN DIE PATENELTERN ZU BESUCH KOMMEN Jedes Jahr Mitte Juni bekommen die Tiere im Zoo Leipzig ganz besonderen Besuch: Jede Menge „Patenonkel“ und „Patentanten“ wollen dann wissen, wie es ihren Schützlingen geht, sie aus nächster Nähe sehen und sich mit anderen Paten austauschen. Gemeinsam mit dem Zoo veranstaltet der Freundes- und Förderverein die Patentage – und betreut die Tierpatenschaften.

Info www.zoo-leipzig.de/foerdern-­helfen/ patenschaften KONTAKT ZUM FREUNDESUND ­FÖRDERVEREIN: Telefon: 0341 5933-347/-348 E-Mail: foerderverein@zoo-leipzig.de

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uch Thomas Berger aus Leipzig ist regelmäßig bei den Patentagen dabei. Er ist einer von insgesamt rund 1300 Tierpaten. Seit 1999 gehört der Kleine Panda –o ­ ffizieller Name: Nepalesischer Roter Panda – quasi zur Familie Berger dazu. Regelmäßig schaut der 63-Jährige in der Himalaya-Anlage vorbei und kennt die Lieblingsplätze des in freier Natur stark gefährdeten Tieres: „Der Kleine Panda liegt gerne oben in einer Astgabel. Am besten sieht man ihm im Winter, wenn das Laub weg ist.“ 500 Euro spendet er jedes Jahr für den Kleinen Panda. „Das Geld hilft dem Zoo und unterstützt seine Arbeit“, fasst der 63-Jährige seine Beweggründe zusammen. 2017 hat der Freundes- und Förderverein über die Patenschaften rund 254 000 Euro eingenommen. Geld, das den Tieren direkt zugute kommt. Pate kann man für mehr als 200 Tierarten werden – und für mindestens zwölf Monate. Jede Patenschaft ist mit einer Spende verbunden, deren Höhe sich an den Haltungskosten des Tieres orientiert: Den Buntbarsch gibt es bereits für 50 Euro pro Jahr, ein Zwergplumplori kostet zum Beispiel 400 Euro, während das Spitzmaulnashorn mit 6000 Euro zu den

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teuersten Arten gehört. Eine Urkunde erhalten alle Paten, ab einer Spende von 2500 Euro gibt es ein Schild mit Namen direkt am Gehege. Auch Firmen engagieren sich für den Zoo. Seit 2018 ist das Bauunternehmen Otto Heil aus Taucha Pate eines Schneeleoparden, Kosten: 2500 Euro pro Jahr. Der mittelständische Familienbetrieb hat am Rohbau der Hochgebirgslandschaft Himalaya mitgearbeitet und war zuvor beim Bau des Palmensaals und der Sanierung des Weißen Saals in der Kongresshalle beteiligt. Auch privat ist Christoph Heil regelmäßig mit seiner Familie im Zoo zu Besuch. „Als unsere Firma angesprochen wurde, ob wir die Patenschaft übernehmen würden, haben wir das natürlich gerne gemacht“, sagt der Geschäftsführer. Bei der Übergabe der Paten­ urkunde gab es sogar einen Blick hinter die Kulissen. „Wir waren im hinteren Bereich der Himalaya-Anlage. Der Tierpfleger hat uns alles erklärt und viel Interessantes über das Tier erzählt.“ Einem Schneeleoparden kam Christoph Heil ganz nah: „Er war nur einen halben Meter entfernt“, erinnert er sich. Das beliebteste Patentier ist übrigens mit Abstand das Erdmännchen: Stolze 160 „Paten­ onkel“ und „Patentanten“ haben die geselligen kleinen Räuber. Darunter ist auch die LVZ, die Pate für eine ganze Erdmännchen-Gruppe ist. Nadine Marquardt


≥ DER NATUR AUF DER SPUR

NACHTS IM ZOO Entdeckungsreise zu den dämmerungsaktiven Bewohnern

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ie eine Decke legt sich die Dämme­ rung gemächlich über den Zoo Leipzig. Während viele tierische Bewohner in einen sanften Schlaf gleiten, werden andere erst aktiv. Eine Entdeckungsreise führt zu den Tieren, die tagsüber oft im Verborge­ nen bleiben. Ein besonderes Erlebnis zu später Stunde. „Wir erwarten einen idyllischen, romanti­ schen Spaziergang“, sagt Eva Kiesche. Die Leipzigerin ist eine von 60 Teilnehmern, die sich gegen 19.30 Uhr vor dem Eingang ver­ sammeln. Sie alle fiebern den Einblicken ent­ gegen, die ihnen die folgenden 90 Minuten gewähren. Und doch keine Spur von dem auf­ geregten, lauten Getümmel, das sonst am Eingang herrscht. Das Fauchen der Wildkatzen, Wasser, das platscht, wenn Hyänen darin baden, ein Froschkonzert, raschelndes Laub – was genau

gleich im Zoo zu erleben sein wird, bleibt abzuwarten. In jedem Fall ist es deutlich stiller als sonst. Und dunkler. Denn die Wege sind nur punktuell beleuchtet. Anders als bei Führungen kommen die Lotsen mit den Teilnehmern ins Gespräch. Und zwar über das, was sie in dem Moment sehen. Überschaubare Gruppengrößen machen das möglich. Denn auch wenn man den Besuchern ein Highlight bieten möchte, die Tiere sollen nicht in ihrem Rhythmus durcheinander ge­ bracht, trainierte Abläufe nicht gestört werden. Darauf haben die Experten der Zoologischen Abteilung bei der Planung geachtet. Auch die Teilnehmer machen sich darüber Gedanken. „Macht denen das nichts aus, die wären ja jetzt normalerweise alleine“, fragt einer aus der Gruppe, als diese an einer Anlage hält, die ein beißender Geruch umgibt. „Die Pinguine sind nicht so leicht aus der Ruhe zu bringen“, beruhigt

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„WOW! WAS FÜR EIN SCHÖNES TIER, UNGLAUBLICH!“

Ausschau halten mit Rotlicht: Gespannt folgen die Teilnehmer dem Lichtkegel, der die Schneeleoparden im Dunkeln sichtbar macht. Die Tiere stört das nicht, sie selbst nehmen das Infrarotlicht nicht wahr.

Nicole Nagel aus Frankfurt über die Schneeleoparden

Gleich eine ganze Gruppe Pinguine präsentiert sich den Besuchern aus nächster Nähe.

Beinahe unentdeckt bleibt das Stumpfkrokodil im Wasser.

Ingeborg Lambert. Die 41-Jährige hat Tier­ medizin studiert und ist seit 20 Jahren Zoolotsin. Insgesamt beschäftigt der Zoo 50 Lotsen pro Saison – darunter Studierende der Biologie und Tiermedizin, Quereinsteiger mit pädagogischem Hintergrund, Journalisten und Rentner. Damit alle auf dem gleichen Stand sind, vermittelt ihnen Silke Giersch, Leiterin des Besucher­ services, bei einer Probetour vertiefende Infos zu den nachtaktiven Tieren. Dazu zählen Elefanten, Hyänen, Przewalskipferde und Mähnenwölfe. Als nächstes geht es zum ältesten Zoobewohner – der Geierschildkröte, die im Erdgeschoss des Aquariums lebt. Die Gruppe postiert sich vor dem Becken und versucht, dessen Bewohner im trüben Wasser ausfindig zu machen. Man muss bei dem schwachen Licht genauer hinschauen. Doch sie zeigt sich am Grunde ihres Beckens. Dann geht es vorbei an

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HORSTS ZOOGEFLÜSTER • DAS MAGAZIN AUS DEM ZOO LEIPZIG

Tannenzapfenfischen, aus deren Maul Leuchtorgane blaugrünes Licht dringen lassen. Ein Effekt, der sich bei Tageslicht kaum zeigt. Über eine schmale Treppe geht es in die erste Etage. Hier sind unter anderem Haie zu beobachten, während klassische Musik dezent den Raum erfüllt. „Das Becken ist rund, damit die Hochseehaie immer in Bewegung sein können – auch tagsüber, wenn sie schlafen“, erklärt Zoolotsin Lambert. „Denn sie holen sich Sauerstoff aus dem Wasser, das sie durch ihr Maul in die Kiemen streichen lassen.“ Die studierte Tiermedizinerin füttert die Teilnehmer mit spannenden Fakten rund um neugierige Muränen, die auch mal zubeißen, den Zackenbarsch als Chef im Becken und das faszinierende Immunsystem der Haie, das Krebstumore verhindert. Seit der ersten abendlichen Entdeckertour 2010 haben 670 weitere Touren in den Monaten Oktober bis April stattgefunden. Daran haben


≥ DER NATUR AUF DER SPUR

Ob Einzelgänger oder Schwarmvertreter, scheu oder neugierig – im Aquarium sind ganz unterschiedliche Fische zu betrachten.

Zoolotsin Ingeborg Lambert (vorne mit Taschenlampe) begeistert und erstaunt die Besucher mit spannenden Details zu großen Haien und kleinen Fischen.

„DER RUNDGANG HAT MEINE FREUNDIN UND MICH ECHT GEPACKT.“ Sascha Haltenhof, gebürtiger Leipziger

Hier geht‘s rund: Die Zoolotsin erklärt, welche Tiere im oberen Teil des Aquariums leben und was den Hochseehaien das Rundbecken bringt.

knapp 9500 Menschen teilgenommen. Pro Tour führen vier Lotsen Gruppen von bis zu 15 Personen. Eine angenehme Gruppengröße. Lotsin Lambert ist stets gut zu verstehen und kann problemlos auf alle Fragen eingehen. Vorbei am Heu- und Strohlager, an Futter­ küche und Gefrierräumen wird die Himalaya-­ Anlage angesteuert. Hier zückt Lambert ihre Rotlichtlampe. Eines der Highlights für die Besucher, denn das Licht können viele Tiere nicht wahrnehmen und werden daher nicht gestört. Während sich die Roten Pandas in den Bäumen verstecken, schleicht einer der Schneeleoparden majestätisch nur wenige Zentimeter von den Besuchern entfernt am Zaun entlang. Schmusende Amurleoparden, Zwergplumploris, die durch ihr giftiges Fell für Staunen sorgen, ein Frosch, der über einen der Wege in Gondwanaland hüpft – die Entdeckertour

hinterlässt einen bleibenden Eindruck, auch wenn manche Tiere sich nicht haben blicken lassen. Inzwischen ist es stockduster, die Teil­nehmer dieser exotischen Entdeckerreise werden sich schon bald in Decken hüllen – um wie die tagaktiven Tiere in einen tiefen Schlaf zu sinken. Schneeleopard, Hochseehai und Hyäne werden dann erst richtig wach. Patricia Liebling

Info Da die Abendtouren sehr beliebt sind, ­empfiehlt sich ein frühzeitiger Ticketkauf – im ­Safari-­Büro, unter Telefon 0341 5933-385 oder per E-Mail an ­safaribuero@  zoo-leipzig.de. Die nächste Veranstaltung ist für den 19./20. Oktober geplant.

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≥ HORSTS FREUNDE

LAUTES GERASSEL IN AFRIKA Infos

VERWANDTSCHAFT: Ordnung: Nagetiere Familie: Stachelschweine LEBENSRAUM: Flachland und tropische Gebirgs­ wälder, Steppen, halbtrockene Wüsten, Kulturlandschaften und Plantagen FORTPFLANZUNG: Tragzeit: 93-105 Tage, durchschnittlich ein Wurf pro Jahr, 1-3 Jungtiere NAHRUNG: neben Knollen, Wurzeln, Trieben, Obst und Insekten benagen die Tiere auch Knochen Bedrohungsstatus: nicht gefährdet

Mein

schweifen meine Gedanken in Richtung Afrika, kommen mir Bernhard Grzimek, die Serengeti, die riesigen Gnuherden sowie wohlklingende und meine Lamahufe zum Zucken verführende Trommellaute in den Sinn. Bei uns im Zoo hat sich noch ein weiterer afrikanischer Ton in mein Erinnerungsrepertoire geschlichen – rasselnde Schwänze! Sie brauchen gar nicht die Augenbrauen hochzuziehen, ich habe diese Töne beim Auspacken zweier Neuankömmlinge in der Kiwara-Kopje mehr als deutlich vernommen. Ich erhielt die Nachricht von den Pflegern, dass zwei Südafrikanische Stachelschweine angekommen sind und ich beim Herauslassen

Verlag: Leipziger Medien Service GmbH Peterssteinweg 19 04107 Leipzig Geschäftsführer: Arne Frank, Björn Steigert, Thomas Jochemko Anzeigen: Arne Frank Redaktion: Nadine Marquardt (LMSG), Melanie Ginzel (Zoo Leipzig)

Redaktionsschluss: 24. Mai 2018

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STACHELSCHWEIN

Liebe Leser,

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Kontakt: serviceredaktion@lvz.de

Freund das

zugegen sein dürfe. Natürlich machte ich mich trotz meiner Mittagspause auf den Weg, denn meine Neugierde war groß. Als ich im Revier ankam, standen die Pfleger bereits mit den Transportkisten parat, um sie auf die umgestaltete ehemalige Klippschlieferanlage zu bringen. Den vorherigen Mietern wurde gekündigt, sie waren nicht besonders kooperativ und beteiligten sich nur spärlich am öffentlichen Leben in der Kopje – das war nicht der Plan! Die Stachelschweine Brain und Pinky sollten wieder Leben in die Bude bringen, wie man so schön sagt. Das Auspacken verlief zunächst etwas schleppend, Pinky und Brain ließen sich lange bitten, nach gefühlten 30 Minuten in der Mittagshitze wagte sich der jüngere der beiden, Pinky, als Erster aus der Kiste. Dafür ging es dann ziemlich schnell auf Erkundungstour. Brain hingegen benötigte deutlich mehr Zeit. Irgendwann vernahm ich den ersten Ton, der mit den Hornrasselbechern am Schwanzende der Tiere erzeugt wird – ein lautes Gerassel ertönte. Erst war ich fasziniert, geriet jedoch dann in Panik. Die feixenden Pfleger riefen mir Warnungen zu, dass es gefährlich werden könnte. Warum? Fühlen sich die größten Nagetiere Afrikas bedroht, springen sie mit aufgestelltem Stachel­ kleid dem Feind entgegen und verursachen mit ihren bis zu 40 Zentimeter langen Stacheln unangenehme und schmerzende Wunden. Das laute Rasseln ist demnach das Warnsignal, nicht näherzukommen. Also lieber Abstand halten und von Weitem beobachten. Ganz neben­ bei bemerkt können die etwa dachsgroßen Tiere auch recht gut schwimmen und wie ein Ball hüpfen. Für die mehrfachen Ruhephasen am Tag bevorzugen die Bodenbewohner unter anderem Felsspalten und Erdhöhlen. Da sie etwas kälteempfindlich sind, wurden die Ruheplätze für sie durch unsere fleißigen Handwerker mit einer Fußbodenheizung versehen. Das Ergebnis der Arbeiten ist ein modernes Gehege in Toplage mit Ganztagscatering. Wurzeln, Blätter, Kräuter, Knollen, Obst, kleinere Insekten und Baumrinde stehen auf dem Speiseplan. Abwechslung ist hier die Devise. Also halten sie die Ohren bei ihrem nächsten Zoo-Spaziergang offen, unzählige Geräusche warten darauf, gehört zu werden. Ihr Horst

Bildnachweis: Titelfoto/Poster: Silvio Bürger Archiv LVZ (S. 33, 35 (2)), Archiv Zoo Leipzig (S. 6 (2), 30 (2), 31, 32 (2), 33 (2), 34 (3)), Bundesarchiv-Film­ archiv (S. 33), Silvio Bürger (S. 7, 13, 29, 37 (2), 44), Stephanie Clasen/Privatarchiv (S. 9), Kevin Drewes/ Privatarchiv (S. 8), Bert Endruszeit (S. 21, 22 (3), 24 (3)), Paul Faulstich/Archiv Zoo Leipzig (S. 32 (3)), Johannes Fiebig/Archiv Zoo Leipzig (S. 33), Freundesund Förderverein des Zoo Leipzig (S. 46), Lothar Gabler/Archiv Zoo Leipzig (S. 35 (2)), Melanie Ginzel (S. 5, 6, 7, 13 (3), 29, 40, 42 (2), 50), Ulrich Graßl (S. 14), Ruben Holland (S. 12 (4), 13, 36 (2)), Dani Hönig (S. 7, 13), Stefan Hoyer (S. 4), Heinrich Kirchhoff/Archiv Zoo Leipzig (S. 32), Harald Kirschner/Archiv Zoo Leipzig (S. 33), Dirk Knofe (S. 10), Herbert Lachmann/ Archiv Zoo Leipzig (S. 34), Andreas Lander/MDR (S.

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40), Robert Liebecke (S. 7, 20, 29, 37, 43), Christian Ludwig (S. 42), MDR (S. 40), Christian Modla (S. 11, 16, Repro S. 16, 17, 18 (3), 47, 48 (6)), Martina Molch (S. 6 (2), 37), Johannes Mühler/Archiv Zoo Leipzig (S. 33), Maria Saegebarth (S. 41, 46), Rudolf Schnabel (Zeichnung)/Archiv Zoo Leipzig (S. 33), Rosemarie Schneider/Privatarchiv (S. 8 (3)), Siegfried Seifert/ Archiv Zoo Leipzig (S. 34), Hermann Walther/Archiv Zoo Leipzig (S. 30, 31), Jaqueline Wrobel/Privatarchiv (S. 8), Zoo Leipzig (Grafik S. 12) Das Interview auf Seite 41 wurde vom MDR zur Verfügung gestellt. Layout: Anne Bittner Druck: GCC, Calbe (Saale), Juni 2018


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orsts Zoogeflüster | Das Magazin mit Geschichten aus dem Zoo Leipzig 2018  

© 2018 LMSG mbH – Ein Unternehmen der Leipziger Volkszeitung

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