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DIE BREMER St. Lambrechter STADTMUSIKANTEN Ein Märchen der etwas anderen Art frei nach den Brüdern Grimm von Lukas Wachernig

DOKUMENTATION AUGUST 2014

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Von links hinten: Laura Hobelleitner, Tibi Paulitsch, Simon Gerhart, Leonie Wuitz (hellblau), Alexander Rinner (grauer Pulli), Johanna Steiner (grĂźn), Elena Wuitz (Brille), Paul Pirker (Mund offen), Charlotte Novy (pinkes Shirt), Anna Ressler (Biene, Kopf nach unten), Irina Sabin (oranges Shirt), Andrea Sabin (blond, hinten), David Deutschmann (vorne, blond), Jonas Sperl (Zylinder), Tanja Sabin (Stirnfransen), Andreas Harrer (Hemd), Almasa Kramujic (neongelbe Hose), Lukas Ressler (Brille; rechts auĂ&#x;en). Vorne: Anna Koletnik (Katze), Matteo Koletnik (Hund), Sophie Novy (Esel), Clemens Kainbacher (Zirkusdirektor-Uniform), Sarah Schmelzer (Huhn)


DIE BREMER St. Lambrechter STADTMUSIKANTEN


HOLARI KANN NICHT NUR FASCHING! HOLARI IST AUCH WÜRSTL…

DIE „GIBT‘S NU R BEI HOLARI-WÜRST L“: Frankfurter mit (nicht zu sc harfer) Chilli Bratwurst mit (raffinierte r) MuskatellerBrät Käsekrainer mit (unserem be sten) Steirerkäs e

5.00

Frankfurter (0-8 -15, aber auch gut)

3.00

3.50 5.50

Der Erlös aus allen Verkäufen, Trinkg eld inklusive, wird für die Weiterentwic klung und Durchführung weiterer Jugend-Theatercamps verwe ndet. GUSTL TAUTSCHER

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ES IST VOLLBRACHT, UND DOCH STEHEN WIR AM START. VORERST KURZ INS ERINNERUNGSGRAU, DANN AUF INS ZUKUNFTSBLAU. Als Holari im Jahr 1997 das erste Mal auf sich aufmerksam machte, tat man das mit Plakaten, auf denen honorigste Persönlichkeiten treffend verunglimpft wurden. Bereits 1998 folgte die erste Faschingszeitung, im Zuge der Jahre bis ins Jetzt jährlich eine weitere, dann und wann (wenigstens für den Ort) legendäre Aktionen als Zugabe. Zu diesen zählt die Gründung des „Campus Holari“ – der verrücktesten Schule in den Bergen. Hunderte St. LambrechterInnen haben dessen Kurse besucht, noch viel mehr haben sie nicht besucht. Und dann, 2013, der Gedanke, das Programm für Kinder zu intensivieren und auch selbst zu gestalten. Seit August ist es vollbracht, und doch beginnt es erst. Der Regensommer 2014 hat gezeigt, was „Holari“ auch drauf hat, vor allem aber angedeutet, was es vor hat. Was also? Das erste Theatercamp für Kinder und Jugendliche zwischen 6 und 14 Geburtstagen ist ein erfreuliches Stück Geschichte, das die Zukunft einleitet. Voll ausgebucht, feinfühliger Workshop, gloriose Aufführungen, sensationeller Besuch. Mit picksüßem Nachhall: Lob aus Wien, aus Graz, aus der Region, aus St. Lambrecht, aus St. Blasen. Freilich geht’s, bei diesem Echo umso leichter, 2015 weiter. Wieder mit Lukas Wachernig als Frontmann, wieder mit „Holari“ im Hintergrund. Und wieder mit den Kids. Noch ein Satz zum Zukunftsblau: St. Lambrecht soll ein Begriff werden in der kleinen Welt des Theaters. Als regionale Bühne, deren Format in mehrerlei Hinsicht ein junges ist.

Ihr helft mit? Ja? Danke! Gustl Tautscher, Ernst Wachernig & das pfiffige Team der „Holari“

PS. Auf den nächsten Seiten geben wir Euch einen Einblick in das Theatercamp 2014 – mit einem Spot auf das Leading-Team, mit vielen Bildern aus der Probenwoche und von den Aufführungen. Dazu servieren wir die komplette Textfassung des gespielten Märchens. Abschließend smarter Hinweis: Die Fotos und auch der Text zu den „St. Lambrechter Stadtmusikanten“ stehen Ihnen zur weiteren Verwendung nicht frei zur Verfügung. Doch fragen Sie bei speziellen Wünschen einfach nach – unter 03585/2344-0, bei Claudia Brachmayer.

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Lukas Wachernig

David Franz Hobelleitner

2009 Matura am BORG Murau, Studium der Theater-, Film- und Medienwissenschaften an der Universität Wien. Erste Bühnenerfahrungen bei der Theaterrunde Murau – von 2005 bis 2014 bei den Pfingstspielen, Operettenspielen und Adventspielen in Neben- und Hauptrollen, von 2010 bis Juni 2014 Regieassistent von Wolfgang Atzenhofer bei der Theaterrunde Murau, den Operettentagen in Knittelfeld und weiteren Produktionen. Im Sommer 2010 erstes eigenes Filmprojekt „The Entertainer“ (Drehbuch und Regie). 2011 Hauptdarsteller der österreichisch-deutschen Filmproduktion „Without Words / Ohne Worte“. Regisseur und Hauptdarsteller im Film „25 Jahre Holzmuseum Murau“ (2013). 2013 und 2014 Regieassistent bei Philipp und Nikolaus Harnoncourt im Zuge der Opernproduktion der Styriarte Graz. Durchführung verschiedener Workshops für Film und Theater mit Kindern & Jugendlichen. Seit Juli 2014 fest angestellter Regieassistent am Staatstheater am Gärtnerplatz in München.

Seine Ausbildung begann er an der Musikschule Murau bei Mag. Andrea Ertlschweiger in Stimmbildung, Klavier und Orgel. Er maturierte am Klagenfurter Musik- und Kunstgymnasium im Stift Viktring und besuchte die Klavierklasse von Elisabeth Väth-Schadler am Kärntner Landeskonservatorium. Seit 2008 studiert der Bariton Gesang bei Natela Nicoli am Johann-Joseph-Fux-Konservatorium Graz sowie Kunstgeschichte an der Karl-Franzens-Universität. Hobelleitner ist Mitglied im Extrachor der Oper Graz sowie der Audi-Jugendchorakademie in Ingolstadt. Konzertreisen führten ihn durch Europa und nach Asien. Solist bei Konzerten in Graz (Robert-Stolz-Gala, JJF-Konservatorium, Minoritensaal, Kasematten) und Erfurt sowie in den Stiften Vorau und Sankt Lambrecht. Im Rahmen der Accademia Belcanto auf Burg Rabenstein besuchte er Meisterklassen bei Stefanie Kopinits, Eteri Lamoris und Angelika Kirchschlager. Ensemblemitglied und Solist der Pfingstfestspiele Murau.


LEADING-TEAM

Judith Wille

Willi Forwick

Die Berliner Choreographin studierte an der internationalen und staatlich anerkannten Schauspielkunstschule Cours Florent in Paris mit Stipendiums der Eliteklasse „Classe Libre“. In Paris adaptierte und inszenierte sie als Diplomprojekt den Film Dogville von Lars von Trier. Danach Regieassistentin am Berliner Ensemble und arbeitete mit Regisseuren wie Robert Wilson. 2009 bis 2012 Regieassistentin am Schauspielhaus Graz, seit Juni 2012 freie Regisseurin. Regie-Premiere bei den Burghofspielen Voitsberg. Beim weltweit größten Theaterfestival in Avignon spielte im Juli 2013 ihre Inszenierung „Gut gegen Nordwind“ von Daniel Glattauer. Im Mai 2014 wurde die Produktion ins Goethe-Institut in Paris eingeladen und im Juli 2014 nahm das Stück erneut beim Festival d’Avignon teil. Derzeit läuft Willes Inszenierung „Der Hals der Giraffe“ nach dem Erfolgsroman von Judith Schalansky, die Premiere wurde im April 2014 am Schauspielhaus Graz gefeiert.

Pantomime-Studium an der Folkwang-Hochschule in Essen, Abschluss 1981. Clown-Seminare bei Pierre Byland. Engagements als Pantomime und Schauspieler unter anderem an der Oper Frankfurt, den Bayreuther Festspielen, der Styriarte und dem Steirischen Herbst et cetera. Seit 2008 im Ensemble der Büchner Bühne Riedstadt, dem Ensemble „9. November“ sowie in der Theaterrunde Murau tätig. Haupt- und Nebenrollen bei Dinnerkrimi-Tourneen in Deutschland. Darüber hinaus als Choreograph, Seminarleiter und Regisseur (u.a. „Das Hahnengiggerl“ im Veranstaltungszentrum St. Lambrecht) tätig.

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DIE BREMER St. Lambrechter STADTMUSIKANTEN Ein Märchen der etwas anderen Art, frei nach den Brüdern Grimm, von Lukas Wachernig

TEXTBUCH 9


PERSONEN JACOB GRIMM David Hobelleitner WILHELM GRIMM Lukas Wachernig ESEL Sophie Novy CAMILLO Matteo Koletnik KITTY Anna Koletnik HUHN Sarah Schmelzer FORSTMEISTER Andreas Harrer FEINE DAME Charlotte Novy FRAU NEUROTH Andrea Sabin GROUPIE 1 Elena Wuitz GROUPIE 2 Leonie Wuitz GROUPIE 3 Almasa Karamujic BAUER Alexander Rinner BÄUERIN Julia Schoberegger BIENE Anna Ressler EULE Tanja Sabin FRAGEZEICHEN Clemens Kainbacher EINSCHALT-TASTE Clemens Kainbacher RÄUBER 1 Tibi Paulitsch RÄUBER 2 Irina Sabin RÄUBER 3 Paul Pirker RÄUBER 4 Laura Hobelleitner RÄUBER 5 Hannah Trattner RÄUBER 6 David Deutschmann RÄUBER 7 Johanna Steiner EHEMANN Jonas Sperl EHEFRAU Simon Gerhart BANKBEAMTER Lukas Ressler POSTBOTE Charlotte Novy

CHOR- & SCHAUSPIELGRUPPEN Märchenliebhaber Hunde + Herrchen Setassistenten bei Photoshooting Tiere am Bauernhof Sterne

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BILD 1 UND WENN SIE NICHT GESTORBEN SIND… (Wir befinden uns im Stiftsgarten St. Lambrecht, in dem Bereich mit den großen Bäumen. Von diesen Bäumen hängen Leinwände herab, darauf ist zu lesen „Und wenn sie nicht gestorben sind…“ - Unter diesen Leinwänden sitzt an einem kleinen Tisch Jacob Grimm, der gerade damit beschäftigt ist, sein neuestes Märchen zu vollenden. Man könnte meinen, man befinde sich im Jahr 1819. Nach und nach haben sich immer mehr Kinder rund um Jacob Grimm versammelt, der schließlich sein Märchen zu Ende geschrieben hat und es nun endlich stolz seinen Zuhörern präsentieren will. Die Musik wird leiser.) Jacob Grimm: (räuspert sich und steht auf) Es lag ein Schenkhaus für dem Holz, darin wohnt ein Krüger stolz, war ein Reuterräuber gewesen, darnach zu einem Schenken erlesen; das bei den Junkherrn, wie ihr wißt, der Reuter best Besoldung ist. Der meint, weil er kein Nachbarn hätte, so erführ niemand, was er thäte: trieb so groß Hurerei und Mord daß es Gott endlich sahe und hort und ließ den Schelmn mit Hurn und Buben in seinem Haus und Hofestuben vom Donner, Blitz und Feuer verbrennen; so lernt er Gottes Eifer kennen. Dieweil aber keiner Hilfe thät und überblieb allein die Stätt, im Holz nach dem Schrecken zusammen sechs elend Hausgenossen kamen: der Ochs, Esel, Hund, Katz und Hahn, die Gans war auch nährlich kaum entgahn. Dieselb ihr große Noth beklagten, wie sie entkommen waren, fragten was sie aus den verlorenen Sachen nun hinfort wollten ferner machen, daß sie nicht würget Wolf und Bär, als wilde Thier wärn ihr Gefähr. (Während Jacob Grimm seine neue Geschichte vorgetragen hat, sind die Kinder nach und nach eingeschlafen, was der Autor selbstverständlich merkt und daher immer energischer wird und sein Märchen mit immer größer werdendem Enthusiasmus vorträgt, was ihn jedoch immer lächerlicher wirken lässt. Schließlich tritt sein Bruder Wilhelm auf, der modern gekleidet plötzlich vor ihm steht, mit einem iPad in der Hand.) Wilhelm Grimm: (verspottend) Bruderherz! Was bereitest du den Kindern Schmerz? (Jacob reagiert beleidigt.) Wilhelm: Verzeih. Dies Reim war nur ein Scherz. (wechselt Sprachduktus)

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Doch jetzt mal ehrlich: Findest du nicht, dass das hier alles ein wenig eingerostet und verstaubt wirkt? Jacob: Bruder, wie dünket? Seit 200 Jahren nun findet die Gesellschaft Gefallen an unseren Hausmärchen, warum sollte dies sich nun ändern? Wilhelm: Es geht doch nicht um die Märchen an sich, sondern darum, wie sie erzählt werden. Es fährt ja auch niemand mehr so Auto wie vor 200 Jahren, oder wäscht seine Wäsche wie vor 200 Jahren. Oder du etwa schon? Jacob: (riecht an seiner Kleidung, zuckt danach verlegen mit den Schultern.) Nun denn, welch neuartige Adaption schlägst du vor? Wilhelm: Zuerst musst du dich einmal umziehen. Ich hab dir dort hinten was Schickes vorbereitet. Hoppauf! (Jacob verschwindet hinter einem der Bäume und kommt innerhalb weniger Sekunden als völlig andere und moderne Person zurück, fühlt sich in seinem Aufzug vorerst aber noch etwas unwohl.) Jacob: Also gut, dementsprechend gekleidet bin ich. Aber wie soll nun das Märchen vonstatten gehen? Wilhelm: (sucht auf seinem iPad) Warte, gleich hab ich’s. - Hier! Siehst du! Und schon geht’s los! (Zwischen den Bäumen rast der Esel daher, er scheint auf der Flucht vor jemandem zu sein. Die eingeschlafenen Kinder schrecken aus dem Schlaf hoch und versammeln sich in einer Gruppe.) Esel: I-A! I-A! Endlich hab ich meine Ruhe. (sieht das Publikum) Ach, Sie sind auch da? So ein Zufall - I-A! Wissen Sie, ich bin nämlich geflüchtet. Ich hab dieses Gedudel nicht mehr ausgehalten. Und außerdem bin ich kein Pony! Ich bin ein Esel! I-A! Wilhelm: Wieso solltest du ein Pony sein? Esel: Auf jedem Oktober- oder Schützenfest - und zuletzt sogar am Maxlaunmarkt in Niederwölz hab ich immer mit diesem blöden Ding um den Hals im Kreis herumlaufen müssen. Wie ein Pony. Aber ich bin ein Esel! I-A! Und im Hintergrund immer diese nervige Didel-Dudel-Dödel-Musik! (Der Chor singt die typische „Zirkusmelodie“ a-capella mithilfe von Jacob, der ab sofort hauptsächlich mit dem Chor von Bild zu Bild zieht.) Esel: Ich will mich ab sofort nur noch der Musik widmen - Musik muss fetzen, Musik muss swingen, da muss die Post abgehen! Findet ihr doch auch, oder? Na dann - los geht’s! (Der Chor nickt und beginnt zu singen - ESELLIED. Mit Ende der Nummer ist der Esel plötzlich ratlos.) Esel: Aber wo soll ich denn jetzt eigentlich hin? Ich will unbedingt was Spannendes erleben! Wilhelm: (zeigt dem Esel auf seinem iPad eine Karte.) Ich glaub, ich hab da was für dich gefunden.

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Esel: Wahnsinn! Das klingt ja spannend! Und das ist ja gleich hier in der Nähe! Da muss ich unbedingt hin! Komm, lasst uns gehen! (Der Esel nimmt alle mit sich in Richtung Ost-Seite des Stiftgartens. Dort springen auf den Steinen mehrere Hunde durch die Gegend während das Publikum noch im Anmarsch ist. Wilhelm fungiert auch als Moderator, erkennbar durch ein Mikrofon in seiner Hand.)

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BILD 2

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BILD 2 HUNDEDRESSURSCHAU Moderator:

Herzlich willkommen zur diesjährigen Hundedressurschau! Wie schon in den vergangenen Jahren ist auch heute wieder mit außergewöhnlichen Erscheinungen zu rechnen.

Wilhelm: Siehst du, Jacob, und schon nimmt unsere Geschichte ihren Lauf. Jacob: Da bin ich ja gespannt, was das werden soll. Wilhelm: Sei versichert, es wird großartig! Moderator: Wir kommen nun zum ersten Teilnehmer unserer Hundedressurschau. Ich darf nun zu mir nach vor bitten unseren Herrn Forstmeister mit seinem Hund Camillo! Einen kräftigen Applaus für die beiden! (Forstmeister kommt mit seinem Hund nach vor und beginnt mit den Kunststücken.) Forstmeister: Camillo, bei Fuß! (Hund tut es.) Camillo, sitz! (Hund tut es.) Camillo, Platz! (Hund tut es.) Moderator: Applaus für die erste bestandene Aufgabe! (Forstmeister und Hund verbeugen sich.) Moderator: Und nun die zweite Aufgabe: Bellen auf Kommando! Forstmeister:

(siegessicher) Camillo, mach bello!

(Hund schweigt und schüttelt schnell den Kopf.) Forstmeister:

(schärfer) Camillo, mach bello!

Camillo: Nee, mach du. Forstmeister:

(schreit) Nerv mich nicht! Camillo, mach bello!

(Hund macht „Miau!“) Moderator: Die Zeit ist abgelaufen - die Aufgabe ist somit nicht bestanden! Direkt weiter zur nächsten Herausforderung: Fassen von Gegenständen. (Forstmeister nimmt einen großen Knochen aus seinem Jagdrucksack und hält ihn neben sich.) Forstmeister: Camillo, mach fasso! Camillo: Nee, mach du. Forstmeister: Jetzt reicht es mir schön langsam mit deinen blöden Kommentaren. Camillo, mach fasso!

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(Camillo setzt zum Sprung an und fasst anstatt des Knochens die Lederhose des Forstmeisters und zerrt so lange daran, bis der Forstmeister nur noch in der Unterhose dasteht.) Forstmeister:

(wütend) Das geht zu weit! Wirst du jetzt endlich brav sein und auf mich hören?

Camillo: Nee, du? Moderator: So leid es mir tut, aber somit hat sich das Team Forstmeister und Camillo selbst disqualifiziert. Ihnen ist es nicht erlaubt, weiter am Wettbewerb teilzunehmen. Auf Wiedersehen. (Wilhelm geht davon, gibt zuvor aber noch sein iPad an Jacob.) Jacob: Was soll ich denn damit? Chor: Na, die Geschichte weiter erzählen! Jacob: Und was hast du jetzt vor, Wilhelm? Wilhelm: Ich muss zu einem Photoshooting. Bis später! (Ab.) Jacob: Also gut, dann versuch ich’s. (Pause.) Der Forstmeister beschimpfte Camillo. Forstmeister:

(zu Camillo) Du Nichtsnutz! Glaubst du, ich lasse mich hier in aller Öffentlichkeit wegen dir bloß stellen?

Camillo: Nee, du? (Camillo pinkelt einer Dame ans Bein.) Dame: Was soll denn das? So eine Frechheit! Aus! Herr Forstmeister, was fällt ihrem Hund ein, mich zu bepinkeln? Forstmeister: Mein Hund? Da liegt ein Irrtum vor. Das ist nicht mein Hund und war nie mein Hund. (wischt mit einem Taschentuch ihr Kleid ab.) Darf ich Sie zu einem kleinen Imbiss einladen, gnädige Frau? (küsst ihr die Hand.) Dame: Oh, wie galant! Ein Kavalier der alten Schule! Mit Vergnügen! (Forstmeister und Dame gehen davon.) Camillo: Das ist ja wohl das Letzte! Lässt mich einfach hier sitzen und tut so, als ob er mich nicht kennen würde! Aber ist mir doch egal. Ich bin ein echter Jagdhund und kein blöder, prämierter pinker Pudel. (HUNDELIED.) (Der Esel, der die gesamte Szene aus der Entfernung betrachtet hat, kommt nun näher und spricht mit Camillo.) Jacob: Der Esel hatte Camillo und den Wettbewerb die ganze Zeit aus der Ferne betrachtet. Er kommt näher, um mit dem Hund zu sprechen. Camillo: Igitt, ein Pony!

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Esel: Ich bin kein Pony, sondern ein Esel. Verstehst du? Camillo: Nee, du? Esel: Jetzt hör mal auf damit. Camillo: Mir geht es gar nicht gut, ich bin auf einmal ganz allein. (setzt sich traurig.) Esel: I-A! I-A! (setzt sich ebenfalls traurig.) Jacob: Dem Esel kam eine Idee: Warum sollten die zwei sich eigentlich nicht zusammentun? Gemeinsam durch die Welt zu streifen ist doch viel amüsanter! Esel: Was kannst du denn alles so? Auch singen? Camillo: Nee, du? (Esel boxt ihn.) Camillo: Ja, ich kann auch singen! Esel: Na dann begleite mich doch! Ich will eine eigene Band gründen und bin noch auf der Suche nach Mitstreitern! Camillo: Klingt super! Ich hab auch schon den perfekten Bandnamen: WOKAHE! Esel: Wer benennt sich denn bitte so komisch? Camillo: Eigentlich hast du recht… Esel: Naja, da fällt uns hoffentlich noch was Besseres ein… Komm, lass uns weiter ziehen! Jacob: Und so begaben sich die zwei neuen Freunde weiter in ungewisse Richtung. Und schon bald sollten sie ein weiteres Bandmitglied treffen. (Abmarsch der Darsteller und des Publikums unter Anführung von Jacob Richtung Brunnen-Viertel des Stiftsgartens.)

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BILD 3 SUPERMODEL KITTY (Beim Brunnen. Wilhelm Grimm hantiert mit einer Kamera - ein Photoshooting findet statt. Vor der Linse posiert die Katze Kitty, die man mit einem Model verwechseln könnte. Zwischendurch gibt es immer wieder kurze Unterbrechungen - ihre Assistenten pudern ihre Nase, geben ihr zu trinken und fächern ihr frische Luft zu. Die Assistenten singen dazu leise „I’m a Barbie Girl“. Abseits von diesem Trubel sitzt eine gebrechliche Dame auf einer der Bänke rund um den Brunnen und strickt mühsam.) Wilhelm: Super Posen, Kitty! Ein paar Aufnahmen machen wir noch, dann sind wir fertig für heute. (Noch ein paar Aufnahmen mit der Kamera.) Wilhelm: Hello Kitty! Da schau her! Miez, miez, miez, miez! (Pause.) Sehr gut, vielen Dank! Wir sind fertig für heute. (Kitty setzt sich. Zwei Groupies laufen zu ihr.) Groupie 1: Dürfen wir bitte ein Autogramm haben? Groupie 2: Wir sind deine größten Fans! Kitty: Aber sicher doch, Kinder. (schreibt Autogramme) Groupie 1: Wenn ich groß bin, will ich auch einmal so hübsch werden, wie du es bist! Groupie 2: Vielen Dank fürs Autogramm! Auf Wiedersehen! (Beide laufen wieder davon.) Wilhelm:

(zum Publikum) Meine Damen und Herren, vor sich sehen Sie eines der bekanntesten Katzen-Models der Welt, Fräulein Kitty! Es gibt kaum eine Katzenfutterdose, auf der ihr wunderschönes Antlitz nicht zu sehen ist. Sag zu unserem Publikum doch hello, Kitty!

Kitty: Hello, Kitty! (kichert) Wilhelm:

(überspielt) Tja, wie Sie sehen - zwar eine Augenweide, aber leider blonder als eine Kaisersemmel…

Jacob: Aber das ist noch nicht alles. Kitty hat schließlich auch eine Besitzerin, Frau Neuroth. Sie ist eine alte, gebrechliche Dame, die ihren Lebensabend zwar genießt, doch schon sehr eingerostete Gelenke, schlechte Augen und ein schwerfälliges Gehör hat. Neuroth: Ohne Gehör hat man’s eben schwör. (lacht und strickt weiter) Wilhelm: Man merkt: Auch der Humor leidet unter dem Alter… Neuroth: Was soll ich bitte mit einem Altar anfangen?

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Jacob: Frau Neuroth musste sich auch eingestehen, dass sie ihre Mitbewohnerin, Kätzchen Kitty… Kitty: Hello Kitty! (kichert) Jacob: …nicht länger pflegen konnte. Neuroth: Setz dich doch ein wenig zu mir, mein Kätzchen. (Kitty stolziert zu Frau Neuroth und legt sich auf ihren Schoß, wie eine richtige „Schoßkatze“. Frau Neuroth streichelt sie.) Neuroth: Mein Liebling, wir haben so viele schöne Momente miteinander erlebt, doch jetzt ist die Zeit gekommen, in der sich unsere Wege trennen müssen. Kitty: Aber warum denn? Ich will doch bei dir bleiben! Neuroth: Ich möchte doch auch, dass du bei mir bleibst. Aber ich bin alt und werde immer schwächer. Schon morgen werde ich ins Altersheim kommen, dort wird man sich um mich kümmern. Kitty: Dann komm ich einfach mit dir ins Altersheim mit. Neuroth: Das geht nicht - Haustiere sind dort nicht erlaubt. Kitty: So finde ich selbst einen anderen Unterschlupf und komme dich jeden Tag besuchen. Neuroth: Wen willst du verfluchen? Kitty: (schreit) Ich komme dich besuchen! Neuroth: Ja… Weißt du… (Das Telefon von Wilhelm Grimm läutet. - Chor.) (Wilhelm schnippt. Alle Darsteller außer Jacob Grimm erstarren während Wilhelm telefoniert.) Wilhelm: Bei Grimm… Ja hallo, wie geht’s dir denn? - Das freut mich. - Ich? Ich bin gerade in St. Lambrecht mit den Stadtmusikanten unterwegs. Was hast du heute noch vor? - Du gehst wo hin? Hab ich recht gehört? - Auf keinen Fall gehst du zum Friseur! - Nein, du wirst dir sicher nicht die Haare abschneiden, das steht in unserem Vertrag! - Hallo?! Hallo?! - Aufgelegt. (zum Publikum) Entschuldigen Sie vielmals. Dieses arrogante Rapunzel hat gerade angerufen - sie will sich die Haare abschneiden lassen! (Jacob Grimm räuspert sich laut.) Wilhelm: Ja, du hast recht. Lass uns weiter machen. (Wilhelm Grimm schnippt erneut - alle Darsteller erwachen wieder zum Leben.) Jacob: Schön langsam wurde es Zeit, dass Frau Neuroth mit der ganzen Wahrheit herausrückte.

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Neuroth: Ich habe bereits einen Platz in einem Katzenheim für dich gebucht. Du wirst also nicht in der Lage sein, mich zu besuchen, weil du ganz weit weg sein wirst… Kitty: Wie bitte? Wie kannst du mir das antun? Neuroth: Es tut mir leid, aber ich habe keine andere Lösung gefunden. (weint) Wilhelm: Berechtigterweise wurde Kitty sehr wütend. Kitty: Ich kann es nicht glauben, dass du mich einfach so abschieben willst! (steht auf und geht zum Brunnen) Neuroth:

(geht mithilfe eines Rollators Richtung Kitty) Ich will dich doch nicht einfach so abschieben, aber ich kann halt nicht mehr für dich sorgen.

Kitty: Na gut! Dann wirst du verstehen, dass ich auch nicht mehr für dich sorgen kann. (Kitty schubst Frau Neuroth in den Brunnen, die dort hilfeschreiend ertrinkt.) Jacob: Durch die lauten Hilferufe von Frau Neuroth wurden der Esel und Camillo der Hund von ihrem eigentlichen Weg abgebracht. Sie begaben sich sofort auf die Suche nach dem Ursprung der Schreie. (Esel und Camillo treten von hinten durchs Publikum auf.) Esel: Hast du das auch gehört? Camillo: Nee, du? Esel: Wozu frage ich dich überhaupt noch etwas, ich bekomme ja eh immer dieselbe Antwort… Camillo: Schau mal, da sitzt das berühmte Katzenmodel Kitty! Hello Kitty! Kitty: Was kommen denn da für Streuner? Esel: Fräulein Kitty, es ist mir eine Ehre, Sie kennen zu lernen! Camillo: Wir haben Hilferufe gehört, sind diesen gefolgt und hier gelandet. Aber anscheinend brauchen Sie ja gar keine Hilfe. Esel: (entdeckt Frau Neuroth) Um Himmels Willen, was ist denn hier geschehen? (Esel hebt Frau Neuroths Arme abwechselnd. Sie fallen aber immer wieder zu Boden.) Kitty: Das war alles ein Unfall! Sie ist ausgerutscht, ich bin aber viel zu schwach und konnte sie nicht mehr retten. Camillo: Das tut mir leid. Kitty: Mir nicht! Sie wollte mich nämlich in ein Katzenheim sperren lassen! Camillo: Fürchterlich.

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(Esel hebt noch immer abwechselnd die Arme. Plötzlich bleiben beide Arme in der Luft stehen „Superman“-Pose.) Esel: Allerdings (Arme anspielend) - die ist schon ganz starr! Kitty: Aber jetzt zu etwas anderem: Was macht ihr zwei eigentlich? Wilhelm: Wie Sie sich vorstellen können, erzählen die zwei neuen Freunde dem Model Kitty ihre bisherigen Erlebnisse. Jacob: Und es dauerte nicht lange, bis sie die Katze dazu überredeten, sich ihnen anzuschließen. Kitty: Musik ist neben dem Modeln meine größte Leidenschaft! Ich singe für mein Leben gern! (Katzensong.) Esel: Ein großartiger Song! Camillo, findest du nicht auch? Camillo: Nee, du? (Esel boxt ihn.) Camillo: Au! Wau! Wau! Kitty: Also darf ich mich euch anschließen? Camillo: Selbstverständlich! Lasst uns gehen! Esel: Auf los geht’s los! Alle: Los! Jacob: Und so marschierten der Esel, der Hund und die Katze gemeinsam ihrem neuen Leben als Musikgruppe entgegen. (Publikum weiter zum Nord-Teil des Gartens. Esel, Hund und Katze gehen rechts hinter den Pavillon.)

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BILD 4

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BILD 4 AM BAUERNHOF (Bauer und Bäuerin sind fleißig bei der Arbeit. Er hackt Holz, sie mäht die Wiese mit einer Sense. Das Huhn geht auf der Wiese umher und pickt nach Futter. In der Wiese bewegen sich auch andere Tiere. Der Bauer erinnert von seiner Art zu sprechen und sich zu bewegen an einen Neandertaler.) Sie:

(wischt sich den Schweiß von der Stirn) Du Franzl, morgen ist ja dein Geburtstag.

Er: Ajo. (Chor: Happy Birthday.) Sie: Drum darfst du dir ein Essen wünschen. Ich koche alles, was du willst. Er: Aso? Sie: Was hättest du denn gern? Er: Hm… (überlegt) Sie: Ein gutes Schweinsbraterl, Schnitzerl oder geröstete Leber? Er: Hm… Sie: Oder vielleicht ein knuspriges Brathenderl? Er:

(streckt beide Arme voll Freude in die Höhe.) Hendl!

Sie: Und dazu einen Erdäpfelsalat? Er: Hendl! Sie: Und als Nachspeise einen Gugelhupf? Er: Hendl! Sie: Fein, dann hätten wir ja alles besprochen. Gib mir bitte deine Hacke, dann kümmere ich mich gleich um unseren morgigen Festschmaus. (Die Bäuerin nimmt die Hacke vom Bauern und bewegt sich Richtung des unwissenden Huhns. Der Bauer setzt sich müde.) Er: Pause. Jacob: Gleich sollte es dem jungen Huhn an den Kragen gehen. Die Bäuerin begab sich auf die Pirsch. Sie: Butt, butt, butt, butt - ja, da komm her mein liebes Henderl! Butt, butt, butt, butt!

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(Das Huhn nähert sich der Bäuerin, diese versteckt die Hacke hinter ihrem Rücken.) Sie: Ja, so ist’s fein! Komm nur her zu mir! Ich habe eine Überraschung für dich. Wilhelm: Und zwar nicht irgendeine Überraschung, sondern eine, die es in sich hat! (Die Bäuerin und das Huhn kommen sich immer näher. Sie hält ihre Hand auf, um das Huhn Futter picken zu lassen.) Sie: Da schau her, ich hab gutes Futter für dich! (Das Huhn freut sich über das Futter. Während es pickt, hält die Bäuerin die Hacke in die Höhe und macht sich zum Köpfen bereit. Kurz bevor sie zuschlägt niest der Bauer.) Er: Hatschi! (Das Huhn erschreckt sich und springt zur Seite, die Bäuerin schlägt mit der Hacke in den Boden.) Sie: Geh Franzl, jetzt hätt’ ich’s fast gekriegt! Er: Ha? Sie: Na unser morgiges Mittagessen. Er: Aso. Jacob: Die emsige Bäuerin ließ freilich nicht locker und startete einen weiteren Versuch, das Huhn zu köpfen. Sie: Butt, butt, butt, butt - ja, da komm her mein liebes Henderl! Butt, butt, butt, butt! (Das Huhn nähert sich der Bäuerin, diese versteckt die Hacke hinter ihrem Rücken.) Sie: Ja, so ist’s fein! Komm nur her zu mir! Ich habe eine Überraschung für dich. (Die Bäuerin und das Huhn kommen sich immer näher. Sie hält ihre Hand auf, um das Huhn Futter picken zu lassen. Eine Biene summt plötzlich umher.) Sie: Da schau her, ich hab gutes Futter für dich! Jetzt kannst du in aller Ruhe weiter essen und wirst nicht mehr vom Bauern gestört. (Das Huhn freut sich über das Futter. Während es pickt, hält die Bäuerin die Hacke in die Höhe und macht sich zum Köpfen bereit. Kurz bevor sie zuschlägt wird der Bauer von einer Biene gestochen.) Er: Aua! (Das Huhn erschreckt sich und springt zur Seite, die Bäuerin schlägt mit der Hacke in den Boden.) Sie: Was ist denn jetzt schon wieder? Er: Biene! Sie: Jetzt ist aber Schluss - ich erwisch das Henderl sonst ja nie und morgen zu Mittag gibt’s dann Sterz.

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Er: Wäh! Sie: Na eben. Ruhig bist! Wilhelm: Aller guten Mordversuche sind bekanntlich drei. Sie: Butt, butt, butt, butt - ja, da komm her mein liebes Henderl! Butt, butt, butt, butt! (Das Huhn nähert sich der Bäuerin, diese versteckt die Hacke hinter ihrem Rücken.) Jacob: Zufälliger Weise kamen der Esel, der Hund die Katze am Bauernhof vorbei. Aus der Entfernung beobachteten sie das schreckliche Geschehen. (Die drei Tiere erscheinen von links hinter dem Pavillon.) Sie: Ja, so ist’s fein! Komm nur her zu mir! Ich habe eine Überraschung für dich. (Die Bäuerin und das Huhn kommen sich immer näher. Sie hält ihre Hand auf, um das Huhn Futter picken zu lassen.) Kitty: Was ist denn hier los? Esel: Offensichtlich ist die Bäuerin hungrig. Camillo: Ich hab auch Hunger! Kitty: (boxt Camillo) Wir müssen dem armen Ding doch helfen! Esel: Aber wie denn? Jacob: Nach kurzem Ratschlagen war klar, was zu tun war. Camillo: Ich fasse ihr Bein, Kitty nimmt das Huhn in Schutz und Esel, du verscheuchst den Bauern. Alle: 3 - 2 - 1 - los! Sie: Da schau her, ich hab gutes Futter für dich! Jetzt kannst du in aller Ruhe weiter essen und wirst nicht mehr vom Bauern gestört. (Das Huhn freut sich über das Futter. Während es pickt, hält die Bäuerin die Hacke in die Höhe und macht sich zum Köpfen bereit. Kurz bevor sie zuschlägt beißt Camillo in ihr Bein, gleichzeitig geht der Esel zum Bauern und tritt ihm in den Hintern. Kitty nimmt das Huhn in Schutz.) Sie: Aua! Du blödes Vieh! Wirst du wohl loslassen? (Camillo bellt und verscheucht die Bäuerin.) Er: Aua! Esel: I-A! Er: I-A! I-A! (läuft mit Bäuerin davon)

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Kitty: Die hätten wir in die Flucht geschlagen! Huhn: Vielen Dank, dass ihr mich gerettet habt! Camillo: Ist doch selbstverständlich! Huhn: Endlich bin ich die beiden los! (wischt sich Schweiß von Stirn.) Aber was macht ihr eigentlich hier in dieser Gegend? Esel: Angefangen hat alles damit, dass ich… Jacob: …und so erklärten die drei Gefährten ihre vielen Wege und Umwege, die sie zusammen gebracht und schlussendlich hierher an diesen Bauernhof geführt haben. Huhn: Das hört sich ja alles sehr spannend an! Wisst ihr was? Ich hab Musik mindestens genau so gern wie ihr! (Hahnrap.) Kitty: Spitze! Hühnchen, schließ dich einfach uns an! Gemeinsam werden wir vier großartige Auftritte hinlegen! Esel: Genau so ist es! Huhn: Hurra! Ich freu mich! Aber diese ganze Aufregung hat mich jetzt sehr hungrig gemacht. Camillo: Könnt ihr das auch riechen? Mir ist da gerade der Duft von schmackhaften Würsten in die Nase gestiegen! (Von der Würstel-Bar wird mit der Glocke geläutet.) Kitty: Hurra! Dort oben gibt’s Futter und auch was zu trinken! Camillo: Nichts wie hin! (Die vier Tiere laufen zur Würstel-Bar.) Wilhelm: Liebes Publikum, auch für Sie: Alle: 25 Minuten Pause! (Die Biene fliegt mit dem Schild „25 Minuten Pause“ umher. Das Publikum geht zur Würstel-Bar, die Darsteller ziehen sich alle in den Pavillon zurück.)

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BILD 5

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BILD 5 DIE INFORMATIONS-EULE (Die Pause wird nach 25 Minuten durch mehrmaliges Geläute der Glocke beendet. Die Biene fliegt durch das Publikum mit einer Tafel und der Aufschrift „Folge mir“. Das Publikum setzt sich in Bewegung und kommt vor dem Eingang zum Pavillon zum Stehen. Auf der Eisentreppe ganz oben wartet bereits die Eule, mit dem Rücken zum Publikum. Im Pavillon 2. Stock warten einige Kinder in schwarz gekleidet für den Auftritt der Sterne.) Jacob: Frisch gestärkt machten sich die vier Tiere, die sich selbst als „Stadtmusikanten“ bezeichneten, auf den Weg in ihre neue Wahlheimat. Wilhelm: Die Reise dorthin erwies sich aber nicht so einfach wie gedacht, denn allmählich begann es zu dämmern und Landkarte hatten sie auch keine dabei. (Von links hinter dem Pavillon erscheinen die vier Tiere. Plötzlich gibt die Eule ein lautes Geräusch von sich.) Eule: Huh-huh! Huh-huh! (Die Eule dreht sich um, in der Hand hält sie ein Informations-Schild.) Camillo: Hilfe! Ein Monster! Esel: Ah! Der böse Waldmeister! Huhn: Das ist nicht der böse Waldmeister, sondern der böse Jägermeister. Alle 4: Hilfe! (sie kauern sich auf engstem Raum zusammen.) Eule: Huh-huh! Ich bin die Eule. Fürchtet euch nicht! Kitty: Ah, Madame, Sie sind es. Huhn: Sie haben uns aber einen Schrecken eingejagt! Eule: Das tu-hut mir sehr leid. Ihr seht etwas verloren aus, kann ich euch irgendwie weiterhelfen? (hält Informations-Tafel in die Höhe.) Huhn: Wir finden den Weg nach St. Lambrecht nicht - können Sie uns vielleicht weiterhelfen? Wir wissen nicht in welche Richtung wir marschieren müssen! Eule: Hört genau zu. Ich gebe euch ein Rätsel auf. Wenn ihr es löst, dann seid ihr gerettet. Es ist ein Licht, doch man kann es nicht löschen. Es ist immer da, doch nicht immer zu sehen. Doch wenn du es siehst, so schaust du nach oben. Es ist ein Wagen und kann doch nicht fahren. Wenn es ein Tier ist, dann hat es vier Tatzen, ein flauschiges Fell und es brummt dennoch nicht. Der Schwanz ist die Deichsel, die Deichsel der Schwanz. An einer Spitze der hellste Glanz,

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und ist es von euch erspähet worden, so folget ihm nur, denn dort liegt Norden. Camillo: So ein Schwachsinn. Wer soll dass denn erraten? Esel: Man sieht es, wenn man nach oben schaut… Kitty: Ein Glühwürmchen? Huhn: Ein Stern! Eule: Gu-hut erraten. Esel: Ein Tier mit Fell und Tatzen, das nicht brummt. Camillo: Ein Bär. Huhn: Der große und der kleine Bär! Eule: Su-huper mitgedacht! Kitty: Am Schwanzende am hellsten… Huhn: Ich weiß es! Es ist der Nordstern! Eule: Gratu-hulation! Ihr habt das Rätsel gelöst. Ich wünsche euch viel Glück auf eurer Reise. Hier habt ihr noch ein kleines Hilfsmittel von mir, solltet ihr mal wieder im Dunkeln stehen. (Sie wirft den Tieren eine kleine Tasche zu, darin vier Taschenlampen. Die Eule geht nach drinnen AB. Gleichzeitig treten die Stern-Kinder mit den Leinwänden auf. Zum Schluss kommt der Nordstern. Die vier Tiere schauen nach oben.) Esel: Seht ihr was? Camillo: Nee, du? Huhn: Ja! Unendlich viele Sterne! Kitty: Ein richtiges Sternenmeer! Huhn: Und da, da ist der Nordstern! Wilhelm: Endlich hatten die vier Musikanten einen Anhaltspunkt gefunden. Sie setzten ihren Marsch fort. (Die Sterne singen „Ich gehe mit meiner Laterne“. Die vier Tiere schalten ihre Taschenlampen ein, singen ebenfalls mit und gehen einmal um den Pavillon herum. Wenn sie wieder vorne angekommen sind, steht die Fragezeichen-Person bereits auf Position. Die Sterne drehen ihre Leinwände auf die grauen Wolken um.) Camillo: Na das ist ja ganz toll. Hat uns diese Eule einen Hinweis gegeben und jetzt ist es so bewölkt, dass man gar nichts mehr sieht. Esel: So ein Mist.

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Huhn: Wo sollen wir denn jetzt nur hin? Jacob: Da ist der Eule wohl ein großes Missgeschick passiert. Die vier Freunde verzweifelten immer mehr, doch plötzlich… (Wilhelms Telefon klingelt - Chor. Sobald Wilhelm schnippt, sind alle im Freeze.) Wilhelm: Ja hallo? - Rapunzel, was willst du denn schon wieder? - Was? Du hast sie dir tatsächlich abgeschnitten? Bist du verrückt? (geht nach hinten weg.) Jacob: (zum Publikum) Entschuldigen Sie bitte die Unterbrechung. (schnippt. Alle erwachen wieder.) Wie ich bereits sagte: Die vier Freunde verzweifelten immer mehr, doch plötzlich passierte etwas sehr Fragwürdiges. Huhn: Kollegen, schaut mal her - was ist das denn? Kitty: Das sieht aus wie ein großes Fragezeichen. Esel: Habt ihr jemals ein so großes Fragezeichen in freier Natur gesehen? Camillo: Nee, du? (Esel boxt Camillo.) Huhn: Los! Lasst uns einfach mal drauf drücken, dann werden wir schon sehen, was passiert. (Die vier drücken gemeinsam auf das Fragezeichen, das die Leinwand umdreht und man ein Rufzeichen erkennt. Grelles Licht aus dem Inneren des Pavillons.) Huhn: Wow! Wir haben den Eingang zu einem versteckten Haus gefunden! Camillo: Ich flipp aus, ist das cool! Kitty: Kommt, lasst uns reingehen. Jacob: Und so betraten die neugierigen Tiere das versteckte Haus vorsichtig. (Die vier öffnen vorsichtig die Tür zum Pavillon und gehen hinein. Das Publikum folgt ihnen. Drinnen suchen die vier das Haus ab nach allen möglichen Dingen, solange bis das Publikum Platz genommen hat.)

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BILD 6

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BILD 6 DAS RÄUBERHAUS (Auf der Bühne steht bereits Wilhelm Grimm als DJ, Jacob kommt zu ihm dazu. Sobald das Publikum sitzt, dampft es im Hintergrund, wo sich Camillo befindet, auf, er erschrickt und läuft zu den anderen. Die Tiere leuchten mit ihren Taschenlampen umher.) Camillo: Hilfe! Es brennt! Es brennt! Esel:

Hast du was angezündet?

Camillo: Nee, du? (Der Esel boxt Camillo auf die Schulter. Das Huhn entdeckt die Rauchquelle.) Huhn:

Schaut mal her!

Kitty:

Das ist ja eine Nebelmaschine!

Wilhelm: Alle vier waren logischerweise darüber verwundert, in einem verlassenen Gebäude im Nirgendwo eine funktionale Nebelmaschine zu finden. Was konnte es damit nur auf sich haben? Jacob:

Doch es dauerte nicht lange, da machten sie die nächste äußerst merkwürdige Entdeckung.

Esel:

Und überall hängen Scheinwerfer herum! Wozu sollen die denn bitte gut sein?

Huhn:

Und schaut mal! Da oben baumelt eine große Disco-Kugel!

(Alle vier beleuchten die Kugel mit ihren Taschenlampen.) Alle:

Ach ja!

Kitty:

Aber wo kann man denn das alles einschalten? Ich möchte tanzen!

Huhn:

Ja, ich auch! Ich hab schon so lange keine Musik mehr gehört!

Jacob:

Die Stadtmusikanten hatten Glück: Plötzlich lief nämlich eine… (er schnippt, alle Freeze) nein, also das ist jetzt wirklich übertrieben.

Wilhelm: Warum unterbrichst du denn, Jacob? Jacob:

Was du hier zusammengereimt hast, ist der größte Stumpfsinn, den ich je gelesen habe: Warum sollte den Stadtmusikanten eine lebende Einschalt- Taste über den Weg laufen, einfach so? Zuerst das Fragezeichen und jetzt das?

Wilhelm: Na wir erzählen doch ein Märchen, da ist alles möglich. Man muss seiner Phantasie einfach nur freien Lauf lassen.

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Jacob:

Also gut, ein letztes Mal lass ich das durchgehen… (Er schnippt wieder - Freeze stopp) Die Stadtmusikanten hatten Glück: Plötzlich lief nämlich eine lebende Einschalt-Taste an ihnen vorbei.

(Eine Person mit einer Einschalt-Taste läuft durch den Pavillon. Verfolgungsjagd mit den Stadtmusikanten.) Camillo: Ich trau meinen Augen kaum, aber da läuft gerade eine lebende Play-Taste an mir vorbei. Esel:

Los, fangen wir sie!

Kitty:

So, nun haben wir dich.

Huhn:

Endlich kann es losgehen!

(Sie stellen die Play-Taste auf eine sehr prominente Position und drücken den Knopf. Das Licht geht an, die Nebelmaschine faucht und die Disco-Kugel beginnt sich zu drehen. Die Play-Taste dreht die Leinwand um - auf der Rückseite sieht man das Zeichen für Ausschalten. Musik setzt ein. „Yes Sir, I can Boogie“ - Choreographie der Tiere ca. 1:30.)

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BILD 7

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BILD 7 RÜCKKEHR DER RÄUBER (Die Stadtmusikanten tanzen voll Freude und Elan. Plötzlich wird die Musik immer langsamer und stoppt schließlich. Auch die Disco-Kugel wird immer langsamer und stoppt. Musik aus = Freeze Stadtmusikanten.) Jacob:

Niemand der vier konnte ahnen, dass dieses Haus nicht verlassen war, denn die eigentlichen Besitzer kehrten in ihr Heim zurück.

Wilhelm: Dass sie in der Falle saßen, wussten sie noch nicht. Jacob:

Plötzlich hörten sie ein lautes Krachen.

(Krach von draußen.) Räuber 1: Kannst du nicht besser aufpassen? Räuber 2: Entschuldigung, Wladimir. Räuber 1: Wenn du mir noch einmal auf die Füße steigst, dann bekommst du Probleme! Räuber 2: Ja, ja, ist schon gut. Wilhelm: Die vier Freunde hörten, dass jemand im Anmarsch war und versteckten sich schnell. (Wilhelm schnippt = Freeze aus. Die Tiere verstecken sich + drücken auf die Ausschalten-Taste. Die Räuber betreten den Pavillon, um ihre Hälse hängen Wurstketten.) Jacob:

Die Räuber kamen in ihr Zuhause zurück. Ihr Beutezug verlief jedoch nicht so, wie sie es sich vorgestellt hatten.

Räuber 3: Wir wollten einen Sack voll Geld nachhause bringen und was haben wir stattdessen bekommen? Würste, nichts als Würste! Räuber 4: Aber die sind doch… Räuber 3: Klappe, Swoboda! Räuber 4: Ich mein ja nur… Räuber 5:

(beißt von einem Würstel ab) Pfui Teufel! Da ist ja Chilli im Frankfurter!

Räuber 6:

(beißt ebenfalls von seinem Würstel ab) Und Steirerkäse im Käsekrainer!

Räuber 7:

(beißt ebenfalls von seinem Würstel ab) Und Wein im Bratwürstel!

Alle:

Wer isst denn bitte so etwas?

(Räuber 5, 6 und 7 stecken ihre angebissenen Würstel ein.)

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Räuber 1: Mir ist das ehrlich gesagt alles wurst. Schon der letzte Beutezug verlief deprimierend. Seitdem haben wir diese komische Disco-Anlage, die niemand braucht. Räuber 6: Also ich mag Disco! (singt und tanzt selbst etwas herum.) Räuber 1: Schluss jetzt! Und wer von euch hatte eigentlich diese bescheuerte Idee, den Tunnel zu graben? Räuber 2: Na wehr wohl - unser Superhirn! (zeigt auf Räuber 3.) Räuber 3: Moment mal! Ich hatte einen exakten Plan - auf den Millimeter genau! Nur weil du den Plan verkehrt herum gehalten hast, haben wir nach links gegraben und nicht wie geplant nach rechts. Räuber 4: Schnauze, Palinsky! Räuber 5: Er hat ja Recht. Hättest du den Plan richtig gelesen, wären wir nicht in der Würstel-Bar, sondern wie ursprünglich angenommen in der Raiffeisenbank gelandet. Und wir hätten… Räuber 4: Schnauze, Anatol! Räuber 5: Ich mein ja nur… Räuber 6: Alles hätte so schön sein können! Räuber 7: Kameraden, hört zu. Wir müssen dieser schlampigen Arbeitsweise ein Ende bereiten. Denn ihr wisst: (Chor singt „Alles hat ein Ende, nur die Wurst hat zwei“ + Würstel-Choreographie. Nach dem Song lauter Krach hinter der Bühne.) Räuber 1: Habt ihr das gehört? Räuber 2: Was denn? Räuber 3: Du taube Nuss! Räuber 2: Ich liebe Schoko mit Traube-Nuss! Jacob:

Beinahe hätten sich die Stadtmusikanten in ihrem Versteck verraten, doch alles ist noch einmal glimpflich ausgegangen.

Räuber 4: Aber jetzt mal ehrlich: Wir brauchen einen todsicheren Plan für unseren Überfall. Räuber 5: Ich hab’s! Man muss sich einfach nur als normaler Kunde ausgeben. Räuber 6: (sarkastisch) Na, das hört sich ja ganz toll an… Räuber 7: Wart’s nur ab, er hat ja noch nicht zu Ende gesprochen. Räuber 5: Jetzt kommt nämlich der Clou: Zwei von uns geben sich nicht einfach als normale Kunden aus, sondern als reiches Ehepaar.

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Räuber 1: Logisch, da kommt wenig Verdacht auf. Räuber 2: Aber wer von uns soll das Ehepaar spielen? Räuber 5:

(zeigt auf 2 Jungs) Kommt mal her ihr zwei.

(Die 2 Jungs treten widerwillig vor. Räuber 5 stellt sie nebeneinander. Von hinten werden Schleier und Zylinder gereicht.) Ehemann: Willst du meine Frau werden? Alle: Ja! Ehefrau: Immer ich. (Schleier wird aufgesetzt.) Räuber 5: Also los, lasst uns den Überfall proben! Ihr zwei seid das Hochzeitspaar, das zur Bank geht um Geld zu beheben. Bankbeamter: Und ich bin der Bankbeamte! (geht hinter die Theke und stellt Raiba-Schild darauf, setzt Brille auf und zieht ein Sakko an. Das Hochzeitspaar tritt vor den „Schalter“.) Guten Tag, mein Name ist Klaus Plöschberger. Was kann ich für Sie tun? Ehemann: Guten Tag, meine Frau (Ehefrau kichert) und ich feiern demnächst unseren Hochzeitstag und planen eine Weltreise. Bankbeamter: Sehr schön! Wo soll’s denn hingehen? Räuber 1: (unterbricht) Du Blödmann! Wo wird eine Weltreise wohl hingehen? Zum Mond? Alle: Pst! Räuber 2: Konzentration, Leute! Nochmal von vorn! Bankbeamter: Guten Tag, mein Name ist Klaus Plöschberger. Was kann ich für Sie tun? Ehemann: Guten Tag, meine Frau (J2 kichert) und ich feiern demnächst unseren Hochzeitstag und planen eine Weltreise. Bankbeamter: Sehr schön! Wo soll’s denn hingehen? (Räuber 1 will wieder unterbrechen, wird aber von den anderen aufgehalten.) Ehefrau: Wie gesagt: einmal um die Welt. Bankbeamter: In 80 Tagen? Ehefrau: Nein, bereits übermorgen. Ehemann: Jedenfalls würden wir für die Reise gern Geld beheben. Bankbeamter: Wieviel hätten Sie denn gern? Ehemann:

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(gibt KP Kärtchen) Ich habe es Ihnen aufgeschrieben.


Bankbeamter: Das sind aber sehr viele Nullen. Da muss ich den großen Safe öffnen. (Bankbeamter stellt Safe auf die Theke und öffnet ihn. Ehefrau wird schwindlig.) Ehefrau: Hilfe, Hilfe! Mir wird ganz schwindlig. Ich bekomme keine Luft mehr! Bankbeamter: Na servas! In meiner Bank werden alle krank! (Bankbeamter macht Wiederbelebungsversuche, Ehemann schleicht zu Safe, steckt das ganze Geld in seinen Zylinder und geht zurück zu Ehefrau.) Ehemann: Schätzchen, was ist denn passiert? Bankbeamter: (tätschelt Gesicht) Bitte wachen’S doch wieder auf! Ehefrau: (kommt wieder zu sich) Was ist passiert? Wo bin ich? In der Sparkasse? Bankbeamter: Nein, in der Raiffeisenbank. (zu Ehemann) Ihre Frau scheint ein bisserl verwirrt zu sein. Ehemann: Kein Wunder bei den ganzen Nullen in Ihrer Filiale. Bankbeamter:

(eingeschnappt) Ich darf doch sehr bitten.

Ehemann: Damit meinte ich nur die hohen Geldbeträge. Ehefrau: Komm, Mann, lass uns gehen, ich will mich zuhause ausruhen. Ehemann: Ja, meine Liebste, lass uns gehen. Bankbeamter: Und Ihr Geld? Ehefrau: Das holen wir ein anderes Mal. Auf Wiedersehen! Räuber 1: Wunderbar, genau so hat das zu funktionieren! Unser Überfall wird ein voller Erfolg! Nur vergesst nicht: Beim Hinausgehen auf keinen Fall umdrehen! Räuber 2: Aber warum denn? Räuber 3: Dumpfbacke - wegen unserem einzigen Motto, das wir haben! (Alle singen Refrain von Falcos „Der Kommissar“.) Räuber 1: Also gut, Männer, legt euch jetzt hin und ruht euch aus. Wir müssen morgen alle fit sein für unseren Überfall! (Die Räuber legen sich gähnend auf den Boden. Das Ehepaar legt sich gemeinsam hin. Dunkler.) Räuber 4: Gute Nacht! Räuber 5: Schnauze! Räuber 4: Ich mein ja nur… (Die Räuber beginnen zu schnarchen.)

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BILD 8

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BILD 8 …DANN LEBEN SIE NOCH HEUTE Jacob:

Was die Räuber freilich nicht wussten war, dass sie nicht die einzigen waren, die sich in ihrem Haus aufhielten.

Wilhelm: Die Stadtmusikanten hatten selbstverständlich das gesamte Gespräch und die Pläne der Räuber mitverfolgt und waren entsetzt. Wie konnte man nur so grausam sein? Gemeinsam schmiedeten sie einen Plan, um die Räuber zu verscheuchen und den bösen Taten ein Ende zu bereiten. (Von draußen erscheint ein Postbote mit einem Kuvert in der Hand.) Postbote: Trari-trara die Post ist da! Sonderzustellung für Herrn Wilhelm Grimm! Wilhelm: Aha, vielen Dank! Postbote: Trari-trara die Post war da! (Postbote verschwindet wieder.) Wilhelm: Na da bin ich aber gespannt was drin ist. (öffnet Kuvert; schreit) Dieses Rapunzel! Besitzt die Frechheit mir ihre abgeschnittenen Haare zu schicken! Die kann was erleben! Jacob:

Beruhige dich. Lass uns zuerst diese Geschichte hier fertig erzählen.

Wilhelm: Ja, du hast recht. Jacob:

Während die Räuber also schliefen, begaben sich die vier Freunde auf Position inmitten der schnarchenden Bösewichte.

(Die Stadtmusikanten begeben sich in Bühnenmitte mit einem schwarzen Stuhl. Sie positionieren sich in der bekannten „Stadtmusikanten-Pose“ übereinander. Der gesamte Pavillon wird mit Nebel gefüllt.) Wilhelm: Die Stadtmusikanten waren bereit, den Räubern den Schrecken ihres Lebens einzujagen. (Sie aktivieren ihre Taschenlampen - jeder hat zwei - und kreisen damit umher. Es entsteht der Eindruck eines Monsters mit acht Augen. Schaurige Musik mit Aktivierung des Lichts. Die Räuber wachen nach und nach auf, bekommen es mit der Angst zu tun und flüchten so schnell, wie sie nur können.) Esel:

Denen haben wir’s gezeigt!

Camillo: Die werden so schnell nichts Böses mehr anstellen! Kitty:

Und wir können wieder tanzen!

Huhn:

Und musizieren! Los geht’s!

(Das Huhn drückt wiederum die Einschalt-Taste, die Disco wird wieder in Gang gesetzt. Während der Nummer kommen auch alle anderen - außer die Räuber - dazu. Choreographie zu „Let’s dance“ von David Bowie, ca. 1 Minute. Danach wird die Musik leiser.)

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Jacob:

Und so nahm schließlich alles ein gutes Ende.

Wilhelm: Die Bösewichte waren vertrieben und die Stadtmusikanten fanden ein neues Zuhause, um zu musizieren und zu tanzen. (Die Räuber laufen mit verändertem Kostüm - also nicht mehr als Räuber erkennbar - mit Leinwänden herein, auf denen „…dann leben sie noch heute“ steht.) Jacob:

Und wenn sie nicht gestorben sind…

Alle:

…dann leben sie noch heute! (Leinwände werden hoch gehalten.)

(Musik wird lauter + Konfetti-Kanonen durch Jacob und Wilhelm betätigt. Alle Darsteller tanzen gemeinsam frei zur Musik. Nach ca. 1 Minute fadet die Musik aus. Black.)

ENDE

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PROBEN

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DIE BREMER St. Lambrechter STADTMUSIKANTEN


GUSTL TAUTSCHER

IMPRESSUM: Für den Inhalt verantwortlich: Campus Holari. Die verrückteste Schule in den Bergen. Fotografie: Eszter Kardos.

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Profile for Lukas Wachernig

Wandelbühne · Dokumentation Theatercamp 2014  

Foto-Dokumentation »Die St. Lambrechter Stadtmusikanten« Wandelbühne Theatercamp 2014

Wandelbühne · Dokumentation Theatercamp 2014  

Foto-Dokumentation »Die St. Lambrechter Stadtmusikanten« Wandelbühne Theatercamp 2014

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