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Music & Sounds

CD-Anspieltipps

LISTENING POST Von Lukas Vogelsang

LISETTE – SIWALOMA

F PAPIK – THE RHYTHM OF LIFE (IRMA)

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SICULOUNGE PROJECT – SCIURI SCIURI

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ransatlantische Klänge, akustische Bilder einer Metropole, in der das Leben nicht nur tagsüber, sondern auch nachts pulsiert. «The Rhythm Of Life» verkörpert den Herzschlag des urbanen Lebens Nordamerikas, wie es mit den Augen des Römer Kompositeurs Nerio Poggi gesehen wird. Poggi kann auf eine erfolgreiche Musikkarriere zurückblicken, auch wenn er selbst bislang nur vereinzelt im Rampenlicht gestanden hat. In enger Zusammenarbeit mit dem sizilianischen Soulsänger Mario Biondi hat er in den vergangenen drei Jahren die beiden Alben «Handful Of Soul» und die Live-Doppel-CD «I Love You More» produziert und erheblich dazu beigetragen, dass Biondi ganz vorne auf den Hitlisten der italienischen Albumcharts stehen konnte. Poggi kennt das Rezept des Erfolges und setzt es in seinem Debütalbum zu seinen Gunsten um: «The Rhythm Of Life», welches unter dem Projektnamen Papik erschienen ist, wendet sich einem kräftigen Jazz zu, der, dank der maskulinen Stimme von Jazz-Vocalist Alan Scaffardi und der eleganten Performance von Ely Bruna, akustische Höhenflüge verspricht. Papik segelt auf einer neuen italienischen Welle, die vom Arrangeur selbst massgeblich mitgestaltet, wenn nicht sogar in weiten Teilen vorgegeben wurde. Das Genre: starker NuJazz mit Bigband-Charme – genau so, wie er aus den Alben von Mario Biondi bekannt ist. (ld)

em ist sie ein Begriff, die traditionell sizilianische Musik? Vermutlich den wenigsten von uns. Das erstaunt nicht: Abgeschieden und demzufolge nur schwer erreichbar, hat die Kultur dieser Mittelmeerinsel eine marginale Wirkung auf unser mitteleuropäisches Kulturtreiben. Doch in Sizilien brodelt nicht nur der Ätna, sondern allmählich auch die Jazzszene. «Siculounge» titelt das Projekt einer jungen Künstlertruppe aus der Küstenstadt Catania, die es sich zum Ziel gemacht hat, klassische sizilianische Volkslieder in die Welt hinauszutragen. Durch die Blume, sozusagen: Das Debütalbum «Sciuri Sciuri» – ein alter sizilianischer Terminus für Blumen – hat die Neugier der NuJazz-Liebhaber geweckt. Es vereint Lieder aus vergangenen Zeiten – die von Armut, Leid, Hunger, aber auch von Liebe und Wärme handeln – mit modernen Formen des Smooth und Acid Jazz. Ein interessanter Ansatz, wie er von Arrangeur und Projektleiter Mario Di Dio begangen wird. Doch wie so oft, wenn etwas neu ist, braucht es seine Zeit bis zur vollständigen Reife. Das ist auch hier der Fall: Die Instrumentalbegleitung stellt sich zu stark in den Vordergrund und erdrückt den charaktervollen Canto von Sängerin Cristina Russo. Trotzdem: Wer musikalisch auf eine neue Erfahrung aus ist, hat sie mit diesem Album auf jeden Fall gefunden. (ld)

Info: Papik, «The Rhythm Of Life» (Irma)

Info: Siculounge Project, «Sciuri Sciuri» (Halidon)

ensuite - kulturmagazin Nr. 86 | Februar 2010

alls sich jemand durch diesen Winter etwas geschüttelt fühlt, dem sei wärmstens ein das neueste Album von Lisette ans Ohr gelegt. Winterlandschaften beginnen zu klingen, in einem lieben, aber auch spannenden Jazzklang. Die Band um Lisette Spinnler (voc) ist fantastisch – und mit Alex Hendriksen (t.sax, flute), Colin Vallon (p), Patrice Moret (b) und Michi Stulz (dr) auch nicht unterbesetzt. Lisette Spinnler überzeugt vor allem durch die unscheinbar feine Präsenz in der Stimme. Nie zuviel, nie zu wenig und dadurch auch nach mehrmaligen Winterspaziergängen immer noch gerne gehört. Einfallsreicher Jazz mit schönem Ambiente und eindringlichen Klangbildern. Lisette Spinnler (1976) lebt in Basel und wurde von Sandy Patton und Susanne Abbühl unterrichtet, bis sie selbst an der Musikhochschule Basel als Dozentin einen Platz eingenommen hat. Siwaloma spielt live am 12. Februar in der Mahogany Hall, Bern, nur die Sängerin, Lisette Spinnler, zusammen mit Christoph Stiefel, am 18. Februar im Jazzclub Uster.

Infos: www.lisettespinnler.com

Zingg Ein filosofisches Gespräch:

Das Böse ist eine Wahnidee, die zwar in unseren Köpfen herumspukt, für die wir in der Realität jedoch keine Entsprechung finden. Michael Schmidt-Salomon 2009

Mittwoch, 24. Februar 2010, 19.15h, Kramgasse 10, 3011 Bern, im 1. Stock 31

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