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Music & Sounds Wir versuchen synästhetisch zu arbeiten. Die Klänge ergeben sich aus einem politischen Gedankengang heraus. Unsere Devise: Alles ist politisch. Demnach ist Kultur für Euch auch politisch? Absolut. In unserer Vergangenheit haben wir uns wiederholt mit Black Music befasst: ein Genre mit einer ausgeprägten sozio-politischen Konnotation. Wir wollen Musik nicht nur auf einer ästhetischen Ebene behandeln. Inhalte sind mindestens so wichtig. Wie lässt sich eine politisch-kulturelle Botschaft klanglich abbilden? In erster Linie geht es darum, mit Klängen zu arbeiten, die für eine bestimmte Epoche typisch sind. In unseren Arrangements sind diese dann meist nicht mehr erkennbar, weil wir sie bearbeiten und mit neuen Klängen zusammenmischen. Welche Epochen sind Euch wichtig? Sounds aus den 60ern und 80ern – diese Jahrzehnte mögen wir besonders. Ein Freund von uns hat eine zeitlich gut sortierte Plattensammlung, so können wir die Musik Jahr für Jahr durchstöbern und laufend neue Entdeckungen machen. Welche ist eine Eurer wichtigsten Entdeckungen? Eine Referenz für mich ist die Neo-Psychodelik, wie sie die Black Music hervorgebracht hat. Diese kombinieren wir in unseren Jams mit neuen Stimmungen. So gehen wir an die Klänge heran. Wir arbeiten mit Sinneswahr-

FÜR SEINEN 14. HAT SICH RADIO RABE HERAUSGEPUTZT

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nde 2008 hat Radio RaBe einen Wettbewerb ausgeschrieben. Das Erscheinungsbild sollte einer Generalüberholung unterzogen werden. Über fünfzig Künstlerinnen und Künstler, RaBe-Mitglieder und grafikinteressierte Hörerinnen und Hörer folgten dem Appell und reichten innerhalb weniger Wochen stapelweise Designvorschläge ein. Eine fünfköpfige Jury nahm die Entwürfe unter die Lupe und entschloss sich am Ende für das Logo eines jungen Zeichners, Remo Abplanalp aus Spiez. Er setzte sich gegen unzählige gestandene und erfahrene Kontrahenten durch und wurde zum Hofgrafiker von Radio RaBe gekürt. Die Logo-Taufe ist kaum vorbei … Die Taufe des Logos fand am 30. Januar im Restaurant Du Nord im Berner Lorrainequartier statt. Mitglieder und Supporter fanden sich ein und läuteten im Rahmen einer Vernissage die neue Ära für den RaBen ein. «Mit

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nehmungen. Könntest Du das präzisieren? Wir sind nicht Musiker, die unseren Sänger quälen und fragen: Was möchtest Du mit deinem Text aussagen? Nein, so läuft das nicht. Er bringt uns seinen Text, und wir reflektieren ihn auf einer Besinnungsebene. Dazu bedarf es keiner Worte, die Musik verbindet uns. Ist die Arbeit auf der Bühne reine Interpretation? Das ist lustig: Wenn du einen Bandkollegen fragst, wird er vermutlich antworten, alles sei vorgezeichnet. Das stimmt natürlich nicht. Ich denke, für uns – die wir unsere Lieder immer wieder gespielt haben – mögen die Konzerte immer gleich klingen. Aber jede Veranstaltung ist anders. Wenn ich in einer Performance einen Ausflug in andere musikalische Gefilde mache, reagieren meine Bandkollegen unmittelbar, weil sie mich kennen und haargenau wissen, wie sie mir folgen können. Euer Konzept bietet genügend Spielraum. Genau. Ich sage das bewusst, denn wir haben – im Unterschied zu manchen Livebands – Elektronik und Bilder, die synchronisiert mitlaufen. Ein Jam muss mit diesen Faktoren zusammenspielen. Eine spontane Einlage hängt nicht nur vom Drummer oder Bassisten ab, sondern von der ganzen Technologie, die mitschwingt. Als Mitglied der Sofa Surfers musst deine Inspiration intuitiv regeln können. Du hast das Stichwort «Technologie» genannt: Elektronik, Black Music und Rock – Ihr

diesem Erscheinungsbild», so Radio RaBeMusikredaktor Martin Schneider, «wird das Berner Kulturradio in der Öffentlichkeit als junges und lebendiges Alternativradio wahrgenommen.» … schon folgt das RaBe-Fest Jung ist auch das Publikum, das Radio RaBe an seinem 14. Geburtstagsfest in der Berner Reitschule ansprechen will. Den Auftakt machen am Freitag, 26. Februar im Dachstock die Sofa Surfers. Unterstützung erhalten die Wiener Soundtüftler von Clara Clara aus Frankreich und dem kecken Frölein Olive Oyl, das den Abend mit Indie Rock zum Höhepunkt geleitet. Parallel dazu rockt es im Sous Le Pont wie in Papas Garage mit The Jackets, The Dead & Loose Connection. Im Frauenraum – und diesmal sind Männer zugelassen – findet ein Female Drum & Bass Abend mit DJ Flight & MC Ayah aus England statt. Am Samstag, 27. Februar bringen die DJs Racker und Brian Pyton den Dachstock zum Beben, verstärkt werden sie von der DJ Legende Styro2000 und dem Live Act von MyMy. Wer erinnert sich noch an die ersten Techstock Partys? Im Sous le Pont hingegen

vereint all die Genres unter einem Dach. Wo fühlen sich die Sofa Surfers wirklich zuhause? Ich war sowohl im Rock als auch im Techno zuhause, jetzt bin ich Familienvater, der in seinem Leben viel Musik gehört hat und sich keiner Szene zugehörig fühlt. Wir sind weder eine Band, die für ein Rockfestival die erste Wahl ist, noch werden wir für Elektronikevents aufgeboten; aber wir sind eine Band, die an ihrem eigenen Sound arbeitet. Da hat Rockmusik definitiv einen Platz, da das Genre auch eine Geschichte hat. Es ist interessant: Du bist auf diese Frage über die Technologie gekommen … ja, viele Journalisten tendieren dazu, Rock als Gegenteil von Elektronik zu betrachten. Ich bin damit nicht einverstanden: Rockmusik war schon immer der Träger von Technologie, denn hier wurde zum ersten Mal die Elektrogitarre eingeführt: eine technologische Revolution! Das Denken in Kategorien entspricht mir nicht. Als Hörer bin ich aber auf eine Kategorisierung angewiesen. Ansonsten finde ich im Plattenladen meine Lieblingsmusik nicht. Wie begegnet Ihr Eurem Publikum? Ich bin kein Businessman, sondern Musiker (lacht). Beim Musikmachen denken wir nicht oft an unser Publikum. Ich hoffe, das Publikum findet uns. Und besonders hoffe ich, dass unsere Musik immer noch mehr zählt, als eine gut gestaltete Myspace-Seite oder ein ausgeklügelter Businessplan.

ist erneut Rock angesagt: Auf der Bühne stehen Lamps of Delta und Overdrive Amp Explosion. Im Frauenraum lässt sich Evelinn Trouble nieder: Mit ihrem neuen Projekt «Television Religion» tourt sie im Moment durch die Schweiz. Ein Duo bestückt mit einem Mpc, einem Juno-Synthesizer, Loopgerät, Gitarre, Bass und einer Tonne Effekte. Als Rahmenprogramm bietet Radio RaBe ein begehbares Studio, das Interessenten einen Einblick in die Welt der Radiophonie und hinter die Plattenteller von DJ Electric, Küsä und Tomzoff aus Zollicago gibt. Sie sorgen mit Funk- und Disco-Perlen für Partylaune. Infos: RaBe Fest – 26. und 27. Februar 2010, Reitschule Bern. www.rabe.ch

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htli che r Kul htli che r Kul gen da gen da K U L T U R M A G A Z I NK U L T U R M A G A Z I N übe rsic übe rsic JAHRGANGFEB2010|8.JAHRGANG...

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