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l e t z t e L U S T S E I T E Hinweis: Die Texte auf der letzen Lustseite sind nicht ganz jugendfrei. Wir bitten LeserInnen unter 18 Jahren, die Texte aufzubewahren und erst bei voller Reife zu lesen. Vielen Dank.

● nr. 6 seine intelligenz, sagt sie. erotik kann nur über intelligenz geschehen, nur männer die sich ausdrücken können sind erotisch. männer, mit denen man monate, vielleicht sogar jahrelang redet. ein unendliches vorspiel. beide wissen, dass es eine geschichte werden könnte, und gleichzeitg wissen sie auch, dass sie, kaum gelebt, zu ende wäre. sex, oder auch nur schmusen, würde die spannung nehmen, würde die vibrationen und schwingungen zwischen ihnen umformen, übersetzen, präzisieren. und der verlust der gespräche, des austausches, wäre grösser als der zu erwartende gewinn. sex könnte ja nicht plötzlich neu erfunden werden nur weil der andere körper neu wäre. sex ist ein begrenztes system mit variationen und nach ein paar erfahrungen ist einem bekannt, welche stellungen oder welche art von sex möglich ist und welche zur befriedigung führen. wie es ist wahnsinnig zu werden und was nötig ist um süchtig zu werden. meist kann das auch mitgeteilt werden, kann man anzeigen, wie der orgasmus kommen will, ob sanft oder laut, langgezogen, heftig oder zart. überraschend könnte vielleicht der neue geruch sein, die textur der haut, das tempo, seine neugier, seine vorlieben. aber eigentlich ist es ja doch eher immer dasselbe. der unterschied, sagt sie, ist das vorspiel, das intellektuelle vorspiel. das und die blicke während den gesprächen. egal ob sie zu zweit sind, oder ob es eine tischrunde ist, seine blicke, wenn er ein detail an ihr betrachtet, ihren nacken oder ihre ohren. sein scheues lächeln, wenn sie ihn dabei ertappt, was er denkt während er sie anschaut. während dem gespräch seinen seltsam zarten, gepflegten fingern

zuschauen, die mit den fingern seiner anderen hand spielen, vorweg nehmen wie es wäre, wenn sie mit ihr spielen würden. man sieht diesen fingern an, dass er nicht mit ihnen arbeitet, dass sie nicht werkzeuge sind sondern eher ein instrument, ein mittel zur übersetzung seiner worte in eine andere art sprache. seine hände wären sicher trocken und angenehm warm, wenn er sie streicheln würde. seine finger schauen aus, wie wenn sie sich zeit lassen würden, geduldig wären, um beispielsweise muster auf den bauch zu tupfen oder einem kleinen pulsieren am oberschenkel nachzuspüren. manchmal wenn sie zusammen essen, ist es nicht nur der gedankenaustausch und die diskussionen die sie erotisieren. dann schaut sie ihm anders zu, ist auf einen anderen übertragungskanal geschaltet und verliebt sich in seine art zu essen. in seine aufmerksamkeit und detailverliebtheit den speisen gegenüber, er geniesst es genauso wie er neue und überraschend zusammen gestellte gedanken, ideen und schlussfolgerungen geniesst. er versucht die zutaten zu erkosten sowie er auf den kern von aussagen oder problemen zustösst, sie filetiert um sie besser zu geniessen resp. verstehen zu können. und sie stellt sich vor, dass er auch so lieben würde – präzise, methodisch, aufmerksam, aber trotzdem verspielt und alles was sich anbietet neugierig untersuchend. vielleicht ebenso tabulos wie sein denken funktioniert, stellt sie sich vor. was sie auch erotisch findet sind seine kleinen, geheimen spiele mit ihr, das eine mal beispielsweise, als er sie plötzlich anschaute, fast fixierte mitten in einer grossen menschenmenge und diesen scheinbar belanglosen

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satz in seine ansprache einwob. die geräusche rundherum wurden ausgeblendet, der raum verlor seine farbe und die nun plötzlich heimatlose, abgezogene energie bündelte sich zwischen ihnen. sie spürte seine weiteren worte als berührung, wie merkwürdig das war, wie nah und vertraut, schon fast wie wenn er sie besitzen würde. dieses gefühl sagt sie, kennt sie gut: nicht nur der inhalt der gespräche erotisiert sie, es ist auch die art wie er redet, seine mimik, seine gestik. wie er sich beispielsweise bei grossen themen ereifert, er beginnt von innen zu glühen, seine gesten werden grösser, seine stimme wird anders, rauher, eindringlicher. sie weiss, sie würde bei ihm dasselbe auslösen, sie wäre auch ein grosses thema für ihn. im bett würde er so mit ihr reden, schneller als sonst, mit einer anderen stimme, mit kleinen pausen vor besonders gewagten gedanken. an speziellen, ganz seltenen abenden, in seltsam zeitlosen nächten, sind sie sich so nahe, dass es unklar ist ob es nicht doch geschehen wird. die zeit verrinnt, die erste kneipe schliesst und sie wechseln in die nächste. irgendwann stehen sie dann vor ihrer oder seiner haustür und beide wollen und wollen doch nicht. sie sagt dann jeweils, sie müsse am nächsten tag früh raus oder sie habe eine wichtige sitzung. besuch sei zu hause, den wolle man doch nicht stören. die wohnung sei nicht aufgeräumt und es habe nichts mehr zu trinken. diese augenblicke der bedrohten enthaltsamkeit, die nur ihre eigene dauer kennen und plötzlich, seltsam spröde, aber in gegenseitigem einverständnis abgebrochen werden. (vonfrau)

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k u l t u r m a g a z i n ausgabe nr. 1 | januar 2004 ● zum ende von bee-flat ● von möwen und menschen ● von menschen und medien ● i believe...

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