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KIRCHENMUSIK IN OBERWESEL

Sonntag, 10. Juli 2016 11:30 Uhr (nach dem Hochamt)

9. ORGELMATINEE Robert Schumann (1810-1956)

aus den Vier Skizzen (op. 58) III. Skizze f-Moll -----------------------------

Max Reger (1873-1916)

Erste Sonate fis-Moll (op. 33) - Phantasie - Intermezzo - Passacaglia

An der Eberhardt/Klais-Orgel:

Regionalkantor Lukas Stollhof, Oberwesel

Eintritt frei – Kollekte am Ausgang zugunsten der Kirchenmusik in Oberwesel

Lukas Stollhof (geboren 1980) studierte Kirchenmusik und Instrumentalpädagogik mit Hauptfach Orgel bei Prof. Dr. Ludger Lohmann in Stuttgart. Ein Stipendium der Rotary Foundation ermöglichte ihm ein einjähriges Studium am Conservatorium van Amsterdam bei Prof. Jacques van Oortmerssen, das er mit dem Examen Bachelor of Music abschloss. Danach absolvierte er in Stuttgart das A-Examen Kirchenmusik (Orgel bei Prof. Bernhard Haas), den Zusatzstudiengang Chorleitung/Oratorium/ Vokalensemble (Chorleitung bei Prof. Dieter Kurz) sowie das Solistenklassestudium Orgel bei Prof. Bernhard Haas. Lukas Stollhof war Stipendiat der Studienstiftung des Deutschen Volkes, Preisträger verschiedener Orgelwettbewerbe (u. a. Preisträger des ARD-Musikwettbewerbs 2011 in München und des Bachwettbewerbs 2008 in Leipzig) und Träger des Kulturpreises „Junge Künstler“ der Stadt Neuwied (2000). Bei Orgelkonzerten im In- und Ausland kommt sein breit gefächertes Repertoire von Frühbarock bis zur Moderne zum Einsatz. Er ist gefragter Begleiter von Chören und Solisten. Seine musikalische Vielseitigkeit zeigt sich nicht zuletzt in Komposition und Aufführung eigener Werke. Seit 2008 ist Lukas Stollhof als Regionalkantor in Oberwesel am Rhein und für das Bistum Trier tätig. Zum 200. Geburtstag der Komponisten Mendelssohn Bartholdy (2009), Robert Schumann (2010) und Franz Liszt (2011) spielte er jeweils deren gesamtes Orgelwerk in einem Konzertzyklus. Die Orgelkompositionen von Mendelssohn Bartholdy nahm er zudem 2009 auf zwei CDs auf. An der Robert Schumann Hochschule Düsseldorf hat Lukas Stollhof seit 2010 einen Lehrauftrag für Orgel. 2016 spielt er zum 100. Todesjahr von Max Reger dessen große Orgelwerke in einem Zyklus in der Liebfrauenkirche Oberwesel und nimmt diese für das Internetportal YouTube am Spieltisch auf. www.lukasstollhof.de


Erläuterungen Max Regers 1899 entstandene Erste Sonate fis-Moll (op. 33) ist ein gutes Beispiel für die Einflussnahme des Organisten und Freundes Karl Straube auf den Kompositionsprozess. Das handschriftliche Exemplar für Straube, der auch die Uraufführung (14. Juni 1899 in Essen) spielte, ist wohl anstelle von Briefen ausgetauscht worden, wenn der Komponist im Autograph auf Bleistiftanmerkungen des Organisten am Rand antwortet. In der Passacaglia (da noch „Ciacona“ genannt) klammert Reger zwei Variationen ein und bemerkt: „Die beiden eingeklammerten Variationen habe ich total anders gemacht!“. Weiterhin enthält das Straube-Exemplar taktelang überklebte Abschnitte; beigefügt sind zudem mehrere Seiten mit fünf weiteren Variationen: „Für Herrn Karl Straube hinzucomponirt. M. Reger“. Straube fand es wohl nicht überzeugend, dass die vorletzte Variation im pp endet und sich die letzte Variation im plötzlichen ff erhebt. In den eingefügten Variationen (die Sie auch heute hören werden) baut Reger für den Freund das ff der letzten Variation langsam auf. Phantasie Die Phantasie beginnt mit vollgriffigen Akkorden und drängt mit dem punktierten Rhythmus stetig voran. Nach dem Halbschluss auf der Dominante beginnt im pp eine Fuge zunächst in Achteln begleitet, nach der Exposition aller Stimmen mit Triolen um-

spielt und stetig lauter und bewegter werdend. Eine zweimalige Engführung drängt auf den Höhepunkt mit dem Fugenthema im rechten Fuß des Doppelpedals und den Punktierungen des Anfangs in den Händen. Eine kurze Reminiszenz an den Anfang beendet den ersten Satz. Intermezzo Eine ruhige, freie Melodie lässt einen langsamen Satz erwarten. Doch im virtuosen Mittelteil taucht wieder das Fugenthema des ersten Satzes auf und wird vom Pedal aus über die Mittelstimme bis in die Oberstimme weitergereicht. Dabei wird es mit schnellen Läufen, Akkorden und Trillern umspielt. Nach dem Höhepunkt bringt ein Decrescendo Beruhigung, aus der heraus die anfängliche Melodie den Satz beschließt. Passacaglia

Auch im Thema der Passacaglia kann man Anklänge des Fugenthemas aus der Phantasie wiederfinden. Es liegt fast ausschließlich im Pedal. Darüber erklingen 25 Variationen, die in ihrer Achttaktigkeit strukturell klar abgeschlossen und nachvollziehbar sind. Sowohl die ruhigen als auch die virtuosen Variationen verlangen in ihrer Stringenz dem Organisten alles ab, weswegen der Organist Alexander Wilhelm Gottschalg in seiner Rezension darauf hinweist, dass die Werke nur für „geistvolle und hochstrebende Orgelvirtuosen“ geeignet sind. Lukas Stollhof


9. Orgelmatinee: Lukas Stollhof, Oberwesel Sonntag, 10. Juli 2016, 11:30 Uhr – Liebfrauenkirche Oberwesel Begrüßung:

Sehr herzlich begrüße ich Sie zur 9. Orgelmatinee 2016. Heute spielt Lukas Stollhof Orgelwerke von Robert Schumann und Max Reger. Mit seiner Matinee setzt er den begonnenen Orgelzyklus „Vom Dunkel zum Licht“ im 100. Todesjahr von Max Reger fort. Ich wünsche Ihnen viel Freude dabei! Bei freiem Eintritt bitten wir am Ausgang um Ihre großzügige Spende, die nicht nur die Finanzierung der Matineereihe ermöglicht, sondern auch ein weiterer Beitrag zur dringend notwendigen Renovierung der Eberhardt/Klais-Orgel in der Liebfrauenkirche ist. Robert Schumann: Skizze f-Moll (op. 58,3) Nach einem Orgelabend 1901 mit Regers Erster Sonate und weiteren Regerwerken sah der Rezensent Kroyer Reger „schon heute unter den Vordersten der ersten Reihe“ stehen: „In den Orgelschöpfungen äußert sich mit souveräner Beherrschung aller Ausdrucksmittel eine beispiellose Kombinationskraft, eine Fähigkeit im Bilden und Formen, wie sie nur ganz Wenigen unsrer Tage bisher offenbar geworden ist“. Er lobte den freien Umgang mit den Themen, der Inhalt Reger ganz „erschöpft“ und deren „Materie“ er „durchsetzt mit intensiver Wärme (...) das ist Bach’scher Geist“. Reger selbst bezeichnet seine Sonate als „Ausflug ins Romantische“ und schreibt dem Komponist Rheinberger bei der Übersendung der Sonate dazu, sie sei „sehr schwer richtig genießbar zu machen und gehört sich schon ein sehr geistvoller Organist dazu.“ Max Reger: Erste Sonate fis-Moll (op. 33)

2016-07-10 Reger 5 (Lukas Stollhof, Oberwesel)  
2016-07-10 Reger 5 (Lukas Stollhof, Oberwesel)  

2016-07-10 Reger 5 (Lukas Stollhof, Oberwesel)

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