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Liebfrauenkirche Oberwesel Palmsonntag, 20. März 2016 – 18:00 Uhr

Max-Reger-Orgelzyklus 2016 „Vom Dunkel zum Licht“

Konzert 2: Orgelmusik zur Passionszeit

Max Reger (1873-1916) Johannes Brahms (1833-1897) Max Reger

Phantasie über den Choral „Freu dich sehr, o meine Seele“ (op. 30) Fuge as-Moll (WoO 8) „Schmücke dich, o liebe Seele“ (op. posthum 122,5) Symphonische Phantasie und Fuge (op. 57)

Regionalkantor Lukas Stollhof, Orgel Eintritt frei – Ihre Spende am Ausgang benötigen wir, um unsere Liebfrauenorgel zu renovieren. Vielen Dank! __________________________________________________________________________________________________ Lukas Stollhof (geboren 1980) studierte Kirchenmusik und Instrumentalpädagogik mit Hauptfach Orgel bei Prof. Dr. Ludger Lohmann in Stuttgart. Ein Stipendium der Rotary Foundation ermöglichte ihm ein einjähriges Studium am Conservatorium van Amsterdam bei Prof. Jacques van Oortmerssen, das er mit dem Examen Bachelor of Music abschloss. Danach absolvierte er in Stuttgart das AExamen Kirchenmusik (Orgel bei Prof. Bernhard Haas), den Zusatzstudiengang Chorleitung/ Oratorium/Vokalensemble (Chorleitung bei Prof. Dieter Kurz) sowie das Solistenklassestudium Orgel bei Prof. Bernhard Haas. Lukas Stollhof war Stipendiat der Studienstiftung des Deutschen Volkes, Preisträger verschiedener Orgelwettbewerbe (u. a. Preisträger des ARD-Musikwettbewerbs 2011 in München und des Bachwettbewerbs 2008 in Leipzig) und Träger des Kulturpreises „Junge Künstler“ der Stadt Neuwied (2000). Bei Orgelkonzerten im In- und Ausland kommt sein breit gefächertes Repertoire von Frühbarock bis zur Moderne zum Einsatz. Er ist gefragter Begleiter von Chören und Solisten. Seine musikalische Vielseitigkeit zeigt sich nicht zuletzt in Komposition und Aufführung eigener Werke. Seit 2008 ist Lukas Stollhof als Regionalkantor in Oberwesel am Rhein und für das Bistum Trier tätig. Zum 200. Geburtstag der Komponisten Mendelssohn Bartholdy (2009), Robert Schumann (2010) und Franz Liszt (2011) spielte er jeweils deren gesamtes Orgelwerk in einem Konzertzyklus. Die Orgelkompositionen von Mendelssohn Bartholdy nahm er zudem 2009 auf zwei CDs auf. An der Robert Schumann Hochschule Düsseldorf hat Lukas Stollhof seit 2010 einen Lehrauftrag für Orgel. Im 100. Todesjahr von Max Reger 2016 spielt er einen Orgelzyklus mit den fünfzehn großen Werken dieses Komponisten (www.lukasstollhof.de)

Nächstes Konzert: Sonntag, 08. Mai 2016, 11:30 Uhr, Liebfrauenkirche Oberwesel Reger-Konzert 3: 1. Orgelmatinee Max Reger: Choralphantasie „Wie schön leucht’t uns der Morgenstern“ (op. 40,1) Lukas Stollhof, Liebfrauenorgel Oberwesel


M. Reger: Phantasie über den Choral „Freu dich sehr, o meine Seele“ (op. 30, etwa 21 Minuten) In dieser frühen Choralphantasie (entstanden 1898) orientiert sich Reger noch stark an seinem barocken Vorbild Bach. So beginnt die Introduktion mit einer Solokadenz in der Haupttonart F-Dur, die in einen großen akkordischen Satz (Pedaltriller) mündet; nach dem leisen Abschluss hebt eine zweistimmige Invention jetzt in der Dominanttonart C-Dur an, die ebenfalls zu großen Akkorden führt. Die Introduktion endet mit einem leise fugierten Teil, dessen Thema an den Choral „Ein feste Burg ist unser Gott“ erinnert.

Die Choralphantasie dazu (op. 27) war ursprünglich als op. 27a geplant: op. 30 sollte demnach op. 27b heißen. 1. Freu dich sehr, o meine Seele, und vergiß all’ Not und Qual, „Barockes“ Trio mit der Melodie in der weil dich nun Christus, dein Herre, ruft aus diesem Jammerthal. Mittelstimme. Aus Trübsal und großem Leid sollst du fahren in die Freud, Am Ende das „Ein-feste-Burg“-Motiv als die kein Ohr je hat gehöret, und in Ewigkeit auch währet. Überleitung zur 2. Strophe 2. Tag und Nacht hab ich gerufen zu dem Herren, meinem Gott, Stark verzierte Strophe in d-Moll weil mich stets viel Kreuz betroffen, daß er mir hülf aus der Not. (Melodie beginnt auch zwei Töne tiefer) Wie sich sehnt ein Wandersmann, daß sein Weg ein End mög han: Überleitung mit „Ein-feste-Burg“-Motiv so hab ich gewünschet eben, daß ich enden mög mein Leben. wird lauter und schneller, führt zur... 3. Die Welt, Teufel, Sünd und Hölle, unser eigen Fleisch und Blut - 3. Strophe, Melodie zunächst in der plagen stets hier unsre Seele, lassen uns bei keinem Mut. Mitte, umgeben von wilden Läufen Wir sind voller Angst und Plag, lauter Kreuz sind unsre Tag: - Melodie oben, Läufe und Triller dazu wann wir nur geboren werden, Jammer g’nug findt sich auf Erden. - Beruhigung: langsamer und leiser 4. Wenn die Morgenröt herleuchtet, und der Schlaf sich von uns wendt, Überleitung mit Zitat „Aus tiefer Not“ + Sorg und Kummer daher streichet, Müh sich findt an allem End: „Wie schön leuchtet der Morgenstern“ unsre Thränen sind das Brot, so wir essen früh und spat; - Melodie im Pedal, dazu Seufzermotive; wenn die Sonn hört auf zu scheinen, hört nicht auf das bittre Weinen. Steigerung; letzte Zeile fällt zusammen 5. Drum, Herr Christ, du Morgensterne, der du ewiglich aufgehst, Überleitung mit „Ein-feste-Burg“-Motiv - sei du jetzt von mir nicht ferne, weil mich dein Blut hat erlöst; Stark verzierte Strophe in F-Dur hilf, daß ich mit Fried und Freud mög von hinnen fahren heut. (Melodie beginnt zwei Töne höher) Ach, sei du mein Licht und Straße, mich mit Beistand nicht verlasse. Überleitung mit „Ein-feste-Burg“-Motiv 6. Ob mir schon die Augen brechen, ob mir das Gehör verschwindt, - Melodie fast „unhörbar“ in der Mitte, meine Zung nichts mehr kann sprechen, mein Verstand sich nicht besinnt, umgeben von abfallenden Seufzern bist du doch mein Licht, mein Hort, bist mein Leben, Weg und Pfort, - Melodie hörbar, stetige Steigerung, du wirst selig mich regieren und die Bahn zum Himmel führen. Überleitung mit „Ein-feste-Burg“-Motiv 7. Freu dich sehr, o meine Seele, und vergiß all’ Not und Qual, - Melodie im doppelten Kanon weil dich nun Christus, dein Herre, ruft aus diesem Jammerthal; - Melodie im dreifachen Kanon seine Freud und Herrlichkeit sollst du sehn in Ewigkeit, - große Akkorde, hymnischer Abschluss mit den Engeln jubilieren, in Ewigkeit triumphieren.

M. Reger: Symphonische Phantasie und Fuge (op. 57, etwa 31 Min.) Op. 57 schrieb Reger im Jahre 1901. Das orchestral konzipierte Stück ist sowohl für den Ausführenden wie für das Publikum eine große Herausforderung. In einem Brief an Gustav Beckmann teilte Reger mit, er sei durch Dantes Inferno dazu angeregt worden, und er bezeichnete die Komposition als das Schwierigste, was er für Orgel geschrieben habe. Nach dem stürmischen Beginn der Phantasie wird in einem kurzen, leisen Teil das triolische Motiv vorgestellt, bevor

das abwärts steigende Hauptmotiv durchgeführt und in immer schnelleren Läufen zum Höhepunkt geführt wird. Beruhigung bringt der leise Mittelteil quasi Adagio, der hauptsächlich mit dem Hauptmotiv spielt. Die Reprise bringt den stürmischen Beginn und das darauf Folgende in kurzer Form zurück und leitet in den fulminanten Schluss. In der Fuge wird zunächst das vitale erste Thema (Allegro brillante e vivacissimo) vorgestellt.

Erst im Pianissimo danach erklingt das zweite Thema. Nach einem Zwischenspiel werden beide Themen kombiniert

und in den für Reger typischen apotheotischen Schluss geführt.

Lukas Stollhof


Reger-Konzert 2: Palmsonntag, 20. März 2016, 18 Uhr Ich begrüße Sie sehr herzlich zum zweiten Konzert des diesjährigen Max-Reger-Orgelzyklus’ „Vom Dunkel zum Licht“ anlässlich des 100. Todesjahres dieses bedeutenden spätromantischen Komponisten. Regionalkantor Lukas Stollhof spielt uns heute zwei weitere der 15 großen Orgelwerke, die in diesem Zyklus erklingen werden. Damit soll nicht nur auf Max Reger aufmerksam gemacht werden, sondern auch auf unsere Eberhardt/Klais-Orgel, die dringend renoviert werden muss. Deshalb bitten wir Sie am Ausgang um Ihre großzügige Spende, damit unsere Königin wieder gesund wird! Das erste Orgelwerk des heutigen Konzertes heißt Phantasie über den Choral „Freu dich sehr, o meine Seele“ (op. 30). Zusammen mit dem Gegenstück, der Phantasie über den Choral „Ein feste Burg ist unser Gott“ (op. 27) sollte sie ursprünglich als op. 27a+b erscheinen. Über „Ein feste Burg“ sagt er selber: „Ich habe das Werk selbst vor 8 Tagen gespielt, u. die Wirkung ist, ohne mir zu schmeicheln, grandios – es ist das Beste, was ich bisher geschrieben.“ – „Wir müssen eben nur die Errungenschaften des modernen Orgelbaus ausnüzten – u. dann Bach’sche Kompositionart für Orgel anwenden! So denke ich mir unseren deutschen Orgelstyl (vielleicht der „Zukunft“).“ Der Choraltext von op. 30 handelt von Sünde und Hölle, Not und Todesangst, von menschlichen Irrwegen und – dem Kerngedanken in Regers religiösem Denken – der Hoffnung, durch Christus erlöst zu werden: vom Dunkel zum Licht! M. Reger: Phantasie über den Choral „Freu dich sehr, o meine Seele“ (op. 30) Reger hatte mit Johannes Brahms immerhin brieflich in Kontakt gestanden, als er ihm seine Suite op. 16 für Orgel widmete. Brahms gehörte wie Bach und Beethoven zu den drei großen Bs, Regers größten Vorbildern. In seiner traurig-schönen Fuge as-Moll besteht das Thema aus einer zweimaligen Seufzerfigur und einem Nachsatz. Das Thema wird nicht nur gespiegelt, sondern unter anderem von einem B-A-C-H-Motiv begleitet. J. Brahms: Fuge as-Moll und Choralvorspiel „Schmücke dich, o liebe Seele“ Den Zusatz „Symphonische Phantasie und Fuge“ trägt op. 57, weil die Orgel wie ein Orchester eingesetzt wird, im dynamischen Aufbau wie auch in den Klangfärbungen den Symphonischen Dichtungen der Neudeutschen (Komponisten) entsprechend, ebenso in der musikalischen Struktur und der motivischen Entwicklung. Zum programmatischen Inhalt sagt der Komponist später: „Op. 57 ist angeregt durch Dantes „Inferno“! Das dürfte Ihnen wohl alles Wissenswerte sagen, op. 57 ist das schwierigste meiner bisherigen Orgelwerke. Mehr kann ich Ihnen darüber nicht sagen, da es mir zu sehr widerstrebt, „Programme“ zu meinen Sachen zu liefern!“ Speziell das Szenarium des dritten Gesangs aus Dantes „Göttlicher Komödie“ und die berühmte Überschrift des Höllentors „Laßt alle Hoffnung hinter euch, Ihr, die Ihr eintretet“ könnten Reger inspiriert haben. Später spricht er jedoch vom „allgemeinen Gefühlsgehalt“, den er in seiner Musik übernommen habe. Von seinem Freund Karl Straube, der auch dieses Werk uraufführte, berichtet Reger: „Straube schimpft, daß op. 57 so unmenschlich schwer sei! Ich wette, in 4 Wochen kann ers tadellos“ M. Reger: Symphonische Phantasie und Fuge (op. 57)

2016-03-20 Reger-Konzert2 Orgelkonzert zur Passionszeit, Lukas Stollhof, Oberwesel  
2016-03-20 Reger-Konzert2 Orgelkonzert zur Passionszeit, Lukas Stollhof, Oberwesel  

2016-03-20 Reger-Konzert2 Orgelkonzert zur Passionszeit, Lukas Stollhof, Oberwesel

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