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Liebfrauenkirche Oberwesel Samstag, 13. Februar 2016 – 19:00 Uhr

Max-Reger-Orgelzyklus 2016 „Vom Dunkel zum Licht“

Konzert 1: Orgelmusik zur Fastenzeit

Max Reger (1873-1916) Johann Christian Kittel (1732-1809) Max Reger

Introduktion, Passacaglia und Fuge e-Moll (op. 127) Einige Veränderungen über das geistliche Volkslied „Straf mich nicht in deinem Zorn“ Choral und vier Veränderungen Phantasie über den Choral „Straf mich nicht in deinem Zorn“ (op. 40,2)

Regionalkantor Lukas Stollhof, Orgel Eintritt frei – Ihre Spende am Ausgang benötigen wir, um unsere Liebfrauenorgel zu renovieren. Vielen Dank! __________________________________________________________________________________________________

Lukas Stollhof (geboren 1980) studierte Kirchenmusik und Instrumentalpädagogik mit Hauptfach Orgel bei Prof. Dr. Ludger Lohmann in Stuttgart. Ein Stipendium der Rotary Foundation ermöglichte ihm ein einjähriges Studium am Conservatorium van Amsterdam bei Prof. Jacques van Oortmerssen, das er mit dem Examen Bachelor of Music abschloss. Danach absolvierte er in Stuttgart das AExamen Kirchenmusik (Orgel bei Prof. Bernhard Haas), den Zusatzstudiengang Chorleitung/ Oratorium/Vokalensemble (Chorleitung bei Prof. Dieter Kurz) sowie das Solistenklassestudium Orgel bei Prof. Bernhard Haas. Lukas Stollhof war Stipendiat der Studienstiftung des Deutschen Volkes, Preisträger verschiedener Orgelwettbewerbe (u. a. Preisträger des ARD-Musikwettbewerbs 2011 in München und des Bachwettbewerbs 2008 in Leipzig) und Träger des Kulturpreises „Junge Künstler“ der Stadt Neuwied (2000). Bei Orgelkonzerten im In- und Ausland kommt sein breit gefächertes Repertoire von Frühbarock bis zur Moderne zum Einsatz. Er ist gefragter Begleiter von Chören und Solisten. Seine musikalische Vielseitigkeit zeigt sich nicht zuletzt in Komposition und Aufführung eigener Werke. Seit 2008 ist Lukas Stollhof als Regionalkantor in Oberwesel am Rhein und für das Bistum Trier tätig. Zum 200. Geburtstag der Komponisten Mendelssohn Bartholdy (2009), Robert Schumann (2010) und Franz Liszt (2011) spielte er jeweils deren gesamtes Orgelwerk in einem Konzertzyklus. Die Orgelkompositionen von Mendelssohn Bartholdy nahm er zudem 2009 auf zwei CDs auf. An der Robert Schumann Hochschule Düsseldorf hat Lukas Stollhof seit 2010 einen Lehrauftrag für Orgel. Im 100. Todesjahr von Max Reger 2016 spielt er einen Orgelzyklus mit den fünfzehn großen Werken dieses Komponisten (www.lukasstollhof.de)

Nächstes Konzert: Palmsonntag, 20. März 2016, 18 Uhr, Liebfrauenkirche Oberwesel Reger-Konzert 2: Orgelmusik zur Passion Max Reger: op. 33 und op. 57, dazu Orgelwerke von J. Brahms Lukas Stollhof, Liebfrauenorgel Oberwesel


M. Reger: Introduktion, Passacaglia und Fuge e-Moll (op. 127) Die Introduktion (etwa 6 Minuten) stellt mit mächtigen Akkorden, wilden Läufen und einer großen Crescendo-Welle die Tonart e-Moll vor; ein wiederkehrender leiser Teil mit Solostimme sorgt für Struktur und bringt die Beruhigung vor der Passacaglia.

Das Thema der Passacaglia (etwa 16 Minuten) liegt fast ausschließlich im Pedal. Darüber erklingen 26 Variationen, die in ihrer Achttaktigkeit strukturell klar abgeschlossen und nachvollziehbar sind.

In der Fuge (etwa 11,5 Minuten) wird das erste Fugenthema mit seinem scherzohaft hüpfenden Duktus sehr ausführlich durchgeführt. In einem flirrenden Zwischenspiel sind kleine motivische Imitationen zu hören, bevor das Fugenthema zurückkehrt und eine große Steigerung erfährt. Auf deren Höhepunkt (nach ¾ der Fuge!) setzt erst das zweite Thema im pp ein:

Nach einer relativ kurzen Durchführung und Steigerung werden beide Themen zur gewaltigen Schlusssteigerung miteinander kombiniert.

M. Reger: Phantasie über den Choral „Straf mich nicht in deinem Zorn“ (op. 40,2, etwa 18 Min.)

Introduktion 1. Straf mich nicht in deinem Zorn, großer Gott verschone! Ach lass mich nicht sein verlorn, nach Verdienst nicht lohne! Hat die Sünd dich entzündt, lösch ab in dem Lamme deines Grimmes Flamme. 2. Herr, wer denkt im Tode dein? Wer denkt in der Höllen? Rette mich aus jener Pein der verdammten Seelen, dass ich dir für und für dort an jenem Tage, höchster Gott, Lob sage. 4. Ach sieh mein Gebeine an, wie sie all erstarren; meine Seele gar nicht kann deiner Hilfe harren; ich verschmacht, Tag und Nacht muss mein Lager fließen von den Tränengüssen. 5. Ach ich bin so müd und matt von den schweren Plagen; mein Herz ist der Seufzer satt, die nach Hilfe fragen: wie so lang machst du bang meiner armen Seele in der Schwermuthshöhle? 6. Weicht, ihr Feinde, weicht von mir, Gott erhört mein Beten. Nunmehr darf ich mit Begier vor dein Antlitz treten. Teufel, weich! Hölle fleuch! Was mich vor gekränket, hat mir Gott geschenket. 7. Vater, dir sei ewig Preis hier und auch dort oben, wie auch Christo gleicherweis, der allzeit zu loben; Heilger Geist, sei gepreist, hoch gerühmt, geehret, dass du mich erhöret.

Ausdruck von Aufschrei + Zusammenbruch - ganz zarter Choral, Melodie (M.) oben - über der M. kommt von oben Hilfe her - unter der M. rankt sich die Sünde; Ende pp, direkter Übergang zur 2. Strophe - M. im Pedal, dazu wilde Läufe + Akkorde - Schneller Abwärtslauf, Pedaltremolo - M. entspannt von 16teln begleitet, dann kurze Steigerung, wieder Zusammenbruch - M. mit Seufzern und steten Abwärtslinien - Phrase startet lauter und fällt zusammen - Dynamisches Auf und Ab, letztlich Zusammenbruch - einheitlicher Duktus: M. bis zur Unkenntlichkeit verziert in der Solostimme als Ausdruck der mystischen Textstimmung, des Nicht-Verstehen-Könnens, Ende leise - M. im Pedal + wilde ff-Akkorde („Feinde“) - „Beten“: flehentliche M. im pianissimo - „Teufel“: ff-Akkorde, dann verzierte M. („Gott geschenket“), Cresc.-Überleitung zur - abschließenden Str. (Lob auf den dreieinigen Gott für die Rettung): M. immer in der Oberstimme, von langen Zw.-spielen unterbrochen, Apotheose, keine Fuge!


Reger-Konzert 1: Samstag, 13. Februar 2016, 19 Uhr

Ich begrüße Sie sehr herzlich zum ersten Konzert des diesjährigen Max-Reger-Orgelzyklus’ „Vom Dunkel zum Licht“ anlässlich des 100. Todesjahres dieses bedeutenden spätromantischen Komponisten. Regionalkantor Lukas Stollhof spielt uns heute die ersten beiden der 15 großen Orgelwerke, die in diesem Zyklus erklingen werden. Damit soll nicht nur auf Max Reger aufmerksam gemacht werden, sondern auch auf unsere Eberhardt/Klais-Orgel, die dringend renoviert werden muss. Deshalb bitten wir Sie am Ausgang um Ihre großzügige Spende, damit unsere Königin wieder gesund wird!

Das erste Orgelwerk des heutigen Abends heißt „Introduktion, Passacaglia und Fuge e-Moll“ (op. 127). Diese Komposition war ein Auftragswerk der Stadt Breslau zur Einweihung der „Riesenorgel“ in der dortigen Jahrhunderthalle. Schon während der Komposition schreibt er seinem Freund Fritz Stein, dass sein neues Werk wieder auf alle Vorwürfe seiner Kritiker antworten wird:

„Ich arbeite jetzt an op. 127: Introduktion, Passacaglia und Fuge e-Moll für Orgel! Das Werk ist klassisch durchsichtig; ich mache Front gegen alle „Verstiegenheit“, gegen alle „Überladenheit“ etc. etc. in jeder Beziehung.“

Für die Durchsichtigkeit bietet sich neben der Fuge die Form der Passacaglia, ursprünglich ein spanischer Volkstanz, an. Hierbei wird ein achttaktiges Ostinato immer wiederholt; darüber erklingen Variationen, die in ihrer Periodik für den Hörer gut nachzuvollziehen sind und in denen Orgel und Organist das ganze Spektrum ihrer Möglichkeiten zeigen können.

M. Reger: Introduktion, Passacaglia und Fuge e-Moll (op. 127)

Nach der Uraufführung am 24. September 1913 schrieb Reger flehentlich an seinen Freund Karl Straube, der das Werk in Breslau gespielt hatte:

„Mein Lieber! Bitte, habe die große Freundlichkeit, mir baldmöglichst Nachricht zukommen zu lassen wie es in Breslau war – wie hat op. 127 geklungen? Klang es so „fremdartig“, wie hiesige Zeitungen berichten? Bitte, schreib mir sofort ausführlich!“

Die Melodie zu dem Choral „Straf mich nicht in deinem Zorn“ findet sich heute in unserem neuen Gotteslob mit dem Text „Herr, ich bin dein Eigentum“. Um die Melodie vorzustellen, hören wir sie in Bearbeitungen des Bach-Schülers Johann Christian Kittel.

J. Chr. Kittel: Einige Veränderungen ü. d. geistliche Volkslied „Straf mich nicht in deinem Zorn“

Über seine Choralphantasie schrieb Reger gegenüber seinem Freund Georg Stolz 1901:

Es ist ein miserabel schweres Stück Musik! Allein bei meiner Neigung zur Mystik konnte es nicht gut ‚leichter‘ ausfallen.“

Aus seiner Neigung zur Mystik heraus wird Reger diesen Choral ausgewählt haben. Denn er beschreibt die menschlichen Qualen und Sünden des irdischen Lebens, aus denen der letzten Strophe nach Gott den Menschen rettet. So zeigt die textliche Grundlage bereits den Weg „vom Dunkel zum Licht“ auf, den Reger musikalisch ausdeutet. Dazu finden Sie auf der Rückseite Ihres Programms zu jeder Textzeile die musikalische Entsprechung.

Einem oft gehörten Vorwurf begegnet Reger in einem Brief an seinen Freund Gustav Beckmann:

„Meine Orgelsachen sind schwer, es gehört ein über die Technik souverän herrschender geistvoller Spieler dazu (…) Man macht mir oft den Vorwurf, dass ich absichtlich so schwer schreibe; gegen diesen Vorwurf habe ich nur eine Antwort, dass keine Note zuviel darin steht.“

M. Reger: Phantasie über den Choral „Straf mich nicht in deinem Zorn“ (op. 40,2)

2016 02 13 Reger Konzert 1  
2016 02 13 Reger Konzert 1  

2016 02 13: Reger-Konzert 1 in Oberwesel, Lukas Stollhof

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