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Liebfrauenkirche Oberwesel Sonntag, 09. Oktober 2011, 18:00 Uhr

Orgel-Zyklus „200 Jahre Franz Liszt“ Konzert III: Orgel solo Programm Otto Nicolai (1810-1849)

Kirchliche Festouvertüre über den Choral “Ein feste Burg ist unser Gott” op. 31 (für Orgel gesetzt von Franz Liszt)

Johann Sebastian Bach (1685-1750)

”Ein feste Burg ist unser Gott” (BWV 720)

Max Reger (1873-1916)

Choralphantasie “Ein feste Burg ist unser Gott” (op. 27, 1898)

Naji Hakim (* 1955)

Arabesques (2011) I. Prélude – II. Pastorale – III. Libanaise IV. Arabesque – V. Litanie – VI. Rondeau

Charles H. H. Parry (1848-1918)

Choralphantasie “O God our help”

Franz Liszt (1811-1886)

Praeludium und Fuge über den Namen B-A-C-H (1870)

Lukas Stollhof, Orgel Eintritt frei – Kollekte am Ausgang zugunsten der Kirchenmusik in Oberwesel __________________________________________________________________________________ Lukas Stollhof (geboren 1980) studierte Kirchenmusik und Instrumentalpädagogik mit Hauptfach Orgel bei Prof. Dr. Ludger Lohmann in Stuttgart. Ein Stipendium der Rotary Foundation ermöglichte ihm ein einjähriges Studium am Conservatorium van Amsterdam bei Prof. Jacques van Oortmerssen, das er mit dem Examen Bachelor of Music abschloss. Danach absolvierte er in Stuttgart das A-Examen Kirchenmusik (Orgel bei Prof. Bernhard Haas), den Zusatzstudiengang Chorleitung/Oratorium/Vokalensemble (Chorleitung bei Prof. Dieter Kurz) sowie das Solistenklassestudium Orgel bei Prof. Bernhard Haas. Lukas Stollhof war Stipendiat der Studienstiftung des Deutschen Volkes, Preisträger verschiedener Orgelwettbewerbe (u. a. Preisträger des ARD-Musikwettbewerbs 2011 in München und des Bachwettbewerbs 2008 in Leipzig) und Träger des Kulturpreises „Junge Künstler“ der Stadt Neuwied (2000). Bei Orgelkonzerten im In- und Ausland kommt sein breit gefächertes Repertoire von Frühbarock bis zur Moderne zum Einsatz. Er ist gefragter Begleiter von Chören und Solisten und beweist sein musikalisches Können daneben immer wieder durch Komposition und Aufführung eigener Werke. Seit 2008 ist Lukas Stollhof als Regionalkantor in Oberwesel am Rhein und für das Bistum Trier tätig. Im Mendelssohn-Jahr 2009 führte er das gesamte Orgelwerk dieses Komponisten auf und spielte es auf zwei CDs ein. An der Robert Schumann Hochschule Düsseldorf hat Lukas Stollhof seit 2010 einen Lehrauftrag für Orgel.


Erläuterungen zum Programm Im ersten Teil des Programms hören Sie drei Vertonungen der Melodie von Martin Luthers Choral „Ein feste Burg ist unser Gott“.

Carl Otto Ehrenfried Nicolai wurde vor allem durch seine Oper Die lustigen Weiber von Windsor bekannt; außerdem gründete er die Wiener Philharmoniker. Kirchliche Festouvertüre über den Choral "Ein feste Burg ist unser Gott" für Orchester, Chor und Orgel entstand zur 300-Jahrfeier der Universität Königsberg; Franz Liszt transkribierte das Werk für Orgel. Bachs Choralvorspiel (BWV 720) – eine dreistimmige Orgelbearbeitung aus dem Jahr 1709 – ist ein Frühwerk, das eher dem norddeutschen Stylus phantasticus folgt, als dass es durch formale Geschlossenheit besticht. In seiner ersten Choralphantasie (op. 27) weist Max Reger schon weit ins 20. Jahrhundert voraus. Er verschachtelt die ersten beiden Strophen in zwei verschiedenen Tonarten quasi bitonal ineinander, sodass sich die Zeilen der 1. Strophe – trioartig angelegt – in D-Dur mit denen der 2. Strophe im Fortissimo in B-Dur abwechseln. Die 3. Strophe beginnt mit dem Text „Und wenn die Welt voll Teufel wär und wollt uns gar verschlingen“; dazu lässt Reger die Melodie im rechten Fuß von wilden Akkordbrechungen umspielen. Die letzte Strophe erklingt in diesem Frühwerk noch nicht im Rahmen einer Fuge, doch eine erste Fugenexposition ist auszumachen und die Vielzahl der Zitate der ersten Melodiezeile lassen eine Fuge erahnen. Naji Hakims „Arabesques“ entstand als Auftragskomposition für den "Internationalen Musikwettbewerb der ARD" München 2011. Hakim selbst schreibt dazu: „Gesang und Tanz stehen im Mittelpunkt dieser Orgelsuite. Sie lebt von wechselseitigen Einflüssen aus Jazz und mediterraner Volksmusik. Die sechs Sätze unterscheiden sich durch ihre melodischen Linien, kirchentonale Harmonik und unregelmäßige Metrik und sind in ihrem Ausdruck vom Affekt der Freude inspiriert.“ Der Text des Liedes „O God our help“ wird in England traditionell zur Hymnenmelodie „St. Anne“ gesungen, die William Croft komponierte. Da die erste Melodiezeile mit Bachs großer Es-Dur-Fuge aus BWV 552 übereinstimmt, trägt Bachs Werk oft fälschlicherweise den Beinamen „St. Anne“. Charles H. H. Parry ist einer der beliebtesten britischen Komponisten. Er vertont den Choral in seiner Phantasie abschnittsweise, wobei erst nach einigen Vorimitationen die jeweilige Zeile in langen Tönen erscheint. Mit seinem berühmten Praeludium und Fuge über den Namen B-A-C-H wollte Franz Liszt eine Hommage an sein großes Vorbild schreiben. Inhaltlich weicht der Komponist aber doch stark von der Einheitlichkeit Bachscher Werke ab. Vielmehr stellt das Werk einen Versuch dar, das Tonmotiv BACH aus verschiedenen Perspektiven zu betrachten. Im Praeludium erfolgt dies durch den Wechsel von kräftigen Akkordfolgen (verminderte Septakkorde) mit virtuosen Läufen und Kaskaden sowie dynamischen Steigerungen und Abfällen. Die Fuge beginnt im „pp misterioso“, führt das Thema lehrbuchmäßig in vier Stimmen ein, wendet sich dann aber ganz vom Thema ab zugunsten virtuoser Variationen des BACH-Motivs. Damit knüpft Liszt an die Idee der „abschnittsweise phrasierten Fuge“ seines Lehrers Anton Reicha (Paris) an, bei der die Durchführungen Lukas Stollhof des Themas immer wieder von themenfremden Teilen unterbrochen werden.


2011-10-09 Liszt 3