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Liebfrauenkirche Oberwesel Pfingstsonntag, 12. Juni 2011, 19:00 Uhr

Orgel-Zyklus „200 Jahre Franz Liszt“ Konzert II: Querflöte und Orgel Programm Franz Liszt (1811–1886)

Orpheus (Symphonische Dichtung) für Orgel

Johann Sebastian Bach (1685–1750)

aus der Sonata E-Dur für Flöte und Basso Continuo (BWV 1035) I. Adagio ma non tanto II. Allegro IV. Allegro assai

Franz Liszt

Evocation à la Chapelle Sixtine für Orgel

aus der Ungarischen Krönungsmesse Offertorium für Flöte und Orgel

Einleitung zur „Legende von der Heiligen Elisabeth“ für Orgel

Felix Mendelssohn Bartholdy (1809–1847)

Sonate F-Dur (1820) für Flöte und Orgel I. Allegro II. Andante III. Presto

Nele Lamersdorf, Querflöte Lukas Stollhof, Orgel Eintritt frei – Kollekte am Ausgang zugunsten der Kirchenmusik in Oberwesel __________________________________________________________________________________ Die Flötistin Nele Lamersdorf wurde in Hamburg geboren und studierte am Mozarteum Salzburg bei Prof. Michael Martin Kofler und am Conservatoire National Superieur de Paris bei Prof. Sophie Cherrier. Sie ist Preisträgerin des Wettbewerbes „Jugend musiziert“, des „Karel-Kunc-Wettbewerbs“, des „Lions Club-Musikwettbewerbs“ und spielte bereits zahlreiche Uraufführungen zeitgenössischer Komponisten, unter anderem von Sidney Corbett. Seit 2009 ist Nele Lamersdorf Stipendiatin der „Rhein-Neckar-Akademie“ und musiziert in diesem Rahmen im Nationaltheater Mannheim, der Staatphilharmonie Rheinland-Pfalz, dem Kurpfälzischen Kammerorchester und bei den Heidelberger Philharmonikern. Ab Herbst 2011 ist sie als zweite Flötistin bei den Stuttgarter Philharmonikern engagiert.


Lukas Stollhof (geboren 1980) studierte Kirchenmusik und Instrumentalpädagogik mit Hauptfach Orgel bei Prof. Dr. Ludger Lohmann in Stuttgart. Ein Stipendium der Rotary Foundation ermöglichte ihm ein einjähriges Studium am Conservatorium van Amsterdam bei Prof. Jacques van Oortmerssen, das er mit dem Examen Bachelor of Music abschloss. Danach absolvierte er in Stuttgart das A-Examen Kirchenmusik (Orgel bei Prof. Bernhard Haas), den Zusatzstudiengang Chorleitung/Oratorium/Vokalensemble (Chorleitung bei Prof. Dieter Kurz) sowie das Solistenklassestudium Orgel bei Prof. Bernhard Haas. Lukas Stollhof war Stipendiat der Studienstiftung des Deutschen Volkes, Preisträger verschiedener Orgelwettbewerbe (u. a. Bachpreisträger in Leipzig 2008) und Träger des Kulturpreises „Junge Künstler“ der Stadt Neuwied (2000). Sein musikalisches Können bewies er daneben auch durch Komposition und Aufführung eigener Werke. An der Stuttgarter Hochschule hatte er ein Tutorium für Gehörbildung sowie für Chor- und Orchesterleitung inne. Seit 2008 ist Lukas Stollhof als Regionalkantor in Oberwesel am Rhein und für das Bistum Trier tätig. Darüber hinaus ist er gefragter Begleiter von Chören und Solisten. Bei Orgelkonzerten im In- und Ausland kommt sein breit gefächertes Repertoire von Frühbarock bis zur Moderne zum Einsatz. Im MendelssohnJahr 2009 führte er das gesamte Orgelwerk dieses Komponisten auf und spielte es auf zwei CDs ein. An der Robert Schumann Hochschule Düsseldorf hat Lukas Stollhof seit 2010 einen Lehrauftrag für Orgel. __________________________________________________________________________________ Erläuterungen zum Programm Orpheus: Als Liszt im Winter 1853/54 für das Weimarer Opernhaus den „Orpheus“ von Christoph Willibald Gluck einstudierte, entschloss er sich, die Oper mit einer zusätzlichen Orchestereinleitung und einem Epilog zu versehen. Das Vorspiel gab er später als eigenständige sinfonische Dichtung heraus. Liszt sah in Orpheus ein Symbol der ethischen Kraft der Musik, die Harmonie und Versöhnung stiftet. In einem Brief schrieb er: „Bei der Komposition schwebte mir die Orpheus-Gestalt einer Etruskervase vor Augen, jenes Bild, wie der Liedersänger mit seiner Laute und seinem Gesang sogar die Steine rührt.“ Im Gegensatz zu den meisten anderen sinfonischen Dichtungen zielt der „Orpheus“ nicht auf thematische Kontrastierung. Stattdessen gibt es einen durchgehenden Strom von wohlklingenden Melodien und Harmonien, die das Bild einer idyllischen Vorzeit heraufbeschwören sollen. Evocation à la Chapelle Sixtine ist ein höchst ungewöhnliches Werk, angeregt durch zwei ganz unterschiedliche Motetten, die Liszt in der Sixtinischen Kapelle hörte: das Miserere mei deus von Gregorio Allegri (1582–1652) und Mozarts Ave verum corpus, KV618 (1791). Allegris Werk – komponiert für die päpstlichen Kapellsänger zur Zeit Urbans VIII. – durfte nicht veröffentlicht werden und zirkulierte jahrhundertelang in wenigen handgeschriebenen Kopien (der 14-jährige Mozart hat dieses Werk aus dem Gedächtnis aufgeschrieben). Liszt konzentriert sich auf die herrlichen Harmonien zu Beginn und nutzt sie, um eine Passacaglia in g-Moll zu komponieren, deren Variationen einen stürmischen Höhepunkt erreichen, ehe Mozarts Ave verum in schlichtester Transkription in H-Dur preisgegeben wird. Auf dem Weg über eine von Liszts großartigsten Modulationspassagen kehren sodann, erheblich verkürzt, die Variationen zurück, ehe das Mozart-Stück wieder erscheint, diesmal in Fis-Dur. Liszt baut Mozarts Musik so aus, dass eine sachte Modulation nach G-Dur möglich wird, und das Werk endet mit leichten Anklängen an Allegri. Die Legende von der heiligen Elisabeth wurde für die Wartburg-Feier im Jahr 1867 komponiert, die dem 800-jährigen Bestehen dieser historisch bedeutsamen Thüringer Burg galt. Der Großherzog Alexander von Weimar regte bei Liszt das Oratorium an. Der thematische Teil des Werkes beruht im Wesentlichen auf zwei Haupt- und mehreren Nebenthemen. Der Meister entnahm sie zugunsten des historischen und nationalen Stimmungskolorits dem liturgischen Kirchen- und dem ungarisch-nationalen Melodienschatz. Das dem kirchlichen Elisabeth-Kultus „In festo sanctae Elisabeth“ angehörende erste Hauptthema fällt in frühere Jahrhunderte.

Es nimmt den vornehmsten Platz im ganzen Werk ein und durchdringt es von Anfang bis Ende. Wie eine Überschrift steht es an der Spitze der Legende, wo es sich, harmonisch verarbeitet, in kunstvoller Stimmenverwebung zur Orchestereinleitung gestaltet, die zu den bedeutendsten und eigenartigsten Ouvertüren der nach-Beethoven'schen Zeit zählt und nur neben R. Wagners Drameneinleitungen genannt werden kann. Hans von Bülow erblickt in ihr das in Tönen entrollte Bild der Heldin, dessen rührende Melodie hier gewissermaßen das Leben der Heiligen vor uns durchlebt.

2011-06-12 Liszt 2  
2011-06-12 Liszt 2  

2011-06-12 Liszt 2

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