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Pfarrkirche St. Medard, Bendorf Sonntag, 14. März 2010 – 18:00 Uhr

„Der Kampf des Lebens mit dem Tod“ Orgelmusik zur Fastenzeit Felix Mendelssohn Bartholdy (1809-1847)

Ouvertüre zum Oratorium „Paulus“ op. 36 Transkription für Orgel von Lukas Stollhof

Johann Sebastian Bach (1685-1750)

aus der Kunst der Fuge (BWV 1080) Contrapunctus I und II

Olivier Messiaen (1908-1992)

aus: „Les Corps Glorieux“ (1939) IV. „Combat de la mort et de la vie“

Robert Schumann (1810-1856)

aus den Studien in kanonischer Art (op. 56, 1845) I. Nicht zu schnell

Max Reger (1873-1916)

Symphonische Phantasie und Fuge (op. 57)

Lukas Stollhof, Orgel ----------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------Lukas Stollhof (geboren 1980) erhielt seit 1986 Klavierunterricht bei Thomas Sorger, Marion Oswald und Eberhard Nöst, später zusätzlich Harmonielehre und Gehörbildungsunterricht bei Gisbert Wüst. Bei diesem begann er 1993 auch mit dem Orgelunterricht und wechselte 1998 zu Christoph Anselm Noll. 2000 nahm Lukas Stollhof sein Studium an der Staatlichen Hochschule für Musik und Darstellende Kunst, Stuttgart in den Studiengängen Kirchenmusik und Instrumentalpädagogik mit Hauptfach Orgel bei Prof. Dr. Ludger Lohmann auf. Ein Stipendium der Rotary Foundation ermöglichte ihm 2005/2006 ein Studium am Conservatorium van Amsterdam bei Prof. Jacques van Oortmerssen, das er mit dem Examen Bachelor of music abschloss. Danach absolvierte er, wiederum in Stuttgart, das A-Examen Kirchenmusik (Orgel bei Prof. Bernhard Haas) sowie den Zusatzstudiengang Chorleitung/Oratorium/Vokalensemble (Chorleitung bei Prof. Dieter Kurz). Zurzeit studiert er bei Prof. Bernhard Haas Orgel in der Solistenklasse. Lukas Stollhof war Stipendiat der Studienstiftung des Deutschen Volkes, Preisträger verschiedener Orgelwettbewerbe (u.a. Bachpreisträger in Arnstadt und in Wiesbaden [2007], Preisträger beim Eberhard-Friedrich-Walcker-Wettbewerb in Schramberg und beim Bach-Liszt-Orgelwettbewerb in Erfurt sowie Bachpreisträger in Leipzig [2008]) und Träger des Kulturpreises „Junge Künstler“ der Stadt Neuwied (2000). Sein musikalisches Können bewies er daneben auch durch Komposition und Aufführung eigener Werke. An der Stuttgarter Hochschule hatte er ein Tutorium für Gehörbildung sowie für Chor- und Orchesterleitung inne. Seit Oktober 2008 ist Lukas Stollhof als Regionalkantor in Oberwesel am Rhein und für das Bistum Trier tätig. Darüber hinaus ist er gefragter Begleiter von Chören und Solisten. Orgelkonzerte im In- und Ausland krönen seine musikalischen Tätigkeiten und lassen ihn als Solisten auftreten. Hierbei kommt sein breit gefächertes Repertoire von Frühbarock bis zur Moderne zum Einsatz. Im Mendelssohn-Jahr 2009 führte Lukas Stollhof das gesamte Orgelwerk dieses Komponisten auf, das er auch auf zwei CDs eingespielt hat (so auch die Ouvertüre zu „Paulus“, die heute erklingt).


Erläuterungen zum Programm Im Oratorium „Paulus“, Mendelssohns erstem Oratorium, spielt der Choral „Wachet auf, ruft uns die Stimme“ eine zentrale Rolle. Unmittelbar nach der Bekehrung des Saulus‘ zum Paulus erklingt dieser Choral als Aufruf zu Umkehr und Neuausrichtung des Lebens. Aber bereits in der Ouvertüre stellt ihn Mendelssohn quasi als Überschrift über sein Oratorium. Nach dem wiederholten ersten Teil des Chorals beenden zwei Bläsereinwürfe den in Dur gehaltenen Introduktionsteil. Nun erhebt sich eine Doppelfuge in Moll, in der zunächst ein erstes Thema in schreitenden Vierteln durchgeführt wird, bevor das zweite, wellenartige Thema in Sechzehnteln ansetzt.

Schon vor der Kombination der beiden Themen erscheint in den Bläsern mehrmals die erste Choralzeile. Auf dem Höhepunkt eines großen Crescendos setzt der Choral wiederum in Dur ein. Bemerkenswert ist, dass Mendelssohn in der ganzen Ouvertüre nur die ersten drei Choralzeilen verwendet, die Zeilen mit den wichtigen Worten „Wachet auf“. Johann Sebastian Bach zeigt in der „Kunst der Fuge“, „was möglicher Weise über ein Fugenthema gemacht werden könne. Die Variationen, welche sämmtlich vollständige Fugen über einerley Thema sind, werden hier Contrapuncte genannt“ (Johann Nikolas Forkel, 1802).

Die ersten beiden Fugen sind einfache, vierstimmige Fugen mit dem Thema in Originalgestalt. Während Contrapunctus I im Alt beginnt, fängt Contrapunctus II im Bass an. Darüber hinaus hat Bach im Nachhinein alle Achtel im Contrapunctus II in punktierten Rhythmus gesetzt, um die beiden Fugen voneinander abzugrenzen. Der vierte Satz aus Messiaens Zyklus „Les corps glorieux“ (Die verklärten Leiber, 1939) beschreibt den „Kampf zwischen Leben und Tod“. Der vom Komponisten hinzugesetzte Untertitel dieses Satzes lautet in deutscher Übersetzung: "Tod und Leben kämpften einen wunderlichen Kampf. Obgleich gestorben, siegt der Fürst des Lebens und herrscht. Er spricht: Mein Vater, ich bin auferstanden, und ich bin bei dir." Den Kampf verkörpert eine aggressive Toccata über einem kraftvollen Pedalthema, nach deren Ende der Sieg des Lebens durch eine ruhige Meditation dargestellt wird, zu der Messiaen schreibt: „Tanz des Friedens, besonnt von göttlicher Liebe“. Robert Schumann widmete sich zusammen mit Johannes Brahms intensiv den barocken, polyphonen Formen der Fuge und des Kanons. Aus diesem Studium heraus und inspiriert durch den Pedalflügel (ein Flügel mit angehängter Pedaltraktur), den die Schumanns 1845 zur Miete bekamen, entstanden wohl die „Sechs Stücke in kanonischer Form“. Im ersten Kanon folgt eine Manualstimme im Abstand eines halben Taktes der ersten Manualstimme, getragen von einem ruhigen Bass im Pedal. Seine Symphonische Fantasie und Fuge op. 57 schrieb Reger im Jahre 1901. In einem Brief teilte Reger mit, er sei durch Dantes Inferno (Teil der Triologie „Die Göttliche Komödie“) dazu angeregt worden; besonders die Textstelle „Weh euch, verworfne Seelen, wehe! Nicht hoffet je zu sehn das Paradeis, hinüber bring ich euch zum Strande in ew‘ge Finsternis und Eis“ habe ihn beeindruckt. Der Phantasie liegen zwei chromatisch geprägte Motive zugrunde, die aber nicht so offensichtlich und omnipräsent erklingen, wie beispielsweise das B-A-C-H-Motiv in Regers gleichnamiger Komposition. Die Phantasie beginnt auch nicht mit einem dieser Motive, sondern mit wiederholten, verzweifelten Aufschreien. Erst im ersten leisen Teil wird das zweite Motiv explizit eingeführt. Die Phantasie bringt durch stetiges dynamisches Auf und Ab, wilde Kaskaden und Akkordschläge sowie durch nahezu aufgelöste Tonalität die Zerrissenheit und Verzweiflung des Menschen zum Ausdruck. Selbst das zentrale quasi Adagio scheint sich zu winden und zu suchen, bricht schließlich in breiten, fast verklärten Akkorden zusammen, bevor es wieder von Neuem verzweifelt aufschreit (Reprise). Die Fuge soll laut Karl Straube, Regers bevorzugtem Organisten, einer symphonischen Struktur folgen. Die lange Durchführung des ersten Themas stellt den ersten Satz dar. Das zweite Thema wird in einem langsameren,

ruhigen Teil (2. Satz) vorgetragen, auf den ein scherzohafter Teil (3. Satz) folgt, der mit einem Dreitonmotiv aus dem ersten Thema arbeitet und nicht heiter, sondern dämonisch, gespenstisch klingt. Im finalen Teil (4. Satz) werden die beiden Fugenthemen miteinander kombiniert und zu einem fulminanten Schluss gesteigert. Lukas Stollhof

2010-03-14 Bendorf  
2010-03-14 Bendorf  

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