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Lukas Stollhof (geboren 1980) erhielt seit 1986 Klavierunterricht bei Thomas Sorger, Marion Oswald und Eberhard Nöst, später zusätzlich Harmonielehre- und Gehörbildungsunterricht bei Gisbert Wüst. Bei diesem begann er 1993 auch mit dem Orgelunterricht und wechselte 1998 zu Christoph Anselm Noll. 2000 nahm Lukas Stollhof sein Studium an der Staatlichen Hochschule für Musik und Darstellende Kunst, Stuttgart in den Studiengängen Kirchenmusik und Instrumentalpädagogik mit Hauptfach Orgel bei Prof. Dr. Ludger Lohmann auf. Ein Stipendium der Rotary Foundation ermöglichte ihm 2005/2006 ein Studium am Conservatorium van Amsterdam bei Prof. Jacques van Oortmerssen, das er mit dem Examen Bachelor of music abschloss. Danach absolvierte er, wiederum in Stuttgart, das A-Examen Kirchenmusik (Orgel bei Prof. Bernhard Haas) sowie den Zusatzstudiengang Chorleitung/Oratorium/Vokalensemble (Chorleitung bei Prof. Dieter Kurz). Zurzeit studiert er bei Prof. Bernhard Haas Orgel in der Solistenklasse. Lukas Stollhof war Stipendiat der Studienstiftung des Deutschen Volkes, Preisträger verschiedener Orgelwettbewerbe (u.a. Bachpreisträger in Arnstadt und in Wiesbaden [2007], Preisträger beim Eberhard-Friedrich-Walcker-Wettbewerb in Schramberg und beim Bach-Liszt-Orgelwettbewerb in Erfurt sowie Bachpreisträger in Leipzig [2008]) und Träger des Kulturpreises „Junge Künstler“ der Stadt Neuwied (2000). Sein musikalisches Können bewies er daneben auch durch Komposition und Aufführung eigener Werke. An der Stuttgarter Hochschule hatte er ein Tutorium für Gehörbildung sowie für Chor- und Orchesterleitung inne. Seit 2008 ist Lukas Stollhof als Regionalkantor in Oberwesel am Rhein und für das Bistum Trier tätig. Darüber hinaus ist er gefragter Begleiter von Chören und Solisten. Orgelkonzerte im In- und Ausland krönen seine musikalischen Tätigkeiten und lassen ihn als Solisten auftreten. Hierbei kommt sein breit gefächertes Repertoire von Frühbarock bis zur Moderne zum Einsatz. Das gesamte Orgelwerk von Felix Mendelssohn Bartholdy auf zwei CDs zum Mitnehmen! (Preis: 12 € für eine CD, 20 € für beide CDs)


PROGRAMM

Felix Mendelssohn Bartholdy (1809-1847) Sonate II c-Moll (op. 65,2) - Grave - Adagio - Allegro maestoso e vivace - Allegro moderato Andante con moto g-Moll (1833) „Richte mich, Gott“ (op. 78,2) für achtstimmigen Chor Thema mit Variationen (Andante) D-Dur (1844) aus dem „Lobgesang“ op. 52 (1840) Nr. 8 „Nun danket alle Gott” Praeludium und Fuge G-Dur (op. 37,2) „Jauchzet dem Herrn, alle Welt“ für achtstimmigen Chor Andante D-Dur (1823) aus dem Oratorium „Paulus“ op. 36 (1836) Nr. 16 „Wachet auf, ruft uns die Stimme” aus dem Oratorium „Paulus“ op. 36 (1836) Ouvertüre (Transkription für Orgel: Lukas Stollhof)

Das heutige Konzert beginnt mit der Sonate II c-Moll (op. 65,2). Der 1. Satz bleibt mit seiner kurzen Motivik und ohne abgeschlossene Kadenz stets offen und endet auch fragend mit einem Halbschluss. In diesen setzt eine Solostimme ein, die direkt in den zweiten Satz überleitet, in welchem sie zwischen Oberstimme und Tenorlage hin und her wechselt. Das Allegro maestoso e vivace kehrt das bisherige Moll in ein strahlendes Dur um und schafft durch achttaktige Phrasen strukturelle Klarheit. In der abschließenden Fuge – dynamisch etwas zurückgenommen – führt Mendelssohn nach den ersten beiden Themendurchführungen und einer Kadenz eine Achtelbewegung ein, die dem bisher strengen Satz mehr Fluss und Schwung verleiht. Das Andante con moto g-Moll ist ein kurzes Stück, das Mendelssohn – wie damals üblich – als Albumblatt für Vincent Novello in London schrieb. Die Motette „Richte mich, Gott“ (op. 78,2) vertont den 43. Psalm, der dialektisch angelegt ist: Flehen nach göttlicher Hilfe einerseits und Zuversicht und Hoffnung andererseits. Die Achtstimmigkeit nutzt Mendelssohn zum ständigen Dialog zwischen Männer- und Frauenchor, der erst beim hymnischen Schluss („Harre auf Gott“) zum homophonen Satz zusammengeführt wird. Das Andante D-Dur, das auch unter dem Titel „Thema mit Variationen“ bekannt ist, entstand während der intensiven Kompositionsphase zu den Sechs Sonaten op. 65, wurde aber – vielleicht aufgrund seiner Form – nicht in eine solche integriert. Nach der Vorstellung des 16taktigen Themas wird dies zunächst mit Achteln und Triolen umspielt. In einer dritten Variation wird die aufsteigende Linie des Themenkopfes fugiert, bevor das Thema in der vierten Variation aus dem bisherigen 4/4-Takt in einen 6/8-Takt versetzt wird. Ein achttaktiger Ausschnitt des Themas führt zurück in den 4/4-Takt und zum Schluss. In seiner zweiten Sinfonie („Lobgesang“) op. 52 verwendet Mendelssohn den Choral „Nun danket alle Gott“. Die erste Strophe überlässt er allein dem achtstimmigen Chor, in der zweiten Strophe umspielt das Orchester den unisono singenden Chor. Das Praeludium von op. 37,2 gehört zu den lyrischsten Stücken in Mendelssohns gesamtem Orgelwerk (es entstand wie alle drei Praeludien aus op. 37 auf seiner Hochzeitsreise 1837). Die Fuge ist geprägt von den vier Halbenoten des Kopfmotives und dem wellenartigen Themenschluss mit charakteristischem Tritonussprung. Die Vertonung des 100. Psalms „Jauchzet dem Herrn, alle Welt“ beginnt zunächst vierstimmig, bevor im zweiten Teil die Achtstimmigkeit erneut zum Dialog zwischen Männer- und Frauenchor eingesetzt wird. Der Schlusschoral ist wieder vierstimmig. Am Ende des Konzertes erklingen nach dem kurzen, cantablen Andante D-Dur zwei Sätze aus dem Oratorium „Paulus“. Nach der Bekehrung des Saulus zum Paulus singt der Chor den Choral „Wachet auf, ruft uns die Stimme“, immer wieder unterbrochen von Bläsereinwürfen. In der Ouvertüre verwendet Mendelssohn aber nur den ersten Teil (Stollen) des Chorals. Dieser steht am Anfang im homophonen Satz, bevor eine Doppelfuge (Fuge mit zwei Themen) in Moll beginnt. Immer wieder bringen die Bläser das Choralzitat zu den Fugeneinsätzen. Nach der Kombination der beiden Fugenthemen und einem Crescendo endet die Ouvertüre in einem prächtigen Durteil, in den die Fugenthemen und der Choral eingebunden sind. Lukas Stollhof

2009-09-12 FMB2  
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