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Liebfrauenkirche Oberwesel Palmsonntag, 05. April 2009 – 18:00 Uhr

ORGELMUSIK ZUR FASTENZEIT Programm: Johann Sebastian Bach (1685-1750)

Passacaglia (und Fuge) c-moll (BWV 582)

Charles Tournemire (1870-1939)

aus den „Sei Fioretti“ (op. 60) -I - II

Samuel Scheidt (1587-1654)

„Da Jesu an dem Kreuze stund“ (SSWV 113) 1. Versus: Coral in Cantu, à 4 voces 2. Versus: Coral in Tenore, à 3 voces 3. Versus: Coral in Cantu, Bicinium 4. Versus: Coral in Cantu, Bicinium 5. Versus: Coral in Basso, á 3 voces 6. Versus: Coral in Cantu per Semitonia, á 4 voces

Louis Vierne (1870-1937)

aus der VI. Symphonie (op. 59; 1930) IV. Adagio

Maurice Duruflé (1902-1986)

Suite op. 5 Prélude Sicilienne Toccata

Lukas Stollhof, Orgel Eintritt frei – Spenden am Ausgang zugunsten der Kirchenmusik in Oberwesel Lukas Stollhof (geboren 1980) erhielt seit 1986 Klavierunterricht bei Th. Sorger (Neuwied), M. Oswald (Neuwied) und E. Nöst (Uni Koblenz). Nach Harmonielehre- und Gehörbildungsunterricht bei G. Wüst begann er 1993 ebenfalls bei G. Wüst mit dem Orgelunterricht und wechselte 1998 zu Chr. A. Noll (Detmold/Mainz). Lukas Stollhof studierte zunächst Kirchenmusik und Instrumentalpädagogik mit Hauptfach Orgel bei Prof. Dr. Ludger Lohmann an der Staatlichen Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Stuttgart. Ein Stipendium der Rotary Foundation ermöglichte ihm ein einjähriges Studium am Conservatorium van Amsterdam bei Prof. Jacques van Oortmerssen, das er mit dem Examen Bachelor of music abschloss. Danach absolvierte er wiederum in Stuttgart das Aufbaustudium Kirchenmusik (Orgel bei Prof. Bernhard Haas) sowie den Zusatzstudiengang Chorleitung/Oratorium/Vokalensemble (Chorleitung bei Prof. Dieter Kurz). Momentan studiert er in der Solistenklasse von Prof. Bernhard Haas Orgel. Lukas Stollhof war Stipendiat der Studienstiftung des Deutschen Volkes, Preisträger verschiedener Orgelwettbewerbe (u.a. Bachpreisträger in Arnstadt und in Wiesbaden [2007], Preisträger beim Eberhard-FriedrichWalcker-Wettbewerb in Schramberg und beim Bach-Liszt-Orgelwettbewerb in Erfurt, sowie Bachpreisträger in Leipzig [2008]) und Träger des Kulturpreises „Junge Künstler“ der Stadt Neuwied (2000). Sein musikalisches Können bewies er daneben auch durch Komposition und Aufführung eigener Werke. An der Stuttgarter Hochschule hatte er ein Tutorium für Gehörbildung, sowie für Chor- und Orchesterleitung inne. Lukas Stollhof ist ein gefragter Begleiter von Chören und Solisten. Orgelkonzerte im In- und Ausland krönen seine musikalischen Tätigkeiten und lassen ihn als Solisten auftreten. Hierbei kommt sein breit gefächertes Repertoire von Frühbarock bis zur Moderne zum Einsatz. Seit Oktober 2008 wirkt Lukas Stollhof als Regionalkantor in Oberwesel am Rhein und im Bistum Trier.


Programmerläuterung Eine Passacaglia war ursprünglich ein Schreittanz im ¾-Takt. Später bezeichnete man damit ein Stück, das auf einem immer wiederholten (Bass-)Thema (Ostinato) aufgebaut ist. J. S. Bach komponierte in seiner Passacaglia zunächst 21 Variationen über das folgende Thema,

bevor er eine Fuge über den ersten Teil davon anschloss. Der französische Organist und geniale Improvisator Charles Tournemire spielt in seinen Kompositionen mit farbigen Klängen und Akkorden. Ebenso ist bekannt, dass Tournemire in seinen Improvisationen mit der Tempoführung sehr frei umging, je nachdem, was Melodie, Rhythmus oder Klang zum Entfalten benötigten. Der Titel „Fioretti“ (ital. Verzierungen) passt in diesem Zusammenhang wie angegossen. Samuel Scheidt lebte als Komponist, (Hof-)Organist und Kapellmeister in Halle. Aus der dreibändigen Tabulatura nova (1624) stammen die Choralvariationen über „Da Jesus an dem Creuzte stundt“ (SSWV 113). In diesen zwei- bis vierstimmigen Variationen wechselt die Melodie (Coral) aus der Oberstimme (Cantus) in Mittel- (Tenor) und Unterstimme (Bass). Die letzte Variation ist reich an schmerzhafter Chromatik (Semitonia = Halbtonschritte).

Der vierte Satz (Adagio) aus Louis Viernes VI. Symphonie wird aus einer Pedalsololinie über einem Liegeton entwickelt. Im zweiten, viel lyrischeren Teil taucht das Hauptthema der Symphonie erst in der Oberstimme, dann im Pedal auf, bevor der erste Teil den Satz beendet. Gerade der vierte Satz dieser Vierne-Symphonie soll Maurice Duruflé zur Komposition des ersten Satzes (Prélude) seiner Suite op. 5 inspiriert haben. Dieser beginnt mit demselben Liegeton, zu dem erst einzelne Pedaltupfer, dann eine Melodie (diesmal in der rechten Hand) tritt. Daraus steigert Duruflé den Satz über ein großangelegtes Crescendo bis zu einem monumentalen Höhepunkt. Ein relativ schnelles Decrescendo führt zu einem freien Clarinettensolo, ehe der Satz mit der Anfangsmelodie abgeschlossen wird. Auch die Sicilienne ist symmetrisch angelegt. Auf das Thema des Satzes in der Oberstimme folgt ein ätherischer Mittelteil, der vom Thema im Tenor unterbrochen wird, bevor das Thema in ursprünglicher Gestalt – diesmal von Läufen der linken Hand umspielt – den Satz abschließt. Die virtuose Toccata bringt erst nach Kaskaden und wilden Rhythmen ein Thema aus dem Pedal hervor. Darauf folgt wieder ein Mittelteil, der sehr viel lyrischer klingt; aber immer wieder kommen ihm die wilden, rhythmischen Schläge dazwischen. Auch hier führt eine fast wörtliche Reprise zum fulminanten Schluss. Lukas Stollhof

2009-04-05 LF Oberwesel  
2009-04-05 LF Oberwesel  

2009-04-05 LF Oberwesel

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