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Eigene Energien st채rken Die Therapieangebote der Lukas Klinik


«Glattes Eis, ein Paradeis für den, der gut zu tanzen weiss.» Friedrich Nietzsche

Liebe Leserin, lieber Leser Wer von uns beherrscht schon das Tanzen auf glattem Eis? Das Bild von Friedrich Nietzsche drückt aus, wie es jedem Menschen nach der Diagnose Krebs gehen kann: Der Boden ist glatt oder scheint weggerissen zu sein. Die Krankheit stellt das Selbstverständnis des bisherigen Lebens infrage. Wir sind auf Glatteis. Nichts ist mehr so, wie es vorher einmal war. Der gewohnte Schutz entfällt. Wie weiter? Wohin führt der Weg? Es ist dem Therapeutenteam ein Anliegen, die Krankheit als Entwicklungschance zu verstehen und das Ich-Bewusstsein, die Ich-Kraft, die ins Seelische und bis ins Leibliche hineinwirkt, vielschichtig zu fördern. Dazu gehören fachliches Können, aktives Zuhören und die begleitende Haltung Ihnen und dem Schicksal gegenüber. Die Informationen dieser Broschüre wenden sich an die Patientinnen und Patienten sowie an die Interessierten der Therapietage – und insbesondere an die Angehörigen; ihnen stehen Einzeltherapien oder Therapietage genauso offen. Mit unseren Informationen wollen wir das Verständnis für unser Angebot fördern: Welche Therapien sind im individuellen Fall aus der Sicht des behandelnden Arztes angebracht, welche sprechen Sie selber an? Unsere Therapien unterstützen Sie auf Ihrem Weg, regen Ihre Selbstheilungskräfte an, ermöglichen den Tanz auf dem Eis.


Inhalt Physiotherapie Die Anregung der Wärme steht im Mittel­punkt: mit Rhythmischer Massage, mit Bädern und Packungen. Eine Besonderheit ist das Öl-Dispersionsbad.

6 Malen und Plastizieren Die eigenen Ressourcen neu entdecken und etwas Fassbares schaffen: Malen und Zeichnen mit einer Vielfalt von Techniken, Plastizieren und Modellieren.

9 Musiktherapie Musik und Mensch sind miteinander ver­ bunden. Die Arbeit mit Tönen, mit Harmonien und Singen schafft Voraussetzungen, um mit der Seele Musik aufzunehmen.

12 Biographiearbeit Die anthroposophische Biographiearbeit hat zum Ziel, sich selbst besser kennenzulernen und Einsichten in die Lebens­ zusammenhänge zu finden.

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Sprachgestaltung In der Therapeutischen Sprachgestaltung werden Elemente wie Lautqualitäten, Rhythmen und Atemführung eingesetzt, um eine ordnende und belebende Wirkung zu erzielen.

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Heileurythmie Heileurythmie ist eine Bewegungstherapie. Einzelne Laute werden ihrer spezifischen Qualität gemäss als Gebärden entwickelt und geübt.

21 Weitere Informationen Was verbindet und was unterscheidet die verschiedenen Therapien? Wie läuft die Planung ab und die Reservation? Informationen für Patienten und Patientinnen, Interessierte und Angehörige.

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Behandlungsdauer: 30– 40 Minuten, Nachruhe ca. 30 Minuten

Physiotherapie In unserer anthroposophisch erweiterten Physiotherapie steht die Anregung der Wärmebildung im Mittelpunkt. Der Wärme­organismus wird aktiviert, von innen heraus Wärme zu bilden.


In Kürze: Physiotherapie, Bäder, Packungen

Rhythmische Massage Bewegungstherapie Lymphbehandlungen Bäder und Packungen Bewegungsbäder (Bürstenbad, Reibebad, Wellenbad, Lemniskatenbad) nach Ita Wegman. Sauerstoffbäder, Kohlensäurebäder, Überwärmungsbäder und Dauerbrause Packungen

Rhythmische Massage Im Zentrum unserer Physiotherapie steht die Rhythmische Massage nach Wegman-Hauschka. Durch die feine, am Ort saugende Griffqualität, ihre rhythmisch an- und abschwellenden Bewegungen und die ausgesuchten, hochwertigen Öle ist es möglich, auf häufig auftretende Symptomatiken innerhalb der Onkologie einzugehen. Der Name Rhythmische Massage soll auf die zentrale Bedeutung des Rhythmischen bei Durchführung und Wirkungsweise hinweisen. Dies äussert sich durch eine bewusste Pflege des Wärmeorganismus sowie eine Wirkung auf alle im rhythmischen Bereich verlaufenden Prozesse. Deutlich wird dies an der Vertiefung des Atems, der Verbesserung der Herz-Kreislauf-Funktion und auch an der Wiederherstellung eines gesunden Wach-Schlaf-Rhythmus. Durch die Rhythmische Massage kann alles, was schwer und fest geworden ist, wieder leicht und fliessend werden und macht körperlich und seelisch durch­lässiger, aufmerksamer und wacher.

Besonderheiten

Öl-Dispersionsbad nach Junge. Bei diesem Bad werden feine Öltropfen mit Wasser vermischt. Dies wird im Vollbad der gesamten Hautoberfläche zugeführt. Bewegungsbäder: Hier steht ganz die Bewegung des Wassers im Vordergrund. Patientinnen und Patienten schildern, dass nach den Bädern, in der Nachruhe, eine wohlige, durchdringende und andauernde Wärme entstanden ist. Packungen unterstützen die Behandlungen: warm-feuchte Heilerde, Heupackungen, Bienenwachspackung mit trockener, tiefer Wärmewirkung, Siretherm (lokale Hyperthermie) und Hydrocolonbehandlungen (sanfte Darmreinigung). →

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Ziele und Wirkungen Schmerzlinderung, Entspannung, Entstauung, seelischer Ausgleich, Appetit­ anregung, angstlösend, Kräfteaufbau, Wärmeregulation, Harmonisierung von Atmung und Herz-Kreislauf, Verbesserung der Körperwahrnehmung.

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Behandlungsdauer: 90 Minuten als individuelle Therapie in Kleingruppen. Einzeltherapie nach Vereinbarung.

Malen und Plastizieren In der Gestaltungs- und Maltherapie haben Patientinnen und Patienten der Lukas Klinik die MÜglichkeit, mit ihrer Fantasie und einem spielerischen Ansatz etwas Fassbares zu schaffen und ihre eigenen Ressourcen neu zu entdecken. →


In Kürze: Malen, Modellieren, Bilder betrachten

Malen und Zeichnen mit Aquarellfarben, Kreiden und Stiften, Gouache und Kohle Plastizieren oder Modellieren mit Erdton und anderen Materialien wie Wolle, Stein, Plastilin, Wachs Bildbetrachtungen Ausgewählte Übungen schaffen einen Schutzraum, um Kräfte zu sammeln, um dickhäutiger zu werden oder um einfach einmal laut lachen zu können. Gemeinsam Raum schaffen für etwas, was noch nicht fassbar ist. Durch Malen, Plastizieren oder Zeichnen entsteht etwas Fassbares.

Individualität ausdrücken Menschen haben ein elementares Bedürfnis, sich mitzuteilen und ihre Individualität auszudrücken. Das zeigt auch die Kunstgeschichte. Schon die Höhlen­wand-Malereien aus der Steinzeit zeugen davon: Der Jäger malt das Wild, das er jagt. Was hat Kunst mit dem Alltag von Krebskranken zu tun? Die Betroffenen erleben ihre Krankheiten als «das Wild, das gejagt werden soll». Wo finden sie dafür eine Höhlenwand? Während der gestalterisch-therapeutischen Arbeit mit Krebspatienten versucht man, ein Stück Weg mit ihnen mitzugehen.

Besonderheiten Um der individuellen Situation gerecht zu werden, verwendet die Gestaltungsund Maltherapie verschiedene Medien und Techniken. Beim Malen werden meistens Aquarellfarben in der Nass-in-nass-Technik eingesetzt. Ausserdem werden verschiedene Kreiden und Stifte benutzt, aber auch Gouache und Kohle. Es lassen sich auch verschiedene Techniken mischen – Schichten, Kratzen, Aussparen, Decken, Ausschneiden. Technik und Material unterstützen den gewünschten Prozess. So kommen etwa Ölkreiden zur Anwendung, wenn die Bewegung stockt. Gouache eignet sich für grosse Flächen, mit Schwamm oder mit der Hand aufgetragen, um das Körpervertrauen zu unterstützen. Flache Pinsel sind flexibel, man kann damit dünn und dick malen, kurz und lang. Flexibilität heisst offen sein für neue Situationen, heisst Gelassenheit üben, wahrnehmen und akzeptieren. Die Technik des Schichtens dagegen schafft Klarheit und eignet sich etwa bei Rastlosigkeit.

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Ziele und Wirkungen Wärmen: Wenn es gelingt, durch die Tätigkeit Enthusiasmus zu wecken, entsteht innere Wärme. Wo Wärme ist, ist auch Bewegung, Lust auf Veränderung, und das wirkt sich unmittelbar auf den Körper aus. Ressourcen entdecken: Durch das Spielerische werden eigene Ressourcen neu entdeckt. Wenn das gelingt, kommt ein innerer Motor in Gang: Etwas Eigenes entsteht, eine eigene Wunschwelt, eine eigene Zauberwelt. Wenn Worte fehlen: In der palliativen Betreuung von Schwerstkranken, die sich immer wieder fragen, was morgen und übermorgen sein wird, kann die Auf­ merksamkeit auf das «Hier und Jetzt» helfen. Zum Beispiel in Form einer Bild­betrachtung. Sie wird dort angewendet, wo es an Worten fehlt. Das Bild «spricht für sich» oder für die betroffene Person. Fühlen: Beim Plastizieren ist der Tastsinn angesprochen. Wir fühlen durch die Haut und in der Haut. Plastizieren bedeutet Formen und Umformen. Wenn wir krank sind, würden wir uns am liebsten «neu erfinden»: Beim Plastizieren werden wir zu Schöpfern.

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Behandlungsdauer: 1- bis 12-mal jeweils 30 oder 60 Minuten

Musiktherapie Musik und Mensch sind innig miteinander verbunden. In den Grundlagen, z.B. bei den Schwingungsverhältnissen der Töne, finden wir ähnliche Ordnungsprinzipien wie beim Menschen. So ist es erklärbar, dass Musik im hörenden Menschen Resonanz erzeugt. Über das Hören nimmt unsere Seele Musik auf.


In Kürze: Töne, Harmonien, Singen

Arbeit mit Tönen, Intervallen, Harmonien und Rhythmen Gezielte Auswahl von musikalischen Grundelementen Wiederholendes Üben Instrumente mit besonderen Klangqualitäten: Chrotta, Leier, Krummhorn, Handglocken, Obertonflöte, Gemshorn, Streichpsalter Singen und Bewegung

Melodiöses Erleben Die drei Elemente der Musik: Melodie, Harmonie und Rhythmus, korrespondieren mit den seelischen Fähigkeiten Denken, Fühlen und Wollen. Das Bedeutungs­­volle des melodiösen Erlebens besteht darin, dass der Kopf sozusagen dem Gefühl zugänglich gemacht wird. Der Mensch fühlt sich in der Melodie frei wie in der Gedankenwelt. Die Gefühlsebene ist der Wirkungsbereich der Harmonie. Der Rhythmus wirkt auf den Willen und lässt uns tanzen, wenn nicht äusserlich, so doch innerlich. Beim kranken Menschen stimmt das Gleichgewicht von Leib, Seele und Geist nicht mehr. Diese Disharmonie ruft, musikalisch gesprochen, nach einer Auflösung. Mit den Grundelementen der Musik verfügen wir in der Musiktherapie über wirksame Mittel, um der Einseitigkeit der Krankheit zu begegnen. So wird mit einer gezielten Auswahl von musikalischen Grundelementen und durch wieder­ holendes Üben wieder ein Gleichgewicht von Leib, Seele und Geist angestrebt.

Besonderheiten Die Auswahl der Musikinstrumente spielt eine grosse Rolle. Wir verwenden in der Musiktherapie leicht zu spielende Instrumente mit besonderen Klang­ qualitäten, beispielsweise die Chrotta und die Leier, die zwei wichtigsten Instrumente. Diese Vielfalt deckt ein grosses Klangspektrum ab. Die besondere Sprache des einzelnen Instruments ist ausschlaggebend für die gezielte Anwendung in der Therapie, und natürlich werden auch Singen und Bewegung ­ als therapeutische Mittel eingesetzt. In der Krebstherapie werden Instrumente mit warmer Klangqualität bevorzugt. Dabei findet eine Erwärmung des ganzen durchklungenen Körpers statt, die Freude am Spiel durchwärmt geistig. →

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Ziele und Wirkungen

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Die Vibrationen der therapeutischen Instrumente können auf zellulärer Ebene die gesunden Lebensprozesse unterstützen. Musik ist immer eng mit der Atmung verkoppelt. Durch exaktes rhythmisches Spiel finden Einseitigkeiten ihren Ausgleich. Ausatmende Entspannung und ebenso Erfrischung werden erlebt. Die immaterielle Qualität der Musik ist von besonderer Bedeutung für palliative Situationen. Melodien können Trost und auch Gewissheit schenken, dass es andere Ebenen des menschlichen Daseins gibt. Musik spricht aus einer geistigen Welt und sie kann uns zurückgeleiten in unsere geistige Heimat.


Behandlungsdauer: nach Bedarf und Absprache, 1- bis 12-mal jeweils 60 oder 90 Minuten

Biographiearbeit und psychoonkologische Begleitung Das Leben als einzigartigen Entwicklungsweg zu verstehen, auf dem der Mensch körperlich, seelisch und geistig wachsen und reifen kann – das ist Biographiearbeit auf anthroposophischer Grundlage. Im Zentrum steht dabei der Mensch mit seinem Bedürfnis und der Notwendigkeit, sich selbst besser kennenzulernen und Einsichten in die Lebenszusammenhänge zu bekommen, damit die innere Entwicklung und Reifung geschehen kann. →


In Kürze: Gespräche, roter Faden Sich den Fragen der heutigen Zeit stellen: Wer bin ich? Warum habe ich dieses Schicksal? Was ist meine Aufgabe, mein Ziel in meinem Leben? Gespräche mit begleitendem und unterstützendem Charakter. Den selbstbestimmten, schöpferischen, das Schicksal gestaltenden Menschen in sich selber wahrnehmen und eigenverantwortlich handeln. Den geistigen Impuls, der zwischen den Lebensereignissen webt, als roten Faden finden.

Einen selbstbestimmten Umgang finden Eine schwere Erkrankung wie die Krebserkrankung kann erschüttern und Fragen nach den tiefer liegenden Ursachen und der ungewissen Zukunft aus­lösen. Vom Moment der Diagnose überstürzen sich die Ereignisse. Entscheidungen müssen getroffen, notwendige Behandlungen in die Wege geleitet werden. Für die innere Verarbeitung des Erlebten bleibt keine Zeit. Alles muss schnell gehen und ein Gefühl des Überwältigtwerdens und der Ohnmacht kann sich ausbreiten. Zusätzlich werden die Betroffenen häufig durch die Aussenwelt auf die Krankheit reduziert. Diese bekommt die ganze Aufmerksamkeit. Gesunde Anteile wie Kreativität, Interessen, Freude, Freundschaften, Beziehungen kommen zu kurz. Durch die Biographiearbeit können Betroffene befähigt werden, ihren individuellen, bewussten und selbstbestimmten Umgang mit dieser Erkrankung zu finden. Sie ermöglicht das aktive Gestalten des eigenen Schicksals: trotz oder gerade wegen des einschneidenden Schicksalsereignisses dem Leben eine neue Richtung zu geben und Mut für die Zukunft zu finden.

Besonderheiten Die Biographiearbeit ist Gesprächsarbeit. Dabei wird auf das Leben oder bestimmte Situationen des Lebens geschaut – wie von aussen, als objektiver Betrachter. Wesentlich ist eine offene, interessierte und fragende Haltung. Die Arbeit an der Biographie geht jeweils nur so weit, wie es die betroffene Person zulässt, wie weit es ihr auch möglich ist, über sich und das Leben zu sprechen.

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Es geht nie darum, das Leben, die Empfindungen und das Verhalten zu analysieren, zu deuten oder zu bewerten. Durch die Art, wie Fragen gestellt werden, wird ein innerer Raum eröffnet, in dem eigene Fragen, die unbewusst im Betroffenen leben, bewusst gemacht und erlöst werden können.

Ziele und Wirkungen Ein Ziel ist, dass der Betroffene wieder Boden unter den Füssen bekommt. Manchmal reicht ein einziges Gespräch, den Patienten erste Schritte sehen zu lassen, sodass er ahnt, was er tun kann. Biographiearbeit kann auch bei sehr schwachen oder sterbenden Patienten durchgeführt werden. Durch die innere, wertschätzende und interessierte Haltung gegenüber der eigenen Biographie können Begriffe wie Gesundheit, Gesundung und Heilung neu definiert werden. Am Lebensende werden oft Fragen über das Sterben und die Zukunft im Nachtodlichen relevant. Die Betrachtung des Lebens in der anthroposophisch orientierten Biographiearbeit bezieht das Leben nach dem Tod ebenso mit ein wie das Leben vor der Geburt.

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Behandlungsdauer: 30 bis 60 Minuten

Therapeutische Sprachgestaltung Sprache bedeutet immer Kommunikation, Gespräch vom Ich zum Du, zwischen Ich und Ich. Über die Sprache können wir unsere Befindlichkeiten ausdrücken. Das finden wir auch in Redewendungen wieder: «Es verschlägt mir die Sprache.» Oder: «Der Mensch verstummt, wenn die Seele leidet.» Und: «Die Sprache wiederfinden.» Wir können über das Sprechen heilsam auf Seele und Körper zurückwirken.


In Kürze: Übungen, Bilder

Übungen mit Texten und Gedichten Arbeit mit Lautqualitäten, Rhythmen und Atemführung Einsatz von Bildern und Gebärden Sprechend und hörend in den Klang der Laute eintauchen

Lebendigkeit und Klang In einer wohlklingenden, gut artikulierten und durchatmeten Sprache kann ich meine individuelle Persönlichkeit zur Erscheinung bringen und Gefühle, Gedanken, aber auch meinen Willen ausdrücken. Anderseits werden Störungen der Gesundheit oft in der Sprache hörbar. Die Stimme ist rau und belegt, der Atem flach, die Artikulation verwaschen. In der Therapeutischen Sprach­gestaltung werden Elemente wie Lautqualitäten, Rhythmen, Atemführung, dazu auch Bilder und Gebärden eingesetzt, um eine ordnende und belebende Wirkung auf den Gesamtorganismus zu erzielen und die Selbstheilungskraft anzuregen. Die Laute, Silben und Worte erhalten Lebendigkeit und Klang, der Atem wird gelöst und zur Vertiefung angeregt. Auch der Hörprozess wird intensiviert. Angeregt durch die Fantasie, können Texte und Gedichtinhalte plastisch, farbig und lebendig erlebt werden. Die gezielte Anwendung von Übungen wirkt bis in die physischen Prozesse hinein: auf die Atmung, die Wärmebildung und die körpereigene Abwehr.

Besonderheiten In der Krebserkrankung verselbständigen sich die Wachstumsprozesse und sind nicht mehr in ihrer geistigen Ordnung. Die Wucherungen entziehen dem Organismus die Lebensgrundlage. Die Stimme kann schwingungsarm werden und unbelebt klingen. Durch das bewusste Sprechen und Hören der Vokale werden Klangraum, Weite und Schwingung in der Stimme entwickelt und sie wird wieder in ihrer Einmaligkeit hörbar. Der Mensch wird zu einem Klangkörper, vom eigenen Ton geordnet. So kommen wir wieder in einen vertrauenden Einklang mit der Welt. Die Therapie geschieht zunächst im Vor- und Nachsprechen. Im Verlauf wird, auf die natürliche Sprechbegabung aufbauend, ein neuer Sprachprozess angeregt, der das Ich-Gefühl stärkt. →

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Ziele und Wirkungen

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Das bewusste Sprechen ist ein Erwachen zu sich selbst: Die Patienten geben ihrer Persönlichkeit Ausdruck und erleben sich in Wärme, Klang und Atem. In der Begegnung mit Texten aus der Dichtung wird Geistiges spürbar, und wir können Antworten auf tiefe Lebensfragen finden. Das Hören und Erleben der Bilder und Gedanken in der Dichtung kann uns ein Bewusstsein eröffnen, das Fragen an den Tod stellt, ihn verstehen hilft und weit über ihn hinausgeht. In der Begleitung bis zum Tod liegt die Aufgabe oft in der vertrauenspendenden Beruhigung und Erleichterung der Atmungsprozesse.


Behandlungsdauer: Individuell nach Verlauf und Massgabe des behandelnden Arztes

Heileurythmie Die Heileurythmie ist eine Bewegungstherapie. Der Patient entwickelt durch bewusst gefßhrte heileurythmische Bewegungen ein harmonischeres Ineinandergreifen von Leib und Seele. →


In Kürze: Gebärden entwickeln Einzelne Laute wie Konsonanten und Vokale, Worte und Rhythmen werden ihrer spezifischen Qualität gemäss als Gebärden entwickelt und geübt. Die eigene Gestalt im Raum und seinen Dimensionen wird durch Gleich- gewichts- und Bewegungsübungen gekräftigt. Die spezifischen Qualitäten bestimmter Grundelemente der Sprache werden je nach Krankheitsbild gezielt zu individuellen Übungsfolgen gestaltet.

Sichtbare Bewegung Durch Heileurythmie werden nicht nur erkrankungsbedingte Symptome und Nebenwirkungen aggressiver Therapien gemildert oder überwunden, sondern das Ich wird darin bestärkt, wieder mehr «Herr im eigenen Haus» zu werden. Bei jeder Erkrankung ist das harmonische Ineinanderwirken der Lebenskräfte gestört. Die «Instrumente» der Heileurythmie sind die Grundelemente und Gesetzmässigkeiten der Sprache, die in sichtbare Bewegung von Gestalt und Gliedmassen überführt werden.

Besonderheiten Erste Anregungen für die Eurythmie und ihre heilsame Wirkung gab Rudolf Steiner zusammen mit den ersten Hinweisen zur besonderen Heilwirkung der Mistel. 1921 entwickelte er in einem Kurs für Ärzte und Eurythmisten die systematischen und praktischen Grundzüge der Heileurythmie. Diese wird seither vielerorts klinisch und ambulant eingesetzt und stetig weiterentwickelt. Wie die Misteltherapie ist die Heileurythmie eine originäre Neuschöpfung aus der anthroposophischen Geisteswissenschaft, welche durch die aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnisse über die zentrale Bedeutung von bewusst geführter Bewegung in der Krebstherapie zunehmend bestätigt wird. In der anthroposophischen Krebsbehandlung sind Misteltherapie und Heileurythmie wie einander ergänzende Zwillingssäulen, welche die individuelle Auseinandersetzung jedes Patienten mit «seiner» Krebserkrankung unterstützen und sich gegenseitig in ihrer Wirksamkeit verstärken.

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Ziele und Wirkungen

Aktivierung individueller und persönlichkeitsgeführter Bewegungsfähigkeit. Linderung/Besserung körperlicher Befindens- und Funktionsstörungen mittels spezifischer heileurythmischer Übungen, z.B. von Sensibilität, Gleich- gewicht, Atem, Schmerzempfindung, Ausscheidung und Wärmeregulation. Verbesserung der Vitalität, Befindlichkeit und Lebensqualität sowie der Neuorientierung in sich selber. Förderung und Entwicklung der Selbstwahrnehmungs- und Selbstentwicklungs- fähigkeit sowie Stärkung des Selbstbewusstseins in der Auseinandersetzung mit dem Krankheitsgeschehen. Intensivierung und Unterstützung des Heilungsprozesses durch die Eigen-­ aktivität des Übens.

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Weitere Informationen Die methodische Vielfalt der Therapien, die in dieser Broschüre vorgestellt werden, die Möglichkeiten ihrer Gestaltung und Kombinationen gehören zu den Besonderheiten des Therapiezentrums der Lukas Klinik. Die geeigneten Therapierichtungen werden zunächst im beratenden Gespräch mit dem Arzt und der Ärztin festgelegt. In einem ersten Gespräch vereinbaren die Therapeuten und Therapeutinnen mit Ihnen die jeweiligen Therapieziele. Möglich ist auch eine Kombination der verschiedenen Therapien. Hier einige weiterführende und praktische Informationen dazu:


In jeder Phase Zum Behandlungskonzept unserer Klinik gehört die Begleitung der Menschen durch den ganzen Krankheitsprozess. Das gilt genauso für die Therapien: Von der akuten Phase der Erkrankung über die Nachbehandlung und die Rehabilitation bis zur palliativen Situation leisten einzelne Therapien ihren heilenden, unterstützenden Beitrag. Patienten können sich in sämtlichen Phasen an uns wenden, und sie haben die Möglichkeit, ihre Therapien nach längerer Zeit wieder aufzunehmen, sie zu ergänzen oder neu zu kombinieren.

Wärme, Atmung, Entspannung und Rhythmus Ein wichtiges Ziel der ganzheitlichen Krebsbehandlung in der Lukas Klinik ist die Schaffung von Wärme. Sie steht in den hier beschriebenen Therapien im Zentrum: in der Rhythmischen Massage und den Bädern der Physiotherapie und in der Eurythmie auf direkte Art, aber auch Malen und Plastizieren, Sprach­gestaltung und Musik tragen zur Wärmeentwicklung bei. Die aktiven Persönlichkeitskräfte werden gestärkt, das Immunsystem wird unterstützt. Weitere Therapiethemen sind Atmung, Entspannung und Rhythmus. Viele Krebserkrankungen bringen eine beengende Einatmung mit sich, die lösende Ausatmung folgt nur zögerlich. Spezifische Bäder schaffen Entspannung, Schmerzlinderung und vertiefen die Atmung. Durch Sprachtherapie, beispielsweise, kann das rhythmische System des Menschen angeregt werden, krank­ machende Einseitigkeit kann aufgelöst oder ausgeglichen werden. Ähnliches gilt in der Musik- und in der Maltherapie: Ein Gleichgewicht von Leib, Seele und Geist wird angestrebt, um der Einseitigkeit der Krankheit zu begegnen.

Palliative Care Auch in der Palliative Care, also der Begleitung schwer kranker, sterbender Menschen, bewirken verschiedene und individuell angepasste Behandlungen eine tiefe und umhüllende Durchwärmung, beispielsweise durch palliative Physio­therapie. In der Musiktherapie können Melodien Trost und Gewissheit schenken, dass es andere Ebenen des menschlichen Daseins gibt. Ähnliches gilt für die Dichtung in der Sprachtherapie und in der Heileurythmie oder die Bild­ betrachtung beim Malen, wenn es an Worten fehlt. Ein besonderer Bereich der Heileurythmie befasst sich mit der Linderung von Schmerzzuständen, und die anthroposophisch orientierte Biographiearbeit bezieht das Leben nach dem Tod ebenso mit ein wie das Leben vor der Geburt. → 25


... und die Angehörigen? Die Betroffenheit der Angehörigen und Freunde kann auf keiner Krankheitskurve festgehalten werden. Es ist eine Belastung, die nach Kraftquellen verlangt: Woher holt man sich die Kraft, um sich vor Überlastung zu schützen? In der Lukas Klinik sind die Angehörigen willkommen: Sie können sich in unseren Arztpraxen Rat holen – um Erkrankte zu beraten und zu begleiten – genauso können sie die hier aufgeführten Einzeltherapien oder ganze Therapietage buchen. Erkundigen Sie sich in der zentralen Therapieplanung nach den Ansätzen.

Kontakt und Planung Die Mitarbeiterinnen der Zentralen Therapieplanung beraten Sie und helfen Ihnen bei Fragen weiter. Alle gewünschten Therapien werden koordiniert und die Termine werden persönlich mit Ihnen vereinbart. Nach einer Therapieverordnung während Ihres Arztbesuches in der Lukas Klinik nehmen wir automatisch in den folgenden Tagen telefonischen Kontakt mit Ihnen auf, um flexibel im Gespräch die passenden Termine zu finden. Natürlich können Sie uns auch gerne direkt anrufen oder eine Nachricht hinterlassen; wir werden Sie so rasch wie möglich zurückrufen. Sie können auch persönlich bei uns vorbeikommen: Erkundigen Sie sich am Empfang nach dem Büro der Zentralen Therapieplanung.

Sprachen Wir arbeiten in deutscher, englischer, französischer, italienischer, portugiesischer und spanischer Sprache.

Finanzierung Bei einem stationären Aufenthalt werden die Therapien von der Lukas Klinik direkt über Ihre schweizerische Krankenkasse abgerechnet und finanziert. Für die ambulanten Therapien werden die Kosten in den meisten Fällen von der Zusatzversicherung übernommen. Falls Sie im Ausland wohnen oder weitere Fragen haben: Sprechen Sie mit den Mitarbeiterinnen der Zentralen Therapie­ planung und erkundigen Sie sich bei Ihrer Versicherung.

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Adressen Lukas Klinik, Zentrale Therapieplanung, Tel.: 41 (0)61 706 71 79 zentralplanung@lukasklinik.ch, Brachmattstrasse 19, 4144 Arlesheim, www.lukasklinik.ch

Impressum Herausgeber: Lukas Klinik Konzept und Redaktion: medienb端ro m端ller & brugger Gestaltung: Milligan Design Fotos: J端rg Buess Druck: Druckerei Bloch AG


Lukas Klinik Zentrum für integrative Tumortherapie und Supportive Care Brachmattstrasse 19 CH-4144 Arlesheim Telefon +41 (0)61 706 71 71 (Zentrale) Telefon +41 (0)61 706 71 72 (Anmeldung Sprechstunde) Telefon +41 (0)61 702 09 09 (Infoline) (Mo 17–20 Uhr, Mi 8–14 Uhr, Fr 14–17 Uhr) Fax

+41 (0)61 706 71 73

kontakt@lukasklinik.ch www.lukasklinik.ch


Therapieangebot der Lukas Klinik  

Hier finden Sie unsere Therapieangebote beschrieben

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