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Social Cinema Bewegte Bilder. Bewegte Menschen.

Filmfestival 02.-05.07.2018


Social Cinema Bewegte Bilder. Bewegte Menschen. Filmfestival der Studierenden Soziale Arbeit HS Koblenz

02.-05.07.2018 Modul 15

Soziale Bewegungen und Selbstorganisation. V.i.S.d.P. Peter-Erwin Jansen M.A.


Inhaltsverzeichnis Inhaltsverzeichnis Editorial

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2-3

Filmvorstellungen Der Marsch

4-5

Dutschke

6-7

The Butler

8-9

The Danish Girl

10-11

Moonlight

11-12

I, Daniel Blake

12-13

Battle of the Sexes

13-14

Das Team

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Editorial

An der Schnittstelle zwischen sozialer Ungleichheit und Solidarität erheben sich seit dem 19. Jahrhundert Soziale Bewegungen, um kollektiv gegen herrschende Missstände zu protestieren und für versagte Rechte einzustehen. Arbeiterbewegung, Frauenbewegung, Homosexuellenbewegung, Krüppelbewegung, Occupy, Bewegungen gegen Rassismus. Doch nicht nur Bewegungen entstehen, die für eine Erweiterung von Handlungsoptionen unterschiedlichster „vulnerable Groups“ einstehen sondern auch restaurative oder gar rechte Bewegungen, wie Pegida, agieren in der Öffentlichkeit. Jede dieser Gruppen tritt für einen sozialen Wandel innerhalb der Gesellschaft ein, entweder mit emanzipatorischen Ansprüchen oder eben rückwärtsgewandten Orientierungen. Soziale Bewegungen beschreibt der Politologe Joachim Raschke 1985 als einen „mobilisierender[n] kollektive[n] Akteur, der mit einer gewissen Kontinuität auf der Grundlage hoher symbolischer Integration und geringer Rollenspezifikation mittels variabler Organisations- und Aktionsformen das Ziel verfolgt, grundlegenden sozialen Wandel herbeizuführen, zu verhindern oder rückgängig zu machen.“ Ausgehend von dieser Definition bestehen Soziale Bewegungen, links wie rechts, aus heterogenen, nicht notwendigerweise koordinierten einzelnen Akteuren, die zusammengeschlossen eine wiedererkennbare Gruppe bilden. Als solche befinden sie sich 2

in einer ständigen räumlichen Bewegung und nutzen die ihnen zuteil kommende mediale Aufmerksamkeit als Ressource, um die einzelnen Akteure zu mobilisieren. Aus diesen Komponenten entstehen hochgradig flexible und agile Strömungen, die sich in ihrer konzentrierten Kraft für Veränderungen an der gesellschaftlichen Basis einsetzen und zu einem Wandel innerhalb der bisherigen Strukturen führen können. Strömungen, die sich durch vier mögliche Gruppen von Aktionsformen äußern, von moderaten Protesten (wie z.B. Unterschriftenaktionen), demonstrativen Protesten (z.B. Protestmarsch), konfrontati ven Protesten (Blockade) bis hin zu gewaltsamen Protesten. Die ersten Generationen Sozialer Bewegungen, wie z.B. die Proletarierbewegung Mitte des 19. Jahrhunderts, die besonders durch die Schriften von Karl Marx und Friedrich Engels inspiert war und die elende Situation der arbeitenden Menschen im sogenannten „Manchesterkapitalismus“ zum Gegenstand ihrer Proteste hatte, standen noch für die Etablierung politischer Konkurrenzkonzepte ein und zielten auf eine systemverändernde Revolution. Moderne soziale Bewegungen, die nachab Mitte der 1960er Jahre als „Neue soziale Bewegungen“ bekannt wurden, zeigen sich hingegen gemäßigter und formulieren stattdessen kleinere und einzelne Systeme betreffende reformatorische Ziele. In den letzten Jahren sind Soziale Bewegungen, die nicht direkt für die eigenen Rechte protestieren, sondern sich advokatisch und solidarisch gegenüber der erlittenen Ungleichheit gegenüber Anderen zeigen, wieder stärker in den Fokus gerückt. Mit ihnen gemein hat


die Soziale Arbeit, dass sie sich in ihrem Professionsverständnis für die anwaltliche Vertretung der Klient*innen, also Anderen einsetzt. Ebenfalls in den letzten Jahren und zusehend präsenter sind konservative Soziale Bewegungen (z.B. Pegida, Identitäre), die als Beispiel für restaurative Veränderungen zu vormodernen oder neo-nationalistischen Zielen stehen. 2018 feiert die Studentenbewegung ihren 50. Geburtstag. Der Fachbereich Sozialwissenschaften, insbesondere aber die daran angeschlossene Soziale Arbeit, hat spätestens durch sie ein weiteres Merkmal ihres Professionsverständnisses gewinnen können, welches angesichts der pluralen Herausforderungen unserer heutigen Gesellschaft zusehend wieder an Wichtigkeit gewinnt: Die politische Aufklärungskraft. Somit versteht sich die Soziale Arbeit heu-

te neben ihrer aktivierenden Stellung von Hilfe zur Selbsthilfe immer auch als systemverändernde Kraft und steht dabei in der direkten Tradition der sozialen Bewegungen, die 1968 erstmals die vollumfängliche Aufarbeitung der NS-Vergangenheit der deutschen Gesellschaft und der in den bundesrepublikanischen Institutionen wieder beschäftigten „alten“ etablierten Kräfte einforderte. Die Redaktion freut sich daher im Namen des gesamten Modul 15 der Hochschule Koblenz darauf, Sie herzlich zum Filmfestival Social Cinema – Bewegte Bilder – Bewegte Menschen begrüßen zu dürfen und die Geschichte der Sozialen Bewegungen durch eindrucksvolle Bilder aus sieben ausgewählten Filmen zu begleiten. Autoren: Harken, Hubertz, Zepp

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„Der Marsch“

In Teilen Afrikas ist eine ökologische und humanitäre Katastrophe ausgebrochen. Aussichtslos beschließen mehrere tausende Menschen zu Fuß vom Sudan an die europäische Grenze zu marschieren. Jahr: Regie: Laufzeit: Land:

Menschenrechtsbewegung

Menschenrechtsbewegungen sind selbst organisierte, selbst verwaltete Kollektive. Zur Zielsetzung ihrer Bewegung ist die Verankerung der Menschenrechte, jedes einzelnen Individuums. Menschenrechtsorganisationen appellieren und verdeutlichen Menschenrechtsverletzungen auf internationaler Ebene. Sie streben nach Erhalt und Durchsetzung der Menschenrechte und durch Selbstmanagement ist ihre Intention Menschenrechte durch zu setzten und Menschenrechtsverletzungen zu unterbinden. Die Weltgeschichte ist eine Geschichte der Migration. Migration stellt demnach ein relevantes Thema in allen Gesellschaften dar.

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1990 David Wheatley 100 min UK

Rezension

Der Marsch ist ein Visionsfilm, der zuerst unrealistisch erscheint, jedoch 25 Jahre später sich durch die Flüchtlingsbewegung bewahrheitet. Daran erkennt man, dass der Film nicht direkt auf die Flüchtlingsdebatte reagiert, sondern im Voraus das Thema schon aufgegriffen hat. Es wird demonstriert, dass der Film heutzutage immer noch aktuell ist. Der Film zeigt sehr eindrucksvoll das Leid tausender Menschen. Zudem wird in mehreren Szenen immer wieder der Unterschied zwischen Afrika und Europa dargestellt. Durch das Filmzitat „Wir sind arm, weil ihr reich seid“ wird dies


sehr deutlich. Dadurch das der Film das Ende offen lässt, regt dieser zu „Was wäre, wenn“ Überlegungen und zu weiteren Gedankengängen an. Sehr beeindruckend ist, dass sich immer mehr Menschen anschließen und damit aufmerksam wird, dass diese etwas bewirken können. Währenddessen, spürt der*die Zuschauer*innen die Verzweiflung und den Kampfgeist der Flüchtlinge. Es stellt sich die Frage, weshalb Menschen die Flucht aus ihrem Geburtsland als einzigen Hoffnungsschimmer sehen. Der sogenannte Marsch erregt für großes Aufsehen. Als die geflüchteten Menschen plötzlich vor den Grenzen Europas stehen werden diese nicht willkommen geheißen, obwohl die mediale Aufmerksamkeit immens ist und positiv erscheint. Ähnliches ist in der

Realität zu beobachten. Die Aufnahme von Geflüchteten suggeriert zunächst eine Willkommenskultur. Der Marsch ist gekennzeichnet durch einen gemeinschaftlichen Selbstwillen., welcher durch den friedlichen und ruhigen Weg durch die Wüste deutlich wird. Postkoloniale Strukturen sind in der Welt fest verankert und die Frage, ob diese Strukturen statisch verankert bleiben oder eine Veränderung durchlaufen, wird thematisiert. Ein nachdenklicher Praxisbezug ist demnach signifikant und unabdinglich. Autor*innen: Brückner, Tscherkaschin, Grimm, Madaghri, Zimmermann

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zipation der Frau, sexuelle Freiheit, weniger Autorität und Gehorsam, ein neues Hochschulsystem und die Befreiung vom Establishment.

„Dutschke“

In dem Film wird die Lebensgeschichte Rudi Dutschkes, einer zentralen Figur der 68er-Bewegung, erzählt. Nachgespielte Szenen wechseln sich mit Interviewpassagen ab, in denen Freunde, Weggefährten und Gegner den politisch radikalen Dutschke charakterisieren und über das Phänomen der revolutionären Bewegung sprechen, die 1968 aufflammte.

Die 68er Bewegung

Der Zweite Weltkrieg und die NS-Zeit waren beendet und mit der Entmilitarisierung konnte die Bevölkerung endlich wieder aufatmen. Doch der Frieden hielt nicht lange an: Wiederaufrüstung, Notstandsregelungen, Vietnamkrieg, Kubakrise, der Mauerbau und die Schließung der großen Koalition sorgten für erneute Unruhen weltweit. Demonstrationen und Proteste waren die Folge, in denen sich vor allem Studenten engagierten und welche über Jahre stattfanden. Forderungen und später auch Errungenschaften waren unter anderem die Aufarbeitung der NS-Zeit, die Eman6

Jahr: Regie: Laufzeit: Land:

2009 Stefan Krohmer 90 min Deutschland

Rezension

Dutschke ist ein deutsches Doku-Drama von Daniel Nocke und Stefan Krohmer aus dem Jahr 2009. Der 90 minütige ZDF-Fernsehfilm basiert auf dem Leben des marxistischen Soziologen Rudi Dutschke. Die fundamentalen Informationen für den Film wurden den Tagebüchern Dutschkes und den Büchern von Gretchen Dutschke-Klotz entnommen. Das Doku-Drama zeichnet dabei nicht nur das Porträt des Menschen und Revolutionärs Rudi Dutschkes ab, sondern


auch das Bild einer ganzen Generation mit ihren Utopien und Enttäuschungen. Der Film setzt im Jahr 1964 ein, spürt entscheidenden Stationen des Lebensweges von Rudi Dutschke nach, beschreibt die Zeit, in der er zur zentralen Figur der 68er-Bewegung aufstieg, bis er in den Jahren 1967- 1968 ihr maßgebliches Sprachrohr wurde und er schließlich im April 1968 durch ein Attentat aus dem politischen und öffentlichen Leben gerissen wurde. Ebenfalls die danach beginnende Phase des Exils, bis hin zu den ersten öffentlichen Auftritten in den Siebzigern, wird behandelt. Das Ende des Films ist auch buchstäblich das Ende, nämlich der Tod Dutschkes am Heiligen Abend 1979. Methodisch setzen die Filmemacher dabei eine Mixtur aus nachgestellten und inszenierten Spielszenen, Dokumentar-aufnahmen und Interwievpassagen mit Freunden und Zeitzeugen ein, wodurch ein faszinierendes Gesamtbild erschaffen wird.

Auf der anderen Seite zeigt der Film jedoch auch Mythen, die fortgeführt werden und einige wichtige Informationen werden sogar weggelassen, wie z.B. die Richtigstellung, dass Benno Ohnesorg nicht vom Senat, sondern von dem Stasi-Spitzel Kurras erschossen wurde. Starke Kritik erfährt der Film vor allem für die Fälschung von Ereignissen. darunter zählt u.a. die falsche Darstellung von Bild-Artikeln. Der Film wird durch die Widersprüche und die Kritik allerdings erst richtig reizvoll, denn Rudi Dutschke ist aus Streit gemacht und bleibt eine Person die man liebt zu lieben oder liebt zu hassen. Im Streit um den Film lebt der Geist von Rudi Dutschke also weiter, sodass der Biografie um die Ikone mehr als gerecht wird. Autor*innen: Riffel, Chemodanova,Castor, Bock, Barth

Die Filmemacher haben also solide Arbeit geleistet. Besonders erwähnenswert ist dabei die Tatsache, dass Schauspieler Christoph Bach die Figur Dutschke so gut verkörpert, dass man meinen könnte, der echte Rudi Dutschke sei zu sehen. Generell wirken Frisuren, Kleidung und Möbel sehr echt. Darüber hinaus wurden einige Mythen, wie z.B. die des „jesuanischen“ Menschen, gekonnt dekonstruiert. Seinen Höhepunkt erreicht das Doku-Drama als Interviewszenen der zweier verfeindeter Dutschke-Freunde gegeneinander geschnitten werden. 7


Baptistengemeinde, Martin Luther King. Bis zur heutigen Zeit ist das Thema der Gleichberechtigung afroamerikanischer Menschen vor allem in den Vereinigten Staaten präsent.

„Der Butler“

Bürgerrechtsbewegung

Die Bürgerrechtsbewegung ist eine soziale Bewegung rassistisch diskriminierter Afroamerikaner, die sich gegen Soziale Strukturen wie Rassentrennung und Diskriminierung in den Vereinigten Staaten einsetzt. Gerade die 1950er und 1960er Jahre waren geprägt von Veränderungen und stellten so die Blüte der Bewegung dar. Die Hauptthemen waren die Gleichberechtigung und Gleichstellung afroamerikanischer Mitbürger gegenüber der weißen amerikanischen Bevölkerung. Das Gesicht aller Aktivisten ist bis heute hierbei der 26-jährige Pastor einer 8

Nach der Ermordung seines Vaters auf einer Baumwollplantage 1926 wird der junge Cecil Gaines im Laufe der Jahre vom einfachen „Haus-Nigger“ zum Butler im Weißen Haus. Während er sieben Präsidenten dient, schließt sich sein Sohn Louis der radikalen Bürgerrechtsbewegung Black Panthers an. Die unterschiedlichen Auffassungen eines „guten“ Lebens bringen Vater und Sohn auseinander – einzige Verbindung ist die alkoholabhängige Frau von Cecil und Mutter von Louis, Gloria. Jahr: Regie: Laufzeit: Land:

2013 Lee Daniels 132 min USA

Rezension

Der am 10.Oktober 2013 in Deutschland veröffentlichte Film „Der Butler“ erzählt die Geschichte des Cecil Gaines, im wahren Leben Eugene Allen. Der Film hat eine Spiellänge von 2 Stunden und 15 Minuten und eine Altersfreigabe ab 12 Jahren.


„Der Butler“ thematisiert die Bürgerrechtsbewegung und die sozialen Unterschiede innerhalb der Bevölkerung der Vereinigten Staaten von Amerika. Ganz offen, unverblümt und doch wohl zu schwach zeigt der Autor auf, welche Zeit afroamerikanische Mitbürger in den Vereinigten Staaten zu durchleben hatten. Dabei verliert er Familie Gaines als roten Faden nie aus den Augen – sie veranschaulichen und erzählen den größten Teil der Geschichte anhand ihres Lebens und geben einer Zeit Gesichter. Forest Whitaker als Butler zeigt zum einen politische Neutralität und Respekt vor einem Aufbäumen gegen die Weißen der Bevölkerung, zum anderen aber auch immer wieder, dass sein Herz für das gleiche schlägt, wie es das seines Sohnes Louis, von David Oyelowo gespielt, tut. Dieser radikalisiert sich allerdings, wird politisch aktiv und kämpft offensiv für Gleichberechtigung. Wie unterschiedlich also mit den Problematiken der Ungleichheit und Rassentrennung umgegangen wurde wird sehr deutlich.

hend betrachtet werden. Dramatik und teilweise ein wenig Humor wird hier aber als Mittel eingesetzt, um den Zuschauer auch über diese Szenen hinweg zu unterhalten. Auch scheint es dem Autor wichtig gewesen zu sein, dass weiße Menschen nicht ausschließlich die Bösen waren – so zeigt er Kennedy als gerechtigkeitssuchend und einzelne weiße Mitbürger als Anhänger zwischen vielen Schwarzen. Schlussfolgernd bietet der Film anhand einer beeindruckenden Lebensgeschichte einen guten Einblick in die Entwicklung einer Gesellschaft und die Fortschritte der Bürgerrechtsbewegung. Ein durchweg gelungener Hollywood-Film, dessen Kompaktheit der Komplexität der überstehenden Thematik allerdings nicht gerecht werden kann. Autor*innen: Demary, Franzen, Fritsche, Kröll

Im Großen und Ganzen soll der Film wohl eines: Mitgefühl entfachen und den Stereotypen des „Schwarzen Menschen“ aufbrechen; obwohl Sidney Poitier als Onkel Tom den von den Weißen gesehenen Schwarzen glaubhaft verkörpert. Insgesamt ist es dem Autor sehr gut gelungen, die Thematik aufzugreifen – schade nur, dass gerade die Szenen der Bürgerrechtler selten aufkommen, Präsidenten nur Minutenauftritte haben und wohlmöglich wichtige Vorkommnisse aufgrund der Spiellänge nicht tieferge9


„The danish girl“

Der Film „The danish girl“ beruht auf einer wahren Begebenheit und handelt von der Geschichte des dänischen Malers Einar Wegener, der sich in den 1930er Jahren als einer der ersten Menschen einer geschlechtsangleichenden Operation unterzog. Jahr: Regie: Laufzeit: Land:

Transsexuellen Bewegung

Der Begriff Transsexualität wurde von Magnus Hirschfeld (dt. Arzt) in den 1920ern eingeführt und beschreibt Personen, die sich dem jeweils anderen Geschlecht zugehörig fühlen und eine körperliche Angleichung an das „richtige“ Geschlecht anstreben. Bereits in den 1930ern fanden erste geschlechtsanpassende Operationen statt und seit den 1950ern werden Hormontherapien durchgeführt. Die Transsexuellen Bewegung setzt sich für mehr soziale und juristische Anerkennung und Akzeptanz der Transsexuellen in der Gesellschaft ein.

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2015 Tom Hooper 119 min Dänemark

Rezension

In dem Film „The danish girl“ von Oscar Preisträger Tom Hooper, geht es um die Lebensgeschichte des dänischen Malers Einar Wegener und seiner Frau Gerda. Als ein Model, das für Gerda posieren sollte nicht auftaucht, wird Einar bereitwillig als Frau verkleidet. Er verkörpert diese Rolle sehr überzeugend und entdeckt dabei seine weibliche Seele, die er und seine Frau später als Lili Elbe bezeichnen. Einar beginnt sich immer unwohler in seinem männlichen Körper zu fühlen und möchte endgültig seine weibliche Identität annehmen. Der Film ist einer der ersten, der sich mit dem Thema


Transidentität auseinandersetzt und erzählt mitreißend und voller Gefühl über einen historisch bedeutsamen Schritt der Transsexuellen Bewegung. Der Regisseur Tom Hooper macht aus dem Film ein schauspielerisch beeindruckendes intensives Identitäts- und Ehedrama. Dennoch werden in dem Film die Probleme und die Gespaltenheit Einars auf dem Weg sich selbst zu finden nicht deutlich genug gespiegelt. In der wahren Geschichte Einars berichtet er sogar von einem Suizidversucht. Dieser reflektiert sehr deutlich das Leiden und die psychischen Probleme, die eine solche Umwandlung mit sich bringen, von dem im Film jedoch nichts aufgegriffen wird. Transsexuelle sind in der Gesellschaft häufig Anfeindungen oder Diskriminierungen ausgesetzt. Der Film zeigt lediglich eine Szene in Frankreich, in der Einar von mehreren jungen Männern beleidigt und zu Boden geschlagen wird. Die An-

feindungen, wenn man bemerkt, dass der Film in den frühen 20er Jahren spielt, müssten noch stärker repräsentiert werden. In diesem Zeitalter wurde Transsexualität noch als Krankheit und etwas Abnormales angesehen und müsste auf wesentlich mehr Ablehnung gestoßen sein, als es im Film gezeigt wird. Außerdem werden im Film Geschlecht und Sexualität nicht deutlich voneinander abgetrennt, sondern vermischt. Einar fühlt sich als Frau, jedoch ändert sich mit der Geschlechtsumwandlung auch seine sexuelle Orientierung, was nicht zwangsläufig der Fall sein muss. Autor*innen: Budig, Kollig, Kreßmann, Puderbach, Schönberg

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„Moonlight“

Das mit dem Oscar ausgezeichnete Meisterwerk erzählt einerseits gefühlvoll die Story eines jungen Afroamerikaners auf seinem Weg zur Identitätsfindung. Andererseits stellt der Film die Vielschichtigkeit aber auch Homophobie der Gesellschaft dar. Jahr: Regie: Laufzeit: Land:

Homosexuellenbeweguung

Nach Jahren der Verfolgung und Diskriminierung entstand durch den „Stonewall“ Aufstand vom 28. Juni 1969 in New York die Homosexuellenbewegung. In dieser Identitätsbewegung kämpften Schwule und Lesben für sexuelle Befreiung, Gleichberechtigung und Integration. Die Selbstbezeichnung „schwul“ und „lesbisch“ hatte zum Ziel, diesen Begriffen den Schimpfwortcharakter zu nehmen. Die Öffentlichkeit sollte ihre Vorurteile und Anfeindungen aufgeben. Nach jahrzehntelangem Kampf wurden viele Ziele erreicht. Vieles bleibt aber auch noch in Zukunft zu tun. 12

2016 Barry Jenkins 111 min USA

Rezension

„That is not a joke! Moonlight- best picture!” (Regisseur von LaLa Land bei der Oscarverleihung 2017). Genauso wie die Zuschauer bei der Oscarverleihung 2017 Zeugen eines Missverständnisses wurden, so werden auch die Zuschauer von „Moonlight“ Zeugen eines Missverständnisses: Dem Missverständnis über falsche Vorstellungen von Männlichkeit und zugeschriebenen Rollenbildern. Der Regisseur Barry Jenkins versteht es auf eindrucksvolle Weise das teils autobiographische Sozialdrama in Form von poetischen Bildern und ungewöhnlicher Kameraführung darzustellen. Im ersten Teil des Films begleiten die Zuschauer „Little“, gespielt von A. Hibbert, in eine Welt aus Kriminalität und Armut. Durch eine schicksalhafte Begegnung mit dem Drogendealer Juan erfährt Litt-


le langsam, dass er anders fühlt als die anderen Kinder in seinem Umfeld. Die orchestrale Filmmusik steht genau wie „Little“ im krassen Gegensatz zu dem aus vorgeschobener Härte bestehendem Schauplatz. Auch das Spiel mit Farben, Licht und Schatten, sowie das Element des Wassers vermitteln ein Gefühl der Suche und Lebenskraft. Nach und nach nimmt die Welt Einfluss auf die Entwicklung des Protagnisten. Dem Zuschauer soll klar werden, wo die Vorstellung von Männlichkeit vergiftete Formen annehmen kann. Durch einen Strudel aus Gewalt gerät „Chiron“, nun gespielt von A. Sanders, im 2. Teil in eine Sackgasse. Nachdem er erste sinnliche Erfahrungen auf seinem Weg der Identitätsfindung machen konnte, bricht er emotional zusammen. Im 3. Teil des Films wird gezeigt, was die vergangenen Erfahrungen mit „Black“ (T. Rhodes) gemacht haben. Bevor seine Metamorphose beginnt, verkörpert

er die Form von Männlichkeit, die durch Macht und Herrschaft die Dinge bezwingen will, die als schwach wahrgenommen werden. Der Film überzeugt durch seine Authentizität und gefühlvolle Darstellung des echten Lebens, in dem jeder Mensch entscheiden muss, wer er einmal sein möchte. Besonders beeindruckend ist die Art und Weise, wie Berry Jenkins es schafft, eine ernste Thematik nicht wertend, sondern für den Zuschauer erfahrbar darzustellen. Ein ungewöhnlicher Film, dessen Atmosphäre auch im Nachhinein seine Wirkung entfaltet. Für ein Publikum, das spannungsgeladene und „laute“ Bilder auf der Leinwand sucht, ist dieser Film allerdings nicht geeignet. Moonlight besticht durch seine stillen Töne und Unmittelbarkeit in einer Welt, in der immer wieder aufeinanderprallt, was moralisch ist und was nicht. Auror*innen: Reichelt, Sezgin, Serban, Vukajlic

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schaftskrise - für steigende Ungleichheit, Armutsrisiko oder Perspektivlosigkeit stehen. Unter dem Slogan „We are the 99%“ experimentierten sie vor Ort u.a. mit basisdemokratischen Prozessen. Das Konzept der radikalen Protestform im Zeichen für Solidarität und Demokratie verlief überwiegend friedlich und erzeugte durch die spontane globale Vernetzung via Internet eine Strahlkraft, die weitere darauf folgende Bewegungen maßgeblich beeinflusste (z.B. Blockupy, Oc-cupy Gezi).

„ I, Daniel Blake„

Occupy Bewegung

Motiviert durch die teils erfolgreichen bürgerlichen Umbrüche ab 2010 (sog. Arabischen Frühling) in Nordafrika und inspiriert von der horizontalen Organisationsform der „Indignados“ (Empörte) - der „15.Mai“-Graswurzelbewegung aus Spanien, formte sich die Occupy-Bewegung und brachte ab Herbst 2011 in weltweit fast 1000 Städten junge wütende Menschen auf die Straßen, um ein Zeichen gegen „die Gier der Banken“ zu setzen. Sie besetzten negative Symbolträger wie die Wall Street oder den Neubau der EZB, die - gerade in Zeiten der Weltwirt14

Nach einem Herzinfarkt ist der 59-Jährige Daniel finanziell auf das Sozialsystem angewiesen. Um Unterstützungszulagen zu erhalten wird der humane Zimmerergeselle mit den inhumanen Instanzen des Sozialapparats konfrontiert. Jahr: Regie: Laufzeit: Land:

2016 Ken Loach 100 min UK

Rezension

Im Mittelpunkt des Sozialdramas steht Daniel Blake, der sich dem System gegenüber loyal verhielt und stets das tat, was der Staat von ihm verlangte. Nun sieht er sich, wo es darauf ankommt, einem


Sozialsystem ausgesetzt, welches spürbar andere Prioritäten verfolgt, als dem Menschen Daniel Blake zu helfen. Der scheinbar harmlose Prozess einer Widerspruchserklärung gegen nicht bewilligte Sozialleistungen entwickelt sich für ihn so zum Höllentrip. Regisseur Loach zeigt damit die Gefahren der Entmenschlichung, die neoliberale Politik mit sich bringen kann. Teile des sozialen Apparates wurden privatisiert, arme Menschen werden in die günstigere Peripherie umgesiedelt und der „Leitungsträger“ verkommt zu einer namenslosen nicht greifbaren dafür aber bedrohlichen Überinstanz, die darauf ausgelegt ist, die Klienten durch Androhung von Sanktionierungen zu drangsalieren und zu entwürdigen. Als Drama wäre dieser Film nur halb so erschütternd, wenn er nicht die Sachlichkeit einer Milieustudie und die präzise Kenntnis englischer Sozialbürokratie erkennen ließe, in der Blake vor der Gefahr steht, zur bloßen Ware zu verkommen. Loach verzichtet auf malerische Groß-

aufnahmen, spezielle Soundeffekte oder aufpolsternde Nebengeschichten, konzentriert sich auf seinen Protagonisten, den er fast schon dokumentarisch und ohne gefühlige Kameranähe abbildet. Es entsteht eine Distanz, in der die Zuschauer*innen als Zeugen die Konsequenzen von Armutsverhältnissen ungeschönt und ungekürzt erleben. Im Grunde stellt Loach in seinem Film damit die Frage nach der Machtverteilung zwischen Mensch und Ökonomie. Ein Thema, welches für globalisierungskritische Organisationen schon immer relevant war und in postdemokratischen Zeiten allgemein von aktueller Brisanz zeugt. Ähnlich wie die Organisationen tut auch Blake seinen Unmut - in Form des Protests - kund, erzeugt öffentliche Aufmerksamkeit in der puren Hoffnung, damit etwas zu bewirken. Autor*innen: Gruschka, Klamp, Niedler

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„Battle of the Sexes„

… erzählt die wahre Geschichte hinter dem 1973 ausgetragenen Tennismatch zwischen der Weltranglistenführenden und Feministin Billie Jean King und dem Ex-Wimbleton-Gewinner und Shauvinisten Bobby Riggs. Der Ausgang sorgte für gleiche Preisgelder für Tennisspielerinnen und schlug gesellschaftliche Wellen weit über den Sport hinaus. Jahr: 2017 Regie: Jonathan Dayton Valerie Faris Laufzeit: 121 min Land: UK / USA

Die neue Frauenbewegung

Der Tomatenwurf brachte die neue Frauenbewegung 1968 in die deutschen Medien. Von diesem Zeitpunkt an kämpften die Frauen wie Feministinnen weltweit unter anderem für Selbstbestimmung, Gleichberechtigung, sexuelle Befreiung, sowie das Recht auf Abtreibung und gleiche Löhne.

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Rezension

Der Film „Battle of the Sexes“ zeigt nicht nur das gleichnamige legendäre Tennismatch, sondern würdigt darüber hinaus Billie Jeans persönlichen Weg im Kampf für Geschlechtergerechtigkeit. Sie wird hervorragend von der Oscar Preisträgerin Emma Stone gespielt. Diese schafft es Kings Körpersprache und Sprechweise überaus authentisch zu übernehmen. Darüber hinaus wird sie der Person von Billie mehr als gerecht, indem sie trotz hoher Präsenz der selbstbewussten Rolle


genug Raum für weitere Charaktere und Handlungsstränge lässt. Ihr Gegenspieler Bobby Riggs wird von Steve Carrell verkörpert, der dem Original durch seine Optik und Schauspielleistung zum Verwechseln ähnelt. Trotz geringerer Screentime bringt er die Persönlichkeit mit Humor und angemessener Ernsthaftigkeit auf die Leinwand. Besonders lebendig wird der Film auch durch die Auswahl der Nebendarsteller. Die Regie legt in der Umsetzung von Kameraeinstellungen, Kostüm und Maske sowie der Gestaltung der Atmosphäre großen Wert auf möglichst detailgetreue Repräsentation der Originalaufnahmen und erzeugt damit das Gefühl in die Zeit der 1970er Jahre zurückgeworfen zu werden. Dabei erschafft die gemeinsame Regie von Jonathan Dayton und Valerie Faris einen persönlichen und emotionalen Film, dessen Atmosphäre trotz Ernsthaftigkeit der Gleichberechtigungsthematik nie erdrückend wirkt. In seinen 121 Mi-

nuten bietet der Film ausreichend Zeit beide Protagonisten zu etablieren, bleibt dabei aber kurzweilig und spannend. Battle of the Sexes bietet für ein breites Publikum Zugang zum Thema Frauenbewegung, da er über die Würdigung der Historie hinaus als spannendes Drama überzeugt. Das Biopic präsentiert den Mikrokosmos Tennis als Stellvertreter gesellschaftlichen Wandels und ist durch die Thematik gleicher Löhne auch heute noch aktuell. Alles in allem ist Battle of the Sexes für Jedermann und Jederfrau sehr empfehlenswert, auch wenn es sich durch die Thematik zwischen dem Mikrokosmos Tennis und der Frauenbewegung um einen Nischenfilm handelt. Autor*innen: Becker, Bode, Kollenbrandt, Werding, Zahn

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Das Team : Organisation:

Dudel, Janorschke, Müller, Mezger, Scheld, Hentsch

Grafik / Redaktion: Harken, Hubertz, Zepp

Filmauswahl:

Brückner, Tscherkaschin, Grimm, Madaghri, Zimmermann Riffel, Chemodanova, Castor, Bock, Barth Demary, Franzen, Fritsche, Kröll Budig, Kollig, Kreßmann, Puderbach, Schönberg Reichelt, Sezgin, Serban, Vukajlic Gruschka, Klamp, Niedler Becker, Bode, Kollenbrandt, Werding, Zahn

Kooperationspartner:

AStA HS KOBLENZ 18


AStA HS KOBLENZ

Social Cinema - Fimfestival 2018  

Social Cinema - Bewegte Bilder. Bewegte Menschen. Filmfestival 02.-05.07.2018 Studierende der Hochschule Koblenz Soziale Arbeit

Social Cinema - Fimfestival 2018  

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