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Co.Lab Collaborative Laboratory Diplomarbeit Lukas De Pellegrin


Co.Lab - Collaborative Laboratory Lukas De Pellegrin Diplomarbeit 2011 - TU Berlin Architektur


Die selbstständige und eigenhändige Anfertigung versichere ich an Eides statt.

Berlin, den 21.03.2011

________________________________________ (Lukas De Pellegrin)

Diplomarbeit von Lukas De Pellegrin Weserstraße 15 12047 Berlin Matrikelnummer 317882

Erstprüfer: Prof. Jörg Stollmann, Fachgebiet Entwerfen von Hochbauten einschließlich Städtebauliches Entwerfen - A30 Zweitprüfer: Prof. Susanne Hofmann, Fachgebiet Entwerfen und Konstruieren - A27


Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Ansatz

Paradigmen im Wandel: Arbeiten in einer vernetzten Welt

10

Zielsetzung

14

Coworking

Die Kreative Klasse

18

Was ist Coworking

38

Kreativit채t und Stadt

22

Coworking Spaces

40

Kreativindustrie in Berlin

26

Coworking Community Manifesto

44

Leitbild Kreative Stadt

30

Coworking Issues

45

Kreativit채t und Gentrifizierung

34

Evolution des Coworking

46

Global Coworking Survey

48

Schlussfolgerungen

90


Potenziale

Analyse des Berliner Coworking-Netzwerks Betahaus

Co.Lab

These

148

Potenziale kollaborativer Arbeit

130

Informelle Kollaboration

132

Einsatzort Lohmühleninsel Nord

150

Serendipity

134

Kreativband am Osthafen

162

Open Source Design

136

Räumliche Strategien

166

Kreative Teilhabe des Laien

138

Entwurf

178

92 96

Co.Up

102

Impakt

108

Raumstation

114

Studio 70

120

Schlussfolgerungen

126

Ökonomische und ökologische Nachhaltigkeit durch Sharing

146

Atmosphärische Collagen

178

Raumprogramm

184

Formfindungsprozess

186

Pläne und Visualisierungen

190

Literaturverzeichnis

208


Einleitung


Paradigmen im Wandel: Arbeiten in einer vernetzten Welt Die Variablen, an denen sich die gegenwärtige Gesellschaft orientiert, sind – heute mehr denn je – durch neue Technologien einem ständigen Wandel unterzogen. Diese Gesellschaft wird oft als die „Generation der Digitalen Eingeborenen” bezeichnet: Menschen, die in einer Welt aufwachsen, in der physische Orte sich aufzulösen scheinen, in der Wege immer kürzer werden und Kommunikation immer und überall stattfinden kann. Es sind Menschen, die einen kreativen Umgang mit neuen Technologien pflegen, die in einem bis vor Kurzem unvorstellbaren Grade miteinander vernetzt sind, es zukünftig immer mehr sein werden und sich spontan und mobil organisieren können. Mit der Loslösung der digitalen Netzwerke aus ihrer Virtualität und der damit einhergehenden Beeinträchtigung der realen Netzwerke der Gesellschaft ändert sich auch der Zugang zu Information. Information ist heute beinahe vollständig losgelöst von bestimmten Orten und überall abrufbar. Der bestimmende Faktor ist heute also nicht mehr der Ort, sondern die Zeit, da die Verbreitung von Information mit atemberaubender Geschwindigkeit erfolgen kann.

10

Diese Entwicklungen beeinflussen die Art und Weise, wie wir Menschen unser Habitat Stadt benutzen. Heute schon ablesbar sind die Veränderungen zum Beispiel in verschiedenen Berliner Cafés, die voll von digitalen Nomaden sind, welche nicht länger an einem Paradigma des festen Arbeitsplatzes oder des spezifischen Ortes der Informationsbeschaffung festhalten, sondern sich mittels ihrer – realen oder virtuellen – Netzwerke in ortlosen sozialen Räumen bewegen. Die kollaborative Macht ebendieser Sozialräume soll im Zuge dieser Arbeit wieder in physische Strukturen zurückgeführt werden.


Die Arbeitswelt steht am Anfang des dritten Jahrtausends vor einem Paradigmenwandel. Waren wir es bisher gewohnt, eine gewisse Sicherheit über den Fortbestand der eigenen Festanstellung und des eigenen Arbeitsplatzes zu haben, müssen wir uns heute immer mehr darauf einstellen, möglichst flexibel zu sein und an verschiedenen Orten der Welt arbeiten zu müssen. Andererseits gibt es auch den bewussten Wunsch vieler Menschen, sich nicht mehr an althergebrachte und starre Strukturen im Büro zu binden, woraus sich eine große Masse an Freiberuflern etabliert hat. Vor allem diese Menschen wissen oft nicht, was die Zukunft für sie bereit hält und sind gezwungen, sich immer wieder neu zu erfinden.

12

Durch die technologischen Entwicklungen der letzten Jahre wurde ein Arbeitsmodell gefördert, das über alle Maße mobil und flexibel charakterisiert ist. Das verstärkte projektbezogene Arbeiten ist die Folge daraus. Dabei ist zu erwähnen, dass einzelne Projekte immer öfter kooperativ und interdisziplinär bearbeitet werden. Der Vorteil dieser Arbeitsweise liegt auf der Hand: die ephemere Zusammenarbeit von Experten aus den verschiedensten Bereichen ermöglicht eine erweiterte Betrachtung der immer komplexer gestalteten Aufgaben und fördert damit innovative Entwicklungen. Die Architektur steht heute folglich vor der Herausforderung, Plattformen für das flexible, interdisziplinäre und kreative Arbeiten zu schaffen. Wie sehen die Arbeitsorte des dritten Jahrtausends aus? Wie werden wahrlich dynamische, transparente und kollaborative Arbeitsumgebungen gestaltet? Welche räumlichen Strategien können angewendet werden, um das Innovationspotenzial solcher Orte maximieren zu können?


Wissensproduktion

Wissensausschöpfung

Schaffen und Austausch von Wissen

Sammeln und Anwenden von Wissen

dynamisch informell kollaborativ chaotisch experimentell

starr bürokratisch singulär effizient wirtschaftlich

Wissensweitergabe Bereitstellung von Wissen an Laien

kommunikativ pädagogisch vernetzt

Wichtig ist hierfür vor allem die Schnittstelle zwischen dem effizienten, professionellen und strukturierten Arbeiten und dem kreativen Chaos informeller Kommunikation und Kollaboration. Diese Schnittstelle ist auch jene zwischen der reinen Ausschöpfung und Ansammlung von Wissen auf der einen Seite und dem Austausch und Schaffen von Wissen auf der anderen Seite. Diese Schnittstelle ist im räumlichen Sinn die Begegnungsqualität und die kommunikative Offenheit eines Ortes und als solche auch planbar. Die Zukunft der Arbeit wird immer stärker gemeinschaftlich und kommunikativ charakterisiert sein. Das Kommunikationsnetz ist dabei selbst in der heutigen Zeit kein rein elektronisches, sondern funktioniert auch immer im Raum und ist demnach angewiesen auf Distanzen, Abstufungen, Überlagerungen, Querverbindungen und vor allem auf eine orientierende räumliche Artikulation.

13


Arbeitsraum AZ4 der Architekturfakult채t Innsbruck


Zielsetzung Ziel der Arbeit ist es, einen Ort als Sammelstelle für Kreative aus den verschiedensten Arbeitsbereichen zu schaffen. Dieser Ort - ein Kreativzentrum - soll die kollaborative Produktion von Wissen, dessen individuelle Ausschöpfung und die vernetzte Weitergabe von kreativen und innovativen Produktionsstrukturen ideal vermengen und ausbalancieren können. Die Potenziale der informellen und kollaborationsorientierten Arbeitsformen sollen über das Kreativzentrum hinaus auf den umgebenden urbanen Raum übertragen werden. So kann das entstehende Kreativzentrum sich in einen Ort verwandeln, an dem gemeinsam Werte aufgebaut und innovative Produkte aus den verschiedensten Bereichen generiert werden.

Ein Kreativzentrum, das Innovation fördern soll, muss den Fokus also auf formelle und informelle Kollaboration, Durchmischung und Überlagerung der Kreativen Kräfte legen. Den informellen Charakter der Durchmischung dieser Kräfte kann architektonisch über programmatische Festlegungen, über Durchmischung von Bereichen und Intensitäten im Raum sowie auch über die Atmosphäre, die Mobilität und zuletzt über die Aufenthalts- und Begegnungsqualitäten des Raumes geplant werden.


Ansatz


Die Kreative Klasse Der Stadttheoretiker, Ökonom und Universitätsprofessor Richard Florida entwickelte Anfang des Jahrtausends die Theorie der Kreativen Klasse. Die Kernaussage der Theorie ist, dass die Überlebensfähigkeit und die florierende Entwicklung von Städten und Regionen heute mehr denn je mit dem kreativen Potenzial ihrer Bewohner gekoppelt ist. Die Fähigkeit der Menschen, unkonventionelle Lösungen zu finden, wird zur zentralen Ressource der städtischen Entwicklung erhoben. Die Definition der Kreativen Klasse geht stark auseinander. Für die einen sind deren Angehörige alle Menschen im akademischen Milieu, andere beschränken sich auf die inzwischen statistisch gut erfassbare Kreativbranche. Florida selbst zählt unter anderem sowohl Forscher und Ingenieure wie auch Künstler und Designer dazu. Im Allgemeinen wird die Zugehörigkeit eines Individuums zur Kreativen Klasse vor allem über dessen kreativen Output und die daraus entstehenden Innovationspotenziale definiert. Jeder Mensch, dessen Arbeitsinhalt einen kreativen Prozess in sich birgt, kann als Mitglied der Kreativen Klasse angesehen werden.

Florida geht in seinen Werken sogar so weit zu behaupten, dass die freie und vernetzte kreative Klasse in naher Zukunft der neue Motor der globalen Wirtschaft sein wird. Städte, die heute den sogenannten „Brain-Drain-Effekt” - also der Abwanderung von kreativen Talenten in andere Regionen - samt seinen negativen wirtschaftlichen Folgen vorbeugen wollen, sollten laut Florida die kreativen Köpfe intensiv fördern.

Innovation

Toleranz

Technologie

Wirtschaftliches Wachstum

Kreative Klasse

Talent

Effektkreislauf der Kreativen Klasse nach Richard Florida


19


20


Landwirtschaft 0.3%

Landwirtschaft 0.1% Industrie 19.6%

Industrie 23.1% 40%

rie st du In

Dienstleistungen 30.6%

D ie ns tle is tu ng en

30%

Kr ea tiv e

Kl as se

Dienstleistungen 45.7%

20%

2000

1980

1960

1940

1920

1900

Zeitlich gegliederte Verteilung der Erwerbssektoren [USA]

Kreative Klasse 31.0%

Anteil an allen Beschäftigten 2006

Landwirtsch aft

Anteil an allen Löhnen 2006

re e Co eativ r-Cr e p Su

10%

Kreative Klasse 49.8%

Anteile der Kreativen Klasse an der Erwerbsbevölkerung und an deren Gesamtlohn

Während die Anzahl der Industriearbeiter und der landwirtschaftlichen Arbeiter seit dem ersten Weltkrieg stetig im Rückgang ist und die Anzahl der Dienstleister in den letzten Jahrzenten nur leicht gestiegen ist, sieht Florida den größten Zuwachs bei den Kreativen. Betrug der Anteil der Kreativen Klasse in den Vereinigten Staaten in den 1970er Jahren noch etwa 20 Prozent aller Beschäftigten, so schätzt Florida diese Zahl Anfang des Jahrtausends auf etwas über 30 Prozent ein. Hinzu kommen noch etwa 10 Prozent aller Beschäftigten, die Florida zum „Super-Creative Core“ zählt, also jenen Menschen, deren Hauptaufgabe darin liegt, Neues zu erfinden und innovative Produkte zu erschaffen. Den Dienstleistungssektor sieht Florida als Tragstruktur des Kreativen Zeitalters.1 2006 errechnete Florida den Anteil der Kreativen Klasse am gesamten Beschäftigtenspektrum auf 31 Prozent. Allerdings errechnete er auch, dass ebendieses Drittel beinahe die Hälfte der zusammengerechneten Löhne aller in den USA Beschäftigten verdient.2 1 2

Florida, Richard: „The Rise of the Creative Class. And how it’s transforming Work, Leisure and Everyday Life” - 2002, S. 72 Zahlen aus Who’s Your City: http://www.creativeclass.com/whos_ your_city/maps/#Rise_of_the_Creative_Economy - 20.02.2011 21


Kreativität und Stadt

„The Industrial Revolution changed the way cities were built. Small workshops changed into big factories. What happens now is that these big factories go back to small workshops.“ Bas Van Abel Waag Society Utrecht

Neben Richard Florida beschäftigt sich auch der Stadttheoretiker Charles Landry mit der Frage, welche Einflüsse Kreativität auf die Zukunft der Stadt nimmt. Seiner Ansicht nach kann das Konzept der Kreativen Stadt grundsätzlich als Antwort der Städte auf den Strukturwandel von einer Industrie- über eine reine Dienstleistungszu einer kreativen Wissensgesellschaft interpretiert werden. Das alte Modell, nach dem Städte große Ketten, Firmen oder Gewerbe anziehen und somit Arbeitsplätze schaffen müssen, gilt nicht mehr kategorisch. Vielmehr müssen sie eine tolerante Atmosphäre schaffen, welche das kreative Potenzial und das Talent der Menschen fördert und es zu Innovation, Firmengründungen und letztlich zu wirtschaftlichem Wachstum umwandelt.3 Die Entfaltung städtischer Kreativität und somit des Innovationspotenzials kann systematisch gefördert werden. Charles Landry hat dazu die Theorie des städtischen Kreativitätskreislaufs aufgestellt.4 In fünf Schritten sollen so die kreativen Kräfte in der Bevölkerung geweckt werden:

3 4

22

Vgl. Florida 2002, S. XIX Landry, Charles: „The Creative City: A Toolkit for Urban Innovators” - 2000


Ideen verwirklichen: Immer wieder neuen Nährboden durch innovative Aufträge und Umsetzung der Ideen schaffen. Ideen verbreiten und Netzwerke aufbauen: Zur Aufrechterhaltung einer kreativen Stadt bedarf es eines Netzwerks kreativer Menschen sowie Aktivitäten, die durch einen ständigen Austausch von Ideen, Informationen und Möglichkeiten aktiv gehalten werden.

Handlungsmöglichkeiten bieten: Schaffung von Kreativzentren, die Raum für Experimente und Pilotprodukte sowie Ausstellungsraum zur Präsentation der Ergebnisse bieten.

Ideen veröffentlichen und vermarkten: Ideen, engagierte Menschen, Talente und Produkte durch Netzwerke und Verteilerketten vermarkten.

2. N ährb ode Ums n schaf fe etzu ng v n durch on I dee n

hen ntlic e f f erö en v arkten e d I 5. verm und

n vo n ng tre ffu en ha ivz Sc at 4. Kre

1. Potenziale in der Bevölkerung anregen

Grundstein für neue Ideen schaffen: Potenziale innerhalb der Bevölkerung anregen, um neue Ideen zu entwickeln.

3. Id Ne een tzw ve er rbre ke ite au n u fba nd ue n

23


USA | 30.08% Belgien | 29.97% Niederlande | 29.54% Finnland | 28.61% Großbritannien | 26.73% Irland | 26.01% Griechenland | 22.08% Schweden | 21.18% Dänemark | 21.05% Spanien | 19.48% Deutschland | 18.17% Österreich | 16.92% Italien | 13.19% Portugal | 13.14%

Richard Florida vergleicht auch die verschiedenen Anteile der Kreativen Klasse an der Gesamtbevölkerung in verschiedenen Staaten. Führende kreative Länder sind nach den USA vor allem in der Benelux-Region, in Skandinavien und auf den britischen Inseln zu finden. Deutschland befindet sich immer noch im hinteren Bereich. Hier werden im Jahr 2000 nur 18 Prozent der Erwerbsbevölkerung zur Kreativen Klasse gezählt.5 Allerdings sieht Florida bereits zum Jahrtausendwechsel einen starken Anstieg der Zahlen in Deutschland voraus. Des Weiteren macht Florida in Europa mehrere Megaregionen aus, die den Wandel zur Wissensgesellschaft vorantreiben. Die größte und wichtigste Achse ist London-Mailand. Diese wiederum besteht aus mehreren Megaclustern. Es gehören die Metropolregion London und Manchester dazu, die Metropolregion Paris, die Benelux-Staaten, die Südwest-Regionen Deutschlands (also die urbanen Räume zwischen Frankfurt und Stuttgart) und letztlich Mailand, Turin und ihre Ausläufer dazu.

Anteile der Kreativen Klasse im internationalen Vergleich 5 24

Florida. Richard; Tinagli, Irene: „Europe in the Creative Age” - 2004


Wirtschaftswachstumsraum B

Wirtschaftskernsraum B

Auf der iberischen Halbinsel unterscheidet Florida die Metropolregionen Lissabon-Porto und Madrid. Die Megaregion Barcelona-Lyon hingegen dehnt sich an beinahe der gesamten spanischen und französischen Mittelmeerküste aus. Des Weiteren gibt es noch zwei Megacluster im Osten Europas: Wien-Budapest und die Metrolporegion Prag. Berlin letztlich wird auch als kreatives Cluster angesehen, ist aber ähnlich wie Madrid mit keinen anderen urbanen Räumen verwachsen.6 Vergleicht man die Megaregionen mit den großen europäischen Wirtschafträumen7, fällt auf dass Berlin im Nordende des zweiten großen Wirtschaftskernraums - der Achse KopenhagenBerlin-Wien - liegt. Auf europäischen Maßstab wird Berlin oft die Rolle der „Ost-West-Drehscheibe“ zugesprochen, es ist die westliche Grenzstadt der großen ökonomischen Ostzone, die sich von Sankt Petersburg und Moskau über die ehemaligen Ostblockstaaten und den Balkan bis nach Athen erstreckt.

6 7

Wirtschaftswachstumsraum A Wirtschaftskernsraum A

Glas-Burgh

Am-Brux-Twerp

Berlin

Prag

Lond-Leed-Chester Frankfurt Paris

Wien-Budapest

Barce-Lyon Rom-Mil-Tur Lissabon Madrid

Daten aus Who’s Your City: http://www.creativeclass.com/whos_your_ city/maps/#Mega-Regions_of_Europe - 27.02.2008 Karte der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Abteilung Stadt- und Freiraumplanung nach M. Sinz - 2006 25


„Berlin kann ein für diese Stadt spezifisches atmosphärisches Potenzial nutzen: die Offenheit aller seiner Strukturen auf der institutionellen, kulturellen, mentalen – und vor allem auch stadträumlichen Ebene. [...] Das ist die konkrete Attraktion für Menschen aus aller Welt, die mehr Ideen im Kopf als Geld in der Tasche haben und völlig Neuem zum Durchbruch verhelfen wollen – ohne einengende Codes oder Konventionen manch anderer großer Städte, die satt sind, während Berlin hungrig ist – und sich, wieder einmal, neu erfinden muss. Ein Zuzug – vor allem junger – Kreativer von ca. 50.000 im Jahr ist international ohne Vergleich: Sie setzen die Stadt neuartig wieder in Wert.“ Klaus Brake Was wird (aus) Berlin? ARCH+ 201/202

26


Kreativindustrie in Berlin In der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg war Berlin einer der größten Industriestandorte in ganz Europa. Mit dem Krieg sind jedoch große Teile der industriellen Produktion weggebrochen. In der Zeit nach der Wende hingegen wurden viele Hoffnungen auf ein wirtschaftliches Wachstum infolge des Umzugs der Bundesregierung von Bonn nach Berlin gelegt. Nach der Einsicht, dass sich diese Prognosen nicht erfüllen werden, hat Berlin begonnen, ein neues und zukunftsorientiertes Stadtprofil anzustreben. Der viele Leerstand und die relativ billigen Mieten in Berlin waren und sind immer noch der Grund für den starken Zuzug von Kreativen aus der ganzen Welt. Sie unterstützen so die Idee der Neuausrichtung hin zur kreativen Stadt und den Aufbau einer gefestigten Kreativindustrie in Berlin.

Klaus Wowereit, Berlins regierender Bürgermeister äußerte sich zum Thema Berlin als Kreative Stadt wie folgt: „Will Berlin ein Kraftzentrum der Wissensökonomie werden, muss es drei Wege konsequent verfolgen: Berlin muss zu einem Standort der Technologie von morgen und der Forschung für übermorgen werden. Zwar wird Berlin nicht mehr die Stadt der grossen Industriekomplexe sein. Aber in den Hinterhöfen Kreuzbergs, in Adlershof oder Berlin-Buch wirtschaften kleine, zum Teil hochtechnologische Firmen. […] Berlin muss die Stadt der Talente sein. Wir wollen attraktiv für Kreative aus Wissenschaft, Kultur und Wirtschaft sein.“ 8

Die Kreativbranche wurde über lange Zeit als weicher Standortfaktor für die Stadtentwicklung gesehen. Gerade in Berlin jedoch hat sich herausgestellt, dass dieses Segment ein wichtiger, harter Wirtschaftsfaktor ist, der für Wachstum und Beschäftigung sorgt.

8

Zitiert in Ebert, Ralf; Kunzmann, Klaus: „Kulturwirtschaft, kreative Räume und Stadtentwicklung in Berlin” - 2007 27


Daten zur kreativen Branche werden in Deutschland auf Länderebene erhoben und die Kriterien variieren von Bundesland zu Bundesland. In Berlin werden zur Kreativwirtschaft folgende Teilmärkte gezählt: Buch- und Pressemarkt, Softwareentwicklung / Games / Telekommunikationsdienstleistungen, Werbemarkt, Film- und Rundfunkwirtschaft, Kunstmarkt, Musikwirtschaft, Architektenbranche, Designwirtschaft und der Markt für Darstellende Künste. Mit 23.000 Unternehmen und knapp 18 Milliarden Euro Umsatz stellte die Kreativbranche im Jahr 2006 etwa 13% des gesamten Berliner Bruttoinlandsproduktes. Knapp ein Zehntel der Berliner sind in der Kreativbranche erwerbstätig. Wie stark die Berliner Kreativindustrie in den letzten Jahren gewachsen ist, zeigt ein Vergleich zwischen den Daten der Berliner Kulturwirtschaftsberichte aus den Jahren 2000 und 2006.9

9

28

Berliner Kulturwirtschaftsberichte der Senatsverwaltung für Wirtschaft, Arbeit und Frauen - Editionen 2005 und 2009


22.934 (+24.3%)

14.034.245.000€ 2000

158.568

160.515 (+1.2%)

17.281

2006 (+20.1%)

2006

2000

Erwerbstätige in der Kreativindustrie

2006

2000

Unternehmen der Kreativindustrie

17.544.150.000€

Erwerbstätige und Unternehmen der Berliner Kreativindustrie

Umsätze der Berliner Kreativbranche

29


Innenstadt City-Bereiche: höchste Dichte an Unternehmen der Kreativindustrie z.B. Mitte, City-West Andere: überdurchschnittliche Zahl an Unternehmen der Kreativindustrie z.B. Prenzlauer Berg, Friedrichshain-Kreuzberg, Treptow

Leitbild Kreative Stadt Die Berliner Senatsverwaltung für Stadtentwicklung hat im Jahr 2006 eine Studie in Auftrag gegeben, die die räumliche Verteilung der Kreativwirtschaft in Berlin analysieren sollte.10 Die Studie kam zu folgenden Ergebnissen: •

In beinahe allen Bezirken gibt es eine Basis an Unternehmen der Kreativbranche. Reinickendorf

In 42 der 192 Bezirke lässt sich eine überdurchschnittliche Anzahl solcher Unternehmen feststellen.

Pankow

Spandau Lichtenberg e Mitte

10

30

Die Dichte der Unternehmen der Krativbranche nimmt mit größerer Entfernung von den hochverdichteten Citybereichen (Mitte und City-West) von innen nach außen ab. Die innere Stadt ist der räumliche Schwerpunkt der Kreativindustrie. Ausnahmen sind traditionell gewachsene Kreativgebiete wie das südwestliche Charlottenburg oder auch die ausgewiesenen und weniger publikumsorientierten Gewerbegebiete der Kreativindustrie, wie beispielsweise Adlershof und Tempelhof. STADTart; Kunzmann, Klaus; Culture Concepts: „Kreativräume in der Stadt - Integration von Kunst, Kultur und Co. in die Berliner Stadtentwicklung” - 2006

MarzahnHellersdorf FriedrichshainKreuzberg CharlottenburgWilmers Wilmer Wilmersdorf

SteglitzZehlendorf

TempelhofSchöneberg

Neukölln

TreptowKöpenick


Innenstadt Typ 1: Gewachsene oder ausgewiesene Gewerbegebiete der Kreativindustrie z.B. Adlershof, Potsdam, Tempelhof Typ 2: Standorte (inter)national etablierter Unternehmen der Kreativindustrie z.B. Charlottenburg, Schöneberg Typ 3: Standorte lokal etablierter Unternehmen der Kreativindustrie z.B. City-West, Mitte Typ 4: Lokale Ausstrahlungräume von kreativ ausgerichteten Hochschulen z.B. Wedding, Moabit Typ 5: Touristisch geprägtes Szenequartier mit kleinteiliger Kreativindustrie z.B. Prenzlauer Berg Typ 6: Ethnisch geprägtes Stadtquartier mit kleinteiliger Kreativindustrie z.B. Kreuzberg, Neukölln Typ 7: Eroberungsraum der Kreativindustrie z.B. Friedrichshain, Lichtenberg, Oberschöneweide

Die Studie unterscheidet zwischen zwei großen kreativen Raumkategorien. Zu den etablierten Kreativgebieten gehören ausgewiesene Gewerbegebiete der Kreativindustrie wie zum Beispiel der Filmpark Babelsberg in Potsdam, sowie Standorte regional bis international etablierter Kreativunternehmen wie etwa die Citybereiche und der Westteil der Stadt. Reinickendorf

Zu den Eroberungsräumen der Kreativbranche gehören vor allem Gebiete im Osten Berlins, wie beispielsweise die Achse FriedrichshainOberschöneweide, sowie Innenstadtgebiete, die aufgrund des vielen Leerstands und der relativ günstigen Immobilienpreise zu lokalen Brutstätten neuer Kreativität werden können. Hierzu zählt die Studie die Bereiche um Moabit und den Grenzbereich Kreuzberg-Neukölln.

Pankow

Spandau

5 4 3 CharlottenburgWilmersdorf

4

Lichtenberg

MarzahnHellersdorf

2

inFriedrichshainKreuzberg

2

2

6

3

7

3 1 SteglitzZehlendorf

An dieser Unterscheidung ist letztlich auch die geschichtliche Entwicklung Berlins abzulesen: von 1945 bis zum Mauerfall konzentrierte sich die Kreativbranche stark auf Westberlin. Ab 1990 hingegen wurden die preisgünstigen Raumpotenziale im Osten der Stadt für junge Unternehmen der Kreativindustrie interessant.

Miitt tte tt te te Mitte

4

TempelhofSchöneberg

ln Neukölln

TreptowKöpenick ck

1

1

31


Aufgrund der Ergebnisse der Analyse wurden in einem zweiten Schritt für jeden der Berliner Kreativräume spezielle Handlungserfordernisse formuliert: •

32

Etablierte Gewerbegebiete der Kreativwirtschaft (Typ 1) sollen bei sich abzeichnender Nachfrage vorausschauend expandiert und gegebenenfalls auch baurechtlich festgelegt werden. Hier soll gezielt die Ansiedlung großer und mittlerer Kreativunternehmen sowie der zugehörigen Dienstleister gefördert werden. Standorte mit etablierter Kreativindustrie (Typen 2 und 3) sind vor allem zentrumsnah vorzufinden. Ihre vorhandenen Zentrumsfunktionen sollen deshalb identifiziert und über die Förderung der Kreativwirtschaft gestärkt werden.

In Gebieten mit weniger stark etablierter Kreativindustrie (Typen 4 bis 6) soll verstärkt das Angebot an preisgünstigen Gewerbe- und Wohnflächen überwacht werden, um die weitere Ansiedlung von kreativen Talenten zu gewährleisten. Des Weiteren sollen Standorte für potenzielle Gründungszentren der Kreativwirtschaft identifiziert und Nutzungskonzepte für ebendiese erarbeitet werden. Die Eroberungsräume der Kreativindustrie (Typ 7) liegen vorwiegend im östlichen Teil der Stadt und verfügen über ein großes Angebot an Flächen- und Raumpotenzialen. Hier soll vorausschauend geprüft werden, welche Standorte sich nach Phasen temporärer Nutzung für eine dauerhafte Nutzung durch Einrichtungen der Kreativwirtschaft eignen.

Zusätzlich zu diesen Maßnahmen wurden acht perspektivische Initiativen mit Ausstrahlung auf ganz Berlin und auch nach außen erarbeitet und für das nächste Jahrzehnt geltend gemacht. Die drei wichtigsten werden im Folgenden erläutert. Die Initiative der Kreative Spree zielt durch die verstärkte Vernetzung der Akteure und die Intensivierung des vorhandenen Standortmarketings auf die Etablierung eines Innovationsraumes der Kreativindustrie entlang der Spree ab. Die Philosophie der kreativen Zentren hingegen versucht, den Fokus auf eine nachhaltige Entwicklung der wichtigsten Stadtteilzentren zu legen, indem die Eigenheiten der einzelnen Zentren identifiziert und maßgeschneiderte Handlungskonzepte entworfen werden. Die kreative Brücke Berlin-Istanbul beschäftigt sich mit dem Zusammenhang zwischen Migra-tion und Kreativität. Ziel ist es unter anderem, den sozialen Zusammenhalt zu stärken. Räumliche Handlungsschwerpunkte des Brückenschlags zu anderen Metropolen sollen vor allem Kreuzberg, Wedding, Neukölln-Nord und Moabit sein.


Spandau

Spandau Lichtenberg

MarzahnHellersdorf

SteglitzZehlendorf

TempelhofSchöneberg

Neukölln

MarzahnHellersdorf

MarzahnHellersdorf

SteglitzZehlendorf

TreptowKöpenick

TempelhofSchöneberg

Neukölln

SteglitzZehlendorf

TreptowKöpenick

TempelhofSchöneberg

Neukölln

TreptowKöpenick

Kreative Spree

Kreative Zentren und Märkte

Kreative Brücke Berlin-Istanbul

• •

• • • • • • •

Vernetzung der größeren und kleineren Kulturbetriebe entlang der Spree Schaffung von Projektbörsen Intensivierung des vorhandenen Standortmarketings Schaffung eines Innovationsraums der Kreativindustrie Einbindung der Öffentlichkeit Schaffung von öffentlichen Räumen Stadt am Wasser Aktivierung durch Veranstaltungen

• • • •

Zukunftsorientierte und nachhaltige Entwicklung von wichtigen Stadtteilzentren durch Kreativwirtschaft Spezifische Entwicklungspotenziale der Zentren analysieren und zentrenspezifische Handlungskonzepte erarbeiten Bewältigung einzelhandelsbedingter Funktionsverluste Unterstützung von Communities Stärkung der Identifikation mit dem Stadtteil Konsolidierung des sozialen Zusammenhalts

• • •

Brückenschlag zu anderen Metropolen Zusammenhänge zwischen Migration, Kreativität und lokalen Ökonomien Handlungsschwerpunkte sind Kreuzberg, Wedding, Neukölln-Nord und Moabit Entwicklungspotenziale der Kreativwirtschaft gezielt für die Gebietsentwicklung nutzen Schaffung / Sicherung von Arbeitsplätzen

33


Invasion

Invasion

Untere soziale Schich ten

Ande re

Entschleunigendes Moment

e ier on Pi

Sukzession Imagewandel des Quartiers

Ande re

Übernahmepunkt

Imagewandel des Quartiers

Untere soziale Schich ten

Ge ntr ifiz ier er

Sukzession

e ier on Pi

zierer Gentrifi

Invasionsphase der Pioniere I

Invasionsphase der Pioniere II

Invasionsphase der Pioniere III Invasionsphase der Gentrifizierer I

Invasionsphase der Pioniere I Invasionsphase der Gentrifizierer II

Invasionsphase der Gentrifizierer III

Invasions-Sukzessionszyklus11 11

34

Nach Hoffmeyer-Zlotnik, Jürgen: „Eine Analyse des sozialökologischen Prozesses der Bevölkerungssukzession“ - 1979

Invasionsphase der Pioniere II

Invasionsphase der Pioniere III Invasionsphase der Gentrifizierer I

Invasionsphase der Gentrifizierer II

Entschleunigungsprozess

Invasionsphase der Gentrifizierer III


Kreativität und Gentrifizierung Es ist nicht auszuschließen, dass Kreativzentren in ihrer Rolle als Sammelbecken für kreative Pioniere an Aufwertungsprozessen von Stadtquartieren teilnehmen und somit unerwünschte oder in ihrer sozialen Wirkung unterschätzte Folgewirkungen mit sich bringen. Entwicklungen, die Bewährtes in der Stadt verändern, werden sehr oft mit dem Vorwurf, gentrifizierend zu wirken, behaftet. Die Neustrukturierung und Aufwertung von Stadtvierteln ist auf lange Sicht weder zu verhindern, noch wird sie im Gegensatz zum Stadtverfall mehrheitlich abgelehnt. Stadt ist auch immer etwas Veränderliches und daher muss nicht danach gefragt werden, wie man Aufwertung umgehen kann, sondern danach, was für die Stadt gut ist und was die Stadtbenutzer brauchen. Gerade in Berlin trifft dies besonders zu. Ein großes, gesteuertes und gesichertes Angebot an bezahlbaren und zukunftsorientierten Arbeitsräumen für das Umsetzen kreativer Impulse beispielsweise kann helfen, den negativen Auswirkungen der unweigerlich auftretenden Aufwertungsprozesse entschleunigend entgegenzuwirken.

Charles Landry gibt für eine erfolgreiche Veränderung der Stadt durch kreative Impulse folgende Kriterien vor: •

Es muss sowohl eine lebendige alternative Rand-Kulturszene, wie auch eine gesunde Mainstream-Szene gefördert werden.

Gentrifizierungsprozesse sind unvermeidbar, müssen jedoch in einem solchem Maße steuerbar bleiben, dass Segregationsprozesse minimal bleiben.

Es muss die richtige Balance zwischen lokaler Szene und globalen Ambitionen der Stadt gefunden werden.12

12

Interview: „Veränderung ist an sich schon ein kultureller Prozess” mit 2010LAB: http://www.2010lab.tv/blog/charles-landry-veraenderung-istsich-schon-ein-kultureller-prozess - 14.01.2011

Um die negativen Aspekte der Gentrifizierung zu vermeiden, braucht es auch öffentliche Mittel, welche den Markt mit beeinflussen können, damit es nicht zur Vertreibung der schwächeren sozialen Schichten und der Kreativen kommt. Funktionierende Beispiele dafür sind Ravnsborggade in Kopenhagen oder das Quartier Latin in Paris. Aufwertungsprozesse sollen also soweit steuerbar bleiben, dass sie als Verbesserung der Lebensqualität, als Katalysator für allgemeines Wachstum und Entwicklung der urbanen Umgebung gesehen werden können. Diese Problemstellung wirft die Frage auf, ob durch die Planung von partizipativ ausgerichteten Kreativzentren, die die Stadtbewohner aktiv am kreativen Prozess teilhaben lassen, die Aufwertungsprozesse in einem solchen Maße steuerbar bleiben, dass zumindest einige der negativen Folgen der Gentrifizierung vorgebeugt und entschleunigt werden können. Kann gar durch publikumsbezogene Angebote der Kreativwirtschaft eine positive Aufwertung des Quartiers stattfinden?


Coworking


Was ist Coworking

„If we are around interesting people, interesting things usually happen.” Chris Messina Citizen Space San Francisco

Coworking (engl. für „zusammen arbeiten”) hat sich im letzten Jahrzehnt als eine neue Arbeitsform herauskristallisiert. Es handelt sich dabei um das Zusammenkommen einer Gruppe von Menschen, die zwar eigenständig arbeiten, die aber gewisse Werte teilen und interessiert sind an der Generierung von Synergieeffekten, die beim Arbeiten mit anderen am selben Ort auftreten können. Vor allem Freiberufler, Kreative und Wissensarbeiter aller Art, die unabhängig voneinander agieren oder in unterschiedlichen Projekten aktiv sind, arbeiten zeitweise an einem Ort und in einem Netzwerk zusammen und profitieren auf diese Weise voneinander. Die Idee des Coworking ist also simpel: selbstständige und hochflexible Professionelle arbeiten besser, wenn sie es zusammen tun, als wenn sie alleine sind. Durch diese - zum großen Teil informelle - Zusammenarbeit können Einzelne und kleinmaßstäbliche Arbeitsgruppen ökonomische und synergetische Effekte von größeren Unternehmen erzielen, obwohl sie nicht zwangsweise auf das selbe Ziel hinarbeiten, sondern vor allem informellen Wissensaustausch betreiben.

Coworking ermöglicht die Bildung ephemerer Gemeinschaften, es bietet sowohl die Autonomie und die Freiheit des Arbeitens zu Hause wie auch die soziale Interaktion und die Struktur, die in einem Büro geboten wird. Es bietet überaus großzügige Möglichkeiten zur Vernetzung, zur sozialen Interaktion und zum informellen Austausch von Wissen, Arbeitskraft und Dienstleistungen. Coworking ist ein Ausdruck der heutigen Zeit: ausgestattet mit einem Laptop, einem kleinen Startkapital und einer guten Idee kann heute jeder sein eigenes Unternehmen starten, sich mit Gleichgesinnten vernetzen, Wissen austauschen und innovative Lösungen finden, vollkommen unabhängig von Aufenhaltsorten und von den Hintergünden. Es überrascht deshalb nicht, dass überall auf der Welt sogenannte „Coworking Spaces” gegründet werden. Diese sind die Orte, in denen sich der digitale Nomade niederlassen kann und an denen es alles gibt, was er für die Entfaltung seiner Projekte braucht. Es sind die Orte, an denen diese - ansonsten eher virtuell charakterisierte - Vernetzung wieder im physischen Raum verankert wird.


39


Coworking Spaces Coworking Spaces sind die Weiterführung des Gedankens des „Home Office“ und des „Coffeehouse Office“. Beide Konzepte entstanden aus der immer weitreichenderen Virtualisierung der Wissensarbeit und der massenhaften Verbreitung von virtuellen Netzwerken. Viele Wissensarbeiter mussten nicht mehr zwangsweise in den Räumlichkeiten ihres Unternehmens arbeiten, sondern konnten nun von jedem Ort aus tätig sein. Der Ort der Arbeit wurde zur Nebensache, wichtig ist es nun, über die richtige soziale Vernetzung zu verfügen. Im Gegensatz zum ähnlichen Modell des „Shared Office“, bei dem sich mehrere Professionelle zusammenschließen, um gemeinschaftlich genutzte Büroräumlichkeiten kostensparend anzumieten, bleibt die Nutzung der Coworking Spaces stets unverbindlich und zeitlich flexibel. Arbeitsplätze sind zum großen Teil nicht fest vergeben, man mietet sich zum Beispiel für die Dauer eines Projekts einen Schreibtisch und bezahlt ihn auf monatlicher Basis - solange, wie man den Platz benötigt. Dann rücken andere nach. Die Dynamik, die dabei entsteht, fördert den Austausch von immer neuen Ideen.

40

Parallel zu den Veränderungen unserer Arbeitsweise sind auch die Orte, an denen wir Arbeit verrichten, einem ständigen Wandel unterzogen. So kann der Coworking Space als jener Raum gesehen werden, der das Ende der Ära der ortsgebundenen Arbeit einleitet. Als ein Raum für das freie, vernetzte und globalisierte Arbeiten – und als solcher auch als ein Raum für ein neues wirtschaftliches Potenzial. Die Grafik zeigt das Kollaborations-Spektrum, an dessen Anfang das Home Office steht. Hier wird einzeln gearbeitet, soziale Interaktion findet höchstens auf virtueller Ebene über Konferenzschaltungen statt. Um der sozialen Isolation zu entgehen, haben in den letzten Jahren viele digitale Nomaden begonnen, gastronomische Betriebe als Coffehouse Office zu benutzen. Ein vielzitiertes Beispiel dafür ist das Berliner Café St. Oberholz. Hier wird vor allem Einzelarbeit betrieben, die Räume sind nicht darauf ausgelegt, Kollaboration zu fördern.

Die logische Weiterführung des Spektrums ist der Coworking Space, der die Einfachheit der Arbeitsplatzbeschaffung und die Informalität im Coffehouse Office mit der professionellen Infrastruktur und der sozialen Interaktion eines Gemeinschaftsbüros verbindet. Das Gemeinschaftsbüro wäre somit wohl der nächste Schritt im Spektrum. Oft werden auch ähnliche Prozesse beim sogenannten „Jelly“ beobachtet. Jelly ist eine Zwischenstufe zwischen Home Office und Coworking Space. Dabei werden Menschen im eigenen Heim eingeladen, um so eine Zeitlang auch im Home Office den informellen Wissensaustausch erfahren zu können, den es ansonsten nur in gemeinschaftlichen Einrichtungen gibt. Eine letzte Zwischenstufe ist das sogenannte „Breakout“. Hierbei organisieren sich mehrere Menschen zum Arbeiten im Freien. Bei dieser Form der informellen Zusammenarbeit zeigt sich am stärksten, dass Arbeiten im neuen Jahrtausend an jedem denkbaren Ort möglich ist.


Home Office

Coffeehouse Office Einzelarbeit

Jelly

Informelle Zusammenarbeit

Coworking Space

Breakout

Organisierte Zusammenarbeit

Kollaborations-Spektrum 41


42


Berichterstattung zum Thema Coworking 43


Coworking Community Manifesto Das Coworking Community Manifesto wurde im Jahr 2008 in einer gemeinsamen Aktion der Coworker der Station C in Montréal erarbeitet. Es basiert auf mehreren anderen Regelsätzen, die bekannte Coworking Spaces erstellt haben. So zum Beispiel werden darin Teile der „Coworking Philosophy“1 von Alex Hillmann und Geoff DiMasi, den Leitern der Independents Hall in Philadelphia zitiert. Auch Ideen der „Theory of Change“2 von Tonya Surman des Toronto Centre for Social Innovation finden sich hier zusammengefasst wieder. Die fünf Pfeiler des Coworking sind demnach der Aufbau einer funktionierenden Community, die Förderung informeller Kollaboration, das Anregen von Wissensaustausch durch transparentes Arbeiten, die Erhaltung von Heterogenität von Blickpunkten und Ideen und letztlich die Suche nach neuen Wegen zur ökonomischen und ökologischen Nachhaltigkeit über das Teilen von Arbeitsraum. 1 2

44

„Indepents Hall - Coworking Philosophy”: http://citizenspace.us/about/our-philosophy/ - 03.02.2011 „ Centre for Social Innovation - Theory of Change”: http://socialinnovation.ca/about/theory-of-change - 03.02.2011

Community

Aufbau von Gemeinschaften, welche aufgrund ihrer Verbindungen und dem gegenseitigen Support der Individuen funktionieren. Netzwerkbildung ermöglichen, informellen Austausch fördern.

Collaboration

Zusammen arbeiten, egal ob in predefinierten oder in ad-Hoc-Teams. Ideen, Lösungen und Ressourcen sollen geteilt werden.

Openness

Vorteile ziehen aus dem Teilen von Ideen und von Wissen. Synergien steigern durch Open Spaces, Shared Tables etc. Andererseits muss auch der Rückzug ins Private ermöglicht sein.

Diversity

Heterogenität der Ideen, Perspektiven und Arbeitsweisen fördern. Verschiedene Hintergründe, Lebens- und Karrierepunkte zusammenbringen, um die kollektive Kreativität zu fördern. Elitäres Gruppendenken vermeiden.

Sustainability

Die Deckelung der Ausgaben sollte ausreichen, Profit muss nicht gemacht werden. Ökologisch sollen Wege gefunden werden, um gemeinsam den Fußabdruck des Einzelnen zu verringern. Infrastructure Sharing als Mittel der ökologischen Optimierung.


Coworking Issues

$

Vermittlung nach außen

co

Coworking und Aufwertung

Menschen außerhalb des Ideenzirkels ist oft nicht klar, was die Vorteile informeller Zusammenarbeit sind und welche Profitaussichten es gibt. Oft werden Coworking Spaces nur als Orte gesehen, in denen man temporär einen Arbeitsplatz mieten kann. Wie vermittelt man die Vorzüge des Coworking nach außen?

Die kreative Klasse wird als Teil des Gentrifizierungsprozesses gesehen. Coworking Spaces tragen oft zur Aufwertung von Stadtvierteln bei. Wie kann eine positive Gentrifizierung erlangt werden?

Informelle kollaborative Zonen Die Balance zwischen Zonen, die informelle Kollaboration fördern und Zonen, an denen produktiv gearbeitet wird, muss gefunden werden. Welche Strategien können angewendet werden? Offenheit wird beim Coworking hoch gehalten. Aber wie kann auch die erfoderliche Privatheit garantiert werden?

!

Kollektive Entscheidungen

Was bedeutet “von der Community betrieben”? Muss jede Entscheidung von allen Involvierten zusammen getroffen werden? Oder soll eher jeder Coworker ihm wichtige Initiativen mit entscheiden können? Wie schafft man eine Atmosphäre, in der jeder das Gefühl hat, Initiative ergreifen zu können?

Population aufrecht erhalten

Wie schafft man es, in den wechselnd belebten Coworking Spaces die für gute Kollaborationen benötigte “critical mass” an Arbeitern zu erreichen und zu erhalten? Bereits angesiedelte Coworker ziehen später andere nach. Es sollte immer ein Grundstamm an Coworkern im Space anwesend sein, um eine gewisse Stabilität erlangen zu können.

Die größten Probleme beim Coworking entstehen vor allem daraus, dass diese neue Arbeitsform noch relativ unbekannt ist. Viele Aspekte der kollaborativen Arbeit sind noch nicht genau geklärt oder es gibt noch nicht genügend Wissen darüber, wie mittel- oder langfristige Entscheidungen das Miteinander im Coworking Space beeinflussen können. Obwohl derzeit viel mediales Interesse für das Thema Coworking besteht, ist vielen Menschen - sowohl Laien als auch kreativen Professionellen - nicht klar, was Coworking bedeutet und welche Vorteile es mit sich bringt. Viele sehen Coworking leider nur als billigen Arbeitsplatz an und übersehen die Potenziale kollaborativer Arbeit im ersten Moment. Weitere Probleme können innerhalb der Spaces enstehen und begründen sich über den Gegensatz der Community und des Individuums. So zum Beispiel ist der Konflikt zwischen transparenter Arbeit und dem Wunsch der Coworker zur Isolation, die in manchen Situationen wichtig ist, bisher noch nicht ideal gelöst worden. Dasselbe gilt für kollektive Entscheidungen in den Spaces.

45


Evolution des Coworking Der erste, der den Begriff „Coworking“ verwendete, war Bernie DeKoven, der damit im Jahre 1999 die neuen Arten der virtuellen Kollaboration zu benennen versuchte, die durch die rasante Verbreitung des Internets entstanden sind.3 Brad Neuberg, ein Programmierer für Google, der von den meisten als der Erfinder des heutigen Coworking gesehen wird, benutzte den Begriff im Jahr 2005 für seine Kollaborativbüros The Spiral Muse und The Hat Factory in San Francisco, wo er mit Gleichgesinnten gelebt und gearbeitet hat und welche tagsüber für die Benutzung durch andere digitale Nomaden geöffnet waren.4 Die Nachfrage nach solchen Orten in San Francisco war sehr groß, vor allem unter den vielen Professionellen im IT-Milieu rund um Silicon Valley, die schon seit längerer Zeit die Möglichkeit wahrgenommen hatten, über digitale Netzwerke außerhalb ihrer Unternehmenszentralen zu arbeiten.

3 4 46

The Technography Center: http://web.archive.org/ web/20000511112525/http://www.coworking.com/ - 12.02.2011 Hibbert, Cassie; Kimble, Ted: „Forecasting Coworking“, 2010

Seitdem sind in San Francisco etliche Coworking Spaces gegründet worden, allen voran das Citizen Space, welches neben dem Angebot an kollaborativen Arbeitsräumen auch ein Consulting-Unternehmen betrieb, das sich aktiv für die Idee des Coworking in San Francisco und in den Vereinigten Staaten einsetzte. Gestärkt durch eine große Online-Community schwappte der Trend daraufhin von San Francisco aus auf andere nordamerikanische Großstädte über. Zu den bekanntesten und größten Coworking Spaces in Nordamerika zählen die Independents Hall in Philadelphia, das New Work City in New York und das Centre for Social Innovation in Toronto. In Europa kam der Trend der kollaborativ orientierten Arbeit um das Jahr 2008 an. Die ersten kleineren Spaces wurden in Großbritannien, Deutschland und Frankreich gegründet, vorerst meist über die Öffnung von Shared Offices für andere Wissensarbeiter. Erst in einem weiteren Schritt wurde auch hier damit begonnen, bestehende Gebäude umzubauen und an die Anforderungen der neuen Arbeitsform anzupassen.

“We’re part of a community that is building the spaces where change happens.” Tonya Surman Centre for Social Innovation Toronto


Im Uhrzeigersinn von rechts oben: Centre for Social Innovation, Toronto Independents Hall, Philadelphia Citizen Space, San Francisco

47


Global Coworking Survey Wer sind die Menschen, die sich die neue Arbeitsform des Coworking zu eigen gemacht haben und welche Anforderungen haben sie an den sie umgebenden Raum? Wie sollen ihre Arbeitsorte aussehen und warum? Um dem relativ neuen Phänomen des Coworking näher kommen zu können, wurden im Zuge der Recherchearbeit zwei anonyme Umfragen unter Coworkern und dem Coworking nahe stehenden Menschen durchgeführt. Grundlage für die Architektur, die für dieses Projekt generiert werden soll, können nicht allein die eigenen Bedürfnisse und Vorstellungen sein. Durch die Erkenntnisse aus den Umfragen können die Anforderungen des Coworking an die Architektur besser verstanden werden und als partizipativ erarbeitete Komponente in die Planung einfließen.

Die erste Umfrage wurde im Sommer 2010 in mehreren Berliner Coworking Spaces durchgeführt. Dabei wurden etwas mehr als 50 Personen befragt, was zum Zeitpunkt der Erhebung in etwa zehn Prozent aller Berliner Coworker ausmachte. Da es bis dato nur wenige Studien über Coworking gab, wurde die Umfrage mehrmals in anderen Arbeiten zitiert, so zum Beispiel auch in der Coworking Europe 2010 Survey.5 Aufgrund der großen Resonanz der Berliner Umfrage wurde im Winter 2010 eine ähnliche, jedoch weitaus größer angelegte OnlineUmfrage durchgeführt. Da die meisten Erhebungen dieser Art bisher auf regionaler Ebene beschränkt waren, sollte dies die erste Studie im globalem Maßstab werden. Erstellt und durchgeführt wurde die Umfrage in Kooperation mit Deskmag, einem der neuen Arbeitsform des Coworking gewidmeten Magazin.

5

Enterprise Globale - „Coworking Europe 2010 Survey“, Seite 7: http://www.entrepriseglobale.biz/wp-content/uploads/2010/11/CoworkingEUropeSurveyFinal.pdf - 20.02.2011

Des Weiteren waren folgende nationale und internationale Coworking-Dachorganisationen in der Studie involviert: • • • • • • • • • • • •

The Global Coworking Group Coworking Labs, Coworking Research USA Enterprise Globale, Coworking Europe Hallenprojekt, German Coworking Network Cowo, Coworking Network Italy Movebla, Brazilian Coworking Magazine Working Space, Coworking Spain Silicon Sentier, La Cantine Paris Coworking JP, Coworking Blog Japan Moboff, Japanese Coworking Network Deskwanted, Global Cospace Directory Coworking Sweden, Coworking Blog

Insgesamt haben 661 Menschen aus 24 Ländern an der Umfrage teilgenommen. Die Ergebnisse der Global Coworking Survey wurden auf den folgenden Seiten zusammengetragen und mit einigen der Ergebnisse der Berliner Umfrage verglichen.


n e n o ti a s i s n e a c a g p or S h g c a in D k r 2 o 1 w r o e C m 130 eilneh T 661 nder ä 24 L

49


Vorbemerkung: Coworking weltweit und in Deutschland

279

342

Europa

Nordamerika

33 Asien

6

Afrika

27

Mittel- und S端damerika

16

Australien und Ozeanien

Globale Verteilung der Coworking Spaces

50


Weltweit gibt es derzeit insgesamt 703 Coworking Spaces mit geschätzten 25.000 Mitgliedern. Obwohl Coworking ein globales Phänomen ist, findet man die weitaus meisten Coworking Spaces in Nordamerika und Europa. Auf europäischer Ebene sind mit 58 Stück in Deutschland die weitaus meisten Coworking Spaces angesiedelt. Die Tendenz ist überall auf der Welt stark steigend: Europa zum Beispiel hatte in den letzten sechs Monaten eine Zuwachsrate an Coworking Spaces von zirka 20 Prozent. Das Land mit der höchsten Zuwachsrate ist wiederum Deutschland. Hier waren im Februar 2011 knapp 25 Spaces mehr als im Oktober 2010 verzeichnet. Die südamerikanischen Coworking Spaces sind vor allem in Brasilien angesiedelt, der Großteil der asiatischen findet man in Japan vor.6

6

7

Zahlen aus „Zahl der Coworking Spaces steigt weltweit auf über 700“: http://www.deskmag.com/en/number-of-coworking-spaces-worldwide700 - 28.02.2010 Zahlen aus Google Trends: http://www.google.com/trends?q=coworkin g&ctab=0&geo=all&geor=all&date=all&sort=0 - 24.01.2011

500%

400%

300%

200%

2011

2010

2009

2008

100%

2007

Das steigende Interesse am Thema Coworking und am Arbeiten in Coworking Spaces kann auch gut am Trend der Google-Suchen nach dem Wort „Coworking“ aufgezeigt werden. Innerhalb von zwei Jahren hat sich die Suchrate des Begriffs versechsfacht.7

600%

Google Trends: Suchbegriff „Coworking“

51


Städte mit mehr als 15 Coworking Spaces San Francisco New York London Berlin Städte mit 5 bis 15 Coworking Spaces Los Angeles Austin Montréal São Paolo Madrid Paris Hamburg Leipzig Prag Wien Melbourne

52

Globale Coworking-Hauptstädte


6

Hamburg

Derzeit können weltweit vier Städte ausgemacht werden, die mehr als 15 Coworking Spaces vorweisen können. In San Francisco wurde im Jahr 2005 die Coworking-Bewegung ins Leben gerufen. Des Weiteren können auch New York und London zu den globalen Coworking-Hauptstädten gezählt werden, was bei den Einwohnerzahlen (8.2 bzw. 7.5 Millionen Einwohner) nicht verwunderlich ist. Die vierte Stadt mit mehr als 15 Coworking Spaces ist Berlin. Obwohl die Stadt eine relativ kleine Einwohnerzahl aufweist, fördern hier Faktoren wie Leerstand, niedrige Preise und die hohe Zahl an Selbstständigen die steigende Zahl an Coworking Spaces. Dasselbe kann über andere deutsche Städte wie Hamburg und Leipzig gesagt werden. Die Situation in Städten wie Frankfurt oder München erschwert hingegen die Bildung einer größeren Coworking-Community. Andere globale Zentren, die zwischen fünf und 15 Spaces haben, sind Los Angeles, Austin, Chicago, Montréal, São Paolo, Madrid, Paris, Prag, Wien und Melbourne.8

8

Alle Zahlen aus der Datenbank des Coworking-Space-Verzeichnisses Deskwanted: http://deskwanted.com/search/desk_plans - 28.02.2011

2

16

Hannover

2

Berlin

Magdeburg

Münster

5

Leipzig Essen Dresden

Düsseldorf Jena

2 Köln

Frankfurt

2

Darmstadt

Stuttgart

3

München

Verteilung der Coworking Spaces in Deutschland 53


Teilnehmende Länder und Städte

Kanada 13.0%

USA 33.2%

Deutschland 5.0% Frankreich 2.3% Griechenland 0.4% Großbritannien 5.3% Italien 3.1% Niederlande 0.8% Österreich 6.9% Polen 0.4% Portugal 3.4% Spanien 7.6% Schweden 0.4% Schweiz 1.9% Tschechische Republik 0.4% Ukraine 0.4%

China 0.8%

Japan 1.1%

Indien 0.4%

Brasilien 5.3%

Australien 3.4%

In welchem Land befindet sich dein Coworking Space? 54


An der Global Coworking Survey nahmen Menschen aus allen Erdteilen außer Afrika teil. Der größte Teil der Antworten kam aus den Vereinigten Staaten von Amerika, wo das Phänomen des Coworking begonnen hat und wo es die weitaus meisten und größten Coworking Spaces weltweit gibt. Viele Antworten gab es auch aus Kanada und aus Brasilien, wo sich vor allem über Blogs eine starke und interessierte Coworking-Community gefestigt hat. Außerhalb Europas wurde die Umfrage noch in Australien, Japan, China und Indien beantwortet. In Europa kamen besonders viele Antworten aus Spanien, Österreich, Großbritannien, Deutschland, Portugal, Italien und Frankreich. Weitere europäische Länder, die an der Studie teilgenommen haben, sind Griechenland, die Niederlande, Polen, Schweden, die Schweiz, die Tschechische Republik und die Ukraine.

Die meisten Antworten auf die Umfrage kamen aus Städten mit mehr als einer Million Einwohnern. Zählt man ihren Anteil mit den Antworten aus Städten mit mehr als 100.000 Einwohnern zusammen, so wurden acht von zehn Fragebögen in Großstädten beantwortet. Diese Zahlen bestätigen, dass Coworking momentan noch ein auf Großstädte beschränktes Phänomen ist. Allerdings werden auch immer mehr Coworking Spaces in kleineren Orten eröffnet, da man auch dort die Potenziale informeller Zusammenarbeit erkannt hat. Auf den nächsten Seiten werden manche Zahlen auch aufgrund ihrer Verteilung auf Großstädte (hier zusammengefasst zu Städten mit mehr als 100.000 Einwohnern) und Kleinstädte (alle Städte mit weniger als 100.000 Einwohnern) analysiert.

Über 1 Million EW 53.1% 5.000 bis 20.000 EW 2.7%

20.000 bis 50.000 EW 4.6%

50.000 bis 100.000 EW 6.5% 100.000 bis 1 Million EW 33.1%

Wie viele Einwohner hat der Ort, in dem sich dein Coworking Space befindet? 55


Demographische Struktur der Coworker

30 bis 39 Jahre 61.9%

20 bis 29 Jahre 38.1%

30 bis 39 Jahre 40.0%

43

39

36

34

32

40-49 Jahre 17.4%

20 bis 29 Jahre 34.2%

5.000 - 19.999 Einwohner

20.000 - 49.999 Einwohner

50.000 - 99.999 Einwohner

100.000 - 999.999 Einwohner

Über 1 Million Einwohner

Über 60 Jahre 0.0%

50-59 Jahre 0.0%

40-49 Jahre 0.0%

Unter 19 Jahre 0.0%

Über 60 Jahre 0.7%

50-59 Jahre 5.4%

Unter 19 Jahre 2.2%

56

Wie alt bist du? [Berlin] Wie alt bist du? [Global] Durchschnittliches Alter im Vergleich zur Stadtgröße


Für Mitt- oder Endzwanziger ist Coworking eine ideale Art, um ihr Berufsleben zu beginnen. Auch gibt es viele Menschen zwischen 30 und 40 Jahren, die in den Spaces ihren beruflichen Werdegang ausloten und festigen. Global gesehen ist etwa ein Fünftel der Coworker über 40 Jahre alt, in Berlin hat sich diese Zahl nicht bestätigt. Hier war keiner der untersuchten Coworker älter als 40 Jahre. Das liegt wahrscheinlich daran, dass der Trend in Deutschland noch sehr jung ist. Vergleicht man das durchschnittliche Alter mit der Stadtgröße, erkennt man dass Coworker vor allem in Kleinstädten eher ältere Menschen sind. Hingegen werden Coworking Spaces in großen und sehr großen Städten vor allem von jüngeren Menschen genutzt.

Männlich 69.2% Weiblich 30.8%

Männlich 61.9%

Weiblich 38.1%

In Berlin waren sechs von zehn Befragten Männer, auf globaler Ebene waren es sieben von zehn, was in etwa dem amerikanischen und europäischen Verhältnis bei Selbstständigen und Kleinunternehmern entspricht. Geschlecht [Global]

Geschlecht [Berlin]

57


Hochschulabschluss 70.8%

Zwei von zehn Coworkern haben nach dem Abitur (oder vergleichbare Abschlüsse) ihre schulische Ausbildung beendet. Der Großteil der Menschen, die in Coworking Spaces arbeiten, sind jedoch Akademiker mit einem Hochschulabschluss. Etwa fünf Prozent der Coworker haben einen noch höheren Abschluss. Diese Zahlen liegen weit über den durchschnittlichen Raten in der Bevölkerung, wo nur rund 25 bis 30 Prozent der Menschen einen akademischen Grad besitzen.

58

Realschulabschluss 7.0% Hauptschulabschluss 0.3%

Abitur 17.0%

Promotion und höher 4.5% Ohne Schulabschluss 0.5%

Was ist dein höchster Bildungsabschluss?


Vergleich Groß- und Kleinstädte Sehr hoch 2.0% Hoch 26.0%

Im Durchschnitt 55.0%

Großstädte

Niedrig 15.0% Sehr niedrig 2.0%

Sehr hoch 8.0%

Niedrig 6.0%

In der Mitte 54.6%

Hoch 31.0% Kleinstädte

Im Durchschnitt 50.0% Sehr niedrig 5.0%

Sehr niedrig 3.5%

Sehr hoch 3.3%

Niedrig 15.5%

Hoch 23.1%

Über die Hälfte der Befragten gibt an, in etwa gleich viel wie das Durchschnittseinkommen in ihrem Land zu verdienen. Jeder vierte verdient etwas mehr als der Durchschnitt. Etwa 15 Prozent der Befragten geben an, weniger als der Durchschnitt zu verdienen.

Wie hoch liegt dein Einkommen im Vergleich zum Durchschnitt in deinem Land?

Vergleicht man diese Angaben mit der Stadtgröße, erkennt man dass es in kleineren Städten (100.000 Einwohner und weniger) mehr besserverdienende Coworker gibt als in großen Städten (mit über 100.000 Einwohnern). In Großstäden gibt es dafür bedeutend mehr Coworker, die weniger als der Durchschnitt verdienen.

59


PR & Marketing 9.2%

Student 3.0%

Architekt 3.2%

Künstler / Photograph 2.6%

Jornalist / Autor 5.0%

Higher Management 5.3% Consulting 12.4%

Graphic Web Designer 11.8%

Coworking Space Owner 2.4%

Angestellt 24.5%

Anderes 3.0% Arbeitslos 3.0%

Anderes 10.0%

Selbstständig 50.4%

Web Developer / Programmierer 33.7%

Unternehmer mit Angestellten 16.1%

Wirtschaftler 0.8% Non-Profit Business 1.6% Übersetzer 0.8% Coach 1.3%

Als was arbeitest du?

60

Was ist dein Berufsstatus?

Beim ersten Besuch eines Coworking Spaces bemerkt man meistens recht schnell, dass dort vor allem Menschen aus der Kreativ- und der IT-Branche arbeiten. Sie sind es wohl, die den Trend des Telecommunting - also des Arbeitens fernab der Unternehmenszentrale - als erste verinnerlicht haben. Dies bestätigt sowohl die globale als auch die Berliner Studie. Ein weiterer Grund mag auch die Spezialisierung vieler Coworking Spaces auf Wissensarbeiter sein: meist sind nur Arbeitsplätze in Form von Schreibtisch mit Steckdose und InternetAnschluss vorhanden. Obwohl das die ideale Umgebung für Menschen ist, die vor allem oder ausschließlich am Computer arbeiten, so kann sich manch anderer nicht mit der gebotenen Infrastruktur begnügen.


Wirtschaftsberater 5.0%

Projektleiter 5.0%

So zum Beispiel findet man zwar einige wenige Architekten in den Coworking Spaces vor, aber da es oft keine Modellbauwerkstatt und wenig Ablageflächen für Planunterlagen gibt, arbeiten die meisten doch lieber in eigenen Büros. Dasselbe gilt auch für viele andere Arbeitszweige, die spezialisierte Infrastruktur benötigen oder gewisse Raumanforderungen haben. Die meisten Coworker sind auf globaler wie auch auf Berliner Ebene selbstständig. Einige wenige sind angestellt oder besitzen gar ein Unternehmen mit mehreren Angestellten. Die meisten Unternehmer, die während ihrer Zeit in einem Coworking Space andere Menschen einstellen, kümmern sich möglichst bald auch um eigene Büroräumlichkeiten.

Angestellt 5.8%

Web Developer / Programmierer 26.0%

Graphic Web Designer 16.0%

Architekt 11.0% Selbstständig 95.2%

Übersetzer 11.0%

Jornalist / Autor 5.0%

Unternehmer 16.0%

Informationsdesigner 5.0%

Als was arbeitest du?

Was ist dein Berufsstatus?

61


Arbeiten im Coworking Space

Ja 72.2%

Von den 661 befragten Personen arbeiten 72 Prozent in einem Coworking Space. Die restlichen 28 Prozent der Befragten sind meist dem Coworking nahestehende Personen oder solche, die sich f체r Coworking in irgend einer Weise interessieren. Diese Personen wurden 체ber eigene Fragen separat befragt. Die Ergebnisse dieser Befragung werden weiter unten erl채utert.

62

Nein 27.8%

Arbeitest du derzeit in einem Coworking Space?


92.5% Vor maximal 2 Jahren

71.5% Vor maximal 2 Jahren

7.4%

28.5%

Vor über 2 Jahren

Vor über 2 Jahren

Vor 25-36 Monaten

Vor 37-48 Monaten

Vor über 49 Monaten

3.7%

0.0%

3.7%

Vor 13-24 Monaten 29.7%

Vor 6-12 Monaten 22.2%

Wann hast du zum ersten Mal in einem Coworking Space gearbeitet? [Global]

Vor 1-5 Monaten 40.7%

Vor über 49 Monaten 8.2%

Vor 37-48 Monaten 6.6%

Vor 25-36 Monaten 13.7%

Vor 13-24 Monaten 25.8%

Vor 6-12 Monaten 22.3%

Vor 1-5 Monaten 23.4%

Über 90 Prozent der Berliner Coworker haben vor maximal 2 Jahren zum ersten Mal in einem Coworking Space gearbeitet. Auf globaler Ebene haben drei von zehn Befragten bereits vor über zwei Jahren als Coworker angefangen. Dies bestätigt noch einmal, dass das Phänomen Coworking in Berlin noch ein ziemlich junges ist.

Wann hast du zum ersten Mal in einem Coworking Space gearbeitet? [Berlin] 63


59.7%

Täglich 41.2%

1.93 Mittelwert

② ③

18.8%

>⑤

11.0%

Der größte Teil der Coworker arbeitet täglich in ihrem Space. Jeder fünfte kommt drei bis vier Mal in der Woche. Seltenet nutzen wenige Coworker ihren Space, da die meisten Mietmodelle zur verstärkten Nutzung der Arbeitsplätze animieren.

60 Prozent der Coworker haben bisher nur in einem Coworking Space gearbeitet. Das zeigt, dass Coworking Spaces auch als längerfristige Arbeitsplätze gesehen werden, und nicht nur als schnell organisierter Schreibtisch für den Kurzbesuch in einer anderen Stadt. Allerdings gibt es auch einen regen Arbeitsplatzwechsel: zwei von zehn Coworkern haben bereits in zwei verschiedenen Spaces gearbeitet. Coworker, die oft auf Reisen sind, machen wohl die restlichen 20 Prozent aus, welche bereits in drei oder mehr Spaces gearbeitet haben. Die flexiblen Mietmodelle und die oft wiedererkennbaren Strukturen in den verschiedenen Coworking Spaces begünstigen diesen Effekt.

2.7%

4.3%

3.5%

In wie vielen Coworking Spaces hast du bereits gearbeitet? 64

Weniger als 1 Mal pro Monat 9.1%

1-2 Mal pro Woche 16.0%

3-4 Mal pro Woche 18.5%%

1-4 Mal pro Monat 15.2%

Wie oft arbeitest du generell in einem Coworking Space?


Welche Vorteile das Arbeiten in einem Coworking Space haben kann, wird durch die folgenden Zahlen bekräftigt. Neun von zehn Menschen geben an, dass sich ihre Interaktion mit anderen gesteigert hat. Dasselbe gilt für ihre Motivation und ihre Produktivität. Etwa 60 Prozent der Befragten haben in ihren Coworking Spaces besser organisierte Arbeitsplätze als zuvor, arbeiten öfter im Team und können sich zu Hause besser entspannen. Dies rührt wohl daher, dass Freiberufler durch das Arbeiten in Coworking Spaces eine Art Arbeitsstruktur annehmen, indem sie sich an anderen Coworkern orientieren. Wenn alle um 9 Uhr morgens zur Arbeit kommen und um 18 Uhr nach Hause gehen, obwohl sie nicht müssten, dann beginnt man irgendwann selbst, es zu tun.

-1.2%

-9.4%

+59.1%

Organisation

-4.9%

-2.7%

-4.9%

Des Weiteren geben etwa 40 Prozent der Coworker an, dass sich ihr Einkommen verbessert habe und es weniger Komplikationen in ihrer Arbeit gibt. Negative Entwicklungen sind kaum zu verzeichnen.

+87,8%

Soziale Interaktion

-5.5%

-1.5%

Weniger Komplikationen

+42.2%

Bessere Entspannung zu Hause

+60.6%

+56.8%

Teamwork

Einkommensverbesserung

+42.4%

Motivation und Produktivität

+85.9%

Wie sehr hat sich deine Arbeitsweise verändert, seit du in einem Coworking Space arbeitest? 65


An den meisten Projekten, die sie angehen, arbeiten die befragten Coworker meist zwei bis vier Wochen (26 Prozent). Ein weiteres Viertel der Befragten gibt an, einzelne Projekte innerhalb einer Woche abzuschließen.

55.2%

davon im Coworking Space

Mehr als 365 Tage 1.8%

181-365 Tage 4.9%

91-180 Tage 8.6%

61-90 Tage 8.9%

8-14 Tage 12.3%

31-60 Tage 13.5%

1-7 Tage 23.4%

15-30 Tage 26.5%

Etwa jedes zehnte Projekt dauert maximal zwei Monate, noch einmal so viele Projekte dauern bis zu drei Monate. Insgesamt 15 Prozent der Projekte der Coworker nehmen mehr als drei Monate in Anspruch.

Wie viele Tage arbeitest du Durchschnittlich an einem Projekt? Wieviel Zeit davon verbringst du im Coworking Space? 66

Etwas mehr als die Hälfte der Projektdauer verbringen die Befragten in ihren Coworking Spaces. Etwa ein Drittel der Befragten gibt an, ausschließlich im Coworking Space zu arbeiten, ein weiteres Drittel der Befragten arbeitet nur selten in ihrem Space an den Projekten.


Café 12.8% Bibliothek 4.3% Zuhause 39.8%

Jene Coworker, die ihre Projekte nicht ausschließlich im Coworking Space bearbeiten, haben sich vor allem zu Hause einen Arbeitsplatz eingerichtet. Etwa jeder fünfte besitzt auch ein eigenes Büro, das er zusätzlich nutzt. Etwa 13 Prozent der Befragten kann sich auch damit anfreunden, im Café zu arbeiten - ein Trend, den man heutzutage in immer mehr gastronomischen Betrieben beobachten kann.

Anderes 14.4%

Shared Office 10.3% Eigenes Büro 18.5%

Wo arbeitest du sonst noch?

67


Räumliche und infrastrukturelle Anforderungen an den Coworking Space Fragt man die Coworker, wie der Ort an dem sie arbeiten wollen, räumlich gestaltet sein sollte, antworten über 40 Prozent mit „einem Mix aus offenen und geschlossenen Räumen“. Hier zeigt sich eines der größeren Probleme, das die Coworker jeden Tag aufs Neue erleben: einerseits wünscht man sich offene, transparente Räume, die den informellen Austausch und die Kollaboration zwischen den Arbeitenden fördern. Andererseits gibt es manchmal auch Situationen, in denen man den Rückzug sucht. Diese Gratwanderung löst jeder Space auf seine eigene Weise, manchmal besser und manchmal schlechter.

Anderes 0.9% Egal 6.5% Offen und transparent 21.6%

20-49 21.2%

Über 100 1.2% Weniger als 20 53.8%

50-99 1.8%

Offen und geschlossen 43.2%

Egal 21.8% Offen und privat 27.8%

In welcher räumlichen Konfiguration arbeitest du am liebsten? 68

Wie viele Coworker sollten in einem Space arbeiten damit du dich wohl fühlst?

Etwa jeder dritte Befragte wünscht sich eine offene Konfiguration mit privaten Rückzugsbereichen und immerhin jeder fünfte fordert absolut transparente und überall zugängliche Open Spaces. In solchen Räumen erfolgt die Abschirmung von den anderen meist durch den simplen Akt der Benutzung von Kopfhörern oder Ähnlichem.


Zur maximalen Größe eines Open Spaces gefragt, antworteten mehr als die Hälfte der befragten Coworker, dass sie am liebsten in Räumen mit weniger als 20 Arbeitsplätzen arbeiten. Jeder fünfte wünscht sich Arbeitsräume für 20 bis 49 Coworker. Dass über 50 Personen im selben Open Space arbeiten sollten, befürworten nur etwa 3 Prozent der Befragten. Allerdings ist es auch jedem fünften Coworker egal, wie viele Arbeitsplätze in seinem Open Space vorhanden sind. Im Vergleich tendieren Coworker in Großstädten stärker zu größeren Spaces mit mehr Personen. In Kleinstädten wünschen sich die Coworker verstärkt Spaces mit weniger als 20 Personen. Die Divergenz erklärt sich wohl über den Wunsch, die Anonymität des Lebens in der Großstadt über einen Arbeitsplatz zu kompensieren, der möglichst viel soziale Interaktion ermöglicht.

50 - 99 Personen 2.0% Weniger als 20 Personen 49.0% Großstädte

20 - 49 Personen 26.0%

Egal 21.0%

Über 100 Personen 2.0%

20 - 49 Personen 2.0% Weniger als 20 Personen 64.0% Kleinstädte

Egal 31.0% 50-99 Personen 2.0%

Vergleich Groß- und Kleinstädte 69


Die Coworker wurden auch gebeten, eine Schätzung darüber abzugeben, wie viele Arbeitsplätze ihr Coworking Space anbietet. Der durchschnittliche Coworking Space hat Platz für 39 Arbeiter. Auch wurden die Coworker gefragt, wie viele Personen normalerweise in ihrem Space anwesend sind. Aus den beiden Zahlen kann man eine durchschnittliche Belegung der Spaces von etwa 44 Prozent errechnen.

38.9 44.2% 17.2 Mittelwert

Dieser Wert deckt sich in etwa mit der zeitlichen Belegung der Coworking Spaces (55 Prozent der gesamten Projektdauer, siehe oben). Damit, dass die Arbeitsplätze von verschiedenen Coworkern zu verschiedenen Zeiten belegt werden, kann man auch den vermeintlichen Widerspruch mit den Untersuchungen der Coworking Europe 2010 Survey erklären. Diese sagt aus, dass zumindest viele europäische Coworking Spaces eine sehr große Nachfrage vorweisen können und mehr Mitglieder als Tische haben.9

Durchschnittliche Belegung

Mittelwert

Wie viele Personen können in deinem Coworking Space arbeiten und wie viele davon sind mit dir zusammen anwesend? 70

9

Enterprise Globale - „Coworking Europe 2010 Survey”, Seite 5: http://www.entrepriseglobale.biz/wp-content/uploads/2010/11/CoworkingEUropeSurveyFinal.pdf - 20.02.2011


24

5.000 - 19.999 Einwohner

26

20.000 - 49.999 Einwohner

50.000 - 99.999 Einwohner

47

100.000 - 999.999 Einwohner

Über 1 Million Einwohner

17

18

Ein auffälliger Trend beim Vergleich zwischen den nach Stadtgrößen geordneten Coworking Spaces ist, dass in mit Zunahme der Einwohnerzahl auch die Größe der Arbeitsflächen zunimmt. In Städten mit mehr als einer Million Einwohner arbeiten im Schnitt 50 Personen im selben Open Space zusammen. Dies ist mit mitunter auch durch die große Nachfrage an Arbeitsplätzen in Coworking Spaces erklärbar, die es in Großstädten gibt. In kleinen und sehr kleinen Städten, wo die Nachfrage noch nicht so groß ist, teilen sich im Schnitt rund 20 Personen den selben Arbeitsplatz.

Größe der Open Spaces im Verhältnis zur Stadtgröße 71


Leicht zu wechselnder Arbeitsplatz 44.6%

Basis-Büroinfrastruktur 69.7%

Austausch mit anderen Menschen 85.4%

Interdisziplinäres Arbeiten 59.8%

Zufällige Entdeckungen 79.5%

Um zu erklären, warum Coworker ungern in traditionellen Büros arbeiten, muss die Frage gestellt werden, was ihnen für die Ausführung ihrer Tätigkeit besonders wichtig sei. Hierbei fällt sofort auf, dass den Befragten gleich mehrere Faktoren wichtig sind, die klassische Bürostrukturen nicht oder nur begrenzt bieten können. Dazu gehört einmal die soziale Interaktion, das Teilen von Wissen und viele Möglichkeiten für zufällige Entdeckungen (alle bei oder über 80 Prozent).

Niedrige Kosten 71.6%

Ruhe, Privatheit 42.3%

Flexible Arbeitszeiten 85.5%

Sicherheit (z.B. Diebstahl) 45.6%

Teilen von Wissen 82.6%

Arbeitsmöglichkeiten für Gruppen 61.8%

Was ist für deine Arbeit besonders wichtig?

72

Faktoren, die auch in traditionellen Büros zum Angebot gehören, haben zwar immer noch eine gewisse Relevanz, fallen in dieser Statistik aber eher zurück. So zum Beispiel sind den Befragten Ruhe, Privatheit und Sicherheit im Vergleich eher unwichtig. Weitere relativ wichtige Einflussfaktoren für die Coworker sind das interdisziplinäre Arbeiten, eine gut organisierte Infrastruktur und niedrige Kosten.


Jeder vierte Coworker arbeitet allein. Er ist vor allem wegen der Synergieeffekte, die durch informellen Wissensaustausch und Kollaboration entstehen können, im Coworking Space. Im Home Office oder in einem Einzelbüro treten diese Effekte so gut wie gar nicht auf. Knapp ein Drittel der Befragten arbeitet immer wieder mal in Teams, die zwar nicht spontan entstehen, jedoch ständig wechselnde Mitglieder haben.

Feste Teams 21.6%

Spontane Teams 17.8%

Allein 39.5%

Ein Fünftel der Befragten arbeitet in fest vorgegebenen Teams. Diese Gruppen benötigen meist zusätzliche Infrastruktur, wie zum Beispiel eine gemeinsame Ablage oder einen großen gemeinsamen Schreibtisch. 18 Prozent der Coworker arbeitet hin und wieder in spontanen Teams zusammen, die auf gemeinsame Ziele hinarbeiten.

Wechselnde Teams 27.1%

In welcher Form arbeitest du am meisten?

73


Selten

Oft

Nie 11.4%

63.2%

25.4%

Parkplatz

38.2%

10.1%

51.8%

Bibliothek

44.4%

16.7%

38.9%

Projektor

39.1%

48.8%

12.1%

Meetingraum

26.1%

29.2%

44.7%

Freizeitbereiche

30.1%

42.8%

27.1%

Aufbewahrung

46.3%

15.4%

38.2%

Kopierer

65.2%

9.8%

25.0%

K端che

83.4%

10.9%

5.7%

Schreibtisch

98.8%

1.2%

Internet

Welche Infrastruktur nutzt du in deinem Coworking Space? [Global]

74

Fragt man die Coworker nach der von ihnen am meisten verwendeten Ausstattung in ihren Spaces, f辰llt als erstes auf, dass beinahe alle Befragten eine Internetanbindung nutzen. Auch sehr wichtig sind Standard-B端roinfrastruktur wie Schreibtisch und Kopierer. Die K端che in ihrer Funktion des sozialen Zentrums der Open Spaces wird von den Befragten auch oft genutzt. In diesen Kategorien gibt es wenige Unterschiede zwischen den Berliner Coworkern und der weltweiten Community.


Selten

Oft 11.6%

11.5%

Nie 76.9%

Parkplatz

26.9%

7.7%

65.4%

Bibliothek

42.3%

15.4%

42.3%

Projektor

25.9%

33.3%

40.8%

Meetingraum

25.9%

44.5%

29.6%

Freizeitbereiche

Weniger wichtig sind den Coworkern adäquate Aufbewahrungsorte wie Regale und Schließfächer. Die ersten Unterschiede zwischen den Berliner und den globalen Zahlen findet sich bei den Freizeitbereichen und den Meetingräumen. Diese werden von den Berliner Coworkern um einiges öfter genutzt. Am unwichtigsten erscheinen Projektoren und Bibliotheken in den Coworking Spaces. Parkplätze sind der globalen Community wiederum sehr wichtig, den Berliner Coworkern dafür umso weniger. Dies hängt wahrscheinlich mit den Anfahrtswegen zusammen - einer Frage, die weiter unten noch geklärt wird.

37.0%

44.4%

18.6%

Aufbewahrung

46.4%

14.3%

39.3%

Kopierer

67.9%

14.3%

17.8%

3.6%

17.8%

Küche

78.6% Schreibtisch

92.9%

3.6% | 3.5%

Internet

Welche Infrastruktur nutzt du in deinem Coworking Space? [Berlin]

75


Flexdesk 46.9%

Für die räumliche Konfiguration eines Coworking Spaces ist eine gut durchdachte Mischung der verschiedenen Tischtypen von Bedeutung. Man unterscheidet meist zwischen zwei Tischtypen: einerseits gibt es sogenannte Flexdesks oder Hot Desks, also Tische, die jeden Tag neu belegt werden. Andererseits gibt es Fixdesks, also fest vergebene Tische. 47 Prozent der Befragten gibt an, an einem Flexdesk zu arbeiten. Diese Tische garantieren die Dynamik des Ortes und fördern die Vermischung von Wissen im Coworking Space.

Teil Fixdesk, teils Flexdesk 12.8%

Fixdesk 40.3%

An welchem Tischtyp arbeitest du?

76

Weitere 40 Prozent arbeiten an Fixdesks und bringen dadurch eine gewisse Stäbilität und Erfahrung in den Space. Etwa jeder zehnte Coworker arbeitet entweder an einer hybriden Form der erstgenannten Tischtypen, oder manchmal an einem fest vergebenen, manchmal auch an einem flexiblen Tisch.


Halbtag 0.8%

Bürozeiten 31.0%

Die große Mehrheit der Coworker hat einen eigenen Schlüssel zu ihrem Space und kann somit zu jeder Stunde an jedem Tag am Arbeitsplatz sein. Diese Coworker sind meistens auch jene, die an einem Fixdesk arbeiten.

Limiterte Tage 13.2%

24 / 7 55.0%

Zu welchen Zeiten hast du Zugang zu deinem Coworking Space?

Ein knappes Drittel der Befragten hat nur Zugang zu den klassischen Bürozeiten. Diese Coworker sind an den Portier oder Rezeptionisten angewiesen, da sie keinen eigenen Schlüssel zum Coworking Space besitzen. Etwa jeder zehnte gibt an, nur an gewissen Tagen pro Woche Zugang zum Space zu haben. So etwa könnte ein Zehnerticket, das pro Monat vergeben wird, solch ein Mietmodell sein.

77


Vernetzung

Testnutzer 18.6%

Kunden 21.6%

Eine weitere wichtige Frage ist, welche Menschen sich in Coworking Spaces miteinander vernetzen. Etwas mehr als die Hälfte der Befragten gibt an, sich mit Experten außerhalb ihres Arbeitsbereiches vernetzt zu haben. Beinahe so viele der Befragten gab an, dass sie auch mit Professionellen aus dem eigenen Bereich und mit Laien in Kontakt treten. Als geeignete Plattformen für Kundengespräche scheinen Coworking Spaces noch nicht zu funktionieren. Nur jeder fünfte gab an, dass er im Coworking Space mit Kunden oder mit Testnutzern seiner Produkte zusammenkommt.

Laien 46.5%

Bereichsfremde Experten 54.1% Experten meines Arbeitsbereiches 45.6%

Zu welchen Menschen ermöglicht dir Coworking eine bessere Vernetzung? 78


① 43.0% ② 21.7%

9.1%

9.1%

14.1% 3.0%

Aus den günstigen Vernetzungsmöglichkeiten in den Coworking Spaces sind viele neue Bekanntschaften hervorgegangen, die sich für die Coworker positiv auf ihre Arbeit ausgewirkt haben. So geben vier von zehn befragten Coworkern an, in den letzten beiden Monaten eine neue und nützliche Bekanntschaft gemacht zu haben. Immerhin jeder fünfte macht sogar zwei Bekanntschaften. Noch einmal so viele Coworker haben drei und mehr Menschen kennengelernt, die einen positiven Einfluss auf ihre Arbeit hatten.

Wie viele Bekanntschaften hast du in den letzten beiden Monaten gemacht, die deine Arbeit positiv beeinflusst haben? 79


Sowohl die Berliner wie auch die globalen Zahlen deuten darauf hin, dass in den Coworking Spaces die meisten Entscheidungen von den Managern im Einklang mit den Coworkern getroffen werden. Weit mehr als die Hälfte der Befragten ist dieser Ansicht. Trotzdem gibt es etwa ein Drittel der Entscheidungen, die ausschließlich von den Leitern getroffen werden. In Berlin stehen zusätzlich einige Entscheidungen an, die ausschließlich von den Coworkern selbst getroffen werden.

Leiter und Coworker 63.0%

Leiter und Coworker 58.3%

Coworker 16.7%

Coworker 5.1%

Leiter 25.0% Leiter 31.9%

Wer trifft in deinem Coworking Space die wichtigen Entscheidungen? [Global] 80

Wer trifft in deinem Coworking Space die wichtigen Entscheidungen? [Berlin]

Ein wichtiger Faktor für die Organisation der Spaces scheint ihre Größe zu sein. Je kleiner die Spaces sind, desto eher werden wichtige Entscheidungen einzig von den Leitern getroffen, je größer sie sind, desto öfter werden sie auch von den Coworkern mitgetroffen.


Arbeitsplatzgestaltung 26.9% Sicherheit 9.4%

Büroinfrastruktur 17.0%

Freizeitbereiche 17.0%

Sehr stark 39.0%

Die Identifikation der Coworker mit ihrem Space ist ein wichtiger Faktor für die Bildung einer gut funktionierenden Gemeinschaft. Beinahe neun von zehn Coworkern identifizieren sich stark oder sehr stark mit ihrem Arbeitsort und den Werten, die er vermittelt.

Anderes 14.9%

Stark 47.5%

Jeder vierte Coworker möchte bei der Gestaltung seines Arbeitsplatzes mehr Mitspracherecht haben. Auch die Gestaltung der Freizeitbereiche und der Büroinfrastruktur erachten jeweils 17 Prozent von den Befragten als wichtig. Wie die Küche aussieht und Fragen zur Sicherheit (vor Diebstahl zum Beispiel) ist den Coworkern weniger wichtig.

Küche 14.7%

Neutral 10.8% Gar nicht 0.8%

Wenig 1.9%

In welchen Bereichen wünschst du dir mehr Mitspracherecht?

Wie stark identifiziert du dich mit deinem Coworking Space? 81


Außerhalb des Coworking Spaces

Supermarkt 24.2% Anderes 30.4%

Was sich an infrastrukturellen Angeboten in der unmittelbaren Nachbarschaft der Coworking Spaces befindet, entscheidet oft über Erfolg oder Misserfolg eines solchen Ortes. Den befragten Coworkern ist sowohl auf Berliner wie auch auf globaler Ebene die gastronomische Versorgung am wichtigsten. Auch sehr wichtig ist ihnen ein fußläufig erreichbarer Supermarkt.

9.15km Durchschnittsentfernung

Arbeits- / Bürobedarf 12.7%

Gastronomie 30.0%

Zu Fuß 22.4%

KiTa 2.7%

Auto 32.3%

Fahrrad 13.8%

Was nutzt du in der Nachbarschaft des Coworking Spaces? [Global] 82

ÖPNV 31.5%

Wie groß ist die Entfernung zwischen deiner Wohnung und dem Coworking Space und wie gelangst du dahin? [Berlin]

Spezialisierte Läden für die eigene Arbeit, wie etwa einen Künstler- oder Bürobedarf werden von jedem zehnten Coworker genutzt. In Berlin werden auch Kindertagesstätten in der Umgebung von etwa 13 Prozent der Befragten genutzt.


Bei den Anfahrtswegen zu den Coworking Spaces unterscheiden sich die Berliner stark von den globalen Zahlen. Die durchschnittliche Entfernung des Wohnortes zum Coworking Space beträgt auf globaler Ebene über neun Kilometer. Dementsprechend viele Coworker fahren mit dem Auto zu ihrem Arbeitsort. Sehr wenige der weltweit Befragten kommen mit dem Fahrrad zu ihrem Coworking Space. In Berlin hingegen wohnen die Befragten im Schnitt viel näher an ihren Arbeitsorten. Durchschnittlich müssen sie eine Strecke von knapp drei Kilometern zurücklegen. Das erlaubt in den meisten Fällen das Fahrradfahren. Vier von Zehn Coworker verwenden vorwiegend dieses Verkehrsmittel. Auch haben augenscheinlich etwa 30 Prozent der Befragten ihren Coworking Space so nahe an ihren Wohnort gewählt, dass sie ihn zu Fuß erreichen können.

Supermarkt 36.4%

Gastronomie 37.3%

Zu Fuß 30.8%

ÖPNV 25.6%

KiTa 12.7%

Arbeits- / Bürobedarf 13.6%

Fahrrad 41.9%

2.96km

Auto 14.0%

Durchschnittsentfernung

Was nutzt du in der Nachbarschaft des Coworking Spaces? [Berlin]

Wie groß ist die Entfernung zwischen deiner Wohnung und dem Coworking Space und wie gelangst du dahin? [Berlin] 83


Wechselnde Arbeitsplätze

Keine Absicht, zu gehen 69.1%

Knapp sieben von zehn Befragten fühlen sich in ihrem gegenwärtigen Coworking Space sehr wohl und haben keine Absichten, ihn in nächster Zeit zu verlassen. Etwa 14 Prozent der Coworker wollen noch mindestens ein Jahr lang in ihrem Space bleiben und sich danach eventuell um einen neuen Arbeitsort kümmern.

Nur heute 1.9%

Noch diese Woche 1.1%

Noch diesen Monat 4.1%

Noch mindestens 3 Monate 10.0%

Noch mindestens ein Jahr 13.8%

Mittel - oder kurzfristig verlassen wollen ihren Space knapp 15 Prozent der Coworker. Die Befragten, die „nur heute“ als Antwort gewählt haben, sind aller Wahrscheinlichkeit nach sogenannte Drop-Ins, also Coworker mit unverbindlichen Tageskarten.

Wie lange wirst du noch in deinem Coworking Space bleiben? 84

Coworking ist zu einem Teil auch an reisende Arbeiter gekoppelt. Viele nutzen das unbürokratische Mietsystem, um sich auf einfache Weise einen temporären Arbeitsplatz während eines kürzeren Aufenthaltes in einer anderen Stadt zu sichern. Etwa ein Drittel der Befragten gab an, häufig in anderen Städten zu arbeiten, wobei die überwältigende Mehrheit bloß in einer einzigen anderen Stadt arbeiten muss. Etwa jeder zehnte arbeitet auch in zwei oder mehr Städten. Für diese Coworker wäre eine Mitgliedschaft interessant, die zur Nutzung von mehreren Spaces rund um den Globus ermächtigt. In den Vereinigten Staaten von Amerika wurden solche Mietmodelle - auch Coworking Visa genannt - bereits erfolgreich eingeführt. Denkbar wäre ein solches Visum auch auf regionale oder auf städtische Ebene beschränkt.


Zwei und mehr 13.8% Ja 31.8%

Egal 15.3%

Stadtweit 7.3% Regional 10.0%

Nein 9.7% National 15.0%

Eine 86.2%

Weltweit 42.7%

Arbeitest du häufig in anderen Städten?

In wie vielen anderen Städten arbeitest du?

Wärst du interessiert an einer Mitgliedschaft, mit der du in mehreren Coworking Spaces arbeiten könntest? 85


Kommunikation mit den Coworkern

Gut 39.5% Geht so 23.9%

Sehr gut 29.5%

86

Sehr schlecht 1.2%

Schlecht 6.0%

Wie vermittelt dein Coworking Space sein Konzept und seine Vorteile nach außen?

Die Art und Weise, in der sich Coworking Spaces nach außen hin vermitteln ist ebenfalls ein sehr wichtiger Faktor für deren Erfolg. Da diese Arbeitsform noch relativ neu ist, fällt es vielen Spaces schwer zu vermitteln, was die Vorteile und die Potenziale kollaborativer Arbeit sind. Gute Pressearbeit und viel Mund-zu-MundWerbung heben die Bekanntheit der Spaces. Dem größten Teil der Coworkern erscheint die Kommunikation ihrer Spaces mit Außenstehenden sehr gut durchgeführt. Etwa 70 Prozent der Befragten erkennen eine gute oder sehr gute kommunikative Arbeit ihres Spaces.


Zufrieden 43.0%

Sehr zufrieden 49.4%

Sehr unzufrieden 0.4%

Etwas unzufrieden 1.2%

Geht so 6.0%

Über 92 Prozent der befragten Coworker sind glücklich in ihrem Coworking Space, nur knapp zwei Prozent sind nicht zufrieden. Die synergetischen Effekte des Zusammenarbeitens, die gute Arbeitsatmosphäre und die Menschen, mit denen die Coworker ihre Arbeitsplätze teilen, mögen wohl zu den hohen Zufriedenheitswerten führen.

Wie zufrieden bist du insgesamt mit deinem Coworking Space? 87


Die Nicht-Coworker Nein 5.6%

Ja 72.2%

Nein 27.8%

Ja 94.4%

Anderes 12.0%

Ja 50,8% Nein 49,2% Medien oder Online-Artikel

Büro des Kunden 8.3%

Ja 18.5% | Nein 81.5% Eigene Online-Recherche Ja 40.8%

Nein 59.2%

Zu Hause 45.1%

Shared Office 9.8%

Freunde und Kollegen Ja 2.3% | Nein 59.2% Werbung

Eigenes Büro 24.8%

Ja 11.5% | Nein 88.5% Anderes

Arbeitest du derzeit in einem Coworking Space?

88

Aber hast du schon mal von Coworking gehört? Wenn ja, wo?

Wo arbeitest du momentan?


Würdest du zukünftig in einem Coworking Space arbeiten?

Ja 65.6%

Die Umfrage hat sich zu einem kleinen Teil auch mit Menschen befasst, die zwar nicht in einem Coworking Space arbeiten, die aber dem Coworking nahestehen oder sich dafür interessieren. Viele der Meldungen beziehen sie aus den Medien oder Online. Auch Mund-zu-MundWerbung erreicht sie oft.

Nein 1.6% Weiß nicht 4.0%

Viele der Befragten können sich mit den Ideen des Coworking identifizieren: ihr Interesse daran, in Zukunft in einem Coworking Space zu arbeiten, ist sehr groß. Meist scheitert dies daran, dass es in ihrer Stadt einfach noch keine entsprechenden Orte gibt. Deshalb arbeiten die meisten im Home Office oder im eigenen Büro, wo die Potenziale des kollaborativen Arbeitens nicht ausgeschöpft werden können. Von jenen, die gerne in einem Coworking Space arbeiten würden, wäre die große Mehrheit dazu bereit, es entweder täglich oder mehrmals pro Woche zu tun. Die Kosten, die sie dafür bereit wären zu bezahlen, liegen im Schnitt bei etwas mehr als einem Zehntel ihres monatlichen Einkommens.

Vielleicht 28.8%

Täglich 40.7%

11.4%

Mehrmals im Monat 12.7%

Mehrmals die Woche 42.4%

Weiß nicht 4.2%

Wie oft würdest du dort arbeiten?

Wie viel Prozent deines Einkommens würdest du maximal für einen Arbeitsplatz in einem Coworking Space ausgeben? 89


Schlussfolgerungen Die Studie zeigt, dass Coworking derzeit noch ein vor allem westliches Phänomen ist. Die neue Arbeitsform konzentriert sich des Weiteren momentan noch stark auf die Großstädte, wobei es in letzter Zeit auch in kleineren Städten Tendenzen hin zum kollaborativen Arbeiten gibt. Coworking floriert in Städten mit großem kreativen Output und in diesen vor allem dort, wo es noch niedrige Immobilienpreise gibt. Der durchschnittliche Coworker ist laut der Studie zwischen Mitte 20 und Ende 30. Im Schnitt ist er auf globaler Ebene 34, in Berlin hingegen 31 Jahre alt. Er ist zum größeren Teil männlich und bewegt sich mit hoher Wahrscheinlichkeit im akademischen Milieu. Des Weiteren befindet er sich meist im mittleren bis mittelhohen Einkommensbereich. Dieser Coworker ist in den allermeisten Fällen Mitglied der Kreativen Klasse und den Idealen der Wissensgesellschaft verschrieben. Er ist ein digitaler Nomade und arbeitet vorwiegend am Computer. Er ist meist selbstständig und in Projektarbeit involviert. Durch all diese Faktoren ist er meist sehr mobil und flexibel.

90


Coworking Spaces als Container der neuen Arbeitsform sind als Raumtypologie noch relativ neu. Die Studie hat gezeigt, dass nur wenige Menschen bereits länger als zwei Jahre als Coworker tätig sind, was darauf hindeutet, dass es bis vor Kurzem noch nicht viele Angebote gab. Coworking Spaces werden vor allem als Ausgleich zum Arbeiten im Home Office oder im Café gesehen und verbessern die Arbeitssituation des Einzelnen sichtlich. Vor allem verbessert sich die soziale Interaktion, die Organisation, die Motivation und die Produktivität. Von Coworking Spaces wird vor allem verlangt, dass sie transparentes und kollaboratives Arbeiten ermöglichen und fördern. Deshalb ist die gewünschte Raumkonfiguration meist eine sehr offene, mit einigen wenigen Rückzugsmöglichkeiten für Privates. Allerdings sollen die Arbeitsräume eine gewisse Übersichtlichkeit beibehalten - mehr als 50 Personen sollen laut der Befragten nicht im selben Open Space arbeiten. Die errechnete Durchschnittsgröße der Coworking Spaces ergibt einen ähnlichen Wert, der wohl vor allem in Großstädten, wo die Nachfrage größer ist, gut zu funktionieren scheint.

Die Studie gibt auch Einblick in die Arbeitsweisen der Coworker. Diese Menschen arbeiten vor allem deshalb in Coworking Spaces, weil ihnen Serendipität, Austausch und das Teilen von Wissen, Interdisziplinarität und Flexibilität für die Ausführung ihrer Tätigkeit sehr wichtig sind. Auch die Möglichkeit zur informellen und spontanen Teambildung ist für Coworker von großer Bedeutung. Dementsprechend fordern sie von ihrem Arbeitsplatz neben einer grundlegenden Büroinfrastruktur vor allem soziale Treffpunkte wie die Küche und andere informelle Begegnungsstätten. An der in etwa gleich starken Verteilung der Coworker auf Fix- und Flexdesks lässt sich die Relevanz der Vermischung von Erfahrung und Dynamik, sowie auch der starke Wille zur Kollaboration ablesen.

„It is a venue for a diverse community of independents to come and get their work done, while being inspired by the social interactions lost to working from home.“ Alex Hillmann Independents Hall Philadelphia

Die starke Vernetzung der Menschen in den Coworking Spaces bringt ständig neue und nützliche Bekanntschaften hervor, die die eigene Arbeit vorantreiben können. Dementsprechend stark identifizieren sich die Coworker auch mit ihrem Space und mit der Gruppe von Menschen, die dort arbeitet, was nicht zuletzt zu den hohen Zufriedenheitswerten führt, die erhoben wurden.

91


Analyse des Berliner Coworking-Netzwerks Eine der wichtigsten Maßnahmen der Kreativen Stadt ist der Aufbau und die Förderung kreativer Netzwerke. Coworking Spaces wirken in ihrer Rolle als Kreativzentren und Inkubatoren für kollaborativ erarbeitete Innovation wie die Container dieser Netzwerke. Wenn das Phänomen Coworking in Berlin wie vorausgesagt in Zukunft immer größer wird, müssen ständig neue Räume dafür erschlossen werden. Die neue Arbeitsform sucht ständig nach neuen, offenen, vernetzten und kollaborativen Arbeitsorten, die als Inkubationsplattformen für Innovation dienen. Allein in Berlin gab es zur Zeit der Erhebung (September 2010) 13 bekanntere Projekte dieser Art. Im Februar 2011 waren es bereits 16, woran man das große Interesse für Coworking Spaces erkennen kann. Berlin ist unter anderem auch deshalb als Standort für solcherart Räume von Vorteil, weil es hier einen stetigen und starken Zu- und Abfluss kreativer Kräfte gibt.

Dies wirft die Frage auf, wie das Berliner Netzwerk von Coworking Spaces aussieht und wo in Berlin neue Zentren für kollaboratives Arbeiten im Entstehen begriffen sind. Auf den folgenden Seiten soll deshalb dieses Netzwerk und die Coworking Spaces als dessen Knotenpunkte analysiert werden. Zuallererst wurde dafür aufgrund der Mitgliederzahlen der Berliner Coworking Spaces eine Karte generiert, die aufzeigt, wo sich die Coworking-Intensitäten in Berlin befinden. Sämtliche Berliner Spaces befinden sich im Innenstadtbereich und liegen meist an einem gut an das öffentliche Verkehrsnetz angeschlossenen Ort. Erkennbar sind vor allem Konzentrationen in Friedrichshain-Kreuzberg, in Moabit und Wedding und letztlich auch im Südwesten der Innenstadt.


Coworking Spaces [09.2010] Atelier Überall Betahaus C-Base Cluboffice Co.Up Impakt Kreuzkölln Office Mybox Program Raumstation Rocket Rentals Studio 70 Yorck52 Reinickendorf

Innenstadt Pankow

C-Base

Lichtenberg

Mitte

Beta haus

CharlottenburgWilmersdorf

Yorck52 ffice Clubo

SteglitzZehlendorf

Coworking-Konzentration

Mybox

Spandau

ram og Pr

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Im

TempelhofSchöneberg

ls nta t re ke c Ro

Co.Up Atelier Überall StKreu ud zk io ölln 70 off ice

Neukölln

TreptowKöpenick

MarzahnHellersdorf


Während der Recherche wurde deutlich, dass man unterscheiden kann zwischen solcherart Spaces, die sich stark für die Vernetzung der Berliner Coworking-Community einsetzen (durch gemeinsame Events, Aktionen und Einsatz von virtuellen Netzwerken) und solchen, die eher verschlossen agieren. Die Auswahl für eine eingehendere Untersuchung von fünf Coworking Spaces fiel vor allem nach den Kriterien des Einsatzes für die Berliner Community und der Lage zu den CoworkingKonzentrationen in Berlin.

Aus der Karte wird ersichtlich, dass vor allem die Gegend um das Kottbusser Tor in Friedrichshain-Kreuzberg eine sehr große Coworking-Intensität aufweist. Drei der untersuchten Spaces liegen innerhalb dieser Zone (Betahaus, Co.Up und Impakt). Zum Vergleich wurden zusätzlich zwei weitere Spaces analysiert, die außerhalb dieses Zentrums liegen (Studio 70 in Nordneukölln und Raumstation in Moabit). Die Untersuchung der ausgewählten Orte teilt sich auf in eine raumprogrammatische Nutzungsanalyse und eine stadträumliche Umgebungsanalyse samt eines einheitlichen Bewertungssystems der verschiedenen Einflussfaktoren (siehe Abbildung rechts).

co Coworking der Nachbarschaft

Gastronomie

Städtebauliche Dichte

Kreativindustrie

Versorgungseinrichtungen

Grün- und Freizeitflächen

U Kulturelle Einrichtungen

Anbindung an ÖPNV

Durchmischung der Faktoren


Analysierte Coworking Spaces Betahaus Co.Up Impakt Raumstation Studio 70

Innenstadt

Coworking-Konzentration

Reinickendorf

Pankow

Ra um sta tio n

Spandau

Lichtenberg

MarzahnHellersdorf Friedrichshaindriichs sh hain Kreuzberg b

Beta haus

CharlottenburgWilmersdorf

Co.Up

t

k pa

Im

SteglitzZehlendorf

TempelhofSchรถneberg

St ud io

70

Neukรถlln

TreptowKรถpenick

95


Adresse

Betahaus Prinzessinnenstraße 19-20 10969 Berlin-Kreuzberg

Arbeitsplätze

Mehr als 150

Arbeitsfläche

Über 1000m²

Community

Besonderheiten

Kosten

Stark gemischt: IT-Branche, Designer, Architekten, Journalisten, etc. 4 sehr große Open Spaces FabLab (Open Design City) Großes Café / Social Space Drop-In Flex Desk Fix Desk

12€ / Tag 149€ / Monat 229€ / Monat

Das Betahaus am Moritzplatz ist nach dem Cluboffice der zweitgrößte Berliner Coworking Space. Nichtsdestotrotz ist es bei weitem die bekannteste Adresse Deutschlands, wenn es um Coworking geht. Der Space ist regelmäßig in den Medien vorzufinden. Über das Betahaus wurde der Begriff des Coworking in Deutschland wohl erst richtig bekannt gemacht. Das große Café im Erdgeschoss wird nicht nur von den Mietern des Betahauses genutzt und trägt somit auch zur Popularität des Hauses bei. Als großer Social Space konzipiert, bietet es informelle Arbeitsfläche und ist ein guter Ort, um einen ersten Eindruck von Coworking zu gewinnen. Die Arbeitsfläche des Betahauses ist auf drei große Open Spaces verteilt, im Februar 2011 wurde ein zusätzlicher Arbeitsraum in einem anderen Stockwerk des selben Gebäudes hinzugefügt. Die Möblierung ist einfach und funktional: große Tische und Regale aus Holzplatten, teilweise neu, teilweise aus zweiter Hand. Strom erhält jeder Tisch aus von der Decke hängenden Mehrfachsteckern. Letztlich bietet das Betahaus mit der Open Design City momentan Berlins einziges FabLab an, einer Werkstatt, in der sowohl Laien als auch Experten eingeladen sind, verschiedendste Produkte mitzugestalten.


98


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FR 2

Open Coworking Space Meetingräume Multifunktionsräume Werkstatt Teamarbeitsräume Private Arbeitsräume Galerie Kino Coworking Satelliten Reception Wohnräume Sofaräume Küche / Kaffeeküche Café/Bar

Tagesrhythmen

Meetingräume

Meetingräume

Kaffeeküche Open Spaces

Kaffeeküche Open Spaces

Werkstatt / Galerie (FabLab / Open Design City)

Café / Reception

Raumprogramm und Nutzungsdiagramme Betahaus 99


Kreativindustrie

co

U 100

Angrenzend Engelbecken

Kulturelle Einrichtungen

Künstlerhaus Bethanien Stadtbibliothek

Grünflächen

Prinzessinnengarten Luisenstädtischer Kanal

Öffentliche Verkehrsmittel U

U8 Moritzplatz M29 Oranienstraße

Versorgungseinrichtungen

Kottbusser Tor Oranienstraße

Gastronomie

Oranienstraße Dresdener Straße


Stadtr채umliche Umgebung Betahaus 101


Adresse

Co.Up Adalbertstr. 7 10999 Berlin-Kreuzberg

Arbeitsplätze

15-20

Arbeitsfläche

Zirka 200m²

Community

Besonderheiten

Kosten

Vor allem IT-Branche Webdesigner, etc.

Mittelgroße Open Space Cobot-Software als Log-In-Tool

Drop-In Flex Desk Fix Desk

12€ / Tag 95€ / Monat 180€ / Monat

Das Co.Up ist ein modernisiertes Loftbüro in einem alten Fabrikgebäude am Kottbusser Tor. Es wird von der Software-Entwicklungsfirma Upstream Agile betrieben, dessen Mitarbeiter selbst im Space arbeiten. Upstream Agile zeichnet sich auch verantwortlich für die Entwicklung der Cobot-Software, die beim Management von Coworking Spaces behilflich sein soll. Der Space ist vor allem aufgrund seiner zentralen Lage sehr beliebt. Fußläufig erreicht man vom Co.Up sehr schnell die gastronomischen Betriebe an der Adalbert- und Oranienstraße, sowie die Versorgungseinrichtungen und die Anbindung an die öffentlichen Verkehrsmittel am Kottbusser Tor. Auch findet man in den Fabriketagen in der näheren Umgebung viel Kreativindustrie vor. Die Arbeitsfläche ist unterteilt in zwei mittelgroße Open Spaces und einer informellen LoungeArea, wo anstatt der sonst üblichen Schreibtische mehrere Couchen vorzufinden sind. Die Community setzt sich vor allem aus Webentwicklern und anderen IT-Professionellen zusammen. Allerdings versuchen die Leiter des Co.Up vermehrt auch Menschen aus anderen Arbeitsbereichen in den Coworking Space zu bringen.


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Open Coworking Space Meetingräume Multifunktionsräume Werkstatt Teamarbeitsräume Private Arbeitsräume Galerie Kino Coworking Satelliten Reception Wohnräume Sofaräume Küche / Kaffeeküche Café/Bar

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Wochenrhythmen

Tagesrhythmen

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FR 2

Meetingraum

Private Arbeitsräume

Küche

Open Space

Eingang / Sofaraum

Raumprogramm und Nutzungsdiagramme Co.Up 105


Kreativindustrie

co

U 106

Angrenzend Prinzessinnenstraße

Kulturelle Einrichtungen

Kino Babylon Kreuzberg Stadtbibliothek

Grünflächen

Luisenstädtischer Kanal Mariannenplatz

Öffentliche Verkehrsmittel U

U8/U1 Kottbusser Tor M29 Oranienstraße

Versorgungseinrichtungen

Kottbusser Tor Oranienstraße

Gastronomie

Oranienstraße Adalbertstraße


Stadtr채umliche Umgebung Co.Up 107


Adresse

Impakt Erkelenzdamm 59 10999 Berlin-Kreuzberg

Arbeitsplätze

16

Arbeitsfläche

Über 600m²

Community

Besonderheiten

Kosten

Social Enterpreneurs, Mikrofinanzierer, Wirtschaftsberater, Coaches, etc. Fokus auf soziale Innovatoren Großer Multifunktionsraum

Drop-In Flex Desk Fix Desk

20€ / Tag 210€ / Monat 240€ / Monat

Das Impakt Berlin versteht sich als Raum für soziale Innovation. Es wird von der Agentur iq Consult betrieben und versucht, neben dem reinen Angebot an Arbeitsflächen auch als StartupInkubator zu agieren. Als Existenzgründer oder Startup darf man zum Beispiel zwei Monate kostenlos im Impakt arbeiten. Coworking soll mit Beratung, Begleitung, Coaching, Vernetzung und Mikrofinanzierung von Startups, Selbstständigen und anderen Social Enterpreneurs Hand in Hand gehen. Dafür bietet das Impakt den erforderlichen Raum an. Das Impakt liegt in einer Fabriketage eines alten Gewerbehofes in unmittelbarer Nähe des Landwehrkanals. Die Räume gehörten bis 2009 dem weltweit agierenden Coworking-Kollektiv The Hub. Im großen Open Space sind viele Schreibtischinseln verstreut. Die Tische sind rund ausgeformt, um die Inselwirkung zu unterstreichen und somit das konzentrierte Arbeiten zu fördern. Im hinteren Teil der Etage gibt es einen offenen Multifunktionsraum, der einmal Kino, einmal Eventraum, einmal Essplatz und noch vieles mehr sein kann. Dazu kommen abgeschlossene Meetingräume für private Besprechnugen.


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5

Open Coworking Space Meetingräume Multifunktionsräume Werkstatt Teamarbeitsräume Private Arbeitsräume Galerie Kino Coworking Satelliten Reception Wohnräume Sofaräume Küche / Kaffeeküche Café/Bar

6

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Wochenrhythmen

Tagesrhythmen

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FR 2

Teamarbeitsraum Kino / Offener Multifunktionsraum

Meetingraum

Open Coworking Space

Raumprogramm und Nutzungsdiagramme Impakt 111


Kreativindustrie

co

U 112

Adalbertstraße Graefestraße

Kulturelle Einrichtungen

Kino Babylon Kreuzberg Stadtbibliothek

Grünflächen

Luisenstädtischer Kanal Landwehrkanal

Öffentliche Verkehrsmittel U

U8/U1 Kottbusser Tor U1 Prinzenstraße

Versorgungseinrichtungen

Kottbusser Tor Kottbusser Straße

Gastronomie

Graefekiez Dresdener Straße


Stadtr채umliche Umgebung Impakt 113


Adresse

Raumstation Stendalerstrasse 4 10559 Berlin-Moabit

Arbeitsplätze

30-40

Arbeitsfläche

Zirka 400m²

Community

Besonderheiten

Kosten

Vor allem Kreative: Architekten, Designer, etc.

Abgekapselte Meeting- und Ruheräume 2 billigere Arbeitsplätze für NGOs

Fix Desk

208€ / Monat

Die Raumstation wird vom Architekturbüro raumstar* betrieben. Die Architekten haben das gründerzeitliche Fabrikgebäude aus dem 19. Jahrhundert bei einer Versteigerung erworben und revitalisiert. Die prägnante Industriearchitektur des Ortes wurde dabei weitestgehend erhalten, einzig das Dachgeschoss und der erneuerte Treppenhauskern vermitteln von außen eine zeitgenössische Architektursprache. Die Idee hinter dem Coworking Space ist, dass er durch das Angebot an attraktiven und bezahlbaren Arbeitsflächen als Auslöser von Aufwertungsprozessen in der näheren urbanen Umgebung fungiert und so vitalisierend auf den Stephankiez wirkt. Aus diesem Grunde werden auch zwei verbilligte Arbeitsplätze für NGOs angeboten. Im Inneren teilen sich die Open Spaces auf vier Etagen auf. Innerhalb der Arbeitsflächen haben die Architekten verschiedene kubische Einbauten vorgesehen. Formal ähneln sie sich, aber in jedem Stockwerk dienen sie einer anderen Funktion: mal als Meetingraum, mal als Küche, mal als Ruheraum.


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Open Coworking Space Meetingräume Multifunktionsräume Werkstatt Teamarbeitsräume Private Arbeitsräume Galerie Kino Coworking Satelliten Reception Wohnräume Sofaräume Küche / Kaffeeküche Café/Bar

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Wochenrhythmen

Tagesrhythmen

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FR 2

Open Spaces Teamarbeitsraum Satelliten

Meetingraum

Sofaraum

Küche

Raumprogramm und Nutzungsdiagramme Raumstation 117


Kreativindustrie

co

Kulturelle Einrichtungen

Grünflächen

U 118

Stendaler Straße Stephanstraße

Stadtbibliothek Kulturfabrik Moabit

Fritz-Schloß-Park Stephanplatz

Öffentliche Verkehrsmittel U

M27 Stendaler Straße S41 S42 U9 Westhafen

Versorgungseinrichtungen

Perleberger Straße Stephanplatz

Gastronomie

Perleberger Straße Birkenstraße


Stadtr채umliche Umgebung Raumstation 119


Adresse

Studio 70 Kottbusser Damm 70 10967 Berlin-Neukölln

Arbeitsplätze

15

Arbeitsfläche

Zirka 150m²

Community

Besonderheiten

Kosten

IT-Branche, Politikwissenschaftler, Designer, etc. Wohnung auf Zeit Werkstatt

Drop In Flex Desk

10€ / Tag 149€ / Monat

Das Studio 70 liegt im Erdgeschoss des Hinterhofes eines Fabrikgebäudes in Neukölln. Es wird von den Machern des Hallenprojekts betrieben, dem ersten großen Coworking-Verzeichnis Deutschlands. Die Lage des Spaces zwischen dem aufstrebenden Neuköllner Reuterkiez und dem Graefekiez in Kreuzberg wird sehr geschätzt. Der Open Space ist relativ klein und bietet etwa 15 Personen einen Arbeitsplatz. Die Tische im Arbeitsbereich werden beinahe jeden Tag anders angeordnet, um den Austausch zwischen den Coworkern zu fördern. Zum Raumprogramm des Studio 70 gehört neben einem Seminarraum und einer kleinen Hausbar - eine Werkstatt. Diese war wohl die erste ihrer Art in einem Berliner Coworking Space, da sich das Studio 70 bereits früh der Idee verschrieben hat, dass Coworking und das Teilen von Arbeitsraum und Fachwissen nicht nur für Menschen funktionieren kann, die geistige Arbeit an ihrem Laptop verrichten. Des Weiteren bietet das Studio 70 ebenfalls im Erdgeschoss eine kleine Wohnung für jene Coworker an, die nur vorübergehend in Berlin arbeiten wollen.


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Wochenrhythmen

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FR 2

Open Coworking Space Meetingräume Multifunktionsräume Werkstatt Teamarbeitsräume Private Arbeitsräume Galerie Kino Coworking Satelliten Reception Wohnräume Sofaräume Küche / Kaffeeküche Café/Bar

Tagesrhythmen

Open Space

Werkstatt

Eingang / Café Teamarbeitsraum

Wohnraum

Meetingraum

Raumprogramm und Nutzungsdiagramme Studio 70 123


Kreativindustrie

co

Kulturelle Einrichtungen

Grünflächen

U 124

Reuterkiez Graefekiez

Theater im Keller Kino Moviemiento

Volkspark Hasenheide Landwehrkanal

Öffentliche Verkehrsmittel U

U8 Schönleinstraße U8/U7 Hermannplatz

Versorgungseinrichtungen

Kottbusser Damm Sonnenallee

Gastronomie

Reuterkiez Graefekiez


Stadtr채umliche Umgebung Studio 70 125


Schlussfolgerungen

Impakt 240€ Betahaus 229€

Raumstation 208€

201.2€

Durchschnittlicher Monatspreis Fixdesk Co.Up 180€

48.2

Durchschnittliche Anzahl an Arbeitsplätzen Studio 70 149€

9.75m² Fläche pro Arbeitsplatz

470m²

Durchschnittliche Arbeitsfläche

Durchschnittliche Arbeitsplätze und Arbeitsfläche 126

Durchschnittlicher Preis für einen Fixdesk pro Monat

Die Arbeitsflächen in den untersuchten Coworking Spaces unterscheiden sich stark. Der größte Coworking Space - das Betahaus - bietet über 1000m² Arbeitsfläche an. Das Studio 70 hingegen, welches der kleinste untersuchte Space ist, bietet etwa 150m² an. Im Schnitt gibt es in den fünf untersuchten Spaces ein Arbeitsraumangebot von 470m². Diese Flächen werden von durchschnittlich 48 Arbeitsplätzen belegt. Wiederum besitzt das Betahaus mit 150 Stück die meisten Arbeitsplätze. Das Studio 70 und das Impakt bieten hingegen nur etwa 15 Arbeitsplätze an. Rechnet man die beiden Durchschnittswerte gegeneinander, erhält man eine durchschnittliche Arbeitsfläche pro Arbeitsplatz von 9.75m². Bei den Mietpreisen gibt es weniger Diskrepanzen zwischen den Spaces. Im Schnitt zahlen die Coworker monatlich etwas mehr als 200€ für einen festen Arbeitsplatz. Das Impakt, das auch die meiste Fläche pro Arbeitsplatz anbietet, ist der teuerste Coworking Space. Alle Preise bewegen sich jedoch unter den durchschnittlichen Warmmieten für Berliner Büroflächen.10 10

VGl. IHK Berlin: „Orientierungsrahmen für Gewerbemieten in Berlin” - 2010


22

MO 2

Raumprogrammatisch unterscheiden sich die Coworking Spaces nur wenig. Das Hauptaugenmerk wird bei allen auf die großen Open Spaces gelegt, in denen die Coworker arbeiten und kollaborieren. Auch abgetrennte Meetingräume sind in jedem der untersuchten Spaces vorhanden, was aufgrund der ansonsten offenen Strukturierung der Arbeitsflächen nicht verwundert. Mehrere der Spaces bieten auch eine Küche oder zumindest eine Koch-Ecke an, die als sozialer Kern des Spaces fungiert.

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Die Unterschiede findet man vor allem in den zusätzlichen infrastrukturellen Angeboten, wie etwa Werkstätten, Teamarbeitsräumen, Ausstellungsflächen, Wohnräumen, Ruheräumen und den gastronomischen Angeboten in den Spaces.

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Tagesrhythmen

Summierte Nutzungsrhythmen

Durchschnittliche Relevanz der Lagefaktoren

Die Lage der Spaces scheint vor allem aufgrund der Anbindung an den ÖPNV, der städtischen Dichte und der in der Nähe gelegenen Versorgungsinfrastruktur gewählt zu werden. Weniger wichtig für die Auswahl der Lage scheinen Grünflächen, kulturelle Einrichtungen und andere Coworking Spaces in der Nachbarschaft zu sein.


Potenziale


Potenziale kollaborativer Arbeit Durch die räumliche Nähe in den Coworking Spaces bieten sich für die Menschen vielfältige informelle Vernetzungs- und Austauschmöglichkeiten. Die Macht virtueller Kollaborationsformen wird wieder zurück in den physischen Raum geführt. Die Potenziale, die dabei entstehen, gilt es auszuschöpfen und in räumliche Qualitäten umzuwandeln.

„We believe that good ideas scale when they are open. We also believe that ideas get better when we share.“ Tonya Surman Centre for Social Innovation Toronto

Coworking bietet zugleich Autonomie und soziale Interaktion, es bietet die Freiheit, sich die Arbeits- und Freizeit selbst zu organisieren, aber auch die Struktur, wie man sie im Büro vorfindet. Es bietet die Möglichkeit, alleine neben anderen zu arbeiten oder auch ephemere Arbeitsgemeinschaften zu bilden, etwa für die Dauer eines Projekts. Die gebotene Infrastruktur kann temporär oder permanent genutzt werden. Die neue Typologie der Coworking Spaces erfordert neue und einzigartige Strategien, um diese Qualitäten ausbalancieren und somit das Innovationspotenzial maximieren zu können.

Coworking bedeutet, offen und transparent zu arbeiten und den Arbeitsplatz nach den eigenen Vorstellungen gestalten zu können. Daraus entstehen natürlich auch Probleme, von denen einige auch räumlich gelöst werden können. Wie zum Beispiel steigert man soziale Interaktion und Serendipität? Wie kann man in einem Open Space, der die Kollaboration fördern soll, auch Privatheit und Ruhe garantieren, wenn sie gebraucht werden? Wie kann man das temporäre Prinzip auch auf das Wohnen in der Stadt ausweiten? Wie kann ökologisch und ökonomisch nachhaltig gearbeitet werden? Wie geht man mit den verschiedenen Anforderungen der Coworker um? Wie kann man auch Nicht-Wissensarbeiter das Coworking-Prinzip näher bringen? Wie schafft man dynamische Arbeitsräume, die den ständig wechselnden Bedürfnissen angepasst werden können? Wo müssen Grenzen gesetzt, wo welche aufgebrochen werden? Wie bringt man Außenstehenden nahe, was in den Coworking Spaces vor sich geht und was die Potenziale des gemeinsamen Arbeitens sind?


131


132


Informelle Kollaboration Der Autor und Unternehmensberater John Hagel vom Deloitte Center for Edge Innovation betrachtet in seinem Werk „The Power of Pull“ das sogenannte Pull-Prinzip, das informelle Kollaboration und kreative Vernetzungsformen fördert, um so flexibel zu bleiben und sich den stetig veränderlichen Anforderungen am innovativen Rand der Produktionsmaschinerie schnell anpassen zu können. Dem gegenüber steht das altbewährte und starre Push-Prinzip, welches von einförmigen Institutionen angewendet wird, die auf eine vorhersehbare Produktnachfrage basieren. Dabei werden den Mitarbeitern zugeschnittene Aufgaben verteilt, die auf traditionellen Wegen gelöst werden sollen.

Hagel weist auch darauf hin, dass beim Arbeiten in kollaborativen Arbeitsumgebungen gemeinsame Werte aufgebaut werden und eine Kollaborationskurve generiert wird, die durch gegenseitiges Mitziehen (Pull) eine messbar verbesserte Performance der Einzelnen wie auch der Gruppe bewirkt.1 Um diese Effekte möglichst gut ausnutzen zu können, soll das Projekt untersuchen, wie durch architektonischen Einsatz die Kollaboration zwischen den Individuen im Coworking Space gesteigert werden kann.

1

Hagel, John; Seely Brown, John; Davison, Lang: „The Power of Pull: How Small Moves, Smartly Made, Can Set Big Things in Motion” - 2010

Performance des Einzelnen

Dazu müssen Infrastruktur und Räume für Aktivitäten entworfen werden, die eine erweiterte Kommunikation und Kollaboration ermöglichen. Die Herausforderung liegt also darin, das “Co” im Wort Coworking noch zu steigern und die Zusammenführung der innovativen Kräfte im Kreativzentrum durch entsprechende Infrastruktur und räumliche Konfigurationen zu erwirken, die den Anforderungen einer möglichst weitreichenden und fruchtbaren Kooperation entgegenkommt.

Kollaboranten

Flexible Anpassungsfähigkeit und Pull-Effekt nach Hagel 133


Serendipity Ein weiterer Synergieeffekt, der beim kollaborativen Arbeiten auftritt, ist die gesteigerte Serendipität, also die Möglichkeit zur zufälligen Beobachtung von etwas ursprünglich nicht Gesuchtem, das sich als neue und überraschende Entdeckung erweist. Serendipität ist eng mit der Fähigkeit verknüpft, anscheinend unzusammenhängende Fakten aneinanderzubringen und daraus wertvolle Schlussfolgerungen zu ziehen. Allerdings besitzen nur die wenigsten Individuen einen solcherart ausgeprägten Scharfsinn.

In Kollaboration mit anderen kann dieser Effekt jedoch verstärkt werden. Eine nur zur Hälfte zu Ende gedachte Idee kann so von anderen vervollständigt werden. Ein Gedankenstrang, der über längere Zeit in die falsche Richtung weist, kann von anderen berichtigt werden. Die Voraussetzung für solch zufällige Entdeckungen ist eine transparente Arbeitsweise und das Zulassen von Kritik und Anregung für die eigene Arbeit. Coworking Spaces versuchen, ebendiese Arbeitsweise zu forcieren, damit Serendipität gefördert wird. Die gegenseitige Befruchtung der Ideen kann durch informellen Austausch, durch Heterogenität der Arbeitsfelder und der Karrierepunkte, durch Überlagerung und Vermischung von Ansichten erreicht werden. Dieser Aspekt soll mit in die Planung des Projekts einfließen.

„Serendipity. Look for something, find something else, and realize that what you have found is more suited to your needs than what you thought you were looking for.“ Lawrence Block Autor

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Zufällige Entdeckungen und Beobachtungen, die eigentlich nicht gesucht wurden: Penicillin, Corn Flakes, Mikrowellen, Teflon, vulkanisiertes Gummi, Entdeckung Amerikas, RÜntgenstrahlung, Post-Its, Sekundenkleber, Viagra 135


„Essentially, everything should be delivered in Beta. Because if you tell people that something is Beta, then it says it‘s not finished. And we should always look at things as not finished, because that‘s the only way we can improve them.“ Jay Cousins Open Design City Berlin

DMY Makerlab 2010 136


Open Source Design Ein interessantes Konzept beim Coworking ist das sogenannte “Delivered in Beta”: Produkte der Arbeit werden bei solchen Beta-Events absichtlich nicht im Endstadium präsentiert, sondern können wie in einer Testphase („Beta“) von allen Teilnehmern kritisch analysiert und in einem evolutionären Prozess verändert und weiterentwickelt werden. Auffallend oft werden solche Beta-Produkte jedoch mangels einer Präsentationsfläche nur einem kleinen Kreis von Experten vorgestellt und die Anbindung an das Netzwerk der Öffentlichkeit kommt nicht zustande. Über geeignete Präsentations- und Veranstaltungsflächen können Produkte anderen Professionellen und auch der interessierten Öffentlichkeit vorgestellt und in einer Art OpenSource-Designprozess weiterentwickelt werden. Die Idee der Sozialen Innovation, also der Entwicklung von innovativen Produkten durch die Gemeinschaft kann durch diese Prozesse gefördert werden.

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Kreative Teilhabe des Laien

„If you want to make a product relevant, then make it open. That way it will function as the cutting edge of human culture. Everyone should be able to manipulate it to the very bits and atoms of it.“

Charles Landry ist der Ansicht, dass prinzipiell jeder Mensch kreativ ist, wobei es nicht jeder im selben Maße ist. Jeder könnte jedoch kreativer sein, als er es jetzt gerade ist. Landry hat die Vermutung, dass die meisten Menschen aber lieber in der Komfortzone des Erprobten und Bewährten verbleiben. Ein Blockadekriterium dafür sieht er erstens eine Unfähigkeit, die potenziellen Nutzen kreativer Arbeit zu erkennen und zweitens gewisse etablierte Konzepte in der kapitalistischen Gesellschaft, in der alles nur mehr nach seinem Geldwert beurteilt wird. Dies schränkt die Kreativitätsentfaltung der Bevölkerung einerseits ein, kreiert andererseits für die Kreative Klasse auch eine Art Wettbewerbssituation.2

Ronen Kadushin Produktdesigner

Ein Schwerpunkt kreativer Stadtpolitik ist die Schaffung von Möglichkeitsräumen, in denen neue, kreative Ideen von und mit den Einwohnern ausprobiert werden. Der Coworking Hub soll deshalb auch die Möglichkeit bieten, das Coworking-Netzwerk an das lokale Netzwerk der Stadt anzubinden, indem die Bewohner - welche letztlich die Benutzer der hier entwickelten Produkte sind - in den kreativen Kreislauf involviert werden. Geschehen soll dies über publikumsorientierte Angebote - also beispielsweise offene Werkstätten, Seminarräume oder auch Lehrund Diskussionsplattformen. Hier sollen neue Ideen dem Laien vorgestellt, von ihm getestet und teilweise auch aktiv oder passiv mitentwickelt werden können. So kann der Laie kreativ an der Entwicklung von Innovationen teilnehmen. Im Folgenden sollen drei Prinzipien der publikumsbezogenen Argebote vorgestellt werden: das Fabrication Laboratory, die Work-in-Progress-Galerie und die Wissensweitergabeplattform.

2

138

Interview „Veränderung ist an sich schon ein kultureller Prozess” mit 2010LAB: http://www.2010lab.tv/blog/charles-landry-veraenderung-istsich-schon-ein-kultureller-prozess - 14.01.2011


Kreativzentrum

Coworking Space

Stadtbevรถlkerung

Publikumsorientierte Angebote

Kreative Vernetzung des Kreativhubs mit der Stadt 139


Fabrication Laboratories - oder kurz auch FabLabs - sind Open-Source-Werkstätten, die von Professionellen betrieben werden, die aber auch der Öffentlichkeit zugänglich sind. Im Sinne einer weiter gedachten Mass Costumization kann hier jeder, der an der Herstellung individualisierter Produkte interessiert ist, unter Aufsicht von Experten seine eigenen Ideen verwirklichen. Das Spektrum der Möglichkeiten kann sich dabei vom einfachen Siebdruck über Lasercutting und dreidimensionalen Plots bis hin zu CNCgefrästen Objekten ausdehnen. Die Herstellung einfacher Maschinen gehört ebenso dazu wie Strickware oder kleinere Schreinerarbeiten. Der Kreativität sind in den FabLabs meist nur wenige Grenzen gesetzt: mit der richtigen Idee ist beinahe alles in einem FabLab herstellbar. Die entsprechenden Geräte zur Herstellung dieser Dinge gehören in den meisten Fällen zur grundlegenden Infrastruktur der offenen Werkstätten und können nach Absprache mit den Leitern verwendet werden. So können FabLabs zur Aktivierung kreativer Kräfte in der Bevölkerung beitragen.

140

Die Work-in-Progress-Galerie ist eine Eventund Präsentationsplattform, die den Dialog über die präsentierten Produkte anregen soll. Die Öffentlichkeit und bereichsnahe und -fremde Experten sollen hier aneinandergebracht werden, um den Diskurs über aktuelle Produkte des Kreativhubs zu fördern. Wie bereits angemerkt, werden beim Coworking oft Ergebnisse im Beta-Stadium präsentiert, damit sie in einem iterativen Prozess getestet, diskutiert und weiterentwickelt werden können, bis sie irgendwann das Endstadium erreichen. Dem Leitbild Kreative Stadt entsprechend, soll sich der Know-How-Transfer und die Beratungsangebote der Wissensweitergabeplattformen nicht nur an Experten in ähnlichen oder verschiedenen Feldern richten, sondern auch an die Stadtbewohner. Hier können die neuesten Errungenschaften genauso wie Grundlagenund Fortbildungskurse für lokale Unternehmen Teil des Angebots sein. So soll ein zusammenhaltendes Netzwerk zwischen Professionellen und Laien aufgebaut und gefördert werden.


141


142


unique

unique

unique

unique

$

Fabrication Laboratory

„Delivering in Beta gives you the freedom to create something that people can see and respond to, without having the pressure of it having to function completely.“

= best = best = best

= best = best

Work-in-Progress-Galerie

Arne Hendriks Ausstellungskurator Amsterdam

ERROR

OK

Wissenweitergabeplattform

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Ökologische und ökonomische Nachhaltigkeit durch Sharing Ein großes Potenzial des Coworking ist das Teilen von Wissen, von Arbeitskraft und von Infrastruktur. Durch die Bildung ephemerer Arbeitsgruppen können so über einen begrenzten Zeitraum Ergebnisse erzielt werden, die für Einzelarbeit kaum vorstellbar wären. Das Sharing-Prinzip kann auch ausgedehnt werden auf verschiedenste Dienstleistungen, die jeder Einzelne benötigt, die aber in der Gruppe leichter, kostensparender und effizienter erledigt werden können. So zum Beispiel ist die gemeinsame Nutzung der Küche genauso denkbar wie die gegenseitige Akquise, das Zuspielen von Jobs oder der gemeinsame Verkauf von Produkten. Jeder dieser Arbeitsschritte ist einfacher erledigt, wenn er sozialisiert wird.

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Eine gewisse ökonomische Nachhaltigkeit generieren Coworking Spaces auch durch das große Angebot an kostengünstigen Arbeitsraum, der in Berlin genauso wie in vielen anderen Großstädten zunehmend verloren geht. Das Teilen von Infrastruktur in den Coworking Spaces ist dabei ein wichtiger Faktor. Die Rechnung ist simpel: würde jeder Selbstständige, der heute in einem Coworking Space arbeitet, seiner Tätigkeit noch immer zu Hause oder in einem eigenen Büro nachgehen, würden viele infrastrukturelle Anschaffungen jeweils einzeln gekauft, benutzt und letztlich auch weggeworfen werden. Coworking bringt viele Menschen an einem Ort zusammen, wo die benötigte Infrastruktur nur einmal - oder zumindest viel seltener - angeschafft werden muss und von allen gleichermaßen genutzt werden kann.


Des Weiteren bedeutet die Bündelung von Individuen an einem Ort auch das Teilen von laufenden Kosten und eine Optimierung von energetischen Bilanzen. Wie die Berliner Umfrage unter den Coworkern gezeigt hat, leben die meisten von ihnen innerhalb eines Radius von drei Kilometern vom Arbeitsplatz. Deshalb bietet sich gerade in Berlin ein Bike-Sharing-Angebot am Arbeitsplatz an, um die Coworker dazu zu bewegen, die Fahrt zu ihrem Space mit dem Fahrrad anstatt mit dem Auto zu bewältigen. Falls die Distanz zwischen Wohn- und Arbeitsort die Autofahrt unabdingbar macht, so finden Carpooling-Angebote in Coworking Spaces meist viele Interessenten. Heizung, Licht, Stormzufuhr, Durchlüftung, sowie Recycling- und Abfallmanagement können zentral gesteuert werden, um so den ökologischen Fußabdruck jedes Einzelnen auf gemeinsame Weise zu optimieren. Viele weitere Anwendungen des Sharing-Prinzips sind hier noch denkbar.


Co.Lab


These Der Paradigmenwandel von der mechanischen Arbeit in festen Bürostrukturen hin zur kreativen Arbeit in ortlosen Netzwerken hat verschiedenste neue Arbeitsplattformen generiert, unter anderem das Home Office und den Coworking Space. Das Teilen von Arbeitsraum birgt vielerlei Potenziale, die die Projekte des Einzelnen verstärken können. Die informelle soziale Interaktion mit anderen führt zu Verbesserungen in Produktivität, Motivation und Organisation der eigenen Arbeit. Vor allem aber bringt sie mannigfaltige Betrachtungsweisen der verschiedenen Projekte mit sich, was kreative und innovative Arbeitsweisen fördert.

Die Potenziale kollaborativer Arbeit müssen nicht nur auf die Professionellen beschränkt sein, auch die Stadtbevölkerung kann teilnehmen am Teilen von Wissen und an kreativen Schaffensprozessen. Das Kreativzentrum, das diese Potenziale auf den es umgebenden Raum abstrahlt, muss deshalb stark auf die Durchmischung von heterogenen Ideen und interdisziplinären Betrachtungsweisen, sowie auf das Aneinanderbringen von Professionellen und Laien abzielen.


Einsatzort Lohmühleninsel Nord Aufgrund der umgebungstechnischen Kriterien, die sich in der Analyse der Berliner Coworking Spaces besonders hervorgehoben haben, wurden 17 potenzielle Standorte für das Projekt ausgesucht. Bis auf vier liegen alle innerhalb der Innenstadtgrenze. Zentralität ist ein Kriterium, das vielen Coworkern sehr wichtig erscheint. Auch die Erreichbarkeit ist sehr relevant bei der Wahl des Coworking Spaces: wie die Berliner Umfrage gezeigt hat, erreichen die meisten Coworker ihren Arbeitsort mit dem Fahrrad oder zu Fuß, sehr viele nehmen auch das Angebot des Öffentlichen Personennahverkehrs wahr. Deshalb ist die Lage in der Nähe von U- oder SBahnstationen für den Projektstandort wichtig. Des Weiteren ist die Nähe zu anderen Unternehmen der Kreativindustrie, zu gastronomischen Betrieben und zu Versorgungseinrichtungen wie Lebensmittelläden oder auch Kindertagesstätten von Relevanz. Die urbane Dichte im näheren Umfeld erscheint wichtiger zu sein, als fußläufig erreichbare Grünflächen. Die potenziellen Einsatzorte wurden aufgrund dieser Kriterien analysiert, um Vorteile und Nachteile jedes einzelnen Ortes zu finden.

Letztlich wurden die Orte auch aufgrund ihrer Lage in den verschiedenen Berliner Kreativräumen nach dem Leitbild Kreative Stadt ausgesucht. Bis auf wenige Ausnahmen befinden sich die potenziellen Einsatzorte innerhalb der Eroberungsräume der Kreativindustrie. Die meisten liegen auch in der Nähe der großen Berliner Coworking-Konzentrationen. Der gewählte Einsatzort für das Projekt, der Nordteil der Lohmühleninsel an der Grenze von Kreuzberg zu Treptow liegt ebenfalls in der Nähe einer großen Coworking-Intensität und in einem Eroberungsraum der Kreativindustrie. Der Raumtyp erstreckt sich von FriedrichshainKreuzberg nach Südosten über Lichtenberg bis nach Oberschöneweide. Das Kreativzentrum an der Lohmühleninsel wäre der am meisten östlich gelegene Coworking Space. Ziel ist es, der Berliner CoworkingIntensität durch die Wahl dieser Lage einen Schub in den Eroberungsraum hinein zu geben Es soll ein auch Ansporn dafür sein, dass zukünftig Spaces auch stadtauswärts nach Südosten gegründet werden.

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Coworking Spaces Innenstadt Coworking-Konzentration Etablierte Kreativräume in Berlin Eroberungsräume der Kreativindustrie [KBP]

Reinickendorf

Pankow [UHW]

Spandau

Lichtenberg [KFM] MarzahnHellersdorf

[LMI]

[OKZ]

CharlottenburgWilmersdorf

Potenzielle Einsatzorte [UHW] Uferhallen Wedding [SBW] Stadtbad Wedding [KFM] Kulturfabrik Moabit [UFM] Umformwerk Tiergarten [HKM] Heizkraftwerk Mitte [SKL] Schwarzer Kanal [ASF] Alte Seifenfabrik [LMI] Lohmühleninsel (Nord) [OKZ] Fläche am Ostkreuz [GBF] Glasbläsermanufaktur [UWR] Umspannwerk Rummelsburg [KBP] Kranbahnpark [BHG] Brauhofgärten [AKB] Alte Kindl-Brauerei [NWT] Neuköllner Wasserturm [MFT] Malzfabrik Tempelhof

Umgebungsanalyse co

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Einsatzort Lohmühleninsel

[GBM] [UWR] [A [AKB] [NWT] [MFT] SteglitzZehlendorf

TempelhofSchöneberg

Neukölln ln

[KBP] P] TreptowKöpenick ck

151


Der Osthafen von der Oberbaumbr端cke gesehen 152


Einsatzort Lohm端hleninsel Nord 153


Mitte Ostkreuz

Friedrichshain

Stralauer Bucht

Osthafen

Kreuzberg

Stralauer Halbinsel

Landwehrkanal

Treptow

Neukölln

Treptower Park

Städtische Umgebung des Projektgebiets

Oberbaumbrücke Rudolfkiez U Schlesisches Tor

Stralauer Allee

Schlesische Straße Wrangelkiez

Elsenbrücke

Arena Görlitzer Park

Treptowers Schlesischer Busch

Osthafen und Umgebung 154

Das Einsatzgebiet der Lohmühleninsel liegt in Kreuzberg-Friedrichshain am südlichen Ufer der Spree und an der Grenze zu Treptow-Köpenick. Die Insel, die meist schwerlich als solche wahrgenommen wird, wird im Norden von der Spree, im Westen vom Landwehrkanal und im Osten vom Flutgraben umgrenzt und gehört zum Osthafen-Ensemble. Der Osthafen wird heute von der Berliner Senatsverwaltung für Stadtenwicklung als in seiner ursprünglichen Funktion aufzugebender Standort bezeichnet, da er zukünftigen entwicklungstechnischen Anforderungen nicht mehr genügt und auf das Areal ein starker städtebaulicher Druck zur Umnutzung lastet. Während auf der Friedrichshainer Seite große Teile des Rudolfkiezes durch die vielbefahrene Verkehrsachse der Stralauer Allee von der Spree abgetrennt sind, begründet sich die Unzugänglichkeit zum Kreuzberger Spreeufer vorwiegend durch die verschiedenen Gewerbenutzungen, deren Grundstücke bis an das Spreeufer ragen und so das Ufer nicht in den öffentlichen Raum mit einbeziehen. Zugänge zum Wasser gibt es nur vereinzelt.


Auf dem Gebiet der späteren Lohmühleninsel haben sich im 18. und 19. Jahrhundert viele Gewerbenutzungen angesiedelt, allen voran die Lohmüller, die Baumrinden - die Lohe - zu Borkenmehl, einem Zusatzstoff für die Lederherstellung, verarbeiteten. Ihre Mühlen gaben der Insel ihren Namen. Die knapp 6.5 Hektar umfassende Insel entstand Mitte des 19. Jahrhunderts aus der Notwendigkeit, einen Flutgraben für die neu erbauten Schleusen zu errichten, die dem Zweck der Schiffbarmachung des Landwehrkanals dienten. Bis Anfang des 20. Jahrhunderts, vor der Zusammenlegung der verschiedenen kleineren Städte zu Großberlin, verlief an der Insel die Ostgrenze der Stadt. Zu Mauerzeiten war sie Bestandteil der innerdeutschen Grenze zwischen West- und Ostberlin. Seit dem Mauerfall wurde die Insel wieder stärker als industrieller Standort genutzt, heute besinnen sich die Stadtplaner ihrer Wasserlage und ihrer Zentralität: die Insel liegt im Fördergebiet Kreuzberg-Spreeufer des Stadtumbau-West-Programms.

Kreuzberger und Friedrichshainer Spreeufer von West nach Ost 155


Landwehrkanal Schlesische Straße Badeschiff MS Hoppetosse Flutgraben Glashaus Akzisehaus und Tankstelle

Nordteil der Lohmühleninsel

Schleusenufer

Autowerkstatt Transportbetonwerk

Holz- und Pappenwekr

Mietgaragenhof

Transportbetonwerk und Nachbargrundstücke 156

Arena

Das Gebiet am Osthafen wird im Flächennutzungsplan von 2004 als Mischgebiet ausgeschrieben. Der Bebauungsplan sieht vor, dass denkmalgeschützte Bestandsgebäude am Osthafen zu erhalten sind. An der Lohmühleninsel steht das letzte erhaltene Akzisehaus, welches im 18. Jahrhundert Teil der Berliner Zollmauer war und heute denkmalgeschützt ist. Des Weiteren findet sich hier die erste Berliner Tankstelle aus dem Jahr 1928. Sie steht - genauso wie drei der vier Inselbrücken ebenfalls unter Denkmalschutz. Das ausgewählte Projektgebiet liegt an der Nordkante der Insel direkt am Ufer der Spree. Derzeit befindet sich darauf ein Transportbetonwerk der Firma Cemex. In der mittel- bis langfristigen Planung ist die Verlagerung des Werkes bereits vorgesehen. Der Berliner Flächennutzungsplan sieht hier derzeit eine Umnutzung zur öffentlichen Grünfläche vor. Der Uferweg, der momentan auf dem Gelände des Veranstaltungsortes Arena endet, soll über die Insel weitergeführt werden.


Kreuzberger und Friedrichshainer Spreeufer von Ost nach West

Tankstelle und B체roh채user in der Umgebung 157


Kreativindustrie

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Kulturelle Einrichtungen

Grünflächen

U 158

Schlesische Straße Stralauer Allee

Arena Lido

Schlesischer Busch Görlitzer Park

Öffentliche Verkehrsmittel U

U1 Schlesisches Tor S41 / S42 Treptower Park

Versorgungseinrichtungen

Wrangelstraße Schlesische Straße

Gastronomie

Angrenzend Wrangelkiez


Stadtr채umliche Umgebung Lohm체hleninsel Nord 159


< Xberger Youth Hostel

Native Instruments > eye square > Spacedealer online media >

Intercom >

Landschaft planen+bauen >

ATB-Turnhalle >

< Heinz Minki Biergarten Tankstelle >

< GFG-Mietgaragenhof

Restaurant Anhalt >

< Rauhut Holz und Pappenwerk

Restaurant Freischwimmer >

< Autowerkstatt Bektas

< Club der Vision채re < Cemex Transportbetonwerk

< Elf Freunde HQ < raumlabor berlin

< Kunstfabrik am Flutgraben

< Glashaus

< Badeschiff

< Arena


Das ausgewählte Grundstück erstreckt sich über eine Fläche von nahezu 8.700 Quadratmetern. Es ist L-förmig geformt, an der breitesten Stelle ist es 121 Meter lang, senkrecht dazu ist es 62 beziehungsweise 96 Meter lang. Auf dem Gelände steht momentan ein dreigeschossiges Verwaltungsgebäude, eine aus zwei Containern bestehende Hütte für die Arbeiter und ein kleines Trafohäuschen. Den größten Teil des Geländes nimmt der Sand- und Kieshaufen ein, der mittig am Spreeufer positioniert ist. Der südliche Teil des Grundstücks wird vorwiegend als Parkplatzfläche für die Betonmischfahrzeuge genutzt. Im Süden des Geländes grenzen eine Autowerkstatt, ein Holz- und Pappenwerk und ein Mietgaragenhof an. An der Schlesischen Straße gibt es gastronomische Betriebe wie den Biergarten Heinz Minki, das Restaurant Anhalt oder das Cafè Freischwimmer.

In der näheren Umgebung, vor allem Richtung Westen, sind mehrere Unternehmen der Kreativindustrie angesiedelt. Hier befinden sich auch die meisten gastronomischen Betriebe. Richtung Osten befindet sich die Kunstfabrik am Flutgraben und der Veranstaltungsort Arena samt dem Badeschiff und dem Glashaus.

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Im Süden der Insel befindet sich ein ausgedehnter Sport- und Freizeitpark, der etwas weiter mit den Grünflächen des Görlitzer Parks und des Schlesischen Buschs zusammenkommt.

161


Einsatzort

U ni ve rs R al ec G or < er d C m Pa ap an < ito rtn y lY er < Co N m a rd M pe A te M n ed ce ie na ge nt ur

Weiße Zonen: unzugänglich

Zugänge

Zwischen diesen beiden Enden des Kreativbandes klafft an der Lohmühleninsel eine Lücke, die es zu schließen gilt. Auf der Insel selbst befinden sich keinerlei Unternehmen der Kreativindustrie. Ihre Flächen werden vor allem industriell genutzt. Hier befinden sich ein Mietgaragenhof, eine Autowerkstatt, sowie eine Pappfabrik und das besagte Transportbetonwerk.

162

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Lücke im Kreativband am Osthafen: Unternehmen und Zugänglichkeiten

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C as aK Se m K on on na a d ze ito ts e re r+ pt rA s Be er Ar us ve ch st rli el sp ite n lu > k e ng ic ten Sp he sk La ac N > r> on nd ed a ze sc ea tiv fo eye pt ha le e I rel e ft r o ns le squ > pl nl tru m a an in m ed re e > en m en ia +b e ts > au dia > en > >

An beiden Ufern der Spree am Osthafen sind verhältnismäßig viele Unternehmen der Kreativindustrie ansässig. Am Nordufer befinden sich unter anderem die deutschen Zentralen von Universal Music und MTV Networks und die Showrooms der Modeindustrie Labels I und II. Am südlichen Ufer des Osthafens sind hingegen vor allem kleinere Unternehmen ansässig. Westlich der Lohmühleninsel gibt es viele Designstudios und Architekturbüros. Landschaftsplaner findet man hier ebenso wie Ausstellungskuratoren und Unternehmen der Medienbranche. Östlich der Lohmühleninsel befinden sich in mehreren alten Industriegebäuden die Kunstfabrik am Flutgraben, in der mehrere Künstlerateliers und Architekturbüros ansässig sind, sowie eine Zeitschriftenredaktion und das Areal der Arena.

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Kreativband am Osthafen

Blaue Zonen: zugänglich


Einsatzort

Weiße Zonen: unzugänglich

Blaue Zonen: zugänglich

Zugänge

Viele der Kreativunternehmen in diesem Band arbeiten auf sehr traditionelle, untransparente Weise. Der Zugang und die Partizipation des Laien am kreativen Projekten ist nicht erwünscht. Demgegenüber soll das neue Kreativzentrum ein Ort der transparenten und kollaborativen Arbeit werden, zu dem jeder Zugang hat, der seinen kreativen Impulsen freien Lauf lassen will.

co.working co.living co.gardening co.music co.cooking co.movies co.learning co.fabricating co.consulting co.theatre co.selling co.experimenting co.exhibition co.

Öffentlicher Zufluss

Durch publikumsorientierte und partizipative Angebote sollen den Stadtbewohnern hier kreative Mehoden näher gebracht werden, die sie in einem weiteren Schritt selbst für die Umsetzung ihrer Ideen nutzen können. So soll das neue Kreativzentrum ein Laboratorium für kollaborative Arbeit und gemeinsam erarbeiteter Innovationen werden.

Schließung der Lücke im Kreativband und Öffnung der Zugänglichkeit an der Lohmühleninsel 163


Die gewerbliche Nutzung der Lohmühleninsel durch industrielle Betriebe wird heute immer stärker hinterfragt. Nicht zuletzt auch in den Planungen der Investorengruppe Mediaspree, die auf der Insel eine autofreie Wohnnutzung visioniert haben. Gerade den Ideen der Mediaspree-Planungen, die weitere verschlossene Kreativindustrie in das Gebiet am Osthafen und der näheren Umgebung bringen würden, soll das neue Kreativzentrum durch die offene und partizipative Ausrichtung entgegenwirken. Ziel ist es also, die untergenutzte Gewerbefläche des Betonwerks, die einseitige Produktion vorweist, durch einen Ort zu ersetzen, an dem gemeinschaftlich heterogene und innovative Produkte entwickelt werden. Ein Ort, der durch seine Offenheit und Transparenz mit der geplanten oder bereits gebauten Realität der verschlossenen Kreativindustrie in der Umgebung kontrastiert. Ein Ort, der sowohl für Professionelle als auch für Laien konzipiert ist und das ihnen innewohnende innovative Potenzial weckt.

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HS ZEMENT DIN 1164-10

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HS ZEMENT DIN 1164-10

Untergenutzte Gewerbefl채chen, einseitige Produktion

$ Raum f체r kollaborative Innovation und heterogene Produkte 165


Räumliche Strategien Um einen Ot zu entwerfen, der den Anforderungen der kollaborativen Zusammenarbeit gerecht wird, sollen zuallererst räumliche Strategien entwickelt werden, die sich an den fünf Punkten des Coworking Community Manifesto orientieren:

Des Weiteren sollen diese strategischen Überlegungen beeinflusst werden von den Erkenntnissen aus den durchgeführten Umfragen, aus der Analyse der verschiedenen Berliner Coworking Spaces und letztlich auch von der eigenen Erfahrung der Arbeit im Betahaus Berlin.

Community - der Aufbau und der Erhalt von gut funktionierenden kollaborativen Gemeinschaften.

Collaboration - das Ermöglichen von informeller wie auch geplanter Zusammenarbeit.

Openness - die Förderung transparenter Arbeitsweisen und der Synergieeffekte kollaborativer Arbeit.

Ziel ist es, über diese Strategien einen Ort zu schaffen, der informellen Wissensaustausch ermöglichen und dadurch innovative und heterogene Ideen und Produkte fördern soll. Einen Ort, der den Umgang mit der Schnittstelle zwischen strukturiertem Arbeiten und kreativem Chaos beherrscht und der das produzierte und angesammelte Wissen auch an Außenstehende weitergibt. Einen Ort, der all die Potenziale und Synergieeffekte, die beim kollaborativen Arbeiten entstehen, verstärkt und erfahrbar macht.

Diversity - die größtmögliche Durchmischung von Ideen, Arbeitsweisen und Erfahrung.

Sustainabilty - das Erreichen von ökonomischer und ökologischer Nachhaltigkeit über das Teilen von Arbeitsraum.


167


Horizontale Communities Eine funktionierende und gleichberechtigte Gemeinschaft aufzubauen ist einfacher, wenn sie horizontal gegliedert wird. Communities, die vertikal auf mehreren Geschossen verteilt sind, haben größere Kommunikationsprobleme. Auch wird über weite horizontal gegliederte Räume der informelle Austausch zwischen den Individuen gefördert, da Bewegung hier begünstigt wird und man sich leichter tut, kurz vom Arbeitsplatz aufzustehen und woanders um Hilfe zu bitten. Mobilität bedeutet hier oft auch Zusammenarbeit. Sehr wichtig für horizontal gegliederte Communities ist ein Ort, der sich als sozialer Kern etabliert. So zum Beispiel kann die Kaffeeküche oder eine Couch-Ecke sehr gut zu einem solchen Treffpunkt für informellen Austausch werden. Der Zusammenhalt der Gemeinschaft kann hier über die Arbeit nicht betreffende Nebensächlichkeiten wie dem einfachen Kaffeeklatsch, dem gemeinsamen Kochen oder einem Feierabendbier gestärkt werden.

168

Die Analyse der Coworking Spaces zeigt, dass das raumprogrammatische Hauptaugenmerk stets auf große Open Spaces gelegt ist. Laut der Ergebnisse der Global Coworking Survey bieten diese Räume im Schnitt Platz für etwas weniger als 50 Menschen, was auch den Vorstellungen der Coworker nach der optimalen Belegung eines Open Spaces entspricht. So können die Communities überschaubar und verwaltbar bleiben. Ein Open Space soll also ein Ort der Arbeitsraumteilung und dadurch auch ein Ort für das Teilen von Wissen, für die gegenseitige geistige Befruchtung und für die interdisziplinäre Betrachtung von Problemstellungen sein.


Vertikale versus horizontale Communities und sozialer Kern 169


Informeller Wissensaustausch

„Hey, you have an idea? Let‘s just put it out there and see whatever works.“ Michelle Thorne Creative Commons Aktivistin Berlin

170

Der wichtigste Aspekt der kollaborativen Arbeit ist das bereitwillige Teilen von Wissen und Erfahrung. Dabei geschieht der Wissensaustausch oft nicht in geplanten Treffen, sondern eher auf informelle Weise, beim zufälligen Aufeinandertreffen am Fotokopierer, im Café oder in den Erschließungsbereichen. Aus diesem Grunde ist es wichtig, Restflächen und Erschließungszonen als Vehikel zu aktivieren, die eine entschleunigende Wirkung auf die Individuen haben und so den informellen Austausch zwischen ihnen fördern können. Dem Raumprogramm wird eine kommunikative Wirbelsäule hinzugefügt. Sie soll das Gebäude möglichst weitreichend durchdringen und sowohl als Erschließungs- wie auch als Aufenthaltsort funktionieren. Die Vermischung dieser scheinbaren Gegensätze soll die Wirbelsäule zum zentralen Ort sozialer Interaktion, kreativer Konversation und intellektuellen Austauschs machen. Einsätze wie zum Beispiel Shared Libraries - also kleine, gemeinsam betriebene Bibliotheken - oder Ruhe-Ecken entlang der Wege können die entschleunigende Wirkung dieses Ortes steigern.


Kommunikative Wirbels채ule Bespielung von Restfl채chen 171


Transparentes Arbeiten Um die soziale Interaktion und den Gedankenaustausch zwischen den Coworkern überhaupt möglich zu machen, wird ihnen die Öffnung ihrer Arbeitsweise abverlangt. Wer eine verschlossene Arbeitsweise an den Tag legt, kann nicht von den Synergieeffekten profitieren, die beim Teilen von Arbeitsraum entstehen. Die geforderte transparente Arbeitsweise soll durch die räumliche Umgebung gefördert und verstärkt werden. Dazu muss zuallererst daran gedacht werden, möglichst wenige physische Trennungen im Raum zu haben. Das Verhältnis von offen und privat in einem Open Space schwankt. Es sollte aber von vornherein ungefähr definiert werden, da es den Menschen, die hier arbeiten sehr wichtig ist. Die Ergebnisse der Global Coworking Survey zeigen den Wunsch der Befragten nach offen und transparent gestalteten Open Spaces. Rückzugsmöglichkeiten für Privates sollen allerdings auch angeboten werden. Viele Coworker arbeiten alleine, viele arbeiten aber auch in spontanen und wechselnden Teams. Der die Coworker umgebende Raum soll die informelle und spontane Teambildung unter ihnen fördern.

172

Ein offener Arbeitsraum ist keine Bibliothek, die Geräuschkulisse ist nicht zu unterschätzen. Wenn jedoch beispielsweise aus Schallschutzgründen, aus Geheimhaltungsgründen oder für den Rückzug ins Private doch irgendwo Raumtrenner vonnöten sind, dann sollten sie möglichst transparent gestaltet sein, um kommunikative Blickbeziehungen zwischen den Mitgliedern der Coworking-Gemeinschaft zu ermöglichen. Des Weiteren soll ein Kreativzentrum, das transparente Arbeitsweisen fördert, auch den Kontakt zur Öffentlichkeit suchen. Die öffentliche Unterspülung eines solchen Ortes kann zum Beispiel über angemessene Präsentations- und Eventräumlichkeiten gefördert werden. Indem sich das Kreativzentrum für die Öffentlichkeit öffnet, kann es auch den ersten Kontakt des Laien mit dem Thema kollaboratives und kreatives Arbeiten ermöglichen. So kann ein Open Space zu einer Ressource für die Gemeinschaft und zu einem Ort für gemeinsames Lernen werden.


Transparente versus zurückgezogene Arbeit und öffentliche Unterspülung 173


Heterogenität durch Vermischung Um die Serendipität in den Open Spaces zu fördern, sollte auf die größtmögliche Vermischung von Wissen, Ideen, Meinungen, Erfahungen, Disziplinen, Arbeitsbereichen, Karrierepunkten und sonstigen Inputs für die kreative Zusammenarbeit abgezielt werden. Diese Überlagerung und Vermischung von heterogenem Wissen sollte auch räumlich strukturiert werden. Das Raumprogramm soll deshalb möglichst durchmischt sein. Es soll die Mobilität der Coworker fördern, indem die verschiedenen Funktionen an unterschiedlichen Orten platziert werden. Auch sollen verschiedene Funktionen ineinandergreifen und sich verschränken, um die Mischung der Ideen noch stärker hervorzuheben. Ein weiterer Aspekt, der die Vermischung von Wissen im Kreativzentrum fördern kann, ist die Erweiterung des Raumprogramms um das sogenannte Cohousing. Das Angebot von temporärer Wohnfläche für Menschen, die für eine begrenzte Zeit in der Stadt arbeiten, bindet diese Coworker schnell in die Gemeinschaft ein und stärkt sie dadurch.

174

Beim Coworking unterscheidet man zwischen Flex- oder Hotdesks, also Arbeitsplätze, die nicht fest vergeben werden und deshalb jeden Tag neu belegt werden können, und Fixdesks, die fest gemietet werden und immer von der selben Person oder der selben Gruppe verwendet werden. Hotdesks bringen Dynamik, Variation und eine große Vermischung der Ideen in den Raum. Fixdesks hingegen bringen Stabilität, Energie und Erfahrung in die Gemeinschaft. Beide Arbeitsplatztypen bringen einen hohen Grad an Kollaborationswillen. Laut der Ergebnisse der Coworking-Studie arbeiten etwa die Häflte der Befragten an Flexdesks, etwa 40 Prozent arbeiten an Fixdesks und die übrigen zehn Prozent arbeiten an Hybridmodellen. Das räumliche Aneinanderbringen von Flex- und Fixdeskbenutzern soll die Heterogenität der Ideen und die Möglichkeit des informellen Wissensaustauschs fördern.


R채umliche Vermischung von Programmen und von Tischtypen 175


Dynamischer Raum und geteilte Infrastruktur Unternehmen ändern mit der Zeit ihre Größe. Genauso passiert es mit Teams in Coworking Spaces. Oft arbeiten Coworker oder Startups anfangs alleine, um daraufhin zuerst in informellen und spontanen, später in festen Teams zusammenzukommen. Meistens steht am Ende dieser Generationenfolge die erfolgreiche Führung eines Unternehmens und der Umzug in eigene Büroräumlichkeiten. Aus diesem Grund müssen Open Spaces höchst flexibel gestaltet sein. So kann sich der Raum auf die wechselnden Bedürfnisse der Menschen einstellen, die Coworker hingegen müssen sich nicht an den starren Raum anpassen.

176

Da beim Coworking die Gemeinschaften oft ephemer charakterisiert sind und somit starken Veränderungen unterzogen sind, muss der Raum die Vergrößerung und Verkleinerung der Community puffern können. Er muss bei Bedarf von mehr Einzelarbeit auf mehr Teamarbeit und umgekehrt umgestaltet werden können. Wenn der Raum flexibel genug ist, um all diese Veränderungen aufzunehmen, zeigt dies eine gewisse ökonomische Nachhaltigkeit. Das Teilen von Infrastruktur ist ein wichtiges Thema bei Coworking. Anschaffungen, die sich ansonsten nur große Unternehmen leisten könnten, werden durch die Kostenteilung auch einzelnen Selbstständigen und kleineren Startups zugänglich gemacht. Auch das gemeinsame Anlegen von geteilten Annehmlichkeiten oder Dienstleistungsstellen kommt dem Einzelnen zugute. So wäre beispielsweise eine zentrale Akquisestation denkbar, genauso wie auch ein gemeinsam betriebener Garten oder ein BikeSharing- und Carpooling-Point.


Dynamisch anpassbare R채ume und geteilte Infrastrukturen 177


Entwurf Atmosphärische Collagen Um einen Eindruck davon zu gewinnen, wie all diese raumstrategischen Überlegungen zusammenkommen könnten, wurden athmosphärische Collagen erstellt. Sie zeigen, wie die Überlagerung und Vermischung von verschiedenen Nutzungen funktionieren kann und welche Ausstrahlung ein Ort hat, der informellen Wissensaustausch, spontane Gruppenbildung, Serendipität und kreatives Chaos zulässt und fördert. Auch zeigen sie, wie Restflächen aktiviert und entschleunigt werden könnten, wie gewisse Funktionen und Annehmlichkeiten verteilt sein könnten, um die Aufenthaltsqualität, die zufällige Begegnung und die damit verbundene soziale Interaktion zu steigern und welche räumliche Konfiguration transparentes Arbeiten animieren und die Wissensweitergabe, die Vernetzung und die Interaktion von kreativen Professionellen und Laien stärken kann.

Begegnung

Informelle Gruppenbildung

Überlagerung von Funktionen

178


Blickbezüge

Shared Libraries

Entschleunigung

Öffnung

Transparenz

Teamarbeit Kommunikation

Informeller Austausch Sozialer Kern Erschließung

Zufälliges Aneinandertreffen Ruhe

Aktivierung und Entschleunigung von Restflächen 179


Omnipräsente Infrastruktur

Sozialer Kern

Abschottung Ruhe

Zusammensein Informelle Gruppenbildung

Effizienz Begegnung

Kreatives Chaos Serendipität

Diskussion

Zufälliges Aneinandertreffen

Vernetzung Alleine arbeiten

Vermischung und Überlagerung 180


Allein und doch bei allen

Wissensweitergabe

“It seemed I could either have a job, which would give me structure and community or I could be freelance and have freedom and independence. Why couldn’t I have both?” Brad Neuberg The Hat Factory San Francisco

Überlagerung von Arbeit und Freizeit

181


“The common thread is this: we all know that we’re happier and more productive together than alone.” Alex Hillmann Independents Hall Philadelphia

182

Blickbezüge

Informeller Austausch

Shared Tools


Wissensweitergabe Überlagerung von Funktionen

Zufälliges Aneinandertreffen

Serendipität

Diskurs anregen

Präsentieren

Delivered in Beta

Vernetzung Kreatives Chaos

Transparentes Arbeiten

Zusammenbringen von Professionellen und Laien 183


Raumprogramm Die Erkenntnisse aus der Global Coworking Survey, die Analyse der Berliner Coworking Spaces, die eigenen Erfahrungen mit kollaborativer Arbeit und letztlich auch die raumstrategischen Überlegungen münden in einem Raumprogramm, das versucht, bereits bestehende typologische Merkmale von kollaborativen Arbeitsorten (farblich gekennzeichnet) zu optimieren und mit neuen Nutzungen (weiß) zu ergänzen. So zum Beispiel sind die Open Spaces ein zentraler Punkt des Projekts. Aus der Global Survey ging hervor, dass diese jeweils Gemeinschaften von maximal 50 Personen beherbergen sollten, da sie ansonsten unübersichtlich und weniger familiär wirken. Jedem Open Space zugehörig sind Meetingräume und Arbeitsräume für den Rückzug ins Private. Das Angebot gibt es sowohl für Einzelne, als auch für Teams. Auf diese Weise kann je nach Situation zwischen transparentem und privaten Arbeiten gewechselt werden.

Im öffentlichsten Bereich des Gebäudes befinden sich jene Funktionen, die als Schnittstelle zwischen dem Kreativzentrum und der Stadt fungieren sollen. Neben einem Café, das dem Laien einen ersten Kontakt mit Coworking ermöglichen soll, gibt es weitere publikumsorientierte Angebote wie etwa das Fabrication Laboratory mit angeschlossener Work-in-Progress-Galerie und einem kollaborativ betriebenen Shop, in dem Produkte des Kreativzentrums gemeinsam vermarktet werden können. Auch Teil dieses öffentlichen Riegels sollen Eventund Seminarräume sowie das Auditorium sein. Das gesamte Gebäude wird von kommunikativen Wirbelsäulen durchstoßen, also von Erschließungszonen, die eine möglichst hohe Aufenthaltsqualität bieten und so den informellen kreativen Austausch fördern sollen. Diese vertikalen Plätze führen weiterhin auch zu weiteren im Gebäude verteilten publikumsorientierten Funktionen wie zum Beispiel dem Theatersaal, dem Filmvorführsaal, oder auch die gemeinsam betriebenen Shared Libraries.

Weniger publikumsorientiert ist der gemeinschaftliche Wohnblock. Hier soll über das temporäre Zusammenleben von Coworkern die Zusammenarbeit gefördert werden. Jemand, der neu angekommen ist, findet hier schnell Anschluss zur kollaborativen Gemeinschaft. Dazu beitragen sollen auch eigene Ruhebereiche und gemeinsame Küchen, die als soziale Kerne der Arbeits- und Wohnbereiche agieren und so die Kommunikation zwischen den Coworkern fördert. In dem der Öffentlichkeit nicht zugänglichen Bereich befinden sich neben den bereits erwähnten privaten Arbeitsräumen die Verwaltung, eine gemeinschaftlich betriebene Akquisestation und ein Startup-Inkubator, der die Entwicklung von jungen Unternehmen über eine Reihe von Business-Support-Ressourcen, Dienstleistungen und Netzwerken von Kontakten beschleunigen soll.


Meetingräume Treffpunkte für Coworker und Auftraggeber Professionelle Präsentationsräume und -medien

Open Cospaces

Spezialräume Beispielsweise Tonstudios, Filmschnitträume, Proberäume, Labore, etc.

Dynamisch gestaltete offene Arbeitsräume Möglichkeit zur Eigengestaltung des Arbeitsplatzes Kollaboration und Kommunikation fördern

Phone Booths

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Abgeschlossene Räume für Konversationen nach außen Minimierung des akustischen Störfaktors

Gemeinschaftliche Akquisestation Jobbörse

Private Arbeitsräume Autonome Arbeitszonen für Einzelne Möglichkeit der temporären Abkapselung

Fabrication Laboratory Open-Source-Werkstatt mit öffentlicher Anbindung Vorhandene Infrastruktur: u.a. 3D-Printer, CNC-Fräse, Lasercutter, Siebdruckmaschine etc. Nutzung der Infrastruktur im Sinne der Mass Customization Kursangebot und Beratung durch Experten

Publikumsorientierte Angebote Theaterbühne, Minikino, Shared Libraries, etc.

Verwaltung

Teamarbeitsräume

Organisation des Cospaces

Autonome Arbeitszonen für Teams Möglichkeit der temporären Abkapselung

Startup Inkubator Work-in-Porgress-Gallery

Professionelle Gründerhilfe Weitergabe von Business-Know-How Mittel- / Langfristige Begleitung von Startups Anlaufstelle für Mentoring

Ausstellung der im Cospace entwickelten Werke Delivered-in-Beta-Prinzip Diskussionsmöglichkeit für die Öffentlichkeit

Co.Shop Gemeinschaftliche Verkaufsplattform

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Reception Check-In-Schalter

Wissensweitergabeplattformen Event-, Seminarräume und Auditorien Vorlesungen für die Stadtbevölkerung Vorzeigen von Forschungs- und Entwicklungsergebnissen Fortbildungskurse für lokale Unternehmen

Bike-Sharing- und Carpooling-Point Cafè Schnittstelle zwischen Cospace und Stadt Anknüpfpunkt von Professionellen und Laien Erster Kontakt mit Coworking Förderung von informellen Austausch Zugang für Coworker sowie für die Öffentlichkeit Aufenthaltsmöglichkeit für Pausen

Treffpunkt für Fahrradanmietung und gemeinsamen Benutzung von Autos

Kommunikative Wirbelsäule

Co.Housing Temporäre Wohnräume Gemeinschaftsbildend

Ruhebereiche Co.Kitchen Kochmöglichkeit für die Mittagspause Speiseraum Sozialer Kern der Arbeitsumgebung

Ort zum Ausspannen und Nachdenken Freizeitmöglichkeiten (Kicker, Tischtennis, Schach,etc.) Informeller sozialer Austausch

Vertikaler Platz, öffentliches Forum und kommunikativer Erschließungsraum Verschiedenste Aufenthalts- und Durchgangsmöglichkeiten Zentraler Ort, der informellen sozialen, intellektuellen und kreativen Austausch ermöglicht Fördert Kommunikation, Serendipität und Kollaboration

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Formfindungsprozess Im Folgenden soll zusammengefasst erklärt werden, welche Schritte der Formfindungsprozess, die Verteilung des Raumprogramms auf das Gebäude und auch die Planung von Innen- und Außenraum in Anspruch genommen haben. Aus den raumprogrammatischen Anforderungen wurde ein Volumen errechnet, das sämtliche Funktionen des Kreativzentrums beherbergen kann. Die Farben entsprechen dabei folgenden Nutzungen: blau - Arbeiten, grün - publikumsorientierte Angebote, rot - Wohnen, gelb - informeller Austausch. Dieses Volumen wurde im hinteren (südlichen) Teil des Grundstücks positioniert, da der vordere, der Spree zugewandte Teil des Geländes freigehalten werden soll. Das Volumen wurde daraufhin in der Mitte eingeschnitten, damit es eine öffentlich zugängliche Freifläche einrahmt, die das Open Air Forum beherbergt. Der Ostflügel wurde durch eine leichte Verdrehung an die Inselkante angepasst, wodurch sich auch die zentrale Freifläche vergrößert. Die Längsachsen der beiden sich ergebenden Riegel wurden verlängert, um den Bezug zum Wasser und zur Insel zu verstärken.

186


Das sich ergebende Volumen wurde in einem weiteren Schritt in fünf Stockwerke zu je 4 Meter Höhe geteilt, auf denen das Raumprogramm verteilt wurde. Die geplante Vetreilung des Raumprogramms soll Mobilität fördern. Dadurch wird auf eine möglichst große Durchmischung von Experten und Laien abgezielt. Aus diesem Grunde finden sich publikumsorienterte Nutzungen vorwiegend in den vorderen, der Spree zugewandten Teilen der beiden Riegel. Die Open Spaces und die arbeitsspezifischen Bereiche sind in den mittleren Teilen der Riegel positioniert. Im hinteren Teil des Ostflügels befinden sich die temporären Gemeinschaftswohnungen Nachdem die verschiedenen Funktionen verteilt wurden, wurde das Volumen in den oberen Geschossen optimiert, um an möglichst vielen Stellen die Möglichkeit zum Austritt auf einen Balkon bieten zu können. Des Weiteren wurden die dem Wasser zugewandten Gebäudeteile angehoben, um auf der Nullebene den Durchfluss von einer Seite der Insel zur anderen zu gewährleiten.

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Die Gebäudeform wurde daraufhin mit drei kommunikativen Wirbelsäulen durchstoßen. Diese sind als großzügige Lufträume ausgebildet, die zwischen den verschiedenen angrenzenden Räumen in den unterschiedlichen Geschossen Blickbeziehungen herstellen. Sie dienen einerseits der Erschließung, sollen aber auch dem informellen sozialen Austausch förderlich sein und so die Serendipität im Kreativzentrum unterstützen. Von den drei Wirbelsäulen ausgehend, wurden die weiteren Räume beplant und ausgestattet. In den Open Spaces wurden Flex- und Fixdesks aneinandergebracht und mit Einzel- und Teamarbeitsräumen vermischt. Meetingräume und informelle Ruhezonen wurden den Open Spaces ebenso angefügt. Im Außenraum wurde die Zone für den Gemeinschaftsgarten bestimmt und mit einer kleinen Gartenhütte mit Verkaufsstand versehen. Auch wurden der Spreebalkon, der Bike-Sharing-Point und das Open Air Forum geplant.

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Pl채ne und Visualisierungen


Bike-Sharing- und Carpooling-Point

Spreebalkon

Open Air Forum

Co.Lab

Co.Garden

Lageplan - M1:2000 191


Kommunikative Wirbels채ule

Co.Housing

Publikumsorientierte Angebote

Open Spaces

FabLab und Work-in-Progress-Gallery

Spreebalkon

Open Air Forum Auditorium

Schnitt A-A - M1:500 192


䠒Bike-Sharing- und Carpooling-Point

Spreebalkon

Sitztreppen

Open Air Forum

Café

A

Reception

Sitztreppen

Erschließung

Work-in-Progress-Gallery

FabLab

A

Shed Garden Shop

Co.Garden

Grundriss Erdgeschoss - M1:500 193


Auditorium

ErschlieĂ&#x;ung

Work-in-Progress-Gallery

FabLab

Grundriss Untergeschoss - M1:500 194


Öffentliche Co.Kitchen

Co.Bakery

Erschließung

Café Co.Shop

Erschließung Open Space [Flex] Erschließung

Ruhe- und Essbereich

Grundriss Obergeschoss 1 - M1:500 195


Bühne

Tonstudio

Erschließung

Filmschnitt Theaterwerkstatt

Tonstudio

Meeting Filmschnitt

Teambüro

Proberaum

Meeting Büros

Open Space [Fix] Erschließung

Erschließung Open Space [Fix & Flex]

Co.Housing Co.Housing

Grundriss Obergeschoss 2 - M1:500 196

Ruhebereich


Seminarraum

Erschließung

Open Space [Flex] Teambüros

Büros Ruhebereich

Teambüros Ruhebereich

Minikino

Büro Phone Booths

Erschließung

Erschließung

Meeting

Open Space [Fix & Flex]

Co.Housing Co.Housing

Grundriss Obergeschoss 3 - M1:500 197


Labore

Erschließung Meeting

Meeting Teambüros Büros

Büros

Seminarraum Teambüro Büros Phone Booths

Erschließung Erschließung Open Space [Fix]

Co.Housing Co.Housing

Grundriss Obergeschoss 4 - M1:500 198


Startup Inkubator

Co.Akquise

Erschließung

Leisure Deck

Verwalung

Erschließung

Erschließung

Leisure Deck

Grundriss Obergeschoss 5 - M1:500 199


Außenperspektive - Blick nach Südost


202


Innenraumperspektive - Kommunikative Wirbels채ule und Open Spaces 203


204


206


Literaturverzeichnis Florida, Richard: „The Rise of the Creative Class. And how it’s transforming Work, Leisure and Everyday Life” 2002

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Hagel, John; Seely Brown, John; Davison, Lang: „The Power of Pull: How Small Moves, Smartly Made, Can Set Big Things in Motion” 2010

Senatsverwaltung für Wirtschaft, Arbeit und Frauen: „Berliner Kulturwirtschaftsbericht“ 2005

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Albers, Markus: „Morgen komm ich später rein: Für mehr Freiheit in der Festanstellung“ 2008

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Senatsverwaltung für Wirtschaft, Arbeit und Frauen: „Berliner Kulturwirtschaftsbericht“ 2009 STADTart; Kunzmann, Klaus; Culture Concepts: „Kreativräume in der Stadt - Integration von Kunst, Kultur und Co. in die Berliner Stadtentwicklung” 2006 Hoffmeyer-Zlotnik, Jürgen: „Eine Analyse des sozialökologischen Prozesses der Bevölkerungssukzession“ 1979


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ARCH+ 196/197 „Post Oil City“ 2010 ARCH+ 198/199 „Haus der Zukunft“ 2010 ARCH+ 201/202 „Berlin“ 2011 DETAIL Konzept 3/2005: „Bibliotheken“ 2005 DETAIL Konzept 9/2008: „Gemeinsam Wohnen“ 2008 DETAIL Konzept 9/2010: „Forschung und Lehre“ 2010



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