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FEUER VIER EL EME NTE


feuer/vier elemente katharina e. kr채mer


FEUER VIER EL EME NTE


„alles sein besteht aus den vier

grundessenzen – den elementen feuer, erde, luft und wasser.“


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02 Einblick

03 Aussicht

04 Nachsehen

06 Editorial 10 Tierkreiszeichen Stier, Jungfrau & Steinbock 18 Anthroposophie Melancholiker 22 Mythologie Gaïa 28 Platonische Körper Kubus

34 Etymologie Fiur 38 Astrologischer Hintergrund Erdrotation & Atmosphäre 40 Religion 42 Geologie Erdaufbau, Lauffeuer, Buschfeuer, Waldbrand & -gefahr

76 Umweltfaktor Klimatik 86 Erdgewalt Erdbeben 96 Organisationen 100 Menschenhand Olympisches Feuer & Lichtverschmutzung

116 Anhang Impressum & Quellen

Vorschau

01

02 Einblick

03 Aussicht

04 Nachsehen

06 Editorial 10 Tierkreiszeichen Zwilling, Waage & Wassermann 18 Anthroposophie Sanguistiker 22 Mythologie Prometheus 28 Platonische Körper Oktaeder

34 Etymologie Fiur 38 Chemischer Hintergrund Atmosphärenaufbau 40 Religion 42 Windarten Sturm, Lauffeuer, Buschfeuer, Waldbrand & -gefahr

76 Umweltfaktor Luft 86 Nachwirkungen Wirbelsturm, Tornado, Hurrikan, Orkan & Sandsturm 96 Organisationen 100 Menschenhand Windenergie

116 Anhang Impressum & Quellen

Vorschau


ÜBERSIC HT  INH ALT BUCH  FEUER

Vorschau

01

02 Einblick

03 Aussicht

04 Nachsehen

10 Editorial 12 Tierkreiszeichen Loewe, Widder & Schuetze 18 Anthroposophie Choleriker 20 Mythologie Prometheus 24 Platonische Körper Tetraeder

30 Etymologie Fiur 32 Chemischer Hintergrund Flamme 34 Religion 36 Brandtypen Brand, Flächenbrand, Lauffeuer, Buschfeuer, Waldbrand & -gefahr

62 Umweltfaktor Feuer, Interview mit Goldammer 72 Brandbegleiter Feuersturm & -tornado 76 Organisationen 78 Menschenhand Olympisches Feuer & Lichtverschmutzung

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01 Vorschau

02 Einblick

03 Aussicht

04 Nachsehen

06 Editorial 10 Tierkreiszeichen Krebs, Skorpion & Fische 18 Anthroposophie Phlegmatiker 22 Mythologie Poseidon 28 Platonische Körper Ikosaeder

34 Etymologie Wazzar 38 Chemischer Hintergrund Dipolar 40 Religion 42 Wasserarten Trink-, Quell-, Leitungs-, Mineral- & Grundwasser

76 Umweltfaktor Meer & Bewegung 86 Globalität Wasserverteilung 96 Menschenhand Wasserhandel & Staudämme 100 Naturgewalt Tsunami & Superwelle

116 Anhang Impressum & Quellen

Anhang Impressum & Quellen


01 EINS KAPITE LVORSCHAU


EDITOR IAL  VIER ELEME NTE  FEUER D

ie Vier-Elementen-Lehre war bis ins 17. Jahrhundert bestimmend für die Chemie, die bis dahin Alchemie genannt wurde. Der Name “Element” kommt aus dem griechischen, stoicheion, was soviel bedeutet wie das kleinste Teil. Jedes Element wird durch sein eigenes Symbol dargestellt, welche unterschiedlichen Ursprungs sind. In der Mythologie, der Religion, der Astrologie und der Philosophie gibt es eigene Zuordnungen. Platon ordnete die vier Elemente jeweils einen regelmäßigen Körper zu, um einen Kreislauf darzustellen. So werden die vier Elemente auch mittels der platonischen Körper symbolisiert. In der griechischen Philosophie hat die Lehre um die Elemente seinen Ursprung.

Thales von Milet, Anaximenes, Heraklit und andere Philosophen/ Mathematiker suchten nach den Ursprungselement. Sie waren alle anderer Meinung, welches der Vieren dieses Ursprungselement sei. Nach einiger Zeit gab es eine Vielzahl an Theorien, woraus sich dann die Zweige dieser Lehre entwickelten. Die Ansicht, es gebe aktive und passive Elemente, welche über die Atmung (Pneuma) aufgenommen werden, blieb in der Medizin bis in das Zeitalter der Aufklärung eine wichtige Grundlage. In Ägypten verbreitete sich die Alchemie über die großen Herrschaftsgebiete Europas. Sie bildet das Geheimwissen, die Esoterik, um die Wirkung der vier Elemente. Diese Theorien sind sehr eng mit religiösen Thesen verbunden. Der Glaube, das Tragen von Schmuck überträgt die Elementenenergie auf den Menschen, setzte sich in den arabischen Ländern durch. Auch heute noch werden bestimmten Steinen Energien der vier Elementen zugeordnet. Empedokles

vier elemente/feuer

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vertrat den Glaube, die Elemente können bestimmten Charakteren zugeordnet werden. Paracelsus ging sogar weiter und festigte den Volksglauben, die vier Elemente bestimmen das Geisteswesen. Bei Heilpraktikern gilt noch heute, dass das Individuum aus der Mischung der vier Elemente besteht und bei Krankheiten ein Mangel oder Überfluss eines bestimmten Elements herrscht. Aus den unterschiedlichen Theorien entwickelten sich zwei große Stränge, die der Alchemie, welche eher in Richtung der Esoterik pendelte und die der Chemie, dessen Interesse eher in wissenschaftlichen Werten fundierte. Boyle festigte die wissenschaftliche Seite durch seine Elemtendeklaration. “Elemente sind Stoffe, die sich mit chemischen Methoden nicht weiter zerlegen lassen.”

editorial/astrologie – loewe


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ls Tierkreis oder auch Zodiak (lat./gr. von Zodiakos, „Lebewesenkreis“), einer Person wird dasjenige bezeichnet, in dem die Sonne zum Zeitpunkt ihrer Geburt stand (Geburtszeichen), mitunter wird ergänzend, wenn Geburtszeit und Geburtsort bekannt sind, auch die Position des Aszendenten in einem Tierkreiszeichen genannt. Es gibt zwei verschiedene astrologische Auswertungsmethoden, die denselben Tierkreis benutzen, ihn aber unterschiedlich aufteilen. Der tropische Tierkreis gehört zu den überwiegend westlich „Ferner ist von den Ägyptern ausgerichteten Astrologieauch zuerst festgestellt worden, methoden. Er ist als Messwelcher Monat und Tag den kreis in zwölf gleichgroeinzelnen Göttern heilig ist und ße Abschnitte unterteilt. welche Schicksale, welches Ende Die Abschnitte tragen ein und welchen Charakter die an Tierkreiszeichen, für das diesem oder jenem Tage Gebojeweils auch Namen der renen haben werden.“  Sternbilder verwendet Herodot werden. In Verbindung mit dem bürgerlichen Kalender (ein Jahr mit 365 Tagen, verteilt auf zwölf Monate) eines Jahres lässt sich der Geburtstag so einem bestimmten Tierkreiszeichen zuordnen. Horoskopähnliche Systeme fanden spätestens ab dem zweiten Jahrtausend v. Chr.

Darstellung des Sternenbildes Loewe nach der Uranographia.  Illustration: Kraemer im Alten Ägypten als Tagewählkalender Berücksichtigung, nach gleichem Prinzip auch in Mesopotamien. Deutungen gehen auf eine in der altägyptischen Spätzeit (etwa 664–332 v. Chr.) erfolgte Verschmelzung der babylonischen und altägyptischen Sternbilder zurück, die bereits im dritten Jahrtausend v. Chr. in der altägyptischen, babylonischen und sumerischen Astronomie mythologisch in Gebrauch waren. Ergänzt wurden die Deutungen um die Vier-Elemente-Lehre, die sich vom 6. bis 5. Jahrhundert v. Chr. ausgebildet hatte und Bestandteil griechischen Alltagsdenkens war: Feuer (Heraklit ca. 540–475 v. Chr.), Erde (Empedokles ca. um 500 v. Chr.), Luft (Anaximenes


GIE  ISZE ICH EN  585–525 v. Chr.) und Wasser (Thales von Milet 624–546 v. Chr.). Der Vier-Elemente-Lehre folgte um 500 v. Chr. die Harmonielehre der Pythagoreer. Sie widmeten sich u. a. der Geometrie und Zahlensymbolik. Astrologen ließen sich von der Vier-Elemente-Lehre und Name des Sternenbildes: Loewe von Aristoteles‘ ErgänzunLateinischer Name: Leo gen anregen und setzten Lateinischer Genetiv: Leonis sie in Beziehung zum TierAbkürzung nach kreis. Henry Norris Russell: Leo Es kamen die Verteilung Halbkugel: Ns der Gestirne und die PerAutor: Ptolemäus sön l ich keitsmerk ma le, Jahr: 150 Berufe und PartnerschafSichtbarkeit: 83° N bis 57° S ten und Lebensabschnitte Magmax: 1,36 dazu sowie die astrologische Medizin (Iatroastrologie), die die Glieder des menschlichen Körpers vom Kopf bis zu den Füßen den zwölf Tierkreiszeichen zuordnete. Auf diese Weise spiegelte schliesslich alles physische Leben auf Erden sich im Tierkreis wider. In der Praxis beschränkte sie sich auf den Geburtstag als Grundlage, wodurch sie sich zur ausschließlichen Kalenderdeutung wandelte. Die Kalenderdeutung, vermischt mit Volksaberglauben und Brauchtum, begünstigte den Beginn der vereinfachten, oberflächlichen Laien- und Unterhaltungsastrologie. Sie blühte innerhalb weniger Jahrhunderte

ASTROLO TIERKRE LOEWE

zu ungeahnter Größe auf, Jahresbilder, Monatsbilder, Planetenkinder kamen hinzu, wozu auch die Kunst in Malerei, Architektur, Bildhauerei, Literatur und Musik erheblich beitrug, die sich von der Idee, im Tierkreis spiegele sich alles Irdisch-Menschliche wider, kreativ inspirieren ließ. Von vielen Menschen wird Astrologie als Kalenderdeutung verstanden und hat nur Unterhaltungswert. Die ernsthaft betriebene, mathematisch und psychologisch orientierte Astrologie ist dagegen weniger im Blickfeld der Öffentlichkeit.

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er Löwe (lat. Leo) ist ein markantes Sternbild der Ekliptik, das am Frühjahrshimmel leicht erkennbar ist. Durch den Löwen zieht sich die Ekliptik, daher wandern die Sonne, der Mond und die Planeten durch das Sternbild. Die Identifikation der Sterngruppe mit einem Löwen könnte auf die alten Ägypter zurückgehen. Damals durchwanderte die Sonne von Mitte Juni bis Mitte Juli das Sternbild Löwe. Während der größten Sommerhitze verließen die Löwen die Wüste und zogen zu den Sandbänken des Nils. Allerdings umfasste das ägyptische Sternbild nur den „Rumpf“. Die Sternen-

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astrologie – loewe/antroposophie


Darstellung des Arietis nach der Uranographia.  Illustration: Kraemer kette des Kopfes (bzw. der Sichel) stellte für sie ein Messer dar. Andere Völker der Antike, wie die Perser, Syrer, Juden, Babylonier und Griechen sahen in dem Sternbild ebenfalls einen Löwen. Der Löwe gehört zu den 48 klassischen Sternbildern, die von Ptolemäus beschrieben wurden.

In der griechischen Mythologie stellte das Sternbild den Nemeischen Löwen dar. Dieser Löwe verwüstete in der Umgebung der Stadt Nemea Dörfer und Städte. Sein hartes Fell ließ jede Waffe abprallen und machte ihn unverwundbar. Der griechische Held Herakles stellte sich schließlich dem Löwen entgegen, erwürgte ihn mit bloßen Händen. Das Fell trug Herakles anschließend als Mantel, der ihn vor Feinden schützte.


GIE  ISZE ICH EN  D

er Widder (lateinisch Aries) ist ein kleines, doch markantes Sternbild. Die helleren Sterne (Hamal), (Sheratan) und (Mesarthim) bilden eine gebogene Linie. Der Name Hamal ist Name arabischen Ursprung und des Sternenbildes: Widder bedeutet „Widder“. MitunLateinischer Name: Aries ter wird er auch als Elnath Lateinischer Genetiv: Arietis bezeichnet, arabisch „der Abkürzung nach mit dem Horn Stoßende“. Henry Norris Russell: Ari Früheste Erwähnung finHalbkugel: N det das Sternbild im 3. Autor: Ptolemäus Jahrtausend v. Chr. in MeJahr: 150 sopotamien. Sichtbarkeit: 90° N bis 59° S Das Sternbild Widder geht Magmax: 2,01 auf die Sage vom goldenen Vlies aus der griechischen Mythologie zurück. Der mythische König Athamas bestimmte seinen ältesten Sohn, Phrixos, zu seinem Nachfolger. Dessen Stiefmutter Ino wollte allerdings ihren eigenen Sohn auf dem Thron sehen. Um Phrixos aus dem Weg zu räumen griff sie zu einer List. So ließ sie die Saat,

ASTROLO TIERKRE WIDDER

die für das nächste Jahr bestimmt war, verderben. Als im nächsten Jahr eine Missernte einsetzte, ließ sie Athamas einen angeblichen Orakelspruch überbringen. Demnach könne eine Hungersnot lediglich dadurch abgewendet werden, indem man Phrixos den Göttern opfere. Als der unglückliche Athamas das Opfer darbringen wollte, erschien ein Widder mit einem goldenen Fell. Phrixos sprang mit seiner Schwester Helle auf den Rücken des Tieres, das mit den Beiden davon flog. Allerdings verlor Helle den Halt und stürzte ins Meer. Phrixos erreichte Kolchis am Schwarzen Meer und opferte den Widder auf dessen Bitte. Der Widder wurde zum Dank an den Himmel versetzt. Das Fell des Tieres, das goldene Vlies, wurde in einem heiligen Hain aufbewahrt. Die Argonautensage erzählt den dann folgenden Raub des Vlieses durch Jason.

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astrologie – widder/antroposophie


Darstellung des Sagittarii nach einer Abbildung im Uranographia. Illustration: Kraemer


ASTROLO TIERKRE

GIE  ISZE ICH EN SCHUETZE D

er Schütze (lateinisch Sagittarius) ist das südlichste Tierkreiszeichen der Ekliptik. Die hellsten Sterne des Schützen bilden eine Form, die an einen Teekessel erinnert. Im englischen Sprachraum wird er daher häufig als „Teapot“ bezeichnet. Der Ursprung des SternName bildes geht vermutlich auf des Sternenbildes: Schuetze ein frühes Volk von ReiLateinischer Name: Sagittarius ternomaden zurück und Lateinischer Genetiv: Sagittarii wurde von den Sumerern Abkürzung nach übernommen. Bei den BaHenry Norris Russell: Sgr byloniern verkörperten Halbkugel: S die Sterne Pabilsang, eiAutor: Ptolemäus nen Gott mit Löwenkopf Jahr: 150 und Flügeln. Für die alten Sichtbarkeit: 55° N bis 90° S Ägypter und Inder stellte Magmax: 1,79 das Sternbild einen Reiter oder Bogenschützen dar. Der Schütze gehört zu den klassischen 48 Sternbildern, die von Ptolemäus beschrieben wurden. 1932 entdeckte Karl Jansky im Schützen die starke Radioquelle Sagittarius A*. Nach derzei-

tigem Forschungsstand handelt es sich dabei um ein supermassives Schwarzes Loch mit ca. 4,3 Millionen Sonnenmassen im Zentrum der Milchstraße. Am 15. August 1977 wurde das so genannte Wow-Signal für 72 Sekunden vermutlich vom Sternbild Schütze empfangen. Die Natur des Signals bleibt jedoch ungeklärt. Der Schütze ist ein schwierig zu deutendes Sternbild. Für die Babylonier könnte das Sternbild eine Form ihres Hauptgottes Marduk darstellen. Der Name Kaus Australis ist aus dem lateinischen und arabischen zusammengesetzt und bedeutet „Südlicher Bogen“, Nunki geht auf einen Gott der Sumerer zurück, Askella bedeutet „Achsel“ (des Schützen), Alnasl ist arabischen Ursprungs und leitet sich von „Pfeilspitze“ ab und Rukbat kommt ebenfalls aus dem Arabischen und bezeichnet das „Knie“ des Schützen.

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astrologie – schuetze/antroposophie


Der Choleriker nach einer Plastik von Johann Gottfried Knöffler. Das Original steht im Berliner Tierpark.  Kraemer

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ie Temperamentenlehre ist ein von der antiken Humoralpathologie abgeleitetes Persönlichkeitsmodell, das Menschen nach ihrer Grund-Wesensart kategorisiert. Sie gilt aus wissenschaftlicher Sicht als überholt. Die Temperamentenlehre geht auf die Vier-Elemente-Lehre und die Humoralpathologie (Viersäftelehre) zurück, die Hippokrates von Kos (griech. Gelbe Gallenflüssigkeit Arzt, ca. 460–370 v. Chr.) (gr. cholé): Choleriker sind zugeschrieben wird und reizbar und erregbar. besonders deutlich in der Schrift „Die Natur des Menschen“ dargestellt wird. Die Verknüpfung der Viersäftelehre mit der Lehre von den vier Temperamenten erfolgte durch Galenus von Pergamon, der den vier Flüssigkeiten („humores“) des Körpers je ein Temperament zuordnete. Je nach Vorherrschaft einer dieser vier Flüssigkeiten bilde sich das damit verbundene Temperament besonders hervor. Im Mittelalter wurde die Temperamentenlehre Galens noch durch die Zuord-

nung von entsprechenden Elementen, Himmelsrichtungen, Jahreszeiten, Sternzeichen und Tonarten ergänzt. Die vier Temperamente lassen sich sehr einfach an einem simplen Szenario verdeutlichen. Man stelle sich vor, ein großer Stein versperre einem Menschen seinen Weg. Der Sanguiniker wird heiter in seiner unbetrübten Art über den Stein hinweg hüpfen oder klettern. Der Phlegmatiker geht Konflikten mit unnötig großem Aufwand aus dem Weg, er wird einen großen Bogen um den Stein herum machen. Der Melancholiker wird beim Anblick des Steins seine Reise in Frage stellen und sich traurig auf den Stein setzen, um nachzudenken und sein Vorhaben zu reflektieren. Der Choleriker wird des unerwarteten Hindernisses wegen in Rage geraten und womöglich versuchen, den Stein mit einem Kraftakt aus dem Weg zu räumen. Die Temperamentenlehre wurde viele Jahrhunderte akzeptiert und inspirierte moderne Persönlichkeitspsychologen wie Hans Eysenck (1916–1997), der in seinem Persönlichkeitszirkel die Eigenschaft „instabil“ zwischen melancholisch und cholerisch, „extrovertiert“ zwischen cholerisch und sanguinisch, „stabil“ zwischen sanguinisch und phlegmatisch sowie „introvertiert“ zwischen phlegmatisch und melancholisch einordnete.


ANTH ROPOSOPHIE TEMPERAME NT  CHOLERI KER A

ls Choleriker (aus dem altgriechischen zu deutsch Galle) wird in der heutigen Umgangssprache ein leicht erregbarer, unausgeglichener, jähzorniger, zu Wutanfällen neigender Mensch bezeichnet. Im positiven Sinn werden Choleriker als willensstark, furchtlos und entschlossen beschrieben. In der Medizingeschichte ist der Choleriker allgemein ein Grundtypus menschlicher Charakterzüge, der als für die mit seinem Typ assoziierten Leidenschaften und Krankheiten besonders empfänglich gilt. Sowohl die Stärke der einzelnen Temperamente als auch ihre Mischung wurde für Personen individuell verschieden angesehen. Den gesunden und wünschens-

werten Zustand stellt nach Galenos das Gleichgewicht zwischen den Temperamenten dar. Ein Mensch mit einem stark überwiegenden Temperament wie der Choleriker kann nach dieser Ansicht als krank bezeichnet werden.

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anthroposophie/mythologie


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rometheus (übersetz.„der Vorausdenkende“) ist in der griechischen Mythologie der Freund und Kulturstifter der Menschheit. Oft wird er auch als Schöpfer der Menschen und Tiere bezeichnet, so z. B. bei Platon und Ovid. Es lassen sich bei ihm, dem Feuerbringer und Lehrmeister der Menschen, vor allem Gemeinsamkeiten mit Hephaistos, aber auch mit Apollon und Athene entdecken. Von seinen Beinamen sind neben Pyrphoros („Feuerbringer“), unter anderen Iapetionides („Sohn des Iapetos“) und Desmotes („Gefesselter“) bekannt. In der Abstammung nach Hesiod ist er ferner der Bruder des Atlas, des Menoitios und des Epimetheus. Ein In der griechischen Mythologie Sohn von Prometheus mit ist Prometheus ein Titan und der Pronoia („Vorsorge“) ist Sohn des Iapetos und der Asia, Deukalion. Prometheus der Klymene (nach Hesiod) oder ist zwar nicht göttlicher, der Gaia. jedoch titanischer Herkunft, wobei er allerdings laut Aischylos den Olympiern in der Titanomachie zum Sieg verhilft und dennoch die von Zeus errichtete Oligarchie als anmaßende Gewaltherrschaft ansieht, da er von Themis (die Aischylos mit Gaia

gleichsetzt) die Zukunft und das Schicksal aller Dinge erfahren hat, auch den Untergang prophezeit. Dieser Untergang im Gigantenkampf wird allerdings durch Herakles behindert. Prometheus wollte die Menschen auf der Erde erwecken. Also ging er auf die Erde und formte sie aus Ton. Da sie noch leblos waren, gab er ihnen von verschiedenen Tieren je eine Eigenschaft (z. B. vom Hund die Klugheit, vom Pferd den Fleiß und so weiter). Athene, unter den Göttern seine Freundin, gab ihnen den Verstand und die Vernunft. Da lebten die Menschen, und Prometheus war ihr Lehrmeister. Die Götter wurden auf die Menschen aufmerksam und verlangten von ihnen Opfer und Anbetung. Da verfiel Prometheus zu ihren Gunsten auf eine List: Er schlachtete im Namen der Menschen einen Stier und machte daraus zwei Haufen, einen größeren aus den Knochen und einen kleineren aus dem Fleisch. Dann


MYTHOL OGIE  GRIEC HISCHES AGE  PROM ETHEUS umhüllte er beide mit Stierhaut, um den Inhalt zu verbergen. Schließlich forderte er Zeus auf, einen der Haufen zu wählen. Dieser wählte den größeren, obwohl er als Göttervater naturgemäß den Betrug durchschaute, den Menschen aber anscheinend Verderben bringen wollte. Seitdem werden bei Tieropfern nur die Knochen und ungenießbaren Teile verbrannt, das Fleisch aber für den menschlichen Verzehr abgezweigt. Als der Betrug offensichtlich wurde, sagte Zeus voller Zorn, dass Prometheus dafür büßen müsse. Als erste Strafe versagte Zeus den Sterblichen das Feuer. Um das Feuer für die Menschen wiederzuerlangen, hob Prometheus einen langen Stängel des Riesenfenchels in den Himmel, um ihn am vorüberrollenden funkensprühenden Sonnenwagen des Helios zu entzünden. Mit dieser lodernden Fackel eilte er zur Erde zurück und setzte einen Holzstoß in Flammen.

Als Zeus den Raub sah und erkannte, dass er den Menschen das Feuer nicht mehr nehmen konnte, sann er auf Rache: Er befahl seinen Sohn, dem Gott der Schmiedekunst Hephaistos, das Trugbild einer schönen Jungfrau zu gestalten. Hephaistos formte sie aus Lehm, Athene schmückte sie mit einem Gewand aus Blumen, Hermes verlieh ihr eine bezaubernde Sprache, Aphrodite schenkte ihr holdseligen Liebreiz. Man nannte sie Pandora, die Allbeschenkte. Zeus aber reichte ihr eine Büchse, in die jeder der Göttlichen eine unheilbringende Gabe eingeschlossen hatte. Zeus stieg mit Pandora zur Erde hinab und überreichte sie als Geschenk an Prometheus’ Bruder Epimetheus, der sie entgegen einer früheren Warnung Prometheus’ auch annahm. Da hob Pandora den Deckel, und alle Übel schwebten hinaus, und nur die Hoffnung blieb in der Büchse zurück, als sie diese schnell wieder schloss. Seit dieser Stunde rasen bei Tag und Nacht Fieberkrankheiten, Leiden und plötzlicher Tod über den Erdkreis. Nicht nur die Menschen sollten bestraft werden, sondern auch Prometheus selbst. Zeus ließ ihn fangen und in die schlimms-

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te Einöde des Kaukasus schleppen und ließ durch Hephaistos eine schwere Kette schmieden, um ihn an einen Felsen zu fesseln. Über einen Abgrund, ohne Speis, Trank und Schlaf musste Prometheus dort ausharren, und jeden Tag kam der Adler Ethon und fraß von Prometheus’ Leber, die sich zu dessen Qual immer wieder erneuerte, da er ein Unsterblicher war. Vergeblich flehte Prometheus um Gnade. Wind und Wolken, die Sonne und die Flüsse machte er zu Zeugen seiner Pein. Doch Zeus blieb unerbittlich. Und so sollte seine Qual viele Jahrhunderte dauern, bis der Held Herakles, von Mitleid erfüllt, ihn erlöste. Aber selbst da musste er fortan einen Ring mit einem Stein aus dem Kaukasus tragen, damit sich Zeus rühmen konnte, er sei immer noch daran gefesselt.

mythologie/geometrie – platonische koerper


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rometheus wird bei Platon mehrmals thematisiert, besonders erwähnenswert ist aber die Stelle im Protagoras: Epimetheus soll den Lebewesen Eigenschaften zuordnen. Er übernimmt diese Aufgabe und lässt sich dann von seinem Bruder, Prometheus, kontrollieren. Zuerst wird er einmal gelobt: Epimetheus hat den Tieren gerecht verteilt Eigenschaften gegeben: Die Schnellen sind klein, die Wehrlosen haben zahlreichen Nachwuchs, ein ausgewogenes Verhältnis aller Arten ist gewährleistet.

Doch dann entdeckt Prometheus ein kleines, nacktes Wesen: den Menschen. Er ist leer ausgegangen, denn keine Eigenschaft ist mehr übrig geblieben. So sieht sich Prometheus gezwungen, für den Menschen das Feuer und die Weisheit der Athene, die Kunstfertigkeit des Hephaistos und andere zum Überleben wichtige Fähigkeiten zu stehlen, wie das Weben. Doch damit ist das Problem nicht gelöst: Die Menschen, die sich aus Schutz vor den Tieren in Städten („Poleis”) zusammenschließen, töten einander, weil sie Scham und Mitgefühl, die staatsbürgerliche Kunst – so Platon – nicht haben. Um diese Gattung nicht zu verlieren, sieht sich Zeus gezwungen, später Her-

mes mit ebendiesen Fähigkeiten auf die Erde zu schicken und sie, im Gegensatz zu den anderen Fähigkeiten, gerecht unter allen zu verteilen. Platon: „Ja, du [Hermes] sollst in meinem Namen das Gesetz geben, dass, wer nicht imstande sei sich Scham und Recht zu eigen zu machen, dem Tod verfallen sei; denn er ist ein Geschwür am Leibe des Staates.“ Interessant ist die Unterscheidung zwischen Fähigkeiten, die zum Leben und gegen die Natur nötig sind, und jenen, die zum gemeinschaftlichen Zusammenleben notwendig sind.


Prometheus an einen Felsen gekettet, wird jeden Tag vom Adler Ethon heimgesucht. Nach Vorlage der Plastik „Prométhée enchaîné von Nicolas Sébastien im Louvre, Paris.  Kraemer

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mythologie/geometrie – platonische koerper


Ansammlung der f端nf unterschiedlichen platonischen Koerpern (grau) um der Symbiose vieler Tetraeder (rot) herum.  Kraemer


 PLAT ONI SCHE  KOE RPER  TETRAEDER I

n der Geometrie bezeichnet man mit den platonischen Körpern (nach dem griechischen Philosophen Platon genannt) vollkommen regelmäßige Polyeder. Polyeder sind Körper, die von Polygonen, oder auch Vielecken, als Seitenflächen begrenzt sind. Es gibt fünf Arten platonischer Körper: Tetraeder, Hexaeder (auch Würfel oder Kubus), Oktaeder, Dodekaeder und Ikosaeder. Dabei ist jeder der platonischen Körper zu genau einem dieser fünf ähnlich. Ihre Namen geben auf Griechisch die Zahl ihrer Flächen wieder (4, 6, 8, 12 oder 20). Die platonischen Körper sind somit Polyeder von in diesem Sinne größtmöglicher Symmetrie. Da es nur fünf Arten platonischer Körper gibt, lassen sie sich auch durch diese definieren. Aufgrund ihrer Symmetrie haben homogen gefertigte Modelle platonischer Körper die Eigenschaft, dass sie bei einem Wurf mit exakt der gleichen Wahrscheinlichkeit auf jede ihrer Flächen fallen kön-

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nen. Die meisten Spielwürfel sind übrigens aufgrund der Vertiefungen für die Augenzahlen nicht absolut perfekt symmetrisch. Es handelt sich nicht um vom Menschen erfundene, sondern vorgefundene Formen, die in der Natur die grundlegendsten Gesetzmäßigkeiten darstellen. Die Pythagoräer in Griechenland verehrten sie als Erscheinung des Göttlichen. Sie schufen Eigenschaften der Platonische die Grundlagen der abendKörper: Die Oberfläche setzt ländischen Mathematik, sich aus Flächen zusammen, indem sie sie zu ergrünsie sind also Polyeder. // Sie den versuchten. sind konvex: Es bestehen keine Jedem der fünf regulären einspringenden Ecken oder Körpern ist eine Kugel Kanten. // Die Kanten haben alle zugeordnet, die ihn so die gleiche Länge. // Die Flächen umfasst, dass sie sämtlisind jeweils untereinander che Körperecken berührt. kongruent. // Alle Ecken haben Man nennt sie die Umkugleiche Flächen- und Kantenwin- gel. Es kann jedem der kel, alle Flächen sind gleichseitig regulären Körper eine und gleichwinklig. // Alle Ecken zweite Kugel zugeordnet haben denselben Abstand vom werden, die diesen in den Mittelpunkt. Mittelpunkten aller seiner Flächen berührt. Sie heißt Inkugel. Der gemeinsame Mittelpunkt dieser Kugeln ist das Zentrum des platonischen Körpers. Mehrere Künstler verarbeiteten die Platonischen Körper in ihren Werken: Piero della Francesca, Leonardo da Vinci, Albrecht Dürer, Wenzel Jamnitzer, in der modernen Kunst hat sich vor allem M. C. Escher mit ihnen und ih-

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geometrie – platonische koerper/wissen


 PLAT ONI SCHE  KOE RPER  TETRAEDER nen ähnlichen regelmäßigen Körpern beschäftigt; auch Werke von Salvador Dalí thematisieren platonische Körper oder ihre Entfaltung.

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ie Platonischen Körper wurden seit der Antike studiert. Die Pythagoreer (6. Jahrhundert v. Chr.) unterschieden zumindest zwischen Tetraeder, Hexaeder und Dodekaeder. Der Athener Theaitetos (415–369 v. Chr.) bewies, dass es nur fünf konvexe reguläre Polyeder geben kann. Der griechische Philosoph Platon (ca. 427–347 v. Chr.), wurde der Namensgeber für die fünf Körper. In “Die Urformen der regulären seinem Werk Timaios Körper sind das Elementarste, das beschrieb er sie ausman sich vorstellen kann.” führlich. Er band die Zeier Platonischen Körper in sein philosophisches System ein, indem er sie (ausgenommen Dodekaeder) den vier Elementen zuordnete: Feuer stand für das Tetraeder, Luft für das Oktaeder. Das Ikosaeder wurde mit Wasser assoziiert, das Hexaeder mit Erde. Das Dodekaeder ließ sich nach dieser Theorie mit dem von Aristoteles postulierten fünften Element Äther gleichsetzen. Euklid (360–280 v. Chr.) beschrieb die Platonischen Körper im XIII. Buch seiner Elemente. Darin bewies er unter anderem, dass es genau fünf gibt.

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s gibt fünf reguläre Vielflächner, an jedem sind nur gleiche Vielecke zu finden, nur gleiche Kanten und gleiche Winkel. Ihre Begrenzungsflächen sind drei-, vier- und fünfecke. Trotz dieser Gemeinsamkeiten und einer großen Zahl innerer Übereinstimmungen hat jeder der fünf Körper seinen ganz besonderen Charakter. In jedem einzelnen finden wir die Gesetzmäßigkeiten aller anderen unsichtbar “eingebaut”. Tetraeder oder der reguläre Vierflächner, besitzt keinen rechten Winkel, passt genau in einen Würfel, wenn seine Flächendiagonalen so lang sind wie die Tetraederkanten. Die leerbleibenden vier Räume sind dreiseitige Pyramiden, das sich aus einen Tetraeder darstellen lässt. Dieser geometrische Körper ist von vier gleichseitigen Dreiecken begrenzt. Auf eine seiner Flächen ruhend erscheint er als dreiseitige Pyramide. In den Würfel einbeschrieben bildet jede seiner Kanten eine Flächendiagonale des Würfels. Das Tetraeder selbst hat weder Flächen- noch Raumdiagonalen, es ist auch das einzige Polyeder, das gleich viele Ecken wie Flächen hat.

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geometrie – platonische koerper/wissen


02 ZWEI KAPITE LEINBLICK


WI SS ETY

EN  MO LOGIE  FI UR Plastisches Kunstobjekt aus Metall ausgestellt in der Wüste Nevadas beim „Burning-Man“ Fesitval.  Illustration: Kraemer

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as Feuer (von althochdeutsch: fiur) bezeichnet die Flammenbildung bei der Verbrennung unter Abgabe von Wärme und Licht. Voraussetzungen für die Entstehung und Aufrechterhaltung eines Feuers sind ein Brennstoff, ein Oxidationsmittel, wie etwa Sauerstoff aus der Luft, sowie die Überschreitung der Zündtemperatur des Brennstoffs. Die Erzeugung von Feuer zählt zu den Kulturtechniken. Die Nutzung und zunehmende Beherrschung des Das neuhochdeutsche Wort Feuers war ein wichtiger Feuer lässt sich über mittelhoch- Faktor der Menschwerdeutsch viur, althochdeutsch dung und ist mindestens fiur und westgermanisch seit dem Jungpaläolithifewur zurückverfolgen bis zum kum ein Bestandteil aller uralten, bedeutungsidentischen Zivilisationen. Indogermanischen pehwr Die Zähmung von Wild(vergleiche auch altgriechisch feuern (beispielsweise aus pyr, armenisch hur, hethitisch Blitzschlägen) und späpahhur, gotisch fon und umter die Kunstfertigkeit, brisch pir). Feuer zu entfachen, waren wichtige Schritte der Menschwerdung. Kochen oder Braten über offenem Feuer erleichtern den enzymatischen Aufschluss der Nahrung und

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entlasten damit den Verdauungstrakt. Außerdem konnte Nahrung durch Räuchern länger haltbar gemacht werden. Feuer bot zugleich Wärme, Licht und Schutz vor Raubtieren und Insekten und konnte gegebenenfalls bei der Treibjagd auf flüchtiges Wild eingesetzt werden. Im Zuge der Neolithisierung bildete das Feuer die Basis wichtiger Kulturtechniken, wie das Brennen von Keramik (Töpferei) und die Metallschmelze (seit der Kupfersteinzeit). Die Standardmethode des Neolithikums ist das „Markasit-Feuerzeug“. Ab der Eisenzeit ersetzt nach und nach der Feuerstahl die Markasitknolle. Im Gräberfeld von Bescheid wurde ein Roteisenstein und eine Feuersteinklinge gefunden, was in dieser Kombination als Feuerzeug gedeutet wird. Soll ein Feuer angezündet werden muss unter anderen genügend Sauerstoff an den Brennstoff gelangen und die Verbrennungsprodukte abziehen können (Kaminwirkung). Für das Entfachen ist eine Initialzündung notwendig, wofür vorindustrielle Völker verschiedene Methoden kannten: Reibung, Funkenschlag, Luftkompression und Lichtbündelung. Geübte Menschen können ein Feuer mit solchen Methoden in etwa einer Minu-

wissen/brandtypen


te entfachen. Heutzutage werden Feuer meist mit dem Feuerzeug oder mit Streichhölzern entfacht. Gegebenenfalls wird ein Fidibus verwendet, um unzugängliche Stellen zu entzünden.

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hemisch gesehen ist Feuer eine Oxidationsreaktion mit Flammenerscheinung. Dies ist eine exotherme Reaktion, das heißt, mit Feuererscheinung verlaufende Reaktionen geben mehr Energie in Form von Wärme an die Umgebung ab als zum Entzünden benötigt wird. Dieser Zusammenhang kann in einem Verbrennungsdreieck anschaulich dargestellt werden. Mangelt es an einer der drei Komponenten, erlischt das Feuer. Bei der Verbrennung von organischen Materialien werden beispielsweise Kohlenwasserstoffe mit dem Oxidationsmittel Sauerstoff aus der Luft bei einer vollständigen Verbrennung zu Kohlenstoffdioxid und Wasser umgesetzt. Auch

partielle Verbrennungen sind möglich, wobei Kohlenstoffmonoxid und andere, nur teilweise oxidierte Stoffe entstehen und nicht oxidierte Stoffe wie Ruß zurückbleiben können. Da die entstehenden Verbrennungsgase („Rauch“) aufgrund ihrer hohen Temperatur eine geringere Dichte haben als die umgebende Luft, steigen sie bei einer frei brennenden Flamme durch natürliche Konvektion nach oben („Kamineffekt“). Der entstehende Unterdruck saugt von unten und von der Seite Frischluft an. Der darin enthaltene Sauerstoff erhält die weitere Verbrennung aufrecht. Bei extrem großen Feuern kann der so ent-

stehende Luftzug Orkanstärke erreichen man spricht dann von einem Feuersturm. Das Licht des Feuers ist eine physikalische Erscheinung. Elektronen der erhitzten Teilchen erlangen kurzzeitig ein höheres Energieniveau und fallen nach kurzer Zeit unter Abgabe (spontaner Emission) von Energie in Form eines Lichtquants (Photons) auf ihre ursprünglichen Energieniveaus zurück. Nicht jede solche Emission ist für das menschliche Auge sichtbar, es entsteht auch infrarote Strahlung. Zweckfeuer ist das beabsichtigte und kontrollierte Feuer, das zum Erwärmen oder Verbrennen von Gegenständen oder anderem gedacht ist, zum Beispiel das Kaminfeuer, Lagerfeuer, Grillfeuer und Schwedenfeuer. Der Mensch hat schon sehr lange gelernt, das Feuer zu beherrschen und nutzt es bis heute, zum Teil indirekt in Form des elektrischen Stroms. Das Schadfeuer, oder auch Brand ge-


WISS EN  CHEMISCHE R HIN TERG RUND FLAMME nannt, ist ein zerstörerisches, meist unbeabsichtigtes Feuer. Es verbrennt ungewollt Gegenstände und ist erst kontrollierbar, nachdem es eingedämmt wurde. Brandbekämpfung von Schadfeuern ist die originäre Aufgabe Ein altes Vorurteil lautet: Was der Feuerwehren. Versidas Feuer nicht kaputt macht, cherungen definieren den erledigt das Löschwasser. Inzwi- Begriff Brand üblicherweischen haben die Feuerwehren se als Feuer, welches ohne ihre Arbeitsweise konsequent einen bestimmungsgemäprofessionalisiert. ßen Herd entstanden ist oder diesen verlassen hat und sich selbständig auszubreiten vermag. Absichtliche Schadfeuer können durch Pyromanie entstehen.

vier elemente/feuer

A

ls Flamme wird der Bereich brennender oder anderweitig exotherm reagierender Gase und Dämpfe bezeichnet, in dem Licht emittiert wird. Ein Katalysator kann eine Verbrennung begünstigen, ein Inhibitor hingegen einen Brand hemmen. Der brennbare Stoff kann normalerweise nicht so einfach aus einem Feuer entfernt werden, jedoch kann manchmal der Nachschub an Brennstoff unterbunden werden. Auch wird dieses Verfahren oft bei Waldbränden verwendet, indem breite Gräben und Schneisen angelegt werden. Ein Feuer erlischt, wenn der brennende Stoff unter seine Zündtemperatur abgekühlt wird. Die mit Abstand beste Kühlwirkung bei der Brandbekämpfung wird durch die Verwendung von Löschwasser erzielt. Dabei geht es nicht nur darum, indirekt das Wasser aufzuwärmen (und den brennenden Stoff zu kühlen) sondern Wärme in Form der Verdampfungswärme abzuführen. Erstickung erfolgt durch Entzug von Sauerstoff indem man den Sauerstoff vom brennbaren Stoff fernhält oder ihn verdrängt.

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wissen/brandtypen


2000 °

1300 ° 700 °

Zigarette (Seiten- und Mittelteil ohne Ziehen)

WasserstoffSauerstoff-Flamme

40 0 °

2000°

400° bis 585°

Bunsenbrenner-Flamme 1300° bis 1600°

Zigarette (Mittelteil beim Ziehen) 700°

Kerzenflamme 1000°


EN  IG ION Typische Feuer- und Flammentemperaturen. Angaben in Grad-Celsius (C°). Infografik: Kraemer

D

ie Bedeutung des Feuers spiegelt sich in zahlreichen Mythen wieder, etwa dem des Feuerbringers Prometheus oder des Vogels Phönix. Die alte Religion des persischen Religionsstifters Zarathustra wirkte nachhaltig in die dortige Volkskultur hinein. So wurde bei der Ausbreitung des Islams von „Feueranbetern“ berichtet. Auch heute noch lebt diese Religion als Parsismus bzw. Zoroastrismus fort. Viele persische Vornamen nehmen auf das Feuer Bezug. Die Römer verehrten Vesta, die Göttin und Hüterin des Herdfeuers, mit einem eigenen Frauenkult. Im Alten Testament der Bibel sind Feuer, Rauch und Beben Begleiterscheinungen einer Theophanie. In der Osternacht wird am Osterfeuer Dem Feuer wird reinigende die Osterkerze, Sinnbild der Wirkung zugesprochen. So Auferstehung Jesu Christi, wurden im Mittelalter Hexen entzündet. Der Brauch des auf dem Scheiterhaufen Osterfeuers hat vermutlich verbrannt, um ihre sündigen vorchristliche Wurzeln. Bei Seelen reinigen zu lassen. Johannes nennt sich Jesus selbst das Licht der Welt. Im Hinduismus ist Agni, das Feuer, die Verkörperung Gottes, der auf der Erde in Flammenform erscheint. Feuer spielt im Gottesdienst sowie in allen anderen religiösen Riten eine herausragende Rolle: Die populärste tägliche Zeremonie ist das Arati, wo man ein Butterlicht vor dem Altar schwenkt. Das Feueropfer, Yaggya (auch Yajna) genannt, war ursprünglich wahrscheinlich vier elemente/feuer

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WISS REL FEUER

das wichtigste Opferritual, bei dem die Opfergaben in das heilige Feuer geworfen wurden. Auch heute noch spielt das Feuer im Glaubensleben der Hindus eine wichtige Rolle: Zu bestimmten Anlässen, ganz besonders wenn es um Reinigungszeremonien wie Einweihung von Wohnungen, Geschäften oder dergleichen geht, entzündet der Priester unter Gebeten rituell das heilige Feuer. Im Feueropfer, heute auch Homa oder Havan genannt, verehrt er Agni. Besonders bei allen hinduistischen Sakramenten ist immer die lebendige Anwesenheit des Göttlichen in seiner Flammenform notwendig: Ein hinduistisches Paar schließt die Ehe, indem es gemeinsam siebenmal um das Feuer herumgeht. In manchen Naturreligionen gibt es einen oder mehrere Feuergeist(er). Im finnischen Epos Kalevala spielt der Raub der Feuermühle Sampo aus dem „Nordort“ (Pohjola) eine bedeutende Rolle, nach der auch die finnische Streichholz-Marke „Sampo“ benannt ist.

wissen/brandtypen


Amerika Kanada USA

Europa Dänemark Norwegen Irland Schweden Frankreich Großbritannien Deutschland Niederlande Österreich Schweiz

Australien Australien Angaben in Personen pro Millionen Einwohner, unterteilt in 5er Schritte.


OEKOLO GIE  BRANDT YP EN ALLGEM EINER BRAND Brandopfer im internationalen Vergleich. Statistik aus dem Jahre 2003. Aus den GUS-Staaten, dem asiatischen Raum sowie Afrika liegen keine verlässlichen Zahlen vor. Infografik: Kraemer

vier elemente/feuer

B

rände lassen sich nach ihrer Größe einteilen. In Deutschland geschieht dies nach DIN 14010 in vier Kategorien (Kleinbrand a, Kleinbrand b, Mittelbrand, Großbrand). Diese Einordnung hilft, entsprechende Gegenmaßnahmen wie die Alarmierung von Einsatzkräften der Feuerwehr im Bereich des Brand- und Katastrophenschutzes zu treffen. Die Hauptgefahr bei einem Brand stellt der giftige Rauch dar. Die in ihm enthaltenen Atemgifte sind unter anderen Kohlenstoffmonoxid und Cyangase (Dicyan, Blausäure). Diese führen bereits nach wenigen Atemzügen zur Bewusstlosigkeit und können toxische Lungenödeme verursachen. Der Tod tritt meist durch Ersticken ein. Die hohe Temperatur stellt eine weitere Gefahr dar. Sie kann einen Organismus sehr schnell zum Austrocknen oder Verkohlen bringen. Auch Hautverbrennungen sind die Folge, wenn man mit den Flammen in Berührung kommt.

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brandtypen – allg. brand/flaechenbrand


U

nter Flächenbrand versteht man in der Feuerwehr ein Schadfeuer im Freien am Boden. Häufig sind hiervon agrarwirtschaftliche Nutzflächen betroffen. Flächenbrände können unterschiedliche Auslöser haben, sind jedoch häufig das Ergebnis von fahrlässiger oder mutwilliger Brandstiftung. Flächenbrände treten besonders bei extremer Trockenheit und hohen Lufttemperaturen auf. Als Flächenbrand bezeichnet man außerdem den Totalbrand bei einem Waldbrand. Hieran lehnt sich auch der übertragene Begriff des Flächenbrandes an, der das vermehrte Auftreten krimineller oder terroristischer Aktivitäten in einem begrenzten Gebiet bezeichnet. Bekämpfung am Boden: Bei der Bekämpfung wird zwischen Wipfelbrand und Bodenbrand unterschieden. Beim Bodenbrand ist ein Ansatz die Errichtung von Brandschneisen. Dabei wird in Abhängigkeit von den erwarteten maximalen Flammenlängen ein Wundstreifen angelegt, in dem sämtliches brennbares Material entfernt oder kontrolliert abgebrannt wird, damit der Waldbrand sich dort nicht weiter ausbreiten kann. Jedoch kann es durch Funkenflug zu einem Über-


OEKOLO GIE  BR ANDTYPEN  FLÄCHENBRAND springen der Brandschneise kommen und die Bodentruppen dadurch durch Feuer im Rücken gefährden. Für solche Einsätze ist immer eine große Anzahl von Feuerwehrleuten notwendig, die für eine effektive Brandbekämpfung auch eine spezialisierte Ausbildung durchlaufen haben müssen. Auch gute Führung und Koordination in der Einsatzleitung sind wichtig. Eine weitere Löschmöglichkeit besteht durch die Anwendung des Sprenglöschverfahrens. Dieses Verfahren ist unter dem Namen 2RS-System registriert. Die Sprenglöschung erfolgt durch die Anwendung von speziell gefertigten, kunststoffummantelten Schläuchen, die mit Wasser gefüllt werden. Der Schlauch ist mit Sprengstoff versehen. Durch Ausbringung der Schläuche in der Nähe der Brandstelle oder Brandfront kann durch Zündung der Sprengsätze das Wasser in den Brandherd und in die Umgebung eingebracht werden. Dadurch kann der Brand gelöscht und die Umgebung gekühlt werden.

Drei Rucksäcke für das gesamte Euqipment eines Feuerspringers. Das Gepäck von einer Person gut verstaut. Kraemer

Bekämpfung aus der Luft: Falls der Brandort auch mit geländegängigen Löschfahrzeugen nicht erreichbar sein sollte, ist die effektivste Methode der Waldbrandbekämpfung der kombinierte Einsatz von Bodentruppen und Löschflugzeugen und -hubschraubern. In Deutschland kam es zweimal zum Einsatz großer Löschflugzeuge. Beim Brand in der Lüneburger Heide vom 11. bis 16. August 1975 und am 26./28 Juli 1983 bei Knesebeck. In unzugänglichen großen Waldgebieten können Feuerwehrleute als sogenannte „Smokejumper“ mit einem Fallschirm an den Einsatzort gelangen und dort das Feuer bekämpfen. Dies ist in Europa nicht sehr verbreitet und wird auch als kritisch eingestuft, da die Smokejumper über keinen gesicherten Rückweg verfügen, wenn sie landen. In Deutschland liegt die Verantwortlichkeit für den Katastrophenschutz bei den Ländern. Ein wichtiger Aspekt ist die rechtzeitige Erkennung von Waldbränden, da der zum Löschen nötige Aufwand mit der Zeit exponentiell wächst. In Deutschland wird seit 2002 zur frühzeitigen Erkennung von Waldbränden ein automatisiertes System zur Raucherkennung (FireWatch)

vier elemente/feuer

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brandtypen – flaechenbrand/lauffeuer


OEKOLO GIE  BR ANDTYPEN  FEUERSPRINGER eingesetzt. Dabei wird mittels eines optischen Sensors und einer automatischen Software zur Raucherkennung ein Brand bereits im Entstehungsstadium (Schwelbrand) erkannt. Heute werden mit 280 Sensoren des Systems FireWatch weltweit 4,5 Millionen Hektar Wald überwacht (Stand 01/2011). Allein 174 optische Sensoren des Systems FireWatch suchen in den Sommermonaten in den Bundesländern Brandenburg, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und Niedersachsen in allen gefährdeten Waldgebieten flächendeckend nach Rauch. Je bekannter diese Gefährdungslage ist, desto größer wird die Wahrscheinlichkeit, Waldbrände zu verhindern, jedoch hat die Erfahrung gezeigt, dass viele Brandstifter sich durch bekannte Waldbrandwarnungen zum Zündeln animiert sahen. Darüber hinaus werden aus Präventionsgründen in waldbrandgefährdeten Gebieten entsprechende Wasservorräte angelegt.

Die Ausstattung eines Feuerspringers, ausgelegt. Kraemer

So wurden in Niedersachsen nach der Waldbrandkatastrophe 1975 an vorhandenen Seen, Fischteichen oder Kiesgruben Löschwasser-Entnahmestellen eingerichtet und in besonders gefährdeten Gebieten Löschwasserteiche angelegt, um eine schnelle und effiziente Wasseraufnahme durch Löschfahrzeuge zu ermöglichen. Wo Fließgewässer zur Wasserentnahme fehlten, legte man ausgediente Heizöltanks als Löschwasser-Vorratstanks mit jeweils zwischen 20.000 und 100.000 Liter Wasser in die Erde.

F

euerspringer sind Schnelleinsatz- und Vorauseinheiten der Feuerwehr, die bei Wald- und Flächenbränden wie Fallschirmjäger über dem Brandgebiet abspringen und mit primitivsten Mitteln die Brandbekämpfung versuchen. Zum Eigenschutz führen sie ein „Iglu“ mit sich, das im Falle einer Überrollung durch das Feuer aufgebaut wird und als Schutzgebäude verwendet werden kann. Es widersteht Temperaturen bis zu 900 °C.

vier elemente/feuer

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brandtypen – flaechenbrand/lauffeuer


Großer Brand von London 1666, London, Großbritannien

Großer Brand von New York 1776, New York City, USA

Großer Brand von Hamburg 1842, Hamburg, Deutschland Großer Brand von Chicago 1871, Chicago, USA Feuersturm von Peshtigo 1871, Peshtigo, USA

*142 800

Großer Brand nach Erdbeben 1923, Tokio & Yokohama, Japan Hindenburg-Katastrophe 1937, Lakehurst, USA

*40 000

Operation Gomorrha 1943, Hamburg, Deutschland Brand in der Lüneburger Heide 1975, Lüneburger Heide, Deutschland MGM Grand Hotel & Casino 1980, Las Vegas, USA

Brand in Roombeek 2000, Enschede, Niederlande Großer Waldbrand am Thumsee 2007, Bad Reichenhall, Deutschland Große Wald- und Torfbrände 2010, Karelien & Woronesch, Russland Textilfabrikbrand 2012, Karatschi, Pakistan Brandkatastrophe im Nachtclub 2013, Santa Maria, Brasilien *wird nicht in voller Länge gezeigt/würde das Format sprengen.


Waldbrand Stadtbrand Gebäudebrand

INFOGR AFIK  BRANDK ATAST ROPHEN Eine Auswahl an den größten Brandkatastrophen ab 1666. Die Statistiken zeigen, eine chronologische Reihenfolge der Brände, die Anzahl der Todesopfer, der zerstörten Fläche und die Brandtypen.  Infografik: Kraemer

Explosion Luftangriff

vier elemente/feuer

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brandtypen – flaechenbrand/lauffeuer


U

nter Lauffeuer versteht man in der Brandlehre einen Brand, welcher am Boden vorwärts läuft (Bodenbrand). Das Wort ‚Lauffeuer‘ ist im Deutschen seit dem 17. Jahrhundert belegt und bezeichnete ursprünglich eine als Anzündmittel dienende Aufschüttung von Schieß- bzw. Schwarzpulver. Daraus leitete sich die heutige Übertragung – das Sprichwort etwas verbreitet sich wie ein Lauffeuer, was auf die schnelle Verbreitung von Nachrichten und Neuigkeiten bezogen wird – ab, im Sinne einer ‚schnellen Verbreitung‘. Im 18. Jahrhundert existierte außerdem die Bedeutung von Lauffeuer als einer Salve entlang einer Schützenlinie, als „diejenige Art zu feuern bey den Soldaten, wo

ein Gewehr in der Geschwindigkeit nach dem andern abgefeuert wird“. Trainiert wurde das als Verteidigung der Infanterie gegen Kavallerieangriffe, gegen die geschlossene Salven im Allgemeinen wenig wirkungsvoll waren. Das ist als spezielle Schussfolge im Böllerschießen des Brauchtums noch üblich. Bei Lauffeuern bildet sich eine Brandzone, die sich über eine Fläche hinweg bewegt und sich von Bodenbewuchs, Laub, abgefallenen Ästen und ähnlichen ernährt. Lauffeuer in Vollbrand können dabei sehr hohe Geschwindigkeiten erreichen, aber auch als Schwelbrand langanhaltend in einer Brandzone verharren.


OEKOLO GIE  BR ANDTYPEN  LAUFFEUER L

auffeuer im Freiland sind etwa Steppenfeuer (Buschbrand). Sie können sich aber auch im Bodenbewuchs und der Waldstreu in Wäldern zum Waldbrand ausweiten, indem sie auf Wipfelfeuer oder einen Totalbrand überwechseln. Lauffeuer sind neben BlitzEs verbreitet sich wie ein schlägen weitaus häufigste Initialfeuer von Waldbränden, ob Lauffeuer … natürlichen Ursprungs, durch menschliche Unachtsamkeit oder Brandstiftung verursacht. Über Lauffeuer können Waldbrände unbewaldete Zonen überspringen. Aus diesem Grund ist die regelmäßige Pflege von als Brandschutz angelegten Brandschneisen von enormer Bedeutung. Ein Waldbrand überwindet durch dürren Niederwuchs diskreditierte Brandschneisen problemlos. Lauffeuer werden bekämpft, indem man versucht, sie keilförmig zusammen zu treiben. Hierzu werden Schutzgräben in

der Laufrichtung des Feuers ausgehoben oder dasselbe mit Brandpatschen oder auch Wasser bekämpft. Da hierbei leicht Glutnester übersehen werden, muss oft eine Brandwache aufrechterhalten werden. Daneben werden Lauffeuer aber auch kontrolliert eingesetzt, um brandgefährdetes Freiland, Unterholz, und die Brandschneisen selbst von unliebsamem Bewuchs und Totholz freizuhalten. Auch ist es in der Landwirtschaft als Form der Brandrodung für Raine verbreitet, ein Mitteleuropa ist das aber im Allgemeinen untersagt oder nur unter Auflagen zulässig, weil die Gefahr eines unkontrollierten Böschungsbrands besteht.

vier elemente/feuer

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brandtypen – lauffeuer/buschfeuer


OEKOLO GIE  BR ANDTYPEN  BUSCHFEUER Ein Feuerwehrmann in Kalifornien bei den Buschbränden im November 2008. Kraemer

B

uschfeuer in Australien ereignen sich vor allem in den heißen Monaten des Jahres, wobei häufig große Flächen des Landes betroffen sind und Gebäude zerstört, Tiere und Menschen getötet werden. Die Buschfeuer sind ein Umweltfaktor und damit immanenter Bestandteil der Ökologie des australischen Kontinents. Beispielsweise helfen die Buschfeuer einigen Arten der Eukalypten und Banksia ihre SamenhülAustralische Buschfeuer werden sen zu öffnen. Das Feuer ermöglicht auch als Stöganz allgemein definiert als unrung der Sukzession das kontrollierte Brände von Gras, erneute Wachstum von Gestrüpp, Gebüsch und Wald. bestimmten Arten von  Wikipedia Pflanzen und Gräsern, ferner wachsen viele angepasste Pflanzenarten nach den Feuern wieder schnell nach oder bilden neue Triebe, während nicht zum Ökosystem gehörende Arten durch das Feuer verdrängt werden. Die Black-Saturday-Bushfires im Februar 2009 töteten 173 Menschen und zerstör-

vier elemente/feuer

ten 1.800 Häuser. Die etwa 60 einzelnen Buschfeuer in Victoria gelten als die bisher größte Brandkatastrophe Australiens, bei der eine Fläche in der Größe des Saarlandes abbrannte. Sie werden in Australien in zwei Hauptkategorien aufgeteilt, die von der Geländestruktur abhängen: Buschfeuer in hügeligen und bergigen Gebieten: Es handelt sich um Buschfeuer in hügeligen, bergigen oder alpinen Gebieten, die meistens bewaldet sind. Diese Gebiete sind wenig erschlossen, werden landwirtschaftlich nicht genutzt und viele dieser bewaldeten Gebiete sind nationale, bundesstaatliche oder anderweitige Parks. Steiles Terrain erhöht die Intensität und Geschwindigkeit der Feuerstürme. Befinden sich Siedlungen in diesen Gebieten, gefährden Buschfeuer auch Häuser, Siedlungen und menschliches Leben. Buschfeuer im Flach- oder Grasland: Im flachen oder in wenig hügeligen Gelände, das hauptsächlich von Gräsern und Gebüschen bewachsen ist, können sich die Buschfeuer, angefeuert von Winden oder durch leicht brennbares Vegetationsmaterial, schnell ausbreiten. Die Feuer im Grasland stellen eine große Gefährdung für menschliche Siedlungen dar, weil sie

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brandtypen – buschfeuer/waldbrand


Brandbekämpfung aus der Luft mittels Helikopter in Kalifornien im Mai 2013. Kraemer

die gleiche Intensität der Feuerstürme des Flachlands erreichen, allerdings sind sie leichter regional einzugrenzen, zu prognostizieren und die Gebiete sind für das Personal der Feuerwehren leichter zu erreichen. In vielen Regionen Australiens hat die komplette Abholzung der Wälder aufgrund landwirtschaftlicher Nutzung dazu geführt, dass die Brandgefahr in diesen Gebieten reduziert wurde. Die meisten Buschfeuer resultieren aus Blitzschlägen, Brandstiftungen, unbeabsichtigter Entzündungen bei landwirtschaftlicher Nutzung, Lagerfeuern, Wegwerfen brennender Zigaretten und Zündhölzer, brennenden Maschinen und außer Kontrolle geratene vom Menschen angelegten Bränden.

vier elemente/feuer

Die Dominanz auf natürlicher Weise entstandener Feuer wurde mit der Ankunft von Menschen auf dem australischen Kontinent verändert. Buschfeuer verursacht durch Menschen, fanden häufiger statt und die Feuer liebenden Pflanzenarten, insbesondere Eukalypten breiteten sich aus. Es wird vermutet, dass dieser Wechsel durch die frühen Menschen verursacht wurde, die Lagerfeuer entzündeten oder mit dem Feuer spielten. Pflanzen haben verschiedene Anpassungen gegenüber Feuer entwickelt, wie schnelles Ausbilden von Trieben nach Bränden, holzige Stammwülste, feuerbeständige Samen. Einige unterstützen die Feuerwirkung auch durch entflammbares Öl, um die nicht feuerresistenten Pflanzenarten zu eliminieren. Seit 2003 gibt es das nationale Bushfire Cooperative Research Centre (CRC). 2009 wurde ein neuer Standard von Warnungen gegenüber Buschfeuern von der Fire Danger Rating (FDR) entwickelt, der von allen australischen Ländern übernommen wurde. Während der Buschfeuer-Saison lieferte das BOM Wettervorher-

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brandtypen – buschfeuer/waldbrand


sagen mit Stufen einer Feuergefährdung je nach Temperaturen, relativer Luftfeuchtigkeit, Windgeschwindigkeit und Trockenheit der Vegetation, woraus die Buschfeuer-Agenturen je Land ihre entsprechenden Ratings einer Feuergefährdungen herausgeben. 2010 wurden nach einer nationalen Überprüfung und Anlage von Überwachungs- und Messpunkten für Grasland-Gebiete je Ratingstelle angelegt Tägliche Einstufungen der Feuergefährdung in Die meisten Buschfeuer Wettervorherresultieren aus Blitzschlägen, sagen machen Brandstiftungen, unbeabdie Bevölkesichtigter Entzündungen und rung auf Maßaußer Kontrolle geratene nahmen aufvom Menschen angelegten merksam, die Bränden.  sie an diesem Wikipedia Tag zu ihrem Schutz vornehmen sollen. Die Einstufungen werden über Zeitungen, Fernsehen, Radio und Internetseiten bekanntgegeben.

Das Australasian Fire Authorities Council (AFAC) ist die nationale Spitzenorganisation, die für Buschfeuer, Notfallorganisation und Feuerschutzmaßnahme in der australasiatischen Region zuständig ist. Buschfeuer ereignen sich über das gesamte Jahr. Die gefährlichen Zeiten variieren je nach Region und die Buschfeuer-Saison beginnt im Juni und endet im Mai des darauf folgenden Jahres. Im Südosten Australiens besteht die Gefahr von Buschfeuern vor allem während der Trockenheit des Sommers vom Dezember bis zum März und sie sind beim Auftreten des El Niño besonders heftig. Der Südosten ist für Buschfeuer beson-

ders anfällig, weil es dort sehr warm und trocken ist. Im Norden Australiens ereignen sich Buschfeuer vor allem in der Trockenzeit vom April bis September und die Feuergefahr steigt mit dem Auftreten von bestimmten Wettermustern. Im Südwesten Australiens ist es ähnlich, die Buschfeuer ereignen sich vor allem in der trockenen Sommerzeit und hängen von den jeweiligen Wetterbedingungen ab. Buschfeuer im Norden sind unterschiedlich einzuschätzen, meistens entstehen sie dort durch menschliche Aktivitäten, Blitzeinschläge oder Brandstiftungen. Australische Buschfeuer verursachten seit dem Jahr 1851 800 Todesfälle und die geschätzten Kosten beliefen sich auf 1,6 Milliarden Australische Dollar. Diese Rate liegt jedoch unterhalb der Kosten, die durch Trockenheit, Stürme, Hagel und Zyklone verursacht wurden, dies hängt möglicherweise damit zusammen, dass sich Buschfeuer meistens außerhalb stark bevölkerter Gebiete ereignen.


Niedrig bis moderat

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vier elemente/feuer

Sehr hoch

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Einstufung der Feuergefährdung nach den Feuergefahr-Index.  Infografik: Kraemer

Hoch

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Extrem

Katastrophe/ Code Red

0 15

brandtypen – buschfeuer/waldbrand


E

in Waldbrand ist ein Brand in bewaldetem Gebiet. Wenn keine geeignete Brandbekämpfung erfolgt, entwickeln Waldbrände sich schnell zu Flächenbränden. Waldbrände entstehen meist während Trockenperioden und sind wegen ihrer hohen AusbreitungsDer Begriff Buschfeuer wird für geschwindigkeit gefährgroße Brände von Busch- und lich für Mensch und Tier. Waldland während der SomWeltweit lassen sich nur merzeit auf dem australischen etwa vier Prozent aller Kontinent verwendet. Waldbrände auf natürliche Ursachen zurückführen. Der Rest entfällt auf vorsätzliche Brandstiftung (Brandrodung, Brandstiftung, etwa um Bauland in einem Naturschutzgebiet zu gewinnen) oder Fahrlässigkeit (Unachtsamkeit, beispielsweise durch „wilde“ Lagerfeuer, weggeworfene Zigarettenkippen oder Streichhölzer). Eine oft unterschätzte Ursache sind auch heiße


OEKOLO GIE  BR ANDTYPEN  WALDBRAND Katalysatoren von auf Waldboden abgestellten Autos und Motorrädern. Im Osten Deutschlands entsteht ein beträchtlicher Teil der Brände durch Selbstentzündung verrottender Munition aus dem Zweiten Weltkrieg. Glasflaschen und -scherben können entgegen einem weit verbreiteten Irrglauben die Sonnenstrahlen nicht wie Brenngläser bündeln und somit kein Laub oder Gras entzünden. Seltener entstehen Waldbrände durch natürliche Ursachen wie Blitzschlag, vulkanische Aktivität oder Selbstentzündung. Zwar sind Waldbrände Bestandteil der Naturdynamik, dennoch

haben weniger als 5 % aller Waldbrände in Europa natürliche Ursachen, meist Blitzschlag. In einer Naturlandschaft Mitteleuropas würden sie nur kleinflächig auftreten und eine untergeordnete Rolle spielen. Größere Waldbrände wären ohne den Menschen eine extrem seltene Erscheinung. Erst menschliche Landschaftseingriffe und auslösende Ursachen machen einen Waldbrand zur Katastrophe, in heutiger Zeit verstärkt in ökologischer Hinsicht, weil der Mensch nur noch wenig Wald belassen hat. Die natürlichen Wälder Mitteleuropas sind hauptsächlich Laubmischwälder aus Rotbuche und Stieleiche. Sie halten mehr Feuchtigkeit in Biomasse, Boden und Luft und trocknen weniger schnell aus als Nadelholzforste. Eine natürliche Waldzusammensetzung ist so auch ein guter Schutz vor Waldbränden. Ein Waldbrand wirkt als Störung auf das Ökosystem Wald und ermöglicht das Keimen von Pionierpflanzen. Das Mosaik-Zyklus-Konzept sieht Waldbrände als einen Bestandteil der natürlichen Sukzession des Waldes. So ist ein unbedingtes Verhindern von Waldbränden in Großschutz-

vier elemente/feuer

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brandtypen – waldbrand/waldbrandgefahr


Schaubild zur Entstehung eines Waldbrandes anhand der typischen drei Phasen (Lauffeuer, Wipfelfeuer, Totalbrand/ von links nach rechts). Schaubild: Kraemer

gebieten nicht immer sinnvoll, da es den natürlichen Kreislauf unterbricht. Solche natürlichen Waldbrände verringern die Menge an brennbarem Totholz und verhindern dadurch selbst ihre allzu häufige Wiederkehr. In trocken-warmen Klimaten kommt Waldbränden natürlicherseits eine größere Rolle zu, auch wenn sie hier ebenfalls zum allergrößten Teil durch den Menschen erzeugt werden. Die trockene Kraut- und Strauchschicht brennt schnell ab, ohne Altbäume vollständig zu zerstören, und hinterlässt unbewachsenen und durch die Asche gleichzeitig mineralstoffreichen Boden, in dem neue Bäume keimen können. Mammutbäume lassen ihre Samen erst nach einem Waldbrand fallen, wenn genug Platz für Jungbäume entstanden ist, und sind damit ein Beispiel für die Anpassung an solche „Katastrophen“ und deren Bedeutung in

vier elemente/feuer

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brandtypen – waldbrand/waldbrandgefahr


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00 Incendie de la Forêt de Landes 1949, Gironde, Frankreich

Brand in der Lüneburger Heide 1975, Niedersachsen, Deutschland

Buschfeuer in Victoria & South Australia 1983, Victoria, Australien

Brände Yellowstone Nationalpark 1988, Yellowstone, USA, Branddauer: 5 Monate

Waldbrände in Südkalifornien 2007, Südkalifornien, USA

Buschfeuer in Victoria 2009, Victoria, Australien

Wald- und Torfbrände in Russland 2010, Russland, Branddauer: 2 Monate Waldbrand in Israel 2010, Karmel-Gebirge, Israel

Flächendarstellung der Anzahl der Totesopfer (rot) und der verbrannten und zerstörten Fläche durch den Brand (dunkelrot). Branddauer in der Darstellung der Linien (grau). Infografik: Kraemer


1

4 9 11

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30 ME: Tag

brandtypen – waldbrand/waldbrandgefahr


der natürlichen Verjüngung des Waldes. Eukalyptus fördert Waldbrände durch seine hohe Brennbarkeit und profitiert von ihnen, indem die Stümpfe besonders schnell wieder austreiben, noch bevor andere Pflanzen sich erholt Weltweit lassen sich nur etwa haben. vier Prozent aller Waldbrände Ein Waldbrand durchläuft auf natürliche Ursachen zurück- in der Regel drei Phasen. führen. Er beginnt als Lauffeuer am Boden, das sich noch leicht bekämpfen lässt. Dieses Lauffeuer kann, besonders bei Nadelgehölzen, auf die Baumwipfel überspringen, was zu dem so genannten Wipfelfeuer und zur schnellen Brandausbreitung führt. Wipfelfeuer lassen sich deutlich schwerer bekämpfen als Bodenfeuer und wachsen sich leicht zur dritten Stufe, dem Total-

brand, aus. Unter den klimatischen Bedingungen Mitteleuropas bricht ein solcher Vollbrand zusammen, wenn das ihn stützende Bodenfeuer niedergekämpft werden kann. Enthält die Vegetation anderer Klimazonen weniger Feuchtigkeit, ist er sehr schwer zu löschen. Als Deadman Zone bezeichnet die Feuerwehr insbesondere im angelsächsischen Sprachraum den Bereich seitlich eines laufenden Waldbrandes. Waldbrände breiten sich vereinfacht dargestellt von ihrem Entstehungsort in Windrichtung Dreiecksförmig aus, die beiden Katheten bilden dabei die Deadman Zone. Der Aufenthalt in dieser Zone ist besonders gefährlich, da bei einem plötzlichen Wechsel der Windrichtung sich das Feuer in die Deadman Zone bewegt und dort Einsatzkräfte gefährden kann. Bei großen Waldbränden bewegt sich das Feuer dann meist mit so hoher Geschwindigkeit


OEKOLO GIE  BR ANDTYPEN  WALDBRANDGEFAHR vorwärts, dass ein Entkommen zu Fuß nicht mehr möglich ist. Dies hat bereits mehrfach zu Todesopfern geführt. Da in Deutschland nahezu keine Waldbrände dieser Größenordnung auftreten und somit auch keine ernsthafte Gefährdung der Einsatzkräfte eintritt, gibt es keinen deutschen Begriff hierfür.

digkeit und auf 24-stündige Niederschlagssummen zurück. Zeigerpflanzen (sie zeigen bestimmte Umweltbedingungen, wie den Stickstoffgehalt des Bodens, Luftverschmutzung oder Nässe bzw. Trockenheit an) spielen eine wichtige Rolle. Mit ihnen wird die phänologische Entwicklung des Waldbodenbewuchses und des Kronenraums abgeschätzt. Wenn ur Berechnung der Gefährdungsla- das frische Ergrünen der Bodenvegetatige von Waldbränden verwendet der on und die Belaubung der Kronen abgeDeutsche Wetterdienst den Waldbrand- schlossen sind, wird die Ausbreitung der gefahrenindex M-68. Das Modell greift Waldbrände gedämpft und die Gefahr auf Mittagswerte der Lufttemperatur, der niedriger bewertet. relativen Luftfeuchte, der Windgeschwin- Aber nicht alle Baumarten sind gleichermaßen zündanfällig. Waldbrandstatistiken zeigen, dass unterschiedliche Bestandstypen in unterschiedlichem Maße von Waldbränden bedroht sind. Es hat sich deshalb als sinnvoll und ausreichend erwiesen, Aber nicht allein meteorologidie Waldlandschaften in sche Parameter sind ausdrei Klassen zu unterteilen. schlaggebend für die Waldbrandgefahr, sondern auch der Die mit dieser Klasseneinteilung verbundenen GeVegetationsstand. fährdungskorrekturen werden bei der abschließenden Bewertung des Waldbrandrisikos berücksichtigt.

Z

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brandtypen – waldbrandgefahr/umweltfaktor


03 DREI KAPITE LAUSSICHT


F

euer ist ein abiotischer Umweltfaktor, der als Störung Sukzessionsprozesse auslöst. Häufig werden Brände in der Natur als ökologische Katastrophe gesehen. Dies trifft jedoch nur auf durch den Menschen bereits veränderte In natürlichen Ökosystemen Naturlandschaften zu. So haben im Laufe der Evolution sind künstlich angelegte viele Lebewesen Anpassungen Waldmonokulturen oft an regelmäßig wiederkehrende instabil gegen Faktoren Feuer erworben. wie Schädlingsbefall oder Brände. Sieht man von durch Menschen absichtlich – wie z. B. großflächige Brandrodungen – oder unabsichtlich ausgelösten Waldbränden

ab, so werden in der Natur Brände meist durch Blitzschlag oder Selbstentzündung verursacht. Voraussetzung für natürliche Brände sind länger anhaltende Trockenperioden. Ökosysteme, in denen Feuer ein typisch auftretender Umweltfaktor ist, sind Tundra und Taiga, Savanne und Steppe, die Hartlaubwälder im Mittelmeerraum, die Kiefernwälder Floridas oder die Eucalyptuswälder Australiens. Typen von natürlichen Bränden sind Baumkronenbrände und Flächenbrände. Erstere zerstören häufig die gesamte Vegetation und fast alle tierischen Lebewesen, die nicht rechtzeitig vor ihnen flüchten können. Oft muss ausgehend von Pioniergesellschaften erst die gesamte Sukzession nochmals durchlaufen werden, bis sich die Ausgangslebensgemeinschaft annähernd wiederhergestellt hat. Solche Brände bewirken eine Verjüngung von Beständen und verhindern ein Aussterben von Lebewesen, die in instabilen Sukzessionsgesellschaften vorkommen.


GIE  WEL R Flächenbrände haben eine selektive Wirkung auf Lebewesen. Manche Lebewesen werden durch die Brände limitiert, andere gefördert. Flächenbrände fördern die Remineralisierung organischer Reststoffe (Holz enthält 0,2 % Vor allem größere, unbewegliche bis 0,8 % Mineralien, vor Pflanzen haben Anpassungen an allem Kalium) Stickstoffregelmäßige Brände entwickelt. bindende Leguminosen z. B. gedeihen nach Bränden besonders gut. Die australischen Grasbäume haben nicht nur Anpassungen zum Überstehen von Bränden entwickelt, sondern benötigen diese sogar zum Wachstum, da diese die weniger feuerresistente Konkurrenz limitieren und die Remineralisierung von Nährstoffen fördern. Die Korkeichen sind mit ihrer besonders gut

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OEKOLO UM T FAKTO FEUER

isolierenden Rinde gegen Feuer weitgehend geschütz und können die verlorenen Blätter und jungen Äste aus dem unversehrten Kambium erneut bilden. Arten der Gattung Banksia behalten ihre Samen zeitlebens an der Mutterpflanze. Erst wenn diese durch Feuer zerstört wurde und die Samen einer ausreichend großen Hitze ausgesetzt wurden, können diese keimen. Die im Südosten der USA beheimatete Sumpfkiefer Pinus palustris ist gegen Feuer resistenter als jede andere dort wachsende Baumart. Ihre Endknospen sind durch feuerresistente lange Nadeln geschützt. Ohne die Brände würden die Kiefern von den dann vermehrt wachsenden nicht brandresistenten Pflanzen verdrängt. Zahlreiche Zypressen geben ihre Samen erst dann aus den fest geschlossenen Zapfen frei, wenn die Elternpflanze durch Feuer getötet wird. Die Sämlinge haben dann ideale Wuchsbedingungen. Für die meisten Tiere sind die Auswirkungen von Bränden indirekter Art, da sie diesen meist durch Mobilität entkommen

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Waldbrand in Russland, der laut Greenpeace jährlich eine Fläche von 10 Millionen Hektar Wald und Wiesen zerstört. Kraemer

können. Eine Ausnahme stellt der Prachtkäfer dar, da er mittels spezieller Infrarotsensoren gezielt nach einem Brand besonders warmes Feuer verändern das Holz zur Eiablage Ökosystem auch in kliansteuert. matischer Hinsicht. Das Ein verändertes Mikro-, das regionale Mikroklima wird und das globale Klima durch die Verwird beeinflusst durch nichtung des BeFeuer. wuchses erzeugt. Eine Erhöhung der Sonneneinstrahlung und der Lichtabsorption am Boden, stärkere Luftbewegung am Boden und die Reduzierung des Wasserhaltevermögens ist die Folge.


„FEUER  IST DER  FEIND DES WALDES.“  SIR BANDIS Durch großräumige Feuer wird das lokale oder regionale Klima beeinflusst. Hier erfolgt eine Reduzierung der Sonneneinstrahlung durch Rauchwolken und Veränderungen des Wasserkreislaufs wie Überschwemmungen in flussabwärts gelegenen Gebieten durch fehlendes Wasserrückhaltevermögen. Häufung von Großfeuern setzt Kohlenstoffdioxid und Feinstaub in großer Menge frei und trägt damit zur Erwärmung der Atmosphäre bei. Dies hat eine globale Klimaänderung zur Folge.

Die Erkenntnisse über den Umweltfaktor Feuer haben dazu geführt, dass im Naturschutz Feuer gezielt gelegt und kontrolliert werden, um die natürliche Vegetation zu erhalten. So werden in England Heidemoore abgebrannt, um den Bestand an Moorhühnern zu erhöhen, da diese sich von den Knospen der nach Bränden nachwachsenden Heide ernähren. Der Freiburger Feuerökologe Johann Georg Goldammer praktiziert und wirbt weltweit für diese Methode der Umweltpflege, oft gegen den Widerstand von Naturschützern und Feuerwehrleuten. Kontrollierte Brände, die nicht die Kronen der Wälder erreichen sind aber von großem Nutzen für die Erneuerung der Pflanzenwelt. Sie führen neues Licht und Dünger den unteren Bereichen des Waldes zu und sorgen für eine regelmäßige Beseitigung des Totholzes. Kleintiere

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überstehen diese Prozedur oft gut, da sie sich in angrenzende Bereiche verziehen. Wälder, die hingegen lange Zeit keinem Brand ausgesetzt waren, bilden zu viel Totholz aus und trocknen derart durch, dass das schädliche Waldbrandrisiko sehr hoch liegt. Diese völlig neue Erkenntnis im Naturschutz erfordert ein Umdenken vom im 19. Jahrhundert vor allem in Deutschland verbreiteten Vorstellung von der ungestörten Waldesruh. In Verwaltung und Wissenschaft wirken bis heute die Arbeiten von Sir Dietrich Brandis (1824 - 1907) nach.

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Griechenland, Kalifornien, Australien – jedes Jahr toben die Feuersbrünste. Der Brandforscher Johann Georg Goldammer kennt die Gefahren von Feuer und seine Chancen.

Ü

ber 200 Tote bei Melbourne, zerstörte Villen in Kalifornien, das antike Olympia durch Flammen bedroht – alle Jahre wieder füllen Schlagzeilen über Feuerkatastrophen die Gazetten. spektrumdirekt sprach mit dem renommierten Freiburger Feuerökologen Johann Georg Goldammer vom Global Fire Monitoring Center, was wir dieses Jahr erwarten müssen, welche Rolle Brände in Deutschlands Landschaft spielen und worauf wir uns zukünftig einstellen sollten. Nach dem langen, feuchten Winter – auch am Mittelmeer: Müssen wir dieses Jahr trotzdem viele Feuer befürchten? Ja, durchaus. Es ist ein Fehlschluss, zu glauben, dass es nicht brennt, wenn es nass war. Gab es im Vorjahr oder im Winter sehr viel Feuchtigkeit, dann ist die Gefahr nicht mehr kontrollier-

barer Feuer im Folgejahr deutlich höher. Denn wegen der guten Wasserversorgung wächst die Gras- und Krautschicht sehr gut. Dieses Brennmaterial, das häufig zyklisch abstirbt, steht dann im Frühling als Treibstoff für Wildfeuer zur Verfügung. Ein Beispiel sind extreme Trockenzeiten in Afrika, auf die im nächsten Jahr sehr wenige Feuer folgen: Wenig frisches Gras wuchs nach, und Vieh oder Wildtiere haben das wenige frische Grün gefressen, weswegen letztlich kaum Brennmaterial vorhanden ist. Nach trockenen Jahren sind die Brandflächen und -intensitäten also deutlich kleiner als nach feuchten Perioden. Es könnte diese Saison folglich am Mittelmeer durchaus heftig brennen. Gilt das nach dem niederschlagsreichen Winter auch für Deutschland? Diese Abhängigkeit von der Wasserversorgung des Vorjahres spielt bei uns eine kleinere Rolle, denn der Unterwuchs ist in den hiesigen Wäldern eigentlich stets vorhanden. Das Angebot von Brennmaterial ist in Mitteleuropa relativ konstant. Herrscht im März und April aber


GIE  WEL R eine starke Trockenheit, wie sie in den letzten Wochen in Nordostdeutschland eintrat, dann ist das Feuerrisiko sehr hoch wegen der nach dem Winter abgestorbenen und ausgetrockneten Vegetation. Was beeinflusst hier zu Lande die Feuergefahr? Absichtliche und fahrlässige Brandstiftung spielen in Deutschland eine entscheidende Rolle – ähnlich wie am Mittelmeer. Dort sind aber vor allem auch unbeabsichtigt außer Kontrolle geratene Landnutzungsfeuer an der Tagesordnung – die gab es immer, und sie wird es immer geben, trotz verschiedener gesetzlicher Maßnahmen. 95 bis 98 Prozent der Feuer in Europa werden durch Menschen und nicht die Natur verursacht. Nimmt die Zahl der Feuer tatsächlich zu, oder ist einfach die Aufmerksamkeit der Medien gestiegen? In Deutschland hat ihre Anzahl nicht zugenommen – im Gegenteil. Zahl und Ausmaß der Brände liegen seit Jahren auf einem annähernd

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konstanten Niveau von einigen hundert bis eintausend Hektar. Die durchschnittliche Größe der Brandflächen in den letzten zehn Jahren beträgt 0,5 Hektar. Und wie sieht es am Mittelmeer aus? In Südeuropa umfasst die Brandfläche seit Jahren ebenfalls regelmäßig 400 000 bis 600 000 Hektar pro Jahr – hier beobachten wir auch keinen Zuwachs. Was zugenommen hat, ist allerdings die Anzahl der Feuer seit den 1980er Jahren. Dieser scheinbare Widerspruch lässt sich mit der effizienteren Brandbekämpfung vor Ort erklären. Seit damals verbesserte sich zudem die statistische Auswertung und die Fernerkundung, die heute auch Feuer erfassen, die früher den Statistikern entgangen sind. Wie beeinflusst das Siedlungsverhalten der Menschen die Feuergefahr? Wir haben im Mittelmeergebiet und in Kalifornien oder Australien unterschiedliche Trends, und diese Regionen lassen sich nur bedingt miteinander vergleichen. In Übersee verlassen die Großstädter die Ballungsgebiete und zersiedeln das Umland, wo sie „im Grünen“ ihr Haus bauen – in Busch – und Waldland, das wir als Feuerökosystem bezeichnen. Sowohl im

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kalifornischen Chaparral, einem mediterranen Ökosystem, als auch in den australischen Eukalyptusbeständen spielt das Feuer eine wichtige ökologische Rolle und kehrt in regelmäßigen Abständen wieder. Baut man hier Häuser hinein, die problematischerweise noch in leicht entflammbaren Materialien wie Holz errichtet werden, dann sind diese Siedlungen extrem anfällig gegen Buschfeuer. Außerdem haben die Behörden in Australien wie in Kalifornien das kontrollierte Abbrennen der Vegetation über Jahre hinweg immer wieder untersagt – wider besseres Wissen. Dabei entspräche dies dem natürlichen Rhythmus des Ökosystems und wurde über die Jahrtausende auch von der ursprünglichen indigenen Bevölkerung praktiziert. Sie legten regelmäßig Feuer, um ihre Jagdchancen zu verbessern und die Lebensräume offen zu halten. Diese Feuer wurden im 19. und 20. Jahrhundert systematisch unterdrückt und verdrängt, obwohl sie die Brandlast und -intensität verringern würden – ohne den Wald zu schädigen. Seit den 1960er und 1970er Jahren hat sich die Einstellung zum Feuer zwar wieder gewandelt,

und seine Wichtigkeit wurde neu erkannt. Doch nun kann in den Gebieten, in denen die Häuser gebaut werden, das kontrollierte Brennen nicht mehr in dem Ausmaß durchgeführt werden, wie es wünschenswert und sinnvoll wäre. Dazu kommen Auflagen der Umweltbehörden zur Luftreinhaltung, denn die Feuer setzen Partikel frei, die gesundheitsschädlich sind. Man darf daher heute nicht mehr so einfach brennen, wie man wollte und es nötig ist. In Australien wie in Kalifornien hat sich daher ein erheblicher Rückstand bei dieser Managementmethode angestaut und eine enorme Brandlast aufgebaut. Wodurch unterscheidet sich Südeuropa? Am Mittelmeer beobachten wir eine gegenteilige Bewegung, denn es herrscht überwiegend Landflucht. Das spiegelt sich im Extrembeispiel Griechenland wider, wo es 2007 sehr heftig gebrannt hat. Mit der massiven Landflucht und der Vergreisung wie Entvölkerung der Dörfer starb die Landwirtschaft, und es wurde immer weniger Brennholz in den Wäldern gesammelt. Die pflanzliche Biomasse wird immer weniger genutzt und sammelte sich in einem in der gesamten Kulturgeschichte der Region nie gekannten Ausmaß in der Landschaft an. Bricht nun ein Wildfeuer aus, findet es reichlich Nahrung und gerät rasch außer Kontrolle.


„WIR MUESSEN  LERNEN, MIT  DEM FEUER ZU LEBEN.“ GOLDAMMER

In Portugal tragen die hochentzündlichen Plantagen von Kiefern und Eukalypten dazu bei, dass Wildfeuer ein größeres Ausmaß annehmen. Schlussendlich sind da noch die Besitzverhältnisse: In vielen Ländern Europas wird der Kleinprivatwaldbesitz von den Eigentümern, die in den Städten leben, vernachlässigt. Die Wälder werden nicht mehr bewirtschaftet und gepflegt – das trägt zu Veränderungen bei, die zu heftigeren Feuern führen. Es wird immer behauptet, viele Feuer gingen auf Brandstiftung zur Landgewinnung oder -spekulation zurück. Sind das noch Faktoren? Beide Gründe sind nicht zu vernachlässigen. Aber das enorme Ausmaß, das ihnen als Brandursache nachgesagt wird, gehört in das Reich der Sage. Die meisten Staaten haben hierzu klare Vorschriften: Land, das als Wald in den Katastern eingetragen ist, bleibt Waldland, auch wenn es abgebrannt ist. Auf lokaler Ebene kann es da natürlich „Ausrutscher“ geben, und die Gesetze werden zu locker ausgelegt, so

dass auf versengtem Land gebaut wird. Dieser Faktor wird aber genauso überbewertet wie die Legende von der weggeworfenen Zigarette oder dem „Brennglaseffekt“ von Glasflaschen als wichtige Ursache von Waldbränden. Fahrlässige Brandstiftung geht vorwiegend von der Landwirtschaft aus: Immer noch verbrennen viele Bauern traditionell Erntereste oder Weideflächen, um abgestorbenes Pflanzenmaterial zu entfernen. Diese Feuer geraten heute jedoch zunehmend außer Kontrolle. Zum einen fehlen in den entsiedelten Dörfern die Bewohner, um bei diesen Aktionen zu helfen und die Brände in Zaum zu halten. Zum anderen verwildern zwischen Waldflächen gelegene und ehemals genutzte Flächen, die zu Zeiten ihrer

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Nutzung wie Feuerschneisen wirkten. Jetzt können sie aber das Feuer von Waldbestand zu Waldbestand weiter tragen. Viele Ökosysteme sind auf Feuer angewiesen. Inwiefern? Eine ganze Reihe von Vegetationstypen hängen mehr oder weniger stark davon ab – von den australischen Eukalyptuswäldern über die afrikanischen Savannen und die mediterranen Buschländer bis hin zu den Nadelwäldern der Taiga. Angepasste und feuertolerante Ökosysteme ähneln sich: Feuer, das in regelmäßigen, kurzen Zyklen auftritt, schädigt sie nicht, weil es viele Pflanzen gibt, die es überleben. Ohne Feuer nehmen andere Arten überhand und verdrängen großflächig die toleranten Vertreter. Dadurch sinkt letztlich die Artenvielfalt, weil die empfindlichen Spezies ihre Konkurrenz verdrängen. Eine extremere Form der Anpassung ist die Abhängigkeit von Feuer: Diese Pflanzen können sich ohne Brände nicht regenerieren. Die Zapfen oder Samenkapseln bestimmter Kiefern oder Eukalypten beispielsweise sind so fest mechanisch oder von Harz verschlossen, dass Sonnenstrahlung sie nicht knackt. Sie brauchen die

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Hitze eines Brandes, um sich zu öffnen. Schließt man hier Feuer systematisch aus, bedroht das die Arten in ihrem Überleben. Eine große Umweltschutzorganisation hat 2008 behauptet, wegen der starken Brände am Mittelmeer würde die Region bald verwüsten, weil kein Wald mehr nachwachsen könne. Stimmt das, oder fällt dies unter den Begriff Panikmache? Der Trend der Landflucht führt dazu, dass es in extrem trockenheißen Sommern sehr intensiv und unkontrollierbar brennen kann, weil sich viel Zündstoff ansammelt. Mitunter lassen sich diese Feuer nicht einmal mehr wirksam bekämpfen, weil sie so heiß und großflächig brennen. Sie glühen den Boden aus und vernichten die Humusschicht, was im folgenden Herbst mangels haltender Wurzeln zu starker Erosion führt, wenn die Niederschläge beginnen. Das erschwert die Wiederbewaldung auf diesen Standorten extrem.

Der Klimawandel erwärmt viele Regionen und macht sie trockener. Womit müssen wir zukünftig rechnen? Es ist klar, dass in feuergefährdeten Gebieten das Risiko weiter steigt, wenn sich die sommerlichen Trockenzeiten weiter verschärfen – so wie 2003 oder 2005. Das gilt dann unabhängig von der Vorjahressituation. Man muss aber eines deutlich sagen: Fast alle Feuer entstehen durch den Menschen, die Natur bringt den Zündfunken nicht mit sich. Es liegt also weiterhin an uns. In manchen Regionen wie dem österreichischen Alpenraum lösen allerdings Blitze bis zu einem Viertel der Brände aus. Dieser Einfluss könnte zukünftig durch ausgedehntere sommerliche Dürrephasen wachsen und größere Schäden verursachen. Gerade diese Ökosysteme reagieren aber sehr empfindlich auf die Störung, denn Bergrutsche, Erosion oder Steinschlag erschweren ihre Regeneration. Die Konsequenzen für die im Tal liegende Infrastruktur sind dann natürlich erheblich. Was kommt auf Deutschland zu? Steigt die Waldbrandgefahr, etwa in Fichtenwäldern? Nicht unbedingt. Die Fichte als Brotbaum der Waldwirtschaft wächst zum Beispiel vielfach in Regionen, die vorerst nicht so stark von Austrocknung betroffen sein werden wie in den


„GROESSERE WALDBRAENDE  WAEREN OHNE DEN MENSCHEN  EINE EXTREM  SELTENE ERCHE INUNG.“  WI K IPEDIA Mittelgebirgen. Andernorts werden sie von den Forstleuten ersetzt werden müssen – aber nicht unbedingt wegen der Feuergefährdung. Die Fichte verträgt zwar nicht einmal leichte Brände, doch entscheidend ist vielmehr, dass sie mit Trockenheit nicht zurechtkommt – im Gegensatz zur Kiefer. Ihre großflächigen Aufforstungen in Brandenburg sind einerseits sehr feueranfällig. Ökologisch gesehen ist die Kiefer verglichen mit Fichten oder unseren Laubbäumen jedoch ebenso resistent gegenüber Feuern. Das mag paradox klingen, aber bei angemessener Behandlung und Bewirtschaftung dürfte dieser Waldtyp zukünftig am besten mit den neuen, extremeren Bedingungen zurechtkommen.

Wie müsste sich unser Verhalten bezüglich des Feuers verändern? In Deutschland haben wir eine Entwicklung, die jener in Südeuropa ähnelt, denn auch hier zu Lande ziehen die jungen Menschen in die Städte und entsiedeln sich abgelegene Gebiete. Zunehmend fallen Flächen brach, insbesondere in Problemzonen wie Hanglagen in den Mittelgebirgen oder Heideland. Sie verwildern oder werden aufgeforstet: Der Mix aus Kultur– und Waldland löst sich teilweise auf. Die Freiräume, die einen Waldbrand stoppen konnten, überwachsen, und die empfindlichen Areale vergrößern sich. Wir sollten also lernen, mit dem Feuer zu leben. Und die Akzeptanz dafür wächst zunehmend. In den 1970er Jahren durften wir aus emotionalen Gründen und wegen des Brennverbots im Bundesnaturschutzgesetz beziehungsweise den Landesnaturschutzgesetzen Feuer nicht als Maßnahme der Landschaftspflege und zum Schutz der Artenvielfalt einsetzen. Heute nutzt man dagegen in vielen Bundesländern und Vegetationstypen zunehmend das kontrollierte Feuer, um Offenlandstrukturen – insbesondere Heidelandschaften – zu erhalten.

Das Gespräch führte Daniel Lingenhöhl. Der Artikel ist am 19.05.2009 in „die Zeit“ erschienen.

Herr Goldammer, wir danken Ihnen für das Gespräch.

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OEKOLO GIE BR A NDBEGLE I TER FEUERSTURM A

ls Feuersturm bezeichnet man den Kamineffekt bei großen Flächenbränden, bei denen durch starke Hitzeentwicklung heiße Luft über dem Brandherd emporsteigt und der entstehende Sog Frischluft nachzieht. Bei diesem Kamineffekt entsteht somit eine positive Rückkopplung – die Zufuhr frischer Luft facht das Feuer weiter an. Begünstigt werden Feuerstürme durch eine talförmige Geländeformation sowie durch eine fächerförmige Anlage der Initialbrände, wobei die Spitze des Fächers in die Feuerstürme gelten allgemein Richtung zeigt, aus der der als nicht aktiv löschbar. Sie Wind kommt. enden meist wegen fehlendem Ein Feuersturm wird geleweiteren Brennmaterial. gentlich mit einem Großbrand verwechselt, bei dem jedoch nicht solche Rückkoppelungseffekte auftreten. Ein Feuersturm kann nur entstehen, nachdem sich ein großflächiger, zusam-

Links ein Bild zum „Kamineffekt“ eines Feuersturms, vielleicht auch als Infografik  Krämer

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menhängender Brandherd gebildet hat (z.B. durch das Zusammenwachsen von einzelnen kleinen Bränden). Feuerstürme können bei großen Waldbränden und bei Bränden von Stadtvierteln oder Städten entstehen. Einige Flächenbombardements im Zweiten Weltkrieg führten zu Feuerstürmen. Nach atomaren Explosionen – den beiden Atombombenabwürfen in Hiroshima und Nagasaki sowie oberirdischen Kernwaffentests – wurden sie ebenfalls beobachtet.

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euertornado ist ein wissenschaftlich nicht korrekter, aber im Sprachgebrauch verwurzelter Begriff für einen vertikalen, mit Flammen erfüllten Luftwirbel bei größeren Bränden. Es handelt sich dabei nicht um echte Tornados, sondern um so genannte Kleintromben, die man mit Staubteufeln vergleichen kann. [1] In diesem Gebilde ist die Strömungsgeschwindigkeit sehr groß und es wird durch die Luft ständig neuer Sauerstoff zugeführt, der dafür sorgt, dass die Verbrennung sehr intensiv wirkt.

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n seinem Buch „Der Brand“ zeigt Autor Jörg Friedrich anhand von Recherchen, dass das RAF Bomber Command gezielt an der Erzeugung eines solchen Feuersturms arbeitete. Hierzu wurden sowohl städtebauliche, architektonische, meteorologische, als auch tageszeitliche Erwägungen zusammengetragen. Zusammenfassend stellte man fest, dass eine Großstadt mit Sprengbomben allein nicht mit vertretbarem Aufwand zerstörbar wäre. Ein Feuersturm hatte zum Ziel, der Zivilbevölkerung die Überlegenheit der Royal Air Force zu zeigen und auch

die Festungsmentalität der Deutschen zu schwächen, denn einem Feuersturm konnte kein menschliches Bauwerk widerstehen und selbst die zivilen Bunker hätten keine Sicherheit geboten. Der Luftangriff erfolgte mit deutlichem Abstand zum Sonnenuntergang, da eine abgesunkene Temperatur am Boden den Thermik-Effekt fördern würde. Das Zielgebiet wurde daraufhin von Flugzeugen der Pathfinder Force mit Leuchtkugeln markiert, ein Ampelsystem verschiedener Leuchtkugelfarben sorgte bei den in Formation fliegenden Bombern für das Ausstreuen eines sehr gleichmäßigen an das Terrain angepassten Bombenteppichs. So wurden in einer ersten Angriffswelle vor allem Luftminen abgeworfen. Da eine Luftmine wesentlich dünnwandiger ist als eine herkömmliche Sprengbombe und ihr Sprengstoffanteil um so höher ausfällt, ist die Druckwelle enorm groß und vermag Fenster zu zerstören und Dächer abzudecken.


„UM  FEUERWEHRLEUTE ZU TÖTEN  ODER ZU DEMORALISIEREN…“ FRIEDRICH

Zeitgleich wurden aus großer Höhe aufschlaggezündete Sprengbomben abgeworfen. Diese drangen vor der Detonation ins Erdreich ein und zerstörten einen Teil der städtischen Frischwasserleitungen. Infolgedessen sank der Druck im Hydrantensystem und erschwerte so das Löschen. Ferner sorgten diese sehr weitgestreut abgeworfenen Bomben für eine Zerstörung oder Verschüttung der Straßen und somit eine Erschwerung des Löschens und Bergens. In der zweiten Angriffswelle wurden dann kleine Brandbomben abgeworfen.

Diese fielen in die bloßgelegten zundertrockenen Dachstühle und entfachten starke Feuer. Um Feuerwehrleute zu töten oder zu demoralisieren wurden Verzögerungszünder und Linksgewinde verwendet, also Bomben, die beim Entschärfen oder während der Löschversuche explodierten. Als Folge der Bemühungen entstand auf den Häuserdächern eine Ebene mit enorm heißen Verbrennungsgasen, die durch die ihr eigene Thermik aufwärts strebten und von den Seiten kühle Frischluft anzogen. Hierdurch wurde das in den unteren Häuseretagen verursachte Feuer angefacht und innerhalb kurzer Zeit kam es zu einem selbstverstärkenden Rückkopplungseffekt, bei dem das Feuer sich durch den entstehenden Luftzug selber anfachte.

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Zu diesem Zeitpunkt war ein Aufhalten nicht mehr möglich; auch einfachere Schutzkeller und Zivilbunker konnten vor der entstehenden Hitze nicht ausreichend schützen. Durch die Intensität des Feuers konnten Flammen über 2000 Grad Celsius heiß werden. Ihre Strahlungshitze zerstörte Stahl, brachte Straßenbeläge zum Schmelzen und setzte sie in Brand. Ein großer Feuersturm kann durch die Corioliskraft auch in Rotation geraten und dann einen Wirbelsturm bilden.

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as Global Fire Monitoring Center in Freiburg im Breisgau ist seit 1998 die einzige europäische Forschungsstelle zur Sammlung von Daten im Zusammenhang mit Waldbränden. Leiter dieser Zweigstelle des Max-Planck-Instituts für Chemie ist Professor Johann Georg Goldammer, der im Auftrag der Vereinten Nationen (UN International Strategy for Disaster Reduction (UN-ISDR)) am Global Fire Monitoring Center (GFMC) u.a. im Rahmen seiner Professur für Feuerökologie mit Hilfe

seiner Forschung Strategien zur globalen Waldbrandbekämpfung entwickelt. Die Waldbrandgefährdung kann in Deutschland durch verschiedene Waldbrandgefahrenindizes oder Waldbrandgefahrenklassen ermittelt werden und wird teilweise als Waldbrandwarnstufe veröffentlicht. Sie dienen vor allem der Prävention von Waldbränden. Die Vorgehensweise und Einteilung ist regional unterschiedlich und wird meist in Waldbrandschutzverordnungen geregelt. Nach der internationalen Gefährdungseinteilung gibt es fünf Stufen 1 bis 5, wobei Stufe 5 die höchste Gefährdung anzeigt. Die aktuelle Gefährdungsstufe ist bei der örtlichen Feuerwehr oder dem Deutschen Wetterdienst zu erfahren.


OEKOLO GIE  BRA NDTECHNIK  ORGANISATIONEN D

as M-68-Modell wurde in der DDR entwickelt und auf Grund seiner Zuverlässigkeit vom Deutschen Wetterdienst übernommen. Meteorologische Eingangsgrößen sind: Mittagswerte der Lufttemperatur, Mittagswerte der relativen Luftfeuchte, Mittagswerte der Windgeschwindigkeit, 24-stündige Niederschlagssumme, morDie EU-Kommission klassigendliche Schneehöhe fizierte die Wälder Europas (nur im Frühjahr). Diese in verschiedene Stufen der Werte werden mit Daten Gefährlichkeit. zur Waldbrandgefahrensklasse und zum Vegetationszustand in Verbindung gebracht. Während trockener Waldbodenbewuchs die Brandgefahr erhöht, wirkt grüne Vegetation gefährdungsmindernd. Als Ergebnis werden örtlich bezogene Gefährdungsstufen berechnet. Im ursprünglichen Verfahren gingen diese von Stufe

0 bis 4, inzwischen wurden sie jedoch an die internationalen Gegebenheiten angepasst und auf 1 bis 5 festgelegt. Die EU-Kommission klassifizierte die Wälder Europas in verschiedene Stufen der Gefährlichkeit. Beispielsweise liegt Brandenburg in Deutschland auf der höchsten Stufe und ist damit der gleichen Gruppe zugeordnet worden wie Südfrankreich, Korsika und Südspanien.

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ölzweiggekrönte Läufer von Elis auf. Sie riefen den Olympischen Frieden (Ekecheiria) aus: während der Olympischen Spiele der Antike sollten alle kriegerischen Auseinandersetzungen ruhen, damit Athleten und Publikum ohne Gefahr nach Olympia reisen konnten. Ursprünglich waren Fackelläufe (griechisch lampadedromia) ein besonders in Athen beliebter nächtlicher Wettlauf mit Fackeln, der später auch zu Pferd durchgeführt wurde. Der Wettkampf bestand darin, möglichst schnell ans Ziel zu gelangen, ohne die Fackel verlöschen zu Nachdem die Flamme, das lassen. Diese Läufe wurolympische Feuer, im antiken den insbesondere an den Olympia durch einen BrennFesten für Pan, Artemis spiegel entzündet worden war, und an den Panathenäen wurde sie über 3187 Kilometer und Prometheen zu Ehren von 3331 Läufern, die zusamder olympischen Feuergötmen die Stafette bildeten, in ter abgehalten. Später in zwölf Tagen und elf Nächten der griechischen Antike von Griechenland nach Berlin waren „Läufer“ Boten, die getragen. Nachrichten an verschiedene Personen, Städte (Polis), deren Statthalter und an weit entfernte Bürger überbrachten. Diese meist jungen Männer überbrachten Friedens-, Kriegs- und andere Nachrichten. Der Legende nach hat sich hieraus der Marathonlauf entwickelt.

er olympische Fackellauf ist eine Eröffnungszeremonie der Olympischen Spiele in der Neuzeit, die seit den Olympischen Sommerspielen 1936 in Berlin ausgeführt wird. Die Tradition des olympischen Feuers reicht bis in die griechische Antike zurück; das Feuer wurde zu Ehren der Göttin Hestia entzündet. Während der Olympischen Spiele der Antike wurden keine Fackelläufe durchgeführt. Um den anderen griechischen Städten die Wettkämpfe und deren genauen Zeitpunkt anzukündigen, brachen


MENSCHENHA ND  INTERNA TIONA LER SPO RT OLYMPISCHES FEUER Bei den Olympischen Spielen der Neuzeit wurde das erste Mal bei den Olympischen Sommerspielen 1928 in Amsterdam ein olympisches Feuer entzündet. Es gab jedoch weder einen Fackellauf vor der Eröffnungsfeier noch wurde die Flamme von einer bekannten Person entzündet. Nach einer Idee von Alfred Schiff und Carl Diem wurde der erste Fackellauf bei den Olympischen Sommerspielen 1936 in Berlin unter Anweisung Joseph Goebbels’ von den Nationalsozialisten veranstaltet. Die Fackeln wurden vom Rüstungskonzern Krupp aus Holz und Metall in der Form eines Ölbaumblattes produziert. Der Fackellauf wurde von Leni Riefenstahl in dem Film „Olympia“ nachinszeniert.

Die Jugendorganisation der Kommunistischen Partei Griechenlands OKNE plante, allerdings ohne Erfolg, ein Durchkommen der olympischen Fackel nach Deutschland zu verhindern. In Jugoslawien und der Tschechoslowakei gab es Proteste, die von Sicherheitskräften niedergeschlagen wurden. Dennoch gelang es Demonstranten in Prag, die Fackel vorübergehend zu löschen. Für die Olympischen Winterspiele wurde das Feuer zum ersten Mal zu den Spielen 1936 in Garmisch-Partenkirchen entzündet. Die Zeremonien des Fackellaufes und der Entzündung des olympischen Feuers als Teil jeder Eröffnung von Olympischen Sommerspielen wurden weitgehend unkritisch übernommen. 1952 fand vor der Austragung in Oslo der erste Fackellauf bei Olympischen Winterspielen statt. Weil das norwegische Morgedal als Wie-

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Cathy Freeman, eine von den Ureinwohnern abstammende Leichtathletin, entfacht als letzte Fackell채uferin das Olympische Feuer der Sommerspielen 2000 in Sydney, Australien. Illustration Kraemer


„BOYKOTTIE RT  DAS LAND, DAS DIE MENSCHENRECHTE MIT FUESSEN TRITT.“ REPORTER OHNE GRENZEN

ge des Skisports galt, begann er dort und nicht wie üblich in Olympia. Das Feuer wurde nicht durch einen Hohlspiegel entzündet, sondern am Herd in der Hütte von Sondre Norheim. Vor den Winterspielen in Lillehammer 1994 wurde die Flamme im Januar 1994 in Weltweit bekannte UnterKöln von protestierenden nehmen sponsern seit den Studenten gelöscht. 1990er Jahren den olympischen Seit den Olympischen Fackellauf. So investierten Sommerspielen 2000 in Coca-Cola und Samsung 2004 Sydney werden die Statioetwa 18 Millionen Euro in den nen weltweit und seit 2004 Fackellauf. auf jedem Kontinent ausgewählt. Bei den Winterspielen ist die Route kürzer. Zu heftigen Protesten kam es bei dem Fackellauf unter dem offiziellen Motto „Reise der Harmonie“ im Vorfeld der Olympischen Sommerspiele 2008 in Peking vor allem in Europa und den Vereinigten Staaten. Bereits während der traditionellen Entzündung der Flamme in Olympia unterbrachen drei Demonstranten der

Organisation Reporter ohne Grenzen die Zeremonie und entrollten ein Spruchband, auf dem zu lesen war: „Boykottiert das Land, das die Menschenrechte mit Füßen tritt.“ China wollte, dass die Fackel auch durch die von Unruhen erschütterte Provinz Tibet getragen wurde. In der Folgezeit war der olympische Fackellauf immer wieder von Protesten begleitet. Die Fackel wurde dabei während der gesamten Strecke ständig von einer speziell zu diesem Zweck geschulten chinesischen Einheit beschützt. Mehr als tausend Bürgerrechtler demonstrierten gegen die Tibet-Politik der „Volksrepublik China“ in London im April 2008. Am 7. April 2008 wurde der Fackellauf

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Strecke des Fackellaufs bei den Sommerspielen 2012 in London.  Schaubild: Kraemer


in Paris trotz eines Aufgebotes von rund 3000 Polizisten aufgrund von Protestaktionen abgebrochen, in deren Folge die Flamme mehrfach erlosch. Auch in San Francisco kam es zu Zwischenfällen. Am 8. April kletterten drei protibetische Demonstranten an der Golden Gate Bridge hoch und befestigten daran zwei Banner, die „One Ungewöhnliche Transportmitworld one dream“ und tel waren 1976 die virtuelle „Free Tibet“ verkündeten. Übertragung per Satellit, 1992 Als die Demonstranten der Transport mit der Concorde, von der Brücke herunter1994 die Übergabe während geklettert waren, wurden eines Fallschirmsprungs und sie festgenommen. Der 2000 durch Taucher im Meer IOC-Präsident Jacques Rogvor der australischen Küste. ge versicherte aber, dass der Fackellauf trotz einer momentanen Krise nicht abgebrochen würde.

Australien drohte mit der Festnahme der chinesischen Fackelwächter, sollten diese am 24. April in den Fackel­lauf in Canberra eingreifen. Die Fackelwächter waren bereits in anderen Städten unangenehm aufgefallen. Zur Sicherung des Fackellaufs in Tibet wurden Besteigungen des Mount Everest sowohl von chinesischen wie auch von nepalesischen Behörden zeitweilig untersagt. Auf der chinesischen Seite wurde der Fackellauf in Tibet militärisch gesichert. Als Reaktion auf die Proteste beschloss das IOC am 27. März 2009, bei zukünftigen Olympischen Spielen den Fackellauf auf das jeweilige Gastgeberland zu beschränken. Die Regelung soll ab den Olympischen Sommerspielen 2016 verbindlich gelten; die Veranstalter der Spiele 2010 und 2012 kündigten 2009 an, auf einen weltumspannenden Fackellauf zu verzichten.

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Olympische Fackel, wird möglichst in Olympia entzündet und bekommt bei allen Spielen ein anderes Gewand. Spektakuläre Transporte mit eingeschlossen. Illustration Kraemer

Die Eröffnungszeremonie wird vom Nationalen Olympischen Komitee Griechenlands organisiert. Die olympische Flamme wird im griechischen Olympia einige Monate vor der Eröffnung der Olympischen Spiele von Schauspielerinnen in der Rolle von Priesterinnen vor den Ruinen des Hera-Tempels entzündet. Bekleidung und Choreografie folgen antiken Vorbildern. Das Feuer wird mithilfe eines Parabolspiegels durch Bündelung des Sonnenlichts entfacht und anschließend in einem Tongefäß in das alte Stadion getragen. Dort wird die Flamme durch die „Hohepriesterin“ dem ersten Läufer mit-


„ONE WORLD  ONE DREAM. FREE TIBET.“ DE MONSTRANTE N

hilfe einer Fackel übergeben. Sollte die Sonne während der offiziellen Zeremonie einmal nicht scheinen, gibt es einen Plan B: Tage vorher wird in einer Schönwetterzeit das Feuer auf die vorgeschriebene Weise entzündet und in einer Sicherheitslampe verwahrt, an der die „Hohepriesterin“ ihre Fackel entzünden kann. Erste Station ist das antike Panathinaikon-Stadion in Athen, in dem auch die ersten Olympischen Spiele der Neuzeit 1896 stattfanden. Der weitere Verlauf wird durch das Organisationskomitee der jeweiligen Olympischen Spiele organisiert. Die Fackel wird normalerweise von Staffelläufern zu Fuß getragen, bei den Spielen in Berlin 1936 und Moskau 1980 wurde sie ausschließlich zu Fuß getragen,

über längere Distanzen ist aber eine Beförderung mit anderen Transportmitteln wie Pferd, Auto, Fahrrad, Flugzeug oder Schiff möglich. Um einen sicheren Transport zu gewährleisten, kann die Flamme in eine Grubenlampe verbracht werden. Die Läufer sind nicht nur Prominente, auch unbekannte Personen können am Fackellauf teilnehmen. Der Höhepunkt der Reise des olympischen Feuers ist die Eröffnung der Olympischen Spiele. Der

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Schlussläufer, meist ein Sportler oder Prominenter, entzündet im Stadion das olympische Feuer. Solange das olympische Feuer brennt, sollen die Völker ihre Streitigkeiten ruhen lassen und gemeinsam diese sportlichen Wettkämpfe bestreiten. Das olympische Feuer wird im Laufe der Abschlussfeier gelöscht. Fackeln wurden früher durch Pech oder Petroleum versorgt, moderne Fackeln werden mit Gaskartuschen betrieben. Während des ganzen Fackellaufes darf die olympische Flamme nicht erlöschen; andernfalls müsste sie laut dem Zeremoniell in Olympia neu entfacht werden. Aus diesem Grund wird die Mutterflamme in Sicherungslaternen mitgeführt, von der die Flamme wieder übernommen werden kann. Umstritten ist, dass der Fackellauf seit 2004 von Sicherheitskräften des Gastgeberlandes begleitet wird.

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„UM DIE WELT“ Der Fackellauf führte per Flugzeug „um die Welt“, dabei wurden alle ehemaligen Gastgeberländer besucht. Bei den Sommerspielen in Athen 2004.

Tage war die Olympische Fackel von Olympia, Griechenland, nach Athen, Griechenland unterwegs. Rund 90.000 km wurde mit knapp 11.000 Läufern zurückgelegt. Bei den Sommerspielen in Athen 2004.

101.866 Läufer machten beim Olympischen Fackellauf mit. Gestartet wurde in Olympia, Griechenland und Ziel war die japanische Hauptstadt, Tokio. Bei den Sommerspielen in Tokio 1964.

62 Städte besuchten die Läufer mit der Olympischen Fackel in China. Bei den Sommerspielen 2008.

YOSHINORI SAKAI

2× LONDON

war der Schlussläufer des Olympischen Fackellaufs der Sommerspiele in Tokio, 1964. Er wurde am Tag des Atombombenabwurfs in Hiroshima geboren.

wurden die Sommerspiele maximal im gleichen Land ausgetragen. Dabei waren die Sommerspiele 1948 und 2012 beide sogar in der gleichen Stadt.


114

43

Tage war die Olympische Fackel von Olympia, Griechenland, nach Vancouver, Kanada unterwegs. Mit Hilfe von knapp 12.000 Läufern wurde eine Strecke von rund 45.000 km zurückgelegt.

Städte sind bei den kommenden Winterspielen in Sotschi, Russland, 2014 geplant zu besuchen.

16.300

3× USA

Läufer waren am Olympischen Fackellauf zu den Winterspielen in Japan 1972 beteiligt. Das Feuer wurde von Griechenland mit den Flugzeug nach Japan geflogen.

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wurden die Spielen maximal in einen Land ausgeführt. In den USA fanden die Winterspiele 1960 in Sqauw Valley, 1980 in Lake Placid und 2002 in Salt Lake City statt.

Die Olympischen Spiele, Sommer- wie auch Winterspiele, fanden bisher im Wechsel auf verschiedene Kontinente statt. Afrika, ist der einzige Kontinent, wo noch keine Olympischen Spiele ausgeführt wurden. Bisher sind 23 Olympische Spiele festgehalten.

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olympisches feuer/lichtverschmutzung


D

er Begriff der Lichtverschmutzung bezeichnet die massive und zunehmende Aufhellung des Nachthimmels durch künstliche Lichtquellen, deren Licht in den Luftschichten der Erdatmosphäre gestreut wird und wodurch Flora und Fauna in ihrem natürlichen Hell-Dunkel-Rhythmus gestört werden. Ebenfalls stört und verhindert die Lichtverschmutzung astronomische Beobachtungen des Nachthimmels in ihrer näheren Umgebung. Das Phänomen der Lichtverschmutzung wird auch Lichtsmog genannt und gilt als Sonderform des Elektrosmogs. Künstliche Lichtquellen „verschmutzen“ die natürliche nächtliche Dunkelheit und können deshalb als eine spezielle Art der Umweltverschmutzung angesehen werden. Es ist nach wie vor umstritten, ob künstlerische Aspekte wie das Anstrahlen von Sehenswürdigkeiten dies rechtfertigen.

Die größten Verursacher von Lichtverschmutzung sind Großstädte und Industrieanlagen, die die Nacht durch Straßenbeleuchtung, Leuchtreklamen, Videowalls, Flutlichtanlagen und Industriebeleuchtung erhellen. Seit einigen Jahren verwenden Diskothekenbetreiber Projektionsscheinwerfer, sogenannte Skybeamer, die tanzende Lichtkegel an den Nachthimmel projizieren. In Einzelfällen wurden gegen diese Art der Werbung rechtliche Maßnahmen erfolgreich durchgesetzt. Auch der Beitrag von Lichtkunst oder Lasershows zur allgemeinen Lichtverschmutzung wird zunehmend kritisch betrachtet. Es ergeben sich die bekannten Lichtglocken über den Städten – so hellt beispielsweise eine Stadt mit einer Einwohnerzahl von 30.000 den Himmel in einem Umkreis von etwa 25 Kilometern auf. Verantwortlich für dieses nach oben geleitete Licht sind vor allem Beleuchtungsanlagen und Straßenlaternen, die ihr Licht zu einem Großteil nicht zum Boden hin, sondern weitgehend ungenutzt zu den Seiten und

nach oben abstrahlen. Eine solche Abstrahlung kann jedoch auch ein gewollter Effekt bei der Gebäudebeleuchtung sein. Kritiker bestreiten die Notwendigkeit einer solchen Beleuchtung und mahnen zudem an, dass diese Lichtquellen z. B. im Straßenverkehr blenden können. Lichtverschmutzung ist eine Begleiterscheinung der Industrialisierung und tritt demnach vor allem in dicht besiedelten Regionen der Industrienationen auf. In Europa beispielsweise ist mehr als die Hälfte der Bevölkerung davon betroffen. Der jährliche Zuwachs der Lichtverschmutzung beträgt in Deutschland ca. 6 %, in Italien 10 % und in anderen Ländern


MENSCHENHA UMWEL

ND  T  LICHTVERSCHMUTZUNG wie z. B. Japan bis zu 12 %. Spitzenwerte des Wachstums wurden und werden in schnell wachsenden Ballungsräumen vor allem in den USA gemessen, so stieg die Lichtausstrahlung in Südontario mit etwa 7–10 % pro Jahr an, in Tucson vor 1972 sogar jedes Jahr um bis zu 15 %. Manche Schätzungen gehen sogar von einem jährlichen 30-prozentigen Anstieg in manchen US-amerikanischen Städten aus. In den letzten 150 Jahren sei in Berlin die Helligkeit klarer Nächte um das Zehnfache, die von wolkigen Nächten um bis zum Tausendfachen gestiegen. Lichtverschmutzung beeinflusst bestehende Ökosysteme. So wie verschmutzte Meere, Böden oder Lufträume für viele Spezies nicht mehr bewohnbar sind, so hat auch die Zerstörung der Nacht vielfältige Folgen. Pflanzen werden durch eine künstlich aufgehellte Umgebung in ihrem Wachstumszyklus beeinflusst: Was bei

Zuchtpflanzen in Gärtnereien durchaus erwünscht ist, kann für empfindliche Naturpflanzen zum Problem werden. So wurde bereits vielfach beobachtet, dass Laubbäume in unmittelbarer Nähe von Straßenlampen ihre Blätter verspätet verlieren, wodurch es wiederum zu Frostschäden kommen kann. Die verbreiteten weißen Lichtquellen mit hohem Blauanteil im Spektrum stellen ein erhebliches Problem für die Navigation oder Orientierung nachtaktiver Insekten und auch für Zugvögel dar. Insbesondere die Auswirkungen von nächtlicher Kunstbeleuchtung auf Insekten sind gut dokumentiert. Untersuchungen aus dem Jahr 2000 zeigen, dass in Deutschland in

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einer einzigen Sommernacht an einer Straßenlaterne durchschnittlich 150 Insekten zugrunde gehen. Rechnet man das auf die ca. 6,8 Millionen Straßenlaternen auf deutschen Straßen hoch, sind dies jede Nacht über eine Milliarde Insekten. Zahlreiche andere Lichtquellen wie die Beleuchtung von Gewerbe- und Industriegebieten, Werbeflächen oder Privathaushalten sind dabei noch nicht berücksichtigt. Je größer die Wellenlänge des Lichts, desto geringer ist die Lockwirkung auf Nachtfalter (Cleve 1964). Ebenfalls gut dokumentiert ist der negative Einfluss von nächtlicher Beleuchtung auf verschiedene Arten von Meeresschildkröten, deren Nachwuchs an einem zu hell erleuchteten Strand den Weg ins Wasser nicht findet und somit zur leichten Beute von Raubtieren wird. Auswirkungen auf zahlreiche weitere nachtaktive Spezies wie beispielsweise Fledermäuse oder Frösche wurden beobachtet.

lichtverschmutzung/impressum


LICHTVERSCHM UTZUNG DIE ERDE BEI NACHT. NASA 2004

Darstellung des Globus bei Nacht außerhalb der Erde (Fotomontage). Lichter (hellrot), Landmasse (rot) und Meeresfläche (dunkelrot) sind abstrakt umgesetzt. Schaubild: Kraemer


Die Auswirkungen auf die Chronobiologie des menschlichen Organismus sind ebenfalls noch nicht abschließend erforscht. Störungen im Hormonhaushalt des Menschen sind jedoch bereits nachgewiesen. Weitere physiologische Störungen sind nicht auszuschließen – so veröffentlichte beispielsweise eine israelische Forschergruppe im Jahr 2008 Daten, die einen Zusammenhang zwischen der Stärke nächtlicher Kunstbeleuchtung und dem Risiko von Brustkrebserkrankungen nahelegen. Postuliert wird auch ein Beitrag der verlängerten Helligkeit zur Akzeleration, dem verfrühten Einsetzen der Pubertät beispielsweise bei Mädchen. Im Zuge der Erfindung der künstlichen Beleuchtung hat sich bei vielen Menschen der Tag-Nacht-Rhythmus verschoben: Die Menschen waren früher fast ausschließlich tags aktiv und ruhten nachts. Durch die permanente Verfügbarkeit von Licht hat sich das verändert. Es ist umstritten, welche Auswirkungen das auf den Menschen hat.

Aktuell gibt es noch keine Untersuchungen darüber, wie viel Energie durch die umstrittenen Lichtquellen und die Gebäudebeleuchtung verbraucht wird. Für die USA wird allerdings geschätzt, dass bereits in den 1990er Jahren knapp eine Milliarde Dollar pro Jahr für die nächtliche Beleuchtung ausgegeben wurde. Einsparungen von bis zu 20 % erscheinen daher unter Betrachtung folgender Tatsachen realistisch: Die ganze Nachtzeit hindurch werden unzählige Straßen, Wege, Parkanlagen und vor allem Gebäudefassaden oder auch Industriekomplexe in voller Intensität beleuchtet und in Szene gesetzt, obwohl es vor allem in der Zeit zwischen 0:00 und 5:00 Uhr morgens so gut wie kein oder nur geringes Verkehrsaufkommen gibt und eine volle Beleuchtung somit einen geringeren Nutzen erbringt.

Fast 50 % des abgegebenen Lichts von Straßenlaternen wird nach oben und zu den Seiten abgestrahlt, wo es nicht nur nutzlos wird, sondern in manchen Fällen im Straßenverkehr gefährliche Blendsituationen bewirken kann. Viele Lichtanlagen sind für ihren eigentlichen Zweck um ein Vielfaches überdimensioniert. Besonders in größeren oder touristisch orientierten Orten ist ein zunehmender Trend zu das Stadtbild schmückenden Beleuchtungen von Gebäuden oder Plätzen zu beobachten. Dem hohen oder teils zusätzlichen Energieverbrauch durch Beleuchtungen im öffentlichen Raum wird allerdings inzwischen auch durch den verstärkten Einsatz effizienter arbeitender Leuchtmittel wie beispielsweise von LEDs zu begegnen versucht. Augsburg gilt deutschlandweit als „Modellstadt für umweltfreundliche Beleuchtung“. Durch Maßnahmen gegen die Lichtverschmutzung im Bereich der öffentlichen Beleuchtung konnte der Stromverbrauch um 20 % gesenkt werden, was zu einer jährlichen Kostenersparnis


„LICHTSMOG  UEBER GROSS  STAEDTEN: ROT GLUEHT  DIE NACHT.“ AXEL BOJANOWSK I/SPIEGEL von 250.000,- Euro führt. Nimmt man an, dass jeder Bürger etwa gleich viel Lichtverschmutzung verursacht, so würde das Projekt eine bundesweite Stromkosteneinsparung von etwa 80 Mio. Euro pro Jahr bewirken. Lichtverschmutzung ist vermeidbar durch begrenzte Beleuchtungszeiten, Reduzierung unnötiger Beleuchtung, gezieltere Beleuchtung, Abschirmung von Lichtquellen, um eine Abstrahlung nach oben und zu den Seiten zu verhindern. Insgesamt betrachtet ist die umstrittene Problematik der Lichtverschmutzung kein Thema in der Gesellschaft und der Politik. Sehr viele Initiativen verlaufen aufgrund mangelnden Interesses im Sande. Eine Gegenposition besagt, dass eine Reduzierung der Beleuchtung automatisch auch eine Reduzierung der Sicherheit auf den Straßen bewirke.

In einigen europäischen Ländern wurden Gesetze eingeführt, um die Lichtverschmutzung in den Griff zu bekommen. Tschechien war der Vorreiter in der Gesetzgebung zu Lichtverschmutzung, setzte seine 2002 geschaffenen strengen Vorlagen bisher aber nur teilweise um. Italien und Spanien sollen demnächst folgen. Slowenien hat seit dem 30. August 2007 ein Lichtverschmutzungsgesetz. Auch in Teilen der USA laufen Initiativen zur Vermeidung übermäßiger Lichtemission. Chile hat ebenfalls Gesetze erlassen, um die Lichtverschmutzung in den nördlichen Zonen zu begrenzen und so das Land als Standort für die Observatorien zu erhalten. Vor allem aber auf einigen regionalen Ebenen laufen derzeit Anstrengungen zur Eindämmung der Lichtverschmutzung: Auf der kanarischen Insel La Palma (von der UNESCO zum Biosphärenreservat ernannt) wurden viele Straßenlaternen umgestellt und die Beleuchtungszeiten gesetzlich geregelt. In den Höhenlagen des dortigen Roque de los Muchachos ist − auch wegen der dort angesiedelten

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Observatorien − die Benutzung des Fernlichts untersagt. Auch in der deutschen Stadt Augsburg wurde die Straßenbeleuchtung der Innenstadt teilweise verändert, indem Dimmer eingesetzt und die bisher verwendeten Hochdruck-Quecksilberdampf- durch Natriumdampflampen ersetzt wurden.

Am meisten verbreitet Bortle-Skala wird in neun Klassen eingeteilt: (1) Ort mit außergewöhnlich dunklem Himmel. (2) Ort mit wirklich dunklem Himmel (3) Landhimmel (4) ländlicher bzw. vorstädtischer Übergang (5) Vorstadthimmel (6) heller Vorstadthimmel (7) Vorstädtischer/städtischer Übergang (8) Stadthimmel (9) innenstädtischer Himmel Die Klassen 1 und 2 treten in Mitteleuropa nicht mehr auf.  John E. Bortle

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04 VIER KAP ITEL NACHSEHEN


V

ier Elemente ist ein äußerst Umfangreiches Thema, was an Aktualität nichts nach sich stehen lässt. Das geballte Wissen über so ein imenses Werk habe ich mir zum größten Teil aus dem Internet zusammengesucht. Die Texte, bis auf das Editorial, sind von einer Seite übernommen worden. Meistens so, wie sie vorgefunden wurden. An manchen Stellen sind die Sätze gestrichen und umgestellt. Einen redaktionellen Eingriff habe ich mir da nicht nehmen lassen. Ein vollkommen eigenständiger Inhalt ist aufgrund der Vielfalt und des Um-


ENDVERZEICH NIS  BUC H FEU ER  IMPRESSUM & QUELLEN fangs leider nicht möglich gewesen. Die Recherchezeit und redaktionelle Zeit hätte, die Semesterzeit bei weiten gesprengt. Ich möchte also daraufhinweisen, dass der Inhalt nicht explizit markiert ist, da es sich im gesamten Werk um fremde Texte handelt und ich mir somit eine gesonderte Markierung, der übersichtshalber spare. Bei anderen Quellen, wie dem Interview habe ich die Herkunft angegeben. Bei der Rubrik „Platonische Körper“ sind die Informationen sowohl aus dem Internet als auch aus dem Buch „Schachtel Mappe Bucheinband“ von Frank Zeier.

Textnachweise/ Bildnachweise www.wikipedia.de unter folgenden Suchbegriffen: Tierkreiszeichen/ Löwe, Widder & Schütze jeweils als Sternbild/ Temperamentenlehre/ Choleriker/Prometheus/ Platonische Körper/Tetraeder/Feuer/ Feuer als Umweltfaktor/Brand/ Buschfeuer/Flächenbrand/Lauffeuer/ Waldbrand/M-68-Modell/ Feuersturm/Feuertornado/Olympischer Fackellauf/Lichtverschmutzung; anschließend noch die dortigen Links bzw. Querverweise. Diese sind allerdings auch in den Quellen von den jeweiligen Seiten angegeben. Das Interview stammt aus der Zeit: http://www.zeit.de/online/2009/20/erde-sd-feuerrisiko-interview

Idee & Gestaltung des Layouts, Buchcover und Illustrationen von Katharina e. Krämer Verwendete Schriften: Swift (Leseschrift) und Gill Sans (Überschriften, Leitsystem & Marginalien) Feuer/Vier Elemente Prof. Andreas Hogan Typografie & Design Sommersemester 2013 4. Semester/FH Trier Katharina e. Krämer http://www.behance.net/lukani

Die verwendeten Bilder bzw Grafiken habe ich nach Vorbild von genannten Quellen selbst grafisch weiter verarbeitet.

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impressum


4 elements fire  

editorialdesign project about one of the 4 elements, fire.

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