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#2

gerne

n eu! t z t e J to o f t i m s to ry e v l n! iebe erl Zum V

Suchste Zoff?

Herz für Kinder

Miss Zoffis Weg – vom Recruiting Day in Hamburg zum Big O in den USA

Wie engagierte Trainer* innen den Nachwuchs för­ dern und zu starken Persönlichkeiten machen

Foto: Karsten Helmholz

3 00 €


noch 'ne Runde... ...noch 'ne Runde, hey, hey! Herzlich will­k ommen zum zweiten Derby Digger, Fanzine für Roller Derby Kultur in deutscher Sprache.

Z

uerst wollen wir uns bedanken. Bei allen, die das erste Heft mitgemacht oder unterstützt haben, bei allen Autor*innen, Fotograf*innen, Comic-Zeichner*innen, Illustrator*innen, Ideengeber*innen und Kontaktevermittler*innen. Und natürlich bei den Leser*innen, denen wir es zu verdanken haben, dass die zweite Ausgabe ein paar Seiten dicker sein kann. Sehr gefreut haben wir uns über alle „Leserbriefe“, die uns auf verschiedenen Wegen erreichten: per E-Mail, als PayPal-Kommentar beim Bezahlen oder Nachricht über unsere Facebook-Seite (da machen wir was) oder durch die Hashtags #DerbyDigger und #DerbyDiggerFanzine auf Instagram (da nicht). Obwohl es jetzt 12 Seiten mehr sind, gibt es noch viel mehr Autor*innen, für deren Texte es keinen Platz mehr gab. Gerade, wenn sich jemand kurz vor der Deadline dann doch hat stressen lassen, ist es sicherlich umso ärgerlicher. Für uns ist es natürlich am stressfreisten, schon früh einen Text zu bekommen, um ihn möglichst schnell zu layouten, wenn man noch keinen Zeitdruck hat. Und auf einmal sind dann so viele Seiten fertig, dass wir sagen mussten: Das Heft ist jetzt voll und wird doch kein Buch. Weil für ein Fanzine die Artikel wichtigster Bestandteil sind, und so viele für uns geschrieben wurden, haben wir ihnen so viel Platz wie möglich freigeräumt. Team-Steckbriefe haben wir bis auf den Text aus Dresden rausgenommen, um sie

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Derby Digger # 2 stattdessen vielleicht in einer Art „Saison 2019 Sonderheft” gebündelt herauszubringen. Außerdem haben wir die Seiten der coolen Leute auf einen Einzeiler und die persönlichen Einlauflieder reduziert. Die Playlist auf Spotify gibt es dieses Mal aber nicht erst per Facebook-Post, sondern auf der Rückseite als QR-Code.

Oder einfach auf Spotify nach ‚Derby Digger‘ suchen. Auf einige häufig gestellte Fragen haben wir hier ein paar Antworten gesammelt: Es ist kein kompletter Derby Digger als E-Book geplant. Generell verschicken wir gerne einzelne Exemplare per Post, indem man uns eine Nachricht auf Deutsch, Englisch oder Spanisch über unsere Facebook-Seite schickt oder uns an moin@ derbydigger.de eine E-Mail schreibt. Über einen Bestellknopf mit Warenkorb dran oder sowas hat sich hier bisher keine*r Gedanken gemacht. Bezahlt werden kann am einfachsten per PayPal an gerne@derbydigger.de Heftpreis von gerne 3 Euro plus Porto (innerdeutsch 1,45 Euro, international 3,70 Euro). Oder natürlich in bar vor Ort. Also bei den Spielen der Harbor Girls in Hamburg und mittlerweile auch einiger anderer Vereine außerhalb. In welchen Buchhandlungen und sonstigen Geschäften es das Heft gibt, und welche Fanclubs den Derby Digger in ihren Merch-Koffern führen, posten wir auf facebook.com/derbydigger

Vielen Dank an unsere beiden Titelmodelle Saskia Videler aka Saxia*F von den One Love Roller Dolls aus Antwerpen und Kathrin Liehr aka risiKO von den St. Pauli Harbor Girls aus Hamburg. Karsten Helmholz für das tolle Titelbild, das uns neben allen übrigen Fotos, Texten, Comics und Illustrationen unentgeltlich zur Verfügung gestellt wurde. Da­ rum an alle Mitwirkende des Derby Digger #2: Ihr seid super!

Lu ettexnxx

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Foto: Karsten Helmholz

inhalt 18 20 24 26 31

Foto: Regularman Photography

Hellacious D.

06 08 14 4

(M)eine Kleine roller derby geschichte

JJ-X Ref

Käthe Kaputto

Karsten Anika

comic

Th e sound of music

catching the moment kunstpause

Foxx Tank

Vorbeifliegende Sterne

Miss Zoffi

Walls are just for roller derby

Biggy Pop

Jammen als way of life


Foto: Anke Bewert

Foto: BjĂśrn Lexius

Foto: Karsten Helmholz

Derby Digger # 2

32 37 40 46 49

Foto: Karsten Helmholz

Foto Lovestory Mighty Mimi

Deaf Punk Lotzilla

Derbywife Dabei statt mittendrin?

der tod kommt auf inlinern

Kurl y Push & Coffin Cutie

dresden pioneers

52 54 58 61

Mean Machine & YouDeath

Anne

fĂźr nachwuchs sorgen

Block am Deich

Effi Biest

was macht eigentlich der RDD?

seite der coolen Leute & Impressum 5


Vorbeifliegende Sterne In der ersten Ausgabe schrieb Leif aka Foxx Tank über Flamingos und Zebras. Dieses Mal sind die vorbeifliegenden Sterne dran. Achtung: Kann Spuren von Anspielungen enthalten!

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Foto: Karsten Helmholz

achdem wir uns in der letzten Ausgabe zoologisch weitergebildet haben, möchten wir uns dieses Mal der Astronomie widmen. „Astronomie? Lebt der jetzt hinterm Mond? Es geht doch hier um Roller Derby…“ - Stimmt! Genauer gesagt geht es um Regelkunde und Spieltaktik. Gerade weil diese Themen sogar noch bei gestandenen Spieler*innen und Officials für Verwirrung sorgen und den Außenstehenden oftmals wie Sterndeutung anmuten, soll hier einmal etwas Licht ins Dun-

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kel der unendlichen Weiten gebracht werden. Heute geht es um den „Star Pass“, ein im Derbyverse nicht selten zu beobachtendes Himmelsphänomen. Bekanntermaßen können in einem Spiel nur die Jammer*innen Punkte für ihr Team erzielen. Zu erkennen sind diese - richtig - am Stern („The Star“) auf dem Helm. Im Übrigen nicht nur, weil sie als Zentralgestirn gerne vom Pack umkreist werden. Nein, sie tragen den Stern vor allem sicht-


Derby Digger # 2

Nun ist die Sternhaube aber nicht an der helmförmigen Himmelsscheibe festgetackert, sondern kann während des Jams vom Kopf der/ des Jammer*in entfernt werden. Nur wozu? Ganz einfach: Um sie an den Pivot des eigenen Teams weiterzureichen. Denn diese*r Spieler*in - zu erkennen am Kometenschweif auf dem Helm (… künstlerische Freiheit des Autors) - kann durch die Übergabe der Sternhaube Jammer*in werden! Der exakte Moment, in dem die Haube von Hand zu Hand die/den Besitzer*in wechselt, ist der sogenannte „Star Pass“. Der Pivot übernimmt sofort die Position der*s Jammer*in, und zwar für den Rest des laufenden Jams. Strategisch ein sehr interessanter Zug, der, wenn clever genutzt, so manche blockierte Situation wiederbeleben, die/den Gegner*in verwirren, eine*n müde*n Jammer*in entlasten oder allgemein für unterschiedliche Situationen taktisch genutzt werden kann. Allerdings ist dies auch mit einigen kosmischen Gefahren verbunden! Denn eine astrophysika-

lische Naturkonstante des fairen Derbyspiels ist… die Legalität. Befindet sich beispielsweise eine*r der beiden Spieler*innen während der Übergabe nicht komplett auf dem Track oder ist zu weit vom Pack entfernt (out of play) oder gestürzt (down), wird der Star Pass illegal und die/der Jammer*in muss den Orbit Richtung Strafbank verlassen. Ebenso sollte man die Idee verwerfen, den Stern zu werfen. Prinzipiell erstmal nicht illegal, aber eben auch kein regulärer Star Pass.

bar, um erstens in ihrem ersten Trip durchs Pack Lead-Jammer*in werden zu können und um zweitens in den folgenden Trips beim Überrunden von Gegner*innen Punkte zu erzielen. Keine Haube, keine Punkte. Soweit klar?

Lieber Star Pass als Krieg der Sterne.

Muss die/der Gegner*in sich den Star Pass einfach gefallen lassen? Nicht unbedingt: Das Unterbinden eines Star Pass mit legalen Blocks und Aktionen ist natürlich erlaubt. Ganz und gar nicht legal hingegen ist es, den Stern komplett zu verstecken oder ihn der/dem gegnerischen Spieler*in gar zu stehlen. Zum einen, weil ultramassive schwarze Löcher (die bekanntlich Sterne verschwinden lassen können) auf dem Track nichts verloren haben, zum anderen weil es einfach unsportlich ist. In diesem Sinne: lieber Star Pass als Krieg der Sterne. Sauber, überlegt und schnell an der gegnerischen Wall „vorbeigesteckt“ und auf zum nächsten Scoring Trip… in unter 12 Parsecs!

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Foto: Regularman Photography


Derby Digger # 2

Walls are just for Roller Derby

Sophie aka Miss Zoffi, ehemals Jammerin bei den Hamburg Harbor Girls, jetzt in Berlin aktiv, schreibt über ihre persönlichen Erlebnisse auf der Reise mit Bear City Roller Derby zum BIG O 2018 nach Eugene, Oregon, USA.

M

anchmal frage ich mich wirklich, was ich eigentlich vor Roller Derby mit meiner ganzen freien Zeit gemacht habe. Denn es muss sie ja gegeben haben, diese „Freizeit“. Nach der Arbeit oder am Wochenende. Ok, ich war einmal die Woche beim Ballett. Aber sonst? Keine Ahnung. In dem Zusammenhang bekommt der Begriff „Jamnesia“ nochmal eine ganz neue Bedeutung… Wie sollte es also anders sein, war der Grund für meinen ersten Langstreckenflug in diesem Jahr – ihr ahnt es vielleicht – dieser wunderbare und einzigartige Sport. Mit Bear City Roller Derby ging es Anfang Mai nach Eugene, Oregon, zu einem der größten internationalen WFTDATurniere: Dem BIG O (4. bis 6. Mai). Für mich persönlich hat sich damit ein lang gehegter Derbytraum erfüllt. Wie oft habe

ich zuhause die Spiele beim BIG O vor dem Bildschirm verfolgt, den Announcer*innen gelauscht und mir insgeheim vorgestellt, selbst dort an der Jammer-Line zu stehen („On the Jammer-Line we have #180, Miss Zoffi, going up against Lady Trample“ … ok, Spaß! #derbycrush). Jedes Jahr treffen sich in Oregon Teams aus der ganzen Welt, um ihre Kräfte zu messen und im WFTDA-Ranking nach oben zu klettern. Es geht vor allem um die Qualifikation für die Division 1 und Division 2 Playoffs im Spätsommer. Wir Berliner haben uns 2018 hohe Ziele gesteckt: Wir wollen es in die Division 1 schaffen. Das heißt, wir wollen zu den Top 28 Teams weltweit gehören. Ich bin ehrlich, ich habe es nicht so mit Zahlen, daher sind die Rankings und ihre genaue Berechnung ein Buch mit

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Ich schiebe es jetzt einfach mal auf mein Lampenfieber, dass ich gleich im ersten Spiel ganze fünf Penalties gesammelt habe.

sieben Siegeln für mich. Aber so viel weiß ich: Pro „Sanctioned Game“ kriegen wir je nach Punktedifferenz eine bestimmte Zahl an Ranking Points. Damit steigen oder fallen wir im internationalen Vergleich. Jeden Monat veröffentlicht die WFTDA die aktuellen Rankings. BCRD lag im April auf Platz 32, Tendenz steigend. Beim BIG O standen uns nun vier Spiele bevor. Die Gegner*innen: Calgary, Sacramento, Tucson und Jet City (Everett, WA). Wir waren gut vorbereitet. Jedes Team wurde im Vorfeld genau analysiert, es gab fancy Präsentationen, detaillierte Footage-Analysen, intensive Besprechungen. Und dann stehe ich freitags um 18 Uhr (11 Uhr morgens deutsche Zeit) auf dem Track, etwas benommen vom Jetlag und etwas besorgt wegen des seltsam rutschigen und doch „grippigen“ Bodens und warte auf das „five seconds“-Signal des Jam Timers.

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Ich schiebe es jetzt einfach mal auf mein Lampenfieber, dass ich gleich im ersten Spiel ganze fünf Penalties gesammelt habe. Als Jammerin ziemlich blöd, denn logischerweise macht mein Team keine Punkte, wenn ich in der Box sitze. Ich denke, ich spreche für alle Jammer*innen da draußen: Es fühlt sich richtig kacke an. Du siehst die/den andere*n Jammer*in Runden ziehen und verfluchst dich selbst für den Move, der dir die Penalty eingebracht hat („Das war niemals ein Backblock!“, „Ich war doch noch drin!“…). In der Box zu sitzen hat nur einen Vorteil: Aus der Box zu kommen. So mit richtig Speed und ja, ein bisschen Wut im Bauch. Wenn ich mich selbst später im Footage sehe, denke ich mir jedes Mal: Warum skate ich nicht immer so dynamisch, schnell und mit Karacho wie aus der Penalty Box? Trotz meiner Strafen haben wir das Spiel mit 322:184 gewonnen. Ein gelungener Start in das Turnier­


Derby Digger # 2

wochenende. Das nächste Spiel stand für 10 Uhr am Samstag­ morgen auf dem Plan. Stretchen (wird oft unterschätzt, ist aber überlebens­ wichtig bei einem Turnier!), zurück ins Hotel, duschen, essen, ein Abstecher in den Whirlpool (Gold wert! Danke an unseren lieben Bench Coach Daniel für die Hotelauswahl!) wäre nice… aber nein, zu müde, ab ins Bett. Aufstehen, Frühstück, zur Halle. Nächstes Spiel gegen Sacramento. Mein persönliches Ziel: Sauber spielen. Die Amerikaner*innen machen es uns nicht leicht. Hut ab vor dem Wumms, mit dem ihre Jammer*innen ins Pack rauschen. Am Ende können wir das Match aber mit 192:141 für uns entscheiden. Danach ist Zeit, mal ein bisschen Zuschauerin zu sein bei diesem Turnier. An den Merchund Equipment-Ständen vorbei zu schlendern und einfach die Atmosphäre zu genießen. Nicht zu vergessen die parallel stattfin-

denden Junior und Men‘s Roller Derby Spiele. Spannend zu sehen, wie weit Junior Derby in den USA schon ist. Wie Roller Derby auch und besonders für Jugendliche ein Schutzraum, eine eigene, tolerante Community sein kann. Es ist auch schön und erleichternd, dass unsere „Walls are just for Roller Derby“-Shirts so großen Anklang fanden in den USA. Viele Amerikaner*innen am Berliner Merch-Stand sagen uns, wie wichtig solche Botschaften in Zeiten von Trump und seinen Mauerbauplänen geworden sind. Am frühen Abend stand unser drittes Spiel gegen Tucson an. Diesmal auf einem anderen Track. Der entpuppte sich beim Rollentest als genauso bescheiden, wie er aussah. Ich hatte das Gefühl, er saugt mein Momentum geradezu aus meinen Füßen und ich muss doppelt so viel Kraft wie sonst aufwenden, um vorwärts zu kommen. Noch dazu war die Außenlinie auf der Gerade schief. Vor Kurve Drei war eine richtige Beule im Track.

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Aber das gehört irgendwie auch zu so einem Turnier. Ein Tiefpunkt, an dem alle sich mal so richtig auskotzen dürfen.

Das Spiel schien irgendwie unter keinen guten Vorzeichen zu stehen. Und ja, was soll ich sagen? Am Ende mussten wir uns mit 153:166 geschlagen geben. Tucson war nicht unbedingt das bessere Team, aber sie haben es definitiv besser geschafft, die Nerven zu behalten. Die Performance der Ref-Crew oder der Boden hin oder her, letztlich müssen wir der Wahrheit ins Gesicht sehen: Es war nicht unser Spiel und deshalb haben wir es verloren. Die Stimmung war entsprechend gedrückt nach dem Match. Aber das gehört irgendwie auch zu so einem Turnier. Ein Tiefpunkt, an dem alle sich mal so richtig auskotzen dürfen. Das Wichtige ist nur, danach den Blick wieder nach vorne zu richten. Und das Beste draus zu machen beim nächsten Mal.

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Das konnten wir uns gleich am folgenden Morgen beweisen, gegen Jet City Roller Derby aus Everett, Washington. Mit 356:147 ein schöner Abschluss des Wochenendes, auch für mich persönlich. Am Sonntag gab es dann noch live „the world’s finest Roller Derby“ zu sehen: Victoria gegen Arch Rival, Angel City gegen Denver, Victoria gegen Montréal. Innovative Strategien, geile Moves und so viel Derbylove. Die weite und teure Anreise hat sich so oder so gelohnt, auch wenn ich zugegebenermaßen vorher Bedenken hatte. Kann ich überhaupt 100% geben mit Jetlag und allem? Halte ich es mit fünf Teammates eine Woche lang in einem Hotelzimmer aus? Kann ich im Spiel das umsetzen, was ich mir vorgenommen habe? Klar, es war hart. Es war anstrengend. Es gab Tränen, Wut und Erschöpfung. Aber es war auch eine großartige Erfahrung. Es hat uns als Team zusammen­ geschweißt, wir haben zusammen gelacht, gebowlt und uns über unsere kleinen


Derby Digger # 2

und großen Erfolge gefreut. Das Schöne am Derby ist, dass ich jedes Mal wieder geflasht davon bin, Teil einer so starken, unterstützenden, liebevollen und revolutionären Gemeinschaft zu sein. Vielleicht kann ich mich deshalb nicht mehr so genau daran erinnern, was ich eigentlich vor Roller Derby so gemacht habe. Weil seitdem irgendwie eine neue Zeitrechnung in meinem Leben begonnen hat. Als Frau, als Sportlerin, als Mitglied eines wunderbaren Teams. Das klingt kitschig – und das ist auch gut so. Wie man in Berlin sagen würde. Ach, und falls sonst noch jemand vorhat, mal über die Golden Gate Bridge zu skaten, es ist leider verboten. P.S.: Nach dem Turnier ist vor dem Turnier – Wir haben uns als erstes deutsches Team für die neu strukturierten „International WFTDA

Playoffs 2018“ qualifiziert und werden noch diesen Herbst in Atlanta gegen Teams wie die London girls antreten. Roller­

Wo liegt denn eigentlich Eugene? Seattle Eugene

San Francisco

USA

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urchtlosigkeit, Taktik, Ausdauer, Intuition - seit ich 2012 das erste Mal ein RollerDerby-Spiel erlebte, haben mich die Jammer*innen besonders fasziniert. Ich hatte damals mein Erspartes zusammengekratzt und eine Auszeit vom Job genommen, um einige Wochen in New York leben zu können. Mitten in der Sinnsuche sah ich also bei einem Bout in Brooklyn diese Frauen, wie sie mit Wucht, Spaß und Geschick auf jene zurasten, die ihnen im Weg standen. Wie sie es immer wieder versuchten, bis die Hürden überwunden waren und sie befreit weiter rollen konnten. Ich dachte mir:

„Ich war schockverliebt!“ Das war ihr erstes Gefühl, nachdem eine Arbeitskollegin (Rough Rudie) sie 2012 zum Recruiting Day der Hamburg Harbor Girls mitgenommen hatte. Sophie war von München über Trier und Mainz frisch in die Hansestadt gezogen und wollte Leute kennenlernen. Der Sport, die unterschiedlichen Persönlichkeiten, das Teamgefühl, die Community. Alles passte. Ein neues Zuhause. „Ich hatte vorher gar nichts mit Rollschuhlaufen oder Skaten am Hut. Dann habe ich gemerkt: Ich habe Talent und möchte gucken, wie weit ich kommen kann“, erzählt Sophie. Anfangs habe sie durchaus Hemmungen gehabt, mit Vollspeed auf ein Pack zuzufahren. „Das ist eine

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angetan bin ich von Sophies entspann­ ter und zugleich leidenschaftlicher Art, mit der sie erzählt: Wie sie im März 2018 in die Hauptstadt gezogen ist, um international bei den Berlin Bombshells (Bear City Roller Derby) zu fahren. Und wie das Derbyverse im Allgemeinen und das Jammen im Besonderen seit sechs Jahren ihr Leben prägen.

Wäre es nicht fantastisch, mit dieser Energie sein Leben zu leben? Ich bin also hoch beglückt, Jahre später mit Sophie alias Miss Zoffi einen Menschen kennenlernen zu dürfen, der Jammen definitiv als Way of Life versteht. Wir treffen uns an einem sonnigen Tag in Berlin und setzen uns zur Mittagspause mit Salat und Schorle an die Spree. Als erstes fallen mir die windschnittigen Streifen in ihrer Kurzhaar­ frisur auf. Nachhaltig

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Derby Digger # 2

Jammen als Way of Life Miss Zoffi im Portrait von Birgit Reuther aka Biggy Pop

Foto: Regularman Photography

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Hochachtung hat Sophie vor den Blocker*innen, die im Training auch ein wenig leiden müssten, wenn die Jammer*innen ihre Einsätze üben. „Leider treffen wir die Blocker*innen dann auch mal in der illegalen Blocking Zone, zum Beispiel im Rücken“, sagt Sophie - und ergänzt amüsiert: „Aber was

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mentale Herausforderung.“ Was ihr half: trainieren. Auf den Skates sicherer werden. Und: Taktik üben. „Wie reagieren die Blocker*innen? Wie kann ich sie austricksen? Ich muss mir vorher einen Plan A, B und C machen“, erklärt Sophie. Viel gelernt hat sie von erfahrenen Roller-Derby-Profis wie der Berliner Vereinsgründerin Master Blaster. Und bei Bootcamps mit Fahrer*innen aus England und den USA, etwa mit Scald Eagle aus Denver. „Scald Eagle ist riesig und stark, sie kann Bewegungen perfekt analysieren und schneidet durch das Pack wie Butter. Ihre Tipps habe ich aufgesaugt wie ein Schwamm.“

wäre die Alternative? Rollende Sandsäcke?“ Um ihre Strategie zu verbessern, sei es für sie absolut sinnvoll, im Training immer mal wieder im Pack zu fahren: „Wir Jammer*innen haben oft einen Tunnelblick, während die Blocker*innen den Überblick behalten müssen. Das ist extremes Multitasking.“

Mich inspiriert, dass so viele andere Frauen ihre Stärke nach außen tragen.

Was mich noch interessiert: Wie hat Roller Derby Sophies übriges Leben verändert? „Ich bin körperlich stärker geworden“, erzählt sie. „Ich war zwar vorher auch schon selbstbewusst, aber Roller Derby hat das noch verstärkt. Ich sehe: Ich kann was, ich bin gut darin. Das macht mich stolz und das macht Spaß. Und mich inspiriert, dass so viele andere Frauen ihre Stärke nach außen tragen.“ Wenn Sophie über Roller Derby spricht, ist da ganz viel Wärme und Klarheit in ihrer Stimme. Das ist wirklich ansteckend. Von 2015 bis 2017 spielte Sophie in der Bundesliga für die Harbor Girls, dann wechselte sie nach Berlin, deren A-Team


Derby Digger # 2

zu den ersten 28 weltweit gehört.* Dreimal in der Woche geht sie zum Training, hinzu kommen Sondertrainings und regelmäßige Besuche im Fitnessstudio. Für Bear City kümmert sie sich zudem um Sponsoringanfragen. Wenn Freunde sagen, Roller Derby sei doch „nur ein Hobby“, muss sie widersprechen. „Am liebsten würde ich das hauptberuflich machen. Andererseits finde ich den DIY-Gedanken toll. Die Frage ist, ob die Leidenschaft auf der Strecke bleibt, wenn der Sport zu stark professionalisiert und kommerzialisiert würde“, sagt sie nachdenklich. Letzten Endes ist Sophie natürlich auch selbst schlichtweg ein riesiger Roller-Derby-Fan. Wenn sie mit dem Team Germany zur WM nach Manchester fährt wie im Februar 2018 oder zu den Big O nach Oregon im Mai dieses Jahres, dann freut sie sich irre, all die TopSpiele anschauen zu können, zum Beispiel den Bout Australien gegen USA. „Da war schon was los.“ Und dass Fans unvergessliche Momente schaffen können, das hat Sophie selbst mit den Deckhands bei den Harbor Girls erlebt: „Wir hatten ein Spiel gegen Birmingham vor einigen Jahren. Der Gegner hat uns echt niederge-

macht. Aber da gab es diese eine Situation, wo ich einen Apex Jump geschafft habe. Danach bin ich auf Knien in Richtung Deckhands gerutscht und alle sind aufgesprungen und haben mir zugejubelt“, erzählt Sophie. „Das ist das tollste Gefühl der Welt, von solchen Fans angefeuert zu werden. Immer, wenn ich mich motivieren möchte, denke ich an diesen Moment zurück.“ Alle können mitmachen, eine Rolle spielen, sich gegenseitig pushen. Sophie liebt, wie vielfältig das Derbyverse ist. Dass etwa Vereine wie St. Depri ihren Platz in diesem Kosmos finden. Und dass es keine Altersgrenze gibt. „Wenn ich mal als Jammerin in Rente gehe, würde ich gerne Announcerin werden“, erzählt Sophie, die bald 30 wird. Und dann blickt sie auf die Spree und sagt noch: „Wenn ich nicht mit Roller Derby angefangen hätte, was ich da alles verpasst hätte - das wäre total verrückt.“ Wow - die Begegnung mit Sophie hallt noch lange nach. Wie sehr sie verkörpert, dass sich Herzlichkeit und Ambition nicht ausschließen, hat mich total begeistert. Und wie die Fahrer*innen gegenseitig ihre eigenen Rolemodels sind und ihre Skills abfeiern. Definitiv eine Inspiration für alle Kurven und Hürden im Leben.

* WFTDA-Rankings, Stand 31. Mai 2018

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Comic

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von Daniela Heller aka Hellacious D.


Derby Digger # 2

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Roller Derby Geschichte

(M)eine kleine 20

Now, this is a story all about how my life got flipped, turned upside down and I’d like to take a minute, just read and see, I’ll tell you how I got my role in Roller Derby.

I

ch bin JJ-X Ref, Official bei den St. Pauli Harbor Girls. Officials, das sind die skatenden Schiedsrichter*innen und andere, teils nicht skatenden Offiziellen beim Roller Derby. Meinen Ref-Namen verdanke ich meinem Beruf, da ich als Ingenieur mit Röntgenstrahlung (englisch: XRays) arbeite. Ich möchte kurz erzählen, wie ich zum Roller Derby gekommen bin und was ich so erlebt habe. Angefangen hat alles 2010. Damals fragte mich Lizzy Slaugther - heute bei den Berlin Bomb­ shells - ob ich nicht Lust hätte, zu einem Training der Hamburg Harbor Girls zu kommen, die bräuchten Referees. Dieses Roller Derby Training ging ich mir doch dann glatt mal anschauen. Da mir der Sport von Anfang an richtig gut gefiel, fing ich direkt als Official an. Das hieß natürlich, sich erstmal mit den Regeln vertraut zu machen und auch wieder zu skaten - auf Rollschuhen! Dass man auf diesen so einen Sport betreiben kann, wusste ich bis dahin nicht. Da es in Hamburg und allgemein noch nicht viele Referees gab,


Derby Digger # 2

Ein großes Highlight meiner Anfangszeit war die erste Deutsche Meisterschaft am 11. Dezember 2010, die sogenannte „Roll DMC“ in Berlin. Damals wurde die Meis­ terschaft noch mit fünf Teams als Turnier ausgespielt, heute spielen 8 Teams in der ersten Bundesliga um den Titel. Im Jahr darauf folgten diverse weitere Trainingseinheiten, Scrimmages und Bouts. Sowohl mit den Harbor Girls, als auch als Gast-Official bei anderen Leagues. Das ist eines der tollen Dinge am Roller Derby: Die Officials gehören zwar in der Regel einer League an, helfen sich aber gegenseitig bei den selbst organisierten Spielen und bilden eine große, freundschaftliche Community. Ein weiteres spannendes und lehrreiches Ereignis war der erste Roller Derby World Cup in Toronto, Kanada, am 1. Dezember 2011. Dort war ich als NSO, genauer als „Outside Whiteboard“,

tätig. Man muss vielleicht an dieser Stelle erklären, dass sich die Regeln mittlerweile ziemlich verändert haben und man sich als Official immer auf dem Laufenden halten muss. Ein paar der damaligen NSO-Positionen gibt es heute gar nicht mehr.

hatte ich trotz relativ kurzen Vorlaufs schon bald mein erstes Spiel. Den Bout der Rollin Heartbreakers aus Kopenhagen gegen die Harbor Girls am 12. Juni 2010, und schon war es um mich geschehen. Auf diesen Bout folgten natürlich noch einige mehr. Roller Derby wurde auch europaweit immer beliebter, so dass es schon bald auf die ein oder andere Reise zu Bouts ins Ausland ging.

Die Officials gehören zwar in der Regel einer League an, helfen sich aber gegenseitig bei den selbst organisierten Spielen und bilden eine große, freundschaftliche Community.

Bis zu diesem Zeitpunkt wurde Roller Derby in Deutschland mit Ausnahme der Officials ausschließlich von Frauen gespielt. 2012 kam bei einem Training der Harbor Girls die Idee auf, dass auch wir derbybegeisterten Männer diesen Sport ausüben könnten. Es fanden sich aus mehreren norddeutschen Städten relativ schnell einige Interessierte zusammen, ein Name wurde gesucht und gefunden und somit war H.O.S.S.A. geboren: Die Hot Outstanding Super Sailor Allstars, das erste Men´s Roller Derby Team in Deutschland. Mit diesem Team startete ich in den ein oder anderen Bout und spielte einige Turniere. Diese Zeit war immer von sehr viel Spaß, aber auch sportlichem Ehrgeiz geprägt.

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Da es nun eine Men´s Roller Derby Mannschaft im Norden Deutschlands gab, dauerte es nicht lange, bis sich auch im Süden Männer dafür begeisterten. So wurde erst SGMRD (South German Men´s Roller Derby) gegründet und (fast) ohne Himmelsrichtungsrivalität entstand aus beiden Teams dann recht bald Team Germany Men´s Roller Derby. Eines meiner ersten Turniere mit Team Germany war dann das „Battle of the Beasts“ in den Niederlanden, und mein absolutes Highlight war der allererste „Men´s Roller Derby World Cup“ in Birmingham in England. Dort war ich als Nationalspieler mit am Start und das war natürlich eine großartige Erfahrung! Da sowohl das Spielerdasein als auch das als Referee sehr zeitund trainingsintensiv ist, kam bald der Punkt, an dem ich mich für eines der beiden entscheiden sollte. Ich sah meine Zukunft eher im Official-Bereich und beendete somit meine Spielerkarriere auf ihrem Höhepunkt. Natürlich verfolge ich weiterhin das Men´s Roller Derby und habe immer noch Kontakt zu einigen Spielern. Seit meiner aktiven Zeit gab es zwei weitere Men´s Roller Derby World Cups, die ich genauso

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wie die World Cups der Frauen immer ansehe und die mit zu meinen Jahreshighlights zählen. Weil es seit 2015 eine Roller Derby Bundesliga in Deutschland gibt, an der die Harbor Girls Hamburg bzw. St. Pauli Roller Derby, wie sie als Abteilung des FC St. Pauli mittlerweile heißen, teilnehmen, habe ich bereits diverse Spiele in der 1. Bundesliga als Referee oder NSO mitgemacht. Ich war allerdings auch schon als Referee/NSO bei Spielen der 2. und 3. Bundesliga. An dieser Stelle noch ein paar Worte zur Derby-Community: Einer der Hauptgründe, warum ich diesen Sport so toll finde, ist die Community. Egal wo man hinkommt oder wer einen besucht, man fühlt sich immer willkommen, wertgeschätzt und es macht immer einen riesen Spaß. Trotzdem sind alle bei den Bouts immer professionell und unparteiisch. Es wird einem als Official sehr viel Dankbarkeit von Spieler*innen und Fans und allen Derby-Begeisterten entgegengebracht. Das macht den Sport fast noch besser als er sowieso schon ist! Ich habe in meiner Zeit beim Roller Derby so viele großartige,


Derby Digger # 2

nette, verrückte und liebe Menschen kennengelernt. Viele davon sind mittlerweile sehr gute Freunde geworden. Darüber hinaus habe ich sehr, sehr viele schöne Erinnerungen gesammelt und bin an tollen Orten gewesen. Das macht diesen Sport für mich auch aus und dementsprechend bin ich froh darüber, ein kleines Puzzleteil in der großen Derby-Welt zu sein. Ich gehe nun in mein neuntes Jahr als Official mit kurzem Gastspiel im Men´s Roller Derby als Spieler. Es waren interessante, spannende, witzige und schöne Jahre im Derbyverse. Ich werde diesem Sport wohl immer in der einen oder anderen Form erhalten bleiben. Nach meiner Karriere als Official dann irgendwann wahrscheinlich als Zuschauer mit fundiertem Jubeln & Pöbeln. Wie lange ich noch als Official tätig sein werde, wird sich zeigen. Noch habe ich jede Menge Spaß daran.

Foto: Karsten Helmholz

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the sound of music

Wie sagt Floyd in „Absolute Giganten“ so schön:

Weißt du, was ich manchmal denke? Es müsste immer Musik da sein. Bei allem was du machst. Und wenn’s so richtig Scheiße ist, dann ist wenigstens noch die Musik da. Und an der Stelle, wo es am allerschönsten ist, da müsste die Platte springen und du hörst immer nur diesen einen Moment.

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Foto: Tom Alby

An dieser Stelle stellt euch Käthe, ehemals aktive Spielerin der St. Pauli Harbor Girls, kniebedingt jetzt an der Bench aktiv, musikalische Leckerbissen aus dem Derby­v erse vor – damit ihr für Bouts, Afterboutparties und auch sonst im Leben gewappnet seid.


Derby Digger # 2

#2

Journey

Don‘t stop believin‘

Begeben wir uns gemeinsam in die 80er Jahre. Genauer gesagt: Ins Jahr 1981. Damals lebte ein Kleinstadtmädchen in einer einsamen Welt. Im Mitternachtszug auf dem Weg nach Irgendwohin traf sie einen Typen aus Süd-Detroit. Es roch nach Wein und billigem Parfüm. Irgendjemand würfelte, einige gewinnen, einige verlieren. Und dann gibt‘s noch einen niemals endenden Film. Und Straßenlaternen und Schatten und Boulevards. Es ist Nacht. Und man darf die Hoffnung nicht aufgeben. So weit, so gut. „Der Text von DON‘T STOP BELIEVIN‘ schildert keine eindeutige Handlung. Allgemein lässt sich ein durchweg hoffnungsvoller Ausdruck feststellen. Zwei Deutungsmöglichkeiten legt der Text in besonderem Maße nahe. Einerseits thematisiert der Songtext den Wunsch, sich im Leben zu verwirklichen. Menschen verlassen ihr Zuhause und ziehen von der Vorstadt in die Metropolen, um ihr Glück zu versuchen und „entdeckt“ zu werden. Andererseits handelt der Song auch von Liebe, die überall zu finden ist, gerade dort, wo man sie nicht vermutet. Beide Interpretationen schließen sich nicht aus. Der Songtitel DON‘T STOP BELIEVIN‘ kommt im Text erst am Ende vor und appelliert daran, dass man niemals aufgeben soll, seinen Traum zu verwirklichen oder die große Liebe zu suchen.“

Das schreibt www.songlexikon.de über das Lied, das bei Harbor Girls Veranstaltungen regelmäßig zu zwischenzeitlich extrem textsicheren und immer schon inbrünstigen - Gesangseinlagen führt. Man kann sich fragen: Warum? Der Song zeichnet sich nicht durch Tanzbarkeit aus. Der Text ist, naja, siehe oben, Interpretationssache. Keine Botschaft, bei der man sofort nachvollziehen könnte, dass man diese aus vollem Herzen mitsingen muss. Liegt es vielleicht daran, dass „der Song in der Tonart E-Dur steht und ein moderates Tempo mit ca. 120 Schlägen pro Minute hat, welches die tendenziell beschwingte bis optimistische Wirkung des Songs unterstützt“ (www.songlexikon.de)? War es nur Zufall, dass der Song irgendwie zum Roller Derby kam, weil eigentlich jemand „Don‘t Stop Me Now“ von Queen spielen wollte und die/der DJ aus Versehen auf‘s falsche Lied geklickt hat? Alles eigentlich egal. Wichtig ist nur, dass jede*r einmal in den Genuss kommen sollte, den Song auf der Afterboutparty zu hören und unweigerlich irgendwas mit „streetlights“ und „people“ als Ohrwurm davonzutragen. Und dass wir die Hoffnung niemals aufgeben (oh, oh, ooooooooh)!

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the art of

strength

Karsten schreibt Ăźber das Fotografieren des Sports und warum er Portraits als besonders spannend empfindet.

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Foto: Karsten Helmholz

catching the


P RI D E

Derby Digger # 2

Foto: Karsten Helmholz

D

er Blick ist auf das Pack fokussiert, nur aus den Augenwinkeln wird die gegnerische Jammerin wahrgenommen. Die erste Halbzeit war kräftezehrend und der Puls geht schnell, der Atem schwer.

moment

Schweiß läuft über das angespannte Gesicht. Vor der Pause heißt es jetzt noch einmal alles geben. Das Team darf nicht enttäuscht werden. 5 SECONDS!… Ein letztes Mal Konzentrieren… der Pfiff…

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the art of

Klick

Klick, klick, klick… Die Fans toben, die Jammer*innen jagen los und schieben sich in das Pack. Klick, klick, klick. Wahrscheinlich höre nur ich den Verschluss meiner Kamera, denn die Rufe der Fans, Teams und Coaches und die Pfeifen der Officials übertönen alles. Ja, als Derby-Fotograf hat man es nicht leicht, aber was tut man nicht alles für die Kunst…

Für wirklich gute Fotos musst Du verstehen, was Du fotografierst.

Hätte mir jemand vor fünf Jahren gesagt, dass ich mal bei fast jedem Bout in Hamburg am Track stehe und fotografiere, hätte ich vermutlich gelacht. Ich bin durch meinen Freund Gabriel zu Roller Derby gekommen. Er hatte damals ein oder zwei Bouts gesehen und wusste, dass ich schon seit Langem und gern fotografiere und auch, dass ich auf der Suche nach neuen Themen war. Zugegebenermaßen hatte ich am Anfang meine Zweifel. Ich hatte mich nie für Zuschauersport interessiert, war nicht Fan einer Sportart oder eines Teams. Neugierig war ich aber schon, denn eine kurze Internet­ recherche brachte zwar ein paar Informationen, aber vorstellen konnte ich mir das Ganze nicht. Der erste Bout hat mich verwirrt. Die allgemeinen Erklärungen durch die Moderation konnte ich nicht mit dem scheinbaren Chaos vor meinen Augen zusammenbringen.

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capturing the


Derby Digger # 2

Ich verstand nichts, und wenn ich mir in meinen tapferen Momenten meine ersten Bilder von damals anschaue, weiß ich, was ein befreundeter Fotograf meinte, als er mir sagte: „Für wirklich gute Fotos musst Du verstehen, was Du fotografierst“. Ich hatte keine Ahnung. In den scheinbar endlosen Weiten der Turnhalle schieben sich hinten rechts am Bildrand ein paar Spieler*innen durch die Landschaft. Nur der Reinlichkeit des Hallenwartes ist es zu verdanken, dass im Vordergrund nicht ein paar Ballen Tumbleweed durchs Bild rollen. Gepasst hätte es. Ich musste und wollte die Geschichte des Sports und seine Regeln verstehen. Gleich nach dem ersten Spiel machte ich mich auf die Suche nach geeigneter Literatur. Das Angebot war äußerst überschaubar, aber ich fand „Down and Derby“ von Jennifer Barby und Alex Cohen. Geschichte, Fachsprache und Grundregeln. Bis heute schaue ich da immer wieder mal rein. Einige Jahre, Akkus und Speicherkarten später fühle ich mich in den kleinen Quadraten im Inneren des Tracks zuhause. Ich

emotion

Foto: Karsten Helmholz

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the art of fotografiere den Sport, aber nicht aus rein dokumentarischer Sicht. Ich fotografiere, was ich sehe, aber eben auch, wie ich es sehen möchte: immer subjektiv gefärbt und nicht selten neben dem eigentlichen Hauptgeschehen, denn beim Derby passiert immer und überall etwas Spannendes.

Mein Schwerpunkt liegt auf Portraits. Oft liegen nur Sekundenbruchteile zwischen Wut und Entspannung, Verzweiflung und Glück. Die Vielzahl von Emotionen und alles, was Roller Derby so spannend macht, spiegelt sich in den Gesichtern auf und neben dem Track wider. Das fasziniert mich, und es sind für mich die schönsten Bilder. Natürlich bemühe ich mich auch, das Gesamtgeschehen festzuhalten und die Teams im Zusammenhang und in Aktion zu zeigen. Ohne die Teams, Refs, Officials, die vielen Helfer*innen und Fans wäre das alles schließlich undenkbar.

Oft liegen nur Sekundenbruchteile zwischen Wut und Entspannung, Verzweiflung und Glück.

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Ich bin den Harbor Girls sehr dankbar, dass ich immer wiederkommen darf und freue mich jedes Mal, wenn meine Bilder dem Team, den Gästen und Fans gefallen. Dankbar bin ich auch Stefan Groenveld, der mir, vielleicht unbewusst, vieles beigebracht hat. Wir sehen uns beim nächsten Bout!

seeing


Derby Digger # 2

Kunstpause

mit Anika Falke

tumblr: anikafalke Instagram: @anika.falke 31


Clark cunt

Banane

ist Jammerin bei den „Comic

ist Uwes erster Kumpel

Sans Sisters“ und bereitet

in der Stadt. Kennen-

sich aktuell auf ein

gelernt haben die beiden

wichtiges Turnier

sich bei den Hutoholics.*

mit diesen vor.

..

manche möogen's

Eis

Foto-Love-Story

Mighty Uwe

ist gerade erst in die Stadt gezogen und stets auf der Suche nach den besten Kneipen, dem besten Bier und den besten Hüten. Tief im Inneren sehnt der gefühlvolle Eisliebhaber sich jedoch einfach nur nach einer liebevollen Freundin.

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* DEM Fanclub für Hutliebhaber*innen


Derby Digger # 2 Bånåne konnte mal wieder nicht am Fanzine-Laden seines Vertrauens vorbeigehen und läuft mit seiner neuesten Errungenschaft Mighty Uwe in die Arme.

Foto-Love-Story Fotos: Anke Bewert

Uwe ist sofort hart in (Derby) Love mit dem Covergirl.

schmach

t

1

Guck mal, Uwe!

2

schme

lz

3 Sie geht ihm einfach nicht mehr aus dem Kopf. Wat nu‘?

In seiner Verzweiflung bittet er Bånåne um Rat. Wat nu‘!

4

5

33


Bånåne weiß, wo man gucken muss... Uwe flitzt sofort los.

...Clark Cunt... Comic Sans Sisters... Training in 10 Minuten... und so kommst du hin:...

h etz

6 Puh, gerade noch rechtzeitig!

zisch

ti p p ti p p tipp

renn 7

8

Foto-Love-Story

Kannst du bitte mal sagen, wie spät das ist?

stam mel er ts ott

9

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Der Spruch hat bisher noch immer geklappt!


Derby Digger # 2 ÄÄHH... vielleicht mal ein Eis schmackofatzen... ich meine... essen gehen?!

Kann der die Uhr nicht? Und außerdem bin ich schon zu spät dran für‘s Training!

flitz DA!

10

11 Und Eis geht immer!

Aufmerksam geworden nimmt Cunts Derbywife Pussy Pantalones sie sofort ins (liebevolle) Kreuzverhör. Stimmt eigentlich.

13

gulp

Wer war denn DER süße Boy?!

14

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Okay! Aber erst nach dem wichtigen Turnier in drei Wochen!

Foto-Love-Story Fotos: Anke Bewert

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Klonk

Och Menno! Voll spät!

autsch

.. kloter

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tret

Dumm gelaufen! Cunt stürzt und bleibt regungslos liegen.

sto.h.n

15

. . chz a

Ihr Team ist entsetzt! Wat nu‘?! 17 Zum Glück kommt sie schnell wieder zu sich, ABER:

???

Wer bin ich?! Und warum?!

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Foto-Love-Story 36

Fotos: Anke Bewert

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TO BE CONTINUED...


Derby-Wiki – Know your Derby-ABC Miriam aka Mighty Mimi von Barockcity erklärt:

Derbywife!

D

as Derbywife ist jemand, die/ der einen anspornt, ermutigt, der Fels in der Brandung ist, wenn’s mal nicht so läuft! Eine*n herausfordert, den nötigen Arschtritt verpasst und für eine*n mitdenkt. Wie in einer normalen Ehe halt auch. Das Besondere daran ist, eine*n DERBY-Weggefährt*in zu haben, durch dick und dünn! Jede*r Derbyspieler*in sollte meiner Meinung nach so ein Derby­ wife haben. Diese oldschool Tradition verbindet zwei Menschen miteinander und formt ein richtiges Team. Die/der eine weiß, was im Leben der/des anderen außerhalb des Roller Derby-Lebens so läuft und ist auch gerne mal Sprachrohr für die/ den andere*n. Sie erinnern sich gegenseitig daran, sich für etwas anzumelden, buchen Übernachtungen gemeinsam, denken an das Wohl der/ des anderen.

A

Eine Liebeserklärung an Spacy Tracy

einanderliegende Spielernummern sind möglich, ähnliche Outfits können Hinweise sein. Aber am besten ist es bei einem Bout zu sehen: Sie halten zusammen! Und ich? Derbytechnisch bin ich seit dem 31. Juli 2010 mit meinem Derbywife Spacy Tracy verheiratet. Wir kannten uns lange, verloren uns zwischendurch mal aus den Augen, fanden uns wieder, und eine Weile später fingen wir zusammen mit Roller Derby an. Wir sind tatsächlich wie ein altes Ehepaar, zumindest was das Thema Roller Derby betrifft.

B

Jedes Pärchen hat meistens so etwas wie einen „Ehering“. Da hat man schon vieles gesehen: Kugellager, die auf Ringe geschweißt wurden oder Anhänger an Ketten, die aus zersägten Rollschuhen bestehen. Sehr nahe bei-

C

Derby Digger # 2

Getraut wurden wir von ihrem heutigen Ehemann auf einer Afterbout-Party nach einem Spiel in und gegen Berlin im Kreise unseres Teams, den/der liebenswerten Gegner*innen und allen anwesenden Officials. Wir schworen uns die Treue auf und neben dem Track. Wir haben uns damals übrigens für Armbänder in unseren Teamfarben entschieden. Wir tragen sie nie, damit sie nicht verschleißen. Allerdings weiß jede von uns immer, wo ihres ist.

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was bisher geschah:

Guck mal, dein Lieblingsort – Miyajima in Japan!

Beim letzten Training verlor Clark Cunt aufgrund einer unglücklichen Verquickung ihr Gedächtnis und obendrein sämtliche Derby-Skills. Und das ausgerechnet drei Wochen vor dem wichtigen Turnier! Ihr Team hat in kürzester Zeit einen ausgeklügelten Plan entwickelt: Ihr Gedächtnis durch prägende Erinnerungen zurückzuholen. Hör mal, unser Einlauflied!

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op don'tievstin'! bel Wieder nix...

Ich glaub, ich weiß was...

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Immer noch nix...

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Cunt ist verzweifelt und schluchzt los.

schluc

Überhaupt nix!

Uns fällt schon noch was ein!

Foto-Love-Story Fotos: Anke Bewert

Hilft nix...

Probier mal, dein Lieblingsessen – Bout-Pommes!

Riech mal, Schonergeruch!

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hz


Um die Gedanken des besorgten Teams abzukühlen, ist Uwe Eis kaufen gegangen. Bumm BummEis für alle zum Schmackofatzen!

Derby Digger # 2

Plötzlich ist alles wieder da! Schmackofatzen!!

!!! 26

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Foto-Love-Story

Uwe, du bist super!

27 Alle sind erleichtert und springen vor Freude in die Luft – Happy End!

freu

klatsch

feier

jubel

lach

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hops

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Foto: Karsten Helmholz

Auch wenn sie überrascht von der Vorstellung war, dass ihre Geschichte Leute interessieren könnte, schreibt Anne aka Deaf Punk hier über ihre von ständiger Konfrontation und einigen Tiefs ge­p rägten Erfahrungen mit Roller Derby und davon, wie sie versucht diese zu überwinden. Vielleicht, so hofft sie, führt ihre Geschichte zu mehr Verständnis oder ist sogar eine Inspiration. 40

dabei


Derby Digger # 2

statt mittendrin? s war im Februar oder März 2012, als ich von Roller Derby erfuhr. Ich ging ohne Wissen zu einem Berliner Home-Bout und war sofort Feuer und Flamme. Da gab es ein Team, das einer Spielerin half, ihr den Weg freiblockte. Mich faszinierte das Teamgefüge, die Strategie, die Möglichkeiten „Lücken“ zu ergreifen. Die Refs kommunizierten mit Handzeichen – und das alles auf Skates. Wow! Das bedeutet: körperliche Anstrengung, Teamgeist, Wachsamkeit und Spaß. Genau das, was ich brauchte. Nicht lang gefackelt – noch im Frühjahr 2012 fing ich bei den „Berlin Bombshells“, heute Bear City, an.

Die Namensfindung war eher zweifelhaft. Bei der Auswahl der Spielernummer war ich mir weniger unsicher. Die 9 war meine Glückszahl, aber damals durfte ich sie nicht nehmen. Ich war erstmal Ann T Matter A7.

die Trainer*innen wussten es. Aber man muss ja auch Kontakte knüpfen, das Team kennenlernen. Mir fiel das überhaupt nicht leicht, da ich eben nicht alles verstand. Hinzu kam, dass unser Training komplett auf Englisch war, was extrem schwierig war. Im Laufe der Jahre gewöhnte ich mich an diesen Umstand. Dennoch gab es viele Pha­ sen, in denen ich einfach keine Motivation hatte, eben weil ich nicht allem folgen konnte. Auswertungen, Feedbacks, Erklärungen während des Trainings. Ich fand einen Weg damit umzugehen - ich verhielt mich ruhig und unauffällig. Dafür schulte ich mein Auge auf Analyse sowie meine Intuition. Für mich war es wichtig, dass ich Vertraute hatte, und diesen bin ich bis heute sehr dankbar.

E

Ich trug das stille Chaos mit mir rum.

Kommen wir zu dem, was viele nicht wissen. Ich bin die vermutlich einzige Deaf-Spielerin* in Deutschland. Anfangs schwieg ich über meine Behinderung, nur

Als ich 2015 von der Community Deaf and HoH Roller Derby Skaters Worldwide erfuhr, packte mich wieder die Motivation und ich versuchte einige Dinge umzu-

* deaf = englisch: taub, gehörlos, schwerhörig

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West Track Story war das prägendste Ereignis. Ich stand unter enormem Druck. Die Angst etwas misszuverstehen war groß. Die Reisen, die gemeinsamen Abläufe usw. – ich war nicht darauf vorbereitet, war total überfordert, weinte während eines Turniers. Nicht jede*r ist sich im Klaren darüber, was ich brauche, um gleichberechtigt teilhaben zu können. Ich trug das stille Chaos mit mir rum. Es bedarf viel Zeit und Austausch, Schwächen als Stärke anzunehmen. Bei mir sind das meine Augen und mein Instinkt. Ich beobachte sehr viel, selbst Gegner*innen vor jedem Spiel, um mich vorzubereiten. Mir ist schon immer aufgefallen, dass Roller Derby prägnante

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Handzeichen für die gamespezifische Kommunikation besitzt. Für mich eine tolle Grundlage, auch im Team mittels Zeichen mit Händen und Körper zu kommunizieren. Es kann helfen Ruhe zu bewahren oder sich anders auszudrücken.

setzen. In diesem Jahr nahm ich mir vor dem Travel-Team beizutreten. Als ich für das Roster „West Track Story-Turnier“ in Nantes aufgestellt wurde, traf ich dort eine Spielerin aus Glasgow, die auf einem Ohr taub war. Es war ein gutes Gefühl, nicht alleine zu sein. Ein ebenfalls besonderes Travel-Erlebnis war das Turnier gegen Roller Derby Tenerife. Alles wertvolle Erfahrungen für mich, auch wenn ich das Ganze nie 100% genießen konnte.

Meine Aufstiegschancen waren meist gering. Ich verpasste z. B. jedes Mal die Team Germany Aufstellung, und sowas kann demotivierend sein.

Auch das Team kommuniziert beim Roller Derby üblicherweise immer miteinander. Ich kommuniziere jedoch grundlegend anders. Im Stillen, mit Wachsamkeit, Vertrauen und Ruhe statt mit Stress und Schreien. Früher wurde mir gesagt, ich müsse mehr kommunizieren, aber mir fiel das immer schwer. Meine Aufstiegschancen waren meist gering. Ich verpasste z.B. jedes Mal die Team Germany-Aufstellung, und sowas kann demotivierend sein.


Derby Digger # 2

Als ich nach Hamburg ging, konnte ich mich entscheiden: Abschied oder der Versuch neu zu starten. Keine Frage: mir fehlte das Derby einfach zu sehr! Neue Stadt, neue Leute, andere Gewohnheiten, anderes Training, Angst vor Ablehnung und so viele andere Gedanken. Melinda (Ostblocker) war meine erste Kontaktperson, dann Rosi (Knock‘n Rose), beides

Trainerinnen. Mir war es wichtig, dass sie davon erfuhren und auch alle anderen im Team. Ich musste jetzt mutiger an die Sache herangehen. Meine Schwäche zur Stärke machen. Und es klappte gut, ich wurde gut aufgenommen. Auch inspirierte ich andere. Das hatte ich nicht erwartet. Ich bekam Support und das Interesse am Visuellen war bei einigen zu spüren. Es war toll. Ich versuchte Dolmetscher*innen anzufragen, um die Kommunikation beim Training zu erleichtern, doch leider klappte das nicht.

Foto: Kristian Kobelentz

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Foto: Clemens Rambow

Außerdem konnte ich jetzt meinen Namen ändern, ich wollte mich transparenter machen. Derby ist laut, ich eher leise. Es gibt eine französische Duo-Art Band mit dem Namen Daft Punk. Zwei nicht sprechende Roboter DJs. Mein Alter Ego passte: Deaf Punk. Gleichzeitig bin ich sichtbar: Ich wurde für zwei Spiele aufgestellt. Mein letztes Spiel war für mich das beste Erlebnis von allem. Als ich meinen ersten Pass machte, sah ich die Deckhands (die großartigsten Fans) wie sie mit den Händen applaudierten.* Ich wusste nicht, was geschah, war überrascht und gerührt. Ich fühlte mich so wahrgenommen und akzeptiert. Dieses Spiel hat mir viel Spaß und Kraft gegeben, ein absolutes Highlight. Ich bin bis heute sehr dankbar für diesen Moment, wer auch immer es ihnen zugeflüstert hat. Dennoch, wenig später verfiel ich in das alte Muster. Auch fühlte ich mich einsam, mir fehlte etwas. Ich hatte schon immer zwei Identitäten, nur eine konnte

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sich nicht entwickeln. Ich fühle mich zwar sehr wohl in meiner „natürlichen Welt“, so wie ich geboren bin, wuchs aber komplett in der hörenden Welt auf, ohne Gebärdensprache. Aber: Die Gebärdensprachgemeinschaft ist inzwischen zu einem sehr wichtigen Teil in meinem Leben geworden. Ich fühle mich endlich angekommen in einer Community. Manchmal fällt mir der Prozess schwer, weil ich häufig noch im alten Versteck- und Anpassungsmodus bin. Dadurch fühle ich mich wie im falschen Bewusstsein/Körper und muss lernen mich so zu akzeptieren, wie ich bin. Durch die Unsicherheit habe ich ein typisches Musterverhalten aufgebaut, das ich erstmal aufbrechen muss, ähnlich wie bei einem Coming-Out. Für viele ist es erstmal irritierend, dass ich mich wie eine Hörende verhalte. Es ist also von Beginn an nicht einfach, und in der Derby- oder Chicks in Bowls-Welt sind Deaf-Skater*innen rar, daher gibt es kaum Raum für Diskussionen.

* die offenen Hände über den Kopf strecken und diese im Handgelenk zügig nach links und rechts drehen


Derby Digger # 2

Skaten will ich nicht missen. Als ich dann von CiB erfuhr, dachte ich an neue Möglichkeiten, um im Training zu bleiben und neue Skills zu probieren. In Hamburg bin ich dann auf Anke (Splatterling) gestoßen, und wir haben angefangen uns zu treffen, uns gegenseitig zu supporten etc. Die CiB ist eine tolle Community. Aber auch dort ist die Kommunikationsbarriere genauso existent wie beim Roller Derby. Eine Spielerin, das werde ich nie vergessen, hatte vor einem Bout kleine Zettelchen für alle vorbereitet. Darauf standen für jede*n individuelle Sprüche. Auf meinem, dass ich viel Ruhe ausstrahle und sich das positiv auf das Team auswirke. Mir war das nie wirklich bewusst, aber solche kleinen Gesten sind wunderbar. Und ja, es stimmt, ich bin ruhig, weil mir nichts anderes übrig bleibt. Aber es ist eine gute Sache, weil ich jetzt weiß, dass das zu meinen Stärken gehört.

Roller Derby bricht zwar Rollenbilder auf: Feminismus, Gender, Pride usw. Aber wie sieht es aus mit Deaf Skater*innen? Wie geht man mit zwei Identitäten um? Inklusion? Wo findet sie statt? Als Einzelne*r hat man kaum eine Chance darüber zu diskutieren. Für mich ist alles sehr spannend, und ich möchte eigentlich so vieles kennenlernen und verstehen, doch das Problem ist die nicht barrierefreie Kommunikation. Es bräuchte viel mehr Interessierte, Deaf-Skater*innen oder auch Gebärdensprachnutzer* innen, damit das Konzept aufgehen würde.

Durch die Unsicherheit habe ich ein typisches Musterverhalten aufgebaut, das ich erstmal aufbrechen muss, ähnlich wie bei einem Coming-Out.

Ein „Auf Wiedersehen“ fällt mir immer schwer, aber es sind die Abschnitte, die Phasen, die ich durchgemacht habe. Die Leute, die ich kennengelernt habe. Das

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Der Tod kommt auf Inlinern Eine Filmkritik von Lothar aka Lotzilla

Rauchschwaden in der Luft werden vom Flimmern eines Bildschirms erhellt. Darauf läuft ein Roller Derby-Film und davor auf dem Sofa sitzt, wie hingeworfen, der Verfasser. Er hat schonmal einen Bout live gesehen, versteht die Dialoge in australischer Sprache kaum und hat sich in den anzunehmenden Zustand der Drehbuchautoren versetzt. Perfekte Voraussetzungen für diese Filmkritik. Derby Digger präsentiert (Trommelwirbel, Fanfare, Tusch und dann fettes Echo):

MURDERDROME!!!1!

A

propos Musik, das Beste zuerst: der Soundtrack. Punkrock und Metal, wo Spaß bringt. Schön laut auf Kopfhörern könnt ihr damit zum Beispiel durch den Supermarkt pogen. Auf Rollschuhen natürlich, denn auf denen steht eigentlich immer, wer Roller Derby lebt. Flirten auf Rollschuhen, prügeln auf Rollschuhen, sterben auf Rollschuhen – so will es der

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Film. Dabei ist er ungefähr soviel Sportfilm wie Sharknado eine Tierdoku ist. Die australische Splatter-Action anno 2013 steht irgendwo zwischen passablem Abifilm und Bewerbung für Hollywood. Schwer einzuordnen. Look & Feel ist ziemlich premium. Ansonsten entwickelt sich aus einer komplett absurden Grundidee eine kurzweilige Handlung mit bemer-

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Derby Digger # 2

ge wie die Lindenstraße. Spannende Einstellungen, tolle Kamerafahrten und gekonnter Schnitt inszenieren Roller Derby mitreißend, ästhetisch ansprechend und dabei authen­ tisch. Die Spieler*innen im Film sind ebendies auch im Leben. Schauspieler*innen, durchaus, doch keine Schau-Spieler*innen. Auf absurde Ausschmückungen im Spiel wird auch verzichtet. Da passiert nichts anderes als auf unseren Tracks.

kenswerten Höhen, abwegigen Tiefen und gelegentlich erfrischend flachen Gags. Interessanterweise crasht das Ganze immer dann auf C-Movie-Niveau, wenn sich nach Höherem gestreckt wird. Stichwort: Overacting. Vor allem wenn das Spezialeffekte-Team richtig rasant um die Kurve kommen will, fliegen sie raus. Anspruch auf Sinn wird aber nie erhoben, und so kann der Film funktionieren. Einfach mal loslassen und akzeptieren, dass nicht alles zu begreifen ist – wie im Leben – dann können es 73 unterhaltsame Minuten sein.

Flirten auf Rollschuhen, prügeln auf Rollschuhen, sterben auf Rollschuhen – so will es der Film.

A Bout : A Movie – Sport gegen Handlung An dieser Stelle interessiert natürlich, welche Rolle der Sport spielt, wie er im Film dargestellt wird, und da kann man nicht meckern. Zwar gibt es Spielszenen nur im Vorspann, der allerdings läuft fast so lan-

Zumindest in meinen Augen. Aber auch Expert*innen müssen nicht mit gesenktem Kopf unter der Hand vor der Stirn durchschielen. Nicht so wie ein*e richtige*r Boxer*in, die/der Rocky dabei zusieht, wie der mit den Händen an der Hosennaht 12 Runden lang, Kinn voran, in eine krachende Gerade nach der anderen läuft und am Ende gewinnt.

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Ohne Refs gibt‘s Tote Ganz anders sieht’s mit der Handlung abseits des Tracks aus. Die läuft unter „ja, nee, is klar“. Boy meets girl und seiner Ex gefällt das nicht. Beide Frauen sind Derbyspieler*innen, haben jetzt Beef und drohen Meat zu werden. Denn: Die üblen Vibes der Eifersucht rufen eine Dämonin auf den Plan, die alles zerhackt, was nicht bei drei in der Penalty Box sitzt. Die gibt es in diesem Spiel nur leider genau so wenig wie Refs. Dafür ist ein überbetont mysteriöser Hausmeister am Start, der als Torwächter zu einer anderen Dimension fungiert und die Heldin so steuert, wie Logik es nicht könnte. Nun ja. Aber auch egal. Loslassen. Schönes Detail am Rande ist das Footwear der Schlächterin. Sondaschule lässt grüßen.

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Nur eines ist in diesem Film nicht zu finden: Derby Kultur im weiteren Sinne.

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Film ohne Sternchen Man kann den Film hassen oder lieben, vielleicht auch beides, aber man muss dem Regisseur zugestehen, dass er Schwachsinnsplot, Roller Derby, absurde Wendungen, stylische Inszenierung und Slapstick zu einem stimmigen Gesamtwerk verarbeitet. Nur eines ist in diesem Film nicht zu finden: Derby Kultur im weiteren Sinne. Zwischen Track und Dämonin ist nichts. Keine sozialen Themen, kein Feminismus, keine Gender-Sternchen. Zumindest wäre es dem Verfasser entgangen. Aus Gründen. Siehe Intro. Vielleicht war auch alles ganz anders. Ohne Dialoge ist es sowieso nur Halbwerk. Spaß hat‘s trotzdem gebracht.

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Derby Digger # 2

Wir befinden uns im Jahre 2018 n. Chr. Ganz Sachsen ist von Menschen mit Plakaten besetzt, die sich am liebsten montags zusammenrotten... Ganz Sachsen? Nein! Ein kleines Team von unbeugsamen Menschen hört nicht auf, dem Eindringling Widerstand zu leisten.

Dresden

Von Anna aka Kurly Push & Silvana aka Coffin Cutie

Pioneers das letzte dorf

So oder so ähnlich fühlt es sich zur Zeit manchmal im schönen Dresden an. Aber wir versuchen unser Bestes, den grauen Einheitsbrei zu durchbrechen und mit bunten Farben zu übermalen.

wonnene Zeit (und gespartes Geld – Tape ist teuer) investierten viele der Skater*innen und fuhren durch ganz Europa zu Bootcamps. Wie ein Schwamm wurde das Wissen aufgesaugt und mit nach Hause gebracht.

Angefangen haben wir als Team 2012 - gegründet von Miriam Bröhl aka Mary Toothfairy. Zu Beginn waren wir nur eine Handvoll Leute, die, wie so viele deutsche Auch nicht zu unterTeams, auf Parkplätzen ihr schätzen sind die vieTraining begannen. Das len Roadtrips quer durch Team wuchs langsam aber Roller Vereine Derby Deutschland, bei denen stetig und wir wurden vom stellen sich man auch mal gerne für Verein SV Motor-Mickten vor ein Scrimmage 5 Stunden aufgenommen. Nach anfänglicher skeptischer BetrachFahrt (und das ist nur eine tung von beiden Seiten wuchsen wir Strecke) auf sich genommen hat. jedoch eng mit unserem Verein zuTja, bei uns im Osten gab es dasammen und bekamen sogar unseren mals noch nicht so viele Teams und eigenen Track in der Halle. So Berlin war dann doch in unseren konnten wir uns viel TrainingsAnfängerjahren ein paar Nummern zeit und Tape sparen. Diese gezu groß für uns.

Derby L ve

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Auch am Anfang war schon der sportliche Ehrgeiz zu spüren, der in den Adern dieser Liga steckt und sich sowohl bei Skater*innen als auch bei Officials immer weiter ausgedehnt hat. Aber gerade in den ersten Jahren waren es der Zusammenhalt, der Sport an sich und die Dynamik des Roller Derbys (und natürlich die legendären Afterboutpartys), die uns in ihren Bann zogen.

auch der Aufstieg und der Klassenerhalt in der 1. Bundesliga. Bis wir uns letztes Jahr Vizemeister*innen nennen durften – wir arbeiten weiter daran, dass das „Vize“ wegfällt. Ein viel zu langes Wort. Das wäre alles nicht möglich gewesen, wenn nicht die ganze Liga an einem Strang gezogen hätte. Dadurch konnte viel Engagement, Kraft und Begeisterung in den Aufbau gesteckt werden. Dresden ist sicherlich nicht die größte Stadt mit unendlichen Ressourcen, aber das hat uns nie aufgehalten. Wir lieben unsere kleine und feine Liga und sind so stolz, dass wir mittlerweile ein A-Team (Dresden Pioneers) und ein B-Team (Trackoons) beherbergen. Jede*r, die/der im Roller Derby aktiv ist, weiß, wie sehr man um jede*n einzelne*n Spieler*in kämpfen muss, wie sehr man sich bemühen muss, dass man spielfähig bleibt (es gehen Gerüchte rum, es gäbe da noch ein anderes Leben) und deswegen ist das wirklich großartig. Und wir wollen natürlich, dass noch mehr diesen wunderbaren Sport kennenlernen.

Diese wunderbaren Ausflüge haben uns nicht nur im Derby weit nach vorne gebracht, nein, sie waren auch ein ganz elementarer Grundstein für viele Freundschaften mit anderen Teams (aus ihr entstand z.B. die blau-lilane Liebe zwischen München und Dresden).

Bis wir uns letztes Jahr Vizemeister* innen nennen durften – wir arbeiten weiter daran, dass das ‚Vize‘ wegfällt. Ein viel zu langes Wort. Mit Miley Cyrus durchbrachen wir wie ein „Wrecking Ball“ die Kassler Mauern im Jahr 2013. Und bis heute stoppt die Abrissbirne nicht – es folgten mehr Bouts, die 2. Bundesliga, mehr internationale Spiele und dann

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Derby Digger # 2

Foto: Felix Göpfert

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Die nächsten Zeilen sind einer ganz besonderen Gruppe gewidmet, nicht besonders im Sinne von „man muss besonders mit ihnen umgehen“, sondern im Sinne von „ohne diese grandiosen Menschen wäre die Liga und wären vor allem die Pioneers nicht da, wo sie sind“ – unseren Officials!

Roller Unsere Officials Vereine Derby stellen sind teilweise sich vor viel mehr auf Reisen als das Team es je war und haben sich durch viel harte Arbeit auch einige Zertifizierungen verdient – wären wir eure Mama, würden wir sagen: „Mutti ist stolz auf euch!“

Ein großes Shoutout hier ganz speziell an alle jetzigen oder ehemaligen Officials von Roller Derby Dresden, die niemals müde werden, uns auf die kleinen Fehler, die wir im Eifer des Gefechts begehen, hinzuweisen. Die auch mal den einen oder anderen emotionalen Ausbruch verzeihen. Die jeden Donners­ tagabend bis 23 Uhr gegen die Müdigkeit ankämpfen und trotzdem voller Inbrunst „five seconds“ brüllen (und bei einigen Scrimmages die Anzahl der anwesenden Skater*innen übertrumpfen).

Wenn ihr also mal Dresden besuchen solltet (und das lohnt sich), dann kommt doch auch mal bei uns vorbei! Wir heißen jede*n beim Training willkommen und überzeugen euch gerne, dass Dresden es verdient hat, dass man um diese wunderbare Stadt kämpft und dass man montags auch wieder durch die Stadt laufen und einfach nur die Aussicht genießen kann. In diesem Sinne: „Die spinnen, die Römer!“

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..

fur

Nachwuchs sorgen

Maria aka Mean Machine und Judith aka YouDeath sind zwei der Trainer*innen für den Nachwuchs und schreiben über Junior Roller Derby beim FC St. Pauli. eit November 2017 haben wir bei den Harbor Girls Hamburg nun auch ein Junior Derby-Team. Hier trainieren Kinder und Jugendliche im Alter von 7 bis 17 Jahren einmal in der Woche für 90 Minuten zusammen. Inhaltlich unterscheidet sich das Training kaum von dem der Erwachsenen, jedoch führen wir die Kids spielerischer an die einzelnen Skills heran und machen weniger und kürzere Technikeinheiten zwischen Spielen wie Feuer-Wasser-Sturm, Kettenticken und Wettrennen. Genau wie die „Großen“ trainieren wir Stops, Fallen, Springen, das Fahren im Pack und vieles mehr. Aber mit dem Training kann

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erst begonnen werden, wenn der Helm richtig eingestellt ist und der Mundschutz und die Schoner an der richtigen Stelle sitzen. Und das ist meistens schon die erste Herausforderung, denn Knie- und Ellenbogenschoner sehen oft verdächtig gleich aus… Aber da Roller Derby ein Teamsport ist, hilft man sich gegenseitig. Die Schnelleren helfen den Langsameren, die Älteren den Jüngeren, ob beim Anziehen oder beim Skaten.

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Die Schnelleren helfen den Langsameren, die Älteren den Jüngeren, ob beim Anziehen oder beim Skaten.


Derby Digger # 2 Und genau das ist eine wichtige Komponente vom Junior Derby. Denn neben den körperlichen Aspekten wie Gleichgewichtssinn, räumlichem Verständnis, Beweglichkeit und Ausdauer vermittelt Roller Derby spielerisch in unmittelbarer Weise soziale Kompetenzen wie einen strukturierten Umgang mit Widerständen, Respekt, Kooperation, Fairness, „Sportswomanship“, Durchsetzungsvermögen, Selbstvertrauen und Verantwortungsbewusstsein. Aktuell haben wir 22 Mädchen und Jungen im Juniorteam und sind sechs Trainerinnen, die alle aktive Spielerinnen aus sämtlichen Teams der Harbor Girls sind. Denn wie überall im Roller Derby üblich ist auch hier alles DIY. So sind neben uns rollenden Trainerinnen noch ein bis zwei weitere Personen involviert. Neben dem Anleiten des Trainings gibt es viele administrative Aufgaben wie die Kommunikation mit den Eltern, das Organisieren von Hallen, das Entwickeln von Trainings­­plänen und insbesondere das Vernetzen mit anderen Juniorteams. Denn nicht nur in Hamburg gibt es Junior Derby. Auch in einigen anderen Städten wie z.B. Berlin und Emden gibt es inzwischen Teams.

konnten bei ihrem ersten Scrimmage ihr Können unter Beweis stellen. Auch in Hamburg fand Anfang September ein Junior Derby-Bootcamp statt. Am Samstag gab es verschiedene Trainingseinheiten wie z.B. Speedskaten, fancy Jammertricks und die perfekte Wall. Am Sonntag wurde gescrimmaged. Die Kids haben viel Durchhaltevermögen gezeigt, waren fokussiert und auf dem Track ruhiger als wir Trainerinnen an der Bench… Während sich die Strukturen hier in Deutschland erst noch entwickeln, fand im Juli dieses Jahres in den USA eine Junior Derby-Weltmeisterschaft mit sechs Teams statt. Bei diesem Event waren wir noch nicht dabei, aber vielleicht ja schon bei der nächste WM…

So gab es im Mai das erste Junior Derby-Bootcamp in Emden. Dort haben unsere Kids zum ersten Mal mit anderen Skater*innen trainiert und Foto: Björn Lexius Illustrationen: Janna Dollt

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so war es bei

Block am deich

Anne Hoffmann ist Gründerin der Maleficent Mermaids und schreibt über das Junior Roller Derby Bootcamp Block am Deich, das am 5. und 6. Mai 2018 in Emden stattfand.

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oller Derby ist vielleicht bald kein Nischensport mehr, das erkennt man unter anderem daran, dass mittlerweile auch im fernen Emden gerollt und geblockt wird.

Aber es wäre nicht „typisch ostfriesisch“ wenn hier alles so laufen würde wie im Rest des Landes. So gründete sich im RollSportClub Emden e.V. im Frühjahr

2016 zuerst ein Junior Derby Team. Mit einer Trainerin, die sich das Wissen über den Sport aus den offiziellen WFTDA-Regeln und YouTube zusammengebastelt hatte und nie so wirklich auf Rollschuhen stand, fing das Experiment „Maleficent Mermaids“ an. Heute, zwei Jahre später, sind erste Erfolge zu sehen. Am 5. und 6. Mai dieses Jahres luden sie gemeinsam mit den Meatgrinders Bremen andere Juniorteams aus nah und fern zum Bootcamp und Scrimmage „Block am Deich“ ein. Die Junioren aus Hamburg und die RebelLIONS aus München folgten diesem Ruf und so wurde aus der kleinen verschlafenen Stadt an der Nordsee für ein Wochenende das Epizentrum des deutschen Juniorderbyversums. Die ersten Gäste trudelten schon Freitag ein. Nach gemeinsamer Pizza konnten es die Kids nicht

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Foto: Björn Lexius

Derby Digger # 2

mit den Refs und NSOs geübt und wie man zum Beispiel in die Penaltybox fährt, ohne diese oder einen Flamingo umzufahren. Die Flamingos wurden am Nachmittag auch noch eben schnell ausgebildet. Der NSOWorkshop richtete sich an alle, die Lust hatten. Die Mitglieder des sich im Aufbau befindenden Adultteams des RSC Emden, „Die fiesen Friesen“, stellten da natürlich das Gros der Teilnehmer*innen, aber auch die Begleiter*innen der Hamburger Juniors und ein Mitglied der Mermaids machten mit. So konnten alle wichtigen Posten, welche am Sonntag zum Scrimmage gebraucht wurden, gleich besetzt werden.

abwarten sich ihre Skates anzuziehen und gemeinsam ein paar Runden zu drehen. Dabei wurden auch ein paar Figuren aus dem Kunstlauf gelehrt und gelernt.

Am 5. und 6. Mai wurde aus der kleinen verschlafenen Stadt an der Nordsee für ein Wochenende das Epizentrum des deutschen Juniorderbyversums.

Samstag ging es dann richtig los. Pünktlich um 10 Uhr startete das Bootcamp mit einer kurzen Vorstellungsrunde und einem OffSkate-Warmup. Zuerst wurden noch einmal die Basics gefestigt, dann zeigten die Jammer*innen und Blocker*innen der Meatgrinders ihre Tricks und Kniffe. Da kaum eines der Kinder über wirkliche Spielerfahrung verfügte, wurde mit ihnen auch der Umgang

Nach acht Stunden auf Rollen freuten sich dann die Füße der Kids und Coaches aus den Skates

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Viele waren gekommen, um zu sehen wie dieser Sport nun eigentlich genau funktioniert und jetzt fragte auch keiner mehr, was wir denn mit dem Ball machen…

raus zu dürfen. Einige nutzten die freie Zeit, um sich in der Hafenstadt umzuschauen, andere dachten sich noch schnell ihre Derbynamen aus. Die Meatzis verbrachten den Abend mit Pizza im Vereinsheim des RSC und bereiteten sich ihrerseits auf die für sie unbekannten Jobs als Refs vor. Sonntag wurde es dann ernst! Alle kamen frisch ausgeruht und voller Vorfreude und Anspannung zusammen. Da sich drei Mannschaften eingefunden hatten und die Zeit für drei Spiele wegen der Abreisezeiten unserer Gäste nicht reichte, wurde das Scrimmage im Sur5al-Modus gespielt. Eltern, Großeltern, Freund* innen, Nachbar*innen, Geschwister; viele waren gekommen, um zu sehen wie dieser Sport nun eigentlich genau funktioniert und jetzt fragte auch keiner mehr, was wir denn mit dem Ball machen…

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Foto: Björn Lexius

Derby Digger # 2

Angesetzt waren 2 mal 20 Minuten. Die Mermaids eröffneten das Spiel mit einem Jam gegen die RebelLIONS, welchen sie auch für sich entscheiden konnten. Somit war die Stimmung im Publikum auch gleich da. Die Halbzeitpause wurde von unserer Kunstlaufsparte (die Wurzeln des Vereins) gestaltet. Währenddessen beschlossen die Teams, Refs und NSOs spontan noch eine dritte „Halbzeit“ dran zu hängen. Das Spiel war spannend und die Teams lieferten sich einen fairen und ausgeglichenen Kampf auf Level II um jeden einzelnen Punkt. Nach insgesamt 60 Minuten Spielzeit zeigte die Tafel folgende Punkteverteilung:

1. Maleficent Mermaids Emden 194 2. Harbor Girls Hamburg 138 3. RebelLIONS München 100

Somit konnten die Mermaids ihren ersten (Heim)Sieg verbuchen und hoffen natürlich, dass noch einige folgen werden. Nachdem unsere Gäste verabschiedet und Versprechen auf ein baldiges Wiedersehen gegeben wurden, kehrte auch wieder Ruhe in die kleine ostfriesische Stadt kurz vorm Deich ein. Wir, die Maleficent Mermaids und das Team des RSC Emden e.V., bedanken uns noch einmal bei unseren Gästen fürs Kommen, unseren Eltern und Helfer*innen für die Unterstützung und natürlich ganz herzlich bei den Meatgrinders Bremen, ohne deren Hilfe und Support „Block am Deich“ nicht hätte realisiert werden können.

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was macht eigentlich

der RDD ? *

Vermutlich mehr als Dir, liebe*r Leser*in, bewusst ist! Zumindest ging es Ulrike aka Effi Biest so, bevor sie sich selbst im RDD engagierte.

erbandsarbeit war für mich immer etwas Langweiliges, das alte, weiße Männer hinter verschlossenen Türen machen. Darüber hinaus war mein Bild von Verbandsarbeit eher von der Berichterstattung über Dopingskandale, Korruption und Veruntreuung von Geldern im deutschen Spitzensport geprägt. Im letzten Jahr habe ich allerdings gelernt, dass Verbandsarbeit die Möglichkeit bietet, Roller Derby in Deutschland aktiv mitzugestalten und Verantwortung zu übernehmen. Ich habe erlebt, wie viele engagierte Menschen es im deutschen Roller Derby gibt, wieviel Eigeninitiative (und manchmal auch Frustrationstoleranz) es braucht, um etwas zu bewegen und wieviel Arbeit hinter alledem steckt. Wer ist der RDD jetzt eigentlich? Du! Zumindest, wenn Du in einem RDD-Verein Mitglied bist. Roller Derby Deutschland (RDD) ist die Sportkommission Roller Derby im * Roller Derby Deutschland

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Deutschen Rollsport- und Inlineverband e.V. (DRIV). Die Sportkommission wiederum setzt sich aus den gewählten Vertreter*innen der beim DRIV gemeldeten Landesverbände zusammen.

V

Ich habe gelernt, dass Verbandsarbeit die Möglichkeit bietet, Roller Derby in Deutschland aktiv mitzugestalten und Verantwortung zu übernehmen.

Soweit die Theorie – aber was heißt das jetzt in der Praxis? Ein Verein, der dem RDD beitreten möchte, kontaktiert zunächst den zuständigen Landesverband und wird Mitglied. Das kann z.B. der Bayerische Rollsport- und Inlineverband e.V., der Rollsport- und Inlineverband NRW e.V. oder der Thüringer Eis- und Rollsportver-


Derby Digger # 2

band e.V. sein – eine komplette Liste aller Landesverbände findet man auf www.driv.de. Nun wählen die Vereine im Landesverband eine eigene Sportkommission auf Landesebene; dabei kann sich jedes Vereinsmitglied zur Wahl stellen lassen. Innerhalb dieser Sportkommission wird nun ein*e Landesvertreter*in und ein*e Stellvertreter*in gewählt, die auf Landesebene den Verbandsvorstand bilden. Je nach Landesverband gibt es unterschiedliche Rechte und Pflichten. Eventuell hat man als Landesverband auch Zugriff auf ein Budget oder andere Ressourcen, z.B. Ausbilder*innen aus anderen Sportarten. Drei bis vier Mal im Jahr treffen sich alle Landesvorstände zu den Sitzungen der Sportkommission Roller Derby auf Bundesebene. Diese Sitzungen sind öffentlich, d.h. jedes Mitglied eines RDD Vereins kann daran teilnehmen und mitdiskutieren. Stimmberechtigt sind aber nur die gewählten Landesvertreter*innen bzw. ihre Stellvertreter*innen und die von der Sportkommission für zwei Jahre gewählten Vorsitzenden auf Bundesebene.

Und was hat der RDD in nächster Zeit so vor? Die Bundesligasaison gut zu Ende bringen und mitfiebern, wer Meister wird und wer auf- und absteigt. Eine Evaluation des bestehenden Bundesligasystems hat gerade begonnen, und wir sind auf die Ergebnisse gespannt. Der Vorstand soll auf Bundesebene um eine*n Vorsitzende*n für den Bereich Inklusion und Diversität erweitert werden (Du?) – gegen Diskriminierung, Rassismus und Marginalisierung. In Diskussionen in der letzten Zeit hat sich gezeigt, dass diese Themen auch im deutschen Roller Derby zu wenig Beachtung finden. Roller Derby ist ein offener und bunter Sport, und wir möchten diese Vielfalt sichtbar machen. …hier bitte Deine Idee einfügen! Roller Derby braucht Eure Partizipation: Informiert Euch, engagiert Euch, redet mit, diskutiert mit, seid kritisch, übernehmt Verantwortung. Sprecht mit Eurer*m Landesvertreter*in oder werdet gleich selbst eine*r (2019 wird in den Ländern und im Bund übrigens neu gewählt) – damit Verbandsarbeit im Roller Derby nie etwas wird, das hinter verschlossenen Türen passiert!

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die aufgaben des rdd:

2

3 4

1

Die Regelung und Organisation von Roller Derby in Deutschland, insbesondere der Bundesliga. Dazu gehört z. B. die Sportordnung, die Ausbildungsordnung oder Regelungen zur Förderung von z.B. Officials.

 ie Betreuung und Nominierung der NatiD onalteams. Team Germany Women hat im Februar dieses Jahres einen hervorragenden 13. Platz von 38 Nationen in Manchester erkämpft, Team Germany Men konnte sich in Barcelona mit Platz 15 von 25 im Mittelfeld platzieren.

Die Ausbildung/Zertifizierung von Officials und Trainer*innen. So können sich Officials, die einen vom RDD anerkannten Lehrgang besuchen, die Teilnahmegebühr zurückerstatten lassen. Seit Juni 2017 gibt es offiziell einen vom DOSB* anerkannten Trainer C Roller Derby.

 ie Koordination mit übernationalen OrD ganisationen, insbesondere natürlich der WFTDA, aber auch Zusammenarbeit mit den nationalen Organisationen anderer Länder. Ein Beispiel für die Zusammenarbeit ist die Anfang des Jahres erschienene WFTDA Regelübersetzung in geschlechtersensibler Sprache.

Kontakt zum RDD: www.driv.de www.rollerderbygermany.de vorstand@rollerderbygermany.de * Deutscher Olympischer Sportbund

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Derby Digger # 2

seite der coolen leute Anika (Kunstpause) seit 2015 bescheidenes Fangirl einer Freundin, die damals bei den Meatgrinders in Bremen anfing Persönliches Einlauflied: „F.U.N.Song“ von Spongebob Anke (Fotografin „Manche mögen‘s Eis“) besuchte 2016 ihren ersten Bout und war sofort begeistert von der Energie des Roller Derbys Persönliches Einlauflied: „London Calling“ von The Clash Anne („Block am Deich“) kam 2016 gründemit Derby in Kontakt te die „Maleficent Mermaids“ in Emden Persönliches Einlauflied: „Girl Anachronism“ von den Dresden Dolls Biggy Pop („Jammen als Way of Life“) Roller-Derby-Erweckungserlebnis: 2012 in New York „nur“ sechs Jahre später erster Besuch eines Hamburger Bouts Persönliches Einlauflied: „Lauf Los“ von Die Braut Haut Ins Auge Chinkilla („Manche mögen‘s Eis“) hat Roller Derby 2016 für sich ist bei den Hamburg entdeckt Harbor Girls gelandet Persönliches Einlauflied: „Don‘t Stop Me Now“ von Queen

Coffin Cutie („Dresden Pioneers“) spielt seit August 2012 Roller Derby in Dresden Persönliches Einlauflied: „You Spin Me Round“ von Dead Or Alive Dancing Animal („Manche mögen‘s Eis“) hat in seinem Leben schon eine Menge Fanzines zum Thema Subkultur herausgebracht wurde in Hamburg zum Harbor Girls-Fan Persönliches Einlauflied: „Hotel Monbar“ von Kortatu Deaf Punk („Dabei statt mittendrin?“) spielt seit 2012 Roller Derby inkl. Ligawechsel nach Hamburg zurzeit aktiv bei CiB Persönliches Einlauflied: „Robot Rock“ von Daft Punk Effi Biest („Was macht eigentlich der RDD?“) jammt seit 2011 für Roller Derby Karlsruhe und seit 2017 für Team Germany übernahm 2017 das Amt der 2. Vorsitzenden beim RDD Persönliches Einlauflied: „Never Let Me Down Again“ von Depeche Mode Foxx Tank („Vorbeifliegende Ster­ ne“) Zebradompteur, Newbietrainer und seit sechs Jahren „Junge für alles“ bei Kassel Roller Derby Persönliches Einlauflied: „Through And Through“ von Life Of Agony

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Hellacious D (Comic) vor zwei Jahren zu den Bashlorettes Kassel gestoßen Spielerin und NSO Persönliches Einlauflied: „A“ von Knorkator Hoolia (Design) hat Roller Derby 2015 für sich entdeckt aktuell LUM beim B-Team der Hamburg Harbor Girls Persönliches Einlauflied: „I‘ll Be There For You“ von The Rembrandts

Lotzilla („Der Tod kommt auf Inlinern“) war schon einmal bei einem Bout der Hamburg Harbor Girls Persönliches Einlauflied: „Outtathaway“ von The Vines Mean Machine („Für Nachwuchs sorgen“) spielt seit August 2016 bei den Hamburg Harbor Girls Persönliches Einlauflied: „Don‘t Stop Me Now“ von Queen

JJ-X Ref („(M)eine kleine Roller seit acht Derby Geschichte“) Jahren in der Derbywelt unterwegs Referee und NSO dreijähriger Exkurs in Men`s Roller Derby Persönliches Einlauflied: „Freak On A Leash“ von Korn

Mighty Mimi („Derbywife“) seit Ende 2008 Mitglied bei Barockcity (Ludwigsburg) spielt als Blocker/Pivot gerne Einzel-Offense Persönliches Einlauflied: „Steh Auf“ von Die Toten Hosen

Karsten („Catching The Moment“) fotografiert seit 2014 bei fast allen Heimspielen der Hamburg Harbor Girls 0,1% der Bilder gibt es auf www.khelmholz.com zu sehen Persönliches Einlauflied: „No Good“ von Kaleo

Miss Zoffi („Walls are just for ist vor einer Roller Derby“) Weile für Roller Derby von Hamburg nach Berlin gezogen jammt seit 2017 im Team Germany Persönliches Einlauflied: „Come With Me“ von Puff Daddy

Käthe Kaputto („The Sound Of bis vor Kurzem aktive Music“) Spielerin der Hamburg Harbor Girls jetzt an der Bench aktiv Persönliches Einlauflied: „Who‘s The King“ von Dog Eat Dog

Rough Rudie („Manche mögen‘s Eis“) seit mehr als fünf Jahren im Derbyverse aktive Spielerin, Abteilungsleiterin und Head of Partyorga der Hamburg Harbor Girls Persönliches Einlauflied: „A Message To You Rudy“ von The Specials (natürlich!)

Kurly Push („Dresden Pioneers“) rein formal seit Frühjahr 2014 nach bei den Dresden Pioneers Sprunggelenksbruch richtig gestartet im Frühling 2015

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Persönliches Einlauflied: „Say What You Mean“ von den Lunachicks

Splat Annie („Manche mögen‘s Eis“) macht schon ewig Derby, spielend, coachend, moderierend,


Derby Digger # 2 Official verheiratet mit einem Ref Persönliches Einlauflied: „Magic“ von B.o.B. The Greench („Manche mögen‘s seit März 2018 im DerbyEis“) verse hörte am Küchentisch zum ersten Mal von diesem Teamsport ohne Ball und mit viel Liebe

Persönliches Einlauflied: „Girl Almighty“ von One Direction YouDeath („Für Nachwuchs sorgen“) seit sechs Jahren beim Roller Derby hat in Dresden begonnen, das Team mit zu gründen und zog dann nach Hamburg Persönliches Einlauflied: „The Game“ von FM Belfast

Impressum Herausgeber, V.i.S.d.P. Joachim Schupp Duschweg 35 22769 Hamburg Kontakt moin@derbydigger.de Layout Julia Koch Druck Flyeralarm GmbH Alfred-Nobel-Str. 18 97080 Würzburg Auflage 500 Stück

Fotografie Tom Alby: S.24 (www.roller-derby.net) Lothar Arnemann: Rückseite (www.lotariat.de) Anke Bewert: S.5,32 bis 39 Felix Göpfert: S.51 Karsten Helmholz: Vorderseite, S.4 bis 6,26 bis 29,40 (www.khelmholz.com) Kristian Kobelentz: S.43 Björn Lexius: S.5,53 bis 57 (www.bjoernlexius.com) Clemens Rambow: S.44 (Instagram: @cle.ram) Bill Zingraf (Regularman Photography): S.4,8 und 15

Umschlag (Fotografie) Vorderseite: Karsten Helmholz Comic (www.khelmholz.com) Daniela Heller: S.18 und 19 Rückseite: Lothar Arnemann (www.lotariat.de) Illustrationen Vielen Dank an alle Foto­ Janna Dollt: S.52 und 53 modelle sowie an die (Instagram: @jannadollt) Fotograf*innen, die uns ihre Anika Falke: S.31 Bilder unentgeltlich zur (tumblr: anikafalke Verfügung gestellt haben. Instagram: @anika.falke)

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DD#2 auf Spotify:

Foto: Lothar Arnemann

Herbst 2018

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Derby Digger #2  

64 Seiten DinA5 für "pay what you want - gerne 3 €" INHALT Vorwort Foxx Tank - VORBEIFLIEGENDE STERNE Miss Zoffi - WALLS ARE JUST FOR ROLLE...

Derby Digger #2  

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